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GERMANIA.
VIERTELJAHRSSCHRIFT
KHK
DEUTSCHE ALTEßTHTJMSKUNDE.
BEGRÜNDET VON FRANZ PFEIFFER.
.HERAUSGEGEBEN*
KARL BARTSCH.
NEUNZ KFINTER JAHRGANG.
V/**'
WIEN.
V ER LAG VON CA R I. C EROLD'S SOH N.
1874.
INHALT.
Seite
Freimarkt. Von K. Maurer 1
Beiträge zur Kritik der Eddalieder. Von Ludwig Ettmüller 5
Zur deutschen Declination. Von E. Wilken 18
Der Vers von vier Hebungen und die Langzeile. Von W. Gern oll . . . . 35
Zerstreute Beiträge. Von Fedor Bech ... 45
Mhd. baeken. Von E. Wilken 59
Über Geschlechtsnamen auf -eisen, -isen. Von M. Bück 62
Der Marienkäfer im niederösten eichischen Kinderspruch. Von CM. Blaas. .... (57
Arenga de commendatione studii. Von W. Wattenbach 72
Zwei geistliche Gedichte aus Schlesien. Von H. Rückert 75
Aus dem Buch Weinsberg. Von A. Birlinger 78
Grammatische Versuche eines Kölners aus dem XVI. Jahrh. Von demselben . . 94
Sprüche im Kölner Dialect. Von demselben 97
Ateo bar. Von W. Crecelius 99
Beiträge zur Kenntniss der langobardischen Sprache. Von Karl Meyer 1 "20
Das Gottesurtheil im altnordischen Rechte. Von K. Maurer 139
Zu Reinmar von Hagenau. Von E. Regel . 14'.)
Christi Blumen. Von J. Zingerle 182
Bruchstück einer Amicus ok Amilfus Saga. Von E. Kölbing 184
Das Schicksalsrad und der Spruch vom Frieden. Von R. Köhler. ..... 189
Bruchstück von Herzog Ernst A. Von K. Bartsch 195
Freyr und Baldr und die deutschen Sagen vom verschwindenden und wieder-
kehrenden Gott. Von Ferd. Vetter 196
Kleine Beiträge. Von demselben 211
Kleine Beiträge zur Mythologie. Von A. Lütolf 214
Bruchstück einer Handschrift von Heinrici Summarium. Von K. Bartsch 215
Der jüngere Todtentanz. Von M. Rieger 257
Über den Accusativus cum Infinitivo im Gothischen. Von Otto Apelt . . . 280
Lateinisches Liebesgedicht. Von W. Watten b ach 297
Maerlants Merlin. Von Nordhoff 300
Niederrheinische Sprüche und Priameln. Von Dr. Nolte 303
Mitteldeutsche Predigtbruchstücke. Von L. Diefenbach . . 305
Zum jüngeren Hildebrandsliede. Von A. Edzardi 315
Zum Codex Exoniensis. Von J. Schipper 327
Bruchstücke einer gereimten Bibelübersetzung. Von W. Gemoll . ■ • • 339
Die Stadt Wien im Nibelungenlied. Von Alois Knöpfler 343
Mhd. iener, niener, niuwan, ninwene und niene. Von E. Wilken . • 346
Nöne. Von Ig. Zingerle 349
Nachträge zu Lemckes Jahrbach VI, 350. Von Lg. Zingerle und EL Köhler 349
Zu Laurembergs Scherzgedichten. Von F. Latendort .'>■"> 1
Zu Gudrünarkvidha II. Von E. Kölbing 351
Zum Rolandsliede. Von K. Bartsch ■ . . 385
Heinrich von Morungen. Von Fedor Bech 419
Urkundliche Nachwcix- aber das Geschlecht und dir Heimat der Dichter Beinrich
und Johannes von Freiberg. Von demselben 120
Ulrich von Zatziklioven. Von Dr. J. Baechtold 424
Mittelalterliche Ansichten über die Träger des Namens Petras, Von K. Köhler 426
Dienstag- Zinstag. Von Adalberl Jeitteles 128
Sonnenuntergang, Geilätc, Gustr&te u. a. Gott folgen gehn. Von Schröer . . . 430
Lütbrechic. Von Adalbert Jeitteles . 138
Ahd. Glossen aus Bcheftlarn und Tegernsee. Von K. Bartsch ■ 134
LITTERATUR. Seite
Zur neueren Litteratur über nordische Philologie und Geschichte. Von K. Maurer 101
Karl Schröder, Reinke de Vos. Von Dr. H. ßaethcke 105
M. Heyne, kleine altsächsische und altniederfränkische Grammatik. Von H. Paul 217
K. A. Hahns Althochdeutsche Grammatik. — Auswahl aus Ulfilas gothischer Bibel-
übersetzung. Von E. Wilken 227
Gregorius von Hartmann von Aue. Von K. Bartsch 228
Dr. Hermann Fischer, die Forschungen über das Nibelungenlied seit Karl Lach-
mann. — Dr. Karl Vollmöller, Kürenberg und die Nibelungen. Von K. Bartsch 352
Dr. Friedr. Wilh. Bergmann, Vielgewandts Sprüche und Groa's Zaubersang. Von
E. Kölbing 359
Dr. Anton Birlinger, Alemannia. Von E. Wilken 369
Lorenz Diefenbach und Ernst Wülcker, hoch- und niederdeutsches Wörterbuch.
Von K. Bartsch 370
Dr. H. Schreyer, Untersuchungen über das Leben und die Dichtungen Hartmann's
von Aue. Von K. Bartsch 371
Fedor Mamroth , Geoffrey Chaucer, seine Zeit und seine Abhängigkeit von Boc-
caccio. Von E. Kölbing .. • 373
O. Erdmann, Untersuchungen über die Syntax der Sprache Otfrids. Von P. Piper 437
J. Chr. Cederschiöld, Bandamanna saga. Von K. Maurer 443
BIBLIOGRAPHIE.
Bibliographische Übersicht der Erscheinungen auf dem Gebiete der germanischen
Philologie im Jahre 1873. Von Karl Bartsch 449
MISCELLEN.
Übersicht der germanistischen Vorlesungen an den Universitäten Deutschlands, Öster-
reichs, der Schweiz, Hollands und in Dorpat im Winter 1873/74, Sommer 1874,
Winter 1874/75 120 254 501
Karl Schiller. Von A. Lübben 123
Hermann Kurz. Von A. v. Keller 124
Artur Köhler. Von Eugen Kölbing 126
Personalnotizen 128 256 384 508
Zu Germania XVIII, 454, Zeile 13 v. u 128
Hoffmann von Fallersleben. Von K. Bartsch 235
Moritz Haupt. Von demselben 238
Eduard von Kausler. Von A. v. Keller 242
Arthur Amelung. Von E. Kölbing 244
Briefe von Jakob Grimm an K. W. Bouterwek. Von W. Crecelius 247
Ein Brief Schmellers 25.'?
Preisaufgaben 256
Bekanntmachung 256
Übersicht der germanistischen Thätigkeit M. Haupts. Von F. Ignatius 373
Hans Ferdinand Massmann. Von K. Bartsch . 377
Kobersteinstif'tung in Pforte 381
Uhlandsstiftung in Tübingen 382
Berichtigungen zur Zeitschrift für deutsches Alterthum. . 383
Bericht über die Sitzungen der deutsch-romanischen und der Section für neuere Spra-
chen auf der XXIX. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zu
Innsbruck, vom 28. Sept. bis 1. Oct. 1874. Von Dr. J. Egger 492
Oscar Jänicke. Von Joseph Strobl 503
Jacob Grimm an Adelbcrt von Keller 504
Denkmal für Walther von der Vogelweide 505
Hern Walthers sanc. Von Karl Bartsch 506
Jacob Grimm. Von demselben 507
Denkmal für Hoffmann von Fallersleben 507
Berichtigungen 508
FREIMARKT.
Studien über die ältesten norwegischen, schwedischen und däni-
schen Hofrechte haben mich veranlasst, der Bedeutung des Ausdruckes
Freimarkt nachzugehen, welcher in einigen von ihnen vorkommt;
das Ergebniss aber meiner Nachforschungen scheint mir in rechts-
geschichtlicher sowohl als culturgeschichtlicher Beziehung interessant
genug, um hier erwähnt werden zu dürfen.
Die Aufzeichnung, welche Joh. Hadorph im Anhango zu seiner
Ausgabe von Biärköa Ratten (Stockholm 1687) unter dem Titel: „Kon-
ung Magnus Erichssons Gardz Rätt 1319" abgedruckt hat, ent-
hält in ihrem §.8 (S. 9) mehrfache Bestimmungen , welche das Spielen
um Geld und Geldeswerth beschränken; in §. 9 aber wird sodann
bestimmt: „Framledhis forbiudher min herre nokor frijmark holdha,
eller rijda: Hwar mz thy faar, wari ogilt, oc wari samme Raetther
ther wm som wm dobel." In dem Dienstrechte, welches derselbe
Verfasser unter dem Titel „Drottningh Margretas Gärdz Rsett"
giebt. heißt es, S. 33, in §.9 in demselben Zusammenhange: „Ingen
Man ma Frimarknath hafwa, eller i Frimark ridha widher sama
plicht, som sakl <t vm dobel"; in der dänischen Übersetzung aber
dieses letzteren Denkmales, welche Joh. Henr. Schröder unter dem
Titel: „Reginas Margarethse jus aulicum Svecanum Daniee" heraus
he,, hat (Upsala, 1842), lautet die Stell.', ij.it, folgendermaßen:
„Engen man ma fiymarkiieth liatl'ue eller tVvm.n knet rydhe wedher
samme plicht Born Bagii ser <>ni dobbel." — Schon Hadorph hat be-
merkt, daß mit dem Dienstrechte der Königin Margarete ein anderes
wesentlich gleichlautend sei. welches den Namen K. Erichs von Pom-
mern trage; dieses letztere, welches sowohl in dänischer als schwedi-
scher Sprache vorkommt, und unter dem Titel „Den gainle Gaards
retw in Kolderup-Rosenvinge'a Sämling af gamle danske Luve. IM \'.
dänisch abgedruckt stellt (Kopenhagen 1827), bringl aber in £. 10,
ebenfalls im Zusammenhange mit Beschränkungen des Dobbelspieles,
die Vorschrift, S. 29: „Item forbiuder mvn herre koning al ride tri i
(JKK.MAMA Reue Eteih« VII. (XIX.) Jahrg. 1
2 K. MAURER
market oc halde. Huo thermeth faar. wsere ugild. och weere therora
sorn om dobler". Die späteren schwedischen Hofrechte des 16. und
17. Jhdts. sind mir nicht zur Hand; aber „Kong Frederik den
Anden s Gaardsret" vom Jahre 1562 enthält, S. 42, in §. 25 die
Bestimmimg: „Forbiuder och Konningen, att ingen skal riideFeylemarckit
eller fare mett nogen Daarespill eller Daarskaff. Huo thet giör were
ugilder oc stände thend same Rett, som för er sagdt om Dobbellspill".
Was soll es nun heißen, einen Freimarkt reiten, halten oder
machen (yde)? Kofad An eher hat in seiner sehr verdienstlichen
Abhandlung „Om vore gamle Gaards-Retter, isser Kong Eriks af Pom-
mern" (Samlede Skrifter, II, S. 590 — 91), wenn auch zweifelnd, die
Meinung ausgesprochen, daß darunter ein öffentlicher Markt zu ver-
stehen sein möge, welcher unter dem Schutze des Gesetzes frei von
aller Gewalt und Störung gehalten werden durfte. Er beruft sich zu
Gunsten dieser Deutung auf die Marktprivilegien, welche vielfach den
Städten ertheilt wurden, und welche dieser Befriedung oft genug ge-
denken, sowie auf den Gebrauch, vor Beginn der Marktzeit einen
besondern Frieden verrufen, und allenfalls sogar beschwören zu lassen,
und wirklich bestätigt der von ihm angeführte Schilter, Thesaur. Antiqu.
Teuton., III, S. 573, den Gebrauch des Ausdruckes „freyer Marck"
in diesem Sinne. Der Verfasser meint nun, vielleicht hätten einzelne
von des Königs Dienstleuten auf eigene Hand Markt gehalten, und
dabei solche Thorheiten getrieben, wie sie auf den Märkten vor-
gekommen seien, so daß der König sich veranlasst gesehen habe sol-
ches Treiben abzustellen, theils um die Marktprivilegien der Städte
aufrecht zu halten, theils um den Dienstleuten allen Anlass zu Völlerei
und anderen Unziemlichkeiten zu benehmen. Auf eine ganz andere
Spur hatte dagegen schon um ein Jahrhundert früher Christen Oster s-
sön Veylle in seinem Glossarium juridicum Danico-Norwegicum ge-
wissen, dessen von mir benützte dritte Ausgabe im Jahre 1665 er-
schien. Zum Ausdruck Feylemarcket wird hier, S. 267, unter Berufung
auf die mündliche Angabe eines Adeligen, dessen Vater die Sache noch
selbst mitgemacht hatte, erwähnt, daß es bei adeligen Trinkgelagen
wohl vorgekommen sei, daß der eine oder andere Zechbruder gefragt
babe, ob man nicht „Fejlemarket ride" wolle? Seien die Anderen auf
den Vorschlag eingegangen, so habe man über dem Zechtische einen
Dolch in die Decke gestoßen, und nun habe Jeder dem Andern ab-
tauschen können, was er an fahrender Habe bei sich gehabt habe,
z. B. Kleider, Stiefel, Sporen, Gürtel u. dgl. m. Das habe gewährt,
bis der Dolch von der Decke herabfiel; dann aber habe Jeder be-
FREI MARKT. 3
halten müssen, was er in diesem Momente gehabt habe, so daß Man-
cher ganz oder halbnackt habe davon gehen müssen, da Keiner dem
Anderen einen angetragenen Tausch abschlagen durfte. Ihre, in seinem
Glossarium Suiogothicuin, s. v. Frimark, hat sich dieser Erklärung
bereits angeschlossen, und sich nur dagegen erklärt, daß Osterssön
den Ausdruck Feilemark auf die Spielleute, d. h. doch wohl ihre Fiedel,
zurückführen wollte, während in demselben doch nur eine Verderbniss
für Frimark zu sehen sei. Das Wörterbuch der dänischen Aka-
demie, s. v. Feilemarked, folgt wieder in allen Stücken der Deutung
Osterssön's (1802), und auch Kolderup-Rosenvinge schließt sich
a. a. 0., V, S. 587, an dieselbe an, jedoch die Identität von Frimarket
und Feilemarket betonend; die Bezeichnung Freimarkt leitet er davon
ab, daß die Handelschaft nichts kostete, — wenn er aber bemerkt, daß
mit Osterssön der Name Feilemarket daher abzuleiten sei, daß man
dabei leicht fehl greifen könne, so benützt er eben nur eine andere
Andeutung des Genannten als die, welche Ihre aufgegriffen hatte.
Übrigens hat Ihre bereits darauf aufmerksam gemacht, daß Halt aus
in seinem Glossare, s. v. Freymarck, freymareken, die Bedeutung des
Tauschens in dem Worte nachgewiesen habe; nicht übersehen darf aber
auch werden, daß ein von Letzterem angeführter Leipziger Schöffen-
spruch aus dem 15. Jahrhunderte vom „fryinarch" bemerkt: „das toppil
speyl vnde wete glich ist". Wir werden damit wieder auf den Zusammen-
hang mit dem Doppelspiel und Tafelspiel zurückgeführt, in welchem
unsere Dienstrechte des Freimarktes erwähnen.
Ich glaube unter solchen Umständen bei Seite liegen lassen zu
sollen, daß das Bremisch Niedersächsische Wörterbuch (1767)
die Bezeichnung Frij-markt für „das große jährliche Jahrmarkt in
Bremen auf Lucas-Tag, welches neun Tage währt1', anmerkt; dagegen
erwähne ich eine in Grimm's Wörterbuch unter Freimarkt, ohne alle
Erklärung, angeführte Strophe aus Unlands Alten hoch- und nieder-
deutschen Volksliedern I, S. 613, wo es von Zechbrüdern heißt:
„Und so her get die morgenröt
do iederman zur kirchen get,
ersl U'ilw sie freimarkt halten;
und wer do gute kleider hat,
dem werden böse an die stat,
dir lmiss er dann behalten".
Offenbar wird in diesen Versen ganz derselbe Gebrauch vorausgesetzt,
welchen Osterssön für Dänemark bezeugt. Weitaus den lebendigsten
und genauesten Bericht über den Hergang bei einem Freimarkt giebt
1*
4 K. MAURER, FREIMARKT.
aber die Zimmerische Chronik, welcher wir so viele culturhisto-
risch interessante Belehrung verdanken. Sie erzählt, Bd. II, S. 111 bis
114, wie Herr Johannes Wernher Freiherr zu Zimmern im Jahre 1502
einen „freien markt" nach Oberndorf ausrufen ließ, welcher von Ade-
ligen und Unadeligen zahlreich besucht wurde. Der freie Markt wurde
in diesem Falle im Namen der Herrschaft durch den Stadtknecht in
der Kirche öffentlich verrufen und auf dem Rathhause abgehalten.
Einen eigenen Schultheißen und zwölf Richter, dazu einen eigenen
Gerichtsknecht ließ die Herrschaft setzen; ein „baderhüetle", d. h.
Badhemd (vgl. Lexer, Mittelhochd. Handwörterbuch, s. v. bade-huot)
wurde an drei Fäden über dem Tische aufgehängt, welches ,,der König"
genannt wurde, und welches jeder Eintretende zu begrüßen und in
bestimmt bezeichneter Weise durch Einlegung eines Hellers zu ehren
hatte, widrigenfalls er straffällig wurde. Hat sich ein Eintretender
gegen diese Förmlichkeiten irgendwie verfehlt, so mag jeder andere
Anwesende, der will, gegen ihn das Gericht anrufen, und in bestimmt
geregeltem Verfahren gegen ihn vorgehen. Der Kläger kann dabei mit
jedem beliebigen Stücke seines Gutes, das er sofort abzuthun hat,
dem Beklagten auf jedes beliebige Stück seines Gutes „auffahren",
„allain das underhemet aussgenomen", und auch dieser muß sofort
das bezeichnete Stück von sich thun. Doch tritt hinterher noch die
Frage an die Parteien, ob sie „bössern", d. h. nachzahlen wollen oder
nicht, und weiterhin kommt es zu einer Schätzung durch das Gericht,
sowie zu der nochmaligen Frage an die Parteien, ob sie „behalten oder
lassen" wollen, wobei die Meinung die zu sein scheint, daß je nach-
dem eine Nachzahlung der Werthdifferenz oder eine Lösungssumme
zu entrichten sein soll. Jeder Verstoss im Verfahren und jeder durch
eine Lösungssumme erkaufte oder gutwillig erzielte Rücktritt vom
Geschäfte macht aber die betreffende Partei, oder auch beide Theile,
bußfällig, und werden die sämmtlichen angefallenen Bußen an einem
späteren Termine vertrunken und verjubelt.
Dieß der Bericht der Chronik. Derselbe schildert uns nun aller-
dings das Verfahren beim Freimarkt ungleich complicierter als Osters-
sön oder das Volkslied bei Uliland. Von einem Ausschreiben durch
die Obrigkeit, einer Einhaltung gerichtlicher Formen, einem Ab-
schätzungsverfahren und nachträglicher Einlösung u. dgl. ist in den
letzteren beiden Angaben nicht die Rede; vielmehr setzen dieselben
gerade umgekehrt ein ganz spontanes Abhalten des Freimarktes durch
eine lustige Gesellschaft, die bereits ohnehin beisammen ist, voraus.
Aber doch sind die Grundzüge des wunderlichen Spieles hier wie dort
L. ETTMÜLLEK, BEITRAGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 5
dieselben, und es kann auch nicht auffallen, daß an verschiedenen
Orten und zu verschiedenen Zeiten dessen Ausprägung im Einzelnen
sehr verschieden sich gestaltete. Interessant wäre zu wissen, wie weit
dasselbe in der Zeit hinaufreicht, und ob die volleren Formen, wie
sie die Zimmerische Chronik, oder die einfacheren, wie sie das Volks-
lied und Osterssön kennen, die älteren seien. Die schwedisch-dänischen
Dienstrechte, deren ersten Ursprung man doch dem 14. Jahrhunderte
scheint zuweisen zu dürfen, möchten eher für die letztere Alternative
sprechen; aber freilich weiß der norwegische Borgar arettr (Norges
gamle Love, III, Nr. 61, S. 144 — 45), welcher die kürzeste Gestalt
jener Dienstmannenrechte zeigt, noch nichts von dem Freimarkte, wel-
cher überhaupt, wie schon die Bezeichnung erkennen lässt, von Deutsch-
land aus in den Norden hinübergedrungen sein muß*).
K. MAURER.
BEITRAGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER.
VON
LUDWIG ETTMÜLLER.
9) Gudrünarkvida I.
Dieß Lied ist weit besser erhalten als manches andere. Es hat
zwar einige nur dreizeilige Strophen, diese lassen jedoch sich leicht
und mit genügender, ja fast völliger Sicherheit ergänzen. Die Zusätze,
die hie und da zu entfernen sind, ergeben sich ebenfalls leicht.
Gleich Str. 4 zeigt einen solchen Zusatz, nämlich die Worte:
tveggja deetra, pi'iggja systra.
Man sieht, daß schon der Stabreim mangelt, da t, d und p nicht mit
einander verbunden werden dürfen. Die fünf Gatten und acht Brüder,
deren Tod Giaflaug zu beklagen hat, schienen nicht hinreichend,
darum wurden zwo Töchter und drei Schwestern hinzugefügt. Der
Hinzufüger bedachte nicht, daß Übertreibungen immer das Gegentheil
von dem bewirken, was man bezweckt.
In Str. 6 beklagt Berborg den Tod ihres Gatten und den ihrer
sieben Sühne. Das war aber «hin Ausschmücker nicht genug, er fügte
in drei Zeilen den Tod von Vater und Mutter und vier Brüdern hinzu.
*) Während des Druckes stossc ich in einer Sammlung von Schöffensprüchen,
welche Was serschleben im ersten Bande Beiner Sammlang <lnitscher Rechtsquellen
(1860) mitgetheilt hat, in cap. 164 - 6 auf einen a, sehr interessanten
Beleg über den „frymarg".
6 L. ETTMÜLLER
Wer hier keine Übertreibung sehen will, der kann die Strophe (7) zu
einer regelrechten vierzeiligen dadurch machen, daß er Herborg am
Schlüsse der Rede ihre Worte: „ließ ek hardara härm at segjau wieder-
holen lässt.
Str. 5 und 11 sind ganz gleichlautend, beide jedoch nur dreizeilig.
An einen Leich, gleich dem Hludwigsliede Hugbalds, ist begreiflich
unter den Liedern der Edda nicht zu denken. Übrigens ist die Vier-
zeiligkeit der Strophen hier sehr leicht herzustellen. Man schiebe beide
Mal, in Str. 5 und Str. 11 nach der ersten Zeile (aus Str. 1) ein: ne
kveina um sem konur adrar.
Str. 8, 3 lese man einu misseri (dat. sing.) statt ein misseri (acc.
plur.). Dieser Casus ist völlig unstatthaft, und ein als nom. sing. gen.
fem. zu nehmen, geht auch nicht, weil misseri ein Beiwort haben muß.
Str. 12, 4: varadi hon at hylja um hrer fylkis. Lüning übersetzt
unter dem Texte diese Worte also: „Sie wehrte es, die Leiche zu ver-
hüllen, d. h. sie wollte nicht, daß die Leiche verhüllt bliebe." Er nimmt
also varadi (von vara) = vardi (von verja). Aber kann sein erster Satz
wirklich für seinen zweiten stehen? Schwerlich, denn nach dem ersten
Satze ist die Leiche unverhüllt und Gullrönd will sie nicht verhüllen
lassen; nach dem zweiten ist sie verhüllt, soll aber nicht verhüllt blei-
ben. Im Wörterbuch unter vara erklärt er: „sie wahrte sich zu ver-
hüllen, d. h. sie ließ nicht länger verhüllt; varadi für varadisk? oder
für vardi von verja?'' Man sieht, Lüning kann mit der Stelle nicht
fertig werden. Egilsson im großen Wörterbuche fährt nicht besser; er
lässt zwar, wie billig, verja (vardi) aus dem Spiele, aber er übersetzt:
„monuit, cavit, ne occuleretur funus regis"; als ob monere und cavere
gleichbedeutend wären und nur so eines für das andere stehen könnte!
Allerdings bedeutet im Altnordischen vara gemeiniglich monere und
varask sibi cavere. Aber varask bietet der Text nicht, und monere passt
hier nieht in den Sinn. Thatsache ist, daß die Leiche verhüllt ist,
denn Str. 13 wird erzählt, daß Griillrönd die Hülle wegzieht. Es ist
also nöthig, sich nach einer anderen Bedeutung von vara umzusehen,
und da das Altnordische bis jetzt uns keine bietet, so müssen wir uns
schon zu anderen Dialectcn wenden. Nun bedeutet im Altsächsischen
vardn observare, animadvertere, und diese Bedeutung passt hier trefflich.
Aber dabei kann der Infinitiv at hylja nicht bestehen. Hat man nicht
etwa bloß falsch gelesen, was gar nicht unwahrscheinlich ist, so ist
hylja ein Schreibfehler für hylja. Varadi hon at hylja um hrer fylkis,
d. h. sie blickte hin auf die Hülle um die Leiche des Fürsten. Diesen
Sinn, und nur diesen können wir hier brauchen, und so lese man. —
BEITRAGE ZUB KRITIK DEB EDDALIEDER. 7
Schließlich noch eine Bemerkung zu hrer. Die gothische Form dieses
Wortes ist hrdiv (hrdivis), die ags. hrdv (hräves), die altsächsische
hreu (hreves), die ahd. hreo (hretves), die mhd. re (riwes), die gewöhn-
liche altnord. hrce (hrces, gen. plur. hrceva). Wie kommt nun r zu die-
sem Worte hinzu? In unserem Liede findet sich die Form mit r drei-
mal (zweimal hrer, einmal hrör (d. h. mit durchstrichenem o geschrieben).
Anderwärts liest man auch hrair. Könnte das r nicht bloß verlesen
sein statt v? r und v kommen in altnordischer Schrift einander sehr
nahe. Ich wüsste weder Grund noch Erklärung für dieß r anzugeben.
Str. 15 ist wiederum nur dreizeilig. Man kann als zweiten Vers
einschieben entweder: sorgfull sat hon yfir Siguräi (nach Str. 1) oder:
var hon harcthugutt um hrce fylkis (nach Str. 11).
Str. 16, 2. svä at tär ßugu treysk i gögnum. Aus diesem treysk
weiß Niemand etwas zu machen. Egilsson sagt darüber: „videtur treysk
esse acc. sing. nom. treyskr, m. incertae significationis, forte: pars ali-
qua domus, tabulatum, limen". Lüning schreibt tresk und fragt: „Ist
tresk oder treysk vielleicht mit dem schwed. tröskel, Schwelle, zusammen-
zustellen? — Das schwed. tröskel lautet altnord. preskiöldr, pröskuldr,
ags. preskvald, peorscvold, perxold, precsvald, ahd. aber driscufli. Diese
Wörter haben also mit unserem treysk nichts zu schaffen, wenn auch
die Bedeutung die gleiche (Schwelle, Diele) sein sollte. Ich vermuthe,
treysk bezeichne eine Baumart, die man zur Dielung der Zimmer
benutzte, und da finde ich bei Schmeller das bis auf den Umlaut genau
entsprechende trausch, trosch f. Baum, der keine Früchte trägt, bei
Stalder: trös, trosle, alnus viridis, Bergerle. Ob man das thrdsc (glis,
glidis) bei Graff auch hieher nehmen darf, weiß ich nicht, da mir das
lat. Wort fremd ist. Der Sinn ist also: Gudhrun weinte so sehr, daß
die Zähren über die Diele hinflössen; allerdings eine starke Hyperbel.
Str. 17 hat eine Zeile zu viel. Der Dichter ließ Gullrönd sagen:
ykkwr vissa ek ästir mestar (eure Liebe kannte ich als die größeste),
das war jedoch dem Ausschmücker aichl genug, und so fügte er hinzu:
manna aüra fyr mold ofan (aller Menschen auf der Erde), ohne sich
um die Zerstörung der Strophe dadurch weiter zu kümmern.
Str. ls that er ganz das Gleiche. Der Dichter ließ Gudhrun
sagen: „Mein Sigurd war neben den Söhnen Giuki's wie «'in glänzen-
der Stein im Ringe"; der AuBSchmücker Betzte hinzu: w/rknasteinn yfir
öälingwm (ein Edelstein über den Fürsten), was etwas albern klingt.
Man streiche diese Zeile und die Strophe wird regelrecht.
Str. 21 findet ganz das gleiche Matt: die fünfte Zeih- er pH Sigurdi
svaniir eida ist völlig tiberflüssig, man streiche Bie also.
Str. 24 sind zwei Zeilen eingeschoben, nämlich;
8 L. ETTMÜLLER
rekr pik alda hverr (oder hver, f.) illrar skepnit,
sorg sdra siau konunga
sie überlasten die Strophe und zerstören ihren einfach schönen Sinn.
Damit ist dieß Gedicht in Ordnung und eines der schönsten Edda-
lieder gewonnen.
10. Gudrünarkvida önnur.
Dieß Lied ist aus zwei Liedern zusammengesetzt. Dem ersten
Liede gehören die Strophen 1 — 35. In ihm, einem Selbstgespräche, be-
klagt Gudhrfm ihr Schicksal, und zwar thut sie das, als sie so eben
ihre Söhne von Atli umgebracht und den Entschluß gefasst hat, auch
ihren Gatten zu tödten. Daß sie ihre Klagen dem Thiodrek gegen-
über erhoben habe, das sagt uns nur die kurze prosaische Einleitung,
die von dem Sammler und Ordner der Lieder herrührt, und diese
Annahme ist zurückzuweisen. In beiden Liedern wird auch nicht
mit einem Worte darauf hingedeutet, daß Gudhrün zu Thiodrek
spreche. Es ist dieß also jedenfalls nur eine willkürliche Annahme des
Sammlers, die in den Liedern selbst durchaus keinen Grund hat. —
Zum zweiten Liede, — schon der Ton ist ein ganz anderer, — ge-
hören die Strophen 36 — 43, in welchen Gudhrün dem Atli seine Träume
deutet; ein Gespräch im Bette zwischen beiden. Gewiß ein nicht min-
der sonderbarer Gegenstand im Munde der Gudhrün dem Thiodrek
gegenüber! Da das nächstfolgende Lied, das dritte Gudhrünlied,
nach so ziemlich allgemeiner Ansicht1) ein Werk des Sammlers,
Ssemunds des Weisen, ist, so wird man ihm auch die Zusammenheftung
dieser Lieder nebst allen Zusätzen und Einschaltungen im ersten zu-
schreiben dürfen. Sie betreffen vor Allem den Aufenthalt der Gudhrün
bei Thöra, der Gattin Alfs, in Dänemark, und haben keinen anderen
Zweck, als dieser Sage in Skandinavien mehr heimische Anknüpfungs-
punkte zu verschaffen. Das Hauptergebniss ist, daß dieVerbindung
der Sage von den Niflungen mit der von Dietrich nur ein
Werk Ssemunds des Weisen ist, und daß die echte altnor-
dische Gestaltung der Sage diese Verbindung der beiden
Sagen ganz und gar nicht kennt. Sie beruht einzig auf
Ssemunds drittem Gudhrünliede und auf seinen prosaischen
Zusätzen zu einigen andern Liedern. Vermuthlich hatte er in
Deutschland die Verbindung der Sage von Sigfrid mit der von Diet-
rich kennen gelernt, als er durch Deutschland nach Frankreich zog,
um in Paris zu studieren.
*) P, E. Müller hat sie zuerst ausgesprochen.
BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 9
Dießmal jedoch wird es gut sein, wenn ich diejenigen Strophen
des ersten Liedes, die ich allein für echt anerkennen kann, ganz und
in ihrer richtigen Folge hier mittheile; ich würde, wenn ich wie bisher
verführe, vielleicht des Raumes noch mehr bedürfen. Unter dem Texte
stehen dießmal meine Bemerkungen nebst den als Zusätze ausgeschie-
denen Strophen.
1 . Meer var ek meyja, modir mik feeddi
biört 1 bfo'i; unna ek vel breedrum,
unz mik Giüki gulli reifdi,
gulli reifdi, gaf Sigurdi.
2. Svä var Sigurdr of sonum Giüka,
sem vceri greenn laukr or grasi vaxinn,
eda hiörtr habeinn um hvössum dfjrum,
eda gull gludrautt of grd silfri.
3. Unz mer fyrmundu minir brozdr, ')
at ek cetta ver Öllum fremra;
sofa peir ne mättud ne of sakar dozma,
ädr ])eir Sigurd svelta letu.
4. Grani rann at ])ingi, gnfjr var at heyra,
en pä Sigurdr sialfr eigi kom;
Öll väru söduldijr sveiti stokkin
ok of varid3) väsi af vegöndum.
5. Gekk ek grätandi vid Grana rozda,
ürughlijra i6 frä ek spialla;
hnipnadi Grani pä, drap i gras höf&i:
iör put vissi, eigendr ne lif&ut*).
6. Gengi hvarfada, b-ngi hugir deildusk,
ädr ek of freegak folkvörd <it grani.
7. Hnipnadi Gunnarr, sagdi Högni mer5)
frä Sigurdar särum dauda:
■ Str. -i schließt .sich an Str. 1 an. 3) vanid, Hs. *) Die eigendr sind
wohl Bigard and Brynhild, der Grani früher gehört« . abei Brynhild lebl mich in
dem Augenblicke, da Gndhrün mit Grani spricht, und so bat man doch wohl den Satz
im Singular zu lesen, nämlich eigemdi >>■ lifdit, der Eigenthümer (Sigurd) lebte nicht. —
In der Lücke nach c, 2 kann etwas gestanden haben, wie wir es Brot aj Bryrü
heida 6 lesen: „h/van Sigwdr, v . tm, er framdr m&nir fyrri r%&*
&) mer Högni, Sa.
10 L. ETTMÜLLER
„liggr of höggvinn fyr handan ver
Guthorms bani ok gefinn ulfum.
8. Littu par Sigurd ä sudrvega,
]>ä heyrir pü hrafna gialla,
ihmu gialla, aizli fegna,
varga pidta um veri ]nnumu,
9. Hvi 'pü mer, Högni! harma slika
viljalaussi vill um segja?
pitt skyli hiarta hrafnar slita
v?ä lönd yfir, en pü vitir manna!
10. SvaracU Högni, sinni einu
traudr götts hugar af trega storum:
npess ättu, Gudrun, graiti at fleiri,
at liiarta mitt hrafnar sliti!u
1 1 . Hvarf ek ein paäan andspilli frä
ä viälcesar varga leifar;
gerctiga ek hiüfra ne liöndum slä,
ne kveina um sem konur aärar6).
12. Nutt potti mer, nictmyrkr vera
er ek särla satk yfir Sigurdi;
ulfar pöttumk öllu beim,
ef peir leti mik Irfi tyna"').
Nach der 12. Strophe folgt Fahrt und Aufenthalt der Gudhrün
bei Thora in Dänemark, nämlich Str. 13—16, die ich, wie gesagt, für
einen Zusatz Ssemunds halte. Auch Drap Niflunga weiß davon nichts.
Die darin erwähnten Kämpfe bei Fife in Schottland erinnern an
Saxo Gramraaticus und dessen Zeit. Wenn eine Papierhandschrift die
Insel Fiön (Ftthnen) statt Fife nennt, so beweist das nur, daß ihr
Schreiber das Alberne jener Ortsbestimmung fühlte.
Die von Ssemund eingeschalteten 31/,, Strophen lauten:
13. For ek af fialli fimm deegr talid, Unz ek höll Hälfs hdva
pekdak; Sat ek med Poru siau misseri, Dcetr Häkonar %
Danmörku.
14. Hon mer at gamni gull bdkadi, Sali sudroena ok svani danska.
15. Höfdu vit ä Skriptum pat er skatar leku, Ok at hannyrdum
hilmis pegna, Randir raudar, rekka Ilüna, Hiördrott hidlm-
drott, hilmis fylgju.
6) pd er sat soltin um Sigurdi. Diese angehängte Zeile findet sich früh genug
12, 2. ') Hier wird angehängt: eäa brendi mik sem birkinn vid. Können Wölfe
Jemand verbrennen?
BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. H
16. Skip Signmndar skridu frä landi, Gyltar grimur, grafnir
stafnar; Byrdu vit ä borda pat er peir bördusk Sigarr ok
Siggeirr siutr ä Ffß.
Hier herrscht ein ganz anderer Ton als in den echten Strophen
des Liedes. Auch die große Stickerei weist auf das 11. Jahrhundert hin.
13 (17). pä nams) Grimildr, gotnesk kona°)
Jn-agiarnliga ]>ess at spyrja,
hverr midi son systur boeta
eda ver veginn vildi gialda.
14 (18). Gerr lezk Gunnarr gull at bioda,
sdkar at bozta, ok it sama Högni10);
(19). inn gengu pä iöfrum likir
Langbards lidar, höfdu loda rauda11).
15 (20). Hverr vildi mer hnossir velja,
hnossir velja ok hugat ma>la,
ef peir mostti mer margra süta
trygdir vinna, ef ek trüa gerota.
16 (21). Fcerdi mer Grimildr füll at drekka
svalt ok sdrlild, ne ek sakar mundak;
pat var um aukit iardar v2) magni,
svalköldum sce ok sonor dreyra.
17 (22). Vdru i hoimi hvers kyns stafir
ristnir ok rodnir, rada ek ne mättak;
lyngfiskr langr lands Haddingja,
ax oskorit, innleid d/fjra ,3).
') jra, Hs. - Hierauf werden zwei Zeilen eingeschoben, hvat ek vcera hygij-
juil um Atta. Hon hri'i borda ok buri heimti. Die Worte um Atla fehlen in der Hs.
virma darf man nicht ergänzen vor hyggjud, weil dann das Ilült'sverb in Allitteration
käme. — Von Saemund können diese Zeilen nicht kommen; denn er schickte ja Gudhrün
nach Dänemark, kann also die Grfmild sie gar nicht fragen lassen. Beide Verse dürften
einer anderen Gestaltung dieser Strophe angehören. ,0) Die hier nun folgenden
Zeilen: Hon fretti at jbtÄ, hverr fara vildi Vigg at södla, vagn at beifa , llesti rtda,
hauka fteygja, Orum at skidta . — Valdarr at Dönum med Jarizleiß, Eymödr
pridi med Jaria kari — . Die ersten vier sind gräulich überladen, 19, 1 hat keinen Stab-
reim; die slavischen Namen «reisen auf Ssemunds Zeit hin. Audi bei Sazo Gramm,
kommen eine Menge Slaven als dänische Vasallen vor. Alles Beweise, daß dieß Zu-
Bätze. ". Hier folgl wiederum ein überladener, der einfachen Haltung des Liedes
widersprechender Zusatz, nämlich: Skreyttar brynjw, steypta hidlma; Skälmum gyrdir
höfdu skarar iarpar. ,s) )ir<hu\ II-. Die Berichtigung ist von Lüning. ") Die
Erläuterung dieser Stelle nach Liljegren !" i Lüning.
12 L. ETTMÜLLER
18 (23). Väru % peim biöri böl mörg saman,
urt alls vktar ok akarninn,
umdögg arins, idrar blotnar,
svms lifr sodin, pviat hon sahar deyfdi.
19 (24). En pä gleymäum er getit höfdum
öllum i'öfurs ordum i sal;
kvämu konungar fyr kne prennir,
ädr hon sidlfa mik sotti at mäli.
20 (25). „ Gef ek per, Gudrun, gull at piggja,
fiöld alls fidr at pinn födur daudan;
hringa rauda} Hlödves sali,
drsal allan at iöfur fallinn.
21 (26). Hünskar meyjar, poer er hlada spiöldum,
göra 14) gull fagrt, svä at per gaman Pykki;
ein skaltu rdda audi Budla,
gulli göfgud ok gefin Atla!u
22 (27). Vilk eigi ek med veri ganga,
ne Brynhildar brodur eiga;
samir eigi mer vid son Budla
aitt at auka ne una lifi.
23 (28). „Hirda pü höldum heiptir gialda,
Pviat ver höfum valdit fyrri;
svd skaltu lata, sem peir lifi bädir
Sigurdr ok Sigmundr, ef pü sonu fo2dir.u
24 (29). Mdka ek, Grimildr, glaumi bella,
ne vigrisins vdnir telja;
siz Sigurdar sdrla drukku
hraigifr, huginn hiariblod saman.
25 (30). Pann hefi ek allra aittgöfgastan
fylki fundit, ok framask nekkvilb);
hann skaltu eiga unz pik aldr vidr,
verlaus vera, nema pü vilir pennau.
26 (31). Hirda pü biöda bölvafullar
prägiarnliga pcer kindir mer!
hann mun Gunnar grandi beita,
ok oi' Högna hiarta slita.
l4) ok göra, Hs. ,s) Die drei letzten Worte bedeuten: und er thut sich
durch einiges hervor. Liiniüg nahm ohne Grund Anstoss an diesen Worten.
BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 13
27 (32). Grätandi Grtmildr greip vid ordi,
er burum sinum bölva vcenti16).
„lönd gef ek enn ]>er, Itjda sinnt,17)
eigpu um aldr pat ok uni, döttir!u
28 (33). Pann mun ek kiösa af konungum,
ok ])o af nktjum naudig hafa;
verdr eigi mer verr at yndi,
ne hol brcedra at bura skiöli.
29 (34). Senn var ä hesti hverr drengr litinn18);
ver stau daga svalt land ridum,
en adra stau unnir knidum,
en ina ])ridju siau purt fand, stigum.
30 (35). Par hlidverdir härar bor gar
grind iqip luku, adr i gard ridum. —
(31). Munkat ek letta, adr lifshvatan
eggleiks hvötud aldri nemik!19)
Man lese jetzt hier dieß Lied, und man wird finden, daß es an
einfacher Schönheit kaum einem der anderen nachsteht.
Das zweite Lied, Str. 3G — 43, ist nur ein Bruchstück. Es ist ein
Gespräch zwischen Gudhrun und Atli bei nächtlicher Weile im Bette.
Alle Reden der Gudhrun sind hier voll von Hohn und Spott. Gudhrun
ist also hier bleibend in einer ganz anderen Gemüthsstimnrung als im
ersten Liede; schon deshalb können beide Stücke ursprünglich nicht
wohl ein Lied gebildet haben.
Das Bruchstück beginnt und schließt mit einer Halbstrophe, diese
aber gehören zusammen und haben die erste Strophe zu bilden. Wahr-
scheinlich gelangte die zweite Halbstrophe später zur Kenntniss des
Schreibers der Handschrift, und damit sie nicht verloren gehe, setzte
er sie an das Ende des ganzen, vielleicht sogar mit einem auf den
rechten Ort hinweisenden Zeichen, das dann später bei Abschrift dieser
Handschrift übersehen ward. Ich lese also Str. 1:
"]) vmii, Es. Nach diesem Verse ward eingeschoben: ok rrwgum t&num mevna
storra, tautologisch mit dem vorherstehenden. l7.i Hierauf der Zusatz: Vvribiörg,
VaXbiörg, >f Jbfl rill piggja. Scheint Nachahmung eon Helg. Hund. II 33, oder llel^.
Hund. I, 8. Allein in Frauenhand kommt nicht Grundbesitz; zumal nicht, wo Brüder
oder Söhne d.-i sind. ,s) Hierauf folgt: en r'ij vabieak i wgna hqfii. Bin über-
flüssiger, die Strophe zerstörender Zusatz, denn daß Gudhrun ihre Mägde begleiten,
versteht sich ganz. 7on selbst. Auch ist das Geleite Bchon durch das folgende vSr
genugsam angedeutet ,<J) eggleiJa hvötudb- ist Atli. — Diese beiden Zeilen sind
an Str. 31 angehängt, wo sie den engen Zusammenhang /.wischen 31 and 32 stören;
hier schließen sie seinin das Lied ab,
14 L. ETTMÜLLER
Vakdi mik Atli, en ek vera potttimk
füll ills hugar at frcendr daucta;
lag e&20) sidan, ne sofa vildak,
prägiöm"1) t kör. pat man ek görva.
Str. 2 spricht Atli, aber sie bedarf einer Berichtigung; ich lese sie:
Svä mik nyliga n&rnir vekja
valsinnis spä; vilda at pü redir:
hagda ek pik, Gudrun, Giüka döttir,
Iwblöndnum hiör leggja mik % gögnum.
valsinnis (statt vilsinnis) ist schöne Besserung von Lüning; vil-
sinnis spä ist in der That nicht erträglich. Statt vilda at pü redir hat
die Hs. vildi at ek reda, er wollte, daß ich deutete. So können diese
Worte nur Worte der Gudhrün sein. Derjenige, der beide Lieder zu
einem zusammenschweißte, und das Ganze der Gudhrün als Erzäh-
lung in den Mund legte, erlaubte sich die Änderung, ohne zu be-
denken, daß solche versprengte Sätze und Satztheile häufig zwar in
der Skaldenpoesie, doch nirgends in den alten Eddaliedern vorkommen.
Die Strophen 38—40 geben mir zu keiner Bemerkung hier An-
lass; Str. 41 dagegen Zeile 4 muß man, meine ich, lesen: naudigr nä
nfjta ek skyldak. Die Hs. bietet nvdigra, woraus man fälschlich naudigra
gemacht hat, welches nicht in den Sinn passt.
Str. 42. ]>ar munu seggir um sceing dcema,
ok hvitinga höfdi nema;
peir munu feigir fära nätta
fyr dag litlu drottum bergja.
sceing giebt keinen Sinn, man mag nun das Wort als Dat. (am Bette)
oder als Acc. (über das Bette) nehmen. Da Gudhrün in ihrem Hohne
nothwendig verharren muß, wird man soäning zu lesen haben. Auch
den beiden letzten Zeilen lässt, wie sie jetzt lauten, durchaus kein
Sinn sich abgewinnen. Ich schreibe daher:
par munu seggir um sodning daima,
ok hvitinga höfdi nema;
Peim munu feigum fära nätta
fyr dag litlu droit ir bergja"'1).
Das heißt nun: Da werden Männer über das Kochen sich unterreden
und die Frischlinge des Hauptes berauben; die dem Tode verfallenen
20) lega ek, Hs., woraus man leega ek (conj. praet.1) gemacht hat, und zwar zu
Anfang einer Strophe! 21) Jirät/iarn, Hs. 22) Da drott ein Mehrheitsbegriff
ist, kann mau auch drott um bergja lesen; passiv jedoch darf man nicht construieren,
weil bergja den Dat. der Sache verlaugt.
BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 15
wird in wenig Nächten kurz vor Tage das Hofvolk verspeisen. — Wer
etwas besseres weiß, der theile es mit! Wohl zu erwägen ist dabei
jedoch, daß es sich hier nur um die beiden Söhne Atlis und der Gudhrün
handelt, welche die Mutter selbst tödtet und deren Fleisch sie dem
Vater und seinen Mannen als Speise beim Mahle vorsetzt.
Auf Gudrünarkvkta ]>ri(Tja, die man besser, weil deutlicher, mit:
„Von Gudhrün und Herkja" benennen würde, habe ich näher nicht
einzutreten. Das Gedicht ist vollständig und unverletzt erhalten, was
sich leicht begreifen lässt. Ich bemerke einzig, daß die beiden Halb-
strophen 6 und 7 eine Strophe zu bilden haben. Man hat sie getrennt,
weil mit 7 die Ausführung des in 6 gemachten Vorschlages beginnt.
Dieß ist jedoch kein Grund die Strophe zu zerreißen.
11. Oddrünar grätr.
Auch dieß Lied ist ein später gedichtetes und es enthält so man-
ches, was uns in der That auffallend erscheinen muß. Es ist jedoch
noch von einem Heiden gedichtet, wie Str. 10 beweist, während das
Gedicht von Gudhrün und Herkja einen christlichen Geistlichen zum
Verfasser hat, wie schon das Ordale des Kesselfangs bezeugt.
Besonders auffallend in der Oddrün-Klage ist, daß der Dichter
diese, die Schwester Atlis, gleichsam als Hebamme im Lande herum-
ziehen und einer von ihr durch Zaubersprüche entbundenen Unver-
mählten ihr eigenes Unglück in ihrer Liebe zu Gunnar erzählen lässt.
Das hätte allenfalls einen Sinn, wenn es sich um das Schicksal der
eben geborenen Zwillinge -handelte, und wenn dieses ein bedeutsames,
in die Sage selbst tief eingreifendes wäre; aber davon ist keine Spur
vorhanden.
I ljrigens ist dieß Lied noch recht einfach gehalten und fern von
der steifen Geziertheit der beiden Atlilicder. In dieser Beziehung ver-
räth der Dichter eine ganz gute Schule.
Da dieß Gedicht auf jeden Fall ein jüngeres ist, so sollte man
es frei von Lücken und Zusätzen erwarten; aber dem ist nicht so.
Man wird also auch hier überall, wo die vierzeilige Strophe des Star-
kadharlag — denn in diesem ist das Lied gedichtet — zerstört ist,
Verderbniss anzuerkennen haben. Einen Zusatz, wenn auch keinen
ungeschickten, haben wir gleich in Str. .'5. Der Vers nämlich: n8vipti
hm 8ödli af svöngwm iöu ward ohne Zweifel für geboten erachtet, weil
es Str. 2 heißt: <//.• ä svartan södul of lagdi. Aber die Eddalieder streben
ganz und gar nicht nach homerischer Ausführlichkeit, und ohne Zweifel
16 L. ETTMÜLLER
fanden sich in dem Gehöfte eines Häuptlings wohl Knechte, welche
die Königstochter dieser Mühe überheben konnten.
Die beiden Halbstrophen 4 und 5 sind zu einer Strophe, was
sie ursprünglich waren, zu verbinden. Nur weil 4 eine Frage und 5
die Antwort darauf enthält, wurden sie von den Herausgebern (kaum
wohl von der Handschrift) getrennt. Im ersten Verse vHvat erfragst
ä folduu ist am Ende „o/em" hinzuzufügen, weil der Vers sonst kein
Vers ist.
Ebenso sind die Halbstrophen 6 und 7 zu einer Strophe wieder
zu vereinigen. Auch hier gab wiederum Frage und Antwort den Her-
ausgebern Anlass die Strophe zu zerreißen. Die letzte Zeile von 7 ist
zu streichen; denn daß die Liebschaft zwischen Borgny und Wilmund
fünf ganzer Jahre, ihrem Vater verheimlicht, angedauert habe, oder
genauer nach dem Texte, daß beide fünf Jahre lang zusammen in
demselben Bette geschlafen haben, das macht hier nicht das geringste
aus, und man braucht folglich das gar nicht zu wissen. Die Zeile also :
„fimm vetr alla svä hon sinn födur leyndiu wird, da sie die Strophe
vernichtet, zu streichen sein.
Str. 10 hat nur drei Verszeilen; die jetzt fehlende vierte wird
den in Z. 3 ausgedrückten Gedanken mit anderen Worten, vielleicht
ihn näher bestimmend, wiederholt haben.
Str. 11 hat zwischen v. 3 und 4 den Zusatz: at ek hmvetna hialpa
skyldak. Sein Gehalt ist aber vollkommen genügend durch das voran-
stehende „er ek hinig mceltau ausgedrückt. Streicht man jenen über-
flüssigen Satz, so wird die Strophe regelrecht.
Str. 12, 2 ist kvazt (statt kvad) und Str. 13, 3 kvaztattu (statt
kvadattu) zu lesen. In der ersten Stelle geht ja pu voraus und in der
zweiten ist es im Worte selbst enthalten. Schreibfehler der Hs. zu be-
wahren ist man doch wohl nicht gehalten.
Str. 14 hat die zweite Hälfte eingebüßt; es ist mithin eine Lücke
von zwei Versen anzumerken.
Str. IG, nur aus zwei Zeilen bestehend, ist ein ganz überflüssiger
Zusatz; obendrein hat die zweite Zeile nicht einmal Stabreim, denn
auf sid (Artikel) und sylti kann dieser unmöglich ruhen. Auch schließt
sich Str. 17 ganz genau an Str. 15 an.
18, 4 ]>ä er bani Fafnis borg um patti. Das letzte Wort ist ent-
weder ein Schreibfehler für pekti von pekkja, cognoscere, oder diabe-
tische Nebenform zu pekti, und dann wohl pätti zu schreiben. Es ent-
spräche also dem deutschen dachte von denken. Die langsilbigen
Verba der altnord. 1. schwachen Conjug. haben allerdings in dem
BEITRÄGE ZUR KRITIK DER EDDALIEDER. 17
Präteritum keinen Rückumlaut, und das macht es vielleicht bedenklich,
pätti als Nebenform zu fwkti anzunehmen. Indeß, da von Pykkja das
Prät. potta lautet, so lässt sich auch wohl pdtta von pekkja recht-
fertigen. Was Egilsson über jiatti fabelt, ist wahrhaft ergötzlich. Er
sagt unter patti: incertura; puto esse formara obsoletam imperf. ind.
verbi intrans. piöta, j<<iut (d. i. ahd. diozan [ddz]), vel peyta [peytti]
(d. i. ahd. dozan, dözta) ! Und doch hatten die Kopenhagener bereits
das richtige erkannt.
Str. 24. Die Strophe hat mit den Worten vne löst görau regel-
recht zu schließen. Die beiden angehängten Zeilen enthalten ein Urtheil
über das Verhältniss der Oddrün zu Gunnar, das wohl ein Fremder,
aber unmöglich sie selbst aussprechen kann.
Str. 27 ist nur eine Halbstrophe. Niemand hat eine Lücke an-
gemerkt. Es ist aber wohl nicht bloß eine Halbstrophe ausgefallen,
sondern eher eine halbe und eine ganze Strophe, wenn nicht noch
mehr. Ihr Inhalt war wohl die Einladung der Giukunge durch Atli
und die vergebliche Warnung der Gudhrun; denn Str. 28 erzählt die
Ankunft der Giukunge und ihren Tod.
Str. 29 und Halbstrophe 30 bildeten ursprünglich wohl nur eine
Strophe, die da lauten mochte:
Var ek enn farin einu siimi
til Geirmundar görva drykkju;
nam horskr konungr hörpu sveigja:
hätt par af sttri&um strengir guttu.
So sagte wohl der Dichter; ein späterer Ausschmücker jedoch, der
d;is af struhtm falsch deutete und nicht wusste oder sich nicht er-
innerte, daß Gunnar im Ormgardr die Harfe schlägt, um die Schlangen
zu besänftigen, schiebt einen anderen Grund des Harfenspiels unter
und fugt nach sveigja ein : pviat kann hugdi mik til hialpar 9er, kynrtkr
konungr, of koma mundu „weil er, der edle König glaubte, daß ieli
ihm zu Hülfe kommen würde". Auf diesen Grund zu kommen, war
nun zwar leicht, denn Oddrun sagt Str. 31 selbst: vilda ek fylkis jwrvi
biarga. Aber diesen Entschluß konnte Oddrun recht wohl fassen, so-
bald sie die Harfe hörte, ohne daß Gunnar eine solche Absich 1 mit
seinem Spiele hatte. Wenn nun aber einmal der Fertiger des Zusatzes
diesen für nöthig wähnte und deßhalb die Strophe zu überladen kein
Bedenken trug, so hätte er um so weniger die Albernheit begehen
sollen, Geirmunds Wohnung auf der Insel Lässö anzunehmen; denn
er lässl oach mundu) die Üddrun aoeh Bagen: Nam ek at heyra or
Hleseyju, hve par etc. Wie kam er aber zu seinem Lässö?
GERM \M \ ' vii \l\ . 2
18 E. WILKEN
Str. 31 lesen wir letum ßiöta far lund yfir, d. h. wir ließen unser
Schiff durch den Wald schwimmen (natürlich auf der Donau, denn
da liegt unserm Dichter Hunland). Man nimmt an dem lund Anstoß
und will dafür sund lesen. Es ist sehr wohl denkbar, ja wahrschein-
lich, daß bereits eine alte Handschrift sund bot, und so kam unser
Zusetzer sehr begreiflich auf sein Lässö. So entstund der Unsinn, daß
man den Klang einer Harfe, die man an der Donau spielte, auf Lässö
im Kattegat gehört haben soll. — Wir haben vielmehr uns Geirmunds
Sitz an der Donau, in der Nähe von Atlis Ormgardr zu denken; so
will es der Dichter.
ZUR DEUTSCHEN DECLINATION.
Daß es sich hier um die Auffassung der gesammten germanischen,
weiterhin aber auch indogermanischen Declination handelt, sei voraus
bemerkt, doch werde ich als Germanist immer zunächst das Gotische
und Germanische ins Auge fassen, und die übrigen Spi'achen nur so
weit heranziehen, als es zur Verständigung unerlässlich Noth thut. Ich
denke nun, um meine Auffassung zu begründen I. die praktischen
Bedenken gegen die bisherige Grimm-Boppsche Erklärung der starken
oder vocalischen Declinationsclassen vorzubringen, IL theoi'etische
Bedenken gegen den bez. Standpunkt anzuschließen, III. theore-
tische Begründung einer neuen Auffassung zu versuchen und IV. die
praktische Anwendung derselben zu erörtern. Überall werde ich, da
es sich hier ja nur um die erste Orientierung und allgemeinste Dar-
legung handeln kann, möglichst kurz verfahren.
Was I betrifft, so spricht für die Grimmsche Auffassung der drei
vocalischen Declinationsclassen, der a-, i- und w-Classe, allerdings Man-
ches, so namentlich die Form des Dat. und Acc. Plur. in den drei
Classen: am, ans; im, ins] um, uns. Dagegen aber spricht erstens der
Sing, der masc. z'-Stämme, der bekanntlich mit denen der c-Stämme
identisch ist; zweitens Nom. und Gen. Plur. masc. und fem. der
«-Stämme, die von der Regel abweichen; drittens die Formen des
Gen. Plur. in -e und -ö, die keineswegs den verschiedenen Classen
analog unterschieden sind; viertens die Gestalt der regelmäßigen
schwachen oder consonantischen Declination, die eine auffällige Ver-
wandtschaft mit der a-Classe offenbart; fünftens die Spielarten der
ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 19
conson. Docl.; wozu namentlich die ?'-Stämme, sowie die auf Gutturale
oder Dentale auslautenden Stämme gehören, die vielfach zur Analogie
der i- und «-Stämme hinneigen; sechstens eine Fülle von Anomalien
der Declinationsweise , die sich ganz besonders stark in den Eigen-
namen vertreten finden; siebentens die häufige Nichtübereinstimmung
der gotischen Declinationsclassen mit denen der andern germanischen
Dialecte einerseits und den übrigen indogermanischen Sprachen anderer-
seits; achtens die Vergleichung der Adjectivdeclination.
Was den Sing, der i-Stämme betrifft, so sind die künstlichen
Versuche balgis aus balgias, balga aus balgiai zu erklären, von Joh.
Schmidt Zur Gesch. des indogerm. Vocalismus S. 51 Anm. mit Recht
verworfen, vom Standpunkt der bisherigen Auffassung lässt sich nur
sagen, daß in balgis, balga die Analogie der a-Stämme vorliege. —
Was den Plur. sunjus, sunive betrifft, so zeigt sich hier jedenfalls ein
j oder i, das die schematische Richtigkeit der w-Decl. schon im Goti-
schen trübt, in den andern deutschen Dialecten ist, wie es bekanntlich
heißt, die y-Classe mit der {-Classe allmählich ganz zusammengefallen. —
Der Gen. Plur. hat wahrscheinlich in den Masculinis der drei sog. voca-
lischen Classen früher gleichmäßig auf -e gelautet: fast alle oder alle
Fremdwörter, die im Ganzen der w-Classe folgen, zeigen den Gen. Plur.
in -''. bo apanstaulS, GaddarenS (Mc. 5, 1), Judaie (Mtth. 27, 11), prau-
/-/'. agg/'/r n. s. w. Außerdem zeigen die Fem. der t-Classe bekanntlich
-elbe Form, während andere Gen. Plur. auf -ö den jetzigen Erklärern
viele Schwierigkeit machen. (Vgl. M. Heyne Ulfilas 5 A. S. 421.) —
Was die conson. Declination betrifft, so sind Formen wie Gen. Sing.
hanins wohl nur auf hananis, PI. Nom. und Acc. hanans auf hananas,
ha mi na us zurückzuführen, und mit den übrigen Casus steht es nicht
viel anders. Wenn ich hiernach nun vorläufig als Vermuthung aus-
spreehen möchte, daß die angeblichen a-Stämme in der That auch
consonantische seien (und ein umgekehrtes Verhältniss ist nicht
wohl denkbar), bo widersprichl dem durchaus nicht das Verhalten jener
vereinzelten Bildungen conson. Stämme, *\\<- man früher als Anomalien
aufzufassen geneigt war. Denn eh auch bawrgs, brüste und einige andere
scheinbar der /-Classe folgen, und im Acc. Plur. oaikte neben vaihtins
Bteht, so zeigen doch halle wie der Dat. Plur. nahtevm von nahte, m&nd-
jniui von mendp, daß auch bei diesen conson. Stämmen ein ahnliches
Schwanken wie bei den vocalischen herrscht1), und »rieder bo, daß im
') VgL auch <lii- Plur. in fu» der Worte bröj a, B.w. Hier and weiter-
hin entnehme ich die Beispiele meist der U161asausgabe \'>u II, II
2*
20 E. WILKKN
Ganzen die a-Clsse als Regel, die beiden andern mein- nur als Spiel-
arten erscheinen2). — Nimmt man hiezu die Anomalien, die uns überall
da in der got. Declin. entgegentreten, wo es sich um Einführung neuer
und fremder Worte handelte, so kann das oft fast komische Schwanken
zwischen der a-, i- und tt-Declin. wohl auch nur auf ursprüngliche
Identität hindeuten. Ich hebe hier folgende Fälle hervor: aggilus, PI.
aggiljus und aggileis] aipistule {-ei) Acc. PI. aijpistulans] apaustaulus,
PI. apaustauleis ; diakaunus mit der Nebenform diakun (für die Identität
mit der conson. Declin. sprechend); Fareisaius, PI. Fareisaieis ; Galatius,
PI. Galateis, Gaumaurreis, Dat. Gaumaurjam\ Johannes, -is, Gen. -nes,
-ni», Dat. -ne, -nen, -nau, Acc. -nen, -nein, -ne\ Jairusaulyma, PI. Jairu-
saulymeis] Jacobus, Gen. Jacobis, Dat. Jacoba neben den Formen nach
der w-Declin.; von Jaurdanus scheint der Dat. Jaurdane Mc. I, 5, 9
vorzukommen, wo Heyne freilich einen Nom. Jaurdanes annimmt;
Jaissais, Joses u. A. Gen. Jaissaizis, Josezis; Jesus, Gen. Jesuis, Dat.
Jesua und Jesu] Iscariotes, Dat. -tau, Acc. -tu und -ten\ MattatMus,
Gen. -tlüaus und -thivis\ praufetes neben praufetus\ sabbatus, Dat. Plur.
-tum und -tim\ Saudaumeis, Dat. -mim und -mjam] Seimon neben Sei-
monus; Teitus, Dat. und Acc. auch Teitauhj Tibairias, Dat. Tibairiadau.
Um zu zeigen, daß nicht bloß Fremdworte diesen Schwankungen
unterliegen, will ich noch auf einige echt gotische Anomalien der Art
hinweisen: aivs, Dat. PI. aivam, Acc. aivins; bajops, Dat. bajopum neben
fidvorim von fidvor; haims hat im Plur. Acc. haimos, Dat. haimom, Gen.
haimo; vegs hat regelwidrig den Nom. Plur. vegos neben dem Dat. PI.
vegim. Eine Menge Worte lassen es bei ihrem sparsamen Vorkommen
überhaupt zweifelhaft, welcher Classe sie zufallen, vgl. Gr. P 598
Anm. 1. — Über reiks und veitvods vgl. Heyne Ulfilas 5 A. S. 418.
Die Fremdworte im Gotischen zeigen aber nicht bloß dieß oben
berührte Schwanken in der Flexion, sondern auch vielfach die Fähig-
keit, sich der fremden (griechischen) Flexionsweise analog zu verhalten.
In einigen Fällen, wo solche Analogie angenommen wird, bleibt sie
allerdings zweifelhaft: will man den Dat. Teüaun (s. oben) mit Heyne
(S. 434) aus Tita erklären, so bleibt das auffällige n gerade unerklärt.
Merkwürdig ist auch, daß griech. Fremdworte weiblichen Geschlechts
wie Marja und Aiwa der Analogie einer Declinationsclasse folgen,
der von echt gotischen Worten nur Masculina zufallen, und umgekehrt
griech. Masculina wie Aharön, Apaullo u. A. sich der Analogie von
J) Der a-Classe schließen sich auch die Part, auf -and im Dat. Plur. an. Übri-
gens setzen ja neuerdincrs Einige a, e, o als die drei Classenvocale an, was zu unserer
Ansicht auch wohl passen könnte.
Zli; DEUTSCHEN DECLINATION. 21
tuggd anschließen, was wiederum für die freie Auffassung3) der Decli-
nationsclassen zeugt. Besonders wichtig ist aber, daß alle im gfiech.
Nora, consonan tisch auslautenden Nomina (mit Ausnahme derer auf
-og (= got. -us) und -ccg (= got. as oder a nach der Analogie von
hana) der sog. vocalischen a-Declination folgen! Vgl. Heyne S. 434.
Was die übrigen deutschen Dialecte betrifft, so zeigen sie theils
ähnliehe Schwankungen in ihrem eigenen Gebiet, theils untereinander.
Im Ags. z. B. hat man (homo) im Dat. PI. mannum (got. mannam), im
Altn.4) entspricht bei den Verwandtschaftsnamen fadir, brddir zwar
der Dat. Plur. scheinbar dem Gotischen, aber der Umlaut in fed/rum
zeigt, daß die Endung früher den i-Vocal besaß, und es wird hier
der Plur. (Nom. Acc. fear) früher entschieden der ^-Classe gefolgt sein,
während die obliquen Casus des Sing, ebenso entschieden der w-Classe
sich anschließen, wie dieß im got. Plural der Fall ist. Dasselbe Schwan-
ken zeigt sich bei den (wirklich vocalischen) Feminin -Stämmen auf
ä oder a — die Quantität ist bekanntlich zweifelhaft — wo z. B. got.
giba (ahd. k!:pa), altn. giöf '= gi(a)fu, got. airpa, ahd. iirda altnordischem
iörd entspricht. Es zeigt sich durch diese Beispiele ferner, daß Umlaut
auch durch sog. unorganisches u gewirkt werden kann, wie denn
überhaupt gerade auf altnord. Gebiet die bisherige Umlautslehre sich
als besonders willkürlich erweist5). Und wie bequem weiß man nicht
den Gen. Sing, der Masc. nach der sog. i- und zt-Classe auf -ar als
Entlehnung aus dem Feminin zu erklären! Bekanntlich ist aber das
Suffix auch des masc. Genetivs ebenso wie das des Nominativ Pluralis
ursprünglich -as, welches -as im Got. Plural schon zu -äs gedehnt, im
Ags. noch in der Form -as (schwerlich -as), im Altn. in der Form -ar
erscheint; ist das -ar in armar nun auch eine Entlehnung aus dem
Feminin, weil dieses dasselbe Suffix zeigt? Natürlich fehlt es auch
nicht an Anomalien: eine ganze Reihe von Worten (vgl. Wimmer S. 44)
können für das regelrechte (aber unverstandene) -ar im Gen. s haben,
und wiederum tritt für regelrechtes -s ar ein (Wimmer S. 38 und 39)
in hjarar neben hjörs, in snaevar neben maes, in sarrar neben saevs,
in bekkjar neben bekks. l>aß demnach dieß -s des Gen. wohl vermittels!
-18 (und seihst us) aus as ebenso abzuleiten ist wie -ar aus -as. dürfte
einige Wahrscheinlichkeit haben. Von diesem Standpunkt aus betrachte!
3) Vom sprachwissenschaftlichen Standpunkt kann die-. Freiheit natürlich durch-
aus nicht auffallen, da die Flexionsweise ursprünglich für all.' Genera fast identisch
war. *) VgL Wimmer Altn. Gramm. 8. 64. Womit ich nicht sagen will,
daß ich den neuesten Umlauttheorien unbedinert beistimmen könnte.
22 E. WILKEN
gewinnt freilich die bisherige Schematisierung der vocalischen Classen
ein gefährliches Aussehen.
Gehen wir einen Schritt weiter und betrachten die urverwandten,
zunächst die classischen Sprachen, so zeigen sich dieselben Erschei-
nungen überall. An die von der scholastischen Grammatik sogenannten
Heteroklita und Metaplasien im Griech. will ich nur kurz erinnern:
die Fälle solcher Freiheiten mögen in den classischen Sprachen, die
früh unter die regelrechte Scheere der Grammatiker kamen, etwas
seltener sein als in den altd. Dialecten, wo der Anomalien wahrschein-
lich noch weit mehr zu Tage treten würden, wenn uns alle Casusformen,
die überhaupt vorkamen, zur Prüfung vorlägen. Von den Schwan-
kungen zwischen den einzelnen Sprachen möge hier einiger gedacht
werden. So entspricht unserm got. fisk nach der sog. a-Classe der
vocalischen Declin. das lat. piscis, das seiner ganzen Flexion nach
entschieden mit unserer sog. z-Classe sympathisiert, und auch von Leo
Meyer z. B. als pisci- unserm got. fisca- zur Seite gestellt wird. Dieses
pisci- zeigt aber wiederum auffallende Ähnlichkeit in der Flexion6)
mit dem consonantischen Thema vöc- (Nom. vox für vocis u. s. w.),
während das entsprechende Nomen im Sanscr. väc wieder in seiner
Flexion eine gewisse Conspiration mit der vocalischen a-Classe (im
Sanscr. und Gotischen) durchaus nicht verbirgt. Kurz man kann sieh
bei der bisherigen Auffassung in angenehmster Weise beständig im
Kreise drehen und nach dem Motto: „exceptio firmat regulam" die
gute alte Regel von den drei Classen der vocalischen Declination
gerade wegen der Menge der Ausnahmen, welche diese Theorie ge-
stattet, aufs bequemste gegen jeden leichtfertigen Angriff vertheidigen.
Anders läge die Sache freilich, wenn man auch theoretisch die Mängel
des alten Systems aufdecken könnte — doch zuvor werfen wir noch
einen Blick auf die Adjectiv-Declination.
Diese ist, sofern sie nicht zur Pronominal-Declination stimmt7),
wohl identisch gewesen und vielfach noch ähnlich der Substantiv-
Declin. Im Gotischen ist uns zunächst auffallend, daß die {-Declin.
6) Auf Unterschieds im Gen. Plur. (ium neben um) komme ich hier noch nicht
zu sprechen. T) Das Verliältniss ist allerdings sehr zweifelhaft. Im Sing. Acc.
z. B. got. Llindana ist mir eine Zusammensetzung mit einem Pronominal-Casus nicht
sehr wahrscheinlich, blindana im Got. scheint mit dem ahd. plintan verglichen als rich-
tige, nur etwas erweiterte adjectivische Flexion, die wieder durch seltene Fälle in der
Sub.stant.-Declination wie Christan (lat. Christum) und cotan (= deum, Graff IV, 149),
sowie durch die Anal, der classischen Sprachen auch für das Substantiv sich fol-
gern lässt.
ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 23
bei den Adj. nur nocli im Nom. Sing. masc. und fem., und fast ebenso
kärglich die M-Declin. zu erkennen ist, wogegen alle anderen Casus
der i- und w-Declin. „die jüngere Entartung" -ja erkennen lassen. Im
Altn. geht die sog. starke Form des Adj. im Plural nach Analogie der
vocalischen a- und i-Declin. des Subst, nur daß der Dat. hier wie dort
der Analogie der w-Declin. folgt. Im Sing, ist der Dativ beim Adj. wieder
ebenso nach «-Declin. gefärbt, Nom. und Gen. würde man herkömm-
licher Weise der ä-Declin. zuweisen, wogegen die i-Declin., glaube ich,
mindestens ebenso viel Recht hätte, und der Acc. Sing, riecht wieder
nach a-Declination!
Was die theoretische Auffassung der indogerm. Declination
betrifft, so werde ich mich im Wesentlichen auf Bopps Standpunkt als
den bisher geltenden zu beziehen haben, da alle übrigen Forscher mit
nur geringen Variationen der Boppschen Ansicht gefolgt sind. Bopp
trennt (vgl. Gr. I3, 197) die Wortwurzeln überhaupt in zwei Classen:
Verbal- und Pron ominal-Wurzeln. In Bezug auf erstere giebt er
allerdings zu, daß diese Bezeichnung nur eine herkömmliche und
ungenaue sei, da auch Nomina unmittelbar aus solchen Wurzeln ent-
springen könnten. Da diese übliche Bezeichnung „Verbalwurzeln" aber
zu der meiner Ansicht nach entschieden falschen Auffassung, als ob
das Verbum überhaupt eine ältere Sprachform sein müsse als das
Nomen, Anlaß gegeben hat, so möchte ich diese Bezeichnung gerne
verbannt wissen. Wenn ich nun für „Verbalwurzeln" in demselben
Umfang die Bezeichnung „Nominalwurzeln" vorschlage, so mag
dieß zuerst etwas paradox klingen, doch sei bemerkt, daß ich den
Ausdruck Nomen weiter fasse als dieß gewöhnlich geschieht; ich sehe
Substantiv, Adjectiv und Verbum als drei Unterscheidungen desNomens
an. Da nicht bloß Infinitiv, Particip, Gerundiuni u. s. w. des Verbums
entschieden der Nominalbildung zufallen, sondern auch Formen wie
lat. amamini entschieden als Participia und somit als nominale Bil-
dungen sich ausweisen, so scheint mir die Unterordnung auch des
Verbums unter dem Nominalbegriff zulässig. Für die Nominalwurzeln
würde ich nun ein ursprünglich weder substantivisches noch verbales,
eher adjectivisches oder füglicher vielleicht prädicativ zu nennendes
Gepräge annehmen; so erscheint /. B. di Verbalwurzel vi<l =
scire in dem Comp, d'arma-vid noch als einlaches Prädicat, d'arma-
vid = rechtskundig.
Außer den Nominal- und Pronominal -Wurzeln hätte eine dritte
Classe etwa die Bezeichnung [nterjectionswurzeln zuführen, und
auch aus diesen lassen sich direcl Substantive und Verben ableiten.
24 E. WILKEN
So ist z. B. die got. Interjection vai, mhd. tu« substantiviert als mhd.
dcuz we, und um den berüchtigten Wauwau noch einmal zu mißbrau-
chen, so ist die verdoppelte Interjection Wau in dem Wauwau zum
Substantiv erhoben, und wauwauen wäre ein ganz verfassungsmäßiges
Verbura.
Die gewöhnliche Ansicht von den „Verbalwurzeln", aus denen
alle oder fast alle Nominalstämme sollten abgeleitet sein, hat zu der
Annahme geführt, als ob die Nomina der Regel nach durch Bildungs-
suffixe aus jenen Verbal wurzeln abgeleitet seien, und auch Fälle, wo
von derartigen Suffixen nichts wahrzunehmen war, so beurtheilen lassen,
als ob hier ein Suffix eben nur abgefallen sei, wenn man sich nicht
begnügte, solche Fälle eben als Ausnahmen von der Regel anzusehen*).
Als das erste und häufigste dieser zur Nominalbildung verwandten
Suffixe hat Bopp °) kurzes a angesetzt, das dann im Griech. und Lat.
zu o (oder u) hinabgesunken, auch der Schwächung zu i unterworfen
war. So haben wir von der lat. Verbalwurzel pisc (für pasc? vergl.
pasc-ere) den Stamm oder das Nominalthema pisci-, woraus durch An-
tritt des s (aus sa nach Bopp) piscis wurde; got. fisks = fiskas geht
ebenso angeblich auf eine Wurzel fisk (== pisc, pasc), dann auf das
Thema fiska- zurück. Scheinbare Ausnahmen wie lat. puer (waln'schein-
lich älter pur oder por) werden nun so erklärt, daß das Thema puero
im Nom. in der abgestumpften Form puer mit Einbuße auch des Casus-
zeichens vorliege. Um den wahren Stamm eines Wortes zu erhalten,
hat man sich mit Vorliebe an Composita gehalten, und z. B. aus %r]vo-
ßoöxog den Stamm %rji>o- , oder gar aus einem Gen. Plur. civitatium
(obwohl civitatum die häufigere Form zu sein scheint) das Thema
civitati- gefolgert10) u. s.w. Auf das leicht täuschende Verhältniss der
Composita hat Bopp selbst (vgl. Gramm. I3, 246) aber sehr treffend
hingewiesen, und auch aus andern Gründen lässt sich die bezeichnete
Auffassung angreifen. Wenn nämlich Interjectionen, selbst auch Pro-
nomina (z. B. das Ich) ohne Weiteres substantiviert werden können,
so wäre gar merkwürdig, wenn aus jenen andern Wurzeln, die man (um
die Ausdrücke nominal und verbal zu vermeiden) am besten wohl mit Max
Müller Fr ädicats wurzeln nennen könnte, nur oder doch fast nur
durch Suffixe Substantiva gebildet Averden könnten. Wenigstens müsste
man consequent sein und auch neutrale Bildungen wie das got. blind
aus blindam11), unser nhd. gut, wo es masc. ist aus guter, wo es fem.
6) Bopp Kurze Sanscr. Gr. (3 A.) §§. 527, 571 und namentlich 572. 9) Bopp
a. a. O. §. 575 '). ,n) Vgl. Leo Meyer Gr. und lat. Decliii. S. 3, 4. ll) So
erklärt Leo Meyer in der That diese Bildung.
ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 25
aus gute? wo es neutr. aus gutes entstehen lassen12) — aber die andere
Auffassung, wonach in gut als Adj. und Subst., in vaurd als Subst.,
in puer u. s. w. eben nichts abgefallen ist, sondern die Wurzel zugleich
als Thema oder Stamm13) fungiert, ist offenbar weit einfacher und,
glaube ich, hinreichend gesichert. — Was nun die Casusbildung be-
trifft, so nimmt Bopp als Nomin. -Zeichen ein 5 an, das er auf das
Pron. sa zurückführt. Ein schlagender Beweis für die Richtigkeit dieser
Annahme soll sein (vgl. Gr. I3, 280), ..daß das genannte Pron. in der
gewöhnlichen Sprache sich über die Grenze des Nom. masc. und fem.
generis nicht hinaus erstreckt". Ich fühle mich durch diesen Beweis
nicht sehr geschlagen: gesetzt auch, sa = griech. o, sä = gr. y\ kämen
sonst nicht vor, und wären nicht identisch auch mit ö?, r\ (Ö) und
vielleicht noch andern Bildungen — folgte aus diesem übrigen Nicht-
vorkommen, daß sie uns mumienhaft in den Casuszeichen erhalten
sein müssten? Überdieß ist die durchgängige Abstumpfung von sa
zu s für mein sprachliches Gefühl eine sehr harte Zumuthung: weit
leichter ließe sich s als 's aus as erklären, wenn dieß sonst angienge.
Und warum nicht? Giebt man jenes armselige a, das als Suffix zur
Bildung männlicher Hauptwörter verwandt sein soll — wogegen doch
auch schon einige Bedenken laut geworden 14) — einfach auf, so er-
halten wir ja in Worten wie sanscr. sivas, griech. ccv&Qcortog, lat. muii-
dus, got. ßsk(a)s u. s. w. eben as, resp. os oder us als Zeichen des
Nominativs, welches as ja ein wohlbekanntes Pronomen und auch als
Nominalsuffix, wenn auch in sehr geringem Umfange, bereits anerkannt
ist ' ■'). Nun glaube ich freilich nicht, daß dieses -as als eigentliches
Nominativzeichen anzusehen: Nom. und Voc. sind, wie ich vermuthe,
ursprünglich ohne besonderes Zeichen gewesen16). Dagegen scheint
freilich u. A. zu sprechen 1. daß neben puer älteres puerus, neben
socer älteres socerus 17) sich nachweisen lässt, 2. der Noin. der Neutra
auf am oder auf einen Dental endend. — Indeß was 1. betrifft, so
glaube ich, daß man in älterer Zeit puer und puerus beliebig
IJ) In diesen Beispielen ließ sich der sog. Themavocal von dem Casuszeichen
nicht wohl trennen. 3chon durch solche bildliche Bezeichnungen lässt man
sich leicht zu irriger Anschauung verleiten I * i • Wort sind eben keine Pflanzen, son
dem vielfach wenigstens wie Minerva fix und fertig dem Geist oder der Phani
entsprungen. '*) 80 bat z. B. I Meyei Got, Spr. §, 364 in dem a nur eine
Verkürzung von ">< und weiterhin emt erblicken wollen, aber schwerlich mit Recht.
,s) Vergl. Hopp K. Sanscr. Hr. §. 57ö, 13. — Wie weil dieses a» mit dem Pronom.-
Btamm a Bopp %. 247) zusammenhängt, lasse ich liier dahingestellt, '") Vom
Vocativ nimmt man dieß zum Theil Bchon an. '") Vergl, Leo Meyei griech, und
lat. Declin. S. 6 oben.
2ß E. WILKEN
brauchen konnte und erst der Einfluß der Grammatik hier den Usus
endgiltig feststellte; was 2. betrifft, so ist im Neutr. Nom. und Acc.
bekanntlich gleichlautend, der Acc. wahrscheinlich aber in diesem Fall
für den Nom. maßgebend gewesen, und wohl selbst nur aus dem
Acc. des Masc. entlehnt. Was den neutralen Nom. und Acc. z. B. im
lat. istud betrifft, so glaube ich, daß der Dental nur Rest eines Demon-
strativ-Pronomens ist, und istud aus istumd(e) etwa zu erklären wäre.
Von einem wirklichen Casuszeichen ist also auch hier wohl nicht zu
reden.
Die Casusbildung würde sich meiner Ansicht nach im Sanscr.
z. B. so zugetragen haben : vom Paradigma sivas ist kein Thema siva,
sondern nur die Wurzel svi = siv zugleich als Thema anzusetzen. In
einer älteren Periode wird siv zugleich als Nom. des Adj. und Subst.
gegolten haben, sowie wir im Nhd. noch jetzt gut (bonus) neben guter
gebrauchen, als (einfaches) Genetiv- Suffix aber -as angetreten sein,
welches selbe Suffix vielleicht auch den Nom. Plur. sivas (für sivas
vgl. unten) gebildet haben wird. Diese zwiefache Verwendung des
Suffixes -as ließe sich wohl am einfachsten durch den Partitivbegriff,
der in ähnlicher Art dem Gen. Sing, und Nom. Plur. inhäriert, er-
klären: Brotes deutet zunächst auf eine Theilung, dann aber auch
auf eine Vielheit der Brottheile oder Brote hin 18). — Dieses einfache
Genetiv- Suffix -as erfuhr aber späterhin eine Verstärkung durch -ja,
so daß nun asja das vollere Gen.-Suffix wurde, das aber nicht überall
antrat. Wo es antrat, konnte nun das ältere einfache Suffix als eine
Art Nominativzeichen verwandt werden, da es bei dem häufigen Ge-
brauch gerade dieses Casus doch seine Bedenken hatte, ihn ganz
unbezeichnet zu lassen. Daher finden wir auch da, wo dem Genetiv
einfaches -as als Endung genügte, aus diesem -as auch eine ähnliche,
aber etwas variierte Endung für den Nomin. entwickelt, und z. B. neben
vocis Gen. das identische, aber variierte vocs, vox als Nom. oder neben
nubis Gen. das gedehnte nubes als Nom. angewendet. — Ganz ähnlich
wie mit dem Gen. verhält es sich meiner Ansicht nach mit dem Dativ:
das ältere Suffix ist -ai, e, das aber auch durch ja verstärkt, also zu
äja (aus ai -\- ja) werden konnte, so steht siv-dja neben vac-e. — Der
Accusativ hat die Endung -am, und diese ist im Neutr. auch für
den Nom. eingetreten. — Wie weit einige Locativbildungen auf -am
,8) Das franz. du pain = Brot (worunter auch mehrere Brote gedacht sein
können, nur daß diese in ihrer Besonderheit nicht einzeln bemerkt werden dürfen, in
welchem Falle des pains richtiger wäre) ist wohl noch deutlicher.
ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 27
und -am etwa diesem Accus.-Suffix verwandt sind, lasse ich hier dahin-
gestellt. — Die gewöhnliche Locativendung ist -i, doch konnte, wo
der Dativ das vollere Suffix dja gewählt hatte, die einfache Dativ-
endung ai = e auch für den Locat. eintreten, also sive Loc. neben
vaci. — Als Endung des Ablativs nehme ich natürlich nicht -t wie
Bopp19), sondern -at an, woraus sich -dt durch Dehnung (vgl. w.
unten) bildet. — Der Instrumental hat d zur Endung, kann aber
durch nachgesetztes -na verstärkt werden, also sivena für sivdna aus
siv-d -\- na.
Im Plural war einst vielleicht Nom.- und Acc.-Endung identisch
und zwar -as"°), woraus durch Dehnung und erweiternde Nasalierung
alle die Formen, welche uns jetzt entgegentreten, geworden sein
mögen. Im Gen. Plur. hat das einfache Suffix -dm wiederum Verstär-
kung erfahren durch vorgesetztes -an*1) (an) oder -as, letzterer Fall
(also as -f- dm) tritt im lat. Gen. Pluralis auf -arum, -omni zu Tage 22). —
Für Instr., Dativ, Ablat. und Locativ sind als ursprüngliche Endungen:
abhis, abhjas, asu anzusetzen, was zum Theil schon von Benfey 23J und
Ad. Bezzenbergcr24) vermuthet ist, an welche Formen sich auch der
Dual Gen. auf abhjdm anschließt, während ich die andern Dualformen
hier bei Seite lassen will. Bekanntlich wird der Anlaut dieser eben ge-
nannten Suffixe in der Declination gedehnt und zwar nach ionisch-
gotischer Weise25) zu e, siveshu, sivübhis und Instr. Sing, sivena, wahr-
scheinlich aus euphonischen oder Accentuationsgründen.
Ehe ich indeß weitergehe, möchte ich einigen Einwendungen,
die man mir leicht machen könnte, zu begegnen suchen. Man sagt
vielleicht, gesetzt auch, siv-as, dev-as u. s. w. lasse sich wohl ansetzen,
aber nicht j-as, k-as u. s. w. In diesen Fällen seien ja, ka die Themen,
aus denen durch Antritt von -as jäs, käs hätte werden müssen. Aber
in solchen Fällen ist das a des Stammes wohl nur als eine Art Hülfs-
vocal anzusehen , ja ist nur eine Entfaltung von i, na (z. B. in der
'"i Vergl. Gramm. I3, 348, wo die Ansicht <icr indischen Grammatiker, welche
«' als Ablativ-Endung ansetzen, bekämpft wird. J0) Interessant ist, daß in den
Veden (vergl. 1 1 . . p ] . K. Kanscr. Gr. §. Ml' Änm.) sich auch das verdoppelte Suffix
äsas, welches Bopp sicher mit ßechl aus tu -f tu erklärt, findet, Xl) Ursprünglich
ü7ii? Daraus an, an, hi u. s. w. Ea wäre dann das Suffix des Gen. Plur. wohl ebenso
als verdoppelt anzusehen, wie das des Nom. in den Veden. Die ursprüngliche Quai
bleibt mehrfach zweifelhaft. ") Auch tum gehl in einiges Fällen wohl auf aham
= asam zurück-. Kurzi 9a icr. Gr. §§. lö'.» und I*;,. '") Untersuche
über die gotischen AdveAiien B. 8, iura. '■'•. Die aber auch im Englischen,
Schwedischen, Friesischen und .-on.it im Nd. oft genug auftritt, im Englischen meisl
nur in der Aussprache.
28 E. WILKEN
7. Conjug.-Classe) nur Ersatz für n, und so befremdet es nicht, wenn
aus ja -f- as nur jas, und leicht auch jis, aber nicht jäs geworden ist.
Etwa das umgekehrte Verhältniss zeigt der Nomin. Plur. siväs,
den ich nicht aus siva -\- as, sondern nur aus siv-as erkläre durch
eine Dehnung, die ich dem Einfluß des s glaube zuschreiben zu dürfen,
und die ich ganz ähnlich erkläre wie die Dehnung von i und u im
sanscr. Passiv vor den Lauten r und v 26), und wie die got. Potenzie-
rung von i und u vor r, v, hv zu ai und aü. — Als Grund aller dieser
Erscheinungen glaube ich die Schwäche der nachfolgenden Liquida
oder Spirans ansehen zu dürfen, vor welcher ein kurzer Vocal zu sehr
des Haltes entbehrte, um nicht die Neigung zu spüren, durch Dehnung
sich zu befestigen27). Vergleicht man im Griech. Formen wie noAtog
mit dem jüngeren jroAfcag, lafog mit /Uog; im Lat. nubes (Nom.)
neben nubis (Gen.), vocis neben voces28), welche letztere Form nach
dem griech. oitss, sanscr. vacas zu schließen, ursprünglich ebenso gut
kurzen Vocal besessen haben muß; im Deutschen got. fiskös mit alt-
nord. fisJcar, so wird man nicht leugnen können, daß überall der kürzere
Vocal organisch ist, und daß sich die Dehnung nur aus phonetischen
Motiven wird vollzogen haben. Wo sonst Dehnungen eingetreten sind,
z. B. im Gen. Plur. sivänäm für siv-an-äm, vielleicht für urspr. siv-am-ant,
werden entweder dieselben Gründe maßgebend gewesen sein, da auch
m und n als Liquidae Dehnung vorhergehender Vocale begünstigten,
oder es mag der Accent eingewirkt haben. Übrigens müssen auch
Bopp und seine Anhänger einige Dehnungen von ihrem Standpunkte
aus zugeben, denn sivebhjas ist nach ihnen aus siva-bjas, siveshu aus
siva-su entstanden. (Vgl. Bopp K. Sanscr. Gr. §§. 149, 151). Daß
übrigens auch bh ein sehr weicher Laut war, vor welchem Dehnung
des Vocals beliebt werden konnte, zeigt der völlige Ausfall des bh im
Instrum. Plur. siväis für siv-abhis, woraus ebenso gut sivebhis hätte
werden können29).
26j Vergl. Bopp Kurze Sanscr. Gr. §. 448. 27) Die Erklärung der sog. got.
Brechung konnte ich hier eben nur berühren. Das gotische r war gewiß, wie noch
jetzt im Nd., ein sehr weicher Laut. 28) Vergl. Leo Meyer griech. und lat.
Declin. S. 7 — 11, wo ich freilich nicht jedem Satze beipflichten kann, z. B. wenn
S. 10 die Länge des e im griech. öaqpjjg erklärt wird als Ersatz eines verlorenen
Zischlautes. Ich erkläre oacprjg = actcpug oder oaepsg, auch das lat. homines, con-
suleis u. s. w. aus consulis nach dem von mir angenommenen Einfluß des .«. Das
Digamma wird auf Formen wie Afoog für Xccfog schwerlich gewirkt haben. *") Wenn
Bopp K. Sanscr. Gr. §. 448 die Vocaldehnung in föjatä, srnjatä daraus ableitet, daß
i und u hier als Endvocale (doch nur der Silbe!) stehen, so mag auch hier vielmehr
vor dem schwachen J-Laut eine Vocalcorroboration stattgefunden haben.
ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 29
Was die Feminina betrifft, so glaube ich, daß sie an und für
sich kein besonderes Merkmal weder im Thema noch in den Endungen
bedurften30), und daß erst mit der Zeit der Wunsch, sie von den
Masculinis schärfer zu unterscheiden, aufgetreten ist. Feminina als
solche wurden nunmehr kenntlich gemacht durch Antritt von ä an
den Stamm, das auch zu e, o, i, ei, vielleicht auch ü variiert werden
konnte. In Bezug auf die Flexion der Femin. scheint man sich, um
einen Unterschied vom Masc. zu machen, zum Theile derselben Suffixe
in umgekehrter Folge bedient zu haben; ich erkläre:
Gen. Masc. sivasja aus siv-as -\- ja\ Fem. siväjäs aus sivä-ja -\- as;
Dat. M. siväja aus siv-ai -\- ja; Fem. siväjai aus sivä-ja -f- ai; andere
Unterschiede z. B. im Loc. müssen hier unberührt bleiben.
Während wir also bei den meisten Femininis ein vocalisches
Thema zugeben, halte ich es für zweifelhaft, ob es im Germanischen
überhaupt vocalische Masculinthemen giebt: die consonantischen Masc-
Themen gliedern sich aber in zwei Gruppen, je nachdem der End-
consonant schon der Wurzel oder aber nur einem Ableitungssuf'fix
gehört. Diese letztere Gruppe ist bisher vorzugsweise als die con-
sonantische, oder bei Grimm als die schwache bezeichnet. Letztere
Bezeichnung, gegen die schon vielfach Bedenken laut geworden31),
lässt sich in dem Sinne allerdings nicht unpassend beibehalten, daß
hier die durch Suffixe erfolgte Wurzelerweiterung, die man nun als
Stamm oder Thema bezeichnen mag, früher eine Abstumpfung oder
Schwächung der Casuszeichen eintreten ließ — der leichteren Aus-
sprache wegen — als bei den kürzeren Wurzelthemen32). Schwä-
chung oder Abstumpfung ist hier, meine ich, ebenso durch vorher-
gegangene Verstärkung hervorgerufen wie bei einem ähnlichen Falle
in der Conjugation33).
Besondere Berücksichtigung verdienen noch die auf dem ger-
manischen Gebiet so häufigen, durch die Suffixe ja oder va gebildeten
M.iseulina. Da, wie schon bemerkt, das a in diesem Falle nur als
Ilülfsvocal auftritt, und j und v nach bekannten Lautgesetzen auch
in i oder u sich auflösen können, so ist hier freilich ein Schein
vocalischer Declin. vorhanden, und in einzelnen Fällen lässt sich ein
30) Beispiele dafür würden sich aus dem Lateinischen leicht häufen lassen.
Sl) Unter Andern schon von E. ('•. Graff in Beiner noch immer Kenntnissnahme ver-
dienenden: Theorie der schwachen Declination, Sep.-Abdr. aus dem Neuen Jahrbuch
der Berl. Ges. für d. Spr. u. Alt. Berlin 1836 Plalm. 35j Natürlich verstehe ich
darunter solche Wurzeln, die zugleich in die grammatische Kategorie der Themen
fallen. 33) Vergl. Göttinger Gel. An/, ist:; s. :ti". unten.
3() E. WILKEN
Zweifel denken, wie das Thema des betr. Wortes anzusetzen sei.
Betrachten wir z. B. im Gotischen das Wort sunus, so tritt hier der
w-Vocal in der Declin. so entschieden auf, daß wir versucht sind,
sunu = sunva als Thema anzusetzen, und den Nom. sunus also aus
sun _|_ u (= va) -j- 's (für as) zu erklären. Aber in den andern Dia-
lecten34) liegt die Sache ganz' anders: im Ags. erscheint u nur noch
im Nom. Acc. Sing, sowie im Dat. Plur., welcher letztere Casus aber
nicht in Betracht kommt, da im Ags. der Dat. Plur. überhaupt in um
endet. Die andern Casus wird ein unbefangener Beurtheiler wohl nur
auf das Thema sun- zurückführen können, und diese Annahme bestätigt
das Altnordische.
Hier zeigt nur Dat. und Acc. Plur. den w-Laut, und das Verhältniss
des Dat. Plur. ist hier ebenso wie im Ags. — die andern Casus würden,
wenn man nicht aus dem Got. sich der Declin. von sunus erinnert
hätte, sich schwerlich je bei den Grammatikern in eine altnordische
£7-Declination verirrt haben35). Wer nun freilich das einzige Heil
seines grammatischen Gewissens in Regeln und Ausnahmen erblickt,
der mag nach wie vor die drei Classen der vocalischen Declin. fest-
halten, uns aber und Gleichgesinnten wird sich ein anderer Weg zeigen.
Wir theilen, um von der Theorie zur praktischen Durchführung
zu schreiten, die deutsche Declin. in die Classen der consonantischen,
der halbvocalischen und der vocalischen Stämme ein. Erstere umfasst
aber einmal (A) die consonant. Stämme mit starker, d. h. vollerer
Flexionsweise und dann die mit geschwächter oder abgestumpfter
Flexion (B). Beide Unterabtheilungen lassen sich dann bez. der Flexions-
silbe noch in Fractionen zerlegen: bei (A) lässt sich eine a-, i- und u-
Fraction36) in der Weise annehmen, daß der ursprüngliche a-Vocal
der Flexionssilbe der Schwächung i, der Trübung u Platz machen,
auch wohl ganz ausfallen konnte37).
34) Daß Ahd., Ags., Altnord, dem Gotischen als entschieden jüngere, grammatisch
entartete Dialecte nachständen, war eine voreilige Annahme der Grammatiker.
3S) Im Got. selbst zeigt die sog. EADeclin. sehr bedeutende Schwankungen, vergl. Heyne's
Ulfilas 5 A. S. 420. Der Umstand, daß nicht bloß im Acc. und Voc. au für u, im Dat.
u für au, sondern selbst im Nom. au für u (sunaus filius Lc. IV, 3) begegnet, lässt wohl
überall das au nur als phonetische Dehnung von u (vors oder am Wortschluß), « aber
als Trübung von a erscheinen. Im Plur. ist sunjus = sunüs für svn\us, und dieß für
sun-as, wie es altn. sonar im N. Plur. ebenso gut heißen könnte für das gebräuchliche
synir. _ Der got. Gen. sunwe steht wohl für sunjue mit irrthümlicher Verwendung
des Nominativs als Thema, ähnlich wie tvaddje = tvaje = tvaie vom Nom. tvai u. A.
3«) Ich entlehne diese Bezeichnung Bopp, der sie Vergl. Gr. I3, XVI in etwas anderer
Weise fürs Armenische verwendet. 37) In diesem Falle war wohl die Schwächung
in i vorhergegangen, Nom. ßsks steht wohl zunächst iürßskis, dieses aber für ßskas.
ZUE DEUTSCHEN Dl-X'LINATION. 31
Diese drei Fractionen der starken consonantischen Decli-
nation würden einigermaßen den drei Classen der von Grimm und
Bopp so genannten starken oder vocalischen Declin. entsprechen
mit Ausschluß aber der Feminina wie giba u. a. — Bei der schwa-
chen consonantischen Declin. (B) sind nach dem Grade der Schwä-
chung ebenfalls weitere Sonderungen zu machen: denn die Participia
auf -and lassen sich den Flexionsvocal38) noch mehr verflüchtigen als
die nach hana gehenden Subst. (wenn nämlich Dat. hanin für hanani
steht, wogegen von nasjands Dat. nasjand), und die auf Gutturale
und Dentale endenden Stämme zeigen weit mehr Variationen des Fle-
xionsvocals, als die auf n (für nd?) schließenden Themen.
Folgendes Paradigma würde meine Auffassung der starken con-
sonantischen Declination veranschaulichen :
Grundform pisk (pask?)
Lat. piac-is Nom.
Got
. fish-s
Altnd
. fixk-r
Ags
• fisc
Ahd
. fisk
pisc-is Gen.
ßsk-is
fisk-s39)
fisc-es
fisk- es
pisc-i Dat.
fisk-a40)
fisk-i
fisc-e
fisk-e(a)
pisc-em Acc.
fisk-(am)
fisk
fisc
fisk
pisc-es N. Plur.
fish- os
fisk-ar
fisc-as41)
fisk-a
pisc-ium G. Plur
fisk-e
fisk-a
fisc-a
fisk-o
pisc-ibus4V) Dat.
PI.
fisk-am
fisk-um
fisc-um
fisk-iun
pisc-es Acc. PI.
fisk-ans
fisk-a
fisc-as
fisk-a
Zu den halbvocalischen Stämmen würde ich namentlich die
durch -ja und -va gebildeten zählen, zu den rein vocalischen wohl
nur die Feminina auf a (z. B. got. gib-a), das dann freilich auch in
andere Vocale ausweichen kann. Diese vocalischen Femininthemen
haben als Nominativzeichen nur das genannte Fem. -Suffix, während die
consonantischen Fem. -Themen sich ebenso wie die Mascul. verhalten.
Ob es voc&Ksche Xcutral-Themen, etwa got. faih-u gebe, bezweifle ich
sehr, die lat. Formen pecus, pecudis, pecoris neben pecu sprechen
nicht sehr dafür. Vielleicht ist pec-u(s), faih-u(s) anzusetzen, ähnlich
wie navit-a(s), nauta im lat. Mascul. — Zu den conson. Femininstämmen
rechne ich die durch ansf.s und hantln* im Gotischen gewöhnlich repräsen-
tierte!] Worte: neben dem Nom. ansts für anstis steht der Gen. anst-
%%) Die Flexion ist hier natürlich = Declination. 3'| Der Genetiv bewahrt
hier also die ältere Form, da r = s ist. *°) Ob dieser got. Dativ, dessen ge-
wöhnliche Erklärung (nach WeBtpbal) ans fisk-ai mir zweifelhaft bleibt, den enl
sprechenden Casm der andern Dialeete auch historisch entspricht? I>as % und e der
.ludern Dialeete (a im Ahd. ist jünger als r) erinnert mehr an Locativfonmn.
*') Vielleicht gedehnt fiseäs nach Anal, des (int. und Lat. •*) Die german. Dati\ e
Plur. entsprechen scheinbar mehr alten Dual-Dativen auf -abjüm.
32 E- WILKEN
ais ähnlich wie im Lat. (mit anderer Folge) der Nom. nub-es neben
dem Gen. nub-is. Ebenso ist hand-aus historisch nur hand-üs neben
dem Nom. handus. Im Plur. ist anst-eis nur wieder gedehntes anst-is,
ganz ähnlich wie im Altlat. consuleis, vir-eis (Nom. Plur.) eis (= ii),
host-is, imbr-is u. A. (Vgl. Leo Meyer Griech. und lat. Declin. S. 65
bis 68). Im Plur. Nom. handjus ist ju = iu ebenso Dehnung von u,
wie ei und ai von i in Formen wie änsteis und anstais, letztere wohl
durch den Dat. anst-ai graphisch bedingt, in dem ich die alte Dativ-
endung ai wenigstens eher erkenne als in dem masc. Dat. fiska. Nach
Westphals Gesetz wäre freilich altes ai in gotischen Endsilben uner-
laubt, und dafür einfaches a zu erwarten, aber ich möchte auf dieß
Gesetz so wenig schwören wie auf irgend eine Grammatikerregel, wenn
demselben auch nicht unrichtige Beobachtungen zu Grunde liegen.
Noch ein Problem germanischer Declination will ich schließlich
berühren, nämlich die historische Erklärung unserer schwachen con-
sonantischen Declination, indem ich zur Orientierung auf die über-
sichtliche Skizzierung der Frage durch Delbrück (bei Zacher II, 398 fg.)
verweise. So nahe die Vergleichuag dieser conson. Stämme mit den
entsprechenden der elass. Sprachen zu liegen scheint, so bietet sie
doch bei näherer Betrachtung Schwierigkeiten, namentlich wenn man
auch die andern Dialecte des German. , nicht bloß das Gotische ins
Auge fasst. Sollte z. B. altnord. gumi direct altlat. homon- entsprechen
können? Überhaupt zeigt das altnord. Paradigma dieser schwachen
Declin. so recht, daß wir es hier mit keinem reinen Entwicklungs-
process, vielmehr mit einem durch zufälligen Usus bedingten Bequem-
lichkeitsschema zu thun haben. Um aufs Gotische zurückzukommen,
so nehme ich an, daß für den Nom. Masc. und Neutr. vollere Formen,
noch in gotischer Zeit, bestanden: etwa hanans oder hanands analog
nasjands, naman (später namo) entspr. dem lat. nomen, Gen. hanans
vielleicht wechselnd mit hanins, namins u. s. w. — Wie entstanden nun
die kürzeren Formen? Werfen wir einen Blick auf die Adjectivflexion,
so wäre an und für sich möglich, blinda aus blindja zu erklären (so
auch fara aus farja in der Conjug.), und da das Suffix -jai3) beson-
ders gut zur Adjectivierung sich eignete, so lässt sich wohl denken,
daß zu einer Zeit im Altgermanischen erlaubt schien, jedes Adject.
(etwa mit leichter Verstärkung des Begriffs) mit -ja zu componieren.
So trat zu den schon vorhandenen Formen blind (unflectiert, im Got.
später nur fürs Neutr. gebräuchlich) und Uinds für blind-as**) eine
43) Es bedeutet (nach Benfey) ursprünglich so viel als eigen, eigentümlich.
*) Wenn es nämlich = blindas, vergl. weiter unten.
ZUR DEUTSCHEN DECLINATION. 33
dritte Form blinda für blindja, deren Flexion aber zu sehr mit der
von blinds zusammengefallen wäre, wenn man z. B. im Nom. blind-eis,
blinds oder blindis, Gen. blindis u. s. w. gesagt hätte. Oder sollte jenes
blinds, blindis, blindamma u. s. w. wirklich das in Frage stehende flec-
tierte blind-ja sein? Ich lasse dieß unentschieden45): jedenfalls handelte
es sich für die Sprache darum , eine andere, bestimmt unterschiedene
Flexion für das aus blindja entsprungene blinda zu gewinnen, sollte dieß
nicht so unflectierbar bleiben wie die Form blind. Man entlehnte nun,
meine ich, aus der schwachen conson. Subst. Declin. den Gen. u. die
fg. Casus und flectierte : blinda, blindins (nach hanins) u. s. w. Und indem
nun diese adj. Classe mit der substantivischen fast ganz zusammenfiel,
die bestimmte Unterscheidung des Nom. Sing, vom Gen. Sing., Nom.
und Acc. Plur. in der adjectiv. Flexion aber vortheilhaft sich vor der
substantivischen Monotonie (hanans Nom. Sing, und Plur. Abc. Plur.)
auszeichnete, dazu noch bequemer war, so mochte man sich mit der
Zeit gerne gewöhnen, wie blinda, blindins nun auch hana, hanins (Plur.
hanans) zu beugen. Diese Ableitung des Nom. hana aus der adjectiv.
Flexionsweise empfiehlt sich auch deßhalb, weil die Nom. des Fem.
und Neutr. tuggo und hairto in ihrer gleichlautenden Endung auch auf
den Einfluß adjectivischer Flexionsweise*6) hinzudeuten scheinen. Das
Femin. blindo erklärt sich uns leicht als blind(j)a -j- ä (Fem.-Char.)
und nach monotoner adjectiv. Weise47) ist das Neutr. blindo dem Fem.
einfach entlehnt.
Sollte aber auch diese Auffassung der schwachen consonantischen
Declin. Einigen zu künstlich und die eine oder die andere meiner Ver-
muthungen zu kühn erscheinen, so wird ein unbefangener Beurtheiler
doch nicht leugnen können, «daß in der Hauptsache meine Ansicht aber
das Wesen der indogermanischen Declin. einfacher ist als die herr-
schende, und vorläufig hinreichend begründet ward, um einige Berück-
sichtigung und genauere Prüfung zu verdienen. Sollten dabei auch
noch einige Bedenken aufsteigen, wie ich denn selbst bei meiner nur
mangelhaften Kenntniss der asiatischen Sprachen längere Zeit mit
4S) Wenn ich oben die Zusammensetzung mit einem Pronomen für die starke
Adject. -Flexion bezweifelte, so ist die Composition mit einem einfachen Suffix nicht
darunter verstanden. *') Nur dieser eigne! die Verwischung der Genera im st«
«l>ii Grade, in der Bubst.-Declin. wird das Neutr. >" viel ich sehe nie vom Fem. i"
stimmt, nur von dem Dia *') Das germanische Adjectiv erstrebt, namentlich
im Plural , Gleichförmigkeil der Geschlechter. Im Altnordischen hat1 das schwach
Adjectiv im Plural um Eine, im Bing, auch nur drei Formen t'iir alle Casus und
r. Mit langt vgl. Doch ahd. guecU nti, mit plinto wü
• QEEMAKL* s ra <\l\ J.a.rg ) 3
34 E. WILKEN, ZUR DEUTSCHEN DECLINATION.
meiner Ansicht zurückgehalten habe, und noch jetzt bei etlichen Worten
im Sanscrit und selbst im Griech. schwanken muß, wie hier die Themen
aufzustellen seien, so möge man doch bedenken, daß keine derartige
Hypothese über jeden Zweifel und jede Anfechtung erhaben sein kann.
Erst nachdem ich bei Kundigeren theils Zustimmung, theils Bedenken,
doch ohne entscheidende Argumente gefunden, habe ich meine Ansicht
vorgetragen, deren Bedeutung freilich, wenn sie richtig wäre, um so
größer würde, da sich dann auch die Conjugation müsste analog auf-
fassen lassen. Das meine ich nun allerdings auch, doch möchte ich
nicht mit zu viel Neuerungen auf einmal kommen. — Zum Schluß will
ich nur darauf noch kurz hinweisen, wie die neue Ansicht 1. ein-
facher ist als die frühere, da wir nun in vielen Fällen nicht erst
künstlich ein Thema aufstellen müssen, sondern den Stamm mit der
Wurzel gleichsetzen können; 2. natürlicher erscheint im Hinblick
auf die zahlreichen oben beleuchteten Schwankungen der bisher sog.
drei vocalischen Declinationsclassen. Wenn ich statt dieser drei Classen
drei Fractionen der starken conson. Declin. unterscheide, so ist das
ja keine bloße mutatio nominum, sondern der Ausdruck Fractionen
d. h. Brechungen oder Spaltungen deutet schon darauf hin, daß hier
nur leicht wieder vereinbare Spielarten derselben Classe gemeint
seien. Endlich wird 3. meine Ansicht auch durch gewichtige Ana-
logien der indogermanischen Grammatik unterstützt. Betrachten wir
die von Grimm Gr. II, 97 fg. vorgeführten conson. Suffixe48): -al, -il,
ul; is-al; ar und ir\ am und um', an, in, un, ein (und ön?); die Ad-
verbialsuffixe -aba und -ubai9) u. s. w., so haben wir hier ja die besten
Erläuterungen unserer starken conson. Declination mit den Suffixen
-as, -is, -us (alle aus urspr. as) in Fülle vor uns. Dieselben Suffixe sind
auch in der schwachen conson.50) Declin. erhalten, nur sind sie hier
(namentlich bei den schon mit dem Suff, -and versehenen Stämmen)
verkümmert: „die Belastung des Worts durch Composition" nimmt
zur Erklärung eines ähnlichen Umstandes schon M. Heyne51) an.
GÖTTINGEN. E. WILKEN.
48) Über den Sinn dieses „eonsonantisch" vgl. S. 97 unten. 49) Die neuer-
dings von A. Bezzenberger neu vertretene Ansicht, wonach diese Adverbsuffixe auf
altes -vant zurückgiengen, modificiere ich nur dahin, daß ich dem -vant älteres avant
supponiere. 50) Auch der vocal. Declin. eignen im Grunde, wie erwähnt, dieselben
Suffixe. 5l) Laut- und Flexionslehre der altgerman. Sprachstamme 1. A. S. 23$
Anm.
W. GEMOLL, DER VERS VON VIER HEBUNGEN. 35
DER VERS VON VIER HEBUNGEN UND DIE
LANGZEILE.
Fast durchgchends unterscheiden sich im Mhd. Volks- und höfi-
sche Epen durch ihr Metrum, diese gebrauchen die kurzen Reimpaare
mit viermal gehobenem Vers, jene die Langzeile von acht Hebungen;
denn daß eine Langzeile von acht Hebungen dem Nibelungenlied, der
Gudrun, Ortnit und überhaupt allen Volksepen, welche Langzeilen an-
wenden, zu Grunde liegt, geht aus den Strophen der mhd. Volksepen
selbst hervor, die als mehrfach variiertes Grundthema die Langzeile von
acht Hebungen deutlich erkennen lassen. Die Betrachtung dieser Ver-
schiedenheit führte, weil gegenseitige Einwirkungen beider Dichtungs-
arten feststehen, auf die Frage: Sind beide Metra gleich ursprünglich
oder ist eins von dem andern abgeleitet und welches? Ist doch die
achtmal gehobene Langzeile genau gleich zwei Versen von vier Hebungen,
und die Diärese in jener schien ein Zeichen zu sein entweder für die
Zusammensetzung der Langzeile oder das Zerfallen derselben in zwei
Verse von vier Hebungen. Ich werde im Folgenden versuchen, dieß
eigenthümliche Verhältniss beider Verse zu betrachten und so vom
Mhd. ausgehend den deutschen Urvers zu bestimmen.
Zunächst ist es wichtig zu zeigen, daß in der mhd. Zeit das
Volksepos nicht ausschließlich die Langzeile, wie die Kunstepen nicht
ausschließlich den viermal gehobenen Vers anwenden. Wäre das der
Fall, so würde der Schluß nahe liegen, daß das jedesmalige Versmaß
im Wesen der betreffenden Dichtungsart begründet, und also ebenso alt
wie diese sei. Doch finden wir einerseits in Wolfram's Titurel und ein
wenig modificiert bei seinem Nachfolger Albrecht von Scharfenberg eine
aus Langzeilen gebildete Strophe verwendet, deren Vorbild ohne Zweifel
die Nibelungenstrophe war; andererseits sind die Klage, Biterolf und Diet-
leib u. a. Volksepen in kurzen Reimpaaren gedichtet, so daß der Gegen-
satz, der auch in Bezug auf das Metrum der Volks und Kunstepen
mild. Zeit besteht, mehr als ein künstlicher, ersl allmählich gewordener
erscheint. Da sich mm der Gegensatz zwischen dem viermal gehobenen
Vers und der Langzeile von acht Hebungen nicht mit «lein Gegensatz
zwischen höfischer und Volksepik deckt, uns aber nur jener vorzüglich
beschäftigt, so empfiehlt es sich zunächst historisch festzustellen, wie weit
sich jede> Metrum rückwärts verfolgen lasse, indem wir ausgehen von
36 W. GEMOLL
der Scheide des 12. und 13. Jhs., wo sich ja jene Gegensätze besonders
zugespitzt hatten und in's Bewusstsein der Nation getreten waren.
Die kurzen Reimpaare finden wir im 12. Jh. selbst nicht bloß bei
Heinrich von Veldecke, von dem man ja die Reinheit und Feinheit des
mhd. Verses ableitet, und dessen Nachfolgern oder den eigentlich höfi-
schen Dichtern , sondern auch sonst vielfach, aber mit sehr verschiedenem
Geschick gebraucht. Die Dichter des Prophilias, des Pilatus, des Ägi-
dius und Eilhard von Oberg beobachten ziemlich genau den viermal
gehobenen Vers ; weniger sorgfältig sind die Pfaffen Konrad und Lam-
precht, Heinrich der Glichesäre und Wernher. Mit all diesen Dichter-
namen und Werken bleiben wir noch innerhalb des zwölften Jahrhunderts,
weiter hinaus lässt sich der Vers von vier Plebungen historisch nicht
nachweisen, man müsste denn auf das von Haupt (b. Müllenhoff
Denkmäler S. 371, 2. Aufl.) als viertactig erkannte Gedicht 'Himmel
und Hölle' großes Gewicht legen, das der Mitte des 11. Jhs. angehört,
und, da es ungereimt ist, als ein einzelner Versuch eines Geistlichen
von der gewöhnlichen Dichtweise abzuweichen , gelten muß. Wenn man
nun auch Haupt darin Recht geben wird, daß eine Langzeile ohne
Reim oder Allitteration ein Unding ist, so wird sich andererseits auch
ein Gedicht in ungereimten, viertactigen Versen schwer nachweisen
lassen; demnach, wenn Haupt's Eintheilung des Gedichtes über allen
Widerspruch erhaben ist, darf man es doch mit den oben erwähnten
in viertactigen Versen abgefassten nicht zusammenstellen, nicht bloß
weil es nicht reimt, sondern weil es, obwohl der Zeit nach früher liegend,
viel genauere Verse hat.
Dagegen die Langzeile blühte ja schon zu Otfrids Zeit, wobei
ich nur die gereimte Langzeile vorläufig ins Auge fasse, von der Allitte-
rations-Langzeile noch absehe. Und es wäre, wenn feststände, daß die
Langzeile des 12. Jhs. identisch mit der Otfridschen wäre, dieser histo-
rische Nachweis zu Gunsten der Langzeile ausgefallen. Das steht aber
nicht fest. Zwar reimen beide, aber das mhd. Volksepos schließt der
durchgehenden Regel nach zwei Langzeilen durch den Endreim anein-
ander, die ahd. Gedichte reimen die zwei gleichen Hälften der Lang-
zeile unter sich.
Die mhd. Langzeile lässt sich erst im 12. Jh. nachweisen, am
frühsten am Nibelungenlied und des Kürenbergers Liedern, so daß also
die Priorität des viermal gehobenen Verses über die mhd. Langzeile
auf historischem Wege gesichert scheint. Nun hat aber die Otfridsche
Langzeile ebenso acht Hebungen wie die des 12. Jhs., und letztere
könnte darnach als eine unmittelbare Fortsetzung der Otfridschen
m.K VERS VON VIER HEBUNGEN.
37
Langzeile erscheinen mit verändertem Reim. Fragen wir also, wo liegt
denn der Übergang aus der einen Reimart in die andere?
In der ahd. Periode herrscht durchaus die achtmal gehobene
Langzeile und zwar stets mit Binnenreim, wovon selbst das halb deutsch,
halb lat. Gedicht de Heinrico: nunc almus assis filius thero tv&gero
tkiemün keine Ausnahme macht. Diese regelmäßige Langzeile können
wir bis tief ins 10. Jh. verfolgen, das eben erwähnte Gedicht fällt nach
Lachmann nicht vor 962, weil Otto Kaiser genannt wird (über die
Leiche S. 430). Dagegen finden wir in der zweiten Hälfte des 11. und
im Anfang des 12. Jhs. in den Gedichten der Übergangsperiode zwischen
ahd. und mhd. Zeit, wie in Ezzo's Gesang von den Wundern Christi,
im Leben Jesu der Ava etc. den Reim auf das Ende der Zeile verlegt.
Also ungefähr /.wischen 950 und 1050 fällt der Übergang des Reimes
aus dem Binnen- zum Endreim.
Aber was haben diese erwähnten Gedichte aus der Wende des
11. und 12. Jhs. für einen Vers? Zwischen drei bis sechs, sieben
Hebungen schwanken die gereimten Zeiten auf und nieder; entartel
also ist dieser Vers jedesfalls; aber woraus entartet? An und für sich
kann dieser verwilderte Vers ebenso wohl auf Entartung aus der Lang-
zeile durch Verminderung der regelmäßigen Anzahl von Hebungen
als aus dem Vers von vier Hebungen durch Vermehrung der vorge-
schriebenen Hebungen zurückgeführt werden. Man wird aber vorziehen,
diesen so vielgestaltigen Vers von der Langzeile abzuleiten, nicht vom
Vers von vier Hebungen, weil, wie wir oben sehen, letzterer für die
dem 12. Jh. vorausgehende Zeit nicht sicher feststeht, und es daher
in diesem Falle unlogisch wäre, aus der verwilderten Form die Existenz
der regelmäßigen erschließen und behaupten zu wollen. Doch stände
es auch fest, so ist der Zeitraum von nicht viel über 100 Jahren, der
zwischen den letzten Spuren der ( >tfridschen Zeile und diesen mit
Endreim versehenen Versen des endenden 11. Jh. verfloss, viel zu kurz
für die Ausbildung und Entartung des viermal gehobenen Verses,
all-, -eleu davon, daß man für die Entstehung des letztern keinen recht
stichhaltigen Grund Enden wird. Denn so viel haben wir bis jetzt schon
ben, daß die deutsche Poesie Ins 1150 etwa d. h. dem entschiedenen
Anfange der mhd. Zeil immer nur eine Art ZU dichten, immer nur eine
Art zu reimen hat, so setzl Bich die Otfridsche Zeit, die wir bis 950
ungefähr erstreckten, genau und scharf ab von der Ubergangszeil von
1050 — 1150, jeih- aber ist in sich einig, ersl in der mhd. Zeit, wo die
Stände Bich absondern, linden wir höfische und Volkspoesie durch den
Charakter wie durch das .Metrum ihrer Gedichte geschieden. Diesen
38 W. GEMOLL
einheitlichen Charakter der ahd. Gedichte beeinträchtigt eine einzelne
Abweichung wie das von Haupt viertactig hergestellte Gedicht 'Himmel
und Hölle5 nicht; wollen wir ihn aufheben, indem wir für die zwischen
9 0 und 1050 liegende Zeit, wo freilich für vage Combinationen ein
Feld ist, die Ausbildung des viermal gehobenen Verses statuieren, der
aber dann als ohne sichtbare Spur untergegangen und nur in seinem
Zerrbild, dem Vers der Übergangsperiode fortlebend gedacht werden
muß? Also der zwischen drei bis sechs, sieben Hebungen schwankende
Vers im 11. und 12. Jh. geht zurück auf die achtmal gehobene Lang-
zeile der ahd. Zeit.
Natürlich darf man daraus, daß der in Rede stehende Vers nicht
abgeleitet werden kann aus dem Vers von vier Hebungen, nicht
etwa schließen wollen, daß sich letzterer nicht auch finden solle unter
jenen räthselhaften Versen des beginnenden 12. Jhs. Im Gegentheil
liefert eine genauere Betrachtung der Gedichte, die in solchen gereimten
Versen von drei bis sieben Hebungen geschrieben sind, das Ergebniss,
daß die Verse von vier Hebungen, zum Theil ganz regelmäßig, zum
Theil modificiert und verbildet, sich in ziemlicher Anzahl vorfinden.
Ein gewiß interessantes Resultat ist hier, daß die ältesten Gedichte die
größte Länge der Verse erreichen, daß die Zeilen im Lauf der Zeit
immer kürzer werden und zuletzt den Versen von vier Hebungen
immer ähnlicher. Die Schöpfung (bei Diemer d. Gedichte S. 93 — 103)
zeigt noch durchgehends eine weit über die Vierzahl der Hebungen
hinausgehende Länge der Zeilen und erreicht in gar nicht seltenen
Fällen den Umfang der Otfridschen Langzeile. Man versuche einmal
Verse, wie :
da sihit ein iglicher nach sin selbis wizenicheit
an denio gotis imo selbimo Hb oder leit
als Entartungen aus dem Vers von vier Hebungen hinzustellen. Die
Schöpfung gehört noch dem 11. Jh. an, die vier Evangelien von der
Wende des 11. und 12. Jhs. stehen, was die Länge der Zeilen betrifft,
schon nicht mehr mit der Schöpfung auf gleicher Stufe, die Zeilen,
welche man auf den Vers von vier Hebungen zurückführen kann, sind
schon nicht mehr so selten; in einigen der späteren Gedichte aber, wie
z. B. von des todes geliügede, Pfaffenleben, Gebet zu Gott domine labia
mea aperies erkennt man schon ganz deutlich den Vers von vier He-
bungen als das Grundthema für die freilich mannigfachen Variationen,
bis wir später bei Wernher sowie in dem Alexander- und Rolandslied die
kurzen Reimpaare ziemlich genau und regelmäßig gebraucht rinden.
DER VERS VON VIEE HEBUNGEN. 39
Fassen wir demnach die gewonnenen Resultate zusammen , so
ergiebt sich, daß die rohd. Langzeile auch erst in der mhd. Zeit, im
12. Jh. sich findet, die Otfridsche Langzeile bis 950 herrscht, von
1050 — 1150 der mit Endreim versehene Vers von drei bis sechs und
sieben Hebungen, den man als eine Trübung der Otfridschen Lang-
zeile anzusehen hat, daß also Otfrids Vers in seiner reinen oder ver-
dunkelten Gestalt die ganze Zeit von Otfrid selbst bis 1150 umfasst.
Für den Vers von vier Hebungen ergiebt sich, daß er, rein gebraucht,
im 12. Jh. auftritt, daß aus dem Vers der Übergangszeit, den wir als
eine Verbildung der Otfridschen Langzeile fassen, sich allmählich immer
reiner der viermal gehobene Vers herausbildet.
So der Thatbestand. Es geht nun zunächst daraus hervor: der
Übergang des Reims aus dem Binnen- in den Endreim fiel, so weit
wir sehen, zusammen mit einer laxeren und regelloseren Handhabung
der achtmal gehobenen Langzeile. Beide Erscheinungen müssen mit
einander in Zusammenhang stehen, da sie von demselben Ursprung
ausgehen, dem mit Binnenreim versehenen achtmal gehobenen Vers,
und an eine ruhige Nebeneinanderentwicklung beider sowohl der Kürze
der Zeit nach als wegen des Charakters der einen Erscheinung, der
eine Verbildung, keine Entwicklung ist, nicht gedacht werden kann.
Nun kann der Übergang des Reimes die Verwilderung der Langzeile
nicht veranlasst haben, dafür bürgen uns schon die Nibelungenverse,
demnach ist der Übergang des Reimes eine Folge jener Erscheinung.
Wurden die acht Hebungen der mit Binnenreim versehenen Langzeile
allmählich nicht mehr streng aufrecht erhalten, so musste bei abnehmen-
dem Verstau dniss für den achtmal gehobenen Vers derselbe so ein-
schrumpfen und verkrüppeln, daß ein Binnenreim gar nicht mehr
möglich war. Der Binnenreim konnte doch bloß bestehen, wenn die
beiden Hälften der Langzeile o-;ill7, genau correspondierten; schwand
die Gleichmäßigkeit im metrischen Bau derselben, so hörte die Gegen
überstellung auf, die beiden Hüllten näherten sieh, zwei wuchsen zu
einem Ganzen zusammen. So war es natürlich, da man die Halbzeilen
nieht mehr durch den Keim sich gegenüberstellen und binden konnte,
die freilich zum Theil bedeutend verkürzten Langzeilen mit einander
zu reimen; also das Zusammenwachsen je zweier Halbzeilen zu einem
Ganzen war der Grund für den Bndreim.
Demnach da 'las Nibelungenlied zur stehenden Regel für Beine
achtmal gehobenen Verse den Endreim erhoben hat, so darf die mhd.
Langzeile nieht als eine Fortsetzung der Otfridscheu betrachtet werden,
sondern der Poesie des 12. Jhs., die den im Anfang völlig verdunkelten
40 W. GEMOLL
Vers allmählich wieder klärt und glättet und aus ihm einerseits den
Vers von vier Hebungen bildet, andrerseits die Langzeile des Volks-
epos, aber jenen eher. Das geht hervor aus dem Verhältniss, in welchem
die Nibelungenstrophe zu cdes Kürenberges wise' steht: sie stimmen
vollkommen überein. Wenn nun aus Obigem folgt, daß der regelrechte
und kunstmäßige Vers des Volksepos etwa so gut eine Neuschöpfung
ist, wie der Vers der höfischen Epen, so müsste man sich schon deß-
halb für die Autorschaft des Kürenbergers entscheiden, weil für eine
allmähliche Entwicklung des Verses der Volksgesänge, der bis 1150
ohne Zweifel jener Übergangsvers war, unter den Händen der Volks-
sänger, kein Platz ist. Gegen das Ende des 12. Jhs. tritt uns dieser
Vers fertig und schon sich unter das Gesetz einer Strophe schmiegend
entgegen. Zum Überfluß ist der Ausdruck des Kürenbergers:
da hört ich einen riter vil ivol singen
in Kürenberges wise al uz der menigln;
nicht mißzuverstehen. Demnach schuf dieser Sänger aus dem doppelt
gesetzten viertactigen Vers den mhd. Langvers und zugleich die Strophe,
und die Sänger des Volksepos nahmen beide an. Sie hatten ihre guten
Gründe dazu. Seit der bis in die 2. Hälfte des 12. Jhs. hinein auch
für Volksepen gebräuchliche viertactige Vers durch feinere Ausbildung
unter den Händen der höfischen Dichter das dem höfischen Epos eigen-
thümliche Metrum geworden war, seitdem sich die höfische Poesie in
Form und Stoff von der bis dahin herrschenden Volkspoesie losmacht
und sich über sie erhebt, hat mit ihr die Volkspoesie einen Kampf auf
Leben und Tod zu bestehen. Für diesen Kampf nimmt sie die von
der höfischen Poesie durchgeführten Neuerungen an ; auch ihre Helden,
die ja zum Theil uralt sind, tragen das höfische Gewand der Ritter
des 12. Jhs., die Sprache des Volksepos ist dieselbe wie die der höfi-
schen Dichtungen, und im Metrum will sie sogar ihre vornehmere
Schwester überbieten. Also aus dem Verhältniss zur höfischen Poesie
heraus ist die Annahme der Neuerungen des Kürenbergers von Seiten
der- Sänger des Volksepos zu erklären.
Die Frage also, ob die Langzeile des 12. und 13. Jhs. oder der
viermal gehobene Vers aus derselben Periode ursprünglicher ist, haben
wir so erledigt, daß wir beide auf den verwilderten, aber mit Endreim
versehenen Vers zurücklciteten , den wir auf der Scheide des 11. und
12. Jhs. vorfinden. Um aber die Frage nach der Priorität der beiden
Versarten an sieh beantworten zu können, müssen wir auf den, wie
wir oben sahen, höchst wahrscheinlichen Stammvater jenes verwilderten
Verses zurückgehen, die Otfridsche Langzeile und überhaupt die ahd.
Zeit, um so weit als möglich mit unserer Forschung vorzudringen.
DER VERS \n\ VIER BEBUNGEN. 41
Zunächst wird Otfrid betrachtet als Schöpfer des Reimes und
muß es insofern mit Recht gelten, als wir vor ihm*) kein gereimtes
Dichterwerk haben, ja der noch allitterierende Heliand wenige Jahr-
zehnte vor Otfrid's Christ liegt. Nach ihm aber welche Fülle von ge-
reimten Gedichten, ich erwähne nur die Übersetzung des 139. Psalms
wellet ir gikoren Daviden den guofen und das Ludwigslied, und alle
halicn wie Otfrids Christ, die Längzeile von acht Hebungen mit Binnen-
reim. Das ist ohne Zweifel durch den Einfluß des großen Gedichtes
Otfrids geschehen. Den Reim nun hat Otfrid höchst wahrscheinlich
aus der lat. Hymnenpoesie entlehnt, obwohl einzelne Keime auch schon
früher in deutschen Gedichten sich finden, wie im Hildebrandslied dat
sogetim ml. dsere liiäi; aber das kann Zufall sein. Die lat. Hymnen-
poesie hat entweder trochäisches Maß, wie im Lied des Venantius
Fortunatus :
Pange, lingua, gloriosi |j Proelium certaminis
oder jambisches, wie bei Hilarius Pictaviensis :
Lucis largitor splendide | Cuius sereno lumine —
und dieser jambische Dimeter ist in den spätem gereimten Hymnen
wohl Regel, wie beim Ambrosius:
0 lux beata trinitas | Et principalis unitas —
und bei Gregor I:
Elex Christe, factor omnium | Redemptor et credentium —
Aber diese troch. oder jamb. Maße, wo regelmäßig betonte mit
unbetonten Silben abwechseln, im deutschen nachbilden zu wollen,
konnte Otfrid doch nicht einfallen, obwohl seine Strophen von zwei
Langzeilen — daß er solche Strophen hatte, steht ja durch die Initialen
des Widmungsgedichtes fest — den vierzeiligen Strophen der Hymnen-
poesie entsprechen; er würde, wenn er auch keine klare Einsicht in
die verschiedenen Principien der lat. und deutschen Verskunst hatte,
doch bald die Wahrnehmung gemacht haben, welche der Dichter des
Pilatus noch im 12. Jh. macht: Man sagit von dutischer zungen sin
$ unbetwungen, ze vuogene herte. Außerdem kennte ihm der Gedanke
|i !' bauptung bleibt bestehen, sollte sich auch die Vermuthung Wüllen-
hoffs (Denkm. S. 296) bestätigen, die er in Betreff des 'Christus and die Samariterin
betitelten Bruchstücks, Lesen wir th macht: „daß d
Gedicht bis in die Mitte des IX. Jhs. hinaufreichte und Otfrid schon bekannt war. ist
sehr wnhl möglich." Denn doch erst Otfrids groß) • Werk brachte diese Art zu r<
zu Ansehen. Übrigens bleiben die Annahmen, die man über den Ursprung dieser Reim-
art macht, dieselben, ob 'Christus und die Samaril oder nach Otfrid Lii
denn der Verf. jenes Gedichtes war ja auch ein Geistlicher.
42 W. GEMOLL
einer Langzeile nicht aus der lat. Hymnenpoesie kommen. — Aber es
gab ja schon vor Otfried deutsche Langzeilen, wir finden sie im Wess.
Gebet, im Hildebrandslied, im Muspilli und noch deutlicher im Heliand,
es sind dieß die Allitterationslangzeilen. Daß Otfrid die deutsche, zum
großeD Theil ja noch heidnische Poesie und also auch den Allitterations-
vers kannte, ist kein Zweifel, war doch sein Zweck die cantilenas
saeculares zu verbannen, aber natürlich nur in Anlehnung an sie
Besseres an ihre Stelle zu setzen. Direct beweist seine Bekanntschaft
mit der im Volk lebenden Poesie die Entstehung des bekannten Verses
I, 18. 9 Thar ist lip ana tod, Höht ana finstri aus dem Muspilli; denn
daß aus Otfrid dieser Vers nicht in das Muspilli übergegangen sein
kann, beweist die Allitteration in demselben und die Stellung dieses
reimlosen mitten unter gereimten Versen. Solcher allitterierenden, nicht
gereimten Verse giebt's noch einige bei Otfried, wie I, 5. 5
floug er sunnun päd sterrono straza,
woraus zunächst die Verwandtschaft der Otfridschen mit der Allittera-
tionslangzeile hervorgeht, dann, da Otfrids gereimte Langzeile eine
Neuschöpfung ist, der Ursprung der Otfridschen aus der Allitterations-
langzeile; dafür darf man als Beweismoment auch die neben dem
Reim sich zahlreich findende Allitteration verwenden, wie I, 5. 6 wega
Wolkono zi deru itis frono. Also den Reim hat Otfrid aus der lat.
Hymnenpoesie, aber den Vers aus der deutschen allitterierenden Poesie
entnommen, und es beruht sein Verdienst darauf, der deutschen Dicht-
kunst, die in Gefahr war in Allitterationsformeln zu erstarren, durch
den Reim ein neues Element zugeführt zu haben, ohne doch die alte
Grundlage, die Langzeile von acht Hebungen, umzustossen. Wie zeit-
gemäß und passend diese Neuerung gewesen, zeigt ja die große Menge
von Nachfolgern, die gleich nach Otfrid denselben Vers handhaben. Zu-
gleich erkennt man nun auch, weßhalb Otfrid's Langzeile Binnenreim
haben musste; ist ja doch die Allitterationslangzeile durch die Lied-
stäbe in sich oder in ihren zwei Hälften gebunden, ohne an die ihr
folgende Langzeile sich zu kehren.
So ergiebt sich also, daß wir gleich im Anfang der ahd. Zeit die
Langzeile finden, und es scheint damit die Untersuchung über die
Ursprünglichkeit zu Gunsten der Langzeile auszufallen. Aber um ein
volles und sicheres Urtheil zu haben, müssen wir auf die Allitterations-
langzeile selbst eingehen.
Diese besteht je aus zwei durch den Stabreim verbundenen
Hälften; ob man diese als zwei besondere Verse schreibt oder zu einem
vereinigt, ist für unseren Zweck gleichgültig, damit wird weder die
DER VERS VON VIER BEBUNGEN. 43
Ursprünglichkeit der Langzeile noch des Verses von vier Hebungen
dargethan. Der Regel nach erscheint der Stabreim so, daß in der ersten
Halbzeile zwei Liedstäbe sind, in der zweiten der Hauptstab; aber daß
jede Halbzeile ursprünglich zwei Liedstäbe hatte, beweisen nicht bloß
die zahlreichen Verse, wo wir vierfache Allitteration in der Langzeile
haben, sondern grade die Regel, daß wir dreifache Allitteration haben
sollen, die doch schwerlich die ursprünglichste Art zu allitterieren war,
vielmehr aufgestellt scheint, um dem aus den beiden Hälften gebildeten
Ganzen ein mehr einheitliches Gepräge zu geben, die Spur der Zu-
sammensetzung zu verwischen. Hierzu ist ein treffendes Analogon die
Nibelungenstrophe, welche die zweite Hälfte des achtmal gehobenen
Verses so eigentümlich verändert hat, um sie von der ersten zu unter-
scheiden. Die Liedstäbe liegen nun stets auf gehobenen Silben; aber
wir haben in den Liedstäben nur die Haupthebungen, wie die Zusammen-
stellung von Allitterationsversen und eigentlich Otfridschen im Christ
und Otfrid's Vers selbst beweisen, der ebenso zwei Haupthebungen —
die Handschriften bezeichnen sie ja durch Accente über den Silben —
in jeder Halbzeile hat. Da nun Otfrid ganz genau die Halbzeile von
vier Hebungen beobachtet, so muß auch für die Allitterationslang-
zeile eine Achtzahl von Hebungen, vier für die Halbzeile angenommen
werden.
Daß aber an eine ursprüngliche Langzeile in der alliterierenden
Poesie nicht zu denken ist, ergiebt sich aus einer näheren Betrachtung
des liodahättr, jenes namentlich bei den mythischen Gedichten der
Edda gebrauchten Versmaßes, das gewöhnlich besteht aus zwei II ;i 1 1 >-
Strophen, deren jede aus zwei durch Allitteration verbundenen Halb-
zeilen sich zusammensetzt, worauf eine dritte selbstständige folgt —
entsprechend der in der eigentlich deutschen Metrik bekannten „Weise".
Nun wird dieser für sich bestehende Vers oft durch eine Verdopplung
der Liedstäbe der Langzeile gleich; man bildet also Langzeilen
noch in der uns vorliegenden Form der Eddalieder aus der Ealbzeile.
Andrerseits reimen manchmal die dem Metrum nach zu einander ge-
hörenden Halbzeilen nicht mit einander, sondern für sieh allein, wie
Hävamäl 79, 143. (bei Lüning)
Rfinar tmuit jnl jinnn
6k rädna stafi,
miök stdra stafi,
mieik stimm stafi,
er fadi fimbulpulr
6k gördu yinnregin ! zweite Balbstrophe.
ok reist hroptr rögna
erste Balbstrophe.
44 W. GEMOLL, DER VERS VON VIER HEBUNGEN.
Die beiden Hälften der Langzeile stehen sich hier selbständig gegen-
über. Diese eben angeführte Bildung von Langzeilen und dieß Zer-
fallen derselben in zwei selbständige Hälften müssen doch wohl als
wichtige Zeugnisse für den Ursprung der alliterierenden Langzeile an-
gesehenwerden: sie gieng hervor aus zwei für sich allitterierenden
Halb zeilen, woraus man weiter eine ältere Periode der deutschen
Dichtkunst folgern darf, in welcher die Allitteration durchgehends auf
einen Vers beschränkt war. Da ist die Allitteration also nur Verschöne-
rungsmittel, erst später wird sie Bindemittel für den Vers. Natürlich
wurde sie aber, wie jeder Schmuck dem zu Schmückenden gegenüber
das posterius ist, erst aufgetragen auf den Vers von vier Hebungen,
der ja, wie wir oben sahen, den zwei Liedstäben der allitterierenden
Halbzeile zu Grunde liegt. Also ist der Vers von vier Hebungen der
ursprüngliche deutsche Vers*), denn mit der Allitteration sind wir bis
in die ältesten Zeiten deutscher Poesie vorgedrungen, und der für sich
allitterierende Vers von vier Hebungen, sowie der noch frühere Vers
von vier Hebungen ohne Allitteration entziehen sich schon der histori-
schen Forschung.
Der Entwicklungsgang dieses von uns erschlossenen Verses von
vier Hebungen ist also folgender: Er wird mit Allitteration versehen,
dann durch dieselbe, welche sich über zwei Verse hin erstreckte, zu-
nächst mit vier, dann drei Liedstäben, zur Langzeile erweitert; durch
Otfrid mit Binnenreim versehen, bildet er in der ahd. Zeit das alleinige
Maß. Aus der Zeit der Verwilderung der Langzeile im 11. Jahrh. geht
allmählich der Vers von vier Hebungen hervor als eine Neuschöpfung
und wird von den höfischen Ependichtern in der mhd. Zeit adoptiert.
Aus diesem und im Gegensatz zu diesem Vers schuf das Volksepos
die Langzeile und die vierzeilige Strophe.
PYRITZ. W. GEMOLL.
*) Von diesem Punkte aus gewinnt das viertactige aber nicht gereimte noch
mit Allitteration versehene Gedicht 'Himmel und Hölle' ein eigenthümliches Licht; es
ist wohl zu betrachten als eine Spur des Verständnisses für den Ursprung des deut
sehen Verses, das bei einzelnen Geistlichen auch in der Zeit der größten Verwilderung
der d. Verskunst lebendig blieb. Damit schließt es sich an das Lied nunc almus assis
filius thero h&gero tliicriu'ni, das die Behauptung von der Zusammensetzung der ahd.
Lauo-zeile und damit der d. Langzeile überhaupt aus zwei viertactigen Versen auf's
deutlichste bestätigt; denn wäre eine so schroffe Theilung der Langzeile möglich ge-
wesen, wenn dieselbe im Bewusstsein unserer Väter ein ursprüngliches Ganzes ge-
bildet hätte?
P. BECH, ZERSTREUTE BEITRÄGE. 45
ZERSTREUTE BEITRÄGE.
VON
FEDOR BECH.
Umbe tnon.
Magdeburger Schöppenchronik 294, 7 steht: se Ugen vor der stad
taol veir wehen, se blef doch ungeumnnen, se xoolden sik 6Je nicht »mime
ili'm; dazu bemerkt der Herausgeber Janicke: „was heißt das? Sie, die
Belagerer, wollten sich nicht nach anderer Hülfe umthun, umsehen?"
Dieß bedeutete sich umme dun nicht, wie folgende Beispiele darthun.
Livl. Reimchron. ed. Pfeiffer 5823 den wart geoffenbäret , duz sich
diu lant geMche Haften alle umbe getan, Die in zu helfe seilten stän\ —
6118 in was dd von herzen leit, Daz diu reine Christenheit In ir lande
hate behalt: Sich tet umbe junc und alt, Sivaz der Oeselaere .was\ —
Johannes von Posilge ed. Voigt u. Schubert S. 37: item in desim järe
tetin sich umme die stete von Lamparthen unde Ytalien von den Römern,
den sie doch vor undertänig wb\en\ — 54 (Überschrift: Withaud tat sich
um mal vorryt dese hüser u. s.w.). Dornoch Lore::! ich in täte sich Wytowt
umme mit den Sammogyten u. s. w. ; — 85 icend her itezunt den willen
hatte, das her sich abir umb wolde thün von den Mrin\ — 291 dö wart
papa Johannes umgetan unde wedirwendig, wy wol her sich deme conciliö
unde den cardinalibus hatte vorschrebin. An diesen Stellen ist sich umme
tnon so viel als: sich um- oder abwenden, seinem Herrn oder seiner
Partei den Rücken kehren, von einem abfallen, abtrünnig werden;
vergl. umbe tnon im mhd. Wb. III, 141", 39 folg., einen von seiner
Meinung, seinem Glauben abbringen, ihn abtrünnig machen; dazu noch
Ludus de beata Katerina (Stephan, Stoffliefer. II, 1G4): is hefte der
fungiste mndir wän Su mit kunsten ivol umme getan \ Schwester Mech-
thild ed. Morel S. 136 si werdent alsd sere verhört, daz sie nieman mit
Worten umbe getuon kan\ Georg 4888 e man die helde umme getuo, ez
mohte sorge hän dar zuo.
Sich triegen üf ein •'
Zunächst verweise ich in Betreff dieser Redensari auf ad. Quellen.
So die Magdeb. Schöppenchronik 247, 18 de deken van mnte Nicolaus
schüicrfr ,',l: de riil manne nicht, eft sr sulcu dar la'mtn, und drncli sil:
Uji sine holen im knüppele] im Glossar dazu ist nichts darüber ver
merkt; auch anderwärts findet man nichts darüber außer bei Scham-
bach 4T seh dm/, dreigen, Bich thörichter Weise darauf verlassen; vgl.
46 F. BECH
auch Reinke de Vos 4751 se dregen sik mest up ere sterke und dazu
das Wörterb. in Hoffmanns Ausgabe S. 195. Der Ausdruck lässt sich
aber auch aus md. Quellen belegen, so aus Nie. von Jerosshin 2207
der gotis wigant — mit strite überwant Amalech die roten e, Di in vrevele
wilde Sich trogin uf ire Schilde =■ Judith ed. Vulg. 4, 13 Amalec con-
ßdentem in virtute sua et in clypeis suis; Jerosch. 14823 di her —
herber ge vingin Und ir gezelt ufhingin Sich triginde uf ire macht ; 16582
er troc sich uf den solt, Der di herrin machit holt, Di nicht recht ir
witze hän; Alsfelder Pass. ed. Grein 4683.
Regal.
Magdeb. Schöppenchron. 319, 22 {de borgere) geven om (dem Erz-
bischof Günther) regäl und confect üt der apoteken und schenkeden om
icin\ im Glossar wird zu regäl bemerkt: „(kostbare) Bewirthung oder
besondere Art von Leckerbissen". Daß es nur das letztere bedeuten
kann, ergiebt sich aus der vorliegenden Stelle sowohl wie aus den
folgenden: Urkundenbuch der Stadt Göttingen ed. G. Schmidt = Urk.
des histor. Ver. für Niedersachsen Heft VII, 1867, S. 370 (a. 1491):
do gingk uppe biddent des rädes hertoge Wilhelme wedder uppe de dorn-
izen > unde de rädt — — leydt ome do schencken int erste backen
erüdt unde daruppe cläret unde wyn, darnä regall unde daruppe averst
claret unde win u. s. w.; ebenda S. 382 (a. 1497): under deme dantze
hefft de räd to deme fursten unde furstinnen geschicket, se gebeden leiten
mitsampi oren güden lüden uppe de räd dorntzen to komen, unde
hefft one de rädt backen erüth, regal, vorsulvert tabulät, rosßyn unc'e
ehirbrot, darto claret, must unde fernewin unde Emb. beir läten
vordragen unde schenken; — bei einer ähnlichen Gelegenheit verbrauchte
man a. 1497 — 98 aus der Apotheke 10 $. regals unde tabulätes vor-
sulvert unde anderes backen erüd ebenda S. 383 Anm.; — Alteste
Statuten von Görlitz 395, 26 — 34 (15. Jahrh.): als denn vormals man-
cherley unfdr by den fravoen ader junefrawen bylegen gescheen ist, und
doselbist ggote zeu missebUung und einem gemeinen gutte zeu merek-
lichenn schaden tewrbar confeckt, regal und obirzcogen zucker vorstreicet
und zübracht ist, wil der rät mit wissin eldsten und gesworn, das
fort mer nymand by solichen bylegin eyngerley confeckt, regal, obirzcogen
zvekir adir wy das gethän wer gebin ader vortragen sulle. Daß das frag-
liche Wort einen Leckerbissen bezeichnete, mit dem man Jemanden
zu regalieren pflegte, ist somit klar. Fraglich aber ist es, ob dieser
von regaler, regalare (Dietz, Etym. Wörterb. I, 345) seinen Namen
hatte und nicht vielmehr von jenem regal, das bei Cornelius Eil. ed.
ZEHSTREUTE BEITRÄGE, 47
Hasselt 525 mit arsenicum, auripigmentum, et aconitum, vulgo realgarum,
et risagattum erklärt wird; vgl. fr. reagal realgal realgar, Rauschegelb;
und Nemnich III 1165; Diefenbach Gloss. Lat. Germ. 510° s. v. san-
daraca. Vielleicht war das Confect damit überzogen, gleichwie man
vorsulvert tabulät hatte?
Wapentüer.
Magdeb. Schöppenchron. 161, 26: markgreve Otte ivart gevangen
und mit ome dreihundert riddere und knechte, de men dö wapentnre heit\
ebenso in dem Urkundenbuch des Klosters Arnsburg aus dem Jahre
1326 bei Baur 384, 586: wir Johan Eydesel ryther und scheffen der
stad zu Grünenberg grüzen vnd byden dinest hern Franken von Linden
eime rither vnd Hartmüde von Clethenberge eime loepintüre, das die herren
von Arnsburg und Kraft von Rudenhüsen ein wepintüre aller ere sache
mit ein gesünt smf; ferner in einer Urkunde des Rathes der Stadt Halle
a. 1324 bei Dreyhaupt, Beschreibung des Saalkreyses I, 55: .beyde die
icapentüren unde wie bürgere under eynander\ endlich Cornelius Kilianus
ed. Hasselt 787 wapentüer, egues cataphractus , armiger. Schwierigkeit
macht die Ableitung der zweiten Hälfte des Wortes -tüer, -iure. Darf
man dabei an einen Ausdruck wie icäpen tuon denken, entsprechend
dem französischen faire oder tirer des armes, sich in den Waffen üben?
vgl. auch den Ruf tuo her den schilt! tuo her sperä sperl bei Ulrich
v. Liechtenstein 457, 27; 458, 4; oder ist es eine Umdeutung von
armiduetor? dem Sinne nach ist es wohl gleich ivapenaere, vergl.
Schneller IV, 121 und mhd. Wb. III, 458.
A beziere.
Bei Ebernand von Erfurt heißt es V. 3731-34:
die hosen abietere
manege wcb'e mere
leeren zeiner lugene
und sprechen ez si ein trvgene;
das Wort abietere — so schreibt die Handschr. nach Bechsteins aus-
drücklicher Angabe für das in den Text gesetzte abetiere — habe ich
früher (im fünften Band'- dieser Zeitschrift S. 501) als Abjetere, Abjä-
thaere gedeutet. Inzwischen aber haben mich andere Stellen, die mir
l><-i meiner Leetüre aufgestossen sind, eines andern, wenn nicht eines
bessern belehrt. Am Schluß von Heinrich Heslers Apokalypse (V. 2l>L'T I
folg. nach F. K. Köpke in v. d. Ilagens Germania X, 102) steht nämlich:
so werde dem abezn'rc rjnt grhaz, machende lere in des lebenden buche» teil\
bei Daniels und Gruben in der Glosse zum Sachs. Weichb. 221.
so rvere is nicht ein märer, sundern ein abesfihir\ ferner finde ich in der
48 F. BECH
Chronik des Joh. von Posilge ed. Voigt u. Schubert S. 252 (= Scrip-
tores rer. Pruss. III, 330) und S. 301 (= Script, r. Pr. III, 357)
den Namen: meister Johannes Abeczier, doctor utriusque juris, prdbist
czur Vroweriburg; damit vergleiche man das Leben der H. Dorothea
von Joh. Marienwerder II, 23 (= Scriptores rer. Pruss. II, 263), wo
das lat. comes mit miteczier verdeutscht ist: unsir herre Jhesus Cristus,
cd ires iveges ein gnadenreicher miteczier ; ferner uf zieher, ofziher =
Münzen wäger, in dem Zeitzer Programm von 1870 (Die bischöflichen
Satzungen über das Eidgeschoss in Zeitz) S. 16 Z. 11; Urkundenbuch
der Stadt Leipzig von Fr. v. Posern-Klett I, no. 483. Hiernach wird
es doch sehr wahrscheinlich, daß bei Ebernand abeciere — abeziere im
Original gestanden hat, d. i. detractor, ganz in Übereinstimmung mit
der lateinischen Vorlage des Dichters: forte et illud detractoribus fabu-
losum et inßdelibus incredibile putabitur. Vergl. Diefenbach Gloss. 177°
detractor, abezerrer; dafür abertzer, abrisser in des Teufels Netz 12868
(Var. BC) und bei Conr. v. Megenb. 232, 17.
Härgeplocke.
Leben der H. Elisabeth ed. Rieger 2345 folg.
/Si zugete manic lachen, (Tuch von Wolle)
Hi von si wolde machen
Doch äne härgeplocke
Minren brüdern rocke
Unde anderen heiligen kinden,
Wä si di künde finden,
Den si allen kleider gap,
Di man irzügete unde wap
Uz ir reinen arbeit.
Hierzu ist im Glossar über äne geplocke S. 380 vermerkt: „ohne Haar-
gepflücke, also keine eigentlichen haerin geioant, aus denen man die
hervorstechenden Haare pflücken kann. Oder härgeplocke? d. i. ohne
daß sie har vom Rocken zu pflücken brauchte, da sie nach 6978 f.
keiuen Flachs spinnen konnte". Daß unter geplocke nicht „Pflücken"
gemeint ist, sondern daß man an ein Collectivum von plocke, jener
hessischen Form für vlocke flocke nach Vilmar Idiot. 304, zu denken
hat, scheint mir aus folgenden Stellen hervorzugehen: Bei Boehmer,
Urkundenb. von Frankfurt, S. 636, in den dort verzeichneten Gewohn-
heiten der gewandmecher aus dem J. 1355 heißt es: wo man ein düch
rindet mit lytzen, daz da wurde gemachit mit schroden adir von dromen
adir von plocken adir von wlzseme garn gebözsirt, daz düch sal sin vir-
ZERSTREUTE BEITRÄGE. .'i<!
hrn ; — in den Innungstatuten der tückmecher (oder icullenweber) czu
Friberc bei Schott Samml. zu den d. Land- und Stadtrechten III, 292:
welch man begriffen wirt, daz her valsche (Hs. walsche) tüch also von
hären adir von vlocken hat läzen machen, dye seibin tüch sal man vor
dy burger brengen: leisen denne dye burger mit den meistirn, daz dye tüch
valsch (Hs. v unde ungerecht sint, so sal man dye tüch vorbomen,
unde icas pyne adir buze der feischer, der dy tüch höt läzen machen,
dorvmme sal liden, daz sal sten czu der burger unde meistir genäden; —
Lambert, Die Rathsgesetzgebung der freien Reichstadt Mühlhausen in
Thüringen S. 119: wer här odir pflockin mischete odir mengete czu wollen
tüch dar üz czu machene, der vorläset zwo marg\ — Rössler, Die Stadtr.
von Brunn S. 366 (108): Von valschem tuech: wo man ein tüch vail vintf
da här czu genumen ist, daz schol man pruen\ — Ortloff, Das Rechtsb.
nach Distinctionen S. 291: daz ist ein gemeine geseeze: kein Fleming sal
sine icollen felschen w edder mit höre noch mit phluchen (Varr. phloken,
flehen, wollen) noch mit keinerlei unt ad \ — in den Jahrbüchern' Johannes
von Guben 26, 31 : mit flockeng eic and e und mit andern falschen geioande,
daz man macht mit wolle und mit flokken\ — 12, 22 folg. iz hatten die
tüchmecher in dirre stat (Megdeburg) XV vlockyner tüch uf gehalden, dl
ii eynes burgers in dirre stat: daz selbe gewant brauten di tüchmecher
uf dem markte al czu möle. Dazu vergleiche man das Sprichwort här
under wolle slahen oder mischen bei Berthold ed. Kling S. 40 und
J. Grimm Kl. Schriften IV, 332 nebst Zarncke zu Seb. Brants Narrensch.
100, 19. Über flocke pflocke plocke ist nachzusehen Diefenbach Gloss.
s. v. t Omentum 587" und s. v. lana facta, plocktvollen 317% Frisch I, 278°,
wo sich flocke, pflocken, pflockentuch aufgeführt finden; dasselbe meint
Hermann von Bibera bei Kirchhoff, Die ältesten Weisthümer der Stadt
Erfurt 113 (208) unter fructibus (frustibus?) seu particulis pannorum,
quae eiduutur inter cameras- pannieidarum, apud beckinas seu moniales
s, n d!i,is ad tunicas, tochas seu alia vestimenta. In der oben angeführten
Stelle der Elisabeth verstehe ich hiernach unter härgeplocke das Ein-
mengen, die falsche Zuthat von Haarflockeu : Elisabeth lieferte viel-
mehr nur reine arbeit, wie es weiter unten in V. 2353 heißt.
Arm, m. = Ärmel.
Elisabeth ed. Rieger 865: biz dar dt junefrouwe nit enpflac,
s'i ir arme prfoete] hier ist. wie der Herausgeber selber bemerkt, das
bei Dietrich von Apolde stehende manicas mit arna wiedergegeben;
auch in V. 7009 ei hatte ouch lutzel rücl ermel wären Zeri
<hr vi! clären bieten die Handschriften Aa arm statt des in l> stehen-
QEEMAN] \ '■ MI. (XIX.) Jutarg. 4
50 F. BECH
den ermel. Vgl. Boehmer Urkundenb. von Frankfurt S. 624 (a. 1352)
ez ensal unsir keiner diekeinen andirn arm dragen dan alse der rock ist.
Gerjen (Gergen, Gerigen, gerwen, geren).
Elisabeth 3416 folg.
Der reine herre wol gedän
Bat nü den arzet machen
Nach früntlichen Sachen
Ein edel lattewerjen:
Di hiez er starke gerjen,
Daz si in mochte reizen
Und innerliche heizen.
Was soll und kann hier gerjen bedeuten? Wenn man die Lesarten
betrachtet, in welchen gereicen, gerwen, gerben als auf lattewerien, lacte-
wergen, lattewarien gereimt aufgeführt werden, so kann man als Reim
zu lattewerjen oder lattewergen (lattewerigen) nur eine Form wie gerjen,
gergen (gerigen) für möglich halten; von ungenauen Reimen findet sich
sonst bei dem Dichter keine Spur. Im Glossar 37 7b ist nun dieses
Wort als diabetische Nebenform zu gerwen im Sinne von „zurecht
machen" gefasst, welches wie gerjen oder garjen (ahd. garaiejan) aus-
gesprochen worden sei. Von einer solchen Aussprache werden sich,
zumal in md. Dialecten und gerade bei diesem Worte, kaum analoge
Beispiele auffinden lassen. Mich hat der Zusammenhang, in welchem
gerjen hier gebraucht ist, auf eine andere Ableitung geführt, und zwar
auf geren gerjen, gerigen, ahd. jerian, gerian (Graff I, 611) = fermentare
von jesen, fermentescere, neben geren ist die Form gerwen noch bekannt.
Dazu vergleiche man Erlösung 3867 folg., wo es von Johannes dem
Täufer heißt: keinen vom der herre d/i^anc, Bier noch onch keinen mete
Und swaz genoen ie gedete: Honic az der wise u. s. w. Gerwen ist hier
die Lesart der Prager Handschr., wofür in der Nürnberger ieman steht;
es kann nur gähren, aufregen, berauschen bedeuten. Ferner Nürn-
berger Polizeiordn. ed. Baader S. 212 ez ist auch gesetzet, daz ein iec-
lich breuwe, sxoenne er breuwet, sol daz gantze brauioe in einer kfifen mit
einander . geren; hier hat geren den Sinn von gähren lassen. Während
in der Stelle der Erlösung dem Johannes aufregende Getränke ver-
boten werden, soll im Gegentheil in unserer Stelle die Medicin gähren-
der Natur sein und dadurch eben zur Lust reizen. Die Frage ist nur
noch, ob man gerjen gerigen als archaistische Form neben geren (wie
nerigen nergen, werigen irergen, herigen hergen neben neren iceren heren)
in so später Zeit wie die, in welche die Elisabeth fällt, gelten lassen
ZERSTREUTE BEITRÄGE. 51
kann; oder ob man nicht vielmehr an eine Ableitung von dem Adjec-
tivum geric (cfr. gerbig, gerwig bei Konrad von Megenb. 354, 28;
gärickt, eßervescens, feculentus bei Stieler I, 609; obergährig, undergährig
Bier im heutigen Düringeu und anderwärts) zu denken hat, also an
gerigen = geric machen? vgl. horgen = horwegen, horwee machen und
andere analoge Bildungen.
Jämer sehen (schouwen)
ist ein seltener, bisher wenig belegter Ausdruck. Er findet sich in der
Elisabeth 5959, da wo von der Ankunft der Leiche des Fürsten die
Rede ist: auch wären zu der selben not Des lantvolkes michel schar Von
den dorfen kamen dar, Dl alle jämer sähen u. s. w. ; ebenso in der Er-
lösung ed. Bartsch 4793; der heilant wart gerecket, Gesperret und ge-
strecket An des erfices arme iesä. Daz volc sach allez jämer da (wo allez
mit volc zu verbinden ist); ferner in der Ravennaschlacht 984: si be-
gründen jämer schouwen, Ir clage was vreissam', endlich bei Muscatblut
ed. Groote 30, 79 — 80: Adam und Eva, spricht Muscatplüt, Mussten dd
(Handsohr. den) jämer schouwen j dazu vgl. noch Pass. H. 74, 30 in
dirre jämer schouxoe. In allen hier aufgeführten Stellen muß jämer sehen
oder schouwen den Sinn haben: Jammer aus den Augen blicken lassen,
den Anblick oder das Bild des Jammers gewähren; vgl. das griechische
(fößov,"s4Qt)v, uttlötiuv ßkbxtiv , daÖOQxivat und xa/.u, ohe&QOv oö-
öeo&cci (Bernhardy, wiss. Syntax der griechischen Spr. S. 110 — 111).
Mit lichten vorscheiten und mit der glocken vorlüden.
Magdeburger Schüppenchron. 414, 3: ein barvdteribrdder von sante
Franeisous strich — — tip den predingstdle und dede Gersike dm ketter
mit stuer selschop to banne vnd vorschot de mit lichten und vorludde se
mit der glocken und predigede und anherdede <l<tt volk dai crücze an to
nennende jegen de ketter\ darüber ist im Glossar S. 477 unter vorschoten
(? vielmehr rorsrhriten stv. anzusetzen) vermerkt: „vorschöi de mit lichten
löschte die Lichter aus?" und unter vorluden ebenda: „und vorludde
on mit der glocken wohl: durch Glockengeläute der Gemeinde den Bann
bekannt machen". An beiden Stellen isl das Richtige niohl getroffen.
Was das erstere zu bedeuten hatte, konnte der Herausgeber aus
Frisch II, 180' oder aus Oberlin S. 1768 und S. 928 erfahren, wo
..rrrsrhi, ,.<, n mit Lichtern" erklärt isl durch candelas projiciendo excom
muniaaMonem indicare. Noch ausführlicher aber bat die Sache Haltaus
behandelt in seinem Glossarium Germ. m. aevi 417- US a. v. Fackel
und dureli Beispiele aus dem l 1. Jahrhunderi erläutert. In einem
1
52 F. BECH
Mandat des Erzbischofs Wilhelm von Cöln aus (hin Jahre 1357 heißt
es: campanis pulsatis candelisque accensis et in terram projectis et pedibus
conculcatis excommunicatos publice et solenniter nuncietis; andere Stellen
bei Haltaus zeigen, wie zu diesem feierlichen Acte der Excommunication
bestimmte Gesänge gesungen und auf Dathan und Abiron, die die Erde
verschlang, hingewiesen wurde. Beispiele aus dem 16. Jahrhundert,
namentlich aus Hans Sachs, hat Frommann gebracht in seinen Deut.
Mundarten VI, 70, wo es ebenfalls heißt bannen einen und mit Hechten
verschießen oder einen in den schweren ban bringen und, mit wachsliechtern
verschießen. Im Sinne von verwerfen braucht verschiezen schon der
Dichter des Servatius 1204: die got mit urteile verschoz (: gröz), vgl.
1230 — 31. Wie nun verschiezen mit Hellten bedeutet durch schiezen
(== mittere, werfen, wie in der Redensart die palmen schießen bei Lexer
HWörterb. II, 199, palmen scheiten Magdeb. Chron. 356, 9) mit lieht en
einen feierlich verwerfen oder verbannen, so wird vorlüden einen mit
der glocken nichts anderes sein als durch Läuten mit der Glocke einen
feierlich für ausgestossen erklären, in den Bann thun. Ganz dem ent-
sprechend sagte man ehedem in Oberdeutschland einem mit der glocken
die stat widerteilen, vgl. Schreiber Urkundenb. von Freiburg I, S. 83
(a. 1275) und S. 106 (a. 1282).
Ruodel, stn.
Das im Mhd. Wörterb. von Zarncke-Müller zweifelhaft angeführte
ruodel, n., Ruder, findet sich schon sehr frühe vor, so in Böhmers
Urkundenbuch von Frankfurt S. 505 (a. 1309) item ein nache der ein
stende rüdil hat] in einem nrh. Glossar des 13. Jahrh. bei Aufsess und
Mone im Anzeiger f. Kunde u. s. w. III, 51 gubernaculum stürrüdel,
clamis stürrüdelnagel, scrupus, rudelseil, palmula rudellaff\ im Spiegel
bei Meister Altswert 146, 43 sin rüdel und sin stangen Warf ez von
siner hand) 156, 32 und nam wider in sin hant Daz rüdel] ebendort
trifft man das Verbum rädeln, rudern, 146, 10: diser deine marner Dut
vast zu uns her rüdeln und 204, 9. Vielleicht gehört auch eine Stelle
des Marner hierher in MSH. II, 253a:
ein wiser meister riet mir, daz ich argez rodel (?) würfe hin.
Die Worte argez rodel geben in diesem Zusammenhange kaum einen
annehmbaren Sinn. Ich möchte lesen daz ich arge 'z ruodel würfe hin-
und es wäre naheliegend anzunehmen, daß damit der Marner eine
Anspielung eines Gegners auf seinen Namen (marnaere) habe wieder-
geben wollen. Ich arge ist so gut wie ich tumbe bei Ulrich von Liechten-
stein 383, 9 oder ich arme im Iwein 3299, vgl. Gramm. IV, 565; wenn
nicht auch arge verlesen ist für verge.
ZERS1 REUTE BEITRÄGE. 53
Traister, m.
Im Buch vom den Wienern gibt Michael Beheim 327, 28 vom einem
gewissen Walman, einem vom der Partei des Herzogs Albrecht [einem
: r oder herzoch-albreckter) unter andern folgende Schilderung:
für edel er sich auch wolt hän.
d< r st Ib tragscr und traister
sprach .~w dem harnuschmaister :
was vShsi mit disem singer (= Beheim) an?
s, in maul uns niht geschaden Jean,
Schwierigkeit für das Verständniss machen liier der tragser und der
traister. Das letztere Wort wird auch bei Schmeller-Frommann I, 676
aufgeführt, aber ohne Erklärung. Die Bedeutung lässt sich indessen
erschließen aus zwei Stellen in des Teufels Netz ed. Barack 8924 nach
der Neustädter Handschr. :
dasselb tuond die raet und zunfftmaister,
pfüsen und traisten
und so herlich schwenken*).
wer mocht es alles bedenken?
hat iemand wider si getan ald gesprochen.
das muos bald werden gerochen.
Dasselbe enthält die Wallenst siner Handschr. dieses Gedichts nach
V. 8964, nur schreibt sie pfnusen für phusen. Aus diesen Stellen I
sich vermuthen, daß traisten ein dem benachbarten phnüsen oder phüsen
(= niesen, schnauben, sich aufblähen) sinnverwandter Ausdruck war.
In einem Gedicht „Der Alte und der Junge", aus dein 15. Jahrh., in
den Altd. Blättern I, 30, 10 folg., sagt der Alte: min gen behilffet sich
mit eym stab, Und irrist und rutsche**) eüendeclich, Myn gebein das
heischt zu dem grab, Es ist hergangen umbe mich. Hierzu hat Haupt
S. 34 auf das in Frisch 1. 2Ö5 Btehende ich dreister, gemo verwies
Midier bestimmt wird es auch liier durch das daneben gesetzte ich
rutsche, das wohl ein lautmalender Ausdruck und wahrscheinlich eine
dialectische Nebenform ist zu ruzen, riuzen, ahd. rüzjan stertere stemutare
stridere, vgl. Gräfin, 562, Zarncke-Müller Wörterb. H, 825b, womit
Doch zu vergleichen i-t eine Stelle im unechten Neidhard bei Haupt
S.201: ah er dann* gerüzet II . ge\ ' unde gedraset [grdzet inMSH.
*) £ hier jed( ofallfl den wedelnden, g
vornehm thuenden Gecken; vom Flu I ilken und dea Adlers braucht i
frid 13523 and l
\ gl. Martina 124 Schilderung eine öreü
im enhiic/dt. Er dra ichit.
54 F. BECH
III, 201'', wie in Wolframs Willen. 59, 17 er dreiste unde gräzte) der
vil iibele man. Ich halte freisten für eine Ableitung von fräsen traesen
draesen (und dieses wieder von draehen dreien), vgl. Lexers HWörterb.
I, 459; sei es, daß es unmittelbar aus tr&st drdst (freist) stm. gebildet,
oder daß das t im Auslaut der ersten Silbe bloßer diabetischer Ein-
schub ist wie in eister = eiser M. Beheim 77, 7 disen pösiciht und
aister Sy da saezten hubmaister, oder eistlich eisteclich = eislich eiseclich
ebenda vgl. Lexer 1. 1. I, 537 oder geniest (: Triest) = geniez bei Beheim
356, 23; andere Beispiele von diesem eingeschobenen t in Weinholds
Bairischer Gramm. §. 142, S. 147. Wie nun traisten und phnüsen in
der obigen Stelle aus des Teufels Netz bildlich zu nehmen sind für
sich aufblähen, aufblasen, so wird auch traister nichts weiter meinen
als einen sich aufblasenden eiteln Gecken. Ebenso ist tragser auf draehen
zurückzuführen und dem traister in seiner Bedeutung verwandt.
Wenholde. Wenhalden. Wenhaldunge.
Zu den in dieser Zeitschrift 6, 285 von obigen Wörtern gesammelten
Beispielen sind noch folgende nachzutragen : Frankenhäusische Statuten
aus dem Jahre 1558 bei Walch Beitr. I, 201: der rath soll kirchväier,
altarleute u. s. w. ordenenn undt dennselbigenn bey ihrem eidt einnbindenn
— — dem armut ohne wähn halde (d. i. xoenholde) außzuteihnn] Lam-
bert, Die Rathsgesetzgebung der freien Reichstadt Mühlhausen S. 89:
daz he der stad icillekore äne wenehald halde wolle, und S. 91 die icille-
kore halde an dem armen als an dem rychen äne ivtnhaldj Frerbergef
Stadtr. bei Schott III, 303 : were is aber also, das der underrichter icelde
winhalden oder der oberrichter weide loinhalden durch irer f runde willen,
daz das den burgern geclait wurde, die sullen is mit dem richter reden',
dasselbe noch einmal auf S. 90; — in einer Handschrift des Zeitzer
Collegiatstiftes, einem Handelbuch des Bischofs Dietrich von Buxdorf,
fol. 34;l, sollen die Rathsherren zu Zeitz siceren das sie nindert icen-
halden, sundern recht urteil finden icollen dem armen als dem riehen, dem
riehen als dem armen und den joden (a. 1465) ; und fol. 69b lautet der
seht ppeneid aus dem Jahre 1466: wir sweren dem hochwirdigen in got
vater und hern, hern Heinrich bischofe czu Nuburgk, unserm gnädigen
kern, das wir recht orteil finden und teillen, roenne wir von dem richter
in gericht dm- wmb gefrait werden, als wir die uf das allir rechtist und
beste vissen, dem riehen als dem armen, dem armen als dem riehen und
nyndert wenhalden weder durch lieb noch leit, durch fruntschaft noch
durch hasfie, durch forcht noch <hn-ch drauioe, durch miet adir durch
gab, noch durch keinerlei sachen willen, als uch got helf und dy hilligen.
ZERSTREUTE BEITRÄGE. 55
Daß in wenehalden, weneholde der erste Theil der Zusammensetzung
das ahd. wird, mhd. wine ist, unterliegt nun wohl keinem Zweifel, ob-
wohl dessen Grundbedeutung früh schon nicht mehr gefühlt sein mag.
Außerhalb dieser Zusammensetzungen kam es im 14. Jahrhunderte
wohl sehr selten, im 15. und 16. gar nicht mehr vor. Daher ist die
zweifelhaft geäußerte Vermuthung Karl Janickes in dem Glossar zur
Magdeburger Schöppenchronik S. 4831, über das Wort winner zu be-
richtigen. In der genannten Chronik 172, 5 folg. heißt es nämlich:
dat satten se (d. h. die, welche sich gegen die damals bestehende Ord-
nung der Stadt auflehnten) under andern gesettm in dit stucke, ive in
der vorsten rdde wer edder ore cleiding neme edder w winner were, den
scholde men voricisen üt dem rdde. Hier lässt der Herausgeber im Glossar
es unentschieden, ob man winner zu icinnen oder zu ahd. icini zu ziehen
habe. Wäre das letztere richtig, so müsste man annehmen, daß winm r
= iciner sich aus toine entwickelt hätte wie etwa Vormünder aus Vor-
munde (vgl. Schöppenchron. 477"). Die Form iciner ist aber in diesem
Sinne nirgends belegt; wine oder wm würde im nd. und md. Dialecte
ohnehin richtiger wene lauten, vgl. z. B. diese Zeitschrift 15, 2031' (46);
für die Zeit der Abfassung des Textes der Schöppenchronik ist das
Wort überhaupt als ausgestorben anzusehen. Sonach bleibt für winner
nur die Ableitung von winnen möglich. Dieß ist dann als nd. Form,
gleichbedeutend dem mhd. geivinnaere geicinner zu nehmen, welches in
J. Rothes Chronik cap. 632 denjenigen bedeutet, der für jemand die
phronde (Pfründe) üz richtit, seine Einnahmen, Renten vermittelt, ihn
mit Lebensunterhalt versieht, eine Art Verwalter, Schaffner, oeconoums,
procurator; ähnlichen Sinn hat es schon im Speculum eccles. 148, L58
(= Haupt Zeitschr. I, 274) so der briester wirt getwihet, Sd ist < r </"/<■
vi! lieb, So nril er zewdre In haben zeimme gewinnäre, Sinea vil heren
amman; vgl. Lexer HWörtefb. I, 992.
Mit triuicen mute <hi 'hl,,
Was ich zur Erklärung dieser in Wolframs Parzival XVI, 1149
stellenden Worte ehemals in dieser Zeitschr. 7, .'!<>2 beigebracht habe,
nehme ich hiermit zurück, leh erkannte bald darnach, daß an dem
Worte äderstöz nicht /.u rühren, das \<>n mir in Vorschlag gebrachte
understoz zu verwerfen wäre, wenn ich es auch nicht wie Scherer meint
(in der Zeitschr. für d. österr. Gymnasien L869, 11. Beft, S. x '••"' als
„Unterschied", sondern wie die von mir aufgeführten Beispiele zeigi
als Beimischung, Hintergedanken, wusch auffassen zu dürfen glaubte.
Die Erklärungen von Scherer 1. 1. und von Bartsch zu dieser Stelle
56 F. F. ECU
sind offenbar dem Wahren näher. Ich will nun versuchen, ob ich durch
Belege die Richtigkeit ihrer Auffassung noch mehr erhärten kann.
Auszugehen ist hierbei von dem Worte stoz. Dieß bedeutet aber, zu-
mal in der Zusammensetzung mit äder, hier den Pulsschlag, das Pochen,
Klopfen, Zittern, Beben der Pulsader (vgl. Diefenbach 472c s. v. pulsus),
namentlich der äder des herzen wie sie Conrad in Engelhard 2313 und
im Trojanerkriege 12771 "nennt, daher auch der herzenstoz in Pfeiffers
Marienlegenden 18, 59. Die Pulsader stösst aber oder schlägt heftiger
beim Eintritt starker Gemüthsbewegungen oder Affecte; sie verräth
die ungewöhnliche Freude wie den plötzlichen Schmerz, die Lust wie
das Leid, die Begier wie den Widerwillen; daher bei Wolfram Parz.
35, 27 sin herze gap von stozen schal, wand ez nach riterschefte swal\
Ulrich von Liechtenst. 36, 10 daz herze min mir mangen stoz Mit Sprün-
gen stiez an mine brüst; 579, 24 mit hohen Sprüngen manegen stoz An
die brüst ez (daz herze) stoezet mir; 442, 3 an die brüst daz herze stözet;
Alexius ed. Maßm. 57, 654 vil ofte ez ime umz herze stiez; Helbling 2, 89
daz get mir stozend umb die 5rws£; Reinfrid 24118 daz herze — — im
selben tuot den stoz mit snelleclichem gufte; Karlmeinet 320, 48 mm rüwe
issogioes, Dat ich haen menchen stoes Van herzen ind van sinne; Brants
Narrenschiff 67, 30 so kumbt im dann der rüicen stoz. Nach den beiden
letzten Beispielen zu urtheilen, kann also äderstöz den durch die riuwe
verursachten heftigen Pulsschlag, das Zucken der Ader oder das Herz-
klopfen als sichtbares Zeichen der riuwe bezeichnen. Und daß dieß
Wolfram an unserer Stelle im Sinne gehabt hat, dafür spricht eine
parallele Stelle im Willen. 462, 8, wo am Manne die mute äne riuwe
gepriesen wird. Schon Hartmann im Erec 2734 sagte : was — er — ■
mute äne riuwe; und ebenso heißt es in der Krone 17007 Gawein icas
— — — der milt stam sunder riuwe; im J. Titurel 1827, 4 mute s an-
der riuwe und sunder haz; Stricker in v. d. Hagen Germania 2, 85 (82)
so der arge riche muose geben, So gap er so, daz man sin leben Für den
muten armen lohte, Sicie er nach der gäbe tobte Mit kerzeclieher rinn-,'.
In ganz ähnlicher Weise lobt die rückhaltslose, durch nichts beein-
trächtigte Freigebigkeit Walther in der schon von Pfeiffer und Bartsch
herbeigezogenen Stelle 127, 13 (ed. Pfeiffei') man sach Liupoltes haut
da geben, daz si des niht erschrac; und Ernst von Kirchberg S. 798,
Z. 3: der h<-r::n<i<- Erich da von Sassin Der konig machte sundir lassin
An dem geschefte rittir Mit milden sundir zittir; und eine ähnliche Aut-
fassung liegt auch dem Fluche zu Grunde, den Heinrich Frauenlob
in dem Spruche 325, 15 — 17 ausspricht: ich vluoch der hant, Die dan
der krampf ziuht, sicenn si loesen sol Der tugeni ir pfant. Fraglich ist
ZERSTREUTE BEITRÄGE. 57
mir noch eine Stelle im Karlmeinel 351, 36, wo gesagt wird: Karl war
so freigebig, so swS (wenn jemand) dch was trlois, Dem gaff hey äne
stois Alle sine er< wider\ ist äne stois liier so viel wie äne herzen —
oder äderstdz?
Niht, nie, niender, niemer.
Zur Vervollständigung der in dieser Zeitschrift 1, 438 — 39 an-
geführten Beispiele vom umgestellten niht = auch nicht, nicht einmal,
nequidem, bringe ich noch folgende Nachträge:
Einen niht genesen län Wigal. 98, 27; einer möhte nihi genesen 138, 9
(=: 5318 Benecke und Aura.) ; einer niht Gudrun 110, 4; 120, 3; 911, 4
(vgl. Hildebrand in der Zeitschr. für D. Piniol. IV, 360); aller tugende
eine mit Pirlinger Alemannia I, 73, Z. 14; 78, Z. 1; einer nihi Reinfrid
7968*); Matth. v. Benenn Evangelienb. S. 29 (29); eine .— neu Gode-
frit Hagen Reimchron. 321. — Ein mensche niht (auch nicht ein M.)
Partonop. 826 u. 12416; Heinrich Trist. 6030; ein minsche nett Der
Seelen Trost (Frommann Mund. I) fol. 52"; ein wip — niht I. Büchl.
106 — 108. — Ein tcort niht (auch nicht ein Wort) Partonop. 18535; daz
er — ein wort niht ensprach Flore 3131; ein wort niht Amis 1708; Armer
Heinrich 893; ein icort mit Nie. von Basel 164; ein wort neit Godefrit
Hagen Reimchron. 290; ein wort neit gesprechen Der Seelen Trost 40 ;
ein wort reden niht Reinfrid 3042; ein einigß wort nicht sprechen, Fast-
nachtsp. 1296, Z. 21. — Ein wörtelin niht sprechen Partonop. 8305. —
Über einen schrit niht Wigal 179, 39; einen halben schrit niht Partonop.
11007. — Einen fuoz niht färbaz trat er Heilige Magdalena fol. 42'. —
Des einen stich niht (auch nicht ein Pünktchen, auch nicht das Geringste)
sehen Amis 529, Dyocletian 2SG5: Keller Altd. Gedd. (Tübingen 1846)
95, 13: Herbort Troj. Krieg 17178. — Eines puneten niht enbrast
Reinfrid 24989; eins punts niht Gundacher von Judenburg 152 ; nml>
einen puneten nihi <m sehen Pfeiffer Predd. u. Tractat. der Mystiker
(Haupts Zeitschr. VIII) 459, Z. 21. — Einen tac niht (auch nicht einen
T.) Flore 1806; Der Veter P.uch ed. Palm 52, 3:;: Reinfrid L7605;
halben tue niht gebeiten 7865. Eim stunde nicht Der Veter Buch ed.
Palm til . 25. — Umb ein ei niiii vervähen Flore 6490. - Ein clauwe
dar nicht van ghevunden wart Herrn. Korner in dieser Zeitschr. 9, 21 1 . 26.
Ein här nicht Veld. 234, 6; eines häres niht Berthold 438, 38; eil
här niht 467, 28. Einen phenninc nihi Amis 2270. — Ein /'<<<"■ niht
Meister Eckhart 203, 29; umb ein bonen niht Reinfrid 20837. — 1>><
hist der minrn einigen trophen niht Berthold 545, 2; du unsere herren
ii Reinfrid 17:;-:; hi nicht mit einem (sondern mi
mehreren), ein sonsl selten vorkommender Fall.
58 F. BECH, ZERSTEEUTE BEITRÄGE.
üchamen — drof (■= gutta) niet enachtent Adrian Mitth. 450, 6 (vgl.
Denkin. von Müllenh. u. Scherer XIII, 23 und Aura.). — So vil niht
(ne tantillum quidem) I. Büchl. 537; Erec 410—411. — Einz bim an-
dem niht beleip Herz. Ernst ed. Bartsch 2138, S. 53. — Zwene glich
einander niht (auch nicht zwei) Konrad v. Würzb. Sprüche 25, 86 (ed.
Bartsch). — Der abritte nicht Ludwigs Kreuzf. 6206. — Min vier niht
Eabenschl. 769; der vierde niht Heinrich von Rugge (MSFr.) 108, 31. —
Fiinve niht Bruder Wernher in MSH. II, 233''. — Vierzehen tage niht
Hartm. Gregor 2944. — Der drizigiste nicht Ludw. Kreuzf. 2132 u.
5931. — £e hadden boven 47 glevien nicht Magdeb. Schöppenchron.
377, 1. — Daz tüsentste teile nicht sagen Johannes Marienwerder 309,
Z. 11; 312, Z. 3.
So wie niht wird auch nie zur Verstärkung nachgesetzt im Sinne
von: niemals auch nur, nicht einmal, auch nicht. Z. B. wan ich der
eine nie gegen im genoz Bruder Wernher in MSH. II, 233'' (3); eines
nie vergezzen Reinfrid 12467; eine nieman vant Milst. Hs. 140, 35 (andern
Sinn dagegen hat nieman einen vant 149, 21). — Daz sie ein ander
tanb ein här sit nie (niemals wieder auch nur um ein Haar) wurden
leider Flore 7845. — Einen trit nie Pfeiffer Predd. u. Tractat.. der
Mystiker 462, Z. 4 von unten. — Um einen fuoz nie Reinfrid 3356. —
Einen blic nie Pfeiffer 1. 1. 462; einen ougenblic nie Myst. I, 290, 15. —
Zeiner wile nie Gudrun 556, 3. — Es teil nie gewinnen Hartm. Gregor
2548. — Einen trophen nie Ettm. Jahrbb. 65, 17. — Umb ein toort nie
Reinfrid 8063. — Ein esse nieman überga.p Wolfr. Willen. 162, 22. —
Der minen schaden halben nie gewan Walther 120, 29. — Der sehste nie
Amis 8. — Vgl. deheinem — nie Konr. von Heimesf. Mar. Himmelfahrt
786 u. s. w.
Ferner steht so niemer. Z. B ain här newirdet niemir an im verrucket
Rolandslied 264, 16. — Ir einigen niemer an gesehen Berthold 464, 7;
einen niemer an gesehen 464, 31. — Einen trahen daran niemer versagen
Gottfrieds Tristan 4876. — Einen tac niemer mere geleben Übel Weib 721.
Endlich auch ni ender. Z. B. eine ädern niender (nirgends auch nur
eine Ader) er hat Reinmar v. Zweter in MSH. II, 210", 186b. — Mit eime
worteline es niender vaelet dar an Walther v. Rheinau 50, 4. — Häres grdz
n imler GAbent. III, 13, 292. — Aus Vridanks Bescheidenheit 42, 1 isi
noch zu erwähnen: under ougen eine spanne hat ir fceinz geliehen schin.
Consequent ist freilich diese Umstellung nicht durchgeführt. Die
meisten der hier erwähnten Schriftsteller, die sich ihrer bedienen, pfle-
gen auch auf andere Weise dasselbe auszudrücken.
ZEITZ in den Osterferien 1873. FP]DOR BECH.
E. WILKEN, MIID. BAEEEN. .",'.1
MHD. BÄEHEK
Die von mir in Nr. 45 des Liter. Centralblattes (1873) versuchte
Klarlegung des Verses: der tumJtcr tor sich selben baet (Tyrol u. Fridebr.
II, 40) mißlang gegenüber einem Rec., der sich auf eine Autorität wie
Lexers Handwörterbuch berufen konnte, wo baehen „durch Überschläge
erwärmen" erklärt wird. Man wird an einem so verdienten Werke nicht
einzelne Mißgriffe schärfer urgieren wollen, aber bedenklich war es
allerdings, den im medicinischen Gebrauch begründeten Wortsinn in
einer Weise hervorzuheben, als ob er der allein giltige sei. Dieser
Ansicht scheint freilich Herr W. B. unrettbar verfallen zu sein, denn
in solchem Sinne versucht er auch jetzt noch an dem dunklen Verse zu
interpretieren. Das Verbum baehen, mit backen wohl nahe verwandt
— was in Kuhns Zeitschr. VIII, 202 freilich bestritten wurde — und
auch von sanscr. päc, gr. ninav etc.*) schwerlich zu trennen, bedeutet
erwärmen, durch Wärme reif, zeitig, weich u. s. w. machen. So wurde
es zunächst wohl von der Sonne, dann namentlich vom Feuer und
heissem Wasser, schließlich auch von anderen Mitteln der Erwärmung,
Umschlägen u. dgl. gebraucht. Ob in der Stelle Parz. 420, 29 baehen
durch nhd. brühen oder durch röste* — in letzterer Bedeutung scheint
baehen nach Grimms Wb. s. v. auch nhd. noch vorzukommen — zu
übersetzen sei, ist nebensäehlieh . jedenfalls ist hier so wenig, wie an
der von Lexer citierten Stelle bei Haupt VIII, 152 v. 268 (daz broi
lachen noch baen) von „warmen Umschlägen" die Rede! Auch braucht
man baehen nicht nothwendig unserem nhd. brühen (das zunächst auch
nur = erwärmen und wohl mit brüten nahe verwandt ist I gleichzusetzen**),
sondern sich nur daran zu erinnern, daß in zahlreichen sprichwört-
lichen Wendungen (Gebrannte Kinder scheuen das Feuer; Wer sich
einmal verbrannt hat, bläsl hernach die Suppe Nr. 1290, 91 bei Sim-
mek, ähnlich ist 10*20 und die bekannte Redensart: sich dabei die
Finger verbrennen u. s. w.) ein ähnlicher oder eben derselbe Sinn liegt,
wie hier in dem Verse: der tumber tor sich selben baei (verbrennt, be-
schädigt sich selbst).- Aber nichl bloß zulässig isl diese Schreibung,
sondern für den Zusammenhang die einzig richtige. Berr W. B. kann
*) Siehe G. Curtina Gr. Etymol. b. v. tu-tc — .
**) Allerdings bleibt der übertragene Gebrauch von brühen = vexare r
Grimm D. Wb. s. v.) besonders beachtenswert!!.
60 E- WILKEN
freilich über die warmen Umschläge und den Judas, der im nächsten
Verse genannt wird, nicht hinwegkommen, und will a. a. O. mit der
Hs.*) Jiaetu lesen für botet. Allerdings hat sich Judas gehängt, wie selbst
einem Ignoranten wie mir bekannt sein dürfte, er ist im nächsten Verse
genannt, und im folgenden ist sogar von einem Baume die Rede, an
dem er sich bequem genug gleich aufhängen könnte, wenn hier vom
Hängen überhaupt irgendwie die Rede wäre. Gerade die triviale Ver-
ständlichkeit des Wortes haet musste dieß einem umsichtigen Hrgb.
weniger empfehlen als die schwierigere Variante betet {=becht im Ms.).
Da ich früher wohl zu starke Ansprüche an das eigene Nach-
denken der mit meiner Belehrung beauftragten Recensenten gemacht
habe, so will ich hier die Stelle II, 38 fg. im Zusammenhang erläutern.
Sie besagt: Der falsche (d. h. gewissenlose) Priester unterlässt es nicht,
er empfängt (im Sacramente der Messe) auch den lieben Gott (gleich
dem guten Geistlichen; aber) der einfältige Thor hat selbst den Schaden
davon; Judas (in der Hölle) und er haben gleiche Pein (zu leiden)
u. s. w. — Daß bei der „Pein des Judas" in altd. Gedichten nicht an
sein Aufhängen, sondern an die ewige Höllenstrafe, wie sie Dante im
letzten Gesänge des Inferno so entsetzlich schildert, zu denken sei,
darauf hätte Herrn W. B. die Erläuterung zu II, 41 wohl hinführen
können. Ich bemerke noch, daß dieser Vergleich mit dem Judas darum
so nahe lag, weil ja auch Judas das h. Abendmahl genossen und
(nach der kirchlichen Vorstellung) sich zum Gericht genossen hatte.
Da durch die Transsubstantiation die genossene Hostie in den wahren
Leib Christi verwandelt gedacht wurde, so war ein leichtsinniger Ge-
brauch der Messe ebenso gut ein Verrath des Heilandes, wie die
äußerliche That des Judas. Das ist offenbar der Gedanke, bei aller
Strenge altkirchlicher Anschauung doch ernst und würdig; hieße V. 40
dagegen: der einfältige Thor hängt sich selbst, so wäre die verwunderte
Frage erlaubt: War es denn die üble Gewohnheit schlechter Priester**)
im MA. sich aufzuhängen?
Wenn ich es gleichwohl Herrn W. B. überlassen muß, mit Be-
rufung auf Lexer das Verbum baehen nicht zu verstehen und exegetisch
Versuche mit warmen Umschlägen weiter hin zu machen, so kann ich
nicht allen wiederäufgewärmten Ausstellungen desselben aufs Neue be-
gegnen. Ratio plus valet quam librorum auctoritas pflegen Lateiner zu
*) Doch gegen das Ms., vergl. weiter u.
**) Denn auf den Priester ist zunächst II, 40 doch allein zu beziehen, nicht
auf Judas, mit dem Jener ja erst im fg. Verse verglichen wird.
MHD. BAEHEN. Gl
sagen, und die größten Kritiker haben eine Überlieferung, die ungleich
besser und reicher war als die uns für die Tyrolfragmcnte zu Gebot
stehende nicht als sacrosanct behandelt. Auch ist es nach Herrn W. B.
einer „besonnenen Kritik"" nicht verboten, die Fälle, wo klingende
Verse mit vier Hebungen sich finden*), etwa zu beseitigen. Die be-
sonnene Kritik scheint vergessen zu haben, daß ähnliche Verse von L.
zum [weinV. 772 so besprochen sind: „Keines der alleren, genau ge-
messenen Gredichte**) verschmäht übrigens leicht die vierfach ge-
hobenen Verse mit klingendem Reim". Man wird deren Zahl erforder-
lichen Falls also eher vermehren, als mit Herrn W. B. beseitigen dürfen.
Wenn ich II, 29 und 42 dazt für deist oder daz ist schrieb, so hatte
ich dabei Ahnliches im Sinn, als L. zu Iwein V. 191 mit der Bemerkung:
„Man kann daraus (aus der Schreibung in A) schließen, daß einer der
ältesten Schreiber des Gedichtes neben deiz auch dazz oder daz schrieb"
u. s. w. Aber die Verbindung zt ist allerdings im Hd. wenig beliebt:
mit der Zeit pflegt sie gerne in st (auch szt im Nhd.) überzugehen, so
z. B. in der zweiten Person weist für weizt, welche letztere Form ich
aus etymologisierender Laune***) zweimal in den Text gesetzt hatte.
Noch weniger haltbar ist freilich der Imper. bringe III H. 2, 6 — doch
bleibt mir in diesem Falle von Gedankenlosigkeit wenigstens der Trost,
einen Leidensgefährten in Leipzig gehabt zu haben. Herr W. B. hat
nämlich in Nr. 45 des Centralblattes glücklich vergessen, daß er in
Nr. 31 bez. des Imper. bringe wörtlich so geschrieben hatte: „der
Sing. Imp. bringe, der, wenn auch nicht unbedingt falsch, so doch
nicht sehr empfehlenswert!) ist" — und beschuldigt den Hrgb.: „Er
hat nämlich gar nicht verstanden, weßhalb ich den Imp. bringe nicht
sehr empfehlenswert]! genannt habe. Dieser Imper. heißt ja bekannt-
lich (?) correct brinc.u Daß sich Herr W. B. auch in Nr. 35 wohl
hüten würde, in die schwierigen, literarhistorischen Untersuchungen
selbst einzutreten, war vorauszusehen: möchte man sich künftig lieber
von vornherein mit der — ja immer wohllöblichen — Flohhatz auf
ilcher Fälle habe ich (S. 39) zwei angemerkt, Herr W. B. führt selbst
drei weitere auf, von denen einer indeß (II, 96) anrichtig ist. Vier sichere Fälle Bind
füi 40Q Verse schon ziemlich viel. Vgl. auch II, 107—8.
In diese Classe gehören eben unsere Tyrol-Fragmente auch hinein.
***) Nicht aus Uhkenntniss der Grammatik, wie Bert W. B. mehrfach bemerken
zu müssen glaubt. Derselbe scheint keine Ahnung davon zu Italien, daß auf hochd.
t eigentlich v;eizt ebenso das Sichtige, wie weist, wiat "_r"t. vaist auf V
deutschem; got. oaitt aber Btehl bekanntlich für vaitt, und schwerlich blieb dieß ältere
st ganz anverschoben.
62 M. BÜCK
kleine Flüchtigkeiten*) begnügen, und nicht durch übereiltes, unver-
ständiges Absprechen eine Achtung, wie sie Herr W. B. wegen besserer
Leistungen allerdings verdient, unnöthig aufs Spiel setzen. Errare est
humanuni — dieß alte Wort könnten manche junge Recensenten auch
in ihrem eigenen Interesse öfter beherzigen.
E. WILKEN.
ÜBER GESCHLECHTSNAMEN AUF -EISEN,
-ISEN **).
Die jetzige Endung der Namen unserer Sippe, wie die schon im
13. Jhrdt. vorfindliche Schreibung -isen leiten scheinbar auf das Metall
Eisen hin. Wenn man Namen wie: Hebeisen, Mühleisen, Bammeisen,
Stemmeisen hört, denkt man unwillkürlich an die Werkzeuge dieses
Namens und am allerwenigsten an eine ganz andere Bedeutung der
Geschlechtsnamen auf -eisen.
Man hat schon öfters darüber gesprochen, ob solche Familien-
namen, wie Hebeisen etc. nicht etwa aus ursprünglichen Hauszeichen
wie : zum Hebeisen etc. entstanden seien, da ja bekanntlich die meisten
Häuser der oberdeutschen Städte das ganze Mittelalter hindurch allerlei
Schildzeichen, ähnlich unseren Wirthshäusern, zu führen pflegten und
da ja auch unter diesen Hauszeichen nicht allein die Vögel des Himmels,
das reissende Gethier der Erde und die Bewohner des Wassers ver-
*) Dem rühmlichen Eifer des Herrn W. B. verdanke ich die Berichtigung fg.
theils Druckfehler, theils Flüchtigkeiten: I, 58 lies mit, 86 Juden; I, 118 und II, 70
himelhort, Note zu II, 40 lies: enpfecht — becht Ms.; II, 65 (Text u. Note) unt mit;
II, 72 weist, 90 weistü. — III A 3, 3 mit; III C 1, 6 tinnelcleider. D l, 3 mit; 3, 3
nasen; Note zu E 2, 5 geprubet, G 1, 4 mit, H 2, 5 u. 6 (Text u. Note) bringet. —
S. 39, Z. 3 v. oben lies: Die Endreime sind mit Ausnahme von IIb 107, 8 durch-
gängig stumpf; Z. 2 v. unten 1. II, 120, wohl auch 126; S. 43, Z. 1 1. tinnekleider ;
S. 44 Z. 10 geprubet. (II, 52 1. giht.)
**) Abkürzungen: E. Eben, Geschichte der Stadt Ravensburg; Egg. Eggmami,
Geschichte von Waldsee; C. Catalogus personarum Dioecesis Constantiensis de aa. 1779;
F. D. Freiburger Diöcesanarchiv; A.A. Schriftstücke des gräfl. Königsegg'schen Archivs
zu Aulendorf; B. Bacmeister, Germanistische Kleinigkeiten; H. Heider, Gründliche
Ausführung etc. der Reichsstadt Lindau. Nürnberg 1643; H. U. Habsburger Urbar.
Bibliothek des lit. Vereins in Stuttg. Band XIX; Lz. Geschichtsfreund für die 5 Orte
Luzcin etc.; W. U. Kausler, Wirt. Urkundenbuch ; U.A. Schriften des Ulmer Alter-
thuinsvereins. Neue Folge.
ÜBER GESCIILECIITSNAMEN AUF -EISEN, -ISEN. C3
treten waren, sondern auch Handwerkserzeugnisse und Geschirre: z. B.
zu dem Kurnagel, zu dem Rossisen, zu dem Ribisen, zu der Scheren etc.
Straßburger Gassen- und Häusernamen, Straßbg. 1871. Es wird kaum
einem Zweifel unterliegen, daß einzelne Häuserbesitzer ihren Ge-
schlechtsnamen von ihren Häusern, durch einfache Übererbung des
Hausnamens, erhalten haben werden. So gab es in Straßburg ein Haus
ze der Megede (Jungfrau) und schon im J. 1285 wird ein Her Conce
die Maget genannt. Fällt jetzt noch der Artikel weg, so ist der Ge-
schlechtsname auch formell fertig.
Wenn wir nun aber die Namen auf -eisen mustern, so kommen
unter ihnen auch so unmögliche oder wenigstens unverständliche -eisen
vor, wie z. B. Gengeisen, Raueisen, Schnetzeisen, Übeleisen, daß wir
offenbar gezwungen sind, nachzudenken, ob es nicht noch eine andere
Entstehungsart für dieserlei Namen gebe. Beim Durchlesen langer,
alphabetisch geordneter Namenregister, fiel mir alsbald auf, warum sich
in der Nähe so vieler Namen auf -eisen stets wie der Abendstern beim
Monde ein Geschlechtsname aufhält, der dem Namen auf -eisen im
ersten Theil ganz ähnlich und wie dessen Vater aussieht. Z. B. neben
Biegeisen Bieg, neben Hocheisen Hoch u. s. w. Ich dachte ferner an
unsere schwäbischen Hausnamen und an die Art und Weise, wie man
derlei Namen unter dem Volke decliniert. Meines Nachbars Haus kann:
Simmisen (Simons), Hannisen (Johanns) oder Seppisen, Theissisen, Bert-
isen (Alberts u. s. w.) heißen, neben Hannis, Simmis, Sepsis, Theissis,
Bertis. Ja es kommt vor, daß einer aus der Familie des Simmis oder
Sinnnisen schlechtweg als Simmiser bezeichnet wird. Gesetzt nun, man
habe in dieser Weise schon vor alter Zeit verfahren, dann geht für
die Namen auf -eisen ein neues Licht auf. Hieß ein Mann Billi und
nach ihm das Haus schlechtweg Billis, so konnten seine Söhne, falls
er Doch keinen beständigen Geschlechtsnamen hatte, zum Geschlecht
BiUis genannt werden. Wie anders könnte man sich sonst Namen er-
klären, wie: Jacobus Berchtoldi, Conradus Meliae, Hedi Sennen (neben
Joh. Senno), Burchard Heinrichs, Rudolf Ortolfs, P. Rantzen, Johannes
Qretun, Heinricus Mechtildinun u. s. w. Lz. 24, 113 ff. Nun konnte
diese genitivische Ellipse fiir das Haus oder das Geschli chl Lillis, nach-
dem sie lange genug im Munde der Leute herumgekommen war,
wieder wie ein Nominativ behandelt und so abermals decliniert werden,
so daß ein Haus Billis im Laufe der Zeil zu Billisen ward. Als man
aber aus falscher Analogie den Ton von ler ersten Silbe des Wortes
auf die zweite verlegte, um eine Anlehnung an das bekannte isen zu
gewinnen, da war auch die Zeil schon nahe, wo dieses lange mhd. i
64
M. BÜCK
sich in ein neuhochdeutsches ei auflöste. Mancher Name unserer Sippe
wird dann wohl auch im ersten Theil so lang verarbeitet worden sein,
bis das endständige eisen dem kopfständigen Stammwort den lautlichen
Betriff irgend eines Werkzeuges aufgenöthigt hatte. Ich erinnere an
die Verwandlung von Rechseisen in Röscheisen.
Ich erlaube mir nun in zwei Spalten eine Auswahl entsprechender
Kamen im Nominativ und im doppelten Genitiv gegenüber zu stellen
und für beide die Orte des jetzigen oder früheren Vorkommens bei-
zusetzen.
Appeli (jetzt Äppli), J. 1306, Lindau. H.
liieij um Ravensburg.
Bili Lz. 20a Register.
Brech Oberseh waben.
End, 16. Jb., Meßkirch. A. A.
Falk überall.
Felsi Lz. 20a.
Frischi Lz. 20a.
Füeg Oberschwaben.
Fyl, Viel, Schwaben.
Fund, 1750, Ebisweiler. A. A.
Geng Oberschwaben.
Halwe, Helwe, Lindau. H.
Hau, 1684, Oberschwaben. A. A.
Hebe Oberschwaben.
Hoch Ober- u. Niederschwaben.
Höni Schweiz.
Kalt, 15. Jh., Tuggen (Schweiz), Lz. 25,
175.
Keck, Keck, Kecho Lz. 20a.
Koch überall.
Kolb Biberach.
Küclc, Kick, Biberach.
Krumm, 14. Jahrb., Mon. Zoll. 1, 291.
Müele, Müle. Mulin. W. U. 3, 238;
3, 229. Jetzt um Biberach.
Milrdi Lz. 20". Schweiz.
Not, J. 1455, Not in Waldsee. E.
Ramm Waldsee.
Waldsee.
Ruß' Ravensburg.
98.
Appeleisen, J. 1498, Ravbg. E.
Biegeisen, 17. Jh., Lz. 20'.
Bil'lisen, 14. Jh., Lz. 17, 251.
Brecheisen, J. 1779. Zeil. C.
Entissen, 15. Jh., Ravbg. A. A.
Falkeisen, J. 1508, Basel. B. 20.
Felfyßen, 16. Jh., Luzern. Lz. 16, 221.
Frischysen, J. 1499, Luzern. Lz. 20\
Füegeisen, J. 1779, Baden-Baden. C.
fylysen, J. 1337, Hohenzollern. B. 22.
Fundisen, 15. Jahrb., Pflumern Annal.
Biberac. Ein Findynsen in Richentals
Chr. des K. Conc.
Gengyssen Reuttlingcn. B. 23.
Halbisen, 15. Jh., Luzern. Lz. 20".
Hatieise» Riedlingen. Vgl. Hocheisen.
Hebeisen Oberschwaben.
Hocheisen Stuttgart.
Hönisen, J. 1443, Zürich. Lz. 6, 175.
Hönisen, J. 1315, B. 20.
Kaltisen, 14. Jh., H. U. 266.
Keckeisen Ravensburg.
Kocheisen, J. 1 750, Ravbg. A. A.
Kolbeisen, J. 1750, Ravbg. A. A.
Kückeisen, J. 1750, Ravbg. A. A.
Crumpisen, J. 1219, Franken. W. U.
3, 99.
Mtiliscn B. 36 ; jetzt Mühlcisen in Ehnin-
gen, Gmünd.
Murdysen, J. 1323, B. 37.
Mürdenisen, 14. Jh., Ztschr. f. Oberrh.
17, 96.
Notisen B. 38. Augsburg.
Rammeisen um Zwiefalten.
Raiveisen, J. 1590, Ravbg. A. A.
Rufeisen, J. 1750, Ravbg. A. A.
ÜBER GESCHLECHTSNAMEN AUF -ETSEN, -fSEN.
65
Recht Lz. 23, 328.
Rech Lz. 20\
Ribi Schweiz. Lz. 20"
Hink, Ring, Schweiz.
Sand Schweiz.
Schenk überall.
Schleif Schweiz.
Schmelz Biberach.
Schmid überall.
Schnetz Ravensburg.
Streck, Steub, oberd. FN. 133.
Silber Stuttgart.
Stemm, Stümi, Schweiz.
Stoll überall.
Sur (Sauer) Altstatt.
Thurn um Waldsee.
Übel Oberschwaben.
Rauffeisen in Waldsee.
Rechseisen, 16. Jh., B. 20.
Ribisen,J. 1276, Straßbg. Gassennamen.
Reibeisen, J. 1713, Ravbg. A. A., jetzt
ein Hof Reibeisen b. Ravensburg.
Rinkeisen, J. 1713, Ravensburg. A. A.
Ringeisen Lz. 20".
Sandeisen Ravensburg.
Schenkisen Ravbg. E.
Schleifinsen Ravbg. E.
Schneit zinsen, J. 1567, Ravbg. A. A.
Schmideisen, J. 1590, A. A. — Da der
Name auchSchmidheißen geschrieben
ist, kann er, weil in der Gegend der
Name Heiß daheim ist, alter Haus-
name sein. Kann aber auch aus
Schmidhiiusern verballhornt sein. Vgl.
Thurneisen.
Schnetzisen, 15. Jh., Ravbg. E. Unweit
liegt Schnetzenhausen.
Slreckysen, J. 1500, Basel. B. 20.
Silberreisen, J. 1451, Stuttgart. B. 45.
Stemmeisen, J. 1713, um Ravbg. A. A.
Stolysen, J. 1525, B. 20.
Surrisen, 15. Jh., Ravensburg, jetzt
Sauereisen und in Sourisseau ver-
welscht.
Tliumeisen. Vgl. B. 20, wo nachgewiesen
ist, daß die Thurneisen von Basel
ehedem Thurneyser und Thurnhäußer
hießen.
Vbelisen, J. 1324, um Zwiefalten. F. D.
4, 28.
Zerrysen, J. 1482, Möhringen. B. 51.
auf -wer, isser an , da
Zerr finde ich als Personennamen nur
im Zerrenhau bei Söflingen. Vgl.
Sero, Serrald. Förstemann NB.
1, 1075.
An die Namen auf isen reihen sich die
einige dieser Sippe augenscheinlich aus genetivischen Ellipsen auf -is
weitergebildet sind. Ich .•rinnen- an Albiser und die Bofhamen Albis-
haus, Albisreul von Albi — Albrecht; an Bilrgisser und dm Namen
Burgi = Burghart; an Eafiser und die Familiennamen Bans und Hai.
welche iu der Schweiz und im Algäu vorkommen; an Eiedisser und
Rudi s.v. a. Rudolf; an Entüser und Entis zu End; an Fryschiser
ÜERMAMA. Neue Reihe VII. (MX. Jährt;.) ^>
66 M. BUCK, ÜBER GESCHLECHTSNAMEN AUF -EISEN, 1SEN.
B. 22 und Frisch; an Välisser B. 21 und den Geschlechtsnamen Väl,
Vel (Fehl).
Einige lauten in Folge der unbestimmten Aussprache auch -esser,
so Riedesser neben Riedisser, Segesser neben Segisser. Der letztere
Name gehört jedoch nur scheinbar in unsere Sippe, da er alt Segenser
lautet. Vgl. B. 44. Lz. 20\ Ob er aber zu Segens, Sense oder noch
wahrscheinlicher zu einem Ortsnamen gehöre, will ich hier nicht unter-
suchen. Ganz entschieden zu einem Ortsnamen gehört Digiser, was
die schwäbische Aussprache für Digisheimer ist, denn Digisheim lautet
bei uns Digisen. Diese Zusammenziehungen scheinen schon alt zu sein,
wenigstens nennt der Cod. Laures. nr. 2337 das Dorf Lomersheim
schon im J. 854 Lotmasen. Ganz anders, wenn auch aus einem Orts-
namen, ist der Geschlechtsname Kniebiser zu erklären. Es gehört zum
alten Knieboz, Kniebreche, wie steile Bergpfade mitunter heißen.
Namen wie: Manezze, Mitezze, Verkenesser gehören wohl zu esse
(edo). Wohin gehört der Isenesser? J. 1275. B. 21.
Diese Namen auf -isser verdumpfen sich zuweilen in -asser. Im
Vorarlberg gibt es Familien Gallis, Gallus neben Gallijler und Gal-
lußer. Es ist auch die Heimat der Riedißer. Unsere Stuttgarter Binkiser
heißen im 14. Jahrh. Binkusser und Pingosser. B. 17. Diesem Namen
scheint der Geschlechtsname Bengg näher zu stehen. Der Form nach reiht
sich dem Binkusser der bei B. 22 angeführte Ganusser Ganasser an.
Diesen Namen habe ich stark im Verdacht, daß er aus Ganaffer ver-
lesen sei, denn ganz in derselben Gegend und in derselben Zeit, wo
die sog. Ganasser um Tübingen und Rottenburg herum Urkunden,
finde ich auch Ganapher und Genepher (Maulaffenfeilhaber) , z. B.
einen bertholt den geneppher in den Monum. Zoller. 1, 323.
Es scheint dieses dumpfe u für i auch in andern nur mittelbar
hieher gehörenden, zum Theil schwer deutbaren Namen vorzukommen.
Ich nenne den Ulmer Arlapus, Arlapuz, dessen Wappen einen Erlen-
busch zeigt, einer ist z. B. z. J. 1298 in der Zeitschr. f. Gesch. d.
Oberrh. 23, 61 genannt, andere in den Schriften des Vereins für Kunst
und Alterth. in Ulm und Oberschwaben. Es wird wohl nur Zufall sein,
wenn nach Merian Topogr. von ( »sterreich S. 31 Bechlarn einstens
Arlape geheißen hat. Im J. 1442 kommt ein Ulmer Rollubutz vor,
U. A. 3, 77, der wie mancher andere dieser Form freilich wieder auf
andere Erklärungspfade führt. Ein Proteus ist der alte Stuttgarter:
Borrus, Bouruss, Borrhaus, jetzt: Bauereiß, Baureiß, Baureß, Bareß,
Bareiß B. 16. — Der Vollständigkeit halber mögen noch einige -uz,
-us hergesetzt sein: Bonruz, Bonros, Bombroz 14. Jahrh. H., in der
C. M. BLAAS, DEK MARIENKÄFER IM NIED.-ÖSTERR. KINDERSPRUCH. 67
letztern Form als hieße er Baumknospe, broß Knospe (vgl. Buochen-
öugli). — J. 1240 dict. Genuz. W. U. 3, 458. — J. 1343 dict. Kruchuz
Ztschr. f. Oberrh. 16, 43. — J. 1364 dict. Kurlapus ib. 6, 360. Dieser
Name klingt an Hurlapus, Arlapus und den Stuttgarter Ilurlebausch
an. — J. 1414 Hurruz in Konstanz. Richentals Chron. - - Eine Straß-
burger Familie nannte sich Kapnz Straßb. Gassenn. S. 96, eine Schweizer
Kabis Lz. 20% eine andere Kabi und Kebi. — Die Familie Hoppus
15. Jh. um Frohnhofen lebt jetzt als Hops zu Markdorf'. Nebenbei
gibt es eine Familie Hopp, Hoppe und Höbe. Der Hof Baums im
wirt. 0. A. Wangen ist nichts weniger als latinisiert, es ist der schwä-
bische Locativ für Baur, dessen Casusendung so dumpf lautet, daß
man nicht weiß, ob man Baurus oder Bauras, Baures, Bauros oder
Bauris schreiben soll.
Zum Schluß noch eine Zubuße für Namenliebhaber. Eisenbeiß,
Eisobeifi, Tritenbeiß. B. 47. — J. 1424 Bronbisz Lindau. H. — J. 1344
Huntpisz Ravensburg. B. 28. — J. 1288 Hanebitz Menger Archiv. —
J. 1448 Affenbitz Lz. 17, 6. — J. 1452 Frumppisz Lz. 11, 99. — J. 1381
Froioenbisz E. 322. — J. 1247 Katzenbiz B. 30. — Rimpiss B. 40. —
Vgl. Steub, die oberdeutschen Familiennamen S. 80.
AULENDORF im September 1873. Dr. BÜCK.
DER MARIENKÄFER IM NIEDEROSTERREICHI-
SCHEN KINDERSPRUCH.
VON
C. M. BLAAS.
Schon bei den alten Indern war der Marienkäfer (coccinella
septempunetata) ein vorzüglich geheiligtes Thierchen (s. v. d. llagens
Germania 7, 435) und J. Grimm (Deut. Myth. S. 658) deutet seinen
Namen auf Frouwa, welcher nach J. W. Wolf (Beiträge z. deutschen
Myth. II. Bd. S. 449 j der Käfer heilig gewesen sein muß. Überdieß
ha1 \V. Mannhardl in Beinen Germanischen Mythen (S. 243 fg.) ein-
gehend nachgewiesen, daß die coccinella im Norden Gottheiten, wie:
Preyr, Freya und Frigg geweihl war, und wie im übrigen Deutsch
land, ebenso steht der Marienkäfer auch in Niederösterreich, nichl nur
im besondern Ansehen, sondern er wird im oiedorüsterreichisclmn Wald-
viertel, gleich der Schwalbe und dem Rothschwänzchen, für „heilig''
5*
68 C. M. BLAAS
gehalten. Daran gemahnen vor Allem schon die Namen des Käfers in
Niederösterreich als: Herrgottskäferl, Herrgottskalb'l, Muttergotteskäferl,
Frauenkäferl und Sonnenkäferl. Nebst diesen mythischen Benennungen
des Marienkäfers deutet auf die Verehrung desselben in Niederöster-
reich außer dem Volksglauben, nach welchem dieß Käferchen jedem,
dem es zufliegt, Glück bringt, auch noch die Meinung der Kinder.
Diese glauben nämlich, daß derjenige, der ein Frauenkäferl tödte,
eine schwere Sünde begehe, welche durch einen Sterbefäll in dessen
Familie, oder durch ein anderes Unglück, welches die Muttergottes
schicke, bestraft werde1). Übrigens soll der Marienkäfer in Nieder-
österreich auch einen schönen sonnigen Tag bringen, und die Kinder
glauben, wenn er von ihrer Hand, während sie ihn besprechen, auf-
fliege, so werde bald darauf die Sonne aus den Wolken hervor-
kommen2).
Indeß erscheinen die Beziehungen des Marienkäfers zur Sonne
und zum Wetter am klarsten in den hier folgenden Kindersprüchen,
welche, wenn hiefür auch kein anderer Grund maßgebend wäre, schon
deßhalb unsere Aufmerksamkeit verdienen, weil nach Rochholz (Alem.
Kinderlied S. VII) der Kinderspruch so alt wie unsere deutsche Helden-
sage ist.
1. Sprinzerl, Sprinzerl3)
fliag unsan Herrgott in's Tümpferl,
bring uns heint und moargn a schene Sunni.
(Reingers.)
2. Sunnkäferl, Sunnkäferl fliag in'n gold'nen Brunn,
bring uns heint und moarg'n a rechte schene Sunn.
(Stockerau.)
3. Frau'nkäferl fliag in'n Brunn,
bring uns heint und moarg'n a schene Sunn4).
(Litschau.)
4. Frau'nkäferl fliag über'n Brunn
und bring a schene Sunn5).
(Stockerau.)
') In Schwaben wird der Marienkäfer als der Muttergottes geweiht betrachtet
und man sagt daselbst, wer ihn tödte, komme in die Hölle. E. Meier, Sagen aus
Schwaben S. 223 und 224. 2) Vergl. Panzer, Bayer. Sagen II. Bd. S. 379. 3) Im
niederösterr. Waldviertel wird der Marienkäfer auch Sprinzerl und Sprinzkäferl ge-
nannt. 4) Vergl. Panzer, Bayer. Sagen II. Bd. S. 547. 5) Vergl. Mannhardt
German. Mythen S. 254.
DER MARIENKÄFER IM NIEDERÖSTERR. KINDERSPRUCH. 69
5. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag nach Hollabrunn6)
und bring uns heint und moarg'n a rechte schone Sunn.
(Korneuburg, Hörn, Retz und Groß-Weikersdorf.)
6. Frau'nkäferl fliag nach Hollabrunn
und bring a goldene Sunn.
(Stockerau.)
7. Frau'nkäferl fliag nach Hollabrunn
und bring uns moarg'n a schene Sunn.
(Kirchberg am Wagram und Nalb bei Retz.)
8. Sunnenkäferl fliag über Hollabrunn
und bring uns a schene Sunn.
(Eggenburg.)
9. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag nach Mariabrunn7)
und bring uns heint und moarg'n a wunderschene Sunn.
(Wien und Rodaun.)
10. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag über Brunn8)
und bring uns heint und moarg'n a goldene Sunn.
(Langenlois.)
11. Sunnenkäferl fliag über den Rhein
und lass die Sunn' sehen schein.
(Tulln.)
12. Frau'nkäferl fliag über den Rhein,
daß 's heint und moarg'n recht sehen soll sein.
(Waidhofen an der Ybbs.)
13. Frau'nkäferl fliag über den Rhein,
schau was moarg'n für a Tag wird sein.
(Senning.)
14. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag davon
und bring uns heint und moarg'n a schene Sonn.
(Stockerau.)
fi) In Niederösterreich führen zwei, ungefähr 6 Stunden von einander entfernte,
Orte den Namen Hollabrunn, nämlich Oberhollabrunn and Niederhollabrunn. 7) Ein
Wallfahrtsort in Xiederösterreich, über dessen Bedentang für Legende und Sage s.
Marian, Geschichte der österr. Klcrisey IV. Tl.. VIII. Bd. S. 394 -409. Gebhart, die
heilige Sage in Österreich 8. 21. Kaltenback, .Mariensagen 8. 109- 113 and die in
diesem Werke auf S. 360 verzeichneten Schriften. Ferner vergl. Chambers, Populär
rhymes of Scotland S. 171. „At Vienna, the childern do the Barne thing crying —
Käferl, Käferl, Käferl, Flieg n.-t<-h Mariabrunn, Und bring ans a schöne Sonn. — That
is as much as to say, in the language ol a Scottisfa yonth - Little birdie, little bi
Fly to Marybrun, And bring OS hame a fioe Mina. [n torrcich gibt es
mehrere Orte, welche den Namen Brunn fahren,
70 C. M. BLAAS
15. Herrgottskalb'l fliag in'n Brunn
und bring unsan Herrgott a goldene Sunn.
(Schoderlee bei Stronsdorf.)
16. Frau'nkäferl fliag nach Brunn
und bring unsan Herrgott a goldene Sunn.
17. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl fliag davon,
bring unsan liab'n Herrgott a schene Sonn.
(Langenlois.)
(Stockerau.)
18. Frau'nkäferl fliag nach Karnabrunn9)
und bring der Muttergottes a goldene Sunn.
(Stockerau.)
Hinsichtlich des „gold'nen Brunn" im Spruche 2 sei hier er-
wähnt, daß sich, wie in Bayern (Panzer, Bayer. Sagen I. Bd. S. 184
und Schönwerth, Aus der Oberpfalz II. Th. S. 173) und in Tirol (Alpen-
burg, Mythen und Sagen S. 320 — 321 und Zingerle, Sagen und Ge-
bräuche S. 107) so auch in Niederösterreich die Sage vom goldenen
Brunnen localisiert hat, und ich verweise hier nur auf das Sagenreiche
„gold'ne Brünnl" im Rohrwald bei Rohrbach (unweit Stockerau),
in dessen Nähe (der Sage nach) eine weiße Frau, vom Volke die
„Annamiarl" (Anna Maria) genannt, um eine Eiche gehend bemerkt
wurde, welche sich aber, seit ein Marienbild an den Baum geheftet
wurde, nicht mehr sehen lässt. — Ob nun diese „Annamiarl "' auf die
Brunnenfrau Hol da (Holla) zu deuten sei, will ich hier dahingestellt
sein lassen; ich glaube aber bei dieser Gelegenheit auf den, in den
angeführten Sprüchen vorkommenden, Ortsnamen „Hollabrunn", ob-
wohl er mir wie die übrigen Ortsnamen in den Sprüchen nur eine
zufällige Localisation des betreifenden wirklichen Brunnens oder Ge-
wässers zu sein scheint, hier aufmerksam machen zu müssen, und zwar
weil Mannhardt in seinen German. Mythen nachweist, daß die Sprüche
vom Marienkäfer, sowie der mit demselben in Bezug stehende Brunnen,
auch auf die deutsche Holda zurückzuführen seien.
Übrigens soll Oberhollabrunn der Sage nach von einem wirklichen
Brunnen, in welchem die Hirten der dortigen Gegend in alter Zeit
ihr Vieh tränkten, den Namen erhalten haben und sein Wappen ist
„ain Schult Inn der mitte vberzwerch In zwen taill gleich abgethaillt, Das
ganntz vnndertaill Inn gstalt aines wassers vnnd Inn dem vordern taill
des Schillts erscheinendt vber sich ain velsen, dar Innen enntspringenndt
9) Ein Wallfahrtsort in Niederösterreich,
DER MARIENKÄFER IM NIEDERÖSTERR. KINDERSPRUCH. 71
aus ainer hölle durch ain goldifarbes Nörlc ain Vnimienqucl vnnd gegen
demselben Im wasser ain Schwannen seiner natturlichen färb vnnd gestallt.
Das Ober taill des Schillts aber Plaw oder Lasurfarb Inn demselben vber-
zicerch ain gelber oder goldf arber wolffs Aungl den ainen Spitz gegen dem
vordem < >b, rn vnnd den anndern gegen dem mindern hindern egg kherendt,
darnach gegen dem vordern vnndern rund im hindern Obern taill des
schillts ain goldf arber Sterenu. — (S. Mayer, drei Capitel aus der Ge-
schichte Oberhollabrunns S. 7.)
Schon in den erwähnten Sprüchen erscheint der Marienkäfer als
Bote und Vertrauter der Götter (vgl. Grimm deutsche Myth. S. 658),
noch mehr tritt er aber als solcher in den folgenden hervor:
19. Herrgottskalb'l [Frau'nkäferl] fliag af d'Woad
und bring unsan Herrgott a goldenes Kload.
(Schoderlee bei Stronsdorf. — Großmugl und Wulzeshofen.)
20. Herrgottskäferl fliag af d'Hoad
und bring unsan Herrgott a schens Kload. (Retz.)
21. Sunnkäferl fliag nach Karnabrunu über d'Woad
und bring der Muttergottes a schens goldenes Kload 10j.
(Stockerau.)
Für die Auffassung des Marienkäfers als Götterbote spricht indeß
ferners noch der Umstand, daß derselbe den Kindern in Niederöster-
reich nicht nur Jenseits einen „schönen Ort" suchen soll, sondern daß
er ihnen auch anzeigt, ob sie in den Himmel oder in die Hölle kom-
men; denn in Stockerau sagen die Kinder zu ihm, wenn sie ihn auf
der Hand halten:
22. Frau'nkäferl, Frau'nkäferl Hing fort,
such' mir an sehen Ort
entweder Himmel oder Höll;
oder:
23. Frau'nkäferl, komm i in n Himmel oder in d'Höll"?
und glauben dabei, sobald der Käfer aufwärts fliege, kämen sie in
den Himmel, wenn aber abwärts, in die Hölle11).
Zu d>n Anrufungen des Marienkäfers in Niederöstencieli gehören
endlich noch zwei Sprüche aus dem Waldviertel, und zwar:
24. Sprinzerl fliag hoam,
deine Kinda wear'n woan,
dei Häuser] wird brinna,
deine Kinda wear'n versinka!
,0) Vergl. Zeitschr. f. d. Myth, IV ") Vcrgl. A. Kuhn, Sagen aus
Westfalen II. Th. S. 78.
72 W. WATTENBACH
25. Sprinzkäferl fliag hoam,
dei Muada thuad woan,
deine Kinda thoan singa,
dei Häuserl thuad brinna!12)
(Reingers.)
Schließlich reihe ich an diese Sprüche noch die einzige mir vom
Marienkäfer bekannte Sage. Dieselbe scheint sowohl mit den Benen-
nungen des Marienkäfers, als auch mit jenen Kindersprüchen, in wel-
chen derselbe als eine Milch und Butter bescheerende Kuh aufgefasst
wird (s. Rochholz, Alemann. Kinderlied S. 93), in Verbindung zu stehen.
Sie wurde mir erst kürzlich in Stockerau von einem Knaben aus
Böhmen erzählt, wie folgt: Als Christus geboren wurde, brachten ihm
die Hirten Milch und Butter, und als die Muttergottes diese Geschenke
in Empfang genommen hatte, flog auf das Milchgefäß ein Frauenkäferl,
welches seit dieser Zeit stets bei der heiligen Familie blieb und diese
erst, als sie vor Herodes nach Egypten flüchten musste, daselbst ver-
ließ. — Außerdem sagte mir der Knabe noch, Christus habe dem Frauen-
käferl, weil es der Muttergottes zugeflogen sei und er es lieb hatte,
den Namen Maidalenka (Magdalena) gegeben, welchen Namen das
Marienkäferchen bei den Tschechen führt. (Über andere tschechische
Namen dieses Käfers s. Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus
Böhmen S. 83 und 233.)
ARENGA DE COMMENDATIONE STUDIL
Incipit arenga de commendacione studii humanitatis atque amenitate
estivalis temporis*).
I« Arva floribus extant decusata,
Ave anime mi respira! 5 Prata universa rident,
Dira hyems iam preteriit, Strident erarii, ludos
Feriit famelicos atque nudos. Videntes oriri tarn iocundos.
i2) Vergl. Grimm, Deutsch. Myth. 658. Wunderhom, III. Bd. S. 406. Mannhardt,
Germanische Myth. S. 349 — 351. Landsteiner Keste des Heidenglaubens S. 41.
*) Die Überschrift von der (gleichzeitigen) Hand der Glossen. [Die strophische
Abtheilung habe ich hinzugefügt; es sind drei Strophen, die Stollen länger als der
Abgesang und mit Übergangsreimen (vergl. Germania 12, 181 — 185) versehen. K. B.]
1 Aye] darüber als Glosse: hortandi est. 2 preteriit] abivit. 3 feriit] seil,
que percussit. famelicos] esurientes. 4 decusata] ornata. 5 rident] florent.
6 strident] zanclaffent. erarii] usurarii.
AEENGA DE COMMENDATIONE STUDII.
73
Ut tristemur non est phas.
Mas bymnisat corde leto;
Freto rethe inmergitur
45 Ad prendendura pisces.
Coniuuctus nunc si sis puellis
Bellis ([uc 111,'itronis
Donis ornabis eas.
Receptabere ad viridaria,
50 Varia virtute te decorant,
( > r.int secum una ut meas
Ac curialia multa disccs.
§ lliis si comniunices convivis,
Divis modestiis indulge,
55 Fulge morali facecia.
Hec sciunt recensere mores,
Fores adornanl faceto
Discreto dant magna precia,
Ac ipsi rubicundas genas por-
rigunt.
60 Hinc ut subserviam sexui
Pexui mentis erines,
Fines racionisnetranscendam.
Detestantur (scio) grossos
Fossos dura rusticitate.
65 Late infligunt ipsis mendam
Acrique iudicio corrigunt.
§ Olfactu tarn fragranl virencia,
Aer virtute extal plenus,
Sed excellit terre encia
70 Nobile femmeum genus,
Quod nobis balnea conficit arti-
ficialia
Floribus, rosis, herbis, qualia
Fiunt in Suevia,AthesietAlsacia,
As1 alibi natura scaturiunt:
75 In quis populi queritanl solacia
El heroes i cum i puppis liguriunt.
- arbusta] heck. 9 segetes] fructus. fundo agro. lt invitant] indicunt.
16 culcat| terit, pusio] puer. jten. 17 inservit] inhabitat. L8 cetus]
turba. L9 frei ' '''-• comprus.
27 ätillarom] guttarum. capitulis] a caput. dulcorat] dulces facit. vorbei
i. berbaa el capitnr pi nni berba. :;i eum] rast i cum vel ortutanum. serva] &b
cilla. terit] content. 39 venustate] pulchritudine. 42 phas] licitum. 43 mas
bymnisat] vir cantat. 45 prendendum] capiendum. IT bellis] com ms.
|s ornabis] mnnerabis. 50 d 51 jecum] cum
eis. meas] vadas. 62 II iminunices] communitatem habes.
r,l Glo cijs 1 1 • mi-, tu inhere. 56 bee] virgini schätzen.
57 fores] iannas. 60 subserviam] occulte sicrviam. spernnct.
t',5 mendam] macnlam repreb 67 olfactu] ! fragrant] ■ . < 1 > . i .-i ut .
71 conficit] alü confert. 71 ast] eciam, scaturiunt] quellent. 76 quis quibus.
populi] vulgares, queritant] frequenter querunt. 7t", beroes] magni domini, puppis]
cum dominabufl et virginibus. liguriunt] laute vivunt.
Vepres arbustaque vireseunt,
Crescunt segetes ex fundo,
10 Mundo conferentes solamina.
Arbor queque suos facit fruetus.
Luctus acerbos refutemus :
Nemus ac camporum gramina
Nos invitant letabundos.
15 Jam arillator terram sulcat,
Culcat lianc pusio rastro.
Castro inservit miles:
Jam feminarum triumphat cetus,
Fretus estivali gaudio.
20 Audio virgines civiles
Novas psallere cantilenas;
Coreas dueunt vespertinas.
Binas video connexas
Plexas adolescentum digitulis :
25 Jocus iste est festivus.
Rivus dulei unda fluit.
Ruit ymber stillarum capitulis,
Radices dulcorat et verbenas.
Jam omnis exultat creatura:
30 Philomena merula et frigellus
Equali concinnunt mensura.
Jam arida feeundatur tellus,
Jam sua ortulanus sata serit,
Post eum serva glebas terit.
35 Jam vinearum prescinduntur
vites,
Sed frutices religantur.
Jam omnes penuriarnm
Novo fruetu resecantur.
lites
IL
40
Montes nunc venustate vigent,
Frigent coli ss yernali ror< .
Flore vallis respergitur:
74
W. WATTENBACH, ARENGA DE COMMENDATIONE STUDH.
III.
§ Ubi sat letati fuimus,
Fumus ignorancie abicietur.
Detur locus seiende.
80 Progrediamur ergo foras,
Oras longinquas visemus.
Reinus ignave demencie
Concremetur prorsus.
Almania hew prostrata iacet,
85 Tacet preceptoruin vox.
Nox illic diem retundit.
Exurge ergo festive studens !
Prudens animo nunc si sis,
Scis : Ytalia doctrinani fundit :
90 In Liptzk caristie mordet ursus.
Ytalia pregnantes habet scolas.
Volas ad ipsius sinurn:
Trinum sorciaris profectum.
Illic ars pollet humanitatis,
95 Satis eciam dicendi generis.
Veneris haud invenies ibi lec-
tum,
Sed florere canones atque leges.
Aus der Berliner Hs. lat. fol.
BERLIN.
Humanitatis arte non imbutus,
Mutus erit neque doctus,
100 Coctus aqua;sednecconditus.
Arte oratoria vere
Splendere qui conspicitur,
Dicitur eloquencie studio peri-
tus,
Is imperatores adoritur atque
reges.
105 § Hoc qui sum carmen poe-
tatus,
Arti humanitatis indulgeo,
Sumque Samuel vocitatus.
Lacera quoque facie fulgeo.
Calciamentorum rostra longa
gesto,
110 Sed marsubio gradior mesto.
Cogor ergo aliorsum prosilire.
Vale Liptzk! salva semper
syes.
Omnipotens te dignetur custo-
dire7
Sit vel alumnis meis parta
quies.
49 (15. Jahrh.), f. 91.
W. WATTENBACH.
80 progr.] vadamus. 81 oras] patrias. visemus] frequentemus. 82 ignave
dem.] male stulticie. 83 prorsus] omnino. 84 über hew prostrata: Quo diver-
tamus. 85 prec. exreeeptorum Hs. ; darüber docencium. 86 retundit] vnder-
truck (1. undertruckt). 87 festive] celebris. 89 fundit] dat. 91 pregnantes]
feeundas. 92 volas] velociter curras. sinum] gremium. 93 trinum] triplicem.
profectum] ibi. 94 illic] eodem loco. pollet] viget. humanitatis] poetrie. 95 die.
gen.] ars oratoria pollet. 96 ibi] in Ytalia. 98 human.] poesi. non imbutus] est
expers. 100 coctus] f. (aus s entstellt = seil.) qui non est inbutus arte poesi.
conditus] salsus. 101 vere] certe. 103 eloquencie] faeundie. 104 is] iste.
adoritur] alloquitur. 105 Poetatus (darüber dietavij deponentale est a poetor poe-
taris. 106 indulgeo] insisto, inhereo. 107 Sam. vocit.] hoc nomine vocatus.
108 lacera] lacerata, wlnerata. 110 mars. gr. m.] bursa transeo vacua. 111 al.
prosil.] in alias partes transire. 113 omnip.] deus. custodire] protegere. 114 vel]
eciam. alumnis] nutritoribus. parta] parata.
H. RÜCKERT, ZWEI GEISTLICHE GEDICHTE AUS SCHLESIEN. 75
ZWEI GEISTLICHE GEDICHTE AUS SCHLESIEN.
Aus Cod. Chart. I, 4, 466 der Breslauer Universitätsbibl. hat
Hoffmann in der Monatsschrift f. Schlesien 738 eine Anzahl von deut-
schen und böhmischen geistlichen Liedern rnitgetheilt, welche jeden-
falls für öffentlichen, vielleicht auch für den Gebrauch in der Kirche
bestimmt waren. Es ist wohl der älteste, dann häufig wiederholte Ver-
such, dem geistlichen Kirchengesang in der Landessprache, welchen
die Hussiten sofort durchführten, von katholischer Seite her ein
Paroli zu biegen. Denn daß sie von dieser Seite ausgegangen sind,
wird durch ihren Inhalt und durch den Ort ihrer Überlieferung be-
wiesen. Die bez. Handschrift ist nämlich von dem kathol. Geistlichen
Nicolaus v. Cossel geschrieben, über den Hoffmann 1. c. die ihm zu-
gänglichen Notizen gibt, und Theile von ihr sind bis zum. Jahre 1417
vollendet gewesen, darunter gerade derjenige, vor welchem die von
H. gegebenen Stücke und unmittelbar hinter welchem die beiden hier
folgenden stehen, die H. nicht mitgetheilt und die doch der Publication
werth scheinen. Aus der schles. Monatsschrift sind die deutschen Lie-
der in H's. Gesch. d. deutschen Kirchenl. von Nr. 63 an übergegangen.
Wir geben den Text, der in I in abgesetzten Versen, in II in
fortlaufenden Zeilen geschrieben ist, genau nach dem Original, nur
mit Auflösung der wenigen Abkürzungen und in unserer Interpunction.
I. (f. 88a.)
Pater noster:
Ich man dich, valer iesu crist,
wen du mein dirlözer bist,
gedenk, herre, an dein erbeyt,
5 an dein iamer und an dein leyt,
an dein hunger und an dein durst,
an dein bieze and an dein vrust,
an dein czeher und an dein bw<
der do blutig und ;
10 obir deynen heyligen rücken vlos
und eich nedir auf dj erde dergoe.
Patei ii" •
Ich man dich, herre, bey der stunden,
do dich dy Juden vyngen und banden;
15 zy zogen nicht an dej o enlende,
zy banden dir rüsse und bende,
das dir das blut aua den negiln drank.
0 züsser got, wy zere dich betwank
76 H. RÜCKERT
deyn vetirliche liebe!
20 gleich einem dybe
woldistu dich losen vüren
und vor den zünder rügen!
Pater n oster:
Ich man dich, hirre, bey der smacheyt
25 dy dir dirbot dy valsche Judischeyt:
do sy dich hatten gebunden,
ze slugen dir grosse wunden,
ze slugen dich of deyn heyligen hals
(f. 88b) und ze sprochen, dein lere were yalsch.
30 ze rofften und vorspeyten dich,
und ze slugen dir mangen herthen strich,
das dir das blut obir dein heyligin zeyten ran.
o süsser got, nu gedenck doran
und vorgyp mir all meyn schult
35 und las mich, herre, han deyn hult!
Pater noster:
Ich bitte dich, lieber vater meyn,
gedenk an alle dy martir deyn,
gedenk an deyn crone so swer,
40 an deyn negil und an deyn sper;
gedenk an deyn tyffe wunden
dy dyr blebin unverbunden;
gedenk an deyn bittern tot.
behut mich, hirre, vor allir not
45 und sych czu der rechtin hant,
do der schecher dy rewe vant,
und vorleih myr wäre rewe
durch deyn vetirliche trewe!
Pater noster:
50 Ich man dich bey der lyben muter deyn,
Maria, dy züsse konygeyn,
gedenk an yr gros leyt,
wy eyn swert yr hercze durchsneyt,
do ir qwomen dy mer,
55 das yr lybes kynt gevangen wer.
gedenk an eren grosen smerzen
und trost meyn betrübtes hercze
in alle meym leyde.
ce wen ich von hynne scheyde
60 zo tröste dy arme zele meyn
und las mich nicht in nöten zeyn !
Pater noster:
Ich man dich noch, vil guter got,
gedenk an der Juden spot
ZWEI GEISTLICHE GEDICHTE AUS SCHLESIEN. 77
65 und an den bittern gallen trank
und an den jemmer liehen gank,
do du czu der marter woldest gen,
nakt und bloz vor den Juden sten,
do das ürteyl obir dich dirgynk
70 das man dich an das creueze hynk.
Pater noster:
Ich man dich noch, vil guter heylant,
al meyn not und al meyn leyt zey dir bekant.
ich bit dich durch deyn reynes blut
das du mit geduldigem mut
75 durch meynen willen woldest vorgissen,
des las mich, herre, genissen,
und vorgip mir alle meyn missetat
dy meyn zundiger leip y begangen hat
wider dy werk der heyligen barmherezekeit,
80 und wider dy zyben heylykeit
und wedir dy czen gebot :
alle totliche zünde vorgip mir, lieber vater und guter got,
und las mich nicht dirsterbin,
ich mus der vor ee dein hulde dirwerbin,
85 Amen.
II. Salve regina.
Gegrusset zeistu könegin, eyn muter der barmherezikeit,
ein lebin und zussikeit
und unsir hoffenunge.
90 bis gegrusset, czu dir schrey wir enelcnden kynder frawen Ewe,
czu dir irsufeze wir weynende und irsufezende
in dem tal der czer.
eya dorumme, unsir vorsprecherynne. dein barmherzigen ougen czu
uns wende,
und iesum, dy gebehedeyte vrucht deynes leybes, uns noch desin
enelende
95 irzeyge, o gütige, o milde, o süsse Maria-
Amen.
Über die sprachlichen Eigentümlichkeiten dieser die echte Fär-
bung der schieß. .Mundart ihrer Zeit tragenden Lieder, von denen das
zweite richtig«!- Sequenz zu nennen wäre, das erste wegen der unglei
chen VersezabJ Beiner Strophen im uneigentlichen Sinne Leich heißen
könnte, verweisen wir auf unsere Darstellung der Laut- nnd Flexions
lehre der gen. Mundart in der Zeitschr. d. Ver. f. Gesch. u. AJterth.
Odiles. Bd. III, 1 — Bd. XI. -. wobei die Bandschr., aus der beide
Nummern entnommen Bind, vollständig benutzl wurde.
BRESLAU. B. Kl I kl. KT.
78 A. BIRLINGER
AUS DEM BUCH WEINSBERG*).
Etwas Ähnliches wie die Zimmern'sche Chronik ist das „Buch
Weinsberg" im Kölner Stadtarchiv, bestehend in vier handschrift-
lichen (Papier-) Folianten, ehemals dem Syndikatarchive daselbst an-
gehörig und erst seit einem Jahrzehent von Dr. Ennen aufgefunden.
Der Verfasser, zugleich ein übereifriger Federzeichner, nennt sich
Licentiat Hermann von Weinsberg, geb. 1517, f 1598; er war Advocat
und Assessor am erzbischöflichen hohen Gerichte, Kirchmeister in
St. Jacob, von seinen Zunftgenossen auf dem Schwarzenhause eilfmal
in den Rath gewählt. Absicht des Buches ist die herabgekommene
Patrizierfamilie von Weinsberg auf möglichst edle, alte hohe Abstam-
mung zurückzuführen. Sein einziger und ewiger Refrain liegt in den
Reimereien des zweiten Vorsatzblattes:
Wilt Godt bidden vnd versoenen
Daß er den Weinsberch laß groenen!
So führt , er seine Abstammung auf die Grafen von Weinsberg in
Schwaben zurück und berichtet wie folgt von der Weibertreue; ja die
bairische noch ältere Abstammung überliefert er echt romanhaft der
Nachwelt in schönem Kölnisch-Hochdeutsch. Seine Familie ist auch
mit den Zollern verwandt. Bd. I, 151a merkt der Verfasser an: „ich
hab eyn maill von eym blinden lutenisten, Jürgen genent, gehört, wie
er es darvür hilt, daß die von Zolleren syn grauen vnd die von Weins-
berg auch grauen eynß stambs oder geschlechtz weren; dasz er
Jürgen war mit den oberlendischen heren kundich. man hatz doch zu
erfaren". Dieser Richtung sein Haus zu verherrlichen gelten die unzäh-
ligen lateinischen Reimereien, die zum Überfluß bis zum Überdruß so
manche Blätter füllen. Anerkennenswerth ist, wenn er Vater und Mutter
durch solche Hausgeschichte auch ehren will (Bl. 7h) und zugleich
danken „derwegen man jnnen hynwidderumb ehr vnd danckbarheit
*) Vorsatz-Pergamentblatt: das boich Weinsberch, nit reine dan das clack-
boich: were es so balde zu corrigern zu conciliern vnd dan abzucopiern als nyt, es
were lange eynmaill gescheit, zitverdreif fboich. Eyn spilboich bin ich, lusus
chartae in qua luditur seriis et jocis domini et familiae (Winsb.). Ferner:
Das boich Weinsberch heisch ich verwar es doch heimlich
Der hausfatter leiß mich Das es kein fremder krich
Vor zeit verdreiff bei sich. zu lesen vnd neit sweich
Es wirt jm sein nutzlich Das mögt dan syn spotlich.
AUS DEM BUCH WEINSBERG 79
zu beweisen schuldich ist nach dem gebot des herrn: ehre dynen
fatter und dyne mutter vff daß du lankleibich Beiß vn erden vnd der
weiß man Cato leret: cognatos cole, ehre dyne mage vnd bloitz-
bewanten vnd sulche ehrerzeigung ^ nd danckbarheit nit bequemer
ader foglieher gesehein kau ader mag. dan daß jre alte verdunckelte
gedechtniß vnd memorien vernüwerl werden u. s. w.u Darum schickte
sich H. von Weinsberg an „zum kurtzwiligen Zitverdreiff" nebenbei
alles zu sammeln, was zu seinem Kram passte: vnd wan ich lustich
war vnd mich vermehen (ermeien mhd. belustigen) wolte die alte
register. anzeigungen vnd abmalungen von mynen vüreltern von handt
zu handt (wie man sagt) nach verlaißen vnd eitz von altheit scheir
gar zürstückert vür die handt genomen; hab auch von mynen eitern
vnd eltsten fründen allerlei erfraigt vnd erfaren vnd alten trembden
lüthen vill gehört, in historien, Croniken, Schreinen, ahoi breitl'en,
rechensboechen, missiven vnd ander schrifften fasl geleßen u. s. w."
(G\)*)
Die altern Familiennachrichten hatte er, wie Dr. Ennen**) in
den Annalen des hist. Vereins für den Niederrhein VI (1859), S. 124
angibt, von seinem Groß oheim Patroclus, einem Mönch in Corvey, der
mit unermüdlichem Fleiße eine Familiengeschichte zusammengetragen
und dieselbe bei Gelegenheit eines Besuches in Köln seinem liruder
Gotschalk als ein für den jedesmaligen Stammhalter der Familie, den
Eermann immer „Hausvater" heißt, bestimmtes Erbe übergeben. Dieser
Patroclus war geboren 1441, f 1490. Also knüpfte Hermann hieran
die Geschichte seiner Großeltern und Eltern, und während 40 Jahren
wuchs das opus als umfangreiches Tagebuch an, das Bd. II. III. IV
füllt und darum für Kölns Vorzeil von unschätzbarem Werthe ist.
Dr. Ennen gedenkt das ganze Material für den Stuttgarter Litterari-
schen Verein herzurichten, wozu Bd. 1 weniger taugen dürfte; er ent-
hält Concept und Reinschriften und hat zur Abwechslung auch ein
opus Beati Rhenani, Druck, mit eingebunden nebst Randbemerkungen.
i dem i \ atzblatt: macht zu gelegenen zeiten mit gattem
vorbeil.-flit an i äfften stucken
wirken, eyn gl lieh boiefa mit »ynen prosen rersen, reimen bilt*
:i. wapen gemeille ■•■• ai nodicbj deinlich vml zeirlich «Irin mag Btain. -- Was hilffl
aber vill boieh zu Bcbrinen, wan sie keiner m ler den inbalt leist dreinen
in eheren hell nit groiC achtet, bo grob Ist daß er nit mirokt wa i « - 1 j myt dissem boioh
liyn vili will.
In J. Müllers Zeitschrift für Kulturgeachichte bringt E, die koBtbai
theiluugeu für dii 1-7 1. 1. Heft,
80 A. BIELINGER
Hermann kennt die Kölnischen Chroniken; citiert sie wiederholt und
merkt aus einer (Ea) an: „alle altheit ist vol vnd vermengt mit fabulen.
Meint aber seir altheit". Cronica Colonensis civitatis fol. 35 p. 2(?). —
So entnimmt er — wir haben es hier nur mit Bd. I zu thun — Stellen
dem Seb. Frank, Munsterus. Seine classischen Kenntnisse sowie die
der Neulateiner zeugen von Hermann als einem äußerst gebildeten
und gelehrten Manne. Den mittelalterlichen Cato führt er häufig in
längern Auszügen an und ist voll seines Lobes. Bl. 176a virtutem pri-
main Zarncke S. 175, V. 5. plus vigila 3 ff. que nocitura V. 11 ff.
constans et lenis V. 13. nil temere V. 15 ff. contra verbosos V. 19 ff.
(Zarncke). dilige sie alios 21 u. s. w. V. 20 spem tibi promissam u. s. w.
gibt H. v. W. : „rem tibi" und fügt am Rande bei obseruent mercatores
plus quam alii u. s. w. Die Hälfte der Disticha sind defect hier wieder-
gegeben; Zeilen zählt dieses Blatt ungefähr 70. Bl. 170b stehen eben-
falls quedam ex Catone moralia, dabei die Notiz (Germania 17, 93)
Catonis boichlin helt man u. s. w. Zarncke S. 174 erste Reihe No. 1.
2. 3. 5. 6: foro te para. 51. 7. Dann folgt ad consilium accesseris
antequam voceris. 9. 10; dabei steht: comis enim et blanda salutio
sepe conciliat amicitiam, inimicitiam diluit, certe mutuam benevolen-
tiam alit augetque. Dann minori parce. Vgl. No. 49. — 4. 14. 13;
sodann cliligentiam adhibe. 50. 18 u. s. w. — Wichtiger dürften die
Sprüche und Sentenzen in ihrem kölnisch-deutschen Gewände sein
die ich hier mittheile. Der Kampf des Neuhochdeutschen mit dem Alt-
kölnischen ist näherer Beobachtung werth.
Beifügen will ich noch vorher die Sage von der Weibertreue.
Bl. 151a b enthält eine Reihe Auszüge über diese Geschichte. Zuerst
ist genannt ein Chronica civitatis Coloniensis antiquae f. 167 : item als
Keiser Lüder zu lande quam, so quam ime clage ouer Greue Herman
u. s. w. Darauf ist eine Chronica civitatis Coloniensis f. 169 angeführt:
desse konninck Conrat zouch in syme derden jare vür Nürenberch
vnd Winsburch etc. Ferner Joannes Carion in sua Cronica u. s. w. :
„im kreich mit den welffen gewan Conradus daß sloß und Stadt wins-
burg u. s. w. bis: und leiß jnnen jre gutter darzu folgen — ". Cosmo-
graphia Munsteri f. 592. Cronik der Päpste des Sebastiani Franck
f. 249. Joannes Oecolampadius. J. Sleidanus Hb. IV fol. 1525. Endlich
Franck's Deutsche Cronik. Daß H. v. Weinsberg Alles kölnisch-deutsch
auszog, darf einen nicht wundern. Bl. L" ist unter dem Jahre 1140
die Weibertreue wiederum mit wenigen Worten erwähnt. Bl. Qb steht:
zouch Keiser Conradt dar vur mit hereß krafft vnd gewan daß sloß
vnd Stadt seir balde, leiß alle die vom adel fangen, darunder Balthasar
AUS DEM BUCH WEINSBERG. 81
der fatter auch war; aber jren weiberen sagt er: sei mochten dar von
zehen vnd eyn iede mögt so vil mit nemen als sei tragen mögt, da
nam Sabin jren son Heinrich, vnd die ander frauwen jre menner vnd
jre kynder vnd trogen die vß der stadt. dargegen dachten etliche: es
were gemeint von guttern vnd nit von lüthen vnd wolten die edle
kynder behaltenn. Aber dem Keiser gefeill die tugent der edler weiber
woll vnd schaffet, daß sei neyt der jugent sicher daruon quaraen vnd
leiß innen jre gatten darzu folgenn vnd die moder Sabin flöhe mit
jrem son Heinrichen u. s. w. Vgl. Bl. 240b mit einigen Reimen.
Bl. 203" ist ein Lied, Text und Noten, das heißt:
Ich haben min Sachen zu Got gestelt
Er wirt es wol machen wie es im gefeit
Dem dhoin ich mich befillen.
Min sei, min leib, min Ehr, min gut
Erhelt Got stetich in siner hut
Hie vnd dort zum ewigen leben.
Was all der wellt verloren acht,
Das stet doch fast in syner macht
Es geschieht nach sinem willen.
Daten begegnen im I. Bd. einige; Bl. Hb steht am Schlüsse der
Einleitung 1560; andere bewegen sich zwischen 1550 und 1560.
Ich merke noch folgendes an: Die Schrein- oder Schrin-
boicher in Cöln syn vngeferlich a. 1225 rayn oder mehr angefangen
vnd man hat die häusser vnd f harren eirst zu Latin geschriben biß
a. 1390 vngeferlich, do hat man eirst angefangen zu deutschn drin zu
schriben bis off heutigen tagh. f. 314". — Twerge gesehen, a. 1526:
wie er auch (der Weinsberg) vff eym wagen vff die Steinen nach Neuß
solt zehen mit sinen eitern vnd fründen syn angfraw zu visitern hat
er zwischen wegen zwei twerge gesehen, jedes eyns foiß hoich
im wege ghonn. f. 325b. — Von Konrad von Weinsberg, dessen
Einnahmen- und Ausgaben-Register uns der Stuttgarter litterarische
Verein V. Jahrg. 1. Lief, brachte, weiß unser Kölner nichts. Er citiert
f. 151 eine Stelle aus der Chronik der Päpste Sebastiani Franck in
Dützs (Deutsch) f. 249: Daß die Geistlichen vff dem consilio zu Basel,
wuchs anno 1438 gehalten dermaissen an eynander gehriten, daß der
Raidt zu Basel vnd Graiff Conradt van Weinsberch sei schiden moisten,
vide ibidem, quisnam ille fuerit nescio. — Gemälde im
Hause Weinsberg. f. 201'' Pietas: bittend — eyn raem oder heister
GERMANIA. New,- Eteihfl Vil. (XIX.) Jülir«. 6
82 A. BIRLINGER
mit eim crucifix in der erde setzende. — Providentia: mater divitiarum,
sol mit eyner gaffeln mist spreiten. — Cura: soll mit eyner heppen
die alte reben absniten vnd samlen oder plotzen. — Industria: sol
gerden oder reben anbynden oder hechten. — Opera: sol mit dem karst
hacken vnd roden umb einen wynstock. — Custodia: sol mit eyner
rasseien die foegel von den trüben abweren. — Diligentia: sol trüben
lesen, sniten tragen eyn kessel im armen in eym teil vnd mit eym
teil. — Assiduitas: sol keltern oder eyn faß füllen oder trüben intreden
oder eyn teil tragen. — Parsimonia: sol durch eyn kreingin jn eyn
schenkengin zappen oder mit eym schenkengin in eyn klein gleslin
schenken. — Utilitas: steht an eynem stinen hofftaifflin, hat trüben,
weißbroit vür sich vnd drinckt viß einem gülden oder glisern geschir
oder ist eyn drube.
I Sprüche.
1. Es fengt zeitlich an zu brennen das gut nessel wil werden, f. 16b.
2. Alle Anslege gerathen nit 17". 136b: alle gutte anschlege gerathen nit
al zit.
3. Vill willen syn wol geholden
von nemans werden gescholden. 18\
4. Weß man fromlich mag geneissen
Deß laiß man sich nicht verdreissen. 20*.
5. Lichter nit: besser ist etwass zu schelten dan zu bessern. 22".
6. Balder ist etwaß zu sagen, dan zu thoin.
Lichtlicher zu schelten dan zu bessern. 15*.
7. Vil besser ists weislich zu wircken, dan weislich zu gedenken. 15".
8. Nemans byn ich
Nemans wil ich
Nemans ist mein
Nemans eigen will ich sein
Dan Gottes allein. 49b.
9. Wem stedicheit mit trewen ist bereit
Der leuet in groisser erwerdigheit. 59b.
10. Halt dich allein,
Dein hertz halt rein,
Vnd acht dich klein.
Hab lieb, das nymer mach vergain
So kan dyn herlz in frewden stain. 60b.
1 1 . Amoris macht
Veneris bracht
Cupidinis swerth
Hant manchen verzert. 60b.
AUS DEM BUCH WEINSBERG. 83
1 "2. Vif erden ist
kein bessor list
dan der syner zongen meyeter ist. a. a. 0.
13. Frome luyde soicht man gerne,
weise luyde soicht man ferne. 601'.
14. Es moiste syn eyn rechter schehn,
Vnd wer er auch von schilt und heim,
der wer bei schonen jonffrawen vnd guttem wyn,
Vnd wolt dan noch seir trurich syn. 71".
15. Gelt das stum ist
Macht recht das krum ist:
drumb daß ich reclit krum vnd krum recht kan machen
Trach ich syden vnd roit scharlachen, a. a. 0. und 136b die ersten
zwei Zeilen.
16. Es gilt ezunt nit mer dan gelt vnd goit
Das gibt ehr, gunst vnd hohen moit
Es gibt der früntschafft auch gar vil
Zum armen schuyst man nach dem zil. a. a. 0.
17. Het ich gelt nach willen,
Ich wult den Pabst stillen:
Den Keiser vom weib triben
Vnd noch im landt pliben. a. a. 0.
18. Ich was leiff alß ich meinde,
Es ist eyn ander, alß ich befynde:
Wall hin, ich will mich lyden
Vp wanckelen bergen ist quaidt ryden. a. a. 0.
19. Trewe, die ist dhoit
Vntrewe ist groit. a. a. 0.
20. Früntschafft geit vor alle dinck:
Das straffen ich, sprach der pfennink,
Dan war ich kere vnd wende,
Dar hat al früntschafft eyn ende. a. a. 0.
21. Were einer van Judas art,
Der ärgste der ehe gewart,
Syn moder eyn hoer, syn vader eyn deiff:
Ich glcub, het er gelt, so wer er leiff. a. a. 0.
22. Wer mit schonen jouffrauwen consortia querit habere,
Vnd kan daß triben et sie de fraude cauere:
Den will ich achten speciali arte nitere. a. a. 0.
23. Was helffen kertzen oder brill
Der nit sehn wil, off sunst nit wil. 71 '.
24. Es ist verdreit,
da die hen kreit
vnd der han neit. 75b.
84 A. BIRLINGER
25. Wer myr thoit waß er mir gan,
Den wil ich loben als ich kan:
Es sy gut oder quaidt ich wilß gedenken
Vnd wil im vom besten inschenken. 82".
26. Dan heidnisch ist wraggeirichkeit (Rachgirigkeit)
Schott quidtschlain zu der Christenheit, a. a. 0.
27. Wiste mancher mynen syn
so were ich lieber dan ich byn. a. a. 0.
28. Wer vor mir daß beste klaffet,
Vnd hinder mir daß ergste schaffet,
Den achten ich auch anders neit
Dan Judas der Jhesum verreit., a. a. 0.
29. Mach seiden sehen frewde geben,
So hand die blynden eyn frolich leben
0. Weinsbergh
30. Seiden sehen dhoit kein goit
Des trag ich einen sweren moit
31. Ist lyden froligkeit
So ist bei myr kein trurigkeit. Dabei: wil sy nit wal. a. a. '
32. War daCs T also steyt — Trewe,
Dar daß L dar bouen geiht — Loißlieit.
Das V hat dar die macht — Vnrecht,
Das es das R nit acht — Recht,
Dar wirt der mensch also verblendt,
Das er noch E noch G enkenth — Ehr vnd Godt. f. 91a.
33. Wan das P geith vur dem G — penninck, Godt
Vnd das V vur dem T — Vntrew, Treiv,
So hat V ond P sulche macht
Das man noch T noch G enacht — Treiv noch Gott a. a. 0.
34. Such vor dich zu aller stundt
Dan mancher hat eyn falschen grundt,
Syn wort, syn guth, ouch sin gebeer,
Mer mit dem herzen ist er fern. a. a. 0.
35. Diß ist der werelt eyn:
Man spricht, Jha, vnd meint Nein.
Item.
36. Schoene worth synt nyt dan wynt
Da die wirken nyt bei en synt.
Item.
37. Eyn fruntlich gebiere sonder gunst
Ist zwar eyn arth van Judas kunst.
Item.
38. Schoin in dem mondt ist sitz gemein
Trew in dem grondt de findt man klein.
AUS DEM BUCH WEINSBERG. 85
Item.
39. Schone worde, vnd die gelogen,
Haben manchen menschen bedrogen.
Item.
40. Adams ryb vnd reiffen naß
Macht manchen froe, der trurich waß.
Item.
41. Gelt, gelt, schreit all die weit.
42. Er ist geryng gesacht
Des lange wirt gedacht. 91\
43. Leiff hauen und leiff helen
doit leiff vnd leuen quelen,
Mer leiff hauen vnd nit leiff syn
Vff erden ist ghein swerere pyn. a. a. 0.
44. Rechte trew ist eyn werder gast,
Wer dieselb hat der halt sy fast,
Nyt lieber liefft ich vff erden,
dan daß mir rechte trew mögt werden
daß ich des gar nit befynden
thut mir fleisch und bloit verswinden.
45. Wer Gelt hat nach synem willen
der kunt den pabst seir wohl stillen u. s. w. (s. oben.) 91*.
46. Bedench das endt.
das dich Got schenkt. 99\
47. Ich will hoffen vnd herden
Was nit ist, daß mach werden. 105*.
48. Het mich hoffnung nit ernert —
Truren het mich lang verzert.
49. Wer hat der frewe sich:
Ich hab nit noch hoff ich.
50. Ick weit wat ick weit,
Wist ick nit, dat wer my lcit.
51. Mancher beneydet daß hie suydt (sieht)
Vnd moiß doch lyden, daß geschuydt. 105*.
52. Wem licht daran,
Was mir Got ghan.
Derß doch nyt keren kan.
53. Wan der schriber sitzt,
vnd die fedder ist gespitzt
zu schriben ist benidt.
so kan er so wol schriben Ingen »U warheit, 105".
54. All myt luyst
Waß e0 koist. 105h.
86 A. BIRLINGER
55. Jeder tag bringt syn wirk mit gemach ob ongemach. a. a. 0.
56. Ich was leiff, daß neinde ich,
Ich byn vergessen das befinde ich
Ich gedencke diß vnd al des andern
Das ich suß in ellendt moiß wandern.
Wist ich einen so ellendich alß ich byn,
zu dem wult ich wegen mynen syn. 119\
57. Wer daß al wil wrechen
was er suydt off hoirt sprechen,
der sal al syn synne zu brechen
Vnd sich darzu in meir leiden stechen, a. a. 0.
58. L L L L
Leibde leirt, leidt, Leiden
das befynde ich zu dissen zeiden. a. a. 0.
59. Ach leider ich byn geworden weiß,
Daß wer da zymmert vff daß eiß
Syn kost vnd arbeit moiß verlesen,
dan es mag nit alzyt fresen. 119*.
60. Och leider, ich byn also beschert,
Dat niemans myner begert.
Ich bin alsus geboren,
Was ich begyn ist al verloren!
Das mag ich wol klagen mit goidem recht
Ich byn leider dieser weit zu schlecht, a. a. 0.
61. Ferne gesessen
Wirt baldt vergessen
Nach bei der handt
Wirt fast bekandt. 119b.
62. Gut verloren (klein) nitz verloren
Ehr verlorn groiß verlorn,
Moet verlorn all verlorn, a. a. 0.
63. Fürsten, Herren, Ritter und Knecht
Wie sie es krigen es dunkt sin syn recht, f. 120b.
64. Het mancher nit mehe dan syn weir mit recht
Der itz ist Her, wer dan wol knecht. 121*.
65. Verlangen thut wehe
Mer myden noch vil mehe. 127*.
66. Der hoffen will sonder volherden
Dem sol trew seiden zu deinste werden.
67. Och Got wolde sie alß ich
So wer myn hertz van freuden rieh!
68. Ich hoffen zu dir,
Zweiffei nit an mir.
AUS DEM BUCH WEINSBERG. 87
69. In lyden gedult
Ist besser dan golt,
70. Wer nit magh lyden
Der stahe beseyden.
71. Acht dich klein
Halt dich allein.
72. Got ist myn schilt
Wilt wie du wilt.
73. In Gotzs gewalt
Hab ich aldink gestalt.
74. Der leib hat vnd lieb verkeust
Vnd lieb vmb liebes willen vcrieust:
Ich rhade im, das ir also widder kiese,
Das er lieb vni liebe willen nit Verliese.
75. Seiden bei bedrohet my
In lyden fro, wer kan also.
76. W. W. V. W. W.
Wer weiß vmb wes willen.
77. Hab leiff waß nit mach verghain
So sal dyn hertz jn freuden sthain.
78. All verlorne weisheit
In eyns armen manß heupt. 127b.
79. Willt nyt messen vor dem dreschen, a. a. 0.
80. Eyn goit hoerßman ist eyn goit bescheidtzman. a. a. 0.
81. Wer da mit friden leben will
Der sehe und hör und swich all still, f. 136".
82. Swigen zu siner zith ist kunst
Vil klaffens bringt vnguust. a. a. 0.
83. Wer allzyt swegh vnd nymmer spreich
AVer wist was im gebreich, a. a. 0.
84. Ich bynß alleine nicht
Der synen willen nit enkricht
Vnd dem auch vil gebricht, a. a. 0h.
84. Gleub jederman nit glich
Waiit wenich halten ßich.
85. Eyn weisser hab mit Beiß in butt
Syn sei, syn leib, syn dir, syn gutt. 200 .
85. Eyn weisser hab mit fleiß in hutl
syn seel, syn leib, syn i ihr, n G ■"• f. -00,
86. Leufft dir das glück
Zu gut, so zuck,
18 A. BIRLINGER
Es wendt sich duck.
Gehts dan zurück
Vnd macht dir druck
Halt moidt, doch bück. f. 208\
87. Wer trew eyn orden
So wer myn frünt Abt worden, f. 234".
88. Got hatz beschert
das ich begert
Got hats gefoigt
Das mir genoigt. 233b.
89. Ich scheide mit dem lieue
Mit dem hertzen ich vch bleiue. f. 234b.
90. Och wie wehe doit jm syn moit,
Der gerne bliff vnnd scheiden dhoit. a. a. 0.
91. Fründt, gedencket an mich,
Gelich als ich an dich:
Nith mehe begeren ich. a. a. O.
92. Gewyn vnd myn
Verwar und spar. f. 235\
93. Die frawen haben gut spinnen
da die menner gnog winnen. a. a. 0.
94. Wer synen disch wil versorgen
schlaff nyt steitz zum hellen morgen, f. 236*.
95. In Collen wenich widdirfirdt
Das nyt myt wein bedronken wirt f. 254\
95. Der vntrew ist baussen so vill,
Das ich mich binnen halten will. 270°. (eine Schnecke dabei.)
96. Wo Gott zum hauß nit gibt syn gunst
So arbeit iederman vmbsunst,
Wo Got die Stadt nit selbst bewacht
So ist vmb sunst der wechter macht, f. 270b. (psalm 217 nisi dominus).
97. Lehin ich eym fründt, das ist verlorn
Lehn ich im nit, so ists eyn zorn.
So ist mir vil lieber eyn zorn
dan gelt vnd fründt darzu verlorn, f. 277".
98. Kynder, borgt nemans, vor denen ir vre goede
moist abzehen, wan ir sie manet. a. a. 0.
(Vrowins von Weinsberch mines proaui leer.)
99. Bischoffen in Italia,
Grauen in Germania,
Rittern in Hispania
Sunt in magna copia f, 278*.
AUS DEM BUCH WEINSBERG. 89
100. Ir myn kynder vnd enckel, staet all zit nach
eym gülden wagen, kricbt ir den wagen, so
mögt ir eyn gülden spannagel daruon krigen !
(Marie Keppels leer, myneß fatters motter) a. a. 0.
101. Wa war der Edelman
Do Adam groiff vnd Eva span? f. 28 lb.
102. Respondit Maximilianus primus Ro. Cesar:
Ich byn eyn man wie eyn ander man,
wiewol mir Godt der Erhen gan. a. a. O.
103. Ist dir eyn ampt eyn zit lanck gegeben
darvff saltu dich nyt zu hoich erheben, f. 282*.
104. Wan wir all weren megtich rieh
Auch eyner dem andern gelich,
Dan an eynem dische gesessen
Wer sult vfftragen das essen? a. a. O.
105. Den kuckkertz beirboum heischt man mich
vil geuch vnd narren speisen ich.
(Unter einer Federzeichnung einen Baum vorstellend) f. 287".
(Mit Bild.)
105. Schendrius est pluris quam tota scientia juris
Laborat in vanum qui non novit Schenderianum. f. 287".
105. Eyn zillendt arm vnd from geschlecht
Meirt auch dem haus Winsberg syn recht, f. 235 .
106. Wer hat recht vnd darzu macht,
Des recht wirt groiß geacht.
Wer der macht aber nit enhat
Moiß liden, das er wirt geiagt. f. 290b.
(Federzeichnung: ein Hirsch vom Hunde verfolgt.)
107. Fürsten vnd hern, ritter vnd knecht
wie sie es krigen, so ist in -al recht.
Nota: Hett mancher nit mehe dan syn wer mit recht
Der mehe ist her, wer dan wol knecht. f. 291b. (oben.)
108. Bei einer Federzeichnung: ein großer Fisch kleine fressend, steht:
Groisse vngerechte, gewaltdedige, eigennutzige
herrn, amptlude, kaufflude, wochner,
fressen den armen man inß leib. f. 291".
109. Wer zu gericht will gaen
Moiß drei budel voll han
Gelds, Gunnsts, Rechts, f. 291b.
110. Es darff sich keiner freuwen seir
vber eyns andern vuglück iweir,
Der nyt kan wissen ob das \ u
Glichfalls zu bloühen citz brgyn. f. 296*.
90 A. BIRL1NGER
111. Will glück an den man
So ists all weißheit was er kan
Wennß jm aber mißgheit
So ists narheit wa erß besteit. f. 307*.
112. Zenck ich mich mit eym geck
vnd reiff mich an eym dreck,
so krich ich balt eyn fleck, a. a. 0.
113. Man sal heudt spisen arme leudt
vir aula pelles cibare brachia pulsa. f. 312 .
114. Porta patens esto nulli claudaris honesto,
Hangt jn nit, laist jn leben! f. 313a.
115. AI tag moiß man syn noitturft han
Gedenck daran vnd gwyn sie dan
AI tag dhu hast scheir eynen last
Mach dich gefast zu soichen rast. f. 315 .
116. Gehoirte stim wie wint hynt reibt
Geschriben wort durhafftich pleibt. Vorsatzbl.
117. Wilt Godt bidden vnd versoenen
Daß er den Weinsberch laiß groenen. Bl. Aa.
118. Von frembden schriben fremden vil
Das ich von fründen auch thoin wil.
Ist jenen sulchs dan wolgethain:
Wer wil mir diß vor vbel han? a. a. O.
119. Weinsberch dein schilt ist sylber weiß
Das sparkle dem [Altstein] pechswartz gemeiß. Ch.
120. Diß hauß schult ist so weiß als sne
vnd kolswartz ist der spar vnd kle. C .
II Geschichten.
Die historia Aramondi von Weinsberg.
Daß I Capittel.
Wie die ro mische botschafft zu Brunsaw quam vnd eyn jonger
Romer Adel d im leib gewan.
Nach der gebort Jhesu Christi vnssers selichmechers, do man schreiff sieuen-
hondert dreivndneunzich jar hat der bapst Adrianus sinen legaten Vincentium
Procillumm zu Carolo der Francken konink sampt etlichen Dützen fürsten ab-
gefertiget vnd wie er hyn vnd her in Duytzlandt reißde vnd syn geschefften vyß-
richte vnd vff die grenße von Beiern tuschen der Donaw vnd Bohemer
walt bei Fullonium den herren zu Brünßaw quam, wolt er sich etwas myt
syner geselschafft vur groisser hitzden der hondtach resten. Vnd sobalde
Fullonius der Romscher (niederrhein. stark) botschafft zukompft vernam, ginck
er selbst zu jn vnd begerte, daß sei von den perden steigen vnd vber nacht
AUS DEM BUCH WEINSBERG. 91
bei im pleiben wolten. Daß wart von Vincentio Procillo bewilliget vnd zu
groessem danck angenomenn. Fullonius befalch synenn dienern den perdenn
foterung zugebenn; rüstet eyn herlich abentmaill zu vnd machte sich mit der
Komscher botschaft't frolich. Indem warff eyn jonger Romer (der mit Vincentio
war) syn \e\bde vff Adeldim, Fullonii dochter, myt sulcher gebeir daß Adeldis
deß edlen jongen Romers liebde woll spürde. Derwegen warff Adeldis jre
leibde hynwider vff den jongen Romer, wie dan den menschen von uatur jn-
gebildet ist , daß die geliebten die leibhaber gern widder plegen zu lieben,
iedoch dorften sei sich nit zu eynandern foegen gesprech samen zu halten;
dan des Romers sprach was italianiseh vnd Adeldis sprach dütz. Aber daß
füer der groisser leibden gab vrsach daß ein jeder van jn vff wege bedacht
wäre, wie dem anderen syn verborgen leibde entdeckt mögt werden. Deß andern
dags als sich die Romische botschaft rüstet gen Wirtzenberch zu reiten, er-
dacht vnd gebraucht der jonger Romer dissen auslach, do er (f. lb) vff synem
perdt saß, gab er zu verstain vnd gebeir von sich, als ob were im swacheit
von der groisser hitzden ankörnen vnd begunt myt listen vom perdt zu sinken,
alls ob er van vnmacht fallen moste, daß sagen die diener vnd ergriffen in,
hoben in vom perde vnd forten jn zum hauß Fullonii. da begert Vincentius
von Fullonio : er wolte den jongling byß zu syner wederkompt bei jm dulden;
verleiß jm einen diener zu warten der Deutz reden kunt. Das bewilliget Ful-
lonius vnd befalch synem gesynde myt fleiß vff den jongen Romer zu sehen,
daß er widder genesen mogte.
Daß II Capittel.
Wie der jonger Romer vnd Adeldis die wirk jrer leibden volle n-
brachten vnd van eynanderen scheiden.
Als nahe Vincentius mit syner gesellschaft nach Wirtzenberch verreiset
war, droieh es sich eynmal zu, daß der jonger Romer vnd Adeldiß allein bey
eynandren quamen vnd wiewoll keiner dem andern zureden kunt, daß er es
verstain mocht, idoch halßten sei sich vnd myt vill früntlicher gebeir kortz-
weileten sei heimlich samen vnd darnach so duck es die bequemicheit gab, biß
sei entlich alle werk der leibden rollenbrachten vnd eyn dem andern zeychen
syner treuwen zäunte, dar befandt sich kein swacheit mehe am jongen Romer,
darvmb wollt er jn myt nach Rom foerenn vnd wiewoll der Romer Adeldin
vur groisser harte straiff, wilche den Christen begegnet, wan sei sich mit den
vnchristen angelacht vnd vertrawet hetten; dan der Romer war eyn Christ vnd
Adeldis vngleubieh. Derhalb gab er Ädeldi eyn zeychen, als ob er mit Vincentio
wolt verreisenn vnd darnach widder zu jr keren vnd bei jr bleibenn. Vnd als
er jr die hant gegeben vnd sei geküsset vnd also synen abscheidt mit jr ge-
macht (f. 2") hatte, zocli er mit Vincentio von Bronßaw nach Rom myt groissem
swarmoidt synß heizen, aber Adeldis rertroist ßich vS Byn wedcrkompfl vnd
leiß jn nach mangfeltigem süffzen vnd «reinen verreisen.
D il IM Capittel.
Wie Adeldis mit der deinstmagl Cumerellen handiel vnd wie das
kindt vff dem Weinsberg heimlich geboren wan.
Vber etliche tag darnach quam Adeldis in erfarnng, daß sei vom jongen
Romer swanger wäre. Du.' . -i-ln.yil' iidi cyrst eyn weynen vikI clagen; jr hertz
92 A. BIRLINGER
war vol trurens vnd mit groisser sorgen benawt: dan der gebrauch war daselbst,
daß wilche jonckfraw sich betraegen leiß, die wart aller jrer ehren beraubt
vnd jr fatter mocht sei von allen güttern enterben. Daß beherziget Adeldis
vnd mirkt nuhe eirst, daß sei vom jongen Romer verlaissen war, wost auch
niet, weß sei sich troisten solt, sprach duck: o gecke liebde, wie hast du so
manchen menschen bedragen vnd betrübt. Doch war sei gedencken an jre getrew
gespillin Cumerel, jrer motter deinstmacht. In hoffnung die worde alle sachen
heimlich halten vnd jr troist in jren noetten geben, erzallt der alle gelegenheit
vnd begeit rhat van jr. Cumerell die kloick vnd geschickt war, troist sei mit
vill gutten worten vnd gab jr disseu rhaidt: sei sulte sich heimlich halten,
swacheit annemen vnd nemans fill zu sich laissen komen. Wannehe dan die
zeit der gebort anqueim vnd daß kindt geboren worde, wolde sei es heimlich
umbprengen, daß jr fatter noch motter, noch kein mensch erinnert sult werden,
daß sei ehezeitz swanger were gewesen vnd Adeldiß leiß wenicher folks zu ir
komen on Cumerel, die sei seir leib hatt. Vnd als die zeit der gebort heran
quam, gincken sei duck samen in daß feldt ader geweldt spacern vnd vff eynen
morgen frohe, den dritten tag Maij im sibenhondert veirvndneunzichsten jar
(f. 2 ) hin den Bronßaw vff dem wyngarthen oder Weinberch (negst vür
dem dem walde gelegen) spacern ginken, ward Adeldi kindtzwehe vnd gepar
eynen son vnd Cumerell sach umb sich her vnd spurden daß sei allein waren,
dan im anfang Maiß pleicht wenichs folks in den wimbergen zu handien vnd
machte eyn noille mit jren henden in die losse erde vnd wolt daß geborn kyndt
lebentich darin begrabenn. Als daß Adeldis sach, wiewoll sei fast vnmechtich
war, edoch bewechte sei mütterliche leibde, welche nit leucht vnd sprach zu
Cumerellen: halt still, daß kindt ist myn fleisch vnd bloidt vnd solde ich aller
ehren vnd mynes erbtheills beraubet werden, so soll es nit vmbpracht werden
dan es sali lebentich bleiben vnd greiff es damit in jre armen vnd küsset daß
kindt vnd vergaß alles smertzen, wolt es auch von sich nit folgen laissen. Die
deinstmacht Cumerel sach daß gern vnd erfrewt sich der groisser leibde; doch
gab sei Adeldi dissen rhaidt: sei sulte daß kindt heimlich in dem weinberg
legen, zu hauß gain vnd bei wilen verschaffen daß es gespeist vnd gelafft worde.
da tuschen mocht emautz van den heckern daß kyndt wanschaffen finden vnd
vffzehen, also daß sei gutt achtung künth haben, wa daß kyndt hynqueim vnd
wie es ufferzogen worde vnd kündt dem kyndt auch woll alle noitturfft ver-
schaffen vnd zu gelegenen zeiten in jr gewalt bekomen. disser ratschlag gefeill
Adeldi woll vnd folgden deß vnd lachten daß kyndt vff weiugartz blader, lassen
es vff dem weinberch liegen vnd geinken heimlich nach Brunßaw zu hauß.
Daß IUI Capittol.
Wie Hellonissar daß kyndt fandt vnnd Aramondt von Weinßberch
nennet vns Adeldi gab vnd wie es gestalt wart.
Denselben dach nacli dem essen leiß sich Hellonisar Adeldis broder syn
perde satlen vnd reidt mit etlichen synen dienern vff die jacht vnnd von ferns
schawt er daß die foegel vnd raben bouen dem weinberch flogen, kreischende,
gleich ob sei eyn aiß fonden hetten (f. 3\). derhalb reidt Hellonissar zu dem
weinberch zu besichtigen , waß der foegell flegen vnd kreischen zu bedeuten
hett vnd alls die jachhondt deß kyndes gewar wordenn, leiffen sei zurück,
AUS DEM BUCH WEINSBERG. 93
Hellonissar entgegen mit den zwentzen zauelende, springende vnd geberende,
ob sei des kyndes bedawret betten, zue lest sach Hellonissar daß kyndt im
Weinbercb ligen galen vnd schreien vnd mit den beinger zauelenn. Er leiß
es sich durch syuer diener eynen recken vnd sach daß es eyn wolgestalt hübschs
keutlynn war; er nam es in syn armen vnd reidt damit zu Brunsaw vff synes
fatters hauß vnd leiß durch die gansse herschaft verkünden, wem daß kyndt
zugehorich were ader waher es queim. Aber nemantz vermocht vernemen, wem
es zuquam. Adeldis hillt sich auch in sulcher gebeirden, daß man jr nicht
kundt mircken. Derhalb wart daß kindt vur eyn fondelinck von edermann ge-
halten vnd Aramondt von Weinsberch genant, von dem weinbercb dar-
vff er fonden wäre vnd Helonissar gab es Adeldi syner suster mit befelch, daß
sei es nach aller notturft sult vffzehen laissen vnd sagt wiewoll es eyn fonde-
linck were, so were es dannest eyn mensch vnd moist versorget werden; vil-
licht mocht etwas gutz vyß im werden. Also foeget daß glück dem nichtz
wonderlich ist, daß Adeldis iren son in ir eygen bewarsamheit vnd gewalt on
argwon überquam, den hilt sei bei sich vnd leiß in mit fleiß vffzechen vnd als
er vffwoisch ward er zymlicher hoichden, small von leib, bleich mit rotem ge-
mengt vnder dem angesicht; syn har war gell, schlecht vnd lanck biß zu dem
kyn; syn hart war woliich vnd broun, die augenappel bla, die naß zymlicher
spitzden vnd grossden, der mont klein, hat lang bein und armen; syn sprach
war groff vnd hell, syn ganck lansam, syn gebeir ernst, auch frölich vnd goder
zeren.
Daß V Capittel.
Wie Adeldis in der deilung vürab den Weinsberch erlangte vnd
Aramondt vür jr kindt annam vnd an Trudonem bestatte damyt
er kyn der gewan.
Dar tuschen war Fullonius vnd Sigismunda, Adeldis (f. 3,J) fatter vnd
motter gestorben vnd ir broder Helonissar entfing daß lehen von der herscliaft
Brunsaw vnd behillt was zu leben gehorich war vnd damit moist er eyn be-
nogen haben. Aber was Fullonius on daß Leimgut besessen hatte, gereidt vnd
vngereidt, daß war den andern kyndern zutheil verfallen vnd deß war eyn groist
werdt, dan Fullonius halt vi 11 <'ygen erbgüttcr der Weinbergen, ackerlandts vnd
büschen mit siner frawen Sigismunda beheiliget vnd sunst vnder syner her-
scliaft gegolten. Vnder dissen gegolten güttern war der weinbercli begriffen,
darvff Aramondt geborn war, doch vnder der herlichkeit Bronßaw gelegen, der
int fasl hoich war, sonder (lach vür Walde gegen mittach lach, varmaills van
etlichen leutlien in der herschafft Bransaw durch außrüttung des vraltz mit
weinstocken beplanzet vnd zum weinbercb gemacht. Do nulie die erbgena n
Kulionii Barnen quamen die erbschafft zu theilen, begerthe Adeldis vürab des
wreinberche darvff Aramondt gepom war in dem vür ander gütter glicher ach-
tung \ d' anderen platzen gelegen zuzutheilen. Sulicha hatten ire broder vnd
mitgedeling eynen gutten benogen vnd theiltenn jr den weinberch zu vnd
gaben ir daneben was ir zustendich war. Neben dem I « • i l> Adeldis heimlich zu
Rom erfaren wie es mit dem jongen Römer irem allerleib ten gelegen were.
vnd als .sei vernam, daß er gestorben war vnd nit zu der ehe gegriffen hett,
gedacht sei, daß buII er vnd. vner trewen jr zu l< ■■\i leihen vnd ver-
newert in irem herzen die alte leib gegen den Homer vnd Bwoir ir lebtach
94 A. BIKLINGER
keinen mann zu nemen, dan sei wolt Aramondt von dem Romer vnd ir geporn
vür ir kindt halten vnd denselben an ir anerstorben erbtheill brengen; ginek
darnach vür gericht vnd nam Aramondt in kyndes stadt vür iren erben an
daß im von jedermann gegont wart vnd Adeldis verschaffte, daß ir broder
Hellonissar Aramondo seyn eldesthe thochter Trudonem zum weib gab, daß
domaills vff ir heidensche weiß wollgeschein mögt, wiewol doch die sipschaft
beider eheleuthen vnbewost war. Mit disser Trudone gewann Aramondt folgens
acht (f. 4a) kynder, dar vnden seß sone waren gnant Clodoveus, Tillo, Fullonius,
Marcus, Eibrardus vnd Gusollus, zwa Dhochter, genant Filana vnd Risia. Als
nuhe Adeldis jr leben in groisser eynsamheit zu endt pracht hatt, ist sei im
siben vnd funfzichsten jar jrs alters gestorben vnd ist vff den Weinberch (dar-
vff Aramondt geboren war) begrauen worden, wie sei selbst begert hat.
A. BIRLINGER.
GRAMMATISCHE VERSUCHE EINES KÖLNERS
AUS DEM XVI. JAHRHUNDERT.
Aus dem Buch Weinsberg.
Vom Namen Weinsberg. Vnd der zunam ist nit mehe dan
eyn bedeutlich wort; dar bei der Stam vnd daß hauß bezeichnet er-
kant vnd ernant wirt vnd ist eyn compositum nomen, daß ist eyn wort
van zweyen substantivis samen gefoigt, wuchs bey der reiner latinscher
Sprach verbotten aber bey den Dützen zugelaissen ist vnd begrifft
zwa sillaben, der jeder syn besonder bedeudung hat vnd daß ganß
worth hat acht boichstaben, der etliche dubbel etliche eynletzich synt.
die weill aber an den boichstaben vill gelegen ist, so will ich folgens
von jederm jn Sonderheit meldong dhoin; dan wan vff die boichstaben
kein achtung gehat worde mocht man nemen, der zunam het synen
vrsprunck vam wint, winde, findt, borch, burch vnd derglichen, so er
doch allein van eym berch deß weins herkompt, den man drinkt vnd
an den reben — vff dem berch gestanden — gewassen ist, dan vff
sulchem berch ist Aramondt geborn.
Bl. 354", wo dieses Thema kürzer conceptweise als Entwurf wohl
steht, heißt die Überschrift: Weinsberch. Der zunam, stamnam, agna-
tionnam, haußnam, geschlechtnam wirt ordentlich rhein vnd woll mit
acht principalen littern geschreiben und geredt als mit W. EI. N. S.
B. F. R. CH. darvnden syn drei dubbel vnd fünff eynletzich.
W. Der ersthe boichstab ist eyn dubbel w, bei den Dützen gar
gebrüchlich, damit der zunam anhebt, er werde zu latin ader ze Dützen
GRAMMATISCHE VERSUCHE EINES KÖLNERS. 95
geschreben vnd dieweill er vür ansteidt, sol er alzeit groisser ge-
schreben werden, den die ander vnd in syn stadt soll kein eynletzich
v ader f ader gv gesatzt werden, darauß eyn frembde bedüdung deß
worts erwassen mocht.
Bl. 354* der eirste. W disses dubbeln littern brauchen die Deutz-
chen bei denen er seir gemein ist; vnd sol nit verändert werden, dan
der name hat synen vrspruugk in Beiern deutscher nation
vnd man jn schoin latini orthographi gebrauchen moissen vnd willen,
so sullen sie gu- in die stadt nit setzen wie sie vfi" vil orthen dhoin
alß Giternerus pro Wernerus, G*<ensbergius pro Weinsbergius.
Bl. 354a: Petrus Hompheus dicit, quod EI diphtongus apud anti-
quos in frequentissimo usu fuit, nunc autem pene exolevit. Ist aber bei
etlichen Deutzschen wörthern propter pronunciationem hoch nodich alß
bei Weinsberch vom wein a vino genant; dan Winsperch vom winde
a vento aut ab alia quadam significatione, daß nit syn sol.
EL Der zweite boichstab ist eyn diphthongus ei, daß ist zwein
vür einen gesatzt, die beid jr krafft behalten, dan im hochdützen
sacht man wem, nit wm; derhalb ist e ader i ader y allein gesatzt
verbotten vmb frembder bedüdung willen.
Der zweite: ei; disser ist auch dubbellet diphtongus steht bei
den deutschen seir wol in prima syllaba vnd ist auch zu theil nodich
propter etyinologiam et sigtiificationem , wicwol der gmein man deß i
oder y instatt disser braucht.
N. Der dritte boichstab ist n vnd kau nit außbleiben ader auch
verändert werden, dan er leidet keinen andern jn syner Stadt.
Bl. 354: N. disser ist eynletzich, gepurt sich also vnverend< ii
zupliben.
S. Der veirde boichstab ist s vnd bedüdet genitivum singujaris
nunieri; dan derselb casus will nit vißpleiben, da zwei Substantiv a bei
eynandern staint, wie man redt: der man, deß man/3; der wein, deß
weio/J vnd wicwol im gmeinen reden wein Ix-rrli sonder s geschreben
vnd gcbr.-iuchl wirt, daß soll hei nit irren, dieweil disser zunam bei
den liuiissLiriiossen alzeit mit dem s gebraucht ist worden vnd zu end
dißer sillabcn ist daß d ader / ader dt ader tz ader /; verbotten vnd
waß derglichen ist.
Bl. 3f>-l": der veirthe, ß. disser ist auch eynletzich, wirt bey den
deutschen vmb des genitivi casus willen darzugesefed . ist anfencfcdich
vißpliben vnd wirt hiemit die eirst syllaba que ei dictio est) beschlossen.
B. Der vünffte boichstab ist b damit die zweite Billaba anfangt
vnd ist disser boichstab von altera bei den Beierschen ge-
96 A. BIRLINGER
brüchlich gewest vnd wiewol die pronunciation vff vil orthen vn-
glich ist vnd daß p mit mehr scharffheit gebraucht wirt, so ist es doch
hie verbotten.
Bl. 354\ Der fünfFte B. d isser boichstab ist eynletzigh der zweite
in alphäbeth vnd fengt mit dissem die ander syllaba an que etiam
dictio est vnd vil hohe deutsche setzen ein p in disser statt.
F. Der sexsthe boichstab ist e und soll kein i ader o ader v ader
y in syn stadt gesatzt werden, dan es heischt rein borch van steinen
vnd holtz zur wonung gezymmert, dan eyn berch, dar weinstock vff-
staint vnd wein vffwescht.
Bl. 354a: Der sesthe. disser ist einletzig, sol nit verendert werden
wiewol etliche daß y oder i in die stat setzen.
R. Der sibende boichstab ist r, kan nit verändert werdenn, dan
er leidet keinen andern syner stadt, moiß auch nit aushüben.
Bl. 354a: Der Seuende. R. disser moiß notwendich da syn, ist
auch eynletzich.
Ch. Der achte vnd lesthe boichstab ist ch vnd laudt so vil als g,
dan das h ist kein boichstab, aber alleyn ein zeichen deß zublasens;
doch ist das g im end diß wortz im latin vnd Dutzen zugelaissen,
aber gh, ck ader gk ader c allein ist verbotten vnd hiemit endet daß
wort des zunamens.
Bl. 354a: der achte, disser scheinet mit der aspiration H dubbel,
wilche doch kein boichstab ist vnd mag daß g in diß stat gesetzt werden,
ist zugelaissen; etliche aber setzen ck oder gh, ist nit zugelaissen.
Bl. 354b: Daß gu- moiß gar nit voran stain, noch kein ander
litera dan W; der nam werde zu latin oder deutsch geschriben, die-
weil man oft und duck namen und zunamen mit 2 littern bezeignet
aß H : W kan bedüden Herman Winsberg, sult aber stain G in stat W
alß H : G. wie kunt man darauß Hermann Weinsberg verstaia. Eß sol
eyn dubbel W geschriben vnd pronunciert werden, licht nit daran wie
es die Itali oder Galli oder Latini curiosi außsprechen. wir halten unssen
stylum.
Bl. 354a: vide in elencho scriptorum sub dictione (r?«arinus; ibi
solent Itali et Galli Vu, w germanica pro digamraa gg duplex ponere
v simplex ut Ghilhelmo pro Vuilhelmo.
Bl. 354b folgt die ganze große Anzahl der Schreibarten von Weins-
berg: Beinsberg, Geinsberg, Wainsberg, Weinsberg etc.
Vnad mit obbestimpten ach boichstaben schreibt man den zu-
namen recht vnd rhein vnnd wiewoll er vürmaills vnd auch noch zur
zeit ader in der eill ader vyß vnwissenheit vngeschicklich geschreben
SPRÜCHE IM KÖLNER DIALECT. 97
viid geredt ist wordenn; edoeh sol nemans daß vtir cvn exempel an-
zehen, sonder sieh mit groissem fleiß vben den zunanien obbemelten
regelen gemeiß rhein zu schreiben vnd zu redenn, wie auch der wortlin
zu ader von vur den zunamen gebraucht mogenn werden, ist lichtlich
anzuzeigen, dan man schreibt vnd redt: hausfater, sorghaber, hauß-
gnoß, herburger, vnderthain, diener u. s. w. zu Weinßberch. Ist aber
eyner da her komen ader entsprossen, den nennet man Paulus von
Weinßberch ader sonder daß wortlin van als Paulus Weinßbercher
ader durch daß g. Weinßberger, vnd also gebrauchen etliche canzeleien
bei den hochdeutzen. Aber Paulus Weinßberch, sonder die wortlin zu
ailcr van gebraucht man seiden, eyner werde dan sonder dauffriamen
Weinsberch allein mit dem zunanien gnant. Wannehe auch eyn adjee-
tivum drauß gemacht wirt, gebraucht man es durch k oder (j als: cvn
Weinsberehisch man. eyn weinbergische fraw vnd so fortan. Glichfalß
redt man im latin: paterfamilias in Weinsberch: Aramondus de Weins-
berch. Simon a Weinsberch, Christianus Weinsberchius ader per g:
Weinsbergius. Also stellt man auch den Adjectiven Weinsberchianus
m per g aut ch ad libitum vnd es ist verbotten den zunanien vff
latin zu transfererenn ader zu verändern als Vinimons, Vmimontanus
etc. ader vff greckisch alls: ohcoo ader senorius ob es schoin bei
den gelerthen weir ader in frerabder uation. Dan der zunam bedüdet
nit mehe dan die person, daz zu er gehört, damit zu zeigenen oder
zu nennen, wie dan vil zunanien sint, die in sich gar kein bedüdung
haben vnd doch die person da yn erkant wirt; da man nit weiß ob
er dütz latin, welsch ader derglichen sprach sei. Doch mach disser
zunam weinsberch von den poeten ader witzhalben woll verändert
werden. A. BIRLINGER.
SPRÜCHE IM KÖLNER DIALKCT.
it, der wail vindt,
1 1 . w.iil leeffi , der wail endt.
Der loen Bai duren ewelich,
Der arbeit naüwe ein ougenblick.
en doel i chilt,
Dai um1! leefft ala du sterven will ,
Wal ia i.lit klein an itedich I ven ;
. uck il it recht lis w uil beven.
GERMANIA. Neu« Beil« \ll. (XIX. Jal.rg >
98 A. BIRLINGER, SPRÜCHE TN KÖLNER DIALECT.
So wer in disser tzyt erkiest,
Da he sinen got mit verliest,
Alst komen sal an ein scheiden ,
So moiß he derven alle beiden.
Ach wie lustich dat wesen mach,
Da dusent jair is einen dach,
By dattet is tzo syn aldair,
Da einen dach is dusent jair.
Die werlt, der vyant und dat vleisch,
Als disse dry haven iren heisch,
So blyfft die edel seel verloren,
Die got so vrüntlich hat verkoren.
Die werelt vlye, dem vyant entspringe,
Dyn vleisch mit bescheidenheit bedwinge,
Setze dich in die nederste statt,
So machstu klimmen den hoechsten pat,
Vertzye dich selven in allen dingen.
Hangt an got mit rechter mynnen,
Keert dyn meynunge zo got dem heren ,
So sal dich got die wairheit leren.
Ach minsch, sxaet up dyn hoede bloiß,
Want die valsche werelt is so loiß ,
Yr genoecht is vol unreinicheit,
Yr rait is hoverdy und gyricheit,
Yr dienst is sueß, yr loen is krauck,
Yr bloem is schoen, yr vrucht is stanck,
Yr Sicherheit is verradeniß ,
Yr medecyn is vergiffeniß.
Want vur vreude gifft sy rouwe,
Schand vur eer, valscheit vur trouwe,
Vur rycheit gifft sy groeß armoet,
Vur ewich leven den ewigen doet,
Want kurtze vreude und langes leit
Dat is der werelt lieffden kleit.
Hedden wyr alle einen gelouven ,
Got und gemeinen nutz vor ougen ,
Ein eile, maiß und gewycht,
Goede fryd und rechte gericht,
Ein müntz und goet gelt,
So stundt ist wail in der weit.*)
A. BIRLINGER.
*) Aus: Ein schatzboechlin der Gotlicher lieffden — Gedruckt zo Collen durch
Eucharium Hirtzhorn, wonende in dem Swan by sant Pauwels Kirche (fol. q. 5— q. 8).
W. CRECELIUS, ALSO BAI;. 99
ALSO BAU
J. Grimm führt im Wb. I. Sp. L056 unter dem Worte baar diese
Stelle aus Fischarts Gargantua (S. 403 nach der Ausgabe von 1590)
an: ndise haben gebeieht vnd gereuwet, v und Ablaß bekommen, darumb
werden sie also Par inns Paradiß fahren, wie ein Sans inn Sack, vnd
ein Sau inns Mäußloch." Es soll hier also par in dem Sinne von so
(durch beichte und r< we) ;/< r< imVjrt stehen. Die Vergleicliung der folgenden
Beispiele aber muß lehren, daß also bar nichts anderes bedeuten kann.
als 1, also fort, jetzt gleich und 2, in diesem Augenblicke, so eben.
Fischart Flöhhaz 3372 (Kurz II. S. 89):
Aber mit gfar werd jrs gewar,
Wan sie euch haschen also par,
Vnd werfen euch, bös inißgewächs,
Inn glut zuprennen wie ein hechs.
Fischart Jesuiterhütlein 285 (Kurz II, S. 249):
Hierauff als es nun fertig war,
Befahl der Satan also par,
Daß es des Behemots Gesind
Solt führen durch die Welt geschwind.
In großer Menge finden sich die Belege für das Wort im ersten
Buch des Amadis (ich citiere die Seitenzahlen der neuen Ausgabe
\..i, A. v. Keller Stuttgart 1857):
Als ich verschiener zeil wider den Elisen Albadan — zuschlagen
anderstunde vnd also bahr auff der reyß ward etc. S. 45.
Weh dir, daß du diese Jungfraw jemals gesehen. Dann du mußt
bahr dein Haupt darumb "dahinden lassen. S. 76.
Daneben werdet jhr jhm weitters anzeigen, daß mein Herr vml
Vatter mich höhn lassen. \ ml ich also par wegfertig sey, in
Britannien zuziehen.
Demnach soll der streil ynder euch vnd mir allein Beyn. Vnd
auch also bar, wo jr wölt. S. 98.
Ich bitl E. L. gantz freundlich, Herr, last jn also bahr beruffeü
\nd bitten, daß er vns seyn nami 3 108.
So Int ich euch nun flei /t Galaor, jr wolt mich
zum Ritter machen. S. I 1 8.
Vml daneben ersah Schiff von diesem Vngewitter der
[eben, daß kein hilff sh heyl von en zuhoffen, vnd
das noch böser, war die nacht bc! also par vorhanden. S. 11
100 w- CBECELIUS, ALSO BAR.
Du thust recht, daß du mich vermeinest mit deiuen Worten zu-
erschrecken, aber die Teuffei werden dich also par viel ängstiger
machen, denn ich jhnen dein Geist auffopffem wil. S. 207.
Dann du mußt da deine vbrige Wehr auch lassen, oder also par
sterben. S. 236.
Vnd wo ich es jetzunder also bahr thun wolt, ließ mau mich
nicht hinein? sagt Amadis. S. 283.
Vnd so schwere ich euch, Antwort der Kitter, daß jhr es durch
mich nicht innen werden solt, so lang ich das leben hab, vnd wölte
lieber also bar sterben, denn daß ich euch solches anzeiget. S. 407.
Da sagt die Jungfrauw: König, Mein gnedigst Frewlin Briolania,
welche jr vnehrlich enterbet, schicket euch diesen Brieff, welchen jr in
beyseyn diser Herren also bar lesen lassen sollen, vnnd folgendts zu
meiner abfertigung mir widerumb antwort zu stellen. S. 414.
Ir redet so lieblich, sagt sie, daß ich also bar versuchen will, ob
jr ein so Manlicher gesell seyt, daß jr mich von diesem ort hinweg
füren dörfft. S. 426.
Für die zweite Bedeutung so eben finden sich folgende zwei Stellen
im Amadis:
E. May. Bruder, der König Perion ist also bahr ankommen. S. 51.
Ewer starckmütigkeit nach, so ich euch also bar volstrecken vnd
klärlich erzeigen gesehen etc. S. 118.
Über ein früheres Vorkommen dieses Gebrauches von also bar
habe ich mir keine Beispiele aufgezeichnet. Es werden sich aber ge-
wiß auch bei Schriftstellern aus der ersten Hälfte des 16. Jahrh. deren
finden, vielleicht fällt die Entstehung der Bedeutung sogar noch in
die Zeit des Mittelhochdeutschen. In dem Leben der h. Elisabeth
(herausgegeben von Rieger) stellt der Schenk Walther den Landgrafen
zur Rede, über dessen harte Behandlung der verwitweten Elisabeth;
er sagt dabei V. 6124 ff.:
Ouch sint uns uffenbere
Von drubeclicher witze
Forme vnd ouch antlitze
Vor schäme wurden missevar,
Daz man so beltliche unde so bar
Zu disen selben stunden
Hat an uch, herre, funden
Solich unverwizzenheit,
Daz ir uch der unmildekeit
Nach eren woldet uit bewarn.
LITTERATUR: ÜBER NORDISCHE PHILOLOGIE UND GESCHICHTE, im
Rieger erklärt die betreffenden Worte mit ..so frech und unver-
liüllf. "\" itlKit'lit bedeuten sie aber „so gar bald und sogleich nach
eurem Regierungsantritt".
Es wird zunächst darauf ankommen, den berührten Gebrauch von
also bar, so weil es möglich ist. zu verfolgen, und ich möchte jeden,
drin Beispiele davon zu Gebote stehen, darum ersuchen, dieselben
hier mitzutheilen.
ELBEKrr.il». W. CRECELIUS.
LITThTvATUR.
Zur neueren Litteratur über nordische Philologie und Geschichte.
Ohne irgend welches genauere Eingehen auf Einzelnheiten zu beabsich-
tigen, oder irgend welchen Anspruch auf Vollständigkeit erheben zu wollen,
möchte ich auf einige neuere Erscheinungen aufmerksam machen, welche auf
dem Gebiete der nordischen Philologie und Geschichte eine bedeutsame Stelle
einnehmen, in der Hoffnung, daß eine kurze Charakteristik manchem Leser
dieser Zeitschrift nicht unerwünscht sein werde.
An erster Stelle nenne ich das „Jcelandic-English Dictionary" Richard
Cleasby's, welches Gudbrandr Vigfusson in völlig neuer Bearbeitung
herausgegeben hat. Das erste Heft dieses großartigen Werkes ist im Jahre
1869, das zweite im Jahre 1871 erschienen; das dritte und letzte aber trägt
die laufende Jahrzahl, wurde indessen bereits in den letzten Tagen des Jahres
1873 ausgegeben. Dieses letzte Heft enthält neben dem Schlüsse des Wörter-
buches unter Andern auch eine Lebensbeschreibung Cleasby's, sowie einige
Specimina Beiner eigenen Arbeit, wie er sie bei seinem Tode hinterließ, und
u diese klar erkennen, welche kolossale Arbeit sein Nachfolger aufzuwenden
. um diese in diej zu bringen, in welcher dieselbe nunmehr
vorliegt. Ich habe mich früher schon über den Zustand der altnordischen Lexico-
graphie vor dem Erscheinen dieses Werkes im Ai ir Kunde der deut-
schen Vorzeit, 1863, nr. 12, dum Germania, XII, S. 236 40 . dann
die Anlage dieses Werl n Heftes in dn Bi
zur Augsburger Allgemeinen Zeitung, 1-7". nr. ,-> and 7 näher ausgesprochen 5
hier möchte ich aber darauf aufmerksam machen, daß Jon Porkelsson dessen
erstes lieft im 23. Jal fyödölfr, S. 1 5, 19 — 20 und
dum dosen zweites Heft im 1 'J. Jabrgan Nbrdanfari, 3 103 1, einer
eingebenden Besprechung unterzogen hat. [ch bemerke l"i dieser Gelegenheit,
daß rundliche Kenner der en Litteratur 1 Sprache auch
r manche Behr werthvolle lexicale sowohl als quellengeschichtliche
Artikel in isländischen Zeitungen niedergelegl hat, die wohl verdienten gesammelt
»eben zu werden; ich erwähne nur b die Aufsätze „aldux
vfsnanna i Grel og fäeinar leidrjettingar vid bana", dann „vi »ur 1 Mork-
102 LITTERATUK: ÜBER NORDISCHE PHILOLOGIE UND GESCHICHTE.
inskinnu" (Norctanfari , 7. Jahrg., S. 45 — 46, und 9. Jahrg., S. 19); ferner
„midstig atviksorda i Islenzku", „um baejanöfn ä Islandi" (ebenda, 8. Jahrg.,
S. 17 — 18, dann S. 85 — 86 und 89 — 90), „um stödu atviksorda i mälsgrein-
um i Islenzku", und „um nokkurar rangar ordmyndir eda ordskipanir i Is-
lenzku" (ebenda, 9. Jahrg., S. 55-56, und 59—60, dann S. 82 — 83, 86 bis
87, und 89 — 90).
Ivar Aasen's „Norsk Ordbog", welches ich in Bd. XVII der Germania.
S. 235 — 38 angezeigt habe, ist inzwischen im vorigen Jahre fertig geworden,
und Asbjörnsen hat am Schlüsse desselben Jahres die fünfte Ausgabe der
von ihm und J. Moe gesammelten „Norske Folke-Eventyr" ausgehen lassen;
die Zahl der mitgetheilten Stücke (60) hat sich dabei nicht vermehrt, wogegen
die Ausstattung des Büchleins, zumal auch durch einen von Markus Grönvold
vortrefflich entworfenen und durch die Gebrüder Obpacher hier in München in
Farbendruck geschickt ausgeführten Umschlag gegen früher noch gewonnen hat.
Sehr werthvolle Arbeiten über die Quellen zur norwegischen Königs-
geschichte sind neuerdings theils herausgegeben, theils wenigstens herauszugeben
begonnen worden. Zunächst hat G. Storni einen sehr beachtenswerthen Auf-
satz: „Norske Historieskrivere paa Kong Sverres Tid" in den Aarböger for
nordisk Oldkyndighed og Historie, Jahrg. 1871, S. 410 — 31 erscheinen lassen,
sodann aber eine selbständige Schrift: „Snorre Sturlassöns Historieskrivning",
Kopenh. 1873 herausgegeben. Weiterhin hat Professor Sophus Bugge in
denselben Aarböger, Jahrg. 1873, S. 1 — 49 ,,Bemaerkninger om den i Skot-
land fundne latinske Norges Krönike" mitgetheilt, in welchen er zu nicht
unwesentlichen anderen Ergebnissen über das Breve chronicon Norwegise gelangt
als Storm. Endlich ist soeben das erste Heft einer „Undersögelse af Konge-
sagaens Fremvaext" von A. Gjessing erschienen, welche, von der „Videnskabs-
Selskab" zu Christiania herausgegeben, die in ihrem Titel bezeichnete Frage
mit aller Gründlichkeit zu erörtern verspricht. Storms Schriften kehren sich
hauptsächlich gegen die von mir seiner Zeit aufgestellte Behauptung, daß die
Konüngasögur wesentlich ein Product der isländischen, nicht der norwegischen
Litteratur seien, und daß die Heimskrfngla, so wie sie uns vorliegt, nicht aus
Snorri's Feder geflossen sei ; bei großer Selbständigkeit im Einzelnen sucht der
Verfasser doch im Großen und Ganzen nur den bekannten, von P. A. Munch
und R. Keyser vertretenen Standpunkt neuerdings zu verfechten. Bugge sucht,
mittelst einer ebenso gründliehen als selbständigen Untersuchung darzuthun,
daß das Agrip af Noregs Koniinga sögum nicht, wie Sform annimmt, das Breve
chronicon benutzt habe, sondern daß die zwischen beiden Werken bestehen de
Verwandtschaft aus der Benützung einer beiden gemeinsamen älteren Quelle
erklärt werden müsse, wie dieß schon von Munch und mir ausgesprochen wor-
den war; er beweist ferner, daß diese gemeinsame Quelle in nordischer Sprache
geschrieben war. Wiederum thut er dar, daß das Breve chronicon sowohl als
die Yngh'nga saga neben rjöctölfs Ynglfngatal noch eine andere prosaische
Quelle benützt hat, welche aller Wahrscheinlichkeit nach, mittelbar wenigstens, ein
Werk Ari frödi's war, daß dasselbe ferner, ebenso wie Agrip, Odds Lebens-
beschreibung des Olafs Tryggvason und überdieß auch noch den Adam von
Bremen und einige englische Quellen benützt habe, wogegen er die. Benützung
Theodorichs, der Fagrskinna, der Sagen vom heil. Olaf, wie sie uns vorliegen,
sowie des Königsspiegels leugnet, was den letzteren betrifft, doch wohl mit
Mi DERATURt I BEK NORDISCHE PHILOLOGIE UND GESCHICHTE. 103
Unrecht. Wenn aber der Verf. die Abfassung der Schrifl in die Jahre 1190
bis 1260, oder noch genauer ungefähr in das Jahr 1230 setzen will, so will
mir dieß oicht recht einleuchten, [ch gebe zwar gerne zu, daß dieselbe nicht
erst im 15. Jahrh. entstanden sein kann; aber ihre Angaben über die Bezirks-
verfassung Norwegens scheinen mir auf' die /fit nach der Entstehung des
gemeinen Landrechtes 1274 hinzudeuten, während Bich die für eine frühere
Entstehung angeführten Gründe wohl dürften widerlegen lassen. Gjessing end-
lich sucht, sii viel sich aus dein bisher veröffentlichten Theile seiner Unter-
Buchungen erkennen lässt, die erste Grundlage der Konünga BÖgur in einem
Werke Ali frö&Ts. Hie von mir im XV. Bde. der Germania, S. 300 - 321 ent-
wickelte Ansicht über die litterarische Wirksamkeit dieses Mannes findet bei
ihm theils Billigung, theils eine sehr ansprechende Erweiterung. Wie ich, nimmt
auch G an. daß die verlorene erste Recension der [slendingabök die
ungleich ausgedehntere gewesen sei, und dal: deren uns erhaltene zweite Recen-
sion im Wesentlichen durch eine Ausscheidung der aett irtala und der K.oniin<.ra3efi
entstanden sei. Wie ich, nimmt er ferner an, daß An' neben der zweiten Recen-
sion Beiner [slendingabök durch die in dieser gestrichene aettartala den Grund
zur Landnäma, und durch die gleichfalls gestrichenen Konungaaefi den Grund
zu den Konüngasögur gelegt habe; aber er ergänzt diese Annahme durch die
weitere Vermuthung, daß Arä selbst auch diese letzteren beiden Bestandteile
nochmals selbständig überarbeitet, und somit selbst noch eine Landnäma und
einen Abriß der norwegischen Königsgeschichte verfasst haben möge, und er
sucht sodann im Einzelnen nachzuweisen, welche Theile der späteren Konünga-
sögur diesem seinem Werke entnommen sein mögen. Ich sehe der Fortsetzung
seiner Untersuchung mit Spannung entgegen, und wird diese zugleich den er-
wünschten Anhaltspunkt bieten zu einer eingehenden Prüfung der. wie mir
scheint, etwas einseitigen Aufstellungen Storms.
Der Jahrgang 1873 der Aarböger bringt ferner eine Abhandlung des
bekannten isländischen Rechtshistorikers VilhjaJmr Einsen: „Gm de [slandske
Love i Fristatstiden , S. Htl 250. Dieselbe ist, wie sie selber ausspricht,
aus Anlaß des Artikels „Grag&s" geschrieben, welchen ich für den 7 7. Band
der Allgemeinen Encyklopädie d i W - enschaften und Künste geliefert hatte
(1864 , und zu welchem ich im XV. Bd. der Germania, S. 1 — 17, noch einen
Nachtrag gab. Im Übrigen mit mir wesentlich einverstanden, geht der Verf.
doch in zwei Punkten von mir ab, soferne er nämlich erstens sowohl die uns
erhaltenen isländischen Rechtsbücher als auch die ihnen guten Theils zu Grunde
liegende], der isländischen lögsögumenn lediglich auf da
liehe Recht beschränkt wissen will, und jede Existenz von Gewohnheitsrecht
sowie irgend welcher Jurisprudenz leugnet, während er zweitens die Entsteh ut
zeit unserer Rechtsbücher ungleich weiter in >\<-y Zeit hinaufrücken zu Bollen
glaubt, als ich dieß gethan hatte. In der ersteren Beziehung muß ich zur
Richtigstellung der Frage bemerken, daß ich von Gewohnheitsrecht und .luris-
prudenz redend weder, v, • Verf. thut, den Gerichtsgebrauch von «hin ersteren
. noch auch unter der letzteren lediglich Btreng theoretische Pro-
dnete verstanden wissen wollte, wie ich denn ausdrücklich da- Sammeln und
Glossieren von Legaltezl n . die Construction von Rechtsformeln u. dgl. unter
die juristische Thätigki I niert habe; außerdem glaube ich auch darauf
aufmerksam machet) zu dürfen, B :hränkung der Dingzeit auf
104 LITTERATUR: ÜBER NORDISCHE PHILOLOGIE UND GESCHICHTE.
14 Tage im Jahre zu der Annahme passt, daß die ganze Masse unserer Rechts-
bürh'T aus Beschlüssen der lögretta hervorgegangen sei, deren Thätigkeit doch
nur den kleinsten Theil der vorwiegend gerichtlicher Thätigkeit gewidmeten
Dingzeit für sieh in Anspruch nehmen durfte. In der zweiten Beziehung aber
liisst sich aus den vom Verf. hervorgehobenen Momenten meines Erachtens nur
auf das Älter eines Theiles, und allenfalls eines großen Theiles der einzelnen
in unsere Rechtsbücher aufgenommenen Stücke, aber nicht auf das Alter dieser
Rechtsbüchcr selbst ein Schluß ziehen; die Folgerungen aber, welche ich im
Bd. XV der Gennania aus bestimmten einzelnen Angaben auf deren Abfassung
nach 1258, resp. 1262, zog, hat der sehr geehrte Verf. meines Erachtens
unwiderlegt gelassen. Ich bemerke übrigens, daß Jon rorkelsson in einem
Artikel „um Gragasina", welchen die Zeitschrift Vikverji , Jahrg. 1873, S. 98
bis 09 und 102 — 3 bringt, sich im Wesentlichen den Ansichten Finsens an-
schließt.
Zu Jon Arnason's „Islenzkar rjodsögur ogsefintyri" (vgl. Bd. VII, S. 247
bis 251, und Bd. IX, S. 231 — 45 der Germania) hat die Verlagshandlung nach-
traglich noch ein deutsches Sach- und Namenregister nachgeliefert, welches die
Ausnützung dieser überaus reichen Sammlung islandischer Sagen und Märchen
gar sehr erleichtern, und damit diese für die mythologische und litterargeschicht-
liche Forschung erst recht zugänglich machen wird. Einen anderen Beitrag zur
Kunde des voiksthümlichen Wesens auf Island bietet das soeben von Th eodor
Möbius mit bekannter Sorgfalt zum ersten Male herausgegebene ., Malshätta
kvsecti", über welches sich bereits Jon rorkelsson im Vikverji, S. 141 bis
142 sehr anerkennend ausgesprochen hat.
Die seit dem Jahre 1871 von der norwegischen historischen Gesellschaft
herausgegebene „Historisk Tidsskrift" bringt wie in ihren beiden ersten Bänden,
so auch in dem eben erschienenen ersten Hefte des dritten Bandes manches
für den Philologen Interessante; für dießmal ist ein Aufsatz E. Jessen's:
„Notitser om Dialecter i Herjedal og Jemteland", S. 1—57, dann ein solcher
von G. Storm: „Om Ynglingatal og de norske Ynglingekonger i Danmark",
S. 58 — 79 zu nennen, zumal aber nicht unerwähnt zu lassen, daß dem neuesten
Hefte der Zeitschrift der Anfang einer neuen, durch A. E. Eriksen besorgten
Ausgabe der Dichtungen des Peter Dass folgt. Die Gedichte des im Jahre 1708
verstorbenen Pfarrers Peter Dass und zumal dessen „Nordlands Trompet" bil-
den, in zahlreiclien Auflagen verbreitet, bis auf den heutigen Tag herab eine
Liebüngslecture der nordländischen Bauern und Fischer in Norwegen, und sind
als Dichtungen sowohl wie in eulturhistorischer Beziehung vom höchsten Werthe;
eine vollständige und zugleich kritische Ausgabe derselben muß somit im höchsten
Grade erwünscht kommen.
Ein hohes Interesse hat ferner auch für den Philologen zu beanspruchen
eine auf öffentliche Veranstaltung erscheinende und von G. Storm besorgte
Ausgabe der Abhandlungen P. A. Munch's. Von diesen „Samlöde Afliand-
lingcr", welche auf vier Bände veranschlagt sind, ist bereits der erste Band,
sowie Heft 1 — 3 des zweiten erschienen. Wer die Zahl, Bedeutung und Zer-
streutheit der kleineren Aufsätze Munch's einigermaßen kennt, wird sich freuen,
dieselben endlich in einer handlichen Gestalt zur Verfügung zu bekommen; ich
wenigstens muß gestehen, daß mir trotz langjährigen Sammclns nordischer
Litteratur und vielfach dabei genossener freundlicher Unterstützung manche
dieser Aufsätze, jetzt zum ersten Male zugänglich geworden sind.
LITTERATUR: K SCHBÖDEB Rl LNKE DE VOS. 105
Zum Schlüsse mag es noch gestatte! sein, auf zwei Schriften aufmerksam
zu machen, welche allerdings nur in weiterem Abstände hieher gehören, näm-
lich auf Hans Olof Hildebrand Hildebrand's „Statens historiska Museum
ocli Kongl. Myntkabinettel i Stockholm", und dessen: „De förhistoriska Polken
i Europa", von welchem letzteren Werke freilich vorläufig nur das erste Heft
vorliegt. Heide Veröffentlichungen gehören dem vorigen Jahre an; beide sind
weniger auf Männer vom Fach berechnet, als auf das wissenschaftlich gebil
Publikum im Allgemeinen; beide werden aber bei ihrer klaren und kurzen
Darstellung und der reichlichen Beigabe gut gewählter und ausgeführter Illu-
strationen gewiß gar Manchem als ein willkommener Behelf zur Orientierung auf
einem Gebiete dienen, welches dem Historiker und Philologen nahe genug liegt,
um von ihm nicht ignoriert werden zu dürfen, und doch auch wieder ferne
genug, um ihm gründliches und selbständiges Einarbeiten unmöglich zu machen.
K. MAURER.
Reinke de Vos. Herausgegeben von Karl Sehroder. Leipzig. • F. A. Brock-
haus. 1872. Mit Einleitung, Anmerkungen und Wortregister, kl. 8. XXVIII
und 332 Seiten.
Die vorliegende Ausgabe des H. V. bildet den zweiten Band der zweiten
Folge in der Sammlung deutscher Dichtungen des Mittelalters, herausgeg. zuerst
von Franz Pfeiffer, jetzt von Karl Bartsch. Bekanntlich verfolgt diese Samm-
lung ausgesprochenermaßen den Zweck, die hervorragenden Dichtungen des
Mittelalters auch dem großen Publikum zugänglich zu machen. Je wünschens-
werther nun aber die Erreichung dieses Zweckes erscheinen muß, um so ent-
schiedener ist es geboten, gegen eine so unpraktische, unwissenschaftliche und
flüchtige Ausgabe wie die vorliegende bei Zeiten aufzutreten und diese Art
des Arbeitens in gehöriger Weise zu beleuchten.
In der Einleitung gibt der Herausgeber nach einigen Mittheilungen über
die Geschichte des Thien-pos u. s. w. einen Überblick über die Reimverhältnisse
im R. V- und ■ damit auf das Gebiet der tonlangen Vocale und des l'm-
lauts. Hiermit eh zwei Hauptmängel berührt, an denen die vorliegende
A jgabe leidet. Hr Sehr hat nämlich im R V. (wie ähnlich in Beinen schon
früher erschienenen Ausgaben mnd. Denkmäler versucht, Nergers principiell ja
ganz richtige Theorie von dem Unterschied« tonlanger und grammatisch langer
ile in der Praxis durchzuführen Iramm. d. mecklenburg. Dia-
lectes. Leipzig 1869 und 1'. G rmania XI S. 152 (F.), indem er die ersteren
nicht bezeichnet, die letzteren i überall mit dem Circumflex versieht.
I; l .n wird die vorliegende für die mnd. Längenbezeichnung
lehrreich, denn Hr. Sehr, verwickelt sich bei seinem Verfahren in die
größten Widersprüche und beweist damit zugleich, wenn auch sehr gegen Beinen
Willen, daß N heorie in der Praxis nicht durchführba t. 3o lange es
sieh nämlich nur am grammatisch lange and tonlange Vocale in offenen Silben
delt, so lange i-t die Unterscheidung derselben durch Setzen und Nichtsel
des Circumflexes viellei< annehmbar; sobald aber der Fall eintritt, «laß
ein tonlai il durch Abfall oder Ausfall des Vocals d< len Silbe
aus einer offenen Silbe in i beben kommt und seine I
LQ6 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, REINKE DE VOS.
länge beibehält, dann ist die Verlegenheit wegen der richtigen Bezeichnung groß,
denn dann handelt es sich um den Unterschied zwischen grammatisch langen,
tonlangen und kurzen Vocalen. Nerger verwendet in diesem Falle für die ton-
langen Vocale den Strich statt des Circumflexes ; Hr. Sehr, aber, der wohl mit
Recht den Strich in der Ausgabe eines Denkmals nicht verwenden zu dürfen
geglaubt hat, schwankt, in der größten Verlegenheit zwischen dem Circumflex
und der Nichtbezeichnung hin und her und stempelt dadurch, nach seinem
Princip, seine tonlangen Vocale entweder zu grammatisch langen, oder er ver-
leitet den Leser, z. B. das e in mer (Meer) für eben so kurz zu halten als
das in vel (Fell). Er schreibt also bewärde betälde, vormände, begerde, begert,
vorworn, tovörn — warum nicht auch gränken, spelde? Er schreibt ferner schär
Schaar), kär (Karre), war (Waare), hän (Hahn), aber her (her), her (Heer),
er (ihr), mer (Meer), ber | Bär), smer (Fett), dor (Thür), vel in velvrätz (Viel-
fraß), spei (Spiel), die ja alle ebenfalls aus zweisilbigen Wörtern verkürzt sind.
I >«e im Druck von 1498 so häufige Schreibung beer, meerape, veelvratz, beer,
speel, veel u. s. w. hätte Hrn. Sehr, den Circumflex auch für diese Worte plau-
sibel macheu müssen, aber er hat sich gefürchtet, damit seinem Princip in's
Gesicht zu schlagen. Nun sagt Nerger §.26, daß ä und ä allerdings identisch
seien, stellt aber die Gleichheit von e und e, 6 und ö in Abrede. Wenn sich
min auch gegen diese Behauptung, namentlich gegen die Art ihrer Begründung
noch Einiges sagen ließe, so hält sie doch Hr. Sehr, für richtig, und da er
für die tonlangen Vocale in geschlossenen Silben nur die Wahl zwischen Cir-
cumflex und Nichtbezeichnung hat, so versieht er die a mit dem Circumflex,
obwohl auch nicht einmal durchgängig, und lässt die e und o unbezeichnet.
Allen diesen Widersprüchen wäre Hr. Sehr, entgangen, wenn er sich nicht auf
die Unterscheidung der tonlangen und der grammatisch langen Vocale gesteift
und das Mnd. in die Schablone des Mhd. zu pressen versucht hätte.
Daß die grammatisch langen Vocale in offener Silbe ihre ursprüngliche
Länge behalten haben, wird heute trotz Grimm Gr. I3 251 Niemand mehr
leugnen; dieselbe Länge, wenn auch vielleicht eine etwas andere Aussprache,
muß man aber auch den tonlangen a, e und o zugestehen, und will man den
ersteren den Circumflex geben, so gebührt derselbe auch den letzteren. Das
hieße freilich die Texte ir.it Circumflexen überladen und sie ungenießbar macheu.
Warum also nicht zu der so einfachen und ungemein praktischen Schreibweise
zurückkehren, welche Grimm selbst vorgeschlagen hat, nämlich die (grammatisch
und ton-) langen Vocale nur in geschlossenen Silben mit dem Circumflex zu
versehen, in offenen dagegen unbezeichnet zu lassen! Selbst der Anfänger, der
nur Einmal in Grammatiken oder Vorreden auf diese Bezeichnungsart auf-
merksam gemacht ist, wird sich leicht in dieselbe schicken, während er sich
in dem Schröderschen Bezeichnungslabyrinth nur mit Mühe zurechtfinden wird.
Eine zweite Schwierigkeit tritt bei Nergers Unterscheidung der grammatisch
langen und der tonlangen Vocale dann ein, wenn es sich um die Bezeichnung
solcher Vocale handelt, die, obwohl ursprünglich kurz, durch den Einfluß der
•nden Consonanten, insbesondere des r, rd, rt, in, auch 1 und m lang ge-
worden sind, vgl. Nerger Gr. §. 12, 13 Anm. 2. 20 Anm. 2, 22 u. s. w. Ich
selbst halte die Länge solcher Vocale, wenigstens im 15. Jahrb., theilweise
noch für sehr unsicher, da man selbst Denkmäler größeren Umfangs (Rein. V.
1498. Todtentanz 1489 und 1496 u. s. w.^ durchsuchen kann, ohne nur ein
LITTERATUR: K. SCHRÖDER, REINKE DE VOS, 107
einziges Mal vor r.l. rt, m statl eines graminat. kurzen a, e, o ein ae, ee
zu finden; vor einfachem r erklärt sich dergleichen durch Tonlänge (s. oben)
nach abgefallenem Endvocal. andererseits aber finden sich auch einzelne baat
: , was (war», laand Land u. s. w.. die mit demselben Recht dafür citierl
werden könnten, um auch bat, was, laut u. -s.w. zu schreiben, was meines
Wissens bis jetzt noch Niemand gethan hat. K< werden also solche vereinzelte
Längenbezeichnungen vielleicht der breiteren Aussprache eines einzelnen Schrei-
bers zuzuschreiben sein. Nehmen wir nun aber an. daß in solchen Fällen der
Vocal wirklich lang geworden sei, so müssten wir nach Nergers Unterscheidungs-
prineip für diese durch Consonanteneinfluß entstandenen Längen eigentlich noch
ein drittes Zeichen erfinden, da ja dieselben weder grammatisch lang noch
tonlang sind und also weder den Circumflex noch den Strich erhalten dürfen.
»er setzt theilweise den Ersteren, theilweise den Letzteren. Hr. Sehr, aber
nur den Circumflex, jedoch wiederum mit der größten [nconsequenz. Er sehreibt
zwar bärt, kreitwärder, erde, gerne, bernen (!! brennen), wört, hörn (Hörn),
aber swart (wenigstens 3740 und 5909, dagegen im Wortreg. und V. 740 mit
Circumflex), werden, worden, kort, borde (Bürde), born (Born) u. s. w., ja sogar
start neben stert; tl^n Verbindungen des r mit anderen Consommten seheint
er die Verlängerungskraft nicht zuzuschreiben, nur honnichmärket und kerleman
werden mit dem Circumflex bedacht, jedoch verliert das letztere Wort denselben
wieder im Wortregister! Eine andere in der Praxis wunderlich genug er-
scheinende Consequenz der Bezeichnung aller grammatischen Längen ist die,
daß Hr. Sehr, allen einsilbigen, vocaliseh auslautenden Wintern, sogar dem
Artikel de (wahrscheinlich «'('gen des alten thie u. s.w.) durchgängig den Cir-
cumrlex gegeben hat. Ich habe schon einmal gelegentlich auf den schönen Vers
682 dat was de de de besten grutte konde beroiden u. s. w. aufmerksam ge-
macht: man kann da nur fragen: Warum nicht beim Alten bleiben und alle
auslautenden Vocale ebenfalls unbezeichnet lassen? Länge und Kürze ergeben
sich von selbst durch Hochton und Tiefton. Vgl. Grimm Gr. I'1 2(50 und Nerger
Gr. §. 45. Aber auch sonst hat \\r. Sehr, in Bezug auf Langen und Kürzen
zuweilen ganz eigene Gedanken. Wie <!<"• durch thie, so ließe sieh allenfalls
auch eschen durch alts. eskon erklären vgl. Nerger §. 66, Anm. , wenn auch
die durchgehende Schreibung esschen sehr gegen die Länge des e spricht, doch
beweisen lässt sieh die Kürze nicht. Was soll aber der Circumflex in kräschen und
Dräschen, welche doch nur Nebenformen von krassen kratzen und brassen sind!
Ebenso unerklärlich ist sIepen schleppen und segel sTgillum), neben welchem zum
Überfluß noch ein paar Mal seggel vorkommt! Lud andererseits, warum hat Hr.
Sehr, den Circumflex nicht gesetzt in blekent (Blöken, onomatopoietikon !), eventür
(äventiure), licht (leicht, lil I 'I atui
lautenden !.; im Original? Daneben aber doch
richtig Wackei Hen die räthselhaften Worte
zu Y. stof, mhd. stoup, mit kurzem Vi en di i lautenden f?!
Vgl. ) Hinzuzufügi >. daß di I des zweiten i
in [8egrim Behr wahrscheinlich ist vgl. Lübben, die Thiernamen im Rein.
Oldenb. 1863), und daß die l n henk, genk, venk durch die Neben-
formen hink, gink, vink -ehr in I teilt wird, vgl. auch vallen, vel, vellen,
ville. Jedenfalls hätte \lv. Sehr, neben benl nk auch orlicb, licht Licht .
ordel, vordcl (und zwar nicht nu chreiben müssen. Unser ..II
108 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, KEINKE DE VOS.
erscheiut im R. V. in drei Formen: here, her und her, von denen die zweite
meist nur des Reimes wegen einsilbig geworden ist und daher stets mit ee ge-
schrieben wird; die dritte dagegen hat einen kurzen Vocal und findet sich nur
vor Namen und Titeln , oft mit diesen zu Einem Worte verbunden und zwar
stets mit einfachem e geschrieben. Hr. Sehr, schreibt in beiden Fällen her.
Der zweite noch mehr störende Mißgriff des Herausgebers besteht in der
Wiedereinführung des von Lübben bereits beseitigten Umlauts. Hr. Sehr, hat
sich nämlich vor die (wie schon Strobl in seiner Recension von Lübbens Rein.
Vos. Germania 18(57 richtig ausgesprochen hat) völlig; unnöthige Alternative
gestellt (S. XIX), entweder leugne man überhaupt das Vorkommen des Umlauts
im Niederdeutschen vor dem Beginn des 16. Jahrhunderts, und das sei sehr
gewagt, oder man erkenne sie alle an als factisch, wenn auch mit zweifelhafter
Berechtigung bestehende. Er entscheidet sich nun für das Letztere, und setzt
überall, wo im Original (nämlich nach Hackmann, s. unten) über o und u (ein-
mal über a in ande 6405) ein rechts offenes Häkchen (kein e) steht, den
Umlaut ä, ce, ö, ü , welches letztere Zeichen er sonderbarer Weise für Länge
und Kürze verwendet, während er ce und ö von einander scheidet! Die vielen
unsinnigen Formen, welche durch diese Umlaute entstehen, erklärt Hr. Sehr,
damit, daß man ähnliche unorganische Umlaute in jeder Mundart kennen lerne,
Umlaute, die entweder in der Mundart keinen Boden finden und bald wieder
ausgeworfen werden, wie in unserm Gedichte z. B. hülde, schulde, müre er-
scheinen, aber in der heutigen Sprache nicht in umgelauteter Form im Ge-
brauche sind; oder aber, und das sei das Häufigere und wohl zu beachten,
Umlaute, die trotzdem, daß sie unorganisch sind, dennoch von der Mundart
festgehalten werden und im Gegensatze gegen die Schriftsprache mit Zähigkeit
fortleben : noch heute sage man im Niederdeutschen heevet nhd. Haupt, leeven
(glaeven) nhd. glauben, sceken nhd. suchen, döget nhd. Tugend, jöget nhd.
Jugend, meet nhd. muß, speeken nhd. spuken — was nennt denn Hr. Sehr,
unorganischen Umlaut? Ich wenigstens verstehe darunter den Umlaut, der
ohne den Einfluß eines darauf folgenden ursprünglichen i entstanden ist, und
begreife nicht, wie Hr. Sehr, als Beispiele für den unorgan. Umlaut heevet
(haubith), loeven (galaubjan), sceken (sökjan), speeken (spökjan?) citieren kann,
wenn er, wie es der Fall, im Mnd. überhaupt einen Unterschied zwischen
organischem und unorganischem Umlaut macht. Jedenfalls glaubt er damit den
Umlaut überall, wo das Häkchen steht, bewiesen zu haben; nur das deen für
dön (thun) hat für ihn etwas Befremdendes, aber auch sogar in diesem Worte
hält er den Umlaut fest, weil in Weinholds alemann. Gramm, der Gebrauch
von tuen, düen in oberdeutschen Gegenden constatirt wird.
Man sollte es kaum für glaublich halten , daß dergleichen Experimente
mit einer Ausgabe gemacht werden, welche dazu bestimmt ist, das größere
Publikum mit dem Reinke Vos bekannt zu machen! Selbst wenn Hr. Sehr, der
Ansicht war, daß die Häkchen über den Vocalen den Umlaut bezeichnen, so
mussten ihm die daneben vorkommenden Formen derselben Worte ohne Häk-
chen doch sagen, daß die nicht umgelauteten (bis zum Jahre 1494 in Lübecker
Drucken allein üblichen) Formen jedenfalls tadellos sind, und daß er dem Texte
durch völliges Ignoriren des Umlauts wenig oder nichts geschadet hätte, daß
er aber durch seine oe, ö und ü (die noch gar nicht so sicher sind, wie er
UTTERATUR: K. SCHRÖDER, REINKE DE VOS. 109
glaubt) die Ausgabe wenigstens für das größere Publikum fast ungenießbar
gemacht hat.
Dem Texte liegt nach Hrn. Schr's. Angabt' der Druck von 1 4 U 8 zu Grunde.
Es ist jedoch dabei, wie sich leicht nachweisen lässt, fast nur Hackmanns Ausgabe
benutzt, der Druck von 1498 aber, sowie Hoffmanns und Lübbens Ausgaben, wenn
überhaupt, nur sehr oberflächlich verglichen worden. Solch Verfahren rächt sich
selbst. Hr. Sehr, gibt zwar alle möglichen Curiositäten des alten Druckes wieder,
z. 1>. geslachtz (Abkürzung für geslachtet 200, gisterren 284, twalf 2326,
Beichgede 6311 (dazu eine lange Anm. im Wortregister, daneben aber be-
seichede 47), aber gleich in V. 12 schreibt er mit gröten schal und erklärt
dazu ausführlich, di • regelrechte Form sei eigentlich gröteme, grotem u. s.w.
Hackmann gibt nämlich groten, aber im Druck von 14i*S (ich habe das Wolfen-
bütteler Exemplar selbst verglichen) steht groß und deutlich da mit grotem
schal. Denselben Hinweis auf die vollere Form hastigem und dem gibt Hr.
Sehr, zu hastigen 2522 und den .' > 7 2 2 , wo der Druck von 1498 wiederum
hastygem und dem, Hackmann aber hastygen und den hat. Ebenso liest er in
dir Uberschr. zu 1 , 6 einen, 4 "> 7 den, (jberschr. zu 1, 8 in den böme, zu
I, 18 vor einen kloster, 5161 up den, obwohl der alte Druck .eyne, de, iu
de bome, vor eyne kloster, up d"? bietet und also die Wahl zwischen den n-
und den richtigeren m-Formeu freistellt. Hack mann hat überall die ersteren,
also auch Hr. Schröder. Nur einmal 1007, wo der Druck in de huß, Ha.
in den huß hat, schreibt er in deine hüs. Fs redueiereii sieh also die 15 Fälle,
in denen bei Hrn. Sehr, die n-.Form für die m-Form steht, auf 7: 23, 1259,
1685, 2131, 2157, G17(>, 1390, wo allerdings deutlich in <!• u bot', eynen,
in den hof, den grevink sinen, unsen vrunt, vor den dot, den Otter vn de kater
steht Nachweisbar auf dieselbe Weise kommt Hr. Sehr, zu den Formen efte
fct. eft 649, öges st. ogen 1245 (vgl. G515), mine st. min 1591, vreden st.
vrede 1720, bildichlich st. bildichlik L921, alle st. al 3562, s§re : h§re st.
ser : her 5311 : 12, het st. bete G413, bej I begunden 6519, kocke st.
koke 6622. Auch seine Umlaute gerathen dadurch in Unordnung, z. ß. 6293
und 6340, wo der Diuek don mit einem Häkchen, Hackmann aber don ohne
dasselbe und also Hr. Sehr, don ohne Umlaut hat. Aber auch von Hackmann
finden sieh Abweichungen und zwar gerade an Stellen, wo derselbe den Toxi
ganz richtig wieder gibt. So schreibt Hr. Sehr. Kustevil Bt. Rustevile 660. bb'5,
benevart (sogar im Wortregister) *t. bennevärt 2060$ dürb&rsten st. dürbäre-
sten 4516, underslage ^t. undersloge 4521. lieble- st. hebbel 4666, lest st.
leste 4784, wat st. wcs5210, don st. deen dit 6401, vinster st. venster 6439,
proken, st. sproken 6450, se her st. se hir her 6484, Bineme st. sinem
6723. — Die Glosse hat Hr. Sehr, sieh und dem Leser mit Recht geschenkt.
in den Anmerkungen sind vor Allem die schwierigeren Verbalformen erklärt
worden, wobei des Guten vielleicht hin und wieder etwas zu viel gethan i-t;
um so wünsch nswerther wäre i ■ en, wenn Hr. Sehr. Formen wie
terer 5006 nicht ganz mit Still.- hweigeu übergangen hatte. Dil m Ligen
Bachlichen und grammatischen Erklärungen Bind jedoch "it recht bedenklich;
holt und'- et 215 erklärt er holt unde et, hole es und ib. ohne zu bedenken,
dafi Isegrim dem Reinke das Krummholz Belber hinreicht V. 217), »lab nicht
nicht nur im ganzen R. V. Bondern auch Bonst im Mnd. das Wort holen „b
i In ieben n och wenigstens halt un
HO LITTERATUR: K. SCHRÖDER, REINKE DE VOS.
lauten müsste; holt ist natürlich im}), von holden. Seinem hol't zu Liebe nimmt
er sogar im Wortregister neben halen eine Nbf. holen auf! — 331 will er
kloke hon zu Einem Wort zusammenfassen, ohne zu bedenken, daß dabei aus
dem beabsichtigten „Kluckhuhn" beinahe ein „Glockenhuhn" wird. Schon im
Chyträus (1525) steht S. 365 „Kluekhenne" und das Wort wird als Onoma-
topoietikoii wohl immer so gelautet haben. Außerdem passt ja „das kluge Huhn"
ganz vortrefflich in unsere Stelle. — Zu 601. 602 behaupte ich im Gegensatz
zu Hrn. Sehr., daß der Gedanke bedeutend verlieren müsste, wenn statt
och im Texte lep stände; daß der Bär blindlings Reinken nachfolgt, setzt
durchaus nicht unbedingt voraus, daß R. snel unde swinde vorausläuft, vielmehr
hätte eine solche Eile den Hären mißtrauisch machen müssen, und daß R.
lügt, ist für den Gedanken durchaus nicht gleichgültig; gerade darin, daß R.
durch seine Lügen den Bären übertölpelt, liegt hier die Hauptpointe. Außer-
dem stellt sich ja R. als ob er kaum gehen könnte (V. 589), wie soll er da
snel unde swinde laufen! — 1740 were he gut erklärt Hr. Sehr, unbegreiflicher
Weise (wie Lübben): wäre er unschuldig, statt: wäre er edel, nobilis, in wel-
cher Bedeutung gut ja oft genug vorkommt, vgl. den stehenden Ausdruck gude
mans, Edelleute, auch R. V. 4422. 834 u. s. w. — In der Überschrift zu I, 21
hält Hr. Sehr, die Form Reinkens (gen. sg.) für älter als Reinken — etwa
weil das gothische Paradigma hanins aufweist? — Bei 2821 findet er in der
Änderung sundeliker statt sunderliker viel Verlockendes; seit wann ist denn
Brot eine söudliche Speise? Auch im Reinaert 3073 steht Sonderlinge spise
und für sundelik ist die gewöhnliche Form sundich , sundichlik. — Zu 4748
men van klokeme räde hebben se nen not erklärt Hr. Sehr., nen not könne
auch als „keine Nuß, gar nichts" verstanden werden; abgesehen davon, daß
bei allen solchen Wendungen (nicht ein kaf, nicht eine eierschelle u. s. w.)
stets nicht ein, nie nen verwendet wird, so hätte Hr. Sehr, nur noch einmal
in seinen Hackmann sehen sollen; derselbe schreibt ausdrücklich noet, wie der
alte Druck. — In bringet men her dit vort ersten unde denne noch mer 5368
fasst er vort als vor dat, für's Erste, vorläufig, statt: dies sofort zuerst u. s.w.
Oder kann Hr. Sehr, für seine Auffassung Parallelstellen citieren? Für's Erste
heißt mnd. int erste. — 5949 ist set dö ik hörde ganz unnöthig in set dat
ik hörde geändert, vgl. auch Reinaert 6585 als ic dese tale hoorde, wo frei-
lich die Satzverbindung etwas anders ist. Ebenso unnöthig ist die Umstellung
von scholde und he in 6003 und noch unnöthiger die nicht einmal motivirte
von Heft und he in 2600, wo auch bei Hackmann richtig Heft he steht. —
Zu 6228 sagt Hr. Sehr., daß Grimbart die von der Äffin vorgesprochenen
Worte, nämlich den Zauberspruch, ebenfalls über Reineke gesprochen habe;
jedoch geht das so sprak ök de greviuk Grimbart allein auf 6227 zurück:
set Reinke nü sint s;i wol vorwärt. Oder kennt Hr. Sehr. Beispiele davon, daß
zwei Personen denselben Zauberspruch bei derselben Gelegenheit ab-
beten , vielleicht um die Wirkung kräftiger zu machen? Warum sprach dann
nicht lieber gleich die ganze Verwandtschaft den Spruch über Reinke?! —
In 6616 edder de" recht de wärheit kende ändert Hr. Sein-, das erste de" in d<">;
de, sagt er, wäre nur zulässig, wenn davor noch was stände. Warum nicht ein
solches was einfach in Gedanken ergänzen? — 4783 allen dessen is he tö
behende Unde lieft int lest einen beschetten ende. Hr. Sehr, macht heft zur
t-Form der 3. pl. praes. und stellt es als Verbum zu einein ergänzten Subject
LITTERATUR: K. SCHRÖDER: REINKE HE VOS. \\\
alle desse, statt einfach als Subj. ein it zu ergänzen; Subjectswechsel findet so
wie so statt und die t-Form der 3. pl, praes. heißt nicht heft, sondern hcbbet. -
Aus dem Wortregister liebe ich nur hervor, daß sich Hr. Sehr, zu dein falsch
abgeleiteten plur, exe 5677 steht exen Äxte einen eigenen sing, ax statt exe
gebildet hat, und daß er als nom. sg. statt probende, provene, Pfründe, die Form
proven proeven ansetzt, wahrscheinlich wegen V. '1774. Einige Belege für dies
Wort finden sich in meinem Lübecker Todtentanz (Heil. 1873) Anm. zu 25, 2.
Schließlich bleibt noch zu rügen, daß Hr. Sehr, die Erklärungen seiner Vor-
gänger fast überall benutzt hat, ohne, wie es üblich ist, dessen Erwähnung zu
thun. Ich glaube mein Gesammturtheil über Hrn. Schröders Ausgabe nicht
wiederholen zu brauchen; statt dessen noch ein paar Bemerkungen zu einigen
bisher falsch erklärten Stellen des R. V.
4425 erklärt Hoffmann: oder kann ich dessen nicht überhoben sein
(vgl. d. Wb.), Schröder: oder kann ich mich nicht gütlich wegen der Sache
mit ihnen vertragen. Meiner Ansicht nach bedeutet es jedoch: oder kann ich
das nicht erlangen, daß man mich nämlich mit guden tugen zu überführen
sucht (vgl. 4422), so fordere man mich zum Zweikampf heraus. Latet mi na
rechte beteren dan heißt nicht: laßt mich mein Vergehen wieder gut machen,
sondern: laßt mich mein Vergehen nach dem Gesetze büßen. Wenn 11. mit
guden tugen einmal überführt war, so helfen ihm alle Versprechungen, sein Ver-
gehen gut machen zu wollen, nicht das Geringste; so soll er auch in V. 1814 ff.,
nachdem er überführt ist, sofort gehängt werden. R. stellt also seinen Feinden
die Alternative, ihn entweder mit Zeugen zu überführen, oder ihn, wenn sie
das nicht können, zum Kampf herauszufordern; deßhalb verlassen ja auch Krähe
und Kaninchen sofort den Hof, weil sie weder Zeugen haben noch kämpfen
können, vgl. auch ihre Worte 4439 — 4454. — 5935 men mach jo to en tiden
tor not erklärt Schröder nach d. Br. Wb., Hoffmann und Lübben): Man kann
durchaus zur Noth zu ihnen ziehen, d. h. sie können für den Nothfall Schutz,
Hilfe gewähren, man kann sie unter Umständen wohl brauchen. Die Stelle
beruht auf einem Mißverständniss der Worte des Reinaert 6571: want het is
een troostelik toetiden, denn das ist ein tröstlicher, erfreulicher Vortheil Zu-
nahme, Zuzug), wozu vgl. 3'Jlb Want het is een seoon toetiden Te bebben
kinder die sijn so vrome. — 6455 ik begere ok nergeus vor ju to leiden.
Die bisher vorgeschlagenen Erklärungen 'beleidigen, Geleitsrechte üben, ver-
leiten) sind sämmtlieh unwahrscheinlich. Die holländische Vorlage würde hier
gewiß Aufschluß geben, In V. 6456 wal kan ik grotter sone beden würde
nämlich das letzte Wort nach einer Zurückübersetzung in das Holländi
nicht beden, sondern bie< wozu sieh <{<\- Keim lijden von selbst er-
gibt: Ieli begehre auch nii I ien, den Vortritt zu haben.
Bei der Übersetzung ins Nd. geriethen die Reime liden : beden in Verwirrung.
Hr. Sehr etzt h ere für da Druckes;" leider hat hier
wieder nur llaek.nann I Druck aber begberu. — Das anrieht
Weise auch von Lübben beibehaltene nom. propr Als« (in der /.weiten Vorn
für die im R. \. gar nicht vorkommende weibliche wilde Katze isl ebenfalls
aui Hackmann zurückzuführen, der durch die unregelmäßige und durchaus nicht
ebende In in des alten Druck'- verleitet wurde, in der Conjunction
abe einen Eigennamen u sehen Dei Druck ron 1498 bietet Dämlich Bl, \
unten ff. Den greuynek beth be, grymbart De wylde katte. alze. den i.
112 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN.
nomct he. Hyntzen De apen lietli he märten De apyr.n? heth he. vrow ruke-
nauwe Deu tzegebock u. s. w. Natürlich ist, wie auch der Druck von 1517
bietet, zu lesen: de wilde katte, alse den kater, nomet he Hinzen.
BERLIN, im Mai 1873. Dr. H. BAETHCKE.
Einige Bemerkungen zum Vorstehenden.
Wenn ich der vorstehenden Recension meinerseits noch einige Worte
hinzufüge, so geschieht es gewiß nicht um die Berechtigung derselben anzu-
fechten oder um meine Ausgabe als ein opus omnibus numeris absolutum hin-
zustellen. Das liegt mir völlig fern. Ich würde geschwiegen haben, wenn es
sich nur um einzelne Ausstellungen, wären dieselben noch so zahlreich, handelte;
ich würde mit stillschweigendem Danke dasjenige acceptiert haben, worin ich
eine Berichtigung erkenne, und hätte im Übrigen der Sache ihren Lauf ge-
lassen. Indessen handelt es sich hier daneben auch um principielle Streitfragen,
und dieser Umstand mag es rechtfertigen, wenn ich zu Gunsten der von mir
vertretenen Ansichten noch einmal das Wort ergreife, wenn es mir auch schwer-
lich gelingen wird, diese beiden Fragen, welche allein ins Auge fassen zu wollen
ich hiemit ausdrücklich erkläre, zum Austrag zu bringen.
Das System der Längenbezeichnung und der Umlaut, das sind die beiden
Dinge, gegen die Hr. B. im Wesentlichen seine Angriffe richtet. In diesen
Punkten bin ich hauptsächlich wieder von der Praxis der Lübben'schen Aus-
gabe abgewichen, und darum bin ich nicht erstaunt, Hrn. Lübben an der Seite
meines Recensenten zu sehen (vgl. Zeitschr. f. deutsche Philologie V, «57 ff.).
Jene Praxis ist freilich viel bequemer; sie gestattet es einer Menge von heiklen
und unentschiedenen Fragen aus dem Wege zu gehen, aber verdient sie darum
auch den Vorzug?
Hr. B. hebt richtig hervor, daß ich die langen Voeale mit einem Cir-
cumflex bezeichnet, die Tonlängen dagegen ohne Bezeichnung gelassen habe.
In ersterer Hinsicht habe ich natürlich diesen Circumflex allemal gesetzt, wo
nach meinem Dafürhalten vocalische Länge vorlag, nicht nur da, wo diese
Länge sich von selbst versteht, wie Hr. B. und Hr. Lübben empfehlen; den
Werth einer solchen Unterscheidung vermag ich nicht anzuerkennen. Die Ton-
längen anlangend bekenne ich, daß ich dieselben nur mit Bedauern ohne ein
besonderes Merkmal gelassen habe: die von Nerger eingeführte Bezeichnung
durch einen Strich (p, ö) glaubte ich nicht verwenden zu sollen, worin mir
auch Hr. B. recht gibt; ein anderes, von Hoffmann aufgebrachtes und von mir
selbst in früheren Publicatiouen gebrauchtes Zeichen für tonlanges e (e) dient
zwar diesem Zwecke recht gut, aber warum einseitig bei e die Tonlänge be-
zeichnen, bei a und o aber nicht? Darum wurde auch von dem e abgesehen.
Vielleicht ist ein Anderer erfindungsreicher als ich und beschenkt uns mit einem
annehmbaren Zeichen für die tonlangen Voeale.
Wie ist es nun aber in dem Falle zu halten, „daß ein tonlanger Vocal
(durch Abfall oder Ausfall des Vocals der folgenden Silbe) aus einer offenen
Silbe in eine geschlossene zu stehen kommt?" Dann geräth, meint Herr B.,
der Herausgeber „in die größte Verlegenheit". Doch wohl nicht in dem Grade,
wie sich Hr. B. einbildet. Nehmen wir einige der vielen von Hrn. B. zur Er-
härtung seines Ausspruches beigebrachten Beispiele.
LITTERATUß: K. SCHRÖDER, BEMEßKUNGEN ZUM VOESTEHENDEN. H3
Ich habe betälde, begerde, vorworn angesetzt und damit, wie Hr. B. sagt,
die tonlangen Vocale zu grammatischen Längen gestempelt. Und das war auch
in der That meine Absicht; ich halte wirklich in den genannten Fallen ä, e
und 6 für richtig, nur beruht die Länge des ä auf einem andern Moment als
die von e und 6.
Hr. B. citiert Nerger §. 26, wo die Identität von ä und ä behauptet
wird. Gegen diese Behauptung ließe sich, meinl Hr. 1!., Einiges sagen, aber
was es ist, was sieh dagege ließe, das hat uns Hr. B. leider vorent-
halten. Ich meines Theils bin mit Nerger's Ausführungen völlig einverstanden
und gebe ihm auch recht, wenn er sich auf die heutige Mundart (das dem
Lübeckischen so eng verwandte Meklenburgische) bezieht, die bei der Ent-
scheidung derartiger Fragen doch sicher das Recht hat gehurt zu werden. Die
heutige Sprache aber kennt bei a keinen Unterschied zwischen grammatischer
und Tonlänge, zwischen a und ä, ihr ist jedes offene a lang, läteu (lassen)
vollständig gleichwertig mit mäken (machen), wäter (Wasser) u. s. w., während
sie doch e und e, ö und 6 sehr wohl zu trennen weiß. Demgemäß musste also
betälde angesetzt werden, um zu verhindern, daß etwa Jemand betalde. wie
nhd. Halde spreche. Ahnlich verhält es sich mit begerde und vorworn. Hier
sind es die Consonanteuverbindungen rd und rn, welche die Länge des vorher-
gehenden Vocals bedingen, wie gleichfalls Nerger an den von Hrn. B. selbst
angezogenen Stellen ausgeführt hat, und wie ich abermals glaube mit vollem
Rechte; Hr. B. hat auch hier sich den Gegenbeweis erspart. Weßhalb man
aber zwischen Tonlänge und Länge schlechthin noch eine Zwischenstufe an-
nehmen soll, das ist mir unerfindlich. Hier sollte wieder, wie ich meine, die
heutige Sprache gehört werden. Und da wird jeder Kenner wissen, daß zwi-
schen ürn (Ohren) und vorlürn (verloren), zwischen ürt (Ort) und lürt lauert),
zwischen gelirt (gelehrt) und wirt (werth), zwischen im (ehren) und virn (fern),
glrn (gern) u. s. w. ein Quantitätsunterschied nicht stattfindet. Und wenn das
der Fall ist, ist man dann nicht bei begßrt und voiw.hu anzusetzen?
Warum wäre denn das „abscheulich", wie HÖfer in Germania XVIII, II Anui.
behauptet? Freilich muß ich annehmen, daß in den westlicheren niederdeutsi
Mundarten das Verhältniss ein verschiedenes ist; sonst ist mir ganz unverständ-
lich, wie Hr. Lübben a. a. 0. p. 59 an pert (Pferd) Anstoß nehmen kann.
Wenn nun die Lautverbindungen rt, rd, rn Län irherg henden
VocaL bewirken, so gibt es doch Ausnahmen von dieser Regel, und e
Ausnahmen sind z. B. ßwart, kort und born. \\ ! unterworfen,
so müsste es heute swört heißen wie bort (Bart), vört Fahrt) u. b. w., kürt
wie wärt (Wort), vürt (f ••>'., bürn wie kürn (Koru . därn Dun u. b. w.,
während man eben mit aller Entschiedenheit swart, kort und born Bagt. Eine
weiten- Ausnahme bilden mi Formen dea Verbum werden,
doch kann ich mich vielleicht «laiin täuschen. \\ :ommende
Form Btart anbetrifft, so verweise ich auf N 13.
Ich muß Hrn. B. zugeben, daß man nicht h rt, rd, rn ein ae,
ee, oe geschrieben fiudet, aber i ich darin nicht.
mal gibt es genug 'reil g nur
sein- sparsamen Gebrauch machen, wie z. B das Hartcbok, trotz seiner vor-
wiegend niederländischen Vorlage, also l>-'i notorischer Länge des Vocale doch
einfach gan, stan, Blan, Bloch, otmodich u. ■, w. schreiben, und ai
QKBMAHIA. Neue Reih« VII. (XIX.) Jahrg.
114 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN.
findet sich anderswo oft genug aa, ee geschrieben bei einfacher Tonlänge, wie
gheschreeuen, de gheene, ja sogar bei offenbar kurzem Vocal, wie baat, laant
u. s. w. Hätten mir diese Fälle, um mit Hrn. B. zu reden, „den Circumflex
auch für diese Worte plausibel machen müssen", wie er es für beer, vee!, speel
u. s. w. verlangt?
Hr. B. hat vielleicht Recht mir vorzuwerfen, daß ich nicht gränken ge-
schrieben habe, jedenfalls aber Unrecht zu glauben, daß ich auch hätte spelde
ansetzen sollen. Zwischen begerde und spelde, die Hr. B. in Parallele stellt,
besteht gar keine Analogie: in begerde wird das e lang durch folgendes rd,
während ld einen gleichen Einfluß auf die Quantität des vorhergehenden Vocales
nicht übt. Auch was die Wörter wie schär, kär, her, er, siner, dor u. s. w.
betrifft, glaube ich im Rechte zu sein. Sie alle verdanken auslautendem r eine
Dehnung des Wurzelvocals. die Kürze wird zur Tonlänge; nun fällt aber ton-
langes a mit ä zusammen, und so kann schon in der älteren Periode schar
und kar anstandslos mit jär und här reimen, wie sie denn auch in der heu-
tigen Sprache durchaus gleichwertig sind (schör, kor, jör, hör), während her,
er, mer, smer, dor u. s. w. mit ihrer Tonlänge in der Sprache sehr merklich
von wirklicher Länge, wie mer, 1er (heute mir, lir oder mier, lier) u. s. w. unter-
schieden sind.
Hr. B. nimmt Anstoß daran, daß ich de (der, die) gesetzt habe. Dazu
bewog mich der Umstand, daß in echt niederd. Schriftstücken häufig neben de
auch die steht; z. B. Mekl. Urkundenb. VII Nr. 4630: sunte Martins dage
die nu negest kumt; die hirna bescreuen stan; die slote vnde lant; die uiar-
greue ; al die die durch den margreuen dün vnde laten willen u. s. w. Auch
die breitere, noch heute vielfach gehörte Form dey spricht wohl deutlich genug
für de. So heißt es im Urkundenbuch der Stadt Lübeck IV Nr. 251: Vort
weit weten dat dey coningh van Engelant; dat gi op dey tut hir ouer komen
moghten, des were dey kopman begerende; wert sake dat gi ghene breiue en
hedden .... dat ju dey worden, wante wii meinen dat vus dey grotelich in
steden solden stan; enen wisen taleman dey wol fransos kunne spreken. Unter
diesen Umständen habe ich de, auch da, wo es der Vers einmal mit sich brachte,
de de de gesetzt, woran Hr. B. großen Anstoß nimmt; gefällt ihm etwa de de de
besser ?
Wie die für de, so spricht gelegentliches hie für he, z. B. Mekl. Urkundenb.
VI Nr. 3923, und sie für se, z. B. Brem. Gesch. Qu. 9 7. Was eschen betrifft,
so beweist die Schreibung esschen gar nichts gegen die Länge des Vocals,
denn beide Schreibungen wechseln und in manchen Gegenden, z. B. im 15. Jahr-
hundert am Niederrhein wie in den Niederlanden und in diesen noch heute ist
ssch die überwiegende Schreibung für seh, ohne jedwede Rücksicht auf Länge
oder Kürze des vorhergehenden Vocals. Wegen des für Hrn. B. ,, unerklärlichen u
slepon virweise ich ihn auf das mlid. Wb. II'2, 40 lb, 26: „slSpe niederd. für
sleife". Von andern Fällen bekenne ich offen, daß sie mir zweifelhaft waren
und zum Theil auch noch sind. Möglich daß segel falsch ist, obgleich ich der An-
sicht bin, daß das nhd. „Siegel" seinen Diphthong niederd. Einfluß verdankt;
möglich, daß ich hätte sweten schreiben sollen, wenn auch meims Wissens beide
Formen, sweten und sweten, gleich sehr im Gebrauch sind, vgl. z. B. Schambach,
Gött.-Grubenh. Idiotikon p. 221. Wenn ich bräschen schrieb, so folgte ich Hoff-
mann, den ich nach der leichtfertigen Behauptung des Hrn. B. wenn überhaupt,
LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN. 115
jedenfalls sehr oberflächlich verglich, und ich denke mit Hoffmanu, daß die Neben-
formen breschen und brieschen wohl für ein ä sprechen dürften; kräscheu musste
dann natürlich analog mit a angesetzt werden; vgl. übrigens Schanibach a. a. 0.
p. 32 und 111. Eben demselben Hoffmann bin ich mit voller Überzeugung gefolgt,
wenn ich eventür schrieb trotz mhd. äventiure, denn man spricht im Nd. so: es liegt
eben ein sehr einfacher Fall von Versuch einer Umdeutschung vor. Auch auf
einige andere Fragen will ich Hrn. B. Kede stehen. Ordel und vordel, noch
genauer ortel und vortel, sind heute die überwiegend gebrauchten Formen, vgl.
Hoft'mann im Wörterbuch s. v. vordel, Schambach a. a. 0. p. 148, 277, Dan-
neil Wörterb. d. altmärk.-plattd. Mundart p. 241; selbstverständlich kann diese
Schwächung der zweiten Silbe erst im Laufe der Zeit eingetreten sein, und es
wird eine Zeit gegeben haben, wo man promiscue ordel und ordel, vordel und
vordel sprach; ein analoger Fall liegt beim nhd. Urtheil und Urtel, Drittheil
und Drittel vor. Ich halte es daher für durchaus statthaft, neben ordel und
vordel im Bedürfnissfalle, d. h. im Reim ordel und vordel zu verwenden. Ferner:
Ich habe los geschrieben, weil es mir über allem Zweifel steht, daß man Niederd.
los sagt, in den flectierten Formen meines Wissens nicht, obwohl das Brem.
Wb. III, 87 neben een losen bove sogar een lossen vent anführt ; die Schrei-
bung des Lübecker Drucks losz i:vosz) und loze entspricht durchaus der heu-
tigen Übung. Zweifelhaft bleibt mir nur, ob die Sprache einen Unterschied
machte zwischen los (lose, böse) und los (los, ledig). Sollte freilich, wovon ich
keinen Grund einsehe, der Name des kleinen Hundes der Analogie dieses los
gehorchen müssen , so würde ich mir als Fehler anrechnen , was Hr. B. für
richtig erklärt, und hinfort Wackerlos schreiben. Übrigens schreibt auch Lübben
v. 32 los, v. 71 Wackerlös. Für Hrn. Lübben bemerke ich, daß in der That
in meiner Heimat — und wie ich aus Danneil a. a. 0. p. 45 ersehe , auch
anderswo — die Aussprache des Wortes dwas entschieden kurz ist, trotz niederl.
dwaas; wenn Hr. Lübbeu v. 830 selbst dwas (: was) ansetzt, so ist das dann
also nur ein Druckfehler.
Ein ähnlicher Fall liegt bei stof vor. Hier freilich kann ich es Hrn. B.
nicht verdenken, wenn ihm meine Anmerkung rätheelhaft vorkommt, denn das
Fragezeichen, welches ich in meinem Manuscript hatte, ist durch ein Druck-
und Correcturversehen ausgefallen*). Ich wollte damit die Frage off<
ob es unter dein Einfluß des auslautenden f geschehen sein könnte, daß stof
(mhd. stoup) im Niederd. mit Entschiedenheit kurzen Vocal h inch
r in Germania XVIII, 20); ein analoger Fall liegt bei oriof vor, und
lautet der gen. stoves, der dat. orlöve. Ech habe endlich mit gutem Bedach!
den von Hrn. B. mir angesonnenen Circumflex nicht gesetzt bei blekent und
bei licht (mhd. lihtc). Bleken hat im Niederd. I . nicht langen V
vgl. Schambach a. a. 0. p. 27 und Mnd, \YI>. I I tikon
i->t, wie Hr. B. mit Ausrufungszeichen hervorhebt, thut doch wohl nichl
Sache. Will im zweiten Falle Hr. B. im Ernste licht ansetzen, so kennt er
* Ein anderer, nicht mindei ehler, auf den ich erst durch
Hrn. Lübben aufmerksam werde, steht im Wörterverzeichnis« I
des sinnlosen „zusammen-' vielmehr „zukommen*
D Sinn, wenn ich auch antik« Dl
klärt hat als ich.
116 LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN.
eine der Eletnentarregeln der Quantitätslehre im Niederd. nicht, welches vor
cht keine Vocallänge duldet, so wenig wie vor ft und pt. Warum tadelt Hr. B.
denn Lübben nicht, der ebenfalls ganz richtig bicht (mhd. bihte) und licht
(mhd. lihte) ansetzt? Und wenn Hr. B. hier und in andern Fällen meine
Schreibung durch Hinweise auf die entsprechenden mhd. Formen berichtigen
will, unterliegt er nicht selbst dann dem gegen mich erhobenen Vorwurf, „daß
ich versucht hätte, das Mnd-. in die Schablone des Mhd. zu pressen?" Schließ-
lich meinerseits noch die Frage: ist Hr. B. wirklich der Ansicht, daß von vallen
das praet. vel lautet? Mit dieser Meinung dürfte er ziemlich vereinsamt stehen;
vgl. Nerger §. 90.
Ich wende mich nun zur zweiten der principiellen Fragen, zum Umlaut.
Hoffmann hatte, wie man weiß, demselben in seiner Ausgabe eineu ziemlich
weiten Spielraum gelassen. Diesen Umlaut hatte Lübben „glücklich beseitigt",
wie Hr. B. sagt — ich möchte lieber sagen „escamotiert" — und auch Nerger
will einen Umlaut von o und u — der Umlaut von a ist auch für frühere
Perioden nicht angefochten — im Niederd. vor der Mitte des 16. Jhs , oder
vor der Reformation, wie Hr. Lübben annimmt, nicht gelten lassen. Indessen
habe ich wenigstens die Beruhigung, bei meiner Auffassung mich mit andern
gleichfalls bewährten Kennern des Niederdeutschen im Einklang zu befinden.
Es mag mir gestattet sein, hier auf Homeyer's Sachsenspiegel (3. Ausg.), Einl.
p. 99 zu verweisen und mich auf einen Brief des nun leider verstorbenen
Schiller zu beziehen, der mir am 12. Juni d. J. schrieb: „Übrigens habe ich mich
gefreut über Deinen Ausspruch, den Du in der Einleitung zu Deinem R. V.
S. XVII f. gethan hast", und in einem weiteren Schreiben vom 18. Juni mich
nochmals seiner Zustimmung versicherte. Doch lassen wir die Autoritäten und
treten der Frage selbst etwas näher.
Ich habe ein gewisses Zeichen im Lübecker Druck der R. V. für die
Bezeichnung des Umlauts erklärt*) und dadurch das Mißfallen des Hrn. B.
erregt. „Kein e", sagt er, „sondern ein nach rechts offenes Häkchen!" Nun,
meinetwegen, kein e. Aber dieses nach rechts offene Häkchen ist, wie Jeder-
mann weiß, ein in Hss. des späteren MA. häufig vorkommendes Zeichen und
in oberdeutschen Hss. bisher ohne Widerrede für das Zeichen des Umlauts
genommen. Es ist ferner bis in unser Jahrhundert hinein in den weitaus mei-
sten Fracturdrucken das reeipierte Zeichen für den Umlaut gewesen , bis es
durch ä, ö, ü verdrängt wurde. Es ist ferner dasselbe Zeichen, welches neuere
Fracturdrucke mit ihren schärferen Typen durch ä, 6 und ü wiedergeben, und
Niemandem ist es eingefallen, in solchen Ausgaben, wie z. B. Städtechroniken,
Kurz' Deutsche Bibliothek u. a. m. , zu sagen, damit sei nicht der Umlaut
gemeint. Urkundenbüchcr, welche sich der Antiqua bedienen, haben ebenfalls
die Zeichen ö, ü adoptiert. Endlich ist das nach rechts offene Häkchen selbst
bei Ausgabrn niederdeutscher Texte, die dießseits der Reformation entstanden,
wie z. B. Neocorus, ohne Widerspruch als Umlautszeichen angesehen. Aber im
R. V. von 1498 hat eben dieses Zeichen gar keine Bedeutung, überhaupt ist
es vor der Reformation ohne Inhalt, erst seitdem bezeichnet es den Umlaut!
*) Hr. B. ist in seinem Rechte, wenn er mir vorwirft, einige Umlaute für un-
organisch erklärt zu haben, die in Wahrheit organische sind. Für die Umlautsfrage
selbst aber ist dieser Fehler irrelevant.
LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN. H7
Ich weiß wohl, man bat gesagt und Hr. Lübbcn a. a. 0. wiederholt es,
die Schreibung dun, die außer im R. V. von 1498 auch z. B. Lübecker
Urkundenb. IV p. 101 Nr. 106 erscheint (dar to dön dat beste), sei nur eine
abweichende Art der Längenbezeichnung. Dabin würden dann also auch Formen
gehören wie Lüb. Urkundenb. IV p. 100 Nr. 105: verzönet, p. 101 Nr. 106
v.'ghen, p. 128 Nr. 134 prövet, p. 129 Nr. 135 möte, p. 393 Nr. 361 bmno,
behoven u. s. w., denn hier bandelt es sich um unbestrittene Vocallänge. Auch
für Tonlunge könnte man die Schreibung passieren lassen, wie Mekl. Urkundenb.
VII p 128 Nr. 4457 to ddgende, p. 275 f. Nr. 4630 tnSlen, upburen, ib. VI
p. 462 f. Nr. 4114 schulen, hove, p. 4R9 Nr. 4142 siner s<»ne u. s. w. In-
dessen ist mir die Schreibung Lübeke und Inbescher (z. B. Lüb. Urkundenb.
IV p. 410 f. Nr. .'575, p. 727 Nr. Uli u. öfter) wohl begegnet, aber nie die
andere Luebeke und Iuebescher, die doch auch vorkommen müsste, wenn es
sich nur um eine andere Art der Längenbezeichnung handelte. Und wie steht
es denn in den Fällen, wo abermals 6 und ö geschrieben steht und doch von
einer Längenbezeichnung keine Rede sein kann, weil die Vocale kurz sind?
So z. B. Lüb. Urkundenb. IV p. 410 f. Nr. 375 stucke, di ufteynhundert,
p. 412 Nr. 376 hcgcholten, olderen, p 517 Nr. 471 börgermestere mehrmals,
Mölne (Mölln), p. 528 Nr. 483 vorsten, p. 129 Nr. 135 ghönnen; ferner Mnd.
Wb. I. 72'', 22 wörde nu einer ... verkörtet, ib. 173b, 40 were dat user
ienich des anderen bedachte u. s. w. Und wohlgemerkt: alle diese angeführten
Stellen werden heute mit unbestrittenem Umlaut gesprochen. Selbst in einer
lateinischen Urkunde im Lüb. Urkundenb. IV p- 665 Nr. 597 lese ich Hinrico
Bützowe (Bützow noch heute ein Name).
Doch sehen wir ab von 6 und u: das Niederdeutsche hat noch andere
Arten, den Umlaut zu bezeichnen.
Heyne in „Kleine altsächs. und altniederfränk. Grammatik" p. 10 führt
aus der Essener Heberolle eine Stelle an. wo wahrscheinlich die Schreibung
io nur einen unserm ii ähnlichen Zwischenlaut des u bezeichnen soll*). Hier
wird das i zu Hilfe genommen, um den Umlaut auszudrücken, wie auch anderswo,
z B. Mekl. Urkundenb. VI p. 161 Nr. 3767 (anno 1315) huÜden (vgl. hülde
R. V. 2149). ferner tu tiuge ib. p. 29<; Nr. 3923 (anno 1317) und Lüb.
Urkundenb. IV p. 100 Nr. I05»tuycb (Zeugniss), heute tüchniss und eb
fcochnisse Lüb. Urkundenb. IV p. 410 Nr. .°>7;>. Und wenn man weiß, daß nhd.
„Silber" und „selber" im Niederd. heute BÜlver und BÜlven heißt, im Mnd.
meist sulver und sulven geschrieben, und man begegnet dann der Schreibung
siluer und to der siluen thyt und dat silue (daneben in derselben Urkunde
in der suluen wis) Mekl. Urkundenb. VI p. 239 Nr. .".SCO anno 1316 , p
Nr. :!!")l!i (anno 1317) — dann ist es u, Altena schwer zu verkennen,
daß hier i wie u nur Schreibungen sind, und ü, das heute übliche, gemeint i
Nicht weniger wahrscheinlich i I es mir, daß in vereinzelten Fällen man
sich auch des y bediente, um ü zu bezeichnen. Das Wort „Zeuge" z. 1'-. lautet
*) Da auch das Mitteldeutsche das Schicksal de« Niederdeutschen theilt, daß
<r einer gewissen Periode der Umlaut abgesprochen werden -.11.
Einsicht beiläufig aufWeiske'a Sachsenspiegel, '.. Ami. bearb. von Hilde-
ihm vor
ich in
brand p. XII] tmd Note l
**) Vgl. HUdebrand a. a. O.
118 LITTERATUE: K. SCHEÖDEE, BEMEEKUNGEN ZUM VOESTEHENDEN.
nd. heute tüge, in älteren Denkmälern gewöhnlich tughe, aber, wie eben be-
merkt, auch tiuge; in der Schreibung tyghe steht es z. B. Mekl. Urkundenb.
VII p. 11 7- Nr. 4444 (anno 1323). Ferner: Jedermann kennt die Namen Lützow
und Bülow, in den Urkunden meist Lutzowe und Bulowe geschrieben. Ist es
schon an und für sich unwahrscheinlich, daß so alte Geschlechtsnamen plötzlich
seit der Reformation ohne weiteres vom Umlaut ergriffen worden seien, so fällt
das noch schwerer zu glauben, wenn auch die Schreibungen Lytzowe (Mekl.
Urkundenb. VII p. 131 Nr. 4461) und Bylowe (ib. p. 292 Nr. 4644) be-
gegnen. Die Wahrheit wird sein, daß diese wie andere ähnliche Namen von je
mit Umlaut gesprochen wurden.
Das y ist, wie man weiß, in den skandinavischen Sprachen der Umlaut
von u. Wäre es wunderbar, wenn diejenigen Striche Niederdeutschlands, welche
Jahrhunderte lang im allerengsten Verkehr, friedlichen wie feindlichen, mit den
skandinavischen Völkern standen, auch sprachliche, orthographische Einflüsse
erfuhren? Ich denke, dieselben liegen für jeden, der sehen will, deutlich genug
zu Tage. Im Dänischen ist 0 das Zeichen des umgelauteten 0, und dieses selbe
Zeichen findet sich überaus häufig in Urkunden in denjenigen Gegenden, welche
dänischen Einflüssen ausgesetzt waren. Wie, frage ich, kamen die niederd.
Schreiber dazu, dieses „unbequeme", wie Grimm sagt, Zeichen zu entlehnen?
Hatten sie gar kein Verständniss davon, was dieß 0 in der Sprache, aus der
sie es entlehnten, bedeutete? Wie viel natürlicher ist es, anzunehmen, daß sie
es mit Bewusstsein verwandten für den Umlaut, den es dort bezeichnete , für
den es aber in der Heimat — die unsicher tastenden Schreibungen , welche
ich bereits anführte, lehren es — an einem recipierten Zeichen fehlte*). Wenn
das 0 keinen Zweck hatte, warum brauchen es denn die Schreiber bei niederd.
Namen sogar in lateinischen Urkunden? So steht im Liib. Urkundenb. IV p. 665
Nr. 597 domino Johanni de Stoue, im Mekl. Urkundenb. VI p. 389 Nr. 4025
Pole (die Insel Pol bei Wismar), ib. VII p. 375 Nr. 4746 procurator Thome
Morkerken, und die Herausgeber des Mekl. Urkundenb. haben ganz gewiß
recht, wenn sie Namen wie Smodesin (VII p. 63 Nr. 4387), Korneco (ib.
p. 85 Nr. 4414), Bre0ghe (ib. p. 295 Nr. 4649) u. s.w. in den Überschriften
als Smödesin, Körneke und Breöge wiedergeben. Andere Namen sind Madentin
(ib. p. 122 f. Nr. 4452), Kx&pelin, Str^mekendorp (ib. p. 611 f. Nr. 4973),
lauter Namen die heute Mödentin, Kröpelin, Strömkendorf lauten. Die Verwen-
dung des 0 ist eine sehr reichliche; von den vielen Beispielen notier3 ich Lüb.
Urkundenb. IV p. 199 Nr. 199 to Mane, ib. p. 727 Nr. 644 0reszunt, p. 442 f.
Nr.. 453 voranderen, brake (vgl. R. V. 2380), p. 91 f. Nr. 93 bm-ghere mehr-
mals, schalen (sollen, heute sölen); Mekl. Urkundenb. VI p. 157 Nr. 3764
schulen, mrrghen, Schede, p. 288 f. Nr. 3919 meghen, vormoghen, orloghe,
p. 294 Nr. 3921 l»uede (Gelübde), p. 336 Nr. 3962 benameden, mit deme
thoulote mit deme afulote, malen, brokes, hoghisten, verkapende, w0lde (wollte),
bedrouen, nakamelingen, geghenwardeghen (neben geghenwordich, anderswo
ib. VII p. 232 Nr. 4584 iegenwerdigen, hier also vermuthlich das a nur eine
*) Nerger §. 27 kennt dieses 0 , will es aber nur als Zeichen der Tonlänge
gelten lassen. Indessen zeigt sich die Unrichtigkeit dieser Auffassung dadurch, daß
das 0 in gleicher Weise bei Länge, Tonlänge und Kürze verwandt wird. Die weiter-
hin folgenden Beispiele erhärten das.
LITTERATUR: K. SCHRÖDER, BEMERKUNGEN ZUM VORSTEHENDEN. H9
Verdumpfung des e zu ö, wie sie auch in andern Mundarten nicht selten ist),
brodere (vgl. R. V. 5298), ib. VII p. 48 Nr. 4369 mnen, crm, lasen, p. 55
Nr. 4377 ergenäroeden, harret, p. 122 f. Nr. 4452 hörende, biedere, tho
donde(!), gegenwördicheyt , ani'Jörende , naknmeling, kapere, brerke, higher,
klieren, bedroueu, scolen, inngheii. sone (Sohn, heute sün), dromet (Drömt)
u. s. w.
Also durchstrichenes o für ö. Aber auch ii niusste natürlich bezeichnet
werden, und da ergab sich neben dem schwerfälligen in oder ui, uy, und neben
y mit leichter Analogie des durchstrichenen o ein durchstrichenes v, also y,
wie es gleichfalls Urkunden massenhaft verwenden. In dieser Form begegnet
uns wieder der schon behandelte Name Lytzowe Mekl. Urkundenb. VI p. 336
Nr. 39(52: VT1 p. 123 Nr. 4452. Und wie wir in lateinischen Urkunden bei
der Wiedergabe niederd. Namen das Zeichen 0 fanden, wo es nach meiner
festen Überzeugung nichts anderes bezeichnen kann als den Umlaut, so steht
auch in anderen lateinischen Urkunden y, wie Mekl. Urkundenb. VII p. 367
Nr. 4733 Frater Johannes Bryseuitz (Brüsewitz noch heute ein Name) und in
platea L^bicensi. Auch hier haben die Herausgeber genannten Werkes VJI p. 110
Nr. 4437 Libekeruar in der Überschrift gewiß richtig mit Lübekervar wieder-
gegeben und ib. p. 303 Nr. 4661 Krysekenberghe mit Krüsekenberge. Ich
gebe auch hier einige weitere Beispiele, die sich mit Leichtigkeit verzehnfachen
ließen: Mekl. Urkundenbuch VI p. 336 Nr. 3962 kristenlyden, betyghen, vor-
mvnden. al vmme, alsvsdaner. svnderliken . Hinric bi der M^ren (! vgl. E.V.
311. 381. 1140. 1633, nach Hrn. B. eine unsinnige Form), ib. VH p. 122 f.
Nr. 4-152 lvdeu . Lybeke, svnderliken, Lfbeker, Syuerke, betvghinge. U'ghe,
p. 335 Nr. 4700 th|gen, vonnvndere, p. 336 Nr. 4701 Lybeker penninge,
tyghe, svnte Sanct: vgl. dazu sinte il». VI p. 336 Nr. 3962), p. 611 f. Nr. 4973
krytze, ossenhvde, bukeshyde, styreman, dvdische seiplyde, lantlvde, stveke u. s. w.,
lauter Fälle, in denen heute der Umlaut herrscht.
Ich will und kann hier keine Abhandlung über den Umlaut im Nieder-
deutschen liefern; was ich angeführt habe, sind nur Andeutungen, die hoffent-
lich Anderen ein Anlaß werden, diese Fragen näher zu untersuchen. Ich meines-
theils kann nicht anders als glauben, daß wenigstens in den rechtselbischen
Gebieten Niederdeutschlands mindestens seit dem 14. Jahrb. der Umlaut herrschte,
wenn er auch — und darin liegt eine große Schwierigkeit — nicht regelmäßig
geschrieben wurde. Denn in denselben Urkunden finden sich dieselben Wörter
mit 0 und «, mit v und v, wie Im Lübecker Druck des R. V. dieselben Wörter
mit und ohne Häkchen, woraus nicht zu folgen braucht, daß dieß und jenes
Wort bald mit, bald ohne Umlaut gesprochen sei: sondern gesprochen wurde
es immer mit Umlaut, nur geschrieben häufig ohne Umlautezeichen. Das ist in
andern Mundarten nichl anders. Derselbe Closener (Chroniken der deutschen
Städte VIII) schreibt 21. 17 manig tusenl gevanger lute und 28, .".1 lüt 6in
geheißen Valwen, schreibt 43, 16 lützel und 11!', 26 lutzel, Bchreibl 46, 6. 8
trugener und 46, II trügener. Für einen Herausgebe) niederdeutscher Texte
aber — das ist nach wie vor meine Meinung bleibt vorläufig nichts übrig
»ich an die Praxis seiner Vorlage zu halten. Denn die Meinung wird wohl
Niemand vertreten wollen: ea sei die Publication niederdeutscher Gedichte so
lange zu Bistieren, bis die Umlautsfrage ihre endgültige Entscheidung ge-
funden habe.
120 MISCELLEN.
Schließlich zwei Bitten, deren erste ich an Hrn. Lühben richte, auf dessen
Schultern seit Schiller's Tode das ganze Mnd. Wörterb. ruht. Schiller theilte
meine Ansichten über den Umlaut und wollte für sein Wörterbuch die Typen
0 und y anfertigen lassen. Herr Lübben hingegen hat sich in den stärksten
Ausdrücken gegen die Annahme des Umlauts für die frühere Periode des
Niederdeutschen erklärt, er hat also von seinem Standpunkte aus gar keine
Veranlassung, gewisse Häkchen und Zeichen, in welchen ich und andere „leicht-
gläubige" Menschen Bezeichnungen des Umlautes sehen möchten , irgend zu
beachten oder in seinem Wörterbuch zu reproducieren. Daß er aber der leicht-
gläubigen Minderheit die Concession mache, eben jene Zeichen, wo sie ihm bei
seinen Sammlungen für das Wörterbuch in Handschriften oder Drucken be-
gegnen, zu conservieren , daß er uns auch die 0 und -f nicht vorenthalte, —
das ist es, worum ich ihn bitten möchte. Die andere Bitte ergeht an die-
jenigen, welche Beruf oder Neigung der niederdeutschen Sprache und ihren
Denkmälern zuführt. Mögen sie die Umlautsfrage ihrer Aufmerksamkeit und
vorurtheilslosen Prüfung würdigen und die Ergebnisse ihrer Forschung uns
nicht vorenthalten. Sind meine Ansichten irrig, so widerlege man sie mit ernsten
Gründen und ich werde sie nicht länger hegen; bloße allgemeine Redensarten
aber oder Epitheta wie „flüchtig, unwissend" u. s. w. werden diese Wirkung
nicht haben.
LEIPZIG. KARL SCHRÖDER.
MISCELLEN.
Übersicht
der germanistischen Vorlesungen an den Universitäten Deutschlands, Österreichs,
der Schweiz und Hollands im Winter 1873/74.
Encyclopädie: Encyclopädie der deutschen (germanistischen) Philologie:
Heidelberg-Bartsch; Geschichte der germanistischen Philologie: Bonn-Reifferscheid.
Vergleichende Grammatik: Berlin-Ebel: Breslau-Stengler; Heidel-
berg-Lefmann; Leiden-Kern; Marburg- Justi; vgl. Grammatik des Gothischen
und Althochd. mit dem Griech. und Lateinischen: Halle-Pott; des Deutschen,
Slawischen und Litauischen: Leipzig-Leskien; ausgewählte Kapitel der vergl.
Grammatik: Greifswald-Höfer; Königsberg- Nesselmann; Einleitung in das Studium
der vgl. Sprachwissenschaft: Gräz-Schmidt; Entwickelungsgeschichte der gram-
matischen Formen in den indoeuropäischen Sprachen: Prag-Ludwig; Sprach-
wissenschaft!. Glossologie, ihre Hauptergebnisse und ihr Studiengang: Straßburg-
Bergmann; Classification und Geschichte der Sprachen: Zürich-Tohler; Phonetik
oder natürliches System der Sprachlaute und sein Verhältniss zu den wichtigsten
Cultursprachen : Bi eslau-Rumpelt.
Deutsche Grammatik: Breslau- Rückert; Erlangen-Raumer; Gießen-
Weigand; Heidelberg-Bartsch; Königsberg-Schade; Leipzig-Zarncke; München-
Hofmann; Straßburg Scherer; Tübingen-Keller; Wien-Heinzel ; Zürich-Tobler;
ausgewählte Kapitel: Halle-Zacher.
MISCELLEN. 121
Gothische Grammatik: Bonn-Diez; Dorpat-Meyer; Groningen-Moltzer;
Halle-Hildebrand; Leiden-de Vries; Würzburg-Lexer ; Zürich-Haag.
Althochdeutsche Grammatik: Münster- Storck; Prag-Kelle.
Neuhochdeutsche Grammatik: Berlin-Begemann (Ak. f. ra. Phil.);
Bonn-Birlinger ; Darlegung der deutschen Conjugation; Bonn- Andresen ; deutsche
Syntax: Kiel-Groth.
Altsächsische Grammatik: Leipzig-Paul.
Altfriesische Grammatik: Leiden-de Vlies.
Niederländische Grammatik: Groningen-Moltzer; Leiden-de Vries;
Utrecht-Brill.
Angelsächsische Grammatik: Groningen-Moltzer; Leiden-de Vries.
Englische Grammatik: Berlin-Mätzner (Ak. f. mod. Phil.); Leipzig-
Wüleker.
Altnordische Grammatik: Göttingen- W. Müller.
Deutsche Mythologie: Halle-Zacher; Innsbruck-Zingerle ; Marburg-
Grein.
Deutsche Alterthümer: Kiel-Weinhold; angelehnt an Tacitus' Ger-
mania: Basel-Gerlach ; Berlin-Müllenhoff; Heidelberg-Scherrer; Leipzig-Brandes;
Straßburg-Scherer; Zürich-Schweizer-Sidler; Culturgeschichte des Mittelalters:
Münster- Xordhoff; Kunst- und Culturgeschichte der Stauferzeit: Breslau-Schultz;
Beschreibung des alten Islands (874 — 1264): Kiel-Möbius.
Deutsche Rechtsquellen, Erklärung: Breslau-Gierke; Göttingeu-
Frensdorff; Wien-Schuster; Würzburg- Schröder; Sachsenspiegel: Berlin- Lewis ;
Erlangen-Gengler; Kiel-IIänel; Leipzig-Höck ; Marburg - Rösteil ; Zürich- Orelli ;
über deutsche Rechtsquellen : Ronn-Meibom.
Deutsche Li tteraturgesch icht e: Heidelberg-Laur; bis zur Gegen-
wart: Freiburg-Martin; Königsberg-Schade; Übersicht derselben: Dorpat-Maring ;
Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur: Ronu-Simrock; Geschichte
der altdeutschen Poesie: Berlin-Müllenhoff; Marburg-Lucae; Rostock-Rechstcin ;
Würzburg-Lexer; allgemeine Geschichte der Poesie des Mittelalters: Göttingen-
Gödecke; Geschichte der deutschen Dichtung von 400 — 1600: Zürich-Ettmüller;
althochdeutsche Litteraturgeschichte: Jena-Sievers; Übersicht derselben mit
Erklärung von Denkmälern: Göttingen-Wilken; mittelhochdeutsche Litteratur-
geschichte: Bern-Schöni; Göttingen-Wilken; des 1">. Jahrhunderts: Leipzig-
Paul; deutsche Literaturgeschichte im Mittelalter: Prag Kelle; vergleichende
Litteraturgeschichte Deutschlands, Englands, Prankreichs von der Reformations-
zeit bis zu Ende des 18. Jahrhs.: Leipzig-Biedermann; Geschichte der deutschen
Dichtung Beil Beginn des 17. Jahrhs.: Göttingen-Tittmann; der deutschen Sprache
und Litteratur seit dem 17. Jahrb.: Kiel-Groth; Neuere Litteraturgeschichte
besonders des 17. und 18. Jahrhs.: Halle-Gosche; deutsche Litteraturgeschichte
im 17. und 18. Jahrh. : ; 3cherer; des 18. Jhrs.: München-Berti
Schiller: Wien-Tomaschek ; seil Ende des 18. Jahrhs.: Kiel- Weinhold ; im
19. Jahrh.: Graz Schönbach; deutsche H< I l< a age: Gießen-Zimmermann; Leben
und Dichten der Minnesinger: Münster Storck; über deutsche Lyrik (Fortsetzung):
Leipzig-Minckwitz ; deutsehe Lyrik des 18. und 19. Jahrhs : Zürich- Stiefel; über
das neue Volk lied, 1" onders des 16. Jahrhs., mit besonderer Verwerthung für
die Culturgeschichte: Leipzig- Hildebrand; Geschichte der christlichen Dichtung,
besonders bei den Deutschen: Braunsbei Lessing: Heidelh
122 MISCELLEN.
Fischer: Marburg-Lucae; als Philosoph und Dramatiker: Bern-Hobler; Ver-
hältniss Lessings, Schillers und Goethes zur Philosophie: Bonn-Meyer; über
Goethe: Göttingen-Gödecke; Halle-Hagen; Innsbruck-Zingerle; Goethes Gedichte:
Tübingen-Holland; über Göthes Faust: Heidelberg-Reichlin-Meldegg; Müuchen-
Carriere; über Schiller: Gießen-Ziinmerinann ; Geschichte der Koniantik in
Deutschland: BernSchoni; schwabische Dichterschule: Halle-Gosche.
Niederländische Litte raturgeschichte: Leiden-de Vries; Utrecht-
Brill; der neueren Zeit: Groningen-Moltzer.
Angelsächsische Litte raturgeschichte: Wien-Zupitza.
Englische Litte raturgeschichte: von Chaucer bis Milton: Heidel-
berg-Ihne; 2. Theil: Stiaßburg-ten Brink ; über das altenglische Theater: Berlin-
Vatke (Ak. f. mod. Phil.).
Deutsche Metrik: Elemente der altdeutschen Metrik: Greifswald-Höfer;
englische Metrik: Marburg-Suchier; Straßburgten Briuk.
Sprachdenkmäler:
Gothische: Jena- Sievers; Leipzig Paul; Wien-Heinzel; Zürich-Haag;
Evangelium Matthaei: Bonn-Diez; Gießen- Weigand.
Altdeutsche: Bonn-Simrock; Breslau- Amelung; Königsberg- Schade.
Althochdeutsche: Basel-Heine; Berlin-Müllenhoff ; Otfrid : Bonn-Bir-
linger; Tatian : Jena-Sievers.
Mittelhochdeutsche:
Gottfrieds Tristan: Wien Heinzel.
Hartmanns Gregorius: Basel-Meyer; Greifswald-Höfer.
Klage: Rostock-Bechstein.
Konrads von Würzburg Otto mit dem Barte: Gräz-Jeitteles.
Kudrun: Leipzig-Hildebrand.
Nibelungenlied: Freiburg- Martin; Gießen-Weigand; nebst Einleitung
über die deutsche Heldensage: Göttiugen-W. Müller; Einführung ins
Studium des NL. und Erklärung ausgewählter Stücke: Basel-Heyne.
Rudolfs Barlaam und Josaphat: Bonn-Reifferscheid.
Walther von der Vogel weide: Breslau-Rückert; Zürich-Ettmüller.
Wernhers Meier Helmbrecht: Bonn-Birlinger; Gräz-Jeitteles;
Leipzig-Hildebrand.
Wolframs Parzival: Heidelberg-Bartsch; Innsbruck-Zingerle.
Altsächsische: Heliand: Leipzig-Paul; Tübingen-Keller.
Mittelniederländische Gedichte: Leiden-de Vries.
Angelsächsische: Beowulf: Breslau- Amelung; Wien-Zupitza; neuangel-
sächsische: Straßburg-ten Brink.
Altenglische: Chaucer's Canterbury Tales: Breslau-Mall.
Altnordische: Lieder der Edda: Kiel-Möbius; Marburg Grein ; Fjö's-
vinnismäl: Straßburg-Bergmann; Njalssaga: Leipzig-Zarncke.
Germanistische Übungen in Seminarien, Gesellschaften, Societäten, Kränz-
chen werden gehalten in Basel, Berlin, Bonn, Breslau, Freibarg, Göttingen,
Graz, Halle, Heidelberg, Jena, Innsbruck, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg,
Rostock, Straßburg, Tübingen, Wien und Würzburg.
MISCELLEN. 123
Karl Schiller.
(Nekrolog.)
Karl Christian Schiller wurde am 11. Nov. 1811 zu Rostock geboren.
Nachdem er auf dem dortigen Gymnasium vorbereitet war, verließ er dasselbe,
um sich dem Studium der Philologie zu widmen. Er begann es auf der Uni-
versität seiner Vaterstadt, und setzte es in Leipzig fort. Hier gehörte er in
den Jahren 1832 und 1833 auch der von G. Hermann geleiteten griechischen
Gesellschaft an, erwarb liier die philosophische Doctorwürde, und nahm 1834
eine Anstellung am Gymnasium zu Schwerin an, womit andere Plane, mit denen
er sich trug, aufgegeben wurden. Die ganze übrige Zeit seines Lebens ist er
an diesem Gymnasium als Lehrer thätig gewesen, an dem er nach und nach
vom letzten bis zum ersten ordentlichen Lehrer aufrückte. Ein Versuch in das
geistliche Amt einzutreten scheiterte; er hatte freilich die amtlicherseits er-
forderliche Befähigung sich erworben, aber da er einigemal bei einer Wahlpfarre
nicht die nöthige Stimmenmehrheit erlangte, gab er weitere Versuche, auf, und
blieb dem Lehrfache von nun an für immer getreu.
Die erste wissenschaftliche Arbeit, mit der er öffentlich hervortrat, war
die Herausgabe des griechischen Eedncrs Andocides (1835, Leipzig), bis dahin
die erste Einzelausgabe dieses Redners; dann folgte ein Commentar zu einigen
Oden des Horatius, Leipzig 1837, und im Programm des Gymnasiums vom
J. 1844; im Programme von 1855 erschienen von ihm die Regeln der latei-
nischen Syntax für untere Classen. Für die Leser der Germania ist aber seine
Thätigkeit auf dem Gebiete der deutschen, speciell der niederdeutschen Sprach-
forschung, von größerer Bedeutung. Erst im reiferen Mannesalter ward er auf
verschiedene Veranlassungen dahin geführt; gleich seine erste umfassende Arbeit
auf diesem Felde zeigte indeß, daß er nicht mit dilettantischem Eifer, sondern
mit wissenschaftlicher Gründlichkeit verfuhr; sie beurkundete zugleich die ganze
Eigentümlichkeit seiner wissenschaftlichen Thätigkeit, emsigen Sammlerrleiß
und treue, gewissenhafte Forschung. Dieß war das Programm von 18G0 „Zum
Thier- und Kräuterbuche des meklenburgischen Volkes", dem noch zwei Fort-
setzungen 1861 und 1864 folgten (Bärensprung, Schwerin). Dieses Werk gab auch
Veranlassung zur Bekanntschaft mit mir, der ich bis dahin ihm ganz fern gestan-
den hatte. Schiller übersandte mir das erste Heft und bat mich am Beiträge; ich
gab sie ihm gern und bereitwillig, soviel ich vermochte; seitdem entspann sich
zwischen uns ein reicher Briefwechsel, der fast bis zu seiner Todesstunde fort-
gedauert hat. Zugleich hatte sich Schiller eine lexicalische Sammlung nieder-
deutscher Wörter angelegt, die, wie er mir 1867 schrieb, damals bereits 10.000
Quartblätter umfasste. Aus diesem reichen Vorrathe hal 367 „Beil
zu einem mittelniederdeutschen Glossar" I eben. Zu einer Herausgabe
mittelniederdeutschen Wörterbuches , wie sie der sei. Professor Fr. Pfeiffer
auf der l'liilologenversamtnlung zu Hannover 1864 ' hatte, wolll
sich anfanglich gar nicht verstehen. „Es fehlen mir dazu die Jahre, schrieb
er mir, dagegen meine ich, ein mnd, Glossar noch mit rüstiger Kraft zu Stande
bringen zu können, da mir ein stattliches M iterial bereits zu Gebote steht."
Erst als die Versuche des auf Pfeiffers Vorschlag niedergesetzten Comitea
für die Herausgabe eines mnd. Wörterbuches ohne Erfolg waren, entschloß er
124 MISCELLEN.
sich mit schwerem Herzen und erst auf dringendstes Zureden guter Freunde, von
einem bloßen Glossar abzustehen, zumal auch buchhändlerische Schwierigkeiten
der Herausgabe eines bloßen Glossars entgegentraten. Schiller hatte mich be-
reits, als er nur noch ,, Beitrüge zu einem mnd. Glossar" herauszugeben gedachte,
aufgefordert als Mitherausgeber aufzutreten. Ich sagte es ihm zu, und war
ebenfalls dazu bereit, als der Plan des Werkes sich erweiterte, damit doch endlich
aus der Sache etwas würde .und die Arbeit mehrerer Jahre nicht ganz ver-
geblich gemacht sei. Als endlich, nachdem Krankheit, Krieg, dazu Bedenklich-
keiten aller Art, die aus seiner Gewissenhaftigkeit entsprangen, Verzögerungen
und Schwierigkeiten gemacht hatten, das erste Heft 1872 ans Licht trat, fühlte
er sich freudig erregt, und seine Freude ward gesteigert, als auf eine Petition
der Germanistenversammlung in Leipzig sein Landesherr ihn in der ehrenvollsten
Weise von seinen amtlichen Functionen entband, um in voller Muße seinem
Lieblingswerke leben zu können, und der Kaiser eine peeuniäre Unterstützung
gewährte. Die kurze Zeit, die ihm das Schicksal vergönnte, so für das Wörter-
buch thätig sein zu können, hat er in gewohnter Weise mit regelmäßigem
Fleiße ausgenützt; schrieb er mir doch schon 1867, daß er jeden Morgen
Winters und Sommers mit dem Schlage 5 am Arbeitstische sitze. Der nöthigen
mündlichen Besprechung halber und zugleich einer Freundespflicht zu genügen,
wollte er mich in den diesjährigen Hundstapsferien besuchen. Die Zeil, ja der
Tag war fast schon bestimmt, als ein Fußübel — wie es sich nachher heraus-
stellte, eine Gefäßverstopfung in Folge eines Herzleidens — ihn nöthigte zu Hause
zu bleiben. Er forderte mich nun auf zu ihm zu kommen, ich sagte es ihm zu,
wofür er mir noch in seinem letzten Brief am 21. Juli 1873 dankte; aber
aus der Reise ward nichts, denn der Todesengel berührte ihn am 4. August.
Noch in seinen letzten Stunden hatte ihn der Gedanke an das Wörterbuch
beschäftigt.
Seine reiche wohlgeordnete lexicalische Sammlung ist mir von seinen Erben
bereitwilligst zur Verfügung gestellt worden.
So tief es auch zu beklagen ist, daß Schiller nicht mehr persönlich an
seinem Werke arbeiten kann, so ist mir doch durch die Sorgsamkeit und Sauber-
keit seines Arbeitens die Möglichkeit gegeben, das Werk in seinem Geiste fort-
zuführen.
OLDENBURG, 7. Deceinber 1873. A. LÜBBEN.
Hermann Kurz.
(Nekrolog.)
Am 10. Oclober ist in Tübingen ein Mitarbeiter der Germania gestorben,
der Universitätsbibliothekar Dr. Kurz. Über sein Leben wird eine ausführliche
Biographie von Freundes Hand vorbereitet. Hier mögen einige Worte genügen.
Hermann Kurz ist am 30. Nov. 1813 in Reutlingen geboren. Die Zu-
stände seiner Kindheit und seines Lebens in der Heimath, an der er mit der
Liebe eines alten Reich sstädterB hieng, sind in verschiedenen seiner Erzählungen
anziehend geschildert. Die Gymnasialbildung erhielt er in dem evangelisch-theo-
MISCELLEN. 125
logiseben Seminar Maulbronn, wo er mit Eduard Zeller, jetzt Professor der
Pbilosopbie in Berlin, im gleicben Curse zusammentraf. Im Herbst 1831 bezog
er die Universität Tübingen und gehörte bis gegen das Ende seines akademischen
Lebens, Herbst 1835, dem evangelisch-theologischen Seminar au, um die Zeit,
wo E. Zeller, G. v. Rümelin als Zöglinge, D. F. Strauß, Gustav Pfizer, Friedr.
v. Vischer als Repetenten in dieser Anstalt weilten. Er bestand mit rühmlichem
Erfolge die erste theologische Dienstprüfung und war später einige Zeit Pfarr-
gehilfe bei seinem Oheim, dem Pfarrer Mohr in Ehningen bei Böblingen. Damit
aber war seine theologische Laufbahn abgeschlossen, denn schon auf der Uni-
versität hatte er, angeregt durch die Vorlesungen Unlands und Moriz Rapps,
sich vorzugsweise sprachlichen und litterarhistorischen Studien, ja poetischen
und mimischen Versuchen zugewendet, wozu Ulilands stilistische Übungsstunden
und die unter Rapps Leitung von seinen Zuhörern ausgeführten dramatischen
Darstellungen fruchtbare Anregung gaben. Der Umgang mit Sucher führte ihn
in die clnssische Musik ein und veranlasste die Bearbeitung verschiedener
Liedertexte für Suchers Melodien und Volksliedersammlungen.
Kurzs erstes schriftstellerisches Auftreten fällt noch in die Studentenzeit,
wo er für die Reutlinger Drucker, die damals noch regelmäßig die deutschen
Volksbücher auf grauem Löschpapier für die Jahrmärkte zurechtmachten, das
seit langer Zeit fehlende Faustbuch neu bearbeitete. Ich gab dazu mein Exemplar
des G. R. Widmann, Wilhelm Eytel lieferte die Zeichnungen zu den Holz-
schnitten , Kurz besorgte den Text. Das Buch erschien so zum ersten Mal
wieder 1834.
Von den eigenen Dichtungen, lyrischen, dramatischen, epischen, soll
hier nicht weiter die Rede sein; seine Gedichte, seine Novellen, seine Romane
,, Schillers Heimathjahre" und „der Sonnenwirt" sind bekannt. Noch weniger
darf ich auf seine vielen Übersetzungen aus Äriost (Roland), Cervantes, Chateau-
briand, Shakspeie, Byron, Moore u. a. eingehen.
Seine eindringenden Studien über Shakspere sind thcils in seineu Über-
setzungen, theils in den Jahrbüchern der deutschen Shaksperegesellschaft, theils
in den besondern Schlitten niedergelegt z. B. Zu Shaksperes Leben und Schaffen;
Altes und Neues. München 1808. Falstaff und seine Gesellen von Paul Konewka,
Text von Hermann Kurz.
Mit Gottfried von Straßburg hat sich Kurz frühe beschäftigt. In den
vierziger Jahren, als er gleichzeitig mit Franz Pfeiffer in Stuttgart lebte, ent-
stand unter philologischem Beirath des letzteren dl Übersetzung dr^ Tristan,
welche mit eigenem Schlüsse versehen und mit reicht r sagengeschichtlicher
Einleitung ausgestattet 1844 und mit neuem Titel 1847 in Stuttgart bei
Rieger (Becher) erschienen ist. Mit dieser Arbeit im Zusammenhange steht eine
kleine polemische Schrift: „Wenn es euch beliebt, der Kampf mit dem Drachen.
Ein Bitter- und Zaubermärchen. Zum Besten di igers und Tristans-
kritikers Hrn. Oswald .Marbach, mit neu-, mittel- und althochdi utschen, aber aller
Welt verständlichen Glo »eben Karlsruhe den 30. Nov. ISN von Her-
mann Kurz." Stuttgart L845. Mehr als 20 Jahre später finden wir Kurz von
Neuem mit Gottfried beschäftigt, in einer Untersuchung über . I1 bters
Geschlecht und Leben, die zuerst in der Wochenauagabe der allgemeinen Zei-
tung, dann durchgesehen und vermehrl in der Germania 15, 20 ff. veröffentlicht
wurde. Hier, wie in allen seinen wissenschaftlichen Untersuchungen, schreitet
126 MISCELLEN.
er mit strenger Methode vor und weiß jeden gewonnenen Anhaltspunkt mit Scharf-
sinn in seine Consequenzen zu verfolgen und zu neuen Combinationen zu verwerthen.
Bald nach der Studienzeit, als Kurz lediglich mit litterarischen Arbeiten
beschäftigt in Stuttgart lebte, entstand in unserem Kreise eine kritische Zeit-
schrift, die freilich keine große Verbreitung gefunden hat: der Spiegel, Zeit-
schrift für litterarische Unterhaltung und Kritik. Stuttgart, bei J. B. Metzler.
1837 und 38. Sie enthielt Beiträge von Gustav Schwab, J. Fallati, B. Auer-
bach, Eduard v. Kausler, Rudolf Kausler, R. v. Mohl u. a. Zu dem bedeutendsten,
was diese Zeitschrift brachte, gehört wohl Kurzs Artikel über Eduards von
Bülow Simplicissimus. Er gibt zuerst die Ergebnisse seiner Untersuchungen über
den Verfasser dieses merkwürdigen Buches und stellt als den wahren Namen des-
selben Hans Jacob Christoffel von Grimmeishausen fest. (Vgl. meine Ausgabe
des Buches, Stuttgart, für den litterarischen Verein, 1854. 2, 1127 f.). Weitere
eingehendere Forschungen über Grimmeishausen und seine Schriften hat Kurz
in der Beilage der Allgemeinen Zeitung yom 13. Juli 1865 gegeben. Wenn,
wie man hoffen darf, Kurzs wissenschaftliche Abhandlungen in Auswahl ge-
sammelt erscheinen, so wird diese gediegene Arbeit nicht übersehen werden.
Außer dem Dichter des 13. und dem des 17. Jahrhunderts vertiefte sich
Kurz noch vornehmlich in einen des 18., den heimischen Schiller. Sein Roman
über seine Jugendjahre hat insofern theil weise historische Bedeutung, als der
Verfasser aus mündlichen und schriftlichen Quellen über die Geschichte jener
Zeit schöpfte, welche theils jetzt verstummt, theils wenigen, zugänglich sind.
Für die neueste deutsche Poesie und ihre Geschichte war Kurz thätig
besonders durch den deutschen Novellenschatz, in dem er in Verbindung mit
Paul Heyse Proben aus den besten modernen Erzählern seit Göthe mit kurzen
biographischtn Skizzen zusammenstellte und wovon seit 1871 18 Bände er-
schienen sind. Der als Seitenstück dazu gegebenen Sammlung „Novellenschatz
des Auslands" (1872 f. 9 Baude) möge hier nur beiläufig gedacht werden.
Von den poetischen Arbeiten Kurzs wird, besorgt von Paul Heyse, eine
Sammlung in acht Bänden erscheinen.
Über Kurzs äußeres Leben ist nicht viel zu sagen. Ungeneigt, sich in
die Bande eines amtlichen Lebensberufs zu fügen, lebte er unabhängig, aber
auch unstät , in Stuttgart, Karlsruhe, Weilheim, Kirchheim u. T. Einige
Jahre besorgte er die Redartion des Stuttgarter Oppositionsblattes ,, Beobachter".
Erst 18G-2 übernahm er die durch Prof. Tafeis Tod erledigte Stelle an der
Universitätsbibliothek in Tübingen, deren Benutzer seine vielseitigen Kenntnisse,
wie seine aufopfernde Gefälligkeit dankbar zu rühmen hatten. Von äußeren
Ehrenbezeugungen ist dem in stiller Zurückgezogeuheit lebenden, vielfach ver-
kannten Mann nur eine zu theil geworden, die Verleihung des Doctordiploms
honoris causa seitens der philosophischen Facultät in Rostock.
A. v. KELLER.
Artur Köhler.
(Nekrolog.)
Es ist eine schöne Sitte, deren Ausführung Herr Prof. Bartsch in den
letzten Jahren meist selbst auf sich genommen hat, den dahin geschiedenen
MISCELLEN. 127
Mitarbeitern unserer Germania in dieser Zeitschrift ein ehrendes Andenken zu
widmen. In dem vorliegenden Falle aber dürfte es sich besonders für mich
schicken, dieser Pflicht gegen den zu früh verstorbenen Fachgenossen gerecht
zu werden, da ich vor mehreren Jahren an der Kreuzschule zu Dresden Artur
Köhler als College nahe stand und außerdem von dieser Zeit her das gegen-
seitige, warme Interesse für die speciellen wissenschaftlichen Arbeiten des Anderen
eine engere Verbindung zwischen uns wach erhielt.
Dr. Emil Artur Köhler ist geb. zu Dresden am 22. März 1841, besuchte
von 1854 — 1860 die dortige Kreuzschule, studierte anfänglich Theologie, dann,
worauf ihn seine Neigung mehr wies, Philologie, besonders germanische Sprachen
in Leipzig unter Zarnckes Leitung. 1862 siedelte er nach Göttingen über und
promovierte daselbst am 19. Nov. 1864. Nachdem er hierauf eine Zeit lang
Hauslehrer in und bei Dresden gewesen, und am 13. Juli 1866 das Examen
für die Candidatur des Gymnasialschulamtes in Leipzig bestanden, wirkte er
an der Kreuzschule zu Dresden, zunächst als Cand. prob., seit Ostern 1868
als ständiger Oberlehrer. Er führte hier in den letzten Jahren das Ordinariat
der Untersecuuda und ertheilte den deutschen Unterricht in der Prima. Im
Sommer 1873 erkrankte er an einem acuten Lungenleiden und folgte am
26. August d. J. seiner neun Wochen vorher ihm durch den Tod entrissenen
Gattin ins Grab*).
Köhler gehörte zu den Gymnasiallehrern, denen ihr Beruf nicht nur
Mittel zum Zweck, sondern voller Selbstzweck, erste Lebensaufgabe ist. Seine
Lehrgeschicklichkeit, vor allem auch der frische anregende Ton, den er in den
Unterrichtsstunden anzuschlagen verstand, erwarben ihm ebenso das Interesse
wie die Liebe seiner Schüler. Trotzdem aber ging sein Leben nicht in dieser
Thätigkeit auf; seine Freistunden, zumal seine Ferien, verwendete er mit un-
ermüdlichem Eifer für theoretisch-wissenschaftliche Arbeiten auf germanistischem
Gebiete. Nur wenigen ist es beschieden, diese ideale Verbindung praktischen
und theoretischen Wirkens auf die Länge durchzuführen, zugleich Schulmann
und Förderer der Wissenschaften zu sein. Köhler war nicht stark an Körper-
kraft; dieser Widerstreit der Pflichten und die damit verknüpfte übermäßige
Anspannung der geistigen Kräfte ist es wohl hauptsächlich gewesen, die ihm einen
so frühen Tod bereitet hat.
Köhler hatte sein Interesse besonders zwei Gebieten zugewendet. 1. Der
Erforschung der gothischen Syntax. 2. Dem Studium der angelsächsischen Poesie,
vor allem des Beovulf.
Die Resultate seiner gothischen Studien hat er in folgenden Arbeiten
niedergelegt.
1. Über den syntactischen Gebrauch des Dativs im Gothischen. Köhlers
Doctordissertation. Dresden 1864. Wieder abgedr. Germ. XI p. 261 ff.
2. Nachtrag zu dii indlung Germ. XII p. • ',,'! f.
3. Der syntactische Gebrauch des Infinitivs im Gothisohen. Genn. XII
p. 421 IV.
4. Der syntactische Gebrauch des Optativs im Gothischen. Germanistische
Studien, edd. Bartsch. I, p. 77 ff. <\ i Brdmann, Ztscbr. f. d. Piniol.
V p. 212 ff.).
*) Für die genaueren biogr. Notizm bin ich 11. Bector Prof. Bultsch in Dn
zu Danke verpflichtet K.
128 MISCELLEN.
Seine übrigen Abhandlungen behandeln nach verschiedenen Eichtungen
die ags. Poesie. Es sind diese:
5. Germanische Alterthümer im Beövulf. Germ. XIII p. 129 ff.
6. Über den Stand berufsmäßiger Sänger im nationalen Epos germani-
scher Völker [Vorwiegend angels. Verhältnisse berücksichtigend]. Germ. XV
p. 27 ff
7. Die Einleitung des Beövulfliedes. Ein Beitrag zur Frage über die
Liedertheorie. Ztschr. f. d. Phil. II p. 350 ff.
8. Die beiden Episoden von Heremod im Bcövulfliede. Ztschr. f. d. Phil.
II p. 314 ff.
Köhler beabsichtigte eine größere selbständige Schrift über die Com-
pcsition des Beövulf auszuarbeiten, von der 7 und 8 nur Proben sein sollten.
Wie weit dieselbe gediehen, vermag ich nicht anzugeben.
BRESLAU, im Nov. 1873. EUGEN KÖLBING.
Notizen.
Professor Dr. E. Martin in Freiburg hat einen Ruf als Professor der
deutschen Sprache und Litteratur an die Universität Prag erhalten und leistet
demselben Ostern 1874 Folge.
Dr. Ludwig Hirzel, Lehrer an der Kantouschule zu Aarau, ist als
ordentlicher Professor der deutschen Sprache und Litteratur an die Universität
Beru berufeu worden.
Dr. E. Steinmeyer hat eine außerordentliche Professur in der philo-
sophischen Facultät der Universität Straßburg erhalten.
Dr. Felix Lindner aus Bunzlau hat sich als Privatdocent für die neueren
Sprachen, besonders für Englisch, an der Universität Rostock habilitiert.
Am 22. Januar 1874 starb in Corvey Hoff mann von Fallersieben;
am 5. Februar in Berlin Moriz Haupt; am G. Februar in Berlin Dr. Oscar
Jan icke, Oberlehrer an der Sophienrealschule. Nekrologe wird die Germania
in ihrem nächsten Hefte bringen.
Zu Germania XVIII, 454, Zeile 13 v. u.
Zu diesen Marzo und April e in den Cyclopeninaueru der Porta Bellona
stimmt in Vielem, was ich Genn. 17, 459 f. über das Heidenwerfen in
Heimburg mit^etheilt. So wie an der Porta Bellona links vom Eingange der
Marzo angebracht war, der gesteinigt wurde, so in Heimburg der SommeT.
Wie; ihm dort der Aprile gegenübersteht, so in Heimburg dem Sommer
der Winter (oder Attila). Das Auffallende, daß in Heimburg der Sommer
gesteinigt ward statt des Winters steht freilich zu diesem in Italien auftreten-
den Gebrauch des Heidenwerfens in Widerspruch; denn der gesteinigte Marzo
ist der Winter. SCHRÖER.
BEITRÄGE ZUR KENNTNISS DER LANGOBAR-
DISCHEN SPRACHE.
Zu den oft wiederkehrenden Änderungen, welche sich die roma-
nischen Abschreiber der langobardischen Gesetzessammlungen in Be-
zug auf die in denselben erhaltenen langobardischen Ausdrücke er-
laubten, gehört u. a. das Weglassen des anlautenden h vor Vocalen
sowohl als vor folgendein r. Das nämliche Gesetz gilt natürlich auch
für die bei Paulus Diaconus erhaltenen Namen. Zwei langobardische
künigsnamen , welche in den meisten Handschriften mit r beginnen,
haben vor demselben ohne Zweifel ursprünglich noch ein h gehabt,
ein h, welches in Einern Falle wenigstens handschriftlieh noch erhalten
und beglaubigt ist. Es sind die beiden Königsnamen Röthari und Ratchis,
deren ältere und echtere Formen Hrötharit und Urateis müssen ge-
lautet haben.
Wir beginnen zunächst mit dem zuletzt genannten Namen und
suchen demselben auf einem kleinen Umwege beizukommen. Bei Paulus
Diaconus nämlich in dem Werke _,De gestis Langobardorum" (VI,
2C u. VI, 51) heißt ein Sohn des Herzogs Peinmo von Friaul Ratchais.
In Ratchis ist das h zwischen c und i ohne Zweifel nur eingeschoben,
damit der Guttural nicht gequetscht, sondern wirklich guttural ge-
Bprochen werde, gerade wie die Italiener aoch heutzutag ■ neben amico
in der Mehrzahl amichi schreiben Das zweite Worl isl demnach das
Substantivuni ix'i*. dessen streu" althochdeul che Form kis, eis lautel
und das als zweiter Bestandtheil zusammeng« etzter Männernamen die
Bedeutung von ..Held" muß gehabt haben (Wackernagel in Bindings
Gesch. des burgundisch-romanischen Königreichs Bd. I S. 368). Audi
bei Ratchait gehört das zweite Worl zu der Dämlichen Wurzel; auch
(ahd. ger) bezeichnel 1 I den Speer und 2 in zusammengesetzten Namen
von persönlicher Bedeutung den Helden (Wackernagel a. a. 0.); das
h aber wird hier, wo ei an und ftlr ich allerdingf entbehrlich w
nach der Analogie der mil i eis zusammengesetzten eingeschaltet
sein. Nun aber der erste Bestandtheil. Pörsteraann (Altdeutsches
Namenbuch I, 991) schwankt zwischen dem Sab tantivura räd,
&MANU Beihe. . 9
130 KARL MEYER
welches seiner Bedeutung nach sowohl dem lateinischen opes, copia
als consilium entspricht, und dem Adjectivum hrad (celer). Daß jedoch
nur letzteres an dieser Stelle passend und möglich ist, wird sich sofort
ergeben. Das Substantivum räd hat gedehntes a; nun heißt aber bei
Augustinus (de civ. Dei V, 23) ein gothischer Heerführer Rhadagaisus,
also genau ebenso wie unser Langobarde. Da aber die Gothen be-
kanntlich kein ä, sondern bloß a hatten, so kann jener Heerführer in
ihrer eigenen Sprache nur Hradagais (ahd. Hratager) geheißen haben*).
Von Hratcais aber zu Hratcis ist der Schritt ein leichter und kurzer,
und die Analogie empfiehlt denselben obendrein; wir stellen daher
auch das erste Wort von Ratchis zu hrad. Dazu kommt noch, daß
Hratcais einen Bruder Namens Hratcis hatte (Paul. Diac. VI, 26), und
durch diesen Umstand wird die Analogie nicht nur zur Möglichkeit
oder Wahrscheinlichkeit, sondern geradezu zur Notwendigkeit.
Nun aber der zweite Königsname. Die Handschriften haben die
Formen Rotari, Rothar, Rohtarith, Rottari, Rotharus, Rotharis, Rotharit
und Hrotharit neben einander. In der ältesten und besten derselben,
der S. Galler (Nr. 730), ist der Name leider gar nicht erhalten; hingegen
ist nicht zu übersehen, daß eine Pariser Handschrift von hohem Werthe
(Nr. 4614, bei Bluhme Nr. 10) — Bluhme hält sie für die zweitbeste —
die Form Hrotharit hat; das auslautende t erscheint auch sonst, z. B.
als th im Codex Vaticanus, ja sogar bei Paulus Diaconus (VI, 18) und
ist also schwerlich bloßes Einschiebsel. Wir haben also das zweite
Wort nicht als das Substantiv hari, sondern als ein schwaches Parti-
cipium Perfecti aufzufassen; das Verbum aber, welches dieses Partici-
pium voraussetzt, ist im Gothischen erhalten ; es lautet da vasjan (vgl.
altind. vas, lat. vestire, vestis, ahd. gaweri 1) investitura, Einkleidung
in den Besitz, 2) Besitz), hat die Bedeutung des Kleidens, Bekleidens,
und wird also bei den Langobarden warjan geheißen haben; das an-
lautende w ist wie in zahlreichen andern langobardischen und germa-
nischen Worten weggefallen. Der erste Bestandtheil sodann hröth ist
das Substantivum rot, ruod, an. hrödr (gloria) und hat, was auch sonst
im Langobardischen Regel ist, die dentale Aspirata beibehalten, die-
selbe noch nicht zur Media verschoben (vgl. Theudelinda, Theuderäda,
thinc, morth u. s. w.). Hrotharit ist also wörtlich der mit Ruhm be-
kleidete.
*) Bei Olympiodor und bei Zosimus heißt der Name 'Po3o-yt'üoo<;; allein das
griech. o kann für ä natürlich nichts beweisen. (Vgl. Zeuli , die Deutschen und die
Nachbarstämme, S. 419 Anm.).
BEITRÄGE ZUR KENNTNISs DEK LANGöRARDtSl HEM SPRACHE. 131
In Hrötharit ist also das im Gothiseheu noch erhaltene s schon
in r übergegangen. In einem andern Falle hingegen ist das s; und
zwar auslautendes s geblieben. Im Edictus Hroth. nämlich (278, 373,
380) steht dem lateinischen curtis ruptura ein langobardisch.es Wort
zur Seite, welches in den Handschriften oberus, operus, ebreos, overos,
oberus, hoberos lautet. Die beiden Buchstaben b und v werden im
spätem barbarischen Latein häufig verwechselt, (z. B. octabo, renobintur,
scriua, culpauelis für octavo, renoventur, scriba, culpabilis); daß aber
hier die Aspirata, wenn auch in ihrer weichen Form, und nicht die
Media am Platze ist, ergibt sich aus dem lateinischen 'curtis ruptura
unzweideutig. Das gothische raus nämlich (ahd. rör) setzt ein starkes
Zeitwort voraus, welches g. hriusa, hraus, hrusum, ahd. riusu, ros,
rurumes (ags. hre'osan, hreäs) muß gelautet und als Grundbedeutung
die des Brechens muß gehabt haben; rör bezeichnet demnach das
Geknickte, Gebrochene, während ros die abstractere Bedeutung des
Brechens hat. Das s ist hier durch seine Stellung im Auslaut geschützt
wurden: auch in den starken Conjugationsclassen des Althochdeutschen
erhält sich s in den einsilbigen Formen des Präteritums, also im Aus-
laut, länger als in den mehrsilbigen, wo es in den Inlaut kommt.
Noch ein drittes Wort, welches sein anlautendes h vor folgendem
r in der handschriftlichen Überlieferung verloren hat, während die
Laugobarden selbst dasselbe unstreitig noch hatten , findet sich Ed.
Roth. 16; der Leicheuraub heißt da rairaub; Ansuald, der Notarius
des Königs Hrotharith, hat ohne Zweifel noch h rairaub geschrieben.
(Vgl. g. hraiv, ahd. hreo.)
Auch vor anlautenden) 1 mögen die Langobarden selbst noch ein
h gehabt haben; nur ist das betreffende Wort schwieriger zu deuten
als die bisherigen. Ein Fischteich nämlich hieß bei den Langobarden
lama (Paul Diae. I, 1.5). J. Grimm (Gesch. d. deutschen Sprache 694)
denkt an das finnische lammi (lacus minor), das litthauische loma, das
lateinische lama (locus humidus, palustris, das spanische (gothischi
lama (Schlamm, Seegrund); letzteres wird indessen von Diez Etvniol.
Wörterbuch I, 241) wohl richtiger nebsf dem portugiesischen lama
und dem in der Dauphin«'- nachgewiesenen lamma auf das gemeinsam!
lateinische lama zurückgeführt. Letzteres sowie die angeführten finni
sehen und litthauischen Formen können wohl urverwandt sein; es fragl
sich indessen, ob innerhalb der germanischen Mundarten nicht ebenfalls
stammverwandte Worte zu finden sind. Abel, der Übersetzer des
Paulus Diaconus, erklärt Lima durch Lehm, glaubl also, ei stehe hier
ä für ai; allein Lehm und \\ < ei nd doch rschiedene Dinge.
132 KARL MEYER
Nun besitzt das Altsächsische ein Verbum hlamon (hlamodun üdeon,
ström an stamne, Hei. 2915), ags. hlemman; welches die Bedeutung
des Rauschens und Tosens hat; hlama als stf. oder hlamo als schwm.
würde demgemäß das Wasser als rauschendes, tosendes Element be-
zeichnet haben. Letzteres wäre nun allerdings eine Eigenschaft, welche
zunächst und vorzugsweise für fließende Gewässer und nicht für einen
stehenden Fischteich sich eignete; es ist indessen nicht unmöglich,
daß dieselbe zunächst vom Wasser im Allgemeinen galt, dann aber
schließlich zur Bezeichnung einer bestimmten Art von Wasserbehälter
verwendet wurde.
Auch vor Vocalen ist anlautendes h; zumal in den spätem Hand-
schriften, weggefallen. So heißt der Schultheiß in den langobardischen
Gesetzbüchern durchweg mit Wegfall des h, mit welchem das zweite
Wort eigentlich beginnen sollte, sculdais (nur die S. Galler Handschrift
hat sculdhais Roth. 35), und daraus wird dann gelegentlich noch, da
die Romanen den Diphthongen gerne auswichen, sculdahis (vgl. den
marpahis für marpaiz bei Paul. Diac. II, 9). In beiden Worten, in
sculdhaiz und marpaiz, ist überdieß die Vertauschung der dentalen
Aspirata z im Auslaut gegen s charakteristisch für die romanischen
Schreiber*;, welchen wir die Aufzeichnung der Gesetze wie des Ge-
schichtswerkes des Paulus Diaconus verdanken.
Als eine Eigentümlichkeit der langobardischen Mundart wird
uns ferner von Paulus (I, 9) das anlautende gw bezeichnet — Wodan
sane, quem adjecta litera Gwodan dixerunt — ; indessen war J. Grimm
(Gesch. d. deutschen Sprache 295, 296) geneigt, diese Consonanten-
verbindung romanischem Einflüsse zuzuschreiben, und daß er in dieser
Beziehung vollkommen Recht hatte, ergibt sich aus folgenden Gründen.
Die altern und bessern Handschriften des Edictus Hrötharit kennen
im Anlaut bloßes w, haben also wergild, wecwori, waregang: im
Gegensatze hiezu haben die spätein, welche die ursprünglichen lango-
bardischen Formen auch sonst immer mehr entstellen, zumal die Madrider,
einmal (Roth. 9) auch die von La Cava, guidrigild, guecorion, guare-
gang. Die S. Galler Handschrift, welche also noch nirgends gw kennt,
gehört noch dem siebenten Jahrhundert an; Paulus schrieb sein Ge-
schichtswerk gegen Ende des achten. Wenn nun einerseits die ältesten
langobardischen Quellen anlautendes gw nicht kennen, und wenn an-
dererseits Paulus dasselbe als eine Eigenthümlichkeit der Sprache
seines Volkes erwähnt, so ergibt sich daraus, daß die Eigenthümlich-
': ; Auch die S. Galler Hdscbr. hat dieses s durchweg.
BEITRÄGI ZUK KENNTNISS DER l ^NG OB ARDISCHEN SPRÄCHE. 133
km als solche keine ursprüngliche ist, daß ihre Ausbildung vielmehr
erst einer spätem Lebensepoche der Sprache angehört, daß sie in
keinem Falle älter ist als das achte Jahrhundert. Daß wir aber die-
selbe romanischem Einflüsse verdanken, schein! mir namentlich aus
folgendem Umstände hervorzugehn. Die italienischen Worte, welche
Diez (Grammatik d. roman. Sprachen •"«. Aufl. Th. [, S. (17 ff.) als aus
dem Germanischen eingedrungen anführt, sind sicherlich beinahe au
nalimslos langnnardischen Ursprungs; es entspricht alter in denselben
• rmanischem w im Anlaut durchweg gu; aus werra wird z. B. guerra
(französ. guerre), aus wisa guisa (franz. guise), aus warten guardare
u. s. w. Anlautendes gw ist somit allerdings eine Eigenthümlichkeil
d< Langobardischen , alter kein.- echte und ursprüngliche, sondern
eine aus romanischem Einfluß eingedrungene; vollständig durch-
gedrungen ist dieselbe übrigens auch im achten Jahrhundert keines-
wegs, und Paulus selbst liat noch genug langobardische Worte, in
welchen das einfache w im Anlaut entweder geblieben (Wacho, Wald-
räda u. s. w.) oder gänzlich abgefallen ist (Ulfhari).
Unter den wegen ihres auf einer spätem Entwicklungsstufe des
Sprache eingetretenen anlautenden gw erwähnten Worten verdient einer
noch eine speciellere Besprechung, nämlich wergild. Das Wort wurde
in dieser seiner eckten Tonn den Langobarden früher einfach ab-
rochen. .. I >)»• langobardischen Gesetze haben nie werigild, vielmehr
widrigild, guidrigild", sagt .1. Grimm (Deutsche Rechtsalterthümer,
S. 652). In ähnlichem Sinne äußert sich Osenbrüggen (Strafrecht der
Langobarden, S. 15): „Wergeid kommt in den langobardischen Rechten
nicht vor, an unzähligen Stellen aber Widrigild : an wenigen Stellen
findet sich die Form Wjrigild (Roth. 268. Liutpr. 85), aber nicht mit
Wergeid zusammenfallend, sondern in der Beziehung, die das Widri-
gild am häutigsten hat". Seitdem di< Ausgabe der langobard. Gesetze
von Fr. Bluhme (Monumenta Germaniae historica; legum tomus IV.
Hannovera« 1868 und Edictus ceteraeque Langobardura leges. Ilanno-
vera< lst'>'.' 1 r chi< nen ist vi rhält sich die Sache anders. Nach Blulime
nämlich haben die besten Handschriften, die S. Galler und die Paj
(1 und 10) wergild, und widrigild linde) .ick erst in jungem oder
schlechtem, auf welchen freilich alle frühern Ausgaben <\< 1 Gesetze
beruhen*). Eine Stelh , an welcher, wie Osenbiit 1 0 16
*) Genau genommen hat 1 nur wergild, 10 neben wergild mich wirgild und
wirigild, die übrigen meist widrigild, wählend 8 immer und 9 meistentheils guidiigild
hahen.
134 K VKT- MEYEH
meint, „Widrigild nicht Wergeid bedeutet" oder vielmehr nach seiner
Auffassung nicht Wergeid bedeuten kann, ist mir nicht vorgekommen;
vielmehr scheint mir „wergild" an allen von ihm zum Beweise des
Gegentheils angeführten Stellen die Bedeutung von Wergeid sehr wohl
haben zu können. Wenn es z. B. nach Ed. Roth 9 von einem falschen
Ankläger heißt*): „Et si provare non potuerit et cognuscitur, dolusse
adeusassit, tunc ipsc, qui aecusavit et prouare non potuit, wergild suo
conponat, medietatem regi, et medietatem, cui crimen injeetum fiierit",
so ergibt sich aus der angefühlten Stelle gerade das Gegentheil dessen,
was Osenbrüggen aus derselben zu beweisen sucht. Der falsche An-
kläger hat, eben weil seine Klage eine falsche ist, sein Leben verwirkt,
und um sich zu lösen von der Strafe, muß er denjenigen Preis be-
zahlen, zu welchem jenes für den Fall der Ermordung angeschlagen
ist, also sein Wergeid. Daß die Hälfte des letztern dem König zufällt,
ergibt sich aus der germanischen Anschauungsweise, nach welcher
durch die Missethat der allgemeine Zustand des Friedens (Waitz,
Deutsche Verfassungsgeschichte 2. Aufl. Bd. I, 392) gebrochen und
somit die Gesammtheit des Volkes (Waitz, . ebend. 410, 411), als deren
Repräsentant bei den Langobarden der König erscheint, verletzt ist.
In der lex Salica z. B. (tit. XVIII) erscheint allerdings auf Verläum-
dung eine geringere Buße (2500 dinar, qui faciunt sol. 62'/„) gesetzt
als auf Tödtung eines freien Franken (8000 dinar, qui faciunt sol. 200
nach tit. XLI, 1) ; hingegen stimmt jene mit dem Wergeid eines tribut-
pflichtigen Römers (tit. XLI, 7) überein. Es ergibt sich daraus bloß,
daß falsche Anklage bei den Langobarden härter bestraft wurde als
bei den Saliern ; denn daß Ed. Roth. 9 nichts anderes als das Wergeid
gemeint ist, ergibt sich einmal aus dem Texte der Handschriften 1
und 10, und zweitens hätte das hinzugefügte Pronomen possessivum
suo' durchaus keinen Sinn, wenn Widrigild (Wiedervergeltung) richtige
Lesart wäre. Übrigens sagt Osenbrüggen selbst (a. a. O. S. 15), Widri-
gild bezeichne entweder den Werth des Verletzten oder den des Ver-
letzers, und S. 16 nennt er es den „Entgelt für die verwirkte Per-
sönlichkeit"**). Es ist also stets wergild richtige Lesart; widrigild mag
an und für sich wohl ein langobardisches Wort gewesen sein, nur
kann es nicht den Werth einer Persönlichkeit, sei es der eines Ver-
*) Nicht zu übersehen ist, daß es sich um eine Capitalanklage direct beim
König handelt: Si qnis qualemcumque hominem ad regem ineusaverit quod ad animse
perteneat periculnm etc.
**) Vergl. auch noch ebend. S. 159, 160.
BEITRÄGE ZUR KENNTNISS DER LANGOBARDISCHEN SPRACHE. 135
letzten oder der eines Verletzers, bezeichnet haben, sondern seine
Bedeutung muß einfach die <\c* Schadenersatzes, der compositio, ge-
wesen sein. An und für sich ist freilich das Wergeid, Avelches ein
Mörder den Angehörigen des Ermordeten zahlt, auch in gewisser Hin-
sicht ein Schadenersatz; nur liegt es auf der Hand, daß der Begriff
der compositio ein viel umfassenderer ist als der des Wergeides. Ganz
ähnlich vorhält es sich mit der von Osenbrüggen (a.a.O. S. 16) eben-
falls zu Gunsten seiner zwischen Wergeid und Widrigild unterscheiden-
den Theorie citierten Stelle Ratchis 9: Nam si ipsum oeeiderit — con-
ponat mortem illius, simul et wirigild (sie. Cod. Paris. — 10) suo regi
pro praesumptionem *). Hier ist also der Fall angenommen, daß ein
Langobarde einen Freien, den er zu seinem Hörigen oder Sclaven
machen will, tödtet; auch da hat <\^\- Betreffende sein eigenes Leben
verwirkt und muß nun. um sich zu losen, dem König sein eigenes
Wergeid bezahlen, abgesehen von dem ebenfalls zu entrichtenden
Wergeide des Erschlagenen.
Es ist oben darauf hingewiesen worden, wie gerne die nichtger
manischen Schreiber das organische h weglassen, und es bot sich da-
mals in Bezug auf sculdahis, der neben sculdais erscheinenden Form,
auch Gelegenheit, auf eine zweite Eigenthümlichkeil der Romanen,
auf ihre Neigung, unorganisches h einzuschalten oder hinzuzufügen,
hinzuweisen. Und es findet sich dieses unorganische h nicht nur in
Fällen, wo es sich darum handelte, einen dem Romanen nicht geläu-
figen Diphthongen zu trennen, sondern es kommt dasselbe auch im
Beginn der Worte, lateinischer sowohl als langobardischer, vor einem
Vocale vor. Nach Bluhme finden sich in der S. Galler Handschrift
Formen wie hedictum, hoccisus u. s. w., und ein langobardisches Wort,
welches dieselb< in der nämlichen Weise entstellt hat, ist amund
(haamund l) Ed. Roth. 224, 2.">.r>; auch andere Bandschriften, z. B.
die Wolfenbüttler (Nr. • '») und die schon mehrfach erwähnte Pariser
hahen in diesem Worte d.i.- anlautende h. An und für sich bezeichnet
ämund denjenigen, welcher von der Mund, von der vormundschaftlichen
Gewalt eines andern, frei ist.
Die beiden Handschriften von Paris und S.Gallen stimmen end-
lich hinsichtlich des anlautenden h auch darin ftberein, daß sie das-
selbe den schon viel besprochenen Worten haldius, haldia und haldio
geben; dasselbe h findet Bich Übrigens auch in den Handschriften Nj 1
*) Die praesumptio ist die Darlegung des bösen Willens ohne Rücksicht auf
den Erfolg; vgl, Wilda, Btrafrecht 603, !
136 KARL ME1 ER
und 11 , während es in allen übrigen fehlt. Es tragt sieh demnach,
ob wir auch hierin eine Einwirkung des Romanischen erkennen, oder
ob wir die Formen mit li umgekehrt für die echtem langobardischen
halten sollen. Für letzteres würde der sonstige Werth der beiden Hand-
schriften, zumal der der S. Galler sprechen, für ersteres die Analogie
der übrigen angeführten Beispiele. Bluhme hat sich bekanntlich für die
Form mit h entschieden und dieselbe demgemäß in seinen beiden Aus-
gaben consequent durchgeführt; seine Erklärung des Wortes — es soll
zu dem Zeitwort halten' gehören — ist jedoch wie so manche andere
seiner Deutungen (vgl. z. B. das über ari-gauuere Gesagte) so aben-
teuerlich, daß sich kein der altern germanischen Mundarten Kundiger
durch dieselbe wird bestimmen lassen; sie ist auch anderswo bekannt-
lich auf heftigen Widerspruch gestossen. Ohne Zweifel ist das h hier
sowenig organisch als in ämund, und kämen die betreffenden Worte
so selten vor wie jenes, wären sie ferner so leicht zu deuten wie ämund,
so würde man keinen Augenblick an der Unechtheit des h zweifeln.
So wie die Dinge in Wirklichkeit liegen, imponiert allerdings beim
ersten Blick die consequente Durchführung verbunden mit der so häu-
figen Wiederkehr der genannten Worte. Ich stehe indessen keinen
Augenblick an, aldius, aldia und aldio für die echt langobardischen
Formen zu erklären, zumal da die bairische Quelle, welche das Wort
ebenfalls kennt, die Urkunden in Meichelbecks historia Frisingensis,
für das achte Jahrhundert ebenfalls die Form ohne h bezeugt (J. Grimm,
Rechtsalterthümer S. 309). Und was die Bedeutung des Wortes betrifft,
so wird man schwerlich über dasjenige hinauskommen, was schon
J. Grimm (Rechtsalterthümer, S. 310) vermuthet hat. Nur an das von
ihm ebendaselbst angeführte gothische albino, albjino wird man nicht
denken dürfen, da aldius etc. . . . wie das ags. eldjan einerseits und
das ahd. eltan, alta andrerseits zeigen, selbst auf der gothisch-ger-
manischen Stufe der Lautverschiebung geblieben ist, und da auch sonst
die hochdeutsche Lautverschiebung im Langobardischen gerade in der
Reihe der Dentale am wenigsten durchgedrungen ist. Im übrigen
aber empfiehlt sich Grimms Deutung um so besser, als das andere
und häufigere Wort, welches in den meisten germanischen Mundarten
den Halbfreien oder Freigelassenen bezeichnet, litus, auf der nämlichen
Anschauung beruht (vgl. Rechtsalterthümer 308, 309).
Koch andere langobardische Worte sind bis jetzt entweder gar
nicht oder wenigstens nur ungenügend gedeutet worden. Im Ed. Roth.
wird an mehreren Stellen (tit. 14, 48, 74) ein Hauptwort angargathungi
genannt und zugleich durch die lateinischen Worte qualitn^ personae
BEITRAG] /i R KENNTNISS DEE l ^NGOBARDIS« min SPRACHE 137
umschrieben. Das Worl ist ein Decompositum, d. h. das bereits mit
der Vorsylbe ga- zusammengesetzte thungi ist noch mit einem Nomen
angar zusammengesetzt worden. Wenn wir nun die Deutung des
Wortes mit dem zweiten Bestandtheile beginnen, so erinnert derselbe
zunächst an as. githungan, ags. gethungen im Sinne von 'tüchtig, treff-
lich', welches seinerseits auf ein Zeitwort thingan mit der Bedeutung
des lateinischen proficere (Ztschr. f. d. A. XI, 430) hinweist. Hierher
gehört auch an. thungr : schwer (an Gewicht) und der thunginus der
lex Salica (tit. 44, 1; 46, 1). Das Hauptwort gathungi (stn) bezeichnet
folglich den Werth einer Person . zu welchem dieselbe für den Fall
eines Todschlags oder auch, wenigstens seil der Zeit d« s Königs Uro
tharit, für den einer Verstümmelung (cf. tit. 7 1 angeschlagen war.
1>;i> erste Wort von angargathungi nun aber ist schwerlich ein anderes
als das gewöhnliche ahd. angar, nhd. Anger; denn auf dem größern
oder geringern Eteichthum an Gras und Ackerland beruhte neben dem
Viehstand bei einem vorzugsweise dem Ackerbau und der Viehzucht
ergebenen Volke die Werthschätzung des Mannes überhaupt. Man
denke an die ähnliche Doppelbedeutung von fihu; Hgangi heißt Roth.
253, 2'.U der Dieb; ursprünglich bezeichnete es den mit der beweg
liehen Habe eines Andern, zumal mit dessen Vieh, Davongehenden.
Die größten Schwierigkeiten bietet indessen Roth. 225. Si libertus,
qui fulcfre factus est, filiüs dereliquerit legetemüs, sint Uli heredes; si
rilias, habeant legem suam, si naturales, habeanl et ipsi legem suam.
Et si easu casu faciente sine heredes mortuus fuerit et antea judica-
verit se vivo res suas proprias, id est andegauuerc et arigauuerc seeun
dum legem Langobardorum , habeat cui donaverit. Nam quantum de
benefactori suo per donum habuit, si eas non oblegavit in liber-
tatem, ad ipsum patronum aut ad heredes ejus revertantur. Et si ali-
quid in casindio ducis aut privatorum hominum obsequium donum
munus conquisivit, res ad donatore revertantur. Alias vero res, si, ul
dictum est, heredes aon derelinquerit, aut se vivo non judieaverit,
patronue succedat sieul parenti suo. I handelt sich also um das
Recht ein,-. v,,n »einem Herrn Freigesprochenen für den Fall seil
Todes über 'in Ei gen thum zu verfügen Nicht tinter diese Verfugungs
recht fallen einmal diejenigen Gegenstände, welche der Patron dem
Freigelassenen geschenkt hat (quantum de res benefactori iio pei
donum habuit), falls nicht der libertus dieselben sich ebenfalls als frei
ausbedungen hat (si eas non oblegavil in libertatern ; ist letzteres nicht
geschehen, sti lallen die betreffenden Gegenstände an den patronus
zurück, Wae ferner dei libertu »ich entweder auf einem ileereszuge
138 K. MEYER. BEITRÄGE ZUR KENNTNIS* DER LANGOBARD. SPRACHE.
(in easindio ducis) oder im Dienste von Privatpersonen (privatorum
hominum obsequium) noch erworben hat, fällt an den Geber zurück
(ad donatore revertantur). Im Gegensatze nun zu den genannten
Gegenständen steht dasjenige, was der Edictus alias res und res suas
proprias ' nennt, und was er mit den langobardischen Ausdrücken ande-
gauuerc und arigauuerc bezeichnet. Die beiden Worte sind keineswegs
durchweg in dieser Form überliefert; vielmehr sehwanken die Hand-
schriften, abgesehen von eigentlichen Ungenauigkeiten und Entstellungen,
zwischen garniere und gaunere. In beiden Worten findet sieh auslauten-
des c in Cod. 6, 10, 11, auslautendes e in Cod. 2, 3, 5, 8, 9. In der
S. Galler Handschrift ist leider, wie mir Prof. Götzinger brieflich mit-
theilt, die Stelle durch Anwendung chemischer Mittel im höchsten Grade
unleserlich gemacht (vgl. auch Mon. Germ. bist. Leg. tom. IV, pag.
XIII); eine genaue Entscheidung ist hiedurch beinahe zur Unmöglich-
keit geworden; doch möchte sich Götzinger — und auch Bluhme hat
so gelesen — am liebsten für ein c im ersten und für ein e im zweiten
Worte entscheiden. Nehmen wir an, das e sei richtig, so würde uns
das auf gawere (ahd. gaweri, Graff I, 929, mhd. gewer) führen; ga-
weri gehört zu werjan (g. vasjan) und heißt 1) Einweisung in den
Besitz, investitura, 2) Besitz (vgl. Heusler, Die Gewere. S. 50). Dieser
Erklärung steht indessen ein Umstand im Wege; die Sprache der
Langobarden nämlich, wie sie uns in den Rechtsbüchern derselben
überliefert ist, zeigt auch nicht die leiseste Spur des Umlauts, und das
Wort müsste demnach nicht gawere sondern gawari gelautet haben;
auch die Schwächung des i zu stummem e wäre für das siebente
Jahrhundert noch ganz undenkbar, zumal da das Wort sein i noch
zu Anfang des neunten (Graff I, 929) ungeschwächt bewahrt hat. Da
also ein e in der Flexionssilbe wie in der Wurzelsilbe undenkbar
ist, da ferner der Codex, schon als Bluhme ihn verglich, sehr entstellt
war, und da drittens c und e einander sehr ähnlich sind, so bleibt
keine andere Möglichkeit übrig, als auch für das zweite Wort ein
auslautendes c anzunehmen. Es ist das umso eher gestattet, als die
Übereinstimmung von <>, IC» und 11 in Bezug auf zweimaliges e einer-
seits und die vielfachen Übereinstimmungen von 1 und 10 andrerseits
dieser Annahme zu Hilfe kommen. Richtige Lesart wäre somit in
beiden Fällen gawere, und zwar in dem collectivisch concreten Sinne,
welchen mit ge-, ga- zusammengesetzte Nomina so häutig haben, also
etwa in der Bedeutung von Geräthc. Der erste Bestandtheil des
zweiten Wortes ist nichts anderes als das Substantivum ari, welches
auch sonst im Munde der Romanen oft sein anlautendes h verliert
K MAURER DAS G0TTESURTHE1] IM ALTNORDISCHEN RECHTE 139
vgl. arimannus, arischild, aritraib) und arigawerc oder harigawerc
wäre demnach Heergeräthe , Bewaffnung. Aber auch das erste Wort,
andegawerc, wird ein anlautendes li eingebüsst haben, und es wird
ursprünglich und langobardisch handegawerc geheißen haben; die
formelhafte Verbindung der beiden Begriffe verlang! auch den näm
liehen Anlaut. Nicht leicht ist nun freilich zu sagen, was unter hande
gawerc (Handgeräthe) zu verstehen ist. Vielleicht stellt das Wort in
einem gewissen Gegensatze zu harigawerc, wie das ja bei derartigen
formelhaften Verbindungen zweier Werte häufig der Fall ist; in diesem
Falle müsste man an diejenigen Gerätschaften denken, welche für
die friedlichen Beschäftigungen, Ackerbau, Viehzucht oder Handwerk
nothw endig waren.
Da oben von Wodan die Rede gewesen ist, so mag zum Schlüsse
noch seine Gemahlin erwähnt werden. Paulus Diaconus, welcher die-
selbe (1,8) anführt, nennt sie Frca. Das e entspricht hier dem sonst
üblichem i gerade wie in lülcfrc (Roth. 216, 224, 22ö, 257), dessen i
hinwiederum Dehnung eines ursprünglichen i (vgl. goth. frija) ist. Zur
Erhaltung des organischen i haben die Gothen eben das j hinter dem-
selben eingeschoben, und auch im Ahd. findet sieh neben fri, fri-a,
frie ein frige, dessen g als j aufzufassen ist. Auch in dem Namen der
genannten Göttinn findet sich das kurze i conserviert in der thüringi-
schen Form des zweiten Merseburger Zauberspruchs, wo Müllenhoff
und Scherer (Denkmäler S. 7) freilich unrichtig Fria schreiben; und
ebenso ist die nordische Form Frigg aus *Frijar durch die Mittelstufen
*Frijr, *Frigr entstanden. Die Langobarden hingegen haben die Dehnung
vorgezogen, haben jedoch an die Stelle des i ein c gesetzt.
BASEL, Febr. 1874. KARL MEYER.
DAS GOTTESURTHEIL IM ALTNORDISCHEN
RECHTE.
In den isländischen sowohl als norwegischen Rechtsquellen tritt
das Gottesurtheil regelmäßig unter der Benennung skirsl oderski'rsla
auf. Von dem X> itworte skira, d. h. reinigen, abgeleitet, ist diese Bezeich
nung offenbar nur einet bersetzung des kirchlichen Ausdruckes „purgatio;"
wenn ferner in den uorwegischen Rechtsbüchern von guds skirslir
prochen1), oder zwischen dem Bkirsl guda ok manna unter
I ! I. . I.\ §. 10.
140 K. MAUREK
schieden wird2), so ist damit unverkennbar der kirchliche Gegensatz
der purgatio canonica et vulgaris in das einheimische Recht herüber-
getragen. Ob auch der ein einziges Mal gebrauchte Ausdruck vitnit
mikla3) überhaupt auf das Gottesurtheil zu beziehen sei, und wie er
solchenfalls zu erklären sein möge, lasse ich vorläufig dahingestellt;
sehe ich aber von ihm ab, so ist klar, daß jede nationale Bezeichnung
für dieses fehlt, welche sich allenfalls noch auf die vorchristliche Zeit
zurückbeziehen ließe.
Auch die Formen des Gottesurtheiles, welche sieh in den Rechts-
büchern verwendet zeigen, sind lediglich die in der ganzen abend-
ländischen Christenheit gebräuchlichen. Der järnbur dr, d. h. die Probe
des glühenden Eisens, wurde vorzugswei se bei Männern, das ket iltak,
d. h. der Kesselfang, vorzugsweise bei Weibern angewandt4); doch
hielt man an dieser Regel keineswegs ausnahmslos fest, vielmehr ließ
man auch Weiber gelegentlich zur Eisenprobe greifen. Im Übrigen
gestaltete sich aber der Gebrauch des Gottesurtheiles etwas verschieden
in Norwegen und auf Island.
In Norwegen geschieht der Eisenprobe zuerst unter der Re-
gierung des heil. Olafs Erwähnung, während deren sich der Fsering
Sigurdr borläksson zu deren Bestehen erbot 5i und der Isländer Grettir
Asmundarson sich derselben wirklich unterzog6); ein weiteres Aner-
bieten, welchesc dem dänishen Hroi in den Mund gelegt wird7), würde
zwar derselben Zeil angehören, soll aber in Schweden erfolgt sein,
und ist überdieß geschichtlich ohne Werth, da der ganze Hröapattr
ein Abenteuer ist. In rechten Aufschwung schein! die Eisenprobe in-
dessen in Norwegen erst gegen die Mitte des 12. Jhdts. gekommen zu
sein, nämlich seit dem Zeitpunkte, in welchem sich Haraldr gilli durch
dieselbe als Sohn des K. Magnus berfaetti auswies (1129). Von da ab
wurde das Gottesurtheil wiederholt zu ähnlichem Behufe gefordert,
angeboten oder auch bestanden, und von jetzt an geschieht desselben
darum auch in den geschichtlichen Quellen öfters Erwähnung; die
Rechtsbücher aber behandeln dasselbe als ein in steter Anwendung
befindliches Beweismittel, dessen sie eben darum bei den verschiedensten
Gelegenheiten gedenken. Der Gebrauch des Gottesurtheils war nach
ihrem Zeugnisse wesentlich ebenso geregelt wie nach unserem älteren
deutschen Rechte; dasselbe fand demnach ganz gleichmäßig in Rechts-
*) E])L., I, §. 42. 3) GpL., §. 156. *) vgl. z. B. FrJ>L., III. §. 15;
EbL., I, §. 42; ferner Festa]), cap. 55, S. 380. 1. s) Heimskr. Olafs s. ens
helga, cap. 145, S. 389, sammt den ihr folgenden Quellen. 6) Grittla, cap. 39.
S. 03. 7, Flbk. II, S. 7!).
DAS GOTTESURTHKIL IM ALTNORDISCHEN RECHTE. 141
machen der verschiedensten Art Anwendung, und galt andererseits immer
nur als ein subsidiäres Beweismittel, zu welchem gegriffen wurde, wenn
einerseits Zeugen nichl zur Verfügung standen, und andrerseits der
Partheieneid und die Eideshülfe aus irgend welchem Grunde nicht
anwendbar oder genügend erschienen. Auf Betrieb des Cardinallegaten
Wilhelm von Sabina winde der Gebrauch der Eisenprobe im Jahre 1247
abgeschafft8), ganz wie derselbe ungefähr gleichzeitig auch in Schweden
durch Birgit- jarl beseitigt wurde9), Beides offenbar zufolge eines
Beschlusses der Lateranischen Synode von 1215, welche den Geistlichen
jede Mitwirkung bei derartigen Gottesurtheilen untersagt hatte10), und
in Folge dessen auch in Dänemark K. Woldemar II diese verboten
hatte11).
Etwas anders verhielt sich die Sache auf Island. Die Rechts-
bücher zunächst gedenken hier der Eisenprobe nur sehr selten, und
des Kesselfanges vollends nur an einer einzigen Stelle12), und sie
zeigen die Anwendung heider auf ein möglichst enges Gebiet beschränkt.
Durch ein Gottesurtheil konnte nach ihnen die Vaterschaft in Bezug
auf ein unehelich geborenes Kind bewiesen werden, wobei es, unter
Umständen wenigstens, die Kindesmutter war, welche die Probe zu be-
stehen hatte ia). Durch das Gottesurtheil kann sich ferner derjenige
reinigen, welcher von einem Manne auf Grund der Aussage seiner
Frau des Ehebruches beschuldigt wird u). Endlich scheint das Gottes-
urtheil, mochte nun der Mann oder das Weib dasselbe zu bestehen
haben, auch gegenüber einer Klage wegen Blutschande zulässig ge-
wesen zu sein, obwohl allerdings die betreffende Stelle nicht völlig
concludent ist15); sie könnte möglicherweise auch auf eine bloße Pater-
nitätsklage bezogen werden, deren Ausgang ja allerdings auch für
jene andere Beschuldigung maßgebend werden konnte. Auf diese Fälle
beschränken sich die Bestimmungen unserer Rechtsbücher, und selbst
von ihnen sind einzelne unschwer als späteren Ursprungs zu erkennen.
Eine Rundschau aber in den Geschichtsquellen zeigt uns die Eisen-
probe einmal um die Mitte des 12. Jhdts. angewandt in einer Vater
schaftssache16), und ein andermal nur wenig später angeboten, um den
■) Hakönai b. gamla, cap. 256, 8. 22. "> ÖGL. Eps., 17. ,ü) c. |
ue derlei vel monachi, III, 50. " Biehe dessen Verordnung für Schonen bei Schlytei
IX, S. 440—48. ' i I • tap., cap. 56, 8 380 l '*) Kgsbk, §. 143, 8. 26;
§. 156, S. 49; §. 204, 8. 216; Öm I l 299 i • ta] cap. 26 £
bis 341, and cap. 4;.. B 361 Kl B. hinn gamli, cap. 14. S. 62, rot. 1, und cap. 47,
S. 168. M) Pestap., cap Ebenda cap, 65, 8. 380—1.
ii i i II cap II 8, 66; die Zeitbestimmung ergibt sieb aus Jen Worten:
La \ai Ingi Baraldsson konungi (1137 Hol ,
]42 K- MAUKER
Beweis der ehelichen Geburt eines Mannes zu führen 17), Beides Fälle,
welche sich ganz wohl unter die in den Rechtsquellen maßgebenden
Gesichtspunkte bringen lassen; außerdem zeigt sich aber die Eisenprobe,
und zwar wiederum ungefähr um dieselbe Zeit, auch zweimal in Dieb-
stahlssachen in Aussicht genommen18), während die Rechtsbücher von
einem derartigen Gebrauch derselben nichts wissen; in beiden Fällen
soll freilich, was nicht zu übersehen ist, die Probe nur auf Grund eines
Vergleichs, und ohne jede vorausgehende gerichtliche Untersuchung
stattfinden. Nur ein einziges Mal wird meines Wissens von einem
Gottesurtheil gesprochen, welches in einer früheren Zeit vor sich ge-
gangen sein soll, nämlich zu der Zeit, da Bischof Isleifr zu Skälholt
saß, also in den Jahren 105G— 80 19); auch dieser Fall betrifft wieder
eine Vater seh aftsklage, und auch in ihm ist es wieder ein Vergleich,
nicht ein gerichtliches Verfahren, welches zu der Vornahme der Probe
führt. Dabei ist wohl zu beachten , daß sich in der Handhabung des
Gottesurtheiles auf Island eine gewisse Unsicherheit geltend macht; es
wird an mehreren Stellen eine Wiederholung der Probe ins Auge ge-
fasst, welche der Bischof, oder auch der ihre Vornahme leitende
Priester anordnen möge 2o) , während doch eine solche Wiederholung
dem innersten Grundgedanken dieses Beweismittels widerspricht. End-
lich wird man auch nicht übersehen dürfen, daß das Gottesurtheil, so
unentbehrlich es dem norwegischen Rechte als Schlußstein seines Be-
weissystemes sein mochte, doch für das isländische, wesentlich auf das
Geschworeneninstitut begründete Beweisverfahren keineswegs ein Be-
dürfniss ist; in einer Reihe der oben angeführten Stellen wird in der
That der Beweis durch Geschworene dem durch das Gottesurtheil zu
führenden Beweise alternativ zur Seite gestellt, und es ist kein Grund
ersichtlich, weßhalb nicht dasselbe auch in allen übrigen Fällen hätte
geschehen können.
Nach allem dem scheint die Eisenprobe sowohl als der Kessel-
fang zunächst auf Island als ein nicht nationales, vielmehr von Außen
her eingeführtes Institut betrachtet werden zu müssen. Nur ein ein-
ziges Mal tritt die erstere, wenn wir anders der beti*effenden Nachricht
überhaupt Glauben schenken wollen, im 11. Jhdt. als ein im Vergleichs.-
wege beliebtes Beweismittel auf, ganz wie um etwa ein halbes Jahr-
hundert früher auch wohl Reinigungseide im Vergleichswege oder selbst
,:) Ebenda, cap. 21, S. 7t». ,8) Ebenda II, cap. 11, S. 56-58; III,
cap. 16, S. 146-47. '-) Ljösvetninga s., cap. 23. S. 77—78. I0) Kgsbk,
§. 264, S. 216; Ljösvetninga s., ang. O.
DAS GOTTESURTHEIL IM NORWEGISCHEN RECHTE. 143
gelegentlich gerichtlicher Verhandlungen auferlegt werden konnten'21),
sei es nun , weil das isländische Beweisverfahren damals noch nicht
seine spätere Gestaltung erlangt hatte, oder auch weil auf die Rechts-
übung, zumal außerhalb der Gerichte, gelegentlich die norwegischen
Zustände bestimmend einwirkten. Etwas häufiger lässt sich der Ge-
brauch der Eisenprobe auf der Insel seit der Mitte des 12. Jhdts. nach-
weisen, sei es nun, daß (leren wiederholte Anwendung durch Thron-
prätendenten in Norwegen ihr eine gewisse Berühmtheit verschafft hatte,
oder daß die ganz oder halbwegs kirchlichen Gewohnheiten dieses
letzteren Landes der Insel durch die kirchliche Verbindung näher ge-
rückt worden waren, in welche dieselbe seit dem Jahre 1152 zu Nor-
wegen getreten war. Auch in dieser späteren Zeit scheint indessen
zunächst wieder nur ein vertragsweises Anbieten und Annehmen der
Probe in Frage gewesen zu sein; in die Rechtsbücher dagegen scheint
dieselbe erst sehr allmählig Aufnahme gefunden zu haben, und zwar
bezeichnender Weise nur auf dem Gebiete der geschlechtlichen Ver-
gehen und Vaterschaftsklagen, also gerade auf demjenigen Gebiete,
auf welchem die bekannten Vorkommnisse innerhalb der norwegischen
Königsgeschichte dieses Beweismittel am bekanntesten gemacht hatten.
Das in den Jahren 1122— o3 aufgezeichnete Christenrecht enthält jeden-
falls von dessen Gebrauch noch keine Spur, und recht eingebürgert
hat sich dasselbe auf der Insel auch später nicht: gerade aus der ge-
ringen Bedeutung, welche die Eisenprobe sowohl als der Kesself;ing
sich erworben hatte, möchte es sich erklären, daß sie unbeschadet ihrer
in Norwegen erfolgten Abschaffung auf Island einige Jahrzehnte hin-
durch unangefochten blieben, bis ihnen endlich durch die Annahme
der nach norwegischen Vorlagen gearbeiteten Järnsida und Jönsbök
auch hier der Boden entzogen ward. — Aber auch in Norwegen
scheinen beide Gottesurtheile nicht bodenständig, sundern erst durch
die Kirelc- nach dem Vorbilde anderer christlichen Lande eingeführt
worden zu sein. Die Gesetzgebung des heil. Olafs scheint ihnen hier
bleibenden Eingang verschafft zu haben, vielleicht angelsächsischem
Muster folgend, und jedenfalls weist die kirchliche, und nicht nationale
Bezeichnuni; <h~ (juttesuitheiles, dann die Form seiner Anwendung, auf
eme fremdländische Herkunft hin; eben «lahm deutet luch, daß das
Institut söhnt wieder verschwand, sowie die Kirche sich gegen d isselbe
erklärte, so vortrefflich dasselbe auch in das ganze Beweissystem
") z. B. Vfgaglüm - ca] -■ I gja, cap. 16, S 19,
und Landuäiua, II. cap. 9,
144 K. MAURER
norwegischen Rechtes sich eingefügt hatte. Damit will nun aber in
keiner Weise gesagt sein, daß es dem altnordischen Heidenthum auch
an jeder andern Form des Gottesurtheiles gefehlt habe. Das Beweis-
system des norwegischen Rechts bedurfte, wie oben bereits bemerkt,
eines derartigen subsidiären Auskunftsmittels ganz in derselben Weise
und ganz aus denselben Gründen, wie dieß bei unsern deutschen
Rechten der Fall war, und es fehlt auch nicht an positiven Anhalts-
punkten in den Quellen für die Annahme, daß der Grundgedanke
wenigstens der Gottesurtheile auch der nordischen Vorzeit vollkommen
geläufig war. Eines der Lieder der älteren Edda erzählt22), wie Gudrun
von ihrer eigenen Magd aus Eifersucht bei K. Atli eines Ehebruches
bezichtigt wird, welchen sie mit K. bjödrek begangen haben soll: da
ihre Brüder abwesend sind, welche sie kämpflich zu vertreten gehabt
hätten, erbietet sich die Königin zum Kesselfange, indem sie zugleich
bittet, den deutsehen König Saxi kommen zu lassen, als welcher den
Kessel zu weihen verstehe23). Das Lied ist im Codex regius enthalten,
welcher am Schlüsse des 13. Jhdts. auf Island geschrieben zu sein
scheint, und die Anlage der Liedersammlung, welche uns in demselben
aufbewahrt ist, lässt sich mit annähernder Sicherheit ungefähr auf das
Jahr 1240 zurückführen 24); wie alt freilich die einzelnen in diese Samm-
lung aufgenommenen Lieder sein mögen, ist damit nicht entschieden,
indessen setzt Gudbrandr Vigfiisson wenigstens die Entstehung der
Völsungenlieder nicht über das 11. Jhdt. hinauf25), und diese Zeitbe-
stimmung scheint aus inneren Gründen völlig zutreffend. Man sieht
aber, daß das Lied zwar die Form des Kesselfanges deutlich genug
als fremde, von Deutschland herstammende bezeichnet, aber doch die
Grundidee des Gottesurtheiles als auch eine den Nordleuten geläufige
bezeichnet, da ja sonst Gudrun unmöglich darauf verfallen sein könnte,
sich zum Bestehen eines solchen zu erbieten; man war sich also zu
der Zeit, da das Lied gedichtet wurde, im Norden des fremden Ur-
sprunges des Kesselfanges noch ganz wohl bewusst, während man zu-
gleich dafür hielt, daß der Glaube an die Verlässigkeit derartiger
Proben auch dem nordischen Heidenthume bereits wohl bekannt ge-
wesen sei. Auf dasselbe Ergebniss führt noch ein zweites Quellen-
zeugniss. Widukind von Corvey sowohl als Thietmar von Merse-
burg erzählen von einem Priester Poppo, welcher vor K. Harald von
Dänemark durch das glückliche Bestehen der Eisenprobe die Wahr-
heit des christlichen Glaubens erwiesen habe, und dieselbe Erzählung
") GurTrunarkviita 111, bei Bugge, S. 274 — 75. 53) Str. 6: Sentü at
Saxa, Sunnmanna gram; bann kann helga hver vellanda. 24) vgl. Bugge, S. VIII
und LXVII. ") Dictionary S. 2. Sp. 2.
DAS GOTTESURTHEIti IM NORWEGIS« III N RECHTE. | |.,
kehrt, mehrfach ausgeschmückt, in einer Reihe anderer Quellen wieder
nur daß diese anstatt Haralds auch wohl K. Erich oder K. Svein
nennen86); Saxo Grammaticus aber berichtet, daß dieses Wunder so
mächtig auf das dänische Volk gewirkt habe, dal.* dasselbe zur Ein-
führung der Eisenprobe und zur Abschaffung des Zweikampfes in seiner
Anwendung auf die Entscheidung von Rechtssachen sieh entschlossen
habe87). Auch hier wird also der Gebrauch der Eisenprobe auf kirch-
lichen Einfluß zurückgeführt; auch hier aber setzt der Eindruck, welchen
das Bestehen der Probe macht, bereits die vorgängige Existenz eines
entsprechenden Volksglaubens voraus. Eine dritte Angabe, welche sich
in Riniberts Lebensbeschreibung des heil. Anskars findet, und welche
von Stemann hierhergezogen werden will'*8), lasse ich außer Ansatz
da dieselbe auf die nordalbingischen »Sachsen, nicht auf die Dänen
sich bezieht, und überdieß nicht von einer neuen Einführung des
Gottesurtheiles handelt, sondern nur von dessen Erstreckung auf Fälle
in welchen man sich vorher mit Zeugniss oder Reinigungseid besmüffl
hatte. Nun könnte man allerdings, wozu die angeführte Stelle des Saxo
sogar einen äußern Anhaltspunkt gewährt, zu der Annahme greifen,
daß der Zweikampf, dessen häufige Anwendung - zur Erledigung von
Rechtsstreitigkeiten im Norden ja feststellt, in der heidnischen Zeit die
Stelle eingenommen habe, welche in der christlichen Zeit durch die
Eisenprobe und den Kesselfang besetzt wurde ; indessen lässt sich doch
weder verkennen, daß die Grundidee, von welcher jener beherrsch!
wird, eine wesentlich andere als die für die beiden letzteren maß-
gebende ist, noch auch übersehen, daß der Zweikampf keineswegs in
allen Fällen anwendbar war, in welchem jene beiden Gottesurtheile eine
Entscheidung bringen konnten. Glücklicherweise lässl sich in den
Quellen wirklich noch eine Spur eines älteren und wahrhaft nationalen
Gottesurtheiles im Norden nachweisen, nur freilich, wunderlich genug,
nicht in Norwegen, sondern auf Island.
Eine geschichtlich ganz verlässige Quelle erzählt uns29), daß am
Ende des 1". Jhdts. einmal in einem Falle der Commorienz mehrerer
'"', Belegstellen Labe I * - 1 » in meiner Schrift: I > i « Bekehrung des norwegischen
Stammes zum Christenthume, Bd. II, S. 182 B3 Aum. ■ i S. 189, A , 30,
verzeichnet. ' | IM toria Danica, \ -. 198 99 " Vita Anskarii,
cap. 32 (bei Langebek, I 8 191 ■ jl. Stemann, Den danske Retshistorie, S. 137,
Aum. l. l9j Laxdaela, cap. 18 Nu p6tti beim framdum börarins nokkul
efanlig Bja* saga ok köllndast beir ei mundu trtinad äleggja raunarlanst, ok töidu beb
halft vi d horkel, en borkell b^kut einu ui ra til xkfrslu al sid bi
bat v.ii l'.-i skfrsla I bat muiid, al kyldi undii jnrdarmeii , bai ei torfa vat
146 K. MAURER
Verwandter die Aussage des einzigen überlebenden Genossen von der
Partei, zu deren Ungunsten sie lautete, als unglaubhaft verworfen wer-
den wollte, und daß man in Folge dieser ihrer Beanstandung zu einer
Probe griff, für welche die Bezeichnung „gänga undir j ardarmen",
Gehen unter den Rasenstreifen, gebraucht wird. Man stach Rasen-
streifeu in der Art aus, daß dieselben an ihren beiden Endpunkten
mit dem Erdboden verbunden blieben, und man richtete diese Streifen
sodann in der Art auf, daß sie eine Art stehenden Bogens bildeten;
die Person, welche die Probe zu bestehen hatte, musste sodann unter
denselben durchgehen, und die Probe galt als gelungen, wenn die
Streifen dabei nicht niederfielen. Der Berichterstatter selbst vergleicht
dieselbe mit der „skirsla" der Christenleute; von neueren Schriftstellern
vielfach besprochen30), scheint dieselbe doch ihrem inneren Wesen
nach noch keineswegs vollkommen genügend gewürdigt worden zu
sein, und mögen darum hier noch ein paar Worte in dieser Richtung
verstattet sein. — Die Stelle, welche den Gang unter die Rasenstreifen
zum Zwecke einer gerichtlichen Beweisführung gebraucht zeigt, steht
insoweit allein; dagegen zeigen mehrfache andere Quellenstellen die
selbe Formalität bei der eidlichen Eingehung der Bundbrüderschaft
(fostbrceclralag) verwendet31), und wieder an einer anderen Stelle wird
derselben gelegentlich eines Vergleichsabschlusses erwähnt32); sucht
man aber das geraeinsame Moment bei diesen verschiedenen Anwendungs-
weisen einer und derselben feierlichen Handlung zu ermitteln, so ist
es offenbar darin zu erkennen, daß durch dieselbe ein zuvor abgelegter
Eid bestärkt werden soll, „bä skyldu ]>eir gänga undir 3 jardarmen,
ok var pat eidr peirra", sagt die F6stbrcedrasaga mit ausdrücklichen
ristin 6r velli, skyldu endarnir torfunnar vera fastir i vellinum, en s;i madr er skirsluna
skyldi fram flytja, skyldi par gänga undir. Ekki pöttust heidnir mann niinna eiga
i äbyrgd, bä er sb'ka hluti skyldi fremja, en m'i pykiast kristnir menn, ]>ä er ski'rslur
eru gervar. bä vard sä skirr, er undir jardarmen gekk, ef torfan feil ei ä liaim.
30) Arngrimus Jonas, Crymogaea S. 101—102; John Arnesen, Historisk Indled-
ning til den gamle og nye Islandske Raettergang S. 7, 233. 3G, 240 — 41, und 252, so-
wie zumal die von Jon Ein'ksson diesen Stellen beigegebenen Anmerkungen; 1'. E.
Müller, De vi formulse „at ganga undir jardarmen," in der Ausgabe der Laxdsela,
S. 395—400; R. Keyser, Nordmaendenes Religionsforfatning i Hedendommen, S. 130
bis 131, und Norges Stats- og Retsforfatning i Middelalderen, S. 392; meine Geschichte
der Bekebrung des norwegischen Stammes zum Christenthume, II, S. 17o, Amn. 80,
und S. 222-33 u. dgl. m. ;il) Gisla s. Sürssonar, I, S. 11, und II, S. 93—94;
F «5stbrcje.il a s,, cap. 2, S. 6, ed. Konrä.1 Gislaaon, und cap. 1, S. 7, ed. 1822; sowie
Flbk. II, S. 93; vergl. porsteins s. Vikingssonar, cap. 21, S. 44:.. > Vatns-
dsela, cap. 33, S. 53, und daher die Melabok, Landnäma, III, cap. 4, S. 181.
DAS GOTTESURTHEIL IM NORWEGISCHEN RECHTE. 147
Worten; die Aussage Gudmunds, welche nach der Laxdsela durch den
Act bekräftigt werden sollte, ist ohne Zweifel als eine eidlich abge-
legte Zeugenaussage aufzufassen; bei dem in der Vatnsdsela berichteten
Vorfalle endlich liegt es nahe, ebenfalls an einen vorgängigen Eid zu
denken, möge dieser nun ein tryggdaeidr, d. h. Urfehdeeid gewesen
sein, oder, was mir wahrscheinlicher ist, ein jafnadareidr, d. h. ein
Eid, durch welchen der Schuldige versprach, in einem etwaigen zu-
künftigen Falle sich mit den gleichen Vergleichsbedingungen als ver-
letzter Theil begnügen zu wollen, welche ihm jetzt als verletzendem
verwilligt worden seien33). Man sieht, daß sich der Gang unter den
Rasenstreifen mit der Eisenprobe und dem Kesselfang in seiner An-
wendung wirklich sehr nahe berührt, ohne doch völlig mit ihnen zu-
sammenzufallen. Beide Institute haben den obersten Grundgedanken
mit einander gemein, den Glauben nämlich an ein unmittelbares Ein-
greifen der Gottheit, welche durch ein sichtbares Zeichen Verborgenes
kund thut; beide unterscheiden sich aber darin, daß sie diesen Grund-
gedanken in sehr verschiedener Weise verwerthen. Unsere Gottesur-
theile kommen wesentlich nur als ein Reinigungsmittel für einen dringend
verdächtigen Angeklagten, und höchstens noch als ein Beweismittel be-
züglich irgend welcher sehr unwahrscheinlicher Thatsachen in Betracht
immer also in der Art, daß die Gottheit um die unmittelbare Ent-
hüllung einer verborgenen, der ferneren Vergangenheit angehörigen
Thatsache angegangen wird; der Gang unter den Rasenstreifen dagegen
kommt lediglich als ein Mittel der Bestärkung von Eiden in Betracht,
ist aber als solches auch bei jeder beliebigen Art von Eiden verwendbar,
und die Frage, welche bei ihm durch das directe Eingreifen Gottes
entschieden werden soll, betrifft nicht irgend welche weil zurückliegende
Thatsache, sondern immer nur die Reinheit des anmittelbar vor oder
bei der Probe abgeschworenen Eides. Der Gang unter den Rasenstreifen
hat hiernach einerseits einen viel ausgedehnteren Spielraum als unsere
Gottesurtheile, soferne er bei promissorischen wie assertorischen, und
bei Zeugeneiden wie Parteieneiden eintreten kann; aber er kann andrer-
eits auch immer ■ im Anschlüsse an einen Eid eintreten, und ist
somit in allen den Fällen ausgeschlossen, in welchen ein solcher außer
Frage steht, wie denn /.. B. die Feststellung der Vater chafi durch eine
von dem angeblichen Sohne glücklich bestandene Eisenprobe ganz
wohl möglich ist. wahrend der Gang untei den Rasenstreifen diesem
\ 1 an .1 1 1 ark b, li , §. 31 und III § 90 dann Färnsi'da M ann h
. 1 1 M ■ h 26.
148 K- MAURER, DAS GOTTESURTHEIL IM NORWEGISCHEN RECHTE.
kaum liätte gestattet werden können. Es stellt sich demnach der Ge-
brauch dieser alterthümliehen Probe im Norden durchaus auf die o-leiche
Linie mit der Eideshülfe, welche ja auch ihrerseits bei promissorischen
Eiden ebenso gut wie bei assertorischen verwendet wurde 34), und wenn
wir zwar bei der Dürftigkeit unserer Quellenangaben nicht nachweisen
können , in welchem Umfange das ältere Hecht im Beweisverfahren
von derselben Gebrauch gemacht habe, so lässt sich doch vermuthen,
daß sich ihre Verwendung auf diejenigen Fälle beschränkt haben werde,
in welchen ein Mangel hinsichtlich der Zahl oder Beschaffenheit der
Partei , der Zeugen oder der Eideshelfer den bloßen Gebrauch der
gewöhnlichen Beweismittel nicht genügend erscheinen ließ. Es wäre
möglich, daß das in den GpL., §. 156, erwähnte „große Zeugniss"
gerade mit dieser Probe ursprünglich zusammengefallen wäre; jeden-
falls aber ist soviel klar, daß diese in Norwegen durch die von der
Kirche eingeführten neuen Gottesurtheile verdrängt worden sein muß,
wogegen sie auf Island nicht sowohl diesen als vielmehr dem sich hier
ausbildenden Geschwoineninstitute zu weichen hatte. Eine Frage ließe
sich nun freilich zum Schlüsse noch aufwerfen, die Frage nämlich, ob
nicht vielleicht auch unsere deutschen Gottesurtheile ursprünglich dem
Gang unter den Rasenstreifen ähnlicher gestaltet gewesen seien, indem
auch sie einen vorgängigen Parteieneid voraussetzten, und zunächst
nur über dessen Reinheit Aufschluß zu geben berufen waren, oder ob
nicht wenigstens auch auf deutschem Boden gesondert von den gemein-
hin üblichen Gottesurtheilen noch Proben vorkamen, welche an jenen
eigenthümlichen Gebrauch des uordischen Heideuthumes anklingen?
Ich will und kann auf die Erörterung dieser Frage hier nicht eingehen,
möchte aber doch auf tit. 14 der Lex Frisiouum, de homine in turba
occiso, aufmerksam machen, welche auf eine Verteidigung des An
geschuldigten durch den Eid unter bestimmten Voraussetzungen noch
ein weiteres Verfahren folgen lässt, nämlich im Hauptlande ein Ver-
fahren mittelst geworfener Loose, im Westlande ein solches mittelst des
Kesselfangcs, und im Ostlande ein solches mittelst des Zweikampfes;
daß das erstere Verfahren wenigstens einen Ausspruch der Gottheit
über die Reinheit des voniäu»>'i<i' geschworenen Eides und nicht über
die Schuld oder Unschuld in der Sache selbst provocieren sollte, wird
dabei ausdrücklich gesagt. K. MAURER.
31) vgl. ■/.. B. Heimskr. Magnus ,s. göcla, cap. 7, S. WO; Siguräar s. J6rs-
alafara, cap. 11, S. 667; Magnus s. Erlin gssonar, cap. 22, S. 797 u. dgl. m.
I M G] i . ZI i.'i [NM \i; VON BAGENAU | |n
ZU REINMAR VON HAGENAU.
VON
E. REGEL
Unter der Nachtigall von Hagenau, welche Gottfried von Straß-
burg in seinem Tristan feiert1), hat man jenen Reinmar zu verstehen,
der von der Pariser Handschrift in der Bildunterschrift des Wartburg
Urieges zur Unterscheidung von Reinmar von Zwcter als der Alte be-
zeichnet wird. Schon Docen2) sprach diese Vcrmuthung ans, welche
jetzt allgemeine Zustimmung gefunden hat. V. d. Ilagens Ausdeutung3)
auf Leutold von Seven hat dieser Annahme keinen Eintrag thirn kön-
nen ; Wackernagel*) sowohl als Lachmann5) stimmen ihr ganz ent-
schieden bei.
Hagenau ist wohl sicher die Stadt im Elsaii 6). V. d. Hagen 7)
freilich hält es für wahrscheinlicher, daß Reinmar ein Baier gewesen sei.
Reinmar von Hagenau nun scheint den größten Theil seines
Lebens am Hofe Herzog Leopolds VI von Osterreich zugebracht und
dort seine Kunst ausgeübt zu haben. Nach Thüringen an den Hof
Hermanns ist er gewiß nicht gekommen, weßhalb er auch keinesfalls
am Wartburgkriege theilgenommen haben könnte, so daß die oben be-
rührte Angabe der Pariser Handschrift auf einer Verwechslung beruht.
Wie v. d. Hagen8) selbst zugibt, ist es auffallend, daß Reinmar in jenem
Sängerstreite auf Seite des thüringischen Fürsten steht, und vielleicht
doch noch auffallender als bei Walther, da wir bei Reinmar nichts
von Schicksalsschlägen und Fürstenungnade wissen, wie sie Walthern
getroffen: und ferner: sollte Reinmar diese Reise nach Thüringen mit
Stillschweigen übergangen haben, da er uns doch über eine andere,
wenn auch wichtigere, die nach dem gelobten Lande, in seinen Liedern
berichtet hat? Dieser Kreuzzug scheint mir nun auch für Reinmar der
einzige Anlaß einer kurzen Trennung von Österreich gewesen zu sein.
Er hat ihn wahrscheinlich im Gefolge seines geliebten Fürsten i. .1. L190
unternommen9). In Palästina ist daher wohl das Lied NVv. 181, 13
iingen; aber auch das vorhergehende 180, 28 bal den bevorstehenden
', v. Bechstein I, 4776—4790. l) Altd. Museum l, 167. ') MS. IV, 4871'.
') Litt. §. 71,6. ") MFr. E "i \'_1. Lacbm. a. a. < >. Vergl.
v. .1. Hagen a. a. O. ■) MS. IV, 139». Vgl. Wilken, Geschichte d. Kreuz-
Büge, IV, 284.
150 E. REGEL
Kreuzzug zum Gegenstand. Der Spruch 156. 10 ist vielleicht auf der
Heimreise gedichtet, und v. d. Hagen 10) zieht noch ein echtes Lied ' ')
hierher, welches den Gefühlen des Sängers nach der Rückkehr Aus-
druck gibt. Alle diese Lieder würden also in das Jahr 1190 zu setzen
sein; ebenso der Gesang der Herrin MFr. 190, 25. Sonst weiß ich nur
noch von einem einzigen die Entstehungszeit anzugeben, und dieses
führt uns zugleich auf die Frage, wann Reinmar gestorben ist.
Das Lied nämlich, welches den Tod eines Leopold beklagt1-),
ist nicht mit Docen a. a. O. und nach ihm Pischon 13) auf Leopold VII
zu beziehen, der 1230 in Italien starb, sondern auf dessen Vater, den
Gönner Reimars, Leopold VI, der zu Ende des Jahres 1194 in Folge
eines Sturzes vom Pferde umkam ,4). Das betreffende Lied ist im
Frühling 1195 gedichtet, denn der erwähnte Sommer kann nur der dieses
Jahres sein ; 1230 kann Reinmar nicht mehr gelebt haben, da Walthcr
seinen Tod beklagt15). Gewöhnlich sagt man jetzt 16), daß er um 1207
gestorben sei, und schließt dieß aus der bekannten litterärischen Stelle
im Tristan, den man um 1210 ansetzt. Dagegen bemerkt nun Simrock 17),
man scheine ihn zu früh anzusetzen, denn, wenn auf das erste Buch
des Parzival angespielt werde, folge daraus, daß Gottfried das letzte
nicht gelesen? Die Strophen Walthers auf Rcinmars Tod könnten recht
wohl um 1215 geschrieben sein, denn um 1207 hätte Walther wohl
noch nicht so müde gesprochen, wie er dieß Zeile 24 und 25 thut.
Lachmann 18) hält es für streng erwiesen, daß Reinmar um 1220 todt
war; 1215 konnte er aber, meint Simrock, noch recht wohl am Leben
sein. Den Beweis, daß Reinmar um 1220 schon gestorben war, hat
Haupt geführt19), allerdings in Bezug auf Hartmann von Aue; da aber
in der in Betracht kommenden Stelle Heinrichs vom Türlein Reinmar
mit Hartmann zusammen beklagt wird, so findet die Behauptung auch
auf ihn Anwendung. Zwischen 1215 und 1220 ist daher Reinmar ge-
wiß gestorben.
Da nun das Kreuzlied MFr. 181, 13, welches sicher auf das
Jahr 1190 geht20), unseren Dichter schon auf der Höhe seiner Kunst
zeigt, so mag er um 1170 schon geboren sein, es würden sich dann
für seine Lebenszeit 45—50 Jahre ergeben; und daß Reinmar fast l>i.
an sein Ende Minnelieder gesungen hat, geht aus den vielen Stellen
,n) MS. IV, 140». "i MFr. 182, 14. '•) MFr. 167, 31. ,3) Denkm.
I, 574. '*) Vgl. v. d. Hagen MS. IV, 139b f. ,h) Walther v. Lachm. 3. A. 82 f.
l6) z. B. auch Becbstein, Einleitung zum Tristan XXX und Koberstcin, Grandriß §. 111
S. 223 (Bartsch). ,7) zu Walther 68. 69. ,8) zu Walther S. 196. l9) Zu
Hartmanns kleineren Gedichten XII u. XIV. ™) Vgl. Lachm. zu Walthcr S. 197.
ZU REINMAE VON HAGEN \i IM
hervor81), in welchen er klagt, daß er alt und grau werde, ohne eine
Frucht von seinem langen treuen Dienen zu ernten.
I»Viinnar war von edelem, ritterlichem Geschlechte; darauf deuten
sein Wappen, die Benennung herre und her (IIss. BCE) und eigene
Andeutungen: er nennt sieh seihst ritter oder lässt sich so nennen22).
Auch scheint mir aus seinen Liedern hervorzugehen, daß er ein wohl-
habender Mann war und kein anderes Mißgeschick kannte, als die
Ungnade seiner Herrin. Nichts findet sich hei ihm von dem waltherischcn
Reichthum an Liedern zum Preise und Lobe der Tugenden hoher
fürstlicher Personen, namentlich einer Tugend, der Milde, d. h. Frei-
gebigkeit; nirgends beschwert er sieh andrerseits über die Kargheit
seiner Gönner. Daraus kann man wohl mit Fug und Recht den Schluß
ziehen, daß Reinmar ein, wenn nicht reicher, so doch wohlhabender
Mann und nicht so auf Unterstützung angewiesen war wie der größte
und begabteste Minnesänger, Walthor von der Vogelweidc.- Reinmar
sagt uns selbst einmal (MFr. 168, 32 f.)
mickn besiocere ein rehte herzeltchiu not,
min sorge ist anders kleine.
Sollte man dieses Bekenntniss bei ihm, der in der Regel keine
nichtssagenden Phrasen macht, nicht darauf deuten können, daß der
Dichter nicht mit drückenden Nahrungssorgen zu kämpfen hat, daß es
ihm äußerlich wohl Lreht. und er ein behagliches Leben führt, außer
daß ihm seine Geliebte Kummer bereitet? Damit stimmt denn auch,
daß Reinmar den größten Theil seines Lebens, wenigstens so lange
_< dichtet und gesungen hat, und das tli.it er wohl fast bis an sein
Lebensende, an einem bestimmten Orte zubrachte und nicht an ver-
schiedenen Höfen umher wanderte. Zu Wien, am Hofe der Babenberger,
i-t seine Bejmatstätti n, und dahin hat ihn Leopold VI, jener
gesangliebende Fürst, neben Hermann von Thüringen und Kaiser
Friedrich 11 gewiß der hervorragendste Gönner und Beschützer der
deutschen höfischen Dichtung :en. nicht um ihn aus dürftigen
Lebensverhältnissen zu befreien, sondern um sein Ohr und sein Gemüth
zu bezaubern und zu erbauen an den tief zu Herz und Sinnen >\no-
chenden Gesängen dieses an Innerlichkeit der Empfindung allen vor-
stehenden Meisters. Hier i-t er jedenfalls mit Walther zusammen
..fren. der Manches von ihm gelernt haben mag, sich aber mit ihm
entzweit hat j doch darüber später.
■») Man vgl. MFr. 201, B8 157, 1 a 2 172, M 16. 186, 8 -1. Vgl. auch
l~ i\ !; Ml e 160 15. 151, 3. 196, 26. 203, 12. 10:i, 29.
Man vgl. v •!. Hagen MS. IV,
152 I REGEL
Dieß ist das Wenige, was ich über Reinmars Heimath und äußere
Lebensverhältnisse aus seinen eigenen Äußerungen und denen Anderer
schließen kann. Ist man nun bei Berührung seiner Lebensumstände
schon fast allein auf seine Lieder angewiesen43), so ganz bei seinen
Liebesverhältnissen; hier aber erschließt sich dafür nun auch ein um
so reicheres inneres Leben. Ich komme zur Besprechung seiner Lieder.
Was zuerst die Überlieferung derselben betrifft, so gewährt, wie bei
den meisten Minnesängern, so auch bei Reinmar die Pariser Hand-
schrift (C) die reichste Ausbeute; sie enthält unter Reinmar 224 und
unter Friedrich von Husen noch 2 Strophen, die ich alle für rcin-
niarischo halte; außerdem wiederholt sie 2 Str. unter Walther (MFr.
152, 25 u. 34), 1 Str. unter Milon von Sevelingen (J95, 3) und 4 Str.
unter Heinrich von Rugge (103, 3, 11, 19 u. 27). Die beste Hs. A
(Heidelberger Nr. 357) überliefert unter Reinmar 57 Str., unter Wal-
ther 2 (MFr. 152, 25 u. 34), unter Niüni 5 (169, 9 u. 21. 183, 33. 184,
10 u. 17), unter Reinmar dem Fiedler 4 (175, 5. 190, 27 u. 36. 192, 18),
unter Gedrut 5 (183, 27. u. 33. 186, 1, 7 u. 13) und unter Leutold von
Seven 3 Str. (103, 3, 11 u. 19). Die Weingartner Hs. (B) enthält in
ihrer ersten Reihe reinmarischer Lieder 30 Str. unter Reinmar, 4 unter
Heinrich v. Rugge (MFr. 103, 3, 11, 19 u. 27), in der zweiten Reihe (b)
83 Str., zusammen also 117 Str. Der Anhang der Hs. A (a) liefert 2 Str.
(MFr. 168, 6u. 18), die Würzburger Hs. (E) 114 und ihr Anhang (e)
12 Str. (189, 5. 190, 3. 202, 25, 31, 37. 203, 4, 10, 17, 24, 31. 204, 1 u. 8).
Sodann finden sich in M 3 Str. (177, 10. 185, 27 und 203, 10), in m
unter Walther 8 Str. (167, 13 u. 22. 197, 3. 202, 1, 7, 13 u. 19 und eine
MFr. S. 298) unter Nyphen 5 Str. (178, 1, 8, 22, 29 u. 36), in i 1 Str.
(162, 16), in p 2 Str. (179, 21 u. 30), in s 1 Str. (179, 30), in r 2 Str.
(MFr. S. 314, 1 u. 9), in n 1 Str. (MFr. S. 314, 9).
Außer den in MFr. unter Reinmar mitgetheilten Strophen schreibe
ich ihm also zu das Lied MFr. 103, 3, ferner die Strophe auf Seite 298
und die 2 Strophen auf Seite 314. Gegen das Lied MFr. 192, 25 er-
heben Lachmann und Haupt allerdings begründete Zweifel 'i4).
Änderungen in Bezug auf Anordnung der Strophen werden ge-
legentlich angegeben werden.
Die Betrachtung der Lieder eines jeden Dichters zerfällt natur-
gemäß in zwei Theile, ich untersuche die reinmarischen hier nur der
Form, nicht dem Inhalte nach.
3) Vgl. v. .1. Hagen MS. 140'-. J<) S. MFr. zu 193, 8,
ZU km;i\m \i; \ n\ ii \(.i \ \i 17,3
Reinmar, sagl v. d. Hagen25), ist als derjenige zu betrachten,
rlcr in heimischer oberdeutscher Zunge den von Veldek vorgebildeten
Minnesang zuerst zur völligen reinen Ausbildung brachte. Er gehört
zu den ältesten Meistern, steht noch an der Schwelle des deutschen
Minnesangs, welcher in ihm einerseits seinen tiefsten und geistigsten,
andererseits in der Form seinen schlichtesten und einfachsten Ausdruck
findet26). Er, der gedankenreiche Sänger, kehrt oft zu den alten, wenn
auch einfachen Tönen zurück; bei ihm überwiegt die Dichtkunst über
die Tonkunst. Seine metrischen Formen sind im Ganzen einfach und
streng, seine Spracbformen zuweilen noch alterthtimlich, sein Stil sehlieht
und schmucklos. Wiederholung und Gleichklang im Ausdruck ist in
den wenigsten Fällen als Spielerei oder Künstelei, vielmehr als etwas
Volksthümliches aufzufassen.
Die metrischen Formen betreffend handle ich zuerst von der Vers-
messung, dann vom Strophenbau und zuletzt vom Reime.
Die mhd. Metrik ist bei Reinmar schon in ihrer ganzen Reinheit
ausgebildet. Die Regel der mhd. Lyrik, daß auf jede Hebung eine
Senkung folgt, erleidet keine Ausnahme ""). Daktylische Verse finde ich
bei Reinmar nur 4 (MFr. 155, 3, 14, 25 und 156, 8, wo ich aber aus
später zu erörternden Gründen (S. 156) schreibe: sin fremeden müet
mich im s'ti); sie reimen als Körner. Zweisilbiger Auftact ist von Lach-
mann einmal (MFr. 157, 4), von Haupt dreimal (154, 21. 181, 35. 196, 38)
bezeichnet, aber eine fünfte Stelle (152, 36) von diesem wenigstens
nicht ausgezeichnet worden, weil er sagt, hier könne auch sf> gvrinnet
geschrieben werden"" .
Jambischer Rhythmus überwiegt bei Reinmar. aber nicht bedeutend,
[ch gehe die verschiedenen Versarten und ihre Verbindungen, wie sie
sich bei Reinmar finden, jetzt der Reihe nach durch:
1. Vers von 2 Hebungen.
a) Jambisch.
Bei Reinmar kommt er nur stumpf, auch nur in - Liedern, und
/.war in Verbindung mit dem gleichen Vera von 4 Heb. vor im zweiten
Theile des Abge
MFr. 159, I. Hier ist zwischen den von 2 und den von 1 Heb.
noch ein gleicher Vers vor 6 Heb. eingeschoben.
MS. IV. 137 . ' Vgl. Uhlands Abhandlung über den Minnesang (Schriften
zur Geschichte der Dichtung und Sag< \ 181 Vgl Bari ch, Ldederdichtei
zu XV, 71, MFr. s. 290.
154 E. KEGEL
MFr. 183, 33. Hier sind zwei von 4 Heb. mit dem von 2 Heb.
gebunden. In beiden Fällen haben alle 3 Verse gleichen Keim, und der
von 2 Heb. rindet sieh am Schlüsse der Strophe, wo sonst längere
Verse stehen. Die Verbindung des von 4 und des von 2 Heb. ist eine
romanische. Bartsch29) vergleicht eine Form Wilhelms von Poitou.
b) Trochäisch.
So kommt der Vers häufiger vor:
a) Stumpf MFr. 176, 5, mit dem gleichen gebunden (2 u. 5 des
Auf'gesanges.
ß) Klingend MFr. 190, 25, mit dem von 3 Heb. gebunden (im
ersten Theile des Abgcsanges). Auch hier findet sich die Verbindung
mit dem von 4 Heb.: MFr. 151, 33 (im zweiten Theile des Abges.).
Der kürzere steht hier vor dem von 4 Heb. 30).
2. Vers von 3 Hebungen.
a) Jambisch.
a) Stumpf. Als Waise steht er: MFr. 167, 31 (5. Zeile des Abges.).
Mit gleichem gebunden: 160,6. 167,31. 1S6, 10 (2 u. 5. Z. d. Abges.).
Mit dem von 5 Heb. gebunden 165, 10 (3. u. 5. Z. d. Abges.). In der
3. Str. ist der von 5 Heb. trochäisch; in der 5. Str. fehlt der von 3 Heb.
Vielleicht: daz ich des wese fri.
ß) Klingend. Mit gleichem gebunden: MFr. 168, 30. 103, 22 (2. u.
4. Z. d. Aufges.). Dazu die Strophe auf S. 208. In der 4. Str. ist der
zweite Vers trochäisch. Mit dem von 5 Heb. gebunden: MFr. 150, 1
(3. u. 5. Z. d. Abges.). MFr. 151, 1. 17 (2. u. 4. Z. d. Abges.). (151, 24 ist
vielleicht so zu ergänzen: dazs an mir statten also misset (de). MFr. 152,
25. 34 (1. u. 2. Z. d. Abges.). MFr. 156, 10 (11. u. 12. 15. u. 17. Zeile).
y) Stumpf-klingend. MFr. 156, 10. (5. u. 6. Zeile).
d) Klingend-stumpf. Hier haben wir die alte epische Langzeile;
deßhalb ziehe ich auch mit Bartsch31) zusammen: MFr. 154, 37 u. 38.
155, 10 u. 11, 21 u. 22, 32 u. 33. 156, 4 u. 5.
(i) Trochäisch.
a) Stumpf. Mit gleichem gebunden: MFr. 160,6(2. u. 5. Abges.).
MFr. 190, 27 (2. u. 5. und 3. u. 6. Aufges.) MFr. 203, 24 (2. u. 4. Auf-.)
203, 25 ändert Bartsch3'2): diu ich hän vernomen (wohl besser). Mit
30) Germania II, 271. in) Ich möchte hier ändern: 152, 3 sost mir also
vool ze muole. 152, 22 wdn mirst leide. u) Liederd. XV, 55. 3J) Liederd. XV, 561.
ZI i;i [NMAB VON II M.l \ 1} 155
dem von 1 Heb gebunden: MFr. 176, 5 (4. u. 5. Abges.) MFr. 190, 27
(3. u. 1. Abges.j der kürzere Vers stehl hier nach).
ß) klingend. Mit dem von 2 Heb. gebunden (s. 0.) MFr. 199,20
(2. 11. 1. Abges.). Mi1 gleichem gebunden: MFr. 170, 1 (l.u. 3. Aufges.).
170, 3 möchte ich lesen : sost ez niender nähen. 170, 10 möchte ich lesen :
wies ein vrouioe wcere. MFr. 199,25 (.">. u. 4. Abges.). Hier mit beiden
noch ein gleicher Vers von 5 Heb. (Schluß der Strophe) gebunden, was
selten ist. MFr. 202, 25 (1. u. 3. Aufges.).
In der 1. Str. möchte ich losen 202, 25 Mirst der werlde unsteete
und 202, 27, allerdings sehr willkürlich : gerne ich rehte teete und dann
202, 29 statt so, was dem swie entsprach, doch. MFr. 203, 24.(1. u.
Ufges.). Mit dem von 4 Heb. gebunden: MFr. 186, 19 (2. u. 4. Ab-
In der -/weiten Strophe beginnt der von 4 Heb. mit Auftaet.
3. Vers von 4 Hebungen.
Dieser Vers ist in der deutschen sowie in der romanischen Poesie
der älteste und häufigste.
<i) Jambisch.
a) Stumpf (achtsilbig). Dieser Vers kommt in vielen Strophen für
ich allein vor, paarweise oder gewöhnlich überschlagend gereimt; oft
im ganzen Aufgesang, aber auch sonst im Auf- und Ahgesang sehr
häufig33); am häutigsten hat ihn gerade Reinmar:
1. Durch die ganze Strophe (und zwar durchaus mit über-
schlagenden Reimen). MFr. 187,31. 187,34 möchte ich nach Hs. A
11: deich ir vergezzen niem mac. MFr. 188,31. 191, 7. 25. 203, 10.
I-;.:. 3.
2. Im ganzen Aufgesang (auch durchaus mit überschlagenden
Reimen): MFi 150, I. 151, 1, 17,33. 152,25,34 (36 mit zweisilbigem
Auftacl 1..:;,... 14, 23, 32 154 5. 181, I.". (35 not zweisilbigem Auf
tact) 182, I 183, :;;:. 198, I.
."' In den Stolhii nur theilwei e MF] 154,32 (1 u 3 Aufges.).
liier sehreiht man in der ersten Zeih wohl be 1 8di iender
MFr 155, 27 | I. .,. 3 Aufges.). 38 ohne Auftaet 156, l<> (1. 2. :'.. Aufg.).
MFr. 156,27 (1. u. 3 tal 19 ohne Auftacl MFr. 158, 1. 159, 1
(1. 11. :*.. Aufges.) MFr. 160, 6 1 l. u. I. aufges.). 25 möchte ich nach .Im
Hss. schreiben: wil si des noch niht //"'/< vemomen. MFr. 1»'»2, 7, 3 1
I. u. 3. Aufges.). 163, 2:; (2 u. I. \m Eb< nso: HU. :;<> (die drei
Vgl Bari .1: (Germania II, 274)
15ß E. REGEL
vorhergehenden Strophen stelle ich nach dieser34). 165, 1. 165, 10
(1. u. 3. Aufges.). Ebenso: 166, 16 (167, 4 ohne Auftact). 167, 13, 22.
167, 31 (1. u. 4. Aufges.). 171, 32 (1. u. 3. Aufges. nur in der 3. Str.).
172, 11 (3. Aufges. nur in d. I. Str.). 172, 23 (1. u. 3. Aufges. nur in d.
2. Str.). 172, 23 (3. Aufges. nur in d. 3. Str.). 184, 31 (2. u. 4. Aufges.).
Ebenso: 185, 27. 193, 22 (1. u. 3. Aufges.; 29 ohne Auftact). Ebenso:
195, 10 (28 ohne Auftact): 197, 15 (nur in der 2. Str.). 201, 12 (2. u.
4. Aufges. nur in der 1. Str.).
4. Im Abgcsang: MFr. 150, 1 (4. Zeile; Waise). 151, 33 (3. u. 6. Z.
nur in der 2. Str.). MFr. 152, 25 (3. Z. gebunden mit einem Vers von
7 Heb.). (Ich ziehe hier und in den folgenden Liedern die beiden letzten
Zeilen der Strophe zusammen35). Ebenso: MFr. 152, 34. 153, 5, 14, 23,
32. 154, 5. 154, 32. (4. Z. Körner; ich stelle die beiden Strophen 155,
27 und 155, 38 um und rechne die 2. mit zum Vorigen Liede, indem
ich das Korn 156, 8 nach C (v. d. H.), aber mit kleiner Abweichung,
um daktylischen Rhythmus zu bekommen, wieder herstelle: sin fremeden
müet mich nu sit). MFr. 155, 27 (4 Z. Waise; ich lese hier nach Hss.
AC: r/ot helfe mir deich mich hewav). 156, 10 (13 Z. mit einem Vers von
7 Heb. gebunden). 156, 10 (16 Z. Waise). 156, 27 (1. Z. Abges. mit
einem Vers von 6 Heb. gebunden). 156, 27 (4. u. 3. Z.). 157, 9 ist wohl
besser zu schreiben: daz sis niht mere heeren toü; 18 ist ohne Auftact;
28 hat zAveisilbigen Auftact. MFr. 156, 27 (6. Z. mit Vers von 6 Heb.
gebunden). 156, 36 und 157, 30 sind ohne Auftact. 158, 1 (3. u. 5; 4. u.
6 Z.), 28 ist ohne Auftact. 159, 1 (3. Z. mit einem Vers von 6 Heb.
und einem von 2 durch den Reim gebunden s. o.). 162, 7 (4. Z. Waise;
3. Z. mit einem Verse von 5 Heb. gebunden), 13 ohne Auftact. Ebenso
MFr. 162, 34. 163, 23 (3. u. 5. Z.). 164, 2 ohne Auftact. 163, 23 (4. Z.
Waise). Ebenso: 164, 30 (Anordnung s. o.). 165, 1 (9 ohne Auftact).
166, 16 (1. Z. mit einem Vers von 7 Heb. gebunden, 4. Z. Waise).
Ebenso: 167, 13, 22. 167, 31 (3. u. 6. Z.; 4. Z. Waise). 170, 1 (2. Z.
Waise') , 36 (2. Z. Waise; 1. Z. der 1. u. 5. Str. mit Vers von 6 Heb.
gebunden). 172, 23 (2. Z. d. 2. Str.; 2. u. 3. Z. d. 3. Str.). 174, 3 (2. Z.
d. 1. u. 5. Str.). 179, 3 (5. Z. der 6. Str. mit Inreim gebunden30). Ich
schreibe 180, 15 u. 16 zusammen. 181, 13 (3. u. §. Waisen; 4. u. 6).
Ebenso 182, 4. 183, 9 (1. Z. d. 2. Str. mit Vers von 7 Heb. gebunden).
183, 33 (1. u. 2. Z.) 185, 27 (1. Z. d. 2. 3. 4. Str. mit Vers von 7 Heb.
gebunden). 189, 5 (4. Z. Waise). 192, 25 (1. Z. d. 3. u. 4. Str. mit Vers
M) Vcrgl. Bartsch, Liedcrd. XV, 154. 3S) Vgl. Bartsch, Liederd. XV, 47.
6) Vgl. Bartsch (Germ. IU, 482. XII, 135).
ZU REINMAR VON HAGENAU. 157
vu., 6 Hebungen; 1?. Z. Waise). 193, 22 (1. u. 2. Z. d. 3. 4. 5. Str.).
195, 10 (3. u. 4. Z.) 197, 15 (1. Z. d. 2. u. I. Str. mit Vers von 7 Heb.
gebunden; 2. Z. Waise). 201, 12 (2 Z d. .'?. Str. mit Vers von (i Heb.
gebunden). MFr. S. 314 (6. u. 8. Z.).
Der Vers, welcher nach dein alten Gesetze der Hebungen dem
achtsilbigen jambischen entspräche, ist der siebensilbige mit klingendem
Reime (s.o.). Beide wechseln, zumal bei Dichtern, welche leichtere
Melodien lieben37), nicht selten mit einander; so auch hei Reinmar:
MFr. 193, 22.
ß) Klingend (neunsilbig). MFr. 163, 23 (1. Z. des Abges. gebunden
mit Vers von 8 lieb.). Ebenso: 1G4, 30 (Anordnung s. o.). 165, 1. 177, 10
(1. u. 3. Aufges. der 3. Str.). 108, 4 (1. u. 2. Abges.). Ich ziehe hier zu-
Bammen 8. u. 9. 38); 10. u. 11: ebenso in den anderen Strophen. MFr.
S "'14 (f). u. 7. Z.). Die 7. Zeih der ersten Strophe kann man vielleicht
schreiben: daz si da krenket in ir jären.
Dieser Vers ist in der romanischen Lyrik selten, in der Epik
ebenso häutig als der achtsilbige; die Lyriker brauchten dafür den
achtsilbigen trochäischen Vers. Die; Romanen stellen den neunsilbigen
jambischen Vers gern zu Anfang des Abgesanges, um kürzere Verse
der Stolleu mit längeren des Abgesanges zu verbinden ; ein solches
Beispiel hat man auch, wenn man zusammenzieht, bei Reinmar in der
obigen Stelle MFr. 198, 4.
Die Scheidung des jambischen und trochäischen Rhythmus ist am
Btr engsten im Verse von 4 Hebungen; ich gehe zu den trochäischen
über :
h) Trochäisch.
a) Stumpf (siebensilbig). Durch die ganze Strophe findet er sich
nicht. Im ganzen Aufgesang: MFr. 178. 1 und 198, 28. Im ganzen
Abgesang: MFr. 203, 24 (3 Zeilen durch gleichen Reim gebunden),
29 Bchreibl Bartsch39) ward ich für sit /VA (wohl besser). Sonst ist der
Vers häufig bei Reinmar: MFr. 151, 1 (2. u. 4. Aufges. der 2. Str.)
154, 32 (1. Zeile d. 4. Str. Anordnung s.o.). 156, 10(4.7.8 9. 10 Zeile).
156, 21 (3. u. 10. Z. de- 1. Str.. s. Z. der 3. Str., 5. Z. der 1. Str.). 158, 1
- /. d. 3. Str.) 162, 7 (7. Z. «1. 1. Str.) 166, 0'. (1. Z. d. 1. Str.). 168, 30
il.Z. des Abges. gebunden mit Vera von 7 Heb.); dazu die Strophe
MFr. S. 298, wo man in der 5. Zeih- vielleicht "hne Aufiact schreiben
kann: muoi van vröuden. 169, 9 (2. n. 4. Aufges.; 1. Z. d. Abges. ge
\ ,i Bartrn li Germ.il II 27(1 ' ■ U
lerd M.
158 E. REGEL
bunden mit Vers von 6 Heb.). Ebenso: 169, 33. 170, 1. 170, 36 (1. Z.
d. Abges. d. 2. 3. 4. Str. gebunden mit Vers von 6 Heb.). 171, 32 (1. u.
3. Aufges. d. 1. u. 2. Str. 1. Z. des Abges. gebunden mit Vers von 7 Heb.).
Ebenso: 172, 11 (in d. 1. Str. die 3. Zeile mit Auftact). 172, 23 (1. Z. d.
Aufges.; 3. Z. d. Aufges. d. 1. Str.; 1. u. 2. d. Abges. d. 1. Str.; 1. Z. d.
Abges. d. 2. Str.). 173, 6 (2. u. 4. Aufges.; 2. d. Abges. gebunden mit
Versen von 5 u. 6 Heb.). 174, 3 (1. u. 3. Aufges.; 2. Z. d. Abges. d. 2. 3.
4. Str.; gebunden mit 2 Versen von 5 Heb.). 175, 1 (1. Z. d. Abges.,
gebunden mit Vers von 5 Heb.). Ebenso 175, 29 und 36. 176, 5 (1. u. 4.,
3. u. 6. Aufges.; 1. u. 2. Abges.;. 3. Abges. Waise; 5. Abges. gebunden
mit Vers von 3 Heb.). 177, 10 (1. Z. d. Abges. gebunden mit Vers von
6 Heb.)- 178. 1 (1. u. 3. Abges.). 179, 3 (1. Z. Abges. durch Inreim ge-
bunden; s. o.); nur in der 6. Str. steht Auftact. 182, 14 (1. Z. Abges. ge-
bunden mit Vers von 5 Heb.). 182, 34 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von
7 Heb.). Ebenso 183, 9 (in d. 2. Str. mit Auftact). 185, 27 (in d. 1. u. 5. Str.).
186, 19 (1. u. 3. Abges. Waisen). 190, 27 (1. u. 4. Aufges.; 1. Z. Abges.
gebunden mit Vers von 3 Heb. s. o.). 192, 25 (1. u. 3. Aufges.; 1. Z.
Abges. d. 1. 2. 5. Str. gebunden mit Vers von 6 Heb.). 193, 22 (1. Auf-
ges. d. 2. u. 5. Str.). 194, 34 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 5 Heb.).
195, 10 (2. Z. Abges. gebunden mit Vers von 8 Heb.). 195, 37 (1. u.
3. Aufges.). Ich möchte hier mit Bartsch40) schreiben:
196, 1 : ivärt ir ie ein wcetlich itrvp
196, 13: doch frönt mich sin Sicherheit
197, 15 (1. u. 3. Aufges. d. 1. 3. 4. Str.; 1. Z. Abges. d. 1. u. 3. Str. geb.
mit Vers von 7 Heb.). 198, 28 (1. u. 3. Abges.). 199, 25 (2. u. 4. Aufges.).
Ich ziehe hier MFr. 1 u. 2., 4. u. 5. zusammen; über die Grunde später.
201, 12 (1. u. 3. Aufges.). Die 1. Z. d. 1. Str. hat Auftact; in der 3. Z.
d. 3. Str. möchte ich schreiben zallen. 201, 12 (2. Z. Abges. d. 1. u.
2. Str. gebunden mit Versen von 5 und 6 Heb.). 201, 33 (2. u. 4. Aufges.)
Ebenso 202, 25. 201, 33 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 7 lieb.).
202, 25 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 8 Heb.). 202, 35 kann
man vielleicht und weglassen.
ß) Klingend (achtsilbig). Dieser Vers ist bei Reinmar viel seltener
als der stumpfe. MFr. 151, 33 (5. Z. Abges. gebunden mit Vers von
2 Heb. s. o.). 152, 3 möchte ich schreiben: sost mir also . . . 160, 6 (1. u.
4. Abges.). 161, 11 möchte ich nach bC schreiben: wdns enlät mich von
ir scheiden 177, 10 (1. u. :'). Aufges.). Ebenso 182, 39. 183, 9. 186, 19
(3. u. 6. Aufges.; 4. Z. Abges. gebunden mit Vers von 3 Heb. s. o.).
") Zu Liederd. XV, 510. Liederd. XV, 522.
ZU REINMAR VON HAGENAU. 159
195, 37 (1. Z. Abges. gebunden mit Vers von 8 Heb.). 199, 25 (1. u. 3.
Aufges. mit innerem Reim; Zusammenziehung s. o.). 201, 33(1. u. 3.
Aufges.). Sehr häufig ist in der deutschen, wie in der romanischen
und lateinischen Liederpoesie die Verbindung von trochiiisch-stumpfen
und klingenden Versen, und so wechseln denn auch hei Keinmal' (MFr.
199, 25. 201, 3:5 und 180, 19 | im Abgesang]) diese mit jenen ab.
Echt deutsch, da beide ursprünglich gleiche metrische Geltung
haben, ist die Verbindung des trochäisch klingenden von 4 Hebungen
mit dem trochäisch stumpfen von 5 Hebungen; und so wechseln bei
Keinmal' beide mit einander ab in den Liedern MFr. 177, 10 und
182, 34.
Der Wechsel zwischen jambischen und trochäischen Versen von
1 Hebungen ist sehr häutig; er geht sogar durch die ganze Strophe:
MFr. I'.'l. 34: jambisch 2. u. 4. Aufges. 2. u. 3. Abges.; trochäisch: 1. u.
.'!. Aufges. 1. Abges. Abweichungen finden sich nur 192, 10. u. 23, wo
trochäischer statt jambischer Rhythmus sich zeigt.
Aber sie werden auch durch den Keim gebunden:
jambisch trochäisch (stumpf): MFr. 151, 1 (1. u. 3. Abges.;. Ebenso
151. i? in der 2. Str. 104, 30 (3. u. 0. Abges. der 2. u. 4. Str. Anordnung
Ebenso 165, 1. 185, 20 (2. u. 4. Aufges.) 201, 12 (1. u. 3. Aufges.
d 1. Str.; 2. u. 4. Aufges. d. 2. u. 3. Str.).
Trochäisch-jambisch (stumpf): MFr. 151,17 (1. u. 3. Abges. der
1. Str. : 151, :;:; (3. u. 0. Abges. d. 1. u. 3. Str.). MFr. 100, 0 (7. u. 8. Ab
) In der 1. Str. schreibe ich hier nach den Hss. 050, 19: sol <■:: mit
wol erboten tun, denn die entsprechenden Zeilen An- anderen Strophen
haben alle Auftact. MFr. 193, 22 (1. u. 2. Abges. d. 1. u. 2 Str.) KM. Ill
il. .1 3. Aufges.) Ebenso 195, 10 (d. 3. Str.).
4. V (TS v on 5 1 1 eh n ngen.
Dil •! Vers ist aus der romanischen Poesie entlehnt41), nicht ur-
prünglich deutsch; er komml im Deutschen viel seltener vor als dei
von -1 Hebungen; auch wird er hier nicht mit derselben Strenge I"
handelt wie im Romanischen: namentlich fehlt ihm die männliche Cäsur
nach dei vierten Silbe. Km Reinmar stehl er indes i ü verhältnissmäUig
bäufi
a i Jarabi cli
a) Stumpl .- • I m i : 1 1 1 • i [m mzen Aul ing tehtei MFi 194,18.
Hei kommt er außerdem noch zweimal im Abj ' u 3 Z
\ i i 1 1
UjU E. REGEL
vor, und zwar wechselnd mit dem klingenden von 5 Hebungen, so daß
er fast die ganze Strophe ausmacht. Ebenso wechselnd mit dem von
5 Hebungen steht er: MFr. S. 314 (2. u. 4. Aufges.). Die erste Zeile kann
man hier vielleicht lesen:
Sicel wip wil daz man si da niht etizlhe
und in der 4. Z. nach Hs. n schreiben :
beide in dem plane und üf den hohen allen.
Nicht romanisch ist der Wechsel des jambisch stumpfen Verses
von 5 Heb. mit gleichem von 4 Heb.; bei Reimnar kommt er häutig
vor: MFr. 154, 32 (2. u. 4. Aufges.). Ebenso 155, 27. 162, 7 (26 ist wohl
so besser wegzulassen; Hss. bCE). 162, 34. Hier steht der Vers noch
einmal am Schlüsse der Strophe, und zwar sogar durch den Reim ge-
bunden mit dem von 4 Heb. MFr. 163, 23 (1. u. 3. Aufges. d. 2. Str.).
Ebenso 164, 30 (1. Z. d. 4. Str. [Anordnung s. o.] lese ich mit Bartsch42):
Uue des daz ich einer rede vergaz). 165, 1. 195, 10 (2. u. 4. Aufges.).
Auch mit dem trochäischen von 4 Hebungen wechselt er: MFr.
171, 32 (2. u. 4. Aufges. d. 1. Str.). Ebenso 172, 11 (die 3. Z. d. 1. Str.
hatAuftact). 192, 25. 195,37 (196, 14 lese ich mit Bartsch43): daz er
mir . . .). Auch mit dem von 4 Heb. gebunden kommt er vor: MFr.
182, 14 (4. Z. der vierzeiligen Strophe).
Auch sonst noch findet sich der Vers: MFr. 154, 32 (1. Z. d. Au-
ges, gebunden mit Vers von 6 Heb.). Ebenso 155, 27. 159, 1 (1. u. 2.
Abo-es.). 165, 10 (am Schluß der Str. gebunden mit Vers von 3 Heb.
s. o.), 36 ist ohne Auftact. 170, 36 (2. u. 4. Aufges. wechselnd mit
trochäischem Vers von 6 Heb.). 178, 1 (2. Z. d. Abges. der 2. Str. Waise)
190, 3 (3. Z. d. Abges. gebunden mit trochäischem Verse von 7 Heb.).
196 35 (2. u. 4. Aufges. wechselnd mit trochäischem Verse von 6 Heb.),
38 hat zweisilbigen Auftact. 196, 35 (1. Z. des Abges. geb. mit jamb.
Vers von 8 Heb.). 197, 1 ist ohne Auftact.
ß) Klingend (elfsilbig). Dieser Vers steht gern entweder zu Anfang
des Abgesanges, um einen Gegensatz gegen die kürzeren Verse des
Abgesanges zu bewirken, oder am Ende der Strophe, wo längere
Verse überhaupt beliebt sind: MFr. 150, 1 (LZ. d. Abges. gebunden
mit troch. kling. Vers von 6 Heb.). MFr. 150, 1 (am Schluß, gebunden
mit Vers von 3 Heb. s. o.). Ebenso MFr. 151, 1 u. 17. 152, 25 und 32
(2. Z. Abges. ebenso gebunden). MFr. 153, 5 (2. Z. Abges. gebunden mit
Vers von 4 Heb. s. o.). Ebenso 153, 14, 23, 32. 154, 5. 166, 16 (3. u. 5.
Abges.). Ebenso 167, 13, 22. 181, 13. (1. Z. Abges. gebunden mit Vers
«) Liederd. XV, 181. • Liederd. XV, ü-i:).
ZU REINMAB VON HAGENAÜ. 161
von 6 Heb.) Ebenso 182, 4. 189, 5 (1. u. 3. Aufges. wechselnd mit
(roch. Vors von 6 Hebungen). 11'4, 18 (1. n. 4. Abges. wechselnd mit
stumpfem s. o.) Ebenso MFr. S. 314 (1. u. 3. Aufges.) 1(.>4, 34 (2. Z.
Abges. Waise).
h) Trochäiscli.
a) Stumpf (neunsilbig). Bei Reinmar zeigt sich dieser Vers ebenso
häutig wie der jambisch-stumpfe. Im ganzen Aufgesang: MFr. 175, 1,
29, 36. Hier überall außerdem in der 3. Z. Abges. geb. mit Vers von
4 Heb. 190, 3 außerdem in der 2. Z. Abges. geb. mit Vers von 0 Heb.
(190, 6 ist wohl besser zu schreiben: so nimt sis ....).
Echt deutsch ist es wieder, wenn der trochäisch-stumpfe Vers von
5 Heb. mit dem trochäisch4ilingenden von 4 Heb., welche ursprüng-
lich gleiche metrische Geltung haben, wechselt: MFr. 177, 10 (2. u.
4. Aufges.). Ebenso 182, 34. 183, <>.
Auch sonst kommt der Vers oft vor, häutig am Schluß der Strophe:
MFr. 151, 33 (1. u. 2. Z. Abges. d. 2. Str.; vielleicht ist auch in der
1. Str. zu schreiben (38): mirst vil.... MFr. 160, 6 (3. u. 6. Aufges.
und die beiden letzten Zeilen der Strophe). MFr. 162, 7 (am Schluß,
mit Vers von 4 Heb. geb. s. o.). 165, 10 (4. Z. Abges. Waise). 167, 31
(3. u. 6. Aufges.). Ich schreibe nach Bartsch44) 168,8: wie min heil
(in filme libe lac. 168, 11 (eine Hebung zu wenig): swaz ick ievier me
geleben mac. 168, 20: also deich ir mer enberen sol. 168, 23: daz min
Jdagedez herze ist jdmers vol. MFr. 167, 31 (I. Z. Abges. geb. mit jamb.
Vers von 7 Heb.). 171, 32 (2. u. 4. Aufges. d. 3. Str., wechselnd mit
Vers von 4 Heb.). 172, 23 (ebenso, nur wechselnd mit troch. Vers
von 4 Heb. Die Lesart von Bartsch 4:') kann ich nicht billigen.). MFr.
172, 23 (am Schluß d. Str., geb. mit Vers von 4 Heb.) die letzte
Zeile d. 3. Str. hat Auftact. 173, 6(1. Z. Abges., geb. mit Versen von
4 u. 6 Heb.). 174, 3 (1. u. 3. Abges., wieder am Schluß d. Str.); 14 hat
Auftact. 178, 1 (2. Z. Abges. Waise); 13 hat Auftact. 179, 3 (1. u. 3.
Aufges., wechselnd mit Vers von 6 Heb.). 184, 31 (1. u. 3. Aufges.
wechselnd mit jamb. Vers von 4 Heb.). Ebenso 185, 20 (185, 1 ist
nach Bartsch4'') zu schreiben: da entrastent kleiniu vogellm). Außer-
dem in beiden Liedern 1. Z. Ahges., geb. mit jamb. Vers von 8 Heb.
zusammengezogen). 185, 27 (1. u. 3. Aufges., wechselnd mit jamb. Vers
von 4 Heb.). 189, 5 (1. Z. Abges., geb. mii Vera von 6 Heb.). 190,27
(2. Z. Abges. Waise). 194, 34 (3. Z. Abges., geb. mit Vera von 1 Heb.,
", \.<i. l.i-l.nl. XV, L'l.i, ülf,, 225, 228. Liederd. XV, 260. u) Lie
SV, 146.
i \MA. Neue Beihe VII i.\l\ | J 11
162 E. REGEL
wieder am Schluß). 201, 12 (1. Z. Abges., geb. mit Versen von 4 u. 6
Heb.). 201, 16 vielleicht: da ich grdze herzesiccrre trage.
ß) Klingend (zehnsilbig). Dieser Vers ist viel seltener als der
jambisch -klingende; er dient häufig dazu eine Strophe in kürzeren
Versen zu beschließen (MFr. 199, 25). MFr. 160, 6 (3. u. 6. Abges.).
161, 39 ist vielleicht zu lesen: hat diu guote (diu liehe) leider sich ver-
borgen 4:). 1 69, 9 (1. u. 3. Aufges. wechselnd mit stumpfem Verse von 4 Heb.).
Ebenso 169, 33. 179, 3 (2. Z. Abges. durch Inreim gebunden48). 189, 5
(3. Z. Abges. geb. mit jamb. Vers von 7 Heb.). 199, 25 (am Schluß, geb.
mit Versen von 2 u. 3 Heb. s. o.).
Jambische und trochäische Verse kommen auch hier gebunden vor :
Jambisch -trochäisch, stumpf. MFr. 163, 23 (1. u. 3. Aufges. d.
I. Str.). 174, 3 (1. u. 3. Abges. d. 2. StrA
Klingend. MFr. 180, 28 (2. Z. Aufges. geb. mit der 5. u. 6. Z. d.
Aufges.; in der 1. Str. ist auch die 5. Z. jambisch).
Trochäisch-jambisch (stumpf). MFr. 151, 33 (1. u. 2. Z. Abges. d.
3. Str.). 180, 28 (die beiden letzten Zeilen der Strophe).
5. Vers von 6 Hebungen.
Dieser Vers unterscheidet sich vom Alexandriner dadurch, daß
er keine bestimmte Cäsur nach der sechsten Silbe hat. Daß er gern
mit dem von 4 und dem von 5 Heb. gebunden wird oder wechselt ist
schon oben bemerkt. Wie letzterer, so steht auch er gerne am Ende
der Strophe. Stumpfe Verse sind bei Reinmar bedeutend häufiger als
die klingenden; jambischer Rhythmus überwiegt hier nur bei den klin-
genden Versen.
et) Jambisch.
a) stumpf, (zwölfsilbig). MFr. 154, 32 (am Schluß d. Str., geb. mit
Vers von 7 lieh. Zusammenziehung s. c; 2. Z. d. Abges. mit weib-
licher Cäsur nach der 3. Heb. (dreizehnsilbig), geb. mit Vers von 5 lieb,
s. o.). Ebenso 155, 27. 156, 27 (2. u. 4. Aufges. wechselnd mit Vers von
4 Heb.). Ebenso 158, 1. 159, I. 156, 27 (2. Z. Abges. geb. mit Vors von
4 Heb. d. 2. 3. 4. 5. Str.; 3. Z. Abges., geb. mit Vers von 4 lieb.). Hier
ist die Stellung der beiden umgekehrt; der kürzere steht am Ende d i
Strophe. 157, 17 ist kurz; vielleicht:
und sol du:: dl die ;uf so trüreclichen stän.
158, 1 (1. u. 2. Abges. d. 1. u. 4. Str.). 159, 1 (4. Z. Abges., geb. mit
Vers von 4 Heb.). 165, 10 (2. u. 4. Aufges wechselnd mit Vers von 4 Heb.).
") Haupt au 161, 89, |S) \ -\ Bartsch (Germ III, 482 .. \n
ZU KKIVM \i; VON HAGEN VI 163
170, 1 am Schluß, geb. mit troch. Vers von 4 Heb.). Ebenso 171, 3G
3. 4. Str.: mit jam. geb. 1. u. 5. Str. i. 175, 1 (2. Z. Abges. d. 2. Str.
Waiso. 177. 10 (am Schluß, geb. mit troch. Vers von 4 Heb.). Ebenso
192. 25. 197, 15 (2. u. 4. Aufges., wechselnd mit troch. Vers von 4 Heb.).
197, 16 vielleicht: ich enbegünde es entriuwen niemer me. 201, 12 (am
Schiuli (1. 3. Str., geb. mit troch. Vers von 4 Heb.).
ß) Klingend (dreizehnsilbig). MFr. 166, 16 (2. u. 4. Aufges., wech-
selnd mit stumpfem Verse von 4 Heb.;. Ebenso 167, 13 u. 22. 181, 13
2. Z. Abges., geb. mit dem von 5 Heb.). Ebenso 182. 4. 198, 44!,> (3. Z.
Abges., geb. mit dem von 7 Heb.).
b Trochäisch.
a Stumpi (eilfsilbig). Im ersten Theile (der vierzeiligen Strophe
steht er: MFr. 182, 14 (in der 2. Str. [18]) schreibt Bartsch50):
Ich hän ir ze gehen nihi wan min selhes Ivp. MFr. 156, 27 (2. Z.
Abges. d. 1. Str., geb. mit jamb. Vers von 4 Heb.). MFr. 165, 10 (1. Z.
Abges. d. 1. 2. 4. 5 Str. mit jamb. Vers von 7 Heb.). 168, 30 (1. u.
3. Aufges.); dazu die Strophe MFr. S. 298. MFr. 169,9 (am Schluß,
geb. mit Vers von 4 Heb.;. 170, 36 (1. u. 3. Aufges., wechselnd mit
jamb. Vers von 5 Heb.). 173, 6 (1. u. .'!. Aufges., wechselnd mit troch.
Vers von 4 Heb.: außerdem am Schluß, geb. mit Versen von 4 u.
5 Heb.). 174, 3 (2. u. 4. Aufges., wechselnd mit Vers von 4 Heb.
.1. 1. 2. 3. 4. Str., 175, 1 (2 Z. Abges. Waise). Ebenso 175, 29 u. 36.
179, 3 (2. u. 4. Aufges., wechselnd mit Vers von 5 Heb.; außerdem am
Schluß, geb. durch Inreira s. o.). In der 6. Str. findet sich weibliche
.r nach der 3. Heb. 186, 19 (1. u. 4. Aufges.). 189, 5 (2 Z. Abges.,
geb. mit Vers von 5 Heb.). Ebenso die t. Z. Abges. 190,3. 194,34
IL', ii. 4. Aufges , wechselnd mit Vers von 4 Heb.). 196, 35 (1. u. 3. Aul'
d. 2. u. .'!. Str., wechselnd mit jamb. Vers von 5 Heb.). 198, 28
2 Z. Abges Waise . 33 vielleicht :
des sich lilüi jener getreestet scelic man.
201, 12 am Schluß d. 1. u. 2. Str.. geb. mit Versen von 1 u. 5 Heb.),
25 ungefähr: nust es niht. ich warn ez ieman reden sol.
; Klingend (zwölfsilbig) MFr. 150, 1 2 / Abges., geb. mit jamb.
von 5 Heb.). 189, 5 il'. u. I Aufg - wechselnd mit jamb. von 5 Heb,).
Auch hier werden jambische Verse mit trochäischen gebunden
jambisch trochäi cli tumpf MFr, 171,. 'l iL' u. 1. Aufges. d.
5 Sti 180 " I u 3 Aul-, d I Mi l Die dritte, durch gleichen
l I,. i dii \ ■ i tln iluii BarLscli I h Liederd
\\
11
1(54 E. REGEL
Keim gebundene Zeile der 1. Str. ist auch trochäisch, wenn man nach
v. d. H. MS. I, 187" schreibt:
kceme aber iemer mir ein lebender tac.
Die entsprechenden Zeilen der anderen Strophen schreibe ich :
ISO, 39: so enmac ein man erwerben des er gert
181, 8: teil er die diu sinne unde ere hat.
Alle 3 durch den Reim gebundenen Verse müssen nämlich auch glei-
ches Maß haben, sonst kaun ich wenigstens keine Gleichmäßigkeit im
Bau der Strophe entdecken, welche ich nach der Formel: aba : abb/cc
auffasse.
Trochäisch -jambisch (stumpf). MFr. 158, 1 (1. u. 2. Z. Abges. d.
3. Str.). 180, 28 (1. u. 3. Aufges. d. 2. u. 3. Str.). 182, 14 (Aufges. d.
1. Str.). 196, 35 (1. u. 3. Aufges. d. 1. Str.).
6. Vers von 7 Hebungen.
Dieser Vers ist häufiger in der Spruchpoesie als im Liede; er
steht ebenfalls gern am Schlüsse der Strophe.
a) Jambisch.
a) Stumpf (vierzehnsilbig). MFr. 156, 10 (4. Z., geb. mit Vers von
4 Heb.). 165, 10 (2. Z. Abges., geb. mit troch. Verse von 6 Heb.). 166, 16
2. Z. Abges., geb. mit jamb. Verse von 4 Heb.). Ebenso 167, 13, 21, 31
(hier mit troch. Verse von 5 Heb. geb.). An dieser Stelle steht er auch
sehr gern; er schließt gewissermaßen einen ersten Theil des Abgesanges
vom übrigen ab.
Am Schlüsse: MFr. 171, 32 (1. u. 3. Str.). 172, 11 (1. Str.). 182, 34.
183, 9. 185, 27. 195, 10 (1. u. 2. Str.). 197, 15. 201, 33 (3. u. 4. Str.).
Hier überall ist er gebunden mit Versen von 4 Heb.
ß) Klingend (fünfzehnsilbig). Am Schluß: MFr. 189, 5 (geb. mit
troch. Vers von 5 Heb.). MFr. 198, 4 (geb. durch Inreim; Zusammen-
ziehung s. o.).
b) Trochäisch
nur stumpf (dreizehnsilbig). MFr. 154, 32 (3. Z. Abges., geb. mit Vers
von 6 Heb.). Ebenso 155, 27. Zusammenzuziehen: 155, 1 u. 2; ebenso
in der folg. Str. Hier Hndet sich weibliche ( 'äsur nach der 3. Heb. (vier-
zehnsilbig). Am Schluß: MFr. 168,30 dazu die Strophe MFr. S. 298).
171, 32 (2. Str.). 172, 11 (2. Str.). Alle diese sind mit Vers von 4 Heb.
gebunden. 190, 3 (geb. mit jamb. Vers von 5 Heb.). 195, 10 (3. Str.)
geb. mit jamb. Vers von 4 Heb. Ebenso 201, 33 (1. u. 5. Str.).
Trochäisch-jambisch (stumpf). MFr, 162, 7 (1. u. 2. Abges.; erster
Theil),
V.V Kl l\M AK \n\ ||\,,| \\| ] | ,. ,
7. Vers von 8 Hebung« a
Auch dieser Vers findet sich im Liede nur vereinzelt; er ist spe-
cifisch deutsch, die Verdoppelung des von 4 Heb. Die älteren Dichter
wie unser Reinmar, brauchen ihn hauptsächlich und gern am Ende der
Strophe. Deßhalb ziehe ich in den Liedern MFr. 184,31 und 185,20
die heideii letzten Zeilen der Strophen zusammen.
a .Jambisch.
a) Stumpf (sechszehnsilbig). Außer an den oben angeführten
Stellen noch:
MFr. 195, 10 (1. Z. Abges. d. 3. Str., geb. mit troch. Verse von
1 Heb i. Hier steht der kürzere nach. 190,35 (am Schiuli der 1. u.
2. Str., geb. mit Vers von 5 lieb.).
Klingend siebenzehnsilbig). MFr. 163,23 (2. Z. Abges. , geb.
mit Vers von 4 Heb.). Ebenso 164, 30 und 165, 1 51). Anordnung s. o.
165,6 ist zu kurz; vielleicht kann man noch ein wenig anders als
Haupt mit jambischem Rhythmus schreiben:
daz ich si d l von vor <l<-t) andern wiben allen iemer hrane.
I Trochäisch,
a Stumpf fünfzehnsilbig . MFr. 195, 10 (1. Z. Abges. d. 1. u.
2. Str., geb. mit Vers von 1 Heb.) MFr. 196,35 (am Schlüsse der
3. Str., geb. mit Vers von 5 Heb.). MFr. 202,25 (am Schlüsse, geb.
mit Vers \ "ii 3 Heb. s. o.).
Klingend (sechszehnsilbig). MFr. 195,37 am Schlüsse, geb.
mit Vera \ on 4 1 [eb.).
Nachdem ich die einzelnen Versarten und die Art, wie sie sich
bei Reinmar verbinden, besprochen, komme ich zur Anordnung der
Beiben in der Strophe, zum Strophenbau.
Maßgebend bei Bestimmung der Formeln, nach welchen die Stro
phen der Minnelieder aufzufassen Bind, ist das Gesetz der Dreitheilig
keit. In den Leichen und Sprüchen ist dasselbe nicht, oder wenigstens
nur unvollkommen beobachtet. Da aber Reinmare Poesie keine Leide
aufweist, und in dem einzigen Gedichte*2), welch- ich als Spruch
bezeichnen möchte, Dreitheiligkeil zu erkennen ist, so bleiben nur
wem-. Strophen übrig, bei welchen man w rader Zeilenzahl auf
Zwei- oder Qntheiligkeil erkennen möchte.
Auch in diesem Capitel wird ans Reinmar als der alte, Btrenge
Meister entgegentreten, bei dem die ursprünglichen einfachen Formen
. II. tnj.T Ml i MFr. 166, 10.
166 I REGEL
bei Weitem überwiegen. Seine Alterthümlichkeit gibt sieh vor Allem
darin kund, daß der in der Strophenform eines Liedes (MFr. 182, 14)
noch mit der alten, volkstümlichen epischen Poesie in Zusammenhang
steht. Seine einfachste Strophe ist nämlich die vierzeilige nach der
Formel aa/hb. Die beiden ersten Zeilen sind ganz gleich gebaut, man
könnte sie daher vielleicht als einzeilige Stollen, welche wirklich vor-
kommen, und die beiden anderen als Abgesang auffassen, aber ich
möchte doch lieber Zweitheiligkeit annehmen. Der zweite Theil unter-
scheidet sich durch andere Versart ganz merklich vom ersten.
Die einfachste Art des dreitheiligen Systems, die dreizeilige Strophe,
rindet sich bei Reinmar nicht, denn man wird wohl kaum in dem eben
angeführten Liede die beiden letzten Zeilen zusammenziehen und dann
Mittelreim annehmen wollen, da Reinmar Verse von 9 Hebungen nir-
gends bildet, diese auch schon etwas Unmelodisches haben. Wohl
aber findet sich die Verdoppelung der dreizeiligen Strophe, die sechs-
zeilige, indessen nicht in ihrer einfachsten Form, mit gepaarten Reimen.
1. Sechszeiligc Strophe.
Formel: ab : ab/ er. liier spricht sich die Dreitheibgkeit noch nicht
in ihrer schönsten Symmetrie aus, denn nach richtigem Verhältnis muß
der Abgesang grösser als der Stollen, aber kleiner als der ganze Aul'
gesang sein; hier nun ist er gleich dem Stollen. Abgegrenzt gegen den
Aufgesang kann der Abgesang durch vier Mittel sein:
1. Durch gepaarten Reim im Gegensatz zum überschlagenden.
2. Durch andere Versart53).
3. Durch Verlängerung der Schlußzeile.
4. Durch anderes Reimgcschlecht (selten).
Ich führe jetzt die Lieder der Reihe, nach an, welche nach der
obigen Formel gebildet sind. Wo Verwandtschaft zwischen Auf und
Abgesang hervortritt, wird dieß hier und in den folgernden Strophen
arten bei den einzelnen Liedern bemerkt werden : MFr. 168, 30 (dazu
noch die Strophe auf S. 298). Hier ist der Abgesang durch Mittel
1, 2, 3 unterschieden. 169,9 u. 3.°» (Mittel 1 u. 3). Die letzte Zeile
des Aufgesanges wird am Anfang des Abgesanges wiederholt. Ebenso
171, 32 u. 172, 11; hier ist es alter die erste Zeile des Aufgesanges,
welche wiederholt wird. 177, 10. 182,34 u. 183,0 (Mittel 1, 2, 3),
53) Auf Abweichungen vom Rhythmus in einzelnen Strophen eines Liedes kann
ich hierbei l<ciuc Rücksicht nehmen,
ZU REINM \K \ n\ II \.,|. \ \| I,;-,
184,31 ii. 185,20. Ich schreibe hier die beiden letzten Zeilen zusam-
men (Mittel 1 u. 3). Die erste Zeile des Aufgesanges am Anfang des
Abgesanges wiederholt. 185, 27 (Mittel 1 u. 3) die letzte Zeile des
Aufgesanges am Anfang des Abgesanges wiederholt. 10"), 37 falle 4
Mittel), 196,35 (Mittel 1 u. 3). Wieder die letzte des Aufgesange
am Anfang des Abgesanges wiederholt. Ebenso 201, 33. 202, 25.
2. Siebenzeilige Strophe.
Diese isl die Grundform <\v> dreitheiligen Systems. In der ein-
fachsten Form: aa:bb/cdc kommt sie nieht vor.
a) Formel ab : ab cdc. Schon durch die Waise ist hier der Unter
chied bezeichnet; aber außerdem bleiben die obigen Mittel:
1. andere Versart,
2. Verlängerung der Schlußzeile.
3 anderes Ftaimgeschlecht:
d) in der Weise;
b) in den beiden .'indem Zeilen
MFr. 170, 1 (Mittel 1 u. 2). Ebenso 170,86. 175,1 (Mittel 1).
Bier die Versarl des Stollens am Schluß wiederholt. Ebenso 175,21*
n. 36 178, 1 (Mittel 1 nur in der Weise; sonst der Stollen im Abge
sang wiederholt). 17'.». 3 54) (Mittel 1 n. 3, o) die letzte Zeile des Auf
uiv.es am Schluß wiederholt. 191, ->l hier ausser dem ganzen Stollen
die zweite Versarl >]<■> Aufgesanges Doch einmal in der Waise wie
derholt; also nahe Verwandtschaft. MFr. 192, 25 (Mittel 1 u. 2). 194,34
Mittel 1 ii. 3, a). 1(.»7. 15 Mittel I u 2). Hier überall die erste Zeih
am Anfang des Abges. wiederholt. 198,28 (Mittel 1 nur
in der Waise, sonsl der Stollen im Abges. wiederholt).
h) Formel ab : ab 'ccc. Hier isl der Abgesang hauptsächlich durch
den dreifachen gepaarten Reim unterschieden, welcher dem Schluß
der Absätze in der Epopöe entspricht55); sonst zeig! sich große Ver-
wandtschafl zwischen Auf- und Abgesang: MFr. 17_\ 23. Der Stullen
isl hier im Abges. wiederholl und die erste Versarl kehrt in der mitt-
leren Zeih' desselben uoch einmal wieder. 173, 656 Hier isl der Stollen
am Schluß des Abges., aber in umgekehrter Ordnung, wiederholt. Ein
Zusatz findet sich am Anfang des Abges. 174,3. Hier ist die mittlere
Zeile des Abges. gleich der ersten desAufges.; in der 1. u. 3. Z. dei
Anordnung s. ... s. 162 Inreim. I Vgl. Bartsch (Genn. II, 286). '" In
der 5. Sti . 1 oi mel i ab : al
[68 F.. REGEL
Abges. findet sieh neue Versart. 183, 33. Hier ist der Stolleu am An-
fang des Abges. wiederholt; der Zusatz findet sieh am Ende, was
seltener ist. 201, 12. Hier wiederholt die mittlere Zeile des Abges. die
1 des Aufges.; in der 1 u. 3 des Abges. findet sich neue Versart (Ver-
längerung der Sehlußzeile). 203, 10. Die Versart des Auf- und Abges.
ist die gleiche. 203, 24. Hier ist die Versart des Abgesanges wohl unter
sich gleich, aber von der des Aufgesanges durchaus verschieden.
c) Formel ab : ab/ceb. MFr. 193, 22. Der Stollen wird am Schluß
des Abgesanges wiederholt; der Zusatz steht am Anfang desselben.
3. Achtzeilige Strophe.
Sie entsteht aus der siebenzeiligen dadurch, daß die Waise mit
einer neuen Zeile gebunden wird. Hier kann man nicht immer Droi-
theiligkeit annehmen.
a) Formel aha : abJi/cc. Nach dieser fasse ich das Lied MFr. 180, 28
auf, wie schon oben S. 163 f., wo auch die Änderungen angegeben sind,
bemerkt wurde. Der Abgesang ist hier kleiner als der Stollen, was
sehr selten vorkommt; die Versarten desselben sind andere als die
des Aufgesanges.
b) Formel ab : ab/cedd. So und nicht nounzeilig faße ich die
Strophen in den Liedern: MFr. 152, 25 u. 34. 153, 5, 14 57), 23, 32 u.
154, 5, denn der Vers von 7 Hebungen steht gern am Ende und kurze
sind hier selten. Der Abgesang zerfällt hier gewissermaßen wieder in
zwei Theile; der erste (cc) steht im größten Gegensatze zum Aufge-
sang; der zweite wiederholt am Anfang die Versart des Aufgesanges;
am Schluß findet sich dann der längere Vers. Auf- und Abgesang sind
gleich groß. MFr. 190, 3. Hier ist der 2. Theil des Abges. ganz ab-
weichend; in der 2. Zeile des 1. Theiles ist die Versart des Aufges.
wiederholt, aber die 1. Zeile länger. MFr. 198,4 mit Jnreim58). Hier
herrscht der größte Gegensatz zwischen Auf- und Abgesang.
c) Formel abab/eded. Hier möchte ich nur Zweitheiligkeit anneh-
men: MFr. 151, 1. Die Versart des 1. Theiles ist nur am Anfang des
2. wiederholt; sonst ist dieser verschieden. Ebenso 151, 17. (In der
1. Strophe hat die 3. Zeile des 2. Theiles gleiche Versart mit dem
1. Theil.) MFr. S. 314. Hier entsprechen sich die beiden Theile fast
ganz, nur daß im 2. durchgehends die Verse eine Hebung weniger
haben. MFr. 103, 3 (unter Heinrich von Rugge). Hier cutsprechen
sich die beiden Theile vollkommen; eine Versart geht durch die
ganze Strophe.
Vgl Bartsch, Liederd XV, 47 : Vgl Bartsch (Germ II, 275).
ZI REINMAR VON HAGENA1 169
d) Formel ab : ab /cd de. Hier herrscht wieder Dreitheiligkeit : MFr.
194, 18. Der Stollen ist im Abgesange wiederhol! und zwar von einem
neuen Verspaare in die Mitte genommen.
1 X c unzeilige Strophe.
Sie entsteht aus der achtteiligen wieder durch Einfügung einer
Waise im Abgesang; hier herrschl wieder durchweg Dreitheiligkeit.
a) Formel ab : ab/ceded. Hier ist der Abgesang größer als der
Aufgesang: MFr. 150, 1. Der Abgesang zerfallt wieder gewissermaßen
in 2 Theile; der 1. bildet den größten Gegensatz zum Aufgesang; im 2.
wiederholt die Waise die Versart des Aufgesanges. 159, 1 5<J). Hier findet
dasselbe Verhaltniß statt, nur daß der 2. Theil des Abgesanges noch
größere Verwandtschaft mit dem Aufgesang zeigt, indem er den Stollen
wiederholt und dann am Schluß nur noch eine kürzere Zeile anfügt.
MFr. 162, 7. Der 2. Theil des Abges. wiederholt hier den Stolien, die
2. Zeile nur ohne Auftakt, die 1. Zeile außerdem noch in der Waise.
Ebenso 162, 34. L63, 23. Die 2. Zeile des Aufges. wird im 2. Theil
des Abges. dreimal wiederholt. Ebenso 164, 3060). 165, 1. 165, 10. Hier
ist Auf- und Abges. verschieden. 166, 16. Die erste Zeile des Aufges.
am Anfang des Abges. und in der Waise wiederholt. Ebenso 167, 13
u. 22. 189, 5. Hier ist Auf- und Abges. verschieden.
Nach dieser Formel fasse ich nun auch die Strophe MFr. 155,27
und zwar als selbständiges Lied. Dir Änderung, welche Lachmann
hier vorgenommen hat, ist willkürlich und, wie er selbst sagt61), wenig
hickt. Er bezweifelt die Echtheit dieser und der folgenden Strophe
im Tone des vorhergehenden Liedes: da aber die 2. Strophe auch ihrem
Inhalte nach zum vorigen Liede mehr stimmt als die 1.. wenn man
die Eigentümlichkeit der Wechsellieder bedenkt, in denen die liede
der Frau demselben Gedanken Ausdruck gibl wie die des Mannes, so
stelle ich, wie eben Bchon S. 153) angegeben, die Zeilen 155,36 und
156,8 nach den Hss., mit kleiner Änderung, wieder her und setze
die 2. Strophe ans Ende des vorigen Liedes. Die Verstheilung ist nach
Bartsch gemacht6" . somit kommt die obige Formel heraus.
Die 2. Zeile des Aufgesanges wird am Anfang des Abgesai
wiederholt, die erste in der Waise.
Das vorhergehende Lied, mit der Strophe 155, 38 am Lude, geht
nach der Formel:
li dei 5 Str. Formel: ab Anordnung s. 8. 16 MFi
S.. 290. M) Liedi rd W
170 ' REGEL
b) ab : ab/bbcdc. Hier ist nur die 2. Zeile des Aufgesanges ain
Anfang des Abgesanges wiederholt, die 1. nicht in den Körnern, wie
vorher in der Waise, da hier daktylische Verse stehen. Die Ver-
wandtschaft von Auf- und Abgesang zeigt sich hier auch in der Durch-
führung- desselben Reimes : der letzte Reim des Stollens ist im Abge-
sange wiederholt, was der häufigere Fall ist. Diese Art der Durchführung
des Reimes ist eine echt deutsche63) und wohl von einer gleich zu
besprechenden romanischen zu unterscheiden.
c) Formel ah : ab/abeeb. MFr. 191, 7 und 25. Der Stollen wird
am Anfang des Abgesanges sogar mit denselben Reimen wiederholt
und der 2. Reim noch einmal am Schluß. Diese Durchführung zweier
Reime durch die ganze Strophe ist echt romanisch; ein neues Reim-
paar im Abgesange, wie hier, tritt auch bei anderen Dichtern ein64).
Dieselbe Versart geht hier durch die ganze Strophe; einen Unter-
schied im Abgesange bewirkt noch der Mittelreim der 3. Zeile.
d) Formel ab : ab / ceddd. MFr. 195, 10. Die 1. Zeile des Aufges.
wird im 2. Theile des Abges. zweimal wiederholt; sonst herrscht überall
der größte Gegensatz.
e) Formel a (Mittelreim) b : c (Mittelr.) 'b/ddeee6b). MFr. 190, 25.
Hier ist der Abgesang ganz anders gebildet als der Aufgesang.
In allen bisherigen Fällen war der Abgesang größer als der Auf-
gesang, im folgenden ist er gleich dem Stollen.
f) Formel abc:abc/ded. MFr. 190,27. Hier wiederholt der Ab-
gesang die beiden Versarten des Stollens, nur die 2. nicht zweimal;
dafür tritt in der Waise eine neue ein; der Aufgesang hat ein Reim
paar mehr als sonst.
5. Zehnzeil ige Strophe.
Diese entsteht wieder aus der neunzeiligen durch Bindung der
Waise mit, einer dem Abgesange hinzugefügten Zeile:
a) Formel ab : ab/cedeed. Hier zeigt sieh schon zu großes Über-
gewicht des Abgesanges über die Stollen. MFr. 151, 33. Erst im
2. Theile des Abgesanges tritt wieder Annäherung an den Aufgesang
zu Tage, indem in der 3. und 6. Zeile des Abgesanges der Stollen
wiederholt wird; freilich hat die .'5. keinen Auftakt, MFr. 15''», 27. Hier
zeigt sieh große Ähnlichkeit <\r^ Auf- und Abgesanges. Beide Stollen
werden im Abgesange wiederholt, der 2. nur in umgekehrter Stellung
63) Vgl. Bartsch (Germ. II, 20fi f.). '") S. Bartsch (a. a. O. 297). 65) Zu-
sammenziebung s. S. 158; über die Gründe später.
ZI RE1NMÄK VON HAGENAl 171
in der 3. und 6. Zeile des Abgesanges ; das zwischen diese eingescho-
bene Reimpaar hat wieder die Versarl der 1. Zeile des Aufgesanges.
b) Formel ab : ab I cedede. MFr. 158,1. Hier zeigt sich größere
Verwandtschaft. Die 1. Zeile des Stollens wird im 2. Thcilc des Ab-
gesanges viermal, die 2. im 1. Thcile zweimal wiederholt.
c) Formel ab : ab / cedefe. MFr. 181, 13 und 182,4. Hier tritt der
Gegensatz, wie gewöhnlich im 1. Theile des Abgesanges hervor; der
2. entspricht ganz dem Aufgesang, nur daß das eine Verspaar nicht
durch dm Reim gebunden ist, so daß 2 Waisen entstehen.
d Formel abc : abc/defe. Hier herrscht wieder das richtige Ver
hältniß; der Abgesang ist kleiner als der Aufgesang, aber größer als
der Stollen; der Aufgesang hat liier wieder 3 Reimpaare: MFr. 186, 19
Der Aufgesang ist hier ganz verschieden vom Abgesang.
Lieder in mehr als zehnzeiligen Strophenformen rinden sich hei
Reinmar nur vereinzelt.
6. El fz eilige Strophe.
Im Abgesange ist wieder eine Waise hinzugefügl :
Formel abc : abc/ddejf. Das Verhältnis ist auch hier ein richtiges:
MFr. 17ti, 5. Hier werden die Zeilen 1, 3. 1, 6 des Aufgesanges in
den Zeilen 1, 2, 3, 5 des Abgesanges wiederholt
7. Zwölfzeilige Strophe.
Zu der elfzeiligen im Abgesange noch eine Waise zugefügi
Formel <il><- \ abc/ddefge. Hier ist Auf- und Abgesang gleich groß.
MFr. 167,31. Am Anfang des Abgesanges ist die letzte Zeile des Stol
lens wiederholt, im 2. Theile die 2. Zeile >\i^ Stollens in der 2 Waise,
die 1. Zeiie dreimal06); der 1. Theil i\i~> Abgesanges zeigl auch hier
wieder größere Verschiedenheit, um den Gegensatz auszudrücken,
- Dreiz e h o zeilig e S I rop he.
Formel abcd \ abed/eefgf. Hier stehen im Aufgesang sogar I Reim
paare. Das richtige Verhältnis zwischen Auf und Abgesang ist wiedei
hergestellt: MFr. 187,31 Der ganze Stollen wird im Ab wie
derholt und außerdem findet sieh noch eine Waise von gleicher Vers
art. MFr. 188,31 ist gewiß ebenso zu lassen und mit Haupt61 189,3
sin in wesen zu ändern.
Die Änderungen in der 2. und 3. Sti -'i"1 schon S. 161 augegeben MFi
[06
172 E, KEGEL
9. Sechzehnzeilige Strophe.
Formel abc : abc/defdefgghh. MFr. 160, 6. Hier überwiegt der Ab-
gesang bedeutend; er enthält der Zeilenzahl nach den ganzen Aufge-
sang, und am Schluß findet sich noch ein vierzeiliger Zusatz 6S). Von
den Versen findet sich nur am Schluß der Strophe der 3. des Aufges.
zweimal wiederholt.
10. Siebzehnzeilige Strophe.
MFr. 156, 10. (Spruch). Ich möchte diese Strophe einen Spruch
nennen, da Reinmar einen ähnlichen Bau, auch solche Länge in seinen
Liederstrophen nicht hat; der Inhalt stimmt ganz mit dem seiner
Minnelieder, nur ist dieß ein Freudengesang, welcher ein größeres Gefäß
braucht, in das er sich ganz und voll und ungehemmt in einem Sturz
ergießen kann. Die Dreitheiligkeit hält der Spruch fest:
Formel aabbec : ddeeff / gghih. Der 2. Theil entspricht, einige Ab
weichungen im Auftact abgerechnet, dem ersten; im 3. Theil sind zwei
Versarten, der stumpfe Vers von 4 Hebungen. und der klingende von
3 Hebungen zweimal wiederholt.
Dieß sind die Strophenformen, welche bei Reinmar vorkommen;
die Formeln derselben werden immer nach den Endreimen gebildet,
und der Reim spielt in der That eine der wichtigsten Rollen in der
mlid. Metrik überhaupt; ich muß daher jetzt zur genaueren Besprechung
desselben übergehen Schon aus den Strophenformen ersieht mau, daß
Reinmar im Ganzen Reimspiel wenig liebt; auch hier bekundet sich
seine Einfachheit und Strenge.
Ungenaue Reime zeigen sich bei ihm selten und nur in solchen
Liedern, welche in seine frühere Zeit zu setzen sind. Ich finde nur an
5 Stellen ungenauen Reim. Haupt69) will bei Reinmar nur im stumpfen
Reime die ungenaue Bindung des a mit d zulassen und führt hierfür
die Stellen MFr. 160, 30 und 189, 9 an. Derselbe Fall findet sieh MFr.
103, 31 in einem Heinrich von Rugge zugeschriebenen Liede; dieser
hat aber solche Bindung nirgends. Bartsch7") hält deßhalb jenes Lied
(MFr. 103, 3) für reinuoarisch trotz des Reimes wvp : lit (20 u. 22), weß-
vvegen es Haupt Reinmarn abspricht. Bartsch findet für seine Annahme
eine Stütze in dem Liede MFr. 182, 14, gegen welches Haupt keinen
Zweifel erhebt; hier scheint er aber den Reim l/p : <jit übersehen zu
6%) Die Änderungen sind schon o. angegeben S. 155 (o.) und 158 (u.) und 159 (o.).
,i Zu MFr. L03, 22 S. -„'71 f. D) Liederd, zu XV, 387.
ZU REINMAB \<>\ llAGENAU. 173
haben, und dieß ist doch ein dem obigen ganz analoger Fall. Hier
haben wir also außer den obigen 3 Fällen (a : ä) noch 2 andere Bei-
spiele von ungenauem Keime Da ich nun wegen der geringen Zahl
der Freudenlieder dieselben in eine bestimmte Periode, und zwar in
die des Kreuzzuges (1190), der drr freudenvolle Spruch (MFr. 156, 10)
ganz sieher angehört, setzen möchte, so stammt auch das Lied 182, 14
aus der früheren Zeit der dichterischen Thätigkeit Reinmars; und
wegen des sieh darin findenden ungenauen Reimes schließe ich auf
eine frühe Entstehungszeit auch der übrigen Lieder, in denen sich
selcher findet. In seiner späteren Zeit bindet Reinmar immer genau.
Was das Verhältniss des stumpfen zum klingenden Reime betrifft,
so ist jener bei Reinmar fast doppelt so häufig als dieser. Die einzelnen
Stellen noch einmal im Zusammenhange aufzuzählen, würde keinen
Zweck haben, da sie schon bei Besprechung der Versarten aufge-
führt sind.
Ebenso genügt es zu bemerken, daß der gepaarte Reim weit
seltener ist, als der überschlagende, und dieser meistens im Aufgesang,
jener vorzüglich im 1. Theil des Abgesanges steht. Nur die Waisen
will ich noch einmal angeben :
1. Zwei Waisen: in den Liedern MFr. 107,131. 181, 13. 182,4.
186, 19.
2. Einfache Waise: MFr. 151, 1. 155, 27 7I). 156, 1<>. 162, 7 u. 34.
L63, 23. 164, 30" . 165, 1 u. 10. 166, 16. 1G7, 13, 22 u. 31. 170, 1 u.
36. 175, 1, 24 u. 36. 176, 5 (zwischen zwei Reimpaaren): 178, 1. 187,
31. 188, 31. 189,5. RIO, 27. IHR 34. 192, 25. 194, 34. 197, 15. 198, 28.
Als Körner reime,,: MF,-. 155. 3, 14, 25 u. 156, 872). 171, 2 u. 23.
186, 37 u. 187, 29. 198, 33 u. lim, 273).
Rührender oder reicher Reim findet sich, wie schon \V. Grimm74)
bemerkt hat, im Endreim bei Reinmar nur einmal: MFr. 200, 3 U. 4.
geliehen : gemellicken; und zwar ist dieß nicht einmal der eigentliche
Fall, wo die gleichen Wörter verschiedene Bedeutung haben, sondern
nach J.Schneider75) Fall 2, o). Ein Reim, wie der MFr. 191, 18 u. 20:
kan : belcan ist kein rührender, weil er hier noch mit einem 3. Reime
(16) man zusammensteht (Schneider 2, c).
1 Anordnung s. o. S. 169 u. and Änderung S. !">:! o. a a 0
Nach der Conjectui 8. 163. ' Zui Geschiebte des Reims (Ahh. d, k Akad
d. Wi-s. in Berlin !*">l S. 636). S tem and geschichll, Darstellung dei
deutschen \ i i knn t, Tüb 1861, 6. i 18
174 E. REGEL
Ganz regelrechter rührender Reim steht aber einmal im Inreim,
über den ich an späterer Stelle sprechen werde7"): MFr. 187, 32 u. 36:
mit sänge niuwen : vil langem niuwen.
Grammatischer Reim steht häufiger bei Reinmar: MFr. 154, 32
u. 33: tage : tac. 164, 13 u. 20: gesehen : sach. 164, 15 u. 18: geschehen :
geschach. 171, 35 u. 36: begän : hegie. 176, 16 u. 18: erliten : erleit. 181,
29 xx. 30: pflege : pflac. 198, 4 u> 5: gevniten : geweit. 198, 6 u. 7: erliten :
erleit. 198, 16 xx. 17: geschehen : geschach. 198, 18 u. 19: gesehen : gesach.
(Hier ist 16 u. 18; 17 u. 19 zugleich erweiterter Reim.) MFr. 314, 13
u. 14: gestanden : ste.
Erweiterter Reim ist auch häufig: MFr. 172, 30 u. 32: verstät : er-
gät. 175,29 u. 31: erkom : verlorn. 175, 30 u. 32: ungemach : gesprach.
176, 14 u. 15: gesehen : geschehen; dieser außerdem: 178, 26 xx. 28. 185,
21 u. 23. 187, 21 u. 24. 188, 2 u. 4. 199, 38 u. 200, 2. 194, 19 u. 21: ge-
sach : geschach (diese und die vorhergehende Form hatten wir schon
oben beim grammatischen Reime) 198, 16 u. 18; 17 u. 19; auch hier
im Inreim 12 u. 14: geschach : gesach). 176, 25 u. 26: gevarst : bewarst.
180, 24 u. 27: gedigen (Inreim) : genigen. 181, 17 xx. 18: besteeten : getrosten.
182, 1 u. 3: getan : bestän. 183, 19 u. 20: betrogen : gezogen. 185, 37 u. 38:
begraben : gehaben. 186, 31 u. 34: hdchgemüete : behüete. 189, 36 xx. 37 nie
geschach : nie gebrach (zugleich Doppelreim). 198, 29 u. 31: verklagt :
unverzagt. MFr. 103, 7 xx. 9: erwern : ernern. 103, 12 u. 14 erkds : verlos.
Doppelreim findet sich auch öfters:
a) Nicht in beiden Zeilen; das Reimwort der 2. Zeile ist in der
I. wiederholt. MFr. 165, 1: so vro : 3. also.
b) In beiden Zeilen: MFr. 171, 11 u. 13: stceteclichen bite : wunder-
liche site. 176, 27 xx. 30: nie getan : nie verlän. 1S9, 36 u. 37: nie geschach :
nie gebrach (zugleich erweiterter Reim s. o.). Ebenso: MFr. 103, 8 u.
10: niht engiht : ruht ensiht. 193, 15 u. 17: ich baz : ich daz. 202, 23 u.
24: ein loint ■ ein. kint. 204, 2 u. 4: unde he/n ■ unde stein.
Wichtiger aber als alle diese Arten von Reim ist ein Kapitel
dvr mlid. Metrik, "welches seinen- Schwierigkeit wegen bis jetzt noch
wenig, ja eigentlich nur einen Hauptbearbeiter in Bartsch gefunden
hat, ich meine den inneren Keim in der höfischen Lyrik.
Wenn ich versuchen will, bei Reinmar die Fälle anzugeben, in
denen innerer Reim anzunehmen, so berufe ich mich auf die Anwei-
sungen und Kriterien, welche jener Forscher im zwölften Bande der
Germania gegeben li.it In MFr. ist der innere Reim wenig beachtet,
175.
Zu REINMAK \<>\ HAGENAU. 1 7f>
und doch ist er oft maligebend für den Bau der Strophe. Ich halte
die Reihenfolge ein, welche Bartsch in jener Arbeit befolgt77), und
spreche zuerst von dem Inrcini, dann vom Mittelreim, Binnenreim,
Schlagreim, übergehenden Reim und zuletzt von den Pausen. Ich werde
dabei, namentlich beim Inrcini. auf zufälliges Vorkommen wenig Rück-
sicht nehmen.
1. In reim.
Unter Inreim versteht man einen Reim, welcher innerhalb eines
Verses steht und mit einem gleichen der entsprechenden Zeile oder
auch mit dem Schluß der vorhergehenden oder seltener der folgenden
Zeile reimt
Zwei Fälle, welche Bartsch erkannt, in Folge dessen er die An-
ordnung der betreffenden Strophen geändert hat, sind schon mehrmals
berührt worden; ich brauche sie nur noch einmal anzuführen: in den
Liedern MFr. 179,3 und 198, 4 7s).
Aber es finden sich bei Reinmar noch andere Lieder, in denen
der Inreim, wenn auch nur in einzelnen Strophen, regelrecht steht:
MFr. 187.3. Der Aufgesang der 1. Strophe ist hier zu schreiben:
Nu muoz ich ie mm alten not
mit sänge niuwen unde klagen,
wan si mir also nähen lit
(A) deich ir vergezzen niene mac.
Ir gruoz mich vie, diu mir gebdt
eil langen niuwen Jcumber tragen.
■ rkande si den valschen nit ,
baz fuogte si mir heiles tac.
Im jambisch stumpfen Verse von 1 Hebungen stein der stumpfe
Inreim ganz regelrecht nach d^v 4, der klingende nach der 5. Silbe;
in der .'). Zeile stellt der stumpfe ausnahmsweise nach der 2. Silbe
Der Inreim der 2. und 6. Zeile ist zugleich regelrechter rührender
löiin (s. o. S. 17 I i. In *\'-v I. und 5. Z^ile stehl außerdem Inrcini nach
der 2. Silbe.
MFr. 194, 31 ir 32 ii i zu chreil
nun In i r ist ihr /'. i veilt tl/MUi mir:
oldt in l<i mir ; rnisi i " I" dir.
Dei innen Keim in dei höfischen Lyrik ü MI i ;.".i il. \ l
inia Ml i ; 1 'II l - ' \ I Bari Ii (German ll '■ I ilerd
W 5441
17(3 E. REGEL
In der 1. Zeile steht der Inreira regelrecht, in der 2. nach der
3. Heb. In der 1. findet sich zugleich Mittelreim (s. unten).
MFr. 195, 23 ü. 24 ist zu schreiben:
nieman iveiz ob si mich wert od iviez ergät. nein oder ja.
ich enweiz enwederz da.
Im Verse von 8 Hebungen steht der Inreim selten.
MFr. 202, 7 u. 9 sind zu schreiben:
Weste ich waz ir wille wcere
dne daz ich si verheere.
Auch im trochäisch klingenden Verse von 4 Hebungen steht der
stumpfe Inreim nach der 2. Hebung (3. Silbe).
MFr. S. 314, Zeile 10 u. 12 sind zu schreiben:
nimt al diu weit an guoten dingen abe
ich ween diu weit enkeinen Winkel habe.
Auch im jambisch-stumpfen Vers von 5 Heb. steht der stumpfe
Inreim nach der 4. Silbe.
2. Mittel reim.
Unter Mittelreim versteht man einen Reim innerhalb des Verses,
der mit dem Endreim derselben Zeile reimt. Er steht oft zufällig im
Verse von 4 Hebungen; so: MFr. 162, 32 (in der Waise). 164, 38.
176, 27. Absichtlich steht er in den Liedern MFr. 191; 7 u. 25 (von
Haupt ausgezeichnet). Hier mit Inreim verbunden, wie in dem oben
schon angeführten Falle (S. 175) MFr. 194, 31.
Wichtig für die Anordnung der Strophe ist die Beachtung des
Mittelreimes in dem Liede MFr. 199, 25. Ich ziehe hier die 1. und 2.
Zeile und die 4. u. 5. zusammen; dazu bestimmt mich das Kriterium
der Beobachtung des Auftactes 79) : da nämlich der Rhythmus in diesem
Liede trochäisch ist, so würde er gestört werden, wenn man in der
1. Strophe als 2. Zeile:
ein fröwe ich wcere, als 5. Zeile :
nach siner güete und als solche in der 4. Str.:
ich gär verteile annehmen wollte.
Hier steht regelrechter weiblicher Mittelreim nach der 4. Silbe
des trochäisch klingenden Verses von 4 Hebungen. Ich stelle die erste
Strophe nach meiner Anordnung hierher:
Ane sirare ein froive ich wcere
toaii daz eine daz sicli seni
:'Jj Vgl. Bartsch (Germ. XII, 146).
/I KF.INMAK VON IIAOENAU. 177
Min yemüete nach der f Hs. siner) güete,
ilri er mich wol hat geweint.
Sol ich lüden
von im langez mlden,
daz märt mich wol sere.
ich sprich im nikt m&re,
wan daz er mich siht duz sint sin ere..
Bartsch (a. a. <>.) liat diesen Fall des trochäischen Rhythmus bei
klingendem Heime in seinem Kriterium nicht vorgesehen. Will er ihn
nicht gelten lassen oder weiß er kein Beispiel?
3. Binnenreim.
Unter Binnenreim versteht man zwei vom Endreim unabhängige,
wenigstens durch eine Hebung und eine Senkung getrennte Reime
innerhalb des Verses. Naturgemäß kommt er nur bei längeren Versen
vor. Regelmäßig nach der 2. und 4. Heb. steht er bei Reinmar: Im
jamb. klingend. Verse von 6 Heb.:
MFr. 1GG, 20: waz tuon ich, daz mir Hebet daz mir leiden solde
Im trochäisch stumpfen Verse von G Hebungen:
MFr. 175,6: ist min klage, in hohe der tage den vollen niht.
4. S c h 1 a g r e i m.
Unter Schlagreim versteht man zwei unmittelbar aufeinander
folgende Reime, jedoch brauchen nicht durchaus die beiden reimenden
Silben unmittelbar aufeinander zu folgen, denn Schlagreim können
bilden entweder 2 Hebungen, zwischen denen eine Senkung steht, oder
Hebung und Senkung. Ich unterscheide mit Bartsch folgende Fälle:
1. Schlagreim, bei welchem der Endreim außer Spiel bleibt.
n\ Einfacher Schlagreim.
u) Klingender (bei Reinmar nicht der häufigere): MFr. 171, 3<>
danne _<in manne (auf der 1 u. 2. Heb.). 175, 13 einen kleinen (auf der
1. u. 5. Heb.). 192, 20 mSre und, ,,-. (auf der 1. u. 2. Heb.).
ß Stumpfer. 1. Zwei Hebungen, zwischen denen eine Senkung.
MFr. 174, 20 engihi tri niht (auf der 2. a. 3. Beb.). 178, 9 gich daz ich
auf der 1. u. 2. He)). , IT'1. 35 'um mit diu (auf der 3. u. 4. Heb. [folgt
noch gemeine], 182,2'.' mir i >on ir (auf d>-r 1. u. 2. Heb.). 182,31 /."'<
des gan laut' der 4. u. 5. Heb. 186, 8 mir von ir (auf der 2. u. ."». Heb.).
187, 21 die ich ie (auf der 2. u. 3 Heb.). lv7. 39 mir an ir (auf der 1.
GERMANIA. Neue Uribe. VII |XI\ Johl 12
178 E. REGEL
u. 2. Heb.)- 190, 20 daz et daz (auf der 1. u. 2. Heb.). 203, 2 ich daz
ich (auf der 2. u. 3. Heb.).
2. Hebung und Senkung MFr. 170, 39 so fro' (auf der 3. Senkung
und Hebung).
b) Mehrfacher Schlagreim.
a) Mehrere Paare. Hierfür finde ich bei Reinmar kein Beispiel.
ß) Derselbe Schlagrehn mehr als einmal80): MFr. 194, 26 La
stän lä stän (auf den 2 ersten Senkungen und Hebungen). Vgl. Walther
(Lachmann 42, 25).
2. Schlagreim mit Hinzuziehung des Endreimes 81).
a) Klingender. Dafür finde ich Lei Reinmär kein Beispiel.
h) Stumpfer. MFr. 166, 7 hau getan. 176, 1 bi mir st 196, 26 hän
gelan. 197, 13 hän getan. MFr. S. 314, 16 me dem e.
5. Übergehender Reim.
Unter übergehendem Reim versteht man einen solchen, der durch
Bindung des letzten Wortes einer Zeile mit der ersten oder zweiten
Silbe des folgenden Verses entsteht:
Der Schlußreim eines Verses und der Anfangsreim des folgenden
sind noch mit anderen Reimen gebunden. Stumpfer Reim.
a) Das 2. Wort steht in der Hebung des folgenden Verses:
MFr. 161, 29 u. 30 daz -- daz: baz. 174, 29 u. 30 we — we : e.
175, 15 u. 16 man ■ — wan : kan. 175, 22 u. 23 haz — toaz : daz. 185,
22 u. 23 nie: hie -- die. 190, 5. u. 6 sd : fro — sd. 190, 13 u. 14 da :
anderswä — da. 194, 16 u. 17 anderstvä : da — da.
b) Das 2. Reimwort steht im Auftact:
MFr. 158, 19 u. 20 daz : baz — daz gelte. 167, 37 u. 168, 1 zit —
sit aller : Ut.
Der Anfangsreim bildet nicht die erste Silbe, sondern die zweite,
so daß zwischen beide Reimsilben eine andere eingeschoben ist: MFr.
174, 35 u. 36 vergaz — und daz : baz (: daz). 103, 28 u. 29 g uot — mir tüo*
: muot.
Übergehender Reim vom Ende einer Strophe auf den Anfang
der folgenden: MFr. 180, 9 u. 10 ich : Ich.
M) Von W. Grimm nicht anerkannt (Berl. Akad. 18dl. S. 577;. 81) Von
W. Grimm ebenfalls nicht anerkannt ,a. a. 0.).
ZI REINMAR VON HAGENAl . 17'j
6. Pause.
Unter Pausen versteht man Reime, von denen der eine am An-
fang, der andere am Ende einer Zeile steht; das erste Reimwort kann
am Anfang der ganzen Strophe und das zweite am Ende derselben,
aber beide Reime können auch innerhalb der einzelnen Strophentheile
stehen.
1. Am Anfang und am Schluß derselben Zeile.
a) Der 1. Reim in der Hebung:
MFr. 161, 30 daz : baz (Schlußzeile der Strophe). 171, 34 sone '.
fro (3. Z. d. Aufges.). 174, 30 we : e (Schlußzeile der Strophe). 191, 4
e:geste{\. Z. d. Abges.). Hier noch mit einem 3. Reim am Schluß der
Strophe gebunden : e. MFr. 182, 11 die mich : dich (3. Z. des Abges.);
derselbe Fall wie vorher : mich. Hier steht der Anfangsreim- auf der
2. Silbe bei jambischem Rhythmus.
b) Der 1. Reim im Auftact:
MFr. 168, 1 sU aller : ld (2. Z. d. Abges.).
2. Der eine Reim steht am Anfang einer Zeile und der andere am
Schluße der darauffolgenden.
MFr. 164, 21 u. 22; außerdem noch am Ende des Aufgesange.-, :
Oxet : wS : mS. Der Anfangsreim steht auf der 2. Silbe bei jambischem
Rhythmus. Ganz derselbe Fall: MFr. 165, 1 u. 2 Ich hin : hin . hin.
Ebenso: 103, 19 u. 20 Mtn Ivp : wvp (: lit ungenauer Reim). Auf der
1. Silbe steht der Anfangsreim: MFr. 184, 31 Ich : ich : mich.
3. Am Anfang und Ende der Strophe.
MFr. 168, 18 u. 29 Die frümh' : /</•• der Anfangsreim hier im Auf
tact). 169, 27 u. 32 Wol : dol 180, 1 u. 9 Ich : ich. Ein Beispiel dafür,
daß der Anfangsreim am Anfang des ganzen mehrstrophigen Liedes
und der Schlußreim am Ende desselben steht, weiß ich bei Reinmar
nicht. Oder ist das gar keine Pause mein?
1 )as ist es, was ich über den inneren Reim bei Reinmar zu sa
vermag, und somit bin ich mit der Besprechung der metrischen Formen
überhaupt zu Ende. Wenn man einen Rückblick auf dieselben wirf!
findet man liberal! die große Einfachheit des alten M- • . heraus;
er steht im schroffsten Gegensätze zu der Künstelei der Bpätera Minne
sänger, an der Eingangspforte des Bchon ausgebildeten deutscheu
Minnesangs, denn in den Vorhallen ist sein Platz nicht mehr. Mi1 Recht
!"
180 E- REGEL
bezeichnet ihn Wackernagel 8a) als einen Nachfolger Veldekes, der
aber sich nicht am Abschluß des ersten Zeitabschnittes, sondern am
Beginn des zweiten befindet. Specifisch Deutsches hat er so viel, in
seinen Versarten, seinen Strophen, seinem Reim; Nachahmung der
Franzosen zeigt er nur in so weit, als romanischer Einfluß im Allge-
meinen schon durchgedrungen war, specielle Muster kann man nirgends
nachweisen. Und, wie er durch seine vierzeilige Strophe Anklang an
die alte epische Zeit verräth, so auch noch durch manche altertüm-
liche Sprachformen.
Es findet sich bei ihm die im Nibelungenliede mehrfach nach-
weisbare Form des participium präteriti auf -dt; MFr. 196, 37 unver-
wandeldt.
Ahd. Formen zeigen sich auch noch in dem Liede MFr. 203, 24:
Zeile 37 steht ot für et, was allerdings auch rahd. ist. 204, 7 dannän
für dannen, welche ältere Form ich nicht mit Bartsch 83) in die letztere
umändern möchte. Ich betrachte dieses Lied eben wegen dieser älteren
Formen als der frühesten Zeit des Dichters angehörig, um so mehr, als
ich es mit Bartsch 84) auf die niedere Minne beziehe, welcher Reinmar
in seiner späteren Zeit nicht mehr gehuldigt.
Alterthüraliches und Volksthümliches zeigt sich dann endlich auch
in seinem einfachen, schmucklosen Stil, welcher der würdige, gehaltene
Ausdruck seines reinen Denkens und Fühlens ist. In der öfteren Wieder-
holung derselben Worte kann ich nur etwas Naives, Volksthümliches
sehen; Spielerei und Künstelei liegt ihm im Allgemeinen noch sehr
fern. Etwas Künstliches zeigt sich in dem Liede MFr. 181, 13 in der
Wiederholung des Wortes gedanke am Anfang jeder der 3 Strophen
(14. 24. 33). Wortspielerei vielleicht in den Liedern MFr. 198, 4 85)
u. 28. Schlägt man aber z. B. folgende Stellen nach: MFr. 162, 34.
35 und 163, 15 u. 17. 190, 4 u. 24. 192, 9 u. 12. 187, 38 und 188, 38.
194, 26 u. 27, so wird man in der Wiederholung der Ausdrücke ge-
wiß nichts Gesuchtes finden.
Solche Gleich- und Anklänge bilden nun auch ein gar nicht gering-
fügiges Kriterium bei der Frage, ob ein Lied reinmarisch ist oder nicht.
Ich versuche daher jetzt einige Lieder, welche die Herausgeber von
MFr. entweder Reinmarn absprechen oder wenigstens für zweifelhaft
halten, neben anderen auch durch solche Beweise zu stützen.
M) Litt. S. 229.' s:i) Liederd. XV, 580. M) Einleitung zu Liederd. S. XI.
"") Hier erklärt sieh dieli aber durch die Eigenthümlichkeit des Wechselliedes, wel-
ches in den beiderseitigen Reden Gleichklang liebt.
ZU BEINM iH VOH H \'.i NAt 1>1
Das Heinrich von Rugge zugeschriebene Lied MFr. 103, 3 zeigt
mannigfache Übereinstimmung m< reinmarischen. Man vergleiche
103. 5 mit 171. 36 und 107, 3 u. 4. 103, 6 mil 182, 10 u. 20. 103. 9 u.
10 mit 154, 5u. 6 und 162,20. 103,11—14 mit 160,9—11 und 169,
27-30. 103. 15 mit 203, 20 (ähnlicher Ausdruck). (103, 13—18 meint
wohl dasselbe wie 162, 7 u. 8). 103.. 25 u. 26 mit 107. 26—28, die Strophe
der Frau 103. 27 mit dem Liede 203. 10.
Tn Bezug auf die beiden Strophen MFr. S. 314 sagt Haupt"6):
Sicher wäre die Annahme (YVackernagols in den altd. Blättern 2. 122,
daß jene Strophen unserem Reinmar angehören), wenn der Ton dieser
Strophe unter den reinmarischen wiederkehrte, oder eine Anspielung
ihr eine Stütze gewährte.
Der Ton kehrt allerdings nicht wieder, wohl aber dieselbe, Reim-
formel, wenn auch nicht häufig. Vgl. MFr. 151. 1 und 17. 103, 3. An-
klang, ja sogar Anspielung findet sich wirklich. Zeile 8 heißt es:
in mochte werz dem heiser saget
In ganz demselben Sinne steht MFr. 151, 32 (in dem einen der
Lieder mit derselben Reimformel):
mich diuhte es vil, oh et der keiser wäre.
Eine wirkliche Anspielung auf die Strophe MFr. 172. 5 sehe ich
in den Zeilen 5 — 7. Man vergleiche auch 162. 5 u. 6. Der Gedanke,
welcher in den Zeilen 12 — 16 ausgesprochen ist. findet sich, wenigstens
ähnlich, in der Strophe 198, 28. Man vergleich, auch 202. 25. 172.
23 u. 24.
Auch in den Liedern von 201, 12 an. die nach Haupt87) geringe
Beglaubigung haben, zeigen sich mannigfache Anklänge an andere
Stellen. Man vergleiche den Ausdruck 201, 24 mit 165, 26. Die Zeilen
201, 12 u. 13 deuten auf eine niedere Minne hin, die ich bei Reinmar
entschieden annehmen muß. Man vergleiche 160, 12 — 15. 17 1. 27 vil
unsteeten : erst die Bekanntschaft mit der hohen Frau hat ihn ateett ge-
macht). 100, 13 u. 14. 201, 12— IS.
201, 37 u. 38 findet sich . im entgegengesetzten Sinne, ähnliche]
Ausdruck wie 189,23 u. 24. Man vergleiche 202. 12 mit -163, 30 u. 31.
202, 13 u. 14 mil 158, 23 u. 2-1 und 183, 31 u. 32
Das Lied 2< »2. 25 hält auch Haupt88) fiir reinmarisch; gewiß ist
293, v für hojj ich oach Haupt (a. a. <».) ding ich oder ween ich zu
setzen. Man vergleiche noch die Strophe 202,31 mit <\cv 169, 3. 203,
9 mit 186, 5.
• /. itachrifl \l MFr, S. 311 l MI r. 8 ;i .'
Jg2 J- ZINGERLE
Das Lied 203, 10 fasse ich als einen Gegengesang der Herrin
zu dem Spruch Reinmars (MFr. 156, 10).
Über das Lied 203, 24 habe ich mich bei Gelegenheit der Sprach-
formen schon ausgesprochen (S. 180).
Es liegt mir sehr fern, auf solche Anklänge hin sofort die
Echtheit der Lieder für ganz zweifellos zu halten, hingegen zu be-
rücksichtigen sind solche dennoch. Erfahrnere mögen entscheiden, ob
ich richtig gefühlt.
CHRISTI BLUMEN.
Hartmann gebraucht diesen Ausdruck in der Stelle:
Min fröide wart nie sorgelos
unz an die tage,
daz ich mir Kristes bluomen kos,
die ich hie trage,
die kündent eine sumerzit,
diu also gar
in süezer ougenweide lit.
Haupt II, 15. MSF. 210, 35. Bech II, 17.
Bech macht hierzu die Bemerkung: „Christi Blumen scheint hier
kein Ausdruck im eigentlichen Sinne zu sein; sonst könnte man auf
die Lilien rathen, die Sinnbilder der Keuschheit, wie wir solche nach
mittelalterlicher Anschauung im Hohenliede gedeutet finden ; gemeint
ist wohl das Kreuz, gleichsam Christi Blumenschmuck." Nach meiner
Ansicht sind Christi Blumen die fünf Wundmale des Erlösers, welche
die Blüthen des Kreuzbaumes sind. Noch heutzutage findet man Cruci-
fixe, an denen das Blut der Wundmale blumenartige Gestalton bildet.
W. Menzel schreibt: „Auf einem alten Bilde in Gorkum sind die fünf
Wunden am Heiland selber deutlich als Rosen gemalt." Symbolik
11,566, und sagt: „In der christlichen Poesie werden die fünf Wunden
mit Rosen verglichen" II, 567.
Für meine Auffassung sprechen auch folgende Stellen, deren
Mittheilung ich Herrn Magnus Ortwein, Conventualen des Stifte?
Marienberg, verdanke. In einem Hymnus des Fortunatus heißt es:
Crux fidelis inter omnes
arbor una nobilis
fronde. ßore. germine!
was Leisentril überträgt:
CHRIST] BLUMEN j«3
Tewres Creutz wo findt man deins gleich
Untern beurnen aufT erdreich?
Man deins gleich in keinen walten
findet an zweig, blumen und fruchten.
Kehrein, Gesangbücher S. 427.
Im Hymnus ad laudes in offic. de pretiosissimo sanguine Domini
nostri J. Chr. werden die Wunden so angesprochen:
Salvete Christi vulnera
nitore Stellas vincitis,
rosas odore et balsamo.
Im Hymnus ad laudes in offic. de s. sindone heißt es von der
Seiten wunde:
Salve latus salvatoris,
mitis apertura,
super rosam ntbicunda,
medela salutifera.
Am deutlichsten ist die Vergleichung der Wundmale mit Rosen
ausgesprochen in den Lectionen des officium de quinque plagis domini
nostri, die dem sermo s. Bernardi (Üb. de passione domini cap. 41)
entnommen sind. Hier kommen folgende Stellen vor: Tntuere et respice
rosam passionis sanguineae quomodo rubet. Lect. V. Vide quomodo
hoc flore rosae floruerit optima vitis nostra rubicundus Jesus. Vide totum
corpus, sicubi rosae sanguineae florem non invenias. Lect. VI. Inspice
manum unam et alteram , si florem rosae invenias in utraque. Inspice
pedem unum et alterum, numquid non rosei? Inspice lateris aperturam,
quia nee illa caret rosa. Lect. VII. Das Blut Christi wird heute noch
^rosenfarbig" genannt, wie es schon Ambrosiiis in dem Hymnus „Ad
eoenam agni providi" bezeichnete: „cruore ejus roseo", das in den alten
deutschen Bearbeitung, n durch „bluote sinem rösevarwem" und „tröre
4nemu rosfarwemu" Kehrein, Hymnen S. 59 u. 21ä gegebenwird. Einen
Beleg hiefür gibt auch „des Knaben Wunderhorn" (1873) I, ßl :
Und da sie ihm die Liebe bot, rMein Herz, daa ist um dich bo rot(
Sein Wunden sich ergossen: Kür dich t r :i ^ ich die Rosen,
„0 Lieb, wie ist dein Herz so rot, Ich hrach nie dir im Liebestod,
Deine Hände tragen Kosen." Als ich mein Blut vergossen."
WILTEN. J. V. ZINGERLE.
]84 E- KÖLBING
BRÜCHSTÜCK EINER AMICUS OK AMILIÜS
SAGA.
Das hier mitgetheilte Bruchstück der Amicus ok Arailius Saga
ist uns nur in einer Handschrift erhalten: Cod. Holm, membr. 6. 4°,
beschrieben u. a. von Stephens in: Samlingar utgifna af Svenska Forn-
skrift-Sällskapct II S. CXXIX ff., wo sich auch der Schluß der Saga
abgedruckt findet; dann mit einigen Berichtigungen von mir in: Riddara-
sögur S. I f. Der Text reicht da von Bl. 1H— 3* unten. Der Anfang
der Erzählung fehlt nicht, wie Stephens meint a. a. O., wohl aber ist
die erste Seite durchaus unlesbar und ließ sich auch durch Reagentien,
bei deren Anwendung Herr Oberbibliothekar Dr. Klemming in Stock-
holm mir seiner Zeit auf das liebenswürdigste behilflich gewesen ist,
nicht wieder herstellen, weßhalb ich den Text erst von S. lb an mit-
theilen kann.
Die Saga ist nicht, wie man vielleicht erwarten würde, nach dem
französischen Gedichte (Amis et Amiles und Jourdains de Blaivies.
Zwei altfranzösische Heldengedichte des kärlingischen Sagenkreises.
Nach der Pariser Handschrift zum ersten Mal herausgegeben von Dr.
Conrad Hofmann. Erlangen 1852, sondern nach der lateinischen Fas-
sung der Legende gearbeitet, jedoch offenbar nicht nach dem von
Mone (Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. 5. Jahrgang p. 145
bis 60) abgedruckten, sondern nach dem mehrfach gekürzten Texte, wie
wir ihn bei Vincentius Bellovacensis Spec. hist. lib. XXIV cap. 162 ff.
wiederfinden. Mehr als sonst bei ähnlichen Riddarasögur finden wir
hier engen Anschluß des nordischen Bearbeiters an die Vorlage, ja mit
Ausnahme weniger Stellen ist geradezu Wort für Wort übertragen,
nur sind zusammengesetzte lateinische Constructionen aufgelöst. Im
Ganzen dürfen wir diese Saga nach Wortausdruck und Satzgefüge in
die beste Zeit der nordischen Riddarasögur setzen und unter die wenigen
zählen, die in späterer isländischer Zeit keine Abkürzung zu erleiden
gehabt haben.
In Deutschland scheint diese Prosasaga bis jetzt nicht bekannt ge-
wesen zu sein. Conrad Hofmann a. a. 0. Vorwort S. VI erwähnt nur
Amicus ok Amilius Rimur. Diese existieren allerdings auch, aber, so-
weit mir bekannt, nur einer sehr späten Papierhandschrift Cod. A. M.
chart. 2609°, 4°. Ob der Dichter der Rimur unsere Saga od^r einen
BK1 ( HSTÜCK EINER AMICUS OK AMILIUS SAGA 185
ausführlicheren Text als Quelle benutzt hat, habe ich leider noch nicht
prüfen können.
Unser Bruchstück beginn! mit der Abreisi des Amicus vom Hofe,
der seine Gattin besuchen will. Er warnt den Freund auf das eindring-
lichste vor zweierlei. Cave tibi — heißt es im lat. Texte — «l> ejus
fse. reffis] filia maximeque a nequissimi comitis Arderici fallaci amicitia
Mit einer etwas freieren Übertragung der zwei letzten Worte beginnt
der altnordische Text, der auch hier noch an mehreren Stellen unles-
bar ißt.
lb ok hans rädum ok fortölum. Ok er Amicus hafdi brotl
farit, fvard konungs döttir fyrir äst hennar, ok sem
fyrst komst hann vid, hafdi hann af henni sinn (vilja)
at gleäiast af illsku annars ok bera bat nulluni
allra er til ') bann sem til nökkurs röskleika var, ok taladi
vid Amilium: (Veiztu ekki)2), hinn kajri jarl, sagdi hann, "at Amicus
konungs f'ehirdir hefir stolit ok nvi flyit i brott? [En hann gerdi vinättu
vid mik ok gaf ek hänum bar til trü mina, ok bvi trüdi hann, at ek
sör vid heilaga döma, at ek skyldi bat halda vid hann 3). Ok er Amil-
ius hafdi nessu sama jätat hänum, kunni hann eigi vid at sjä ok birti hän-
um alla sina leynda hluti , pviat hann trudi Ardericum ser triian vera
mundu. Nu einn dag sem Amih'us stöd fyrir konunginum, sem hann
var vanr, taladi Ardericus: Herra, sagdi hann, tak eigi vatn or hönd-
um svä vänds manns er verdugr er dauda, pviat hann tok af döttur
ydvarri sitt meydomsblömstr. Ok er Amilius heyrdi betta, feil hann
nidr af hrsezlu ok mätti ekki tala. [Einn jarl gödviljadr ok kurteiss 4 1
tok til hans ok bad hann standa ok verja sik karlmannliga af bessari
üfrsegd. Ok hann stöd upp ok mselti svä: Heyrit, mildr ok hinn re'tt-
visasti konungr! Trii eigi lygins manns ordum, Arderici, er millum
allra vill rüg bera, ok ld me'r stund til, at ek mega gera niitt räd. Vil
ek bjöda hänum holmgöngu, frelsandi mik svä af vändu upplosti nessu
ok üfrsegd vid ydr. En konungrinn af gödvild sinni jätacti pessu ok
') fyrir — dat m Bbenso von ainu ••' . )ilja habe ich ergänzt; tü-pomi iel
imlcsbar. Das ganze Stück lautet im lat. Text, der Übrigens kürzer gehalten ist: '
litis vero super regia filiam oculoa injeeit, et eam quam
delator Ardericus, qui iniquitale gaudebat et omni probitati invidebat etc, ') Die
eingeklammerteii Worte sind anlesbar; von mir i I lat Neacia, cariaaimt
comea. Dei Üb rsetzer Bcheint an diesei Stelle Bein ' >riginal mißverstanden eu
haben, denn bo passt der Satz 1 1 i « • 1 1 1 in den Zusammenhang; vgl. Nutn ergo ini mecum
omicitiat et fidem ictorum reliquiaa aeeipe, ' Sowohl in M ■-
'I. i n ie bi i Vinc hebt ihn rlei Kfinii elbst
Igg E. KÖLBING
tok Hirdigensis ') drottning hann til ein til verndar af pessari sök.
Ok medan Amilius var hugsjükr ok leitadi s^r räda um petta, spurdi
liann, at Amicus felagi hans var heim kominn, ok för pegar til hans
ok feil til föta hänum ok mselti: Heyrtu einkanliga vän minnar heilsu.
lila hefir nü ordit, pviat ek hefi eigi lialdit trü mina vid jjik pä er ek
he't pe"r pä er vit skildum, pviat ek hefi nü misgert ok fallit i gloep
fyrir sakir konungsdottur ok statt liolmgöngu vid hinn illa Ardericum,
i konuhgs augsyn. En Amicus äsakadi hann mjök af sinni gerd ok
sagdi p6 svä: Skiptum vit klaedum, sagdi hann, ok svä hestum, ok far
pü heim til minnar borgar, en ek man med guds miskunn ok trausti
holmgöngu halda fyrir pik. Varast pö, at pü bii scemiliga vid mina
hüsfrü. En at skilnadi peirra gre*tu peir bädir. For sidan Amicus til
konungs gards ok ldzt vera Amilius. En era) hüsfrü Amici sä Amil-
ium, hugdi hon, at par vasri hennar eiginn bondi ok hljop at hanum
ok vildi leggja se'r i fadm ok kyssa blidliga, en hann talar til hennar:
Far brott, kona, sagdi hann, pviat mdr er pessi timi til harms heldr
en gledi3), ok um nottina eptir, sein pau fara til sinnar ssengr, pä lagdi
hann sverd i milli peirra ok mselti: Se vid, sagdi hann, at koma eigi
nser me'r, pviat of pü gerir pat, skaltu doemd verda4) pessu sama sverdi.
iSvä lägu pau hverja natt par til er Amicus kom heim. Ok svä sem
Amicus var klaeddr klsedum Amily, ge'kk hann inn fyrir konung ok
baud sik at berjast vid Ardericum fyrir pä ufrsegd, er hann hafdi kent
hänum. Hrasdstu eigi, jarl, [sagdi konungr,] pviat ef pü hefir sigrazt
ä hänum, pä skal ek gefa pdr dottur mina Belegendam5) til eiginnar
konu. Um morguninn pegar viglj6st var, föru peir Ardericus ok Amicus
vel väpnadir ä einn voll, par sem konungrinn ok allt fölk af stadnum
mätti sjä peirra vidskipti. En pviat Amicus öttadist um sina samvizku,
i moti hänum at berjast, taladi hann til Ardericum pessum ordum:
Heyrtu, jarl, sagdi hann, pü tokt üsyniligt räd i pvi, er pü vill med
svä mikilli fvst girnast dauda mins. Nü ef pü vill enn pann kost
fyrir pä üfrsegd, er pü taladir üsannliga til min, takim vit aptr pessa
holmgöngu, ]iä mun ek jafnan vera vin ]>inn. Ardericns svaradi svä,
sagdi sik aldri hirda um hans vinättu ne" nökkura pjonustu hans eda
eptirlseti, ütan höfud hans kvedst hann vilja af höggva, ok sverr, at
hann hefir konungsdottur svivirt. En Amicus svarar i annann stad ok
segir Ardericum }"»at ütan ef Ijüga, Eptir pessa ordaprsetu bördust peir
snarpliga ok vard Ardericus sigradr, pviat Amicus hjo af hänum höfud.
') In den lat. Texten: Hildegardis. ') er om. mscr. 3) gled. mscr.
*) sagdi konungr om. mscr.; ergänzt nach dorn lat. 5) lat. Belixendam.
BRUCHSTÜCK E1NEE AMICI 8 OK AMll.n - SAGA L8*3
Eptir betta Jjrekvirki gipti konungrinn Amicö1) pessa sömti döttur
sina, ok gaf med henni, sem sidvenja var, einn stad raikinn ok ägset-
an, er pau skyldu i vera. Ok er bann hafdi festa hana, sne>i Amicus
heim til sins heimilis gladr, par sem Ami] ins var fyrir ok mselti: Sd,
hversu ek hefi hefnt ])in ä hinum vända svikara Arderico, ok fastnada
ek ber konungsdöttur. Amilius f6r |>egar ti! konungs gards ok fekk
hennar fullkomliga, ok föru ]>au pegar til J>ess stadar, er konungr gaf
peim ok bjuggu pau J)ar. En Amicus var lieima med sinni hüsfrü, ok
litlu sidar kastadi gud bardaga ä barm ok bardi liann med likprä,
svä at ekki mätti kann pä ur rekkju risa. En hüsfrü hans er Obias*2;
hdt, fyrirlet kann )>egar ok hatadi sem vänd kona. Svä kom, at hnn
vildi mörgu sinni hafa kyrkt hann til bana, ok er bann sä pat, kalladi
bann til sin tvä pjönustumenn ok mselti sva: Foerit mik brott, sagdi
hann, undan höndum konu minnar ok takit ker mitt sva leyniliga, at
enginn verdi varr vid ok flytit mik heim til kastalans Bericänum.
Peir gerdu eptir pvi sem bann band, ok er peir väru mjök komnir at
kastalanum, kom mikill fjöldi manna i möti jaeim ok spurdu, hverr
pessi hinn sjüki madr vseri, er peir fluttu [)angat. reir svörudu: ressi
er Amicus, herra ydvarr, ok vard fyrir likprä, ok vill nü hingat fara
til ydvar, bidjandi värkunnliga, at pdr veitit hänum bjälp med misk-
nnn, bviat hann J>arf nü mjök. En er hinir umildu menn ok ükurt-
r-isu heyrdu ord peirra, reiddust jpeir ok bördu Jjjönustumennina, en
Amicum köstndu Jieir ur vagninum beim sem hann var i ok föru vid
bann illa ögnandi hänum dauda, ef neir leti ser J>at ord optar ur munni
2b koma. f*ä tök Amicus at grata ok mselti sva: Hinn mildasti ok hinn
miskunnsami fadir, Iät mik annathvärt deyja skjötl ella send mör bjälp
pinnar miskunnar! ok bad Bveina sina flytja sik til R6maborgar. Er
hann kom bar, gekk päfinn i möt hänum, er Constantinus hdt, med
mörgu m Kömverjum ok ödrum riddarum beim sem bjä väru er bann
var skirdr, <>k hänum höfdu s\'nt mikinn manndöm; ok gerdu [>eir til
hana soemiliga ok veittu hänum miklar hjälpir i peim blutum sem bann
burfti. En |>rim vetrum sidar gerdisl svä mikil varan i stadnum al
menn sultu, ok jafnvel räku fedr 3onu frä Ber sakir \>esaa fellis. En
bj6nustumenn Amici bädu bann brotl fara, ok hann gerdi Bvä ok \6\
flytja sik til heimilis AmiK jarls. Ok er hann \i fyrir gardinum |»ar
-ein Amilius var i, klappadi ä, eptir ]>\i sem sidvenja er til fijükra
manna, "k er jarl heyrdi, baud hann einura sveini sinum: Tak braud
oh kjöl ok ker pal er radr var gebt i R6ma, ok fyll hinu beztu vini
') Arnim om. iii 7) So auch Vioc Moni T< Fhobia er oin. mscr.
188 E. KÖLBING, BRUCHSTÜCK EINER AMICUS OK AMILIUS SAGA.
ok gef bessurn sjüka manni. ujonustumadrinn gcrdi eptir bvi sem hann
baud ok gekk sidan til jarls ok mselti: Sannliga, herra, sagdi hann.
upp ä tru mina, ütan ek hefda haldit ä ydru keri, tryda ek cigi annat
en bat yseri yftvart ker, er sä liinn sjüki madr liafdi. Jarl let pegar
leiäa til sin hinn sjüka ok spurdi hvadan hann vseri (da hversu hann
hefdi bvilikt ker fcngit. Amicus sagdi at hann var foeddr i kastala
brim er Bericänum het ok i Rom feerdr ok af herra päfanum skirdi
nk kerit pegit. En jarl kendi pegar Amicum felaga sinn hinn dyggasta.
rr hann hafdi frjälsat af dauda ok fengit hänum konungsdöttur til
riginkonn. Hann hljöp ä hals hanum ok kastadi sei* yfir hann grätandi.
En konungsdottir, hans hüsfrü, s(6d upp eigi sidr ok leysti här sitt
ok helti üt mörgum tärum grätandi särliga yfir hanum ok ä mintisl
hversu vaskliga hann bardist i möt Arderico hinum mikla svikara.
Eptir pat l^tu hau hann i höll sina ok skipudu hanum virduligan stad
i at vera, ok fengu hanum gladliga allt bat er bau mättu ok hann
vildi hafa. En er Amicus hafdi bar verit nökkura stund, syndist
hanum engill guds a einni hverri nött ok baud hanum at segja jarli
Amilio, at hann draepi tvä sonu sina, er pau konungsdottir ättu, ok
med peirra blodi skyldi hann bvä Amicum, ok bar af mundi hann
heill verda. Hann sagdi hänum betta umuguligt vera sakir bess at
hann undirstöd at betta var bsedi synd at gera ef eigi bydi gud, ok
hann var i lifshäska vid konunginum, modurfedr sveinanna. Ok sem
hann mintist, hversu mikit Amicus hefir gert fyrir hans sakir, ba tok
hann sverd sitt ok gekk til hvilu sveinanna bar sem beir sväfu. Hann
lac,dist upp yfir bä ok gret särliga ok mselti: Hverr heyrdi, sagdi hann,
födurinn själfviljanda hafa drepit sonu sina, ok he"dan af em ek ekki
ykkarr fadir, heldr hrsediligr dräpsmadr ok pinari; ok flugu svä pykt
tär af augum hänum, sem regn ofan yfir sveinana, svä at peir vöknudu
vid, ok er peir litu andlit fedr sins. hlögu peir. rä väru beir brevetrir.
Pä mselti fadir: H6, mikil sorg! ykkarr hlätr man mer sniiast i mikinn
grät; meinlaust blöd man üt hellast af illum ok ümildum fedr. Ok er
^ hann hafdi talat sorgmödliga, ])ä hjö hann sveinana bäda ok tok ]>ä
som hcegligast likin ok lagdi i ssengina, sem beir svsefi. En blöd peirra,
som hann hafdi lätit renna i eitt st6rt glerker, tok hann ok pö i Amil-
ium felaga sinn, ok medan hann bö hann, taladi hann ]>rssi ord: Herra
Jesiis Kristr, sagdi hann, pü er heilan gerdir likbrän manu med ordi
]>inu, vird mik til at hreinsa penna minn felaga ok hreinan gera, pviat
ek helta üt blodi sona eptir bodi engils bins, ok er hann liafdi lokit boan
sinni, vard Amicus heill pegar ok hroinsadr allskostar. En jarl tök
pegar klajdi sin beztu ok feereti hänum. Sidan göngu peir til kirkju
ok gerdu gudi ]>akkir <>k begar tokusl allar klokkur at hringast i
KÖHLER DAS SCEtICKSALSRAD UND DER SPRUCH vom FRIEDEN. 189
stadnum själfar, <>k gäfu af se*r fagrt hljöd. Ok er fölkit heyrdi |>etta,
bä dreif paugat ok undradist ]>enna atburd. < )k er jarlsins frü sa |j;i
ganga bada saman, spurdi hon, hvarr hennar böndi vaeri, bvi hon
kendi hvärngan beirra frä ödrum, en klsedi kendi hon hvarstveggja
beirra, ok ]m spurdi hon hvarr beirra var. rä mselti jarl: Ek em
Amilius, en pessi niinn felagi er Amicus1), er sjiikr var ok er nn
beul, ok andvarpadi bä af öllu hjarta ok mint ist ä dauda sona sinna.
En konungsdottir vildi, at sveinarnir vaeri pangat bornir ok skemtadi3)
s^r par, ok «lcdist af nvjuin fagnatli. Jarl bad |>;i lata sola ok bad eigi
vekja ba. En bann gekk einsamt ok hugdist ninndn grata )»a dauda,
ok er hann kom }>ar, fann hann bada sveinana i ssenginni lifandi, ok
lt±ku ser ])av, ok var einn randr pradr um beggja peirra hals. Jarl tök
ha l fadm st:r ok bar j>ä inn fyrir raödur beirra ok mselti: Verum v6r
glöd, bviat synir minir lifa bädir peir er ek drap eptir bodi mgils
guds, ok med ]>eirra blödi er Amicus, fölagi minn, hreinsadr. En frä
)>essnin timum heru bau at halda hreinlifin allt til daudadags ok varu
jafnan i mikilli gödfysi i guds pj6nustu, medan }>au lifdu. En i bann
tiina hljöp uhreinn andi i buk hüsfrü Amici, ok kvaldi hana mjök illa,
ok i beim oerslum3) feil hon fyrir berg ok lauk sv;i hörmuliga hennar
lifsdögum. Eptir ]>at för Amicus til Bericänum föstrjardar sinnar med
her, ok sat svä lengi um, at hann gat unnit jui er )>ar varn fyrir ok
gafust J)eir upp i hans vald. En hann gaf üllum beim grid med dreng-
skap ok fyrirh:t beim sina misgerd ok ]>at sem peir höfdu i möt hänum
gert ok bjonadi gudi jafnan med äst, medan hann lifir, ok n'-«! bar
fyrir med ägsetri hreysti ok miklum IVidi ok sambandi.
BRESLAU, Nov. 1873. EUGEN KÖLBING
DAS SCHICKSALSRAD UND DER SPRUCH VOM
FRIEDEN.
Felix Hemmerlin (Malleolus) läßt im 21. Capitel Beines zwischen
1444 und 1 4";< ) geschriebenen Dialogus de Nobilitate et Rusticitate den
Edelmann über das Schicksalsrad (Rota Fati, Rota fatalis) handeln,
welches den in Reichen und Provinzen, in großen und kleinen Herr
-•haften, in Städten und Dörfern, in Häusern and Familien, in Klo
tern, Collegien und Kirchen statthabenden Kreislauf gewie er Zu tände,
'; Amiliua in- ruli nnflci im insci
190
R. KOHLER
deren einer immer aus dem anderen folgt, darstellen soll*). Die auf deä
Bauern Wunsch von dem Edelmann entworfene Zeichnung dieses Rades
findet sich auf Blatt LXXVII der einzigen Ausgabe des Dialogs**)
als Holzschnitt, von dem ich hier eine verkleinerte Nachbildung beifüge.
*) Eine ausführliche Inhaltsangabe des Dialogus de Nobilitate gibt B. Reber,
Felix Hemmerlin von Zürich, Zürich 184C, S. 197—268. Aber die Inhaltsangabe des
21. Capitels (S. 236) ist ungenau und undeutlich, namentlich ist nicht bemerkt, daß
die Rota Fati von der Rota Fortunae unterschieden ist. Letztere beschreibt der Nobilis
im Eingang des Capitels: Sepe vidisti veteres posuisse fortune rotam quattuor figuria
signanter descriptam et bis versiculis annotatam:
Regno descendo iaceo super ardua tendo.
Sum fortunatus, fleo, spero, fio beatus.
Hie iacet, hie scandit, hie sedet, iste cadit.
Regno regnabo regnavi sum sine regno.
Hec namque rota fortune variabilis, ut rota lune.
Crescit et decrescit in eodem sistere uescit.
Hierauf bespricht der Edelmann den Unterschied von fortuna und fatum und sagt dann:
Unde ex premissis sapientes estimo premeditatos fuisse aliam non tarnen fortune, sed fati
rotam — Auch W. Wackernagel gedenkt in seiner schönen Abhandlung 'Das Glücksrad
und die Kugel des Glücks' (Haupts Zeitschrift VI, 142 = Wackernagels Kleinere
Schritten 1 249 f.) der Hemmerlinschen Stelle, aber ebenfalls in ungenauer Weise.
**) Vgl. Reber a. a. O. S. 31—33.
DAS SCHICKSALSKAI) UND DER SPR1 l II V*ÜBl FRIEDEN 191
Macht man aus den sechs Relativsätzen ohne Anfang und Ende,
welche auf den innerhalb dea großen Kuh- befindlichen sechs kleineren
Rädern*f als Inschriften stehen, folgende selbständige Sätze:
l'ax general divitias,
Divitiae generant superbiäm,
Superbia generat guerram,
Guerra generat paupertatem,
Paupertas generat humilitatem,
Bumilitas generat pacern —
so haben wir hier die lateinische Fassung eines Spruches, den ich in
deutscher, französischer und englischer Sprache nachweisen kann.
Nach einer Mittheilung Massmanns in Mones Anzeiger 1833, S. 261
tindet sich bei Geiler von Kaisersbeig- .Massinann sagt leider nicht
in welcher Schrift desselben — der Spruch:
Fried macht Reichthum,
Reichthum macht l berrnuth,
Übermuth bringt Krieg,
Krieg bringt Armuth,
Aruiuth bringt Deinuth,
Demuth macht wieder Frieden.
Und ebenso — nur in der Anwendung der Wörter bringt und macht
abweichend und mit Auslassung des wieder in der letzten Zeile —
in Christoph Lehmans Fiorilegium politicum S. 215**):
Frid bringt Reichtumb,
Reichthuinb macht Vberinuth,
Vbermuth bringt Krieg,
Krieg macht Armut h,
Armuth macht Demuth,
Demuth machl Fried '
*) Coustat — sagt der Edelmann — utique Linus modi rotam ad modum cir
euli rutuiidaiu et in sua re-tui alifl B6U angul tam. et prout iu cii-
culo iuxta Euclidis definil tundo non ponitur finia ueque pnncipiam, aed ex-
tiL-mitates, sie nee iu hac ruta initium ueque terminum oeque termini onem distribuauius.
**) Der Titel dieser Sammlung lautet vollständig: Fiorilegium politicum. Poli-
er Blumengarten. Darinn Jententz, Lehren, Regoln, v i*>l
Sprichwörter auß Theologie, Jurisi Politicis, ll Philosophie, PoBteo
rnd eygener erfahrnng ratei 286 Tituln zu sonderm outsen vnd lust II
d.-!n im reden, raten vnd schreiben, da« gut snbrauchen vnd das böß sumeiden, in
locos cuintnunes zu- D Durcl I U '.unkt im
neiisLi autoris Ann.. 1630. 8°.
Aui Li hu i .. W andi i Lexikon I r. 48
auifc'HUouameu.
192 K. KÖHLER
Folgende Variante gibt Mone in seinem Anzeiger 1835, S. 207
ohne Quellennachweis:
Gut macht miit,
miit macht hoffart,
hoffart macht nijd,
nijd macht strijt,
strijd macht armut,
armut macht fryd.
Der französische Dichter Clement Marot schreibt im J. 1521 au
Margarete, die Schwester Franz I, damals Herzogin von Alencon,
nachmals Königin von Navarra — es ist die vierte der Epitres in Marots
Werken — :
Ainsi, bien heuree Princesse, esperons nous la non assez soadaine
venue de Paix qui toutes fois peut finablement revenir en despit de
Guerre cruelle, comme tesmoigue Minfant en sa Comedie de fatalle
destinee, disant:
Paix engendre Prosperite^
De Prosperite vient Richesse :
De Richesse Orgueil, Volupt^:
D'Orgueil Contention sans cesse :
Contention la Guerre addresse:
La Guerre engendre Pouretr :
La Pourete Humilite:
D' Humilite revient la Paix:
Ainsi retournent kumains faits.
Voila comment (au pis aller, dont Dieu nous gard) peut revenir celle
precieuse Dame, souvent appellee par la nation Franchise, dedans les
Temples divins, chantans: Seigneur, donne nous Paix.
Der Verfasser der von Marot genannten Komödie, die, wie es
scheint, nie gedruckt worden ist, war wohl David Minfant, von dem
eine französische Übersetzung der Officia Ciceros 1502 erschienen ist*).
Wie bei Marot und vielleicht aus ihm entlehnt findet sich der
Spruch cPaix engendre Prosperite' u. s. w. unter den französischen
*i Man sehe De La Monnoyes Bemerkung in Rigol ey de Juvignys Ausgabe der
Bibliotheques francoises de La Croix du Maine et de Du Verdier, T. I, Paris 1772,
S. 425 f. Wenn La Monnoye sagt, der Titel Fatale Destinee sei 'emprunte de ce pas-
sage du fameux Doctenr Suisse Felix Heinmerlin, en Latin Malleolus, feuillet 77 de
son Traite de Nobilitate, en ces termes: Rota fatalis comprehendit sex rotas, qnarum
prima paupertas est quae genciat humilitatem: secunda bumilitas quae generat pacem:
tertia pax qnae general divitias: qnarta divitiae quae generant superbiam: quinta su-
DAS SCHICKSALSRAD UND DER SPRUl I! \ <»M FRtEDEN. 193
Sprichwörtern in dem Florilegium ethico-politicum des Janas Gruterus,
Francofurti 1 GH), S. 231 . nur dali hier steht corgueil ei yolupte* und
l^s humains'. Aus Gruterus hat Le Roux de Lincy den Spruch in
sein Livre des Proverbes francais, 2. Edition, Paris 1859, II, 866, auf-
genommen.
In sinniger Weise haben die Franzosen den Spruch auch bild-
lich dargestellt. Ich kenne diese bildliche Darstellung jedoch nur aus
der kurzen Beschreibung in des Quirinus Pegeus (d. i. Georg Philipp
Harsdörffer) Ars apophthegmatica, Das ist: Kunstquellen Denckwürd
Lehrsprüche und Ergötzlicher Hofreden, Nürnberg 1655, 2. Theil,
S. 179, §. 3868:
Fried : Krie
Die Frantzosen haben 1651 ein solches Gemahl machen lassen:
Der Fried hatte bey der Hand den Reichthum, der Reichthum den
Stoltz, der Stoltz den Krieg, der Krieg die Armut, und solche die
Demut. In diesem Reyendantz pfiffe das Glück auf einer Sackpfeiffen *).
Am Ende einer englischen Handschrift -- einer Pergamentrolle
aus der Zeit Heinrichs V. (1413 22) — stehen (s. Notes and Queries,
4. Series, III, 103) die Zeilen:
Pes niaketh plente,
Plente makyth prvde,
Pryde maketh plee,
Plee maketh pouerte,
Pouerte maketh pees.
Auf das Vorsetzblatt eines englischen Buches bal der Besitzer im
J. 1744 — s. Notes and Queries, 4. Series, VIII, 514 diese Reime
geschrieben :
War begets Poverty, — Poverty Peace;
Peace bringeth Rieh ue'er düth cease;
Riches gender Pride, - Pride is War's ground;
War begets Poverty, and so the World goes round.
perbia quai general guerram: sexta guerra quae generat paupertatem , litur
;"1 primara rotam ei seqnentes , so ist
Dialogus stehen. La Monnoye hatte m<'Ii wahrscheinlich bei gelegentlicher Durchsicht
Dialogua de Nobilitate Notizen daraus gemacht und so mit obigen lateinischen
Worten die Abbildung dei Rota fatal ia aul fol. 77 ~.>li notiert; - j . i i i • - • nahm ei dann
ichte Notiz für eine wörtli
*) Nach Pegeus, der als Quelle genannt ist, auch bei Joh, PrKI
adium. Das ist, Ein Ausbund von Wündachel Ruthen, L
QEBH \N1A .s. u Beihi \ U [XU I Juhrg. 1 ",
194 R- KÖHLER, DAS SCHICKSALSRAD UND DER SPRUCH VOM FRIEDEN.
Zum Schluß noch zwei deutsche Varianten unseres Spruches, in
denen freilich gerade der Friede fehlt. Die eine hat Massmann an der
oben angeführten Stelle in Mones Anzeiger ebenfalls — wie es scheint
— aus Geiler von Kaisersberg mitgetheilt :
Gut*) macht Muth,
Muth macht Übermuth,
Übermuth Hochmuth,
Der macht Krieg und Blut,
Krieg macht Armut,
Armut bringt Demuth.
Die andere gibt M. Toppen, Volksthümliche Dichtungen, zumeist
aus Handschriften des 15., 16. und 17. Jahrhunderts gesammelt, Kö-
nigsberg 1873, S. 103**), aus einer von einem Danziger Michael Hancke
ums Jahr 1629 angelegten handschriftlichen Sammlung von allerlei
Gedichten und Sprüchen :
Armut macht Demut,
Demut macht Forderunge,
Forderunge macht Reichtumb,
Reichtumb macht Übermut,
Übermut macht Krieg,
Krieg macht Armut.
An diesen Spruch schließt sich in der Handschrift ein auch von
Toppen abgedrucktes Gedicht in 12 vierzeiligen Strophen an. Es ist
ein Gespräch zwischen einem Sohn und einem Vater, der Sohn und
der Vater sprechen abwechselnd je eine Strophe, und vor je zwei Stro-
phen stehen der Reihe nach die einzelnen Zeilen des obigen Spruches
als Überschriften der beiden folgenden Strophen***).
WEIMAR, März 1874. REINHOLD KÖHLER.
*) Hut im Anzeiger ist wohl nur Druckfehler.
**) Ich habe dieli Buch in den Göttingisehen gelehrten Anzeigen 1873, Stück 32,
ausführlich besprochen.
***) Als Probe mögen hier die Strophen stehen, welchen die 2. und 3. Zeile des
Spruches vorgesetzt sind.
Demut macht forderunge.
Nach deiner lehre halte ich woll,
Noch weiß ich nicht, was ich thun soll,
Das ich muchte werden reich,
Sage mir, wo ich daßelbige erschleich.
R Halt traw und glauben, das ist mein rat,
Und was du redest, halt mit der that.
K. BARTSCH, BRUCHST1 < KE VON HERZOG ERNST \ igp
BRÜCHSTÜCKE VON HERZOG ERNST A.
Die nachfolgenden Bruchstück.' verdanke ich der gefälligen Mit-
theilung des Herrn Dr. Richard Wülcker in Leipzig, der sie von Herrn
Dr. Könnecke in Marburg erhielt. Es sind zwei Pergaraentstreifen eine)'
Handschrift des ausgehenden 12. Jahrhs., von je 5% Centim. Höhe und
9 Ceutim. Breite, beide den oberen Theil eines Blattes enthaltend- von
dem zweiten ist dieü jedoch nicht völlig sicher. Beide Blätter liefern
11 Zeilen auf jeder Seite, die Verse nicht abgesetzt, auf dem ersten
Blatte ist die letzte Zeile zum größeren Theile weggeschnitten, so daß
fast nur die Spitzen der Buchstaben sichtbar sind. Die vollständige Seite
wird etwa 22 Zeilen gezählt haben, das Format war also ganz ähnlich
dem der Prager von Hoffmann und von Pfeiffer veröffentlichten Bruch-
stücke. Daß die neugefundenen Fragmente aber mit den früheren nicht
zu derselben Hs. gehören, sondern daß hier eine zweite Handschrift
vorliegt, ergeben die orthographischen Verschiedenheiten In den hier
veröffentlichten begegnet kein g für mhd. c und ch, kein sc für seh,
kein t für z u. s. w. (meine Ausgabe. S. V).
Was den Inhalt betrifft, so gehört das erst.' Blatl dem Abenteuer
mit den Schnäbelleuten an und entsprechen die erhaltenen Verse der
vorderen Seite etwa den Versen 3779—3790, die der Rückseite den
V. 3803 — 381G der Bearbeitung B. Das zweite Blatl ist aus dem Aben-
teuer am Magnetberg; den erhaltenen Versen entsprechen B 4200 bis
4210 und 4220-4234.
Ich gebe einen buchstäblich getreuen Abdruck, nur in abgesetzten
Zeilen und mit Interpunction ; Ergänzungen von weggeschnittenem oder
unleserlichem sind cursiv gedruckt.
HEIDELBERG, 2. Januar 1874 K. BARTSCH.
\\ enn du also glaubwirdig l>i>t.
8o wirstu reich in kurzer frist.
Y order u a g na ac li t rei c li tu m u.
Vater nun bin ich reich Bcbon,
Was mir gefeit, mag i'-li wol thun.
[ch habe gutes genug, uun sage hr,
Wo überkomme ich gewalt und ohr?
R, A ■ ) i lieber söhn, nach gewall nicht Iracbta,
Wann ehr und gewall wol hoffart macht,
[ch warne dich, thuatu da .
Dir Wechsel d i leid und haß
13
196
PERD. VETTER
(P) hoffcter do
den er soltc besten.
do mbeit er niwet me,
den uanen nam er selbe.
5 do iceseder die snellen
an die grippinische« man.
die quamen in mit nide an
mit maniger schare mehtic.
do wart ein stürm creftie
10 an deme uelde irhaben.
des nam maniger den schaden,
der sin nie ingnoz.
daz here daz was fil groz
der grippinischen herren.
15 des guan der herzöge manigen serm
s sieh gescAciden.
alumbe sie
(lb) uil harte.
wie wol sie bewarten,
20 daz ir dicheiner were da
der in quam so na,
den endenden rechen,
daz sie in mit den ecken
mohten irlangera.
25 mit zorne beuangen
was der herzöge here.
sin müt quäl ime sere ;
zu den libe was ime unwerde
daz sie ime an der erden
30 wolden strides nit gestaden,
daz er sis mohte gesaden
oder ir dicheiuen irreichen.
do hub er uf daz «eichen :
der herre mit d
35 (2") zuiuel
alle mit einem müde,
in hetde got der güde
den geda?'C gesaut in sinen müt;
iz duhte sie allesauient gut,
40 sie wolden ime gerne uolgen.
do gieugen die godes holden
after den kielen.
sie wnden harte schire
groze merrinder hüde uil.
45 zuare ich uch daz sagen wil,
des wrden die helide uil uro.
zu ir schiffe trugen sie sie do
un schliffen sie na ir willen.
do namen die snellen
50 eine michele hüt.
da snieden sie die riemen uz.
(2b) «in
der sich besuwet in der hüt.
do sprac der greue uteri üt
55 daz sal der herzöge unde ich.
besuwet in un mich
in disen huden beiden.
ich inwil mich nTiner gescheiden
fan ime lebendic noch dot.
60 ich wil angist un not
samet ime liden.
kumet er uz mit deme libe,
so weiz ich wie iz uns irgat.
eintweder unser wirdet rat
oder wir uerliesen sament unser leben ,
05 sprach der durliche degen.
ich sagen uch w*rliche,
un
FHEYR UND BALDR,
UND DIE DEUTSCHEN SAGEN VOM VERSCHWINDENDEN
UND WIEDERKEHRENDEN GOTT.
Fast alle Mythologieen kennen einen oder mehrere verschwindende
und wiederkehrende Götter, d. h. Personificationen der Sonne, des
Sommers und seiner Segnungen. Die Sagen von Osiris, Adonis , Per-
sephone, Dionysos, Helena, Odysseus. Kastor und Pollux sind längst
FREYR UND BÄLDE p.iT
erkannt als Fragmente und Variationen des großen Jahresmyt hus,
der das Kommen und Schwinden des Sommers und seiner Gaben zum
Gegenstand hat*).
Bisweilen hal sieh dieser sterbende und wiedererwachende, ge-
raubte und zurückkehrende Gott auch in zwei Personen geschieden.
Polydeukes (devy.og = ylvxv : suavissimus), der unsterbliche, ist nur
ein Doppelgänger des sterbliehen und gestorbenen Bruders Kastor;
Persephone, die geraubte und wiederkehrende, ist mit Dionysos, dem
Fernherkommenden oder Zerrissenen und Wiederbelebten, in einigen
Culten verschwistert, in andern vermählt.
Tacitus findet seinen Kastor und Pollux wieder in dem göttlichen
Brüderpaar der Nahanarvalen, den Alces, unter denen also wohl auch
ein schwindender und wiederkehrender Gott zu verstehen ist. Alces,
goth. alkeis. sind nach Zacher die Leuchtenden, Glänzenden: auch
die Dioskuren wurden als Gestirne gedacht; nea vis numiniu' (sc. qusa
Castori Pollucique), sagt Tacitus: ihr Mythus muß also auch von Tod
und Wiederbelebung 'oder Ersetzung durch den Bruder) erzählt haben.
Die nordische Mythologie kennt zwei verschwindende und wieder-
kehrende Licht- und Sommergötter mit oder ohne Bruder: Baldr und
Freyr. Wir wiederholen kurz ihre Sagen zum Zweck der Gegenüber-
stellung und als Grundlage für alles Folgende.
Baldr, der Gott des Lichtes und der Sommerwonne, fällt von
der Hand Höttrs, des Gottes der Finsterniss, der blinden, d h. dunkeln
Winteröde, durch den dämonischen, weder der Ober- noch der I uter-
weit angehörenden Mistelzweig, nachdem das Geheimniss seiner Ver
wundharkeit seiner Mutter abgelistet worden. Sein Leichenschiff wird
von Hyrrokin, dem „feuerberauchten" Sonnenbrand (Unland) vollens
ins Meei n. daß Feuer aus den Walzen fährt und alle Lande
erbeben: verheerende Naturgewalten bringen den auf Beiner Höhe Doch
is verweilenden Lichtgott zur entscheidenden Wende, Nanna, Nep'a
Tochter, zerspringt vor Jammer, der Zwerg Litr wird ins Feuer
•n: Nanna, die Blüthe das Soramerblut, die Tochter der Knospe
(hneppr, Nep und Litr, die Färb „der reiche frische Seh:.
des Frühsommers" (Uhland, Simrock), müssen mit hinab, wenn der
Lichtgott, wenn der liebe Sommer Btirbt.
Aber er kehrt wieder: nicht zwar ii r Gestall — das
hindert Thöck, das Dunkel, die Lichtfeindin — sondern unter anderem
Namen; die eine Person isl in zwei zerspalten: er heissl als Wieder-
*) Auch dor getiache Salmolti gehHrl in diese 1 Germania IS, 214
198 FERD. VETTER
geborner Vali und ist eigens von Odin zum Rächer erzeugt, mit Rindr,
der winterlichen, hartgefrornen Erde; ganz unmündig, nur eine Nacht
alt, rächt er den Bruder — hier nicht Zwilling -- durch Tödtung
Hödrs, des Winterdunkels*).
Freyr's, des Fruchtbarkeitsgottes, Todesmythus ist uns erst in
der anthropomorphisierten Gestalt erhalten. Er wird — als historischer
König von Schweden — in seinem Alter krank. „Und als die Krank-
heit überhand nahm, giengen seine Mannen zu Rath und ließen wenige
zu ihm kommen; sie errichteten aber einen großen Grabhügel und
machten eine Thür davor und drei Fenster. Als er aber gestorben war,
trugen sie ihn heimlich in den Hügel und sagten den Schweden, daß
er lebe, und bewachten ihn drei Winter hindurch. Alle seine Schätze
aber brachten sie in den Hügel: durch das eine Fenster das Gold,
durch das andere das Silber, durch das dritte das Kupfergeld. Es blieb
gute Zeit und Friede"**).
Nach Andern fällt er (unter dem Namen Frotho) durch den Stoß
einer in Rindsgestalt verwandelten Zauberin, wird dann noch drei
Jahre lang unbegraben gelassen und als lebend durchs Land geführt***).
Das deutet aber, wie das Fortleben im Hügel, nur auf eine Entrückung
zu spätererWiedergeburt. Solche Umzüge zu Wagen (mit einer jungen
Priesterin) fanden früher zu Ehren Freyr's statt (Grimm Myth. 194
und Simrock, Myth. 310); man feierte damit den im Herbst gestorbenen
und mit seinen Schätzen begrabenen, und jetzt im Frühling wieder
belebten Fruchtbarkeitsgott (die halbmenschliche Sage lässt es freilich,
wie beim König Ninus in Ninivef), nur ein Scheinleben sein), der im
*) Auch in der vollständig anthropomorphisierten Gestalt der Sage bei Saxo,
(ed. Stephanius 39 ff.), wo, in einer für den Übergang der Göttersage in die Helden-
sage sehr lehrreichen Weise, Balderus und Hotherus als Heerführer sich bekämpfen
und der erschlagene Balderus durch einen von Othinüs zu diesem tfehufe mit der
Finnin Einda erzeugten Stiefbruder (hier heißt er Bous, an. Büi, der Bauer, der Gott
der wieder baulich gewordenen Erde) gerochen wird — ist der Ursprung aus dem
Jahresmythus nicht zu verkennen.
**) Ynglinga Saga c. 12. Die ältere Edda weiß, trotz früherer Entstehung,
davon nichts, weil sie, den Jahresmythus bereits zum Weltmythus erweiternd, Frey's
Tod erst mit dem Weltuntergang eintreten lässt, wie ja überhaupt die ursprünglichen
Jahr esgottheiten später auch das Abbild des Weltenwechsels werden und ihr Tod
ins allgemeine Ragnarök hinausgeschoben erscheint. Ursprünglich starb Freyr wie
Baldr schon vorher, und ganz ursprünglich jedes Jahr aufs Neue.
***) Saxo (Stephanius) 96.
f) Sollte dieß nicht auch eine indogermanische Sage, und Samurat (Semiramis)
die Sommer- ''früher Tages- [r)u(nc(\) göttin sein?
FREYB IN!» BALDR. 190
Geleite einer Gattin wiederkehrt, d. h. der schönen Jahreszeit, welche
durch die Priesterin auf dem Wagen vertreten wird. Die Werbung
um diese Gattin, also ein Stück aus der Sage vom wiederkehren-
den Freyr. erzählt uns in der ältesten Gestalt Skirnisför (vgl. dazu
die Sage von Frotho und Hanuiula, der Hunnentochter, bei Saxo
p. 68 ff.). Der Gott der Frühlingsfruchtbarkeil schickt seinen Diener
Skirnir (Aufheiterer, als Bote des Lenzes) mit dem unaufhaltsam vor-
dringenden Sonnenstrahl („mein Schwert, das von selbst sich schwingt")
auf Werbung aus zu der von flackernder Flamme (des Holzstosses)
und hohem Zaun (dem Heigitter) eingeschlossenen, d. h. als todt in
der Unterwelt weilenden Göttin der schönen Jahreszeit, Gerdr: nach-
dem sie allerlei Sommergeschenke abgewiesen, und dann noch ihr
Bruder Beli (der „Brüller", der Sturm des Frühlings- Aquinoctiums) von
Freyr erschlagen worden — in Ermanglung seines Schwertes mit
einem Hirschhorn -- vermählt sie sich endlich dem'' Frühlingsgott im
grünen Haine.
Die beiden Götter also verjüngen sich im Frühling -
der eine in Gestalt eines Bruders, welcher der Sohn der Winter-
erde ist (vgl. die Dioskuren), der andere jugendlich wiedergeboren und
verbunden mit einer Gemahlin, welche im Todesschlaf des Winters
lag (vgl. Dionysos und Persephone); und beide sterben im Hoch-
sommer und werden mit ihren Gaben und Schätzen be-
stattet. Daß dieß das eine Mal auf brennendem Schiff und das
andere Mal im Hügel geschieht, ist bloß zeitlich veränderte Aus-
drucksweise: dem „Brennalter" folgte das „Hügelalter"*) und die
spätere Dichtung wählte die damals gebräuchliche Bestattungsart.
Einen von diesen beiden Göttern nebst seiner Wiedergeburt muß
Tacitus meinen mit seinen sich wie Kastor und Pollux ergänzenden
Brüdern. Simrock entscheidet sich für Baldr-Vali. Wir wollen uns zu-
nächst noch nach weitern Spuren Frey's in der Sage umsehen.
Es ist schon auffallend genug, daß zwei in Mythus und Bedeutung
so nahe verwandte Göttergestalten in der nordischen Mythologie neben
einander bestehen können; es erklärt sich das nur aus der spätem
Aufnahme des einen Gottes von einem fremden Stamme her, welche
in der Edda als Krieg und Vertrag mit den Wanen mythisch einge-
*) Im Beövulf z. B. wird Sceäf-Scyld auf dem Schiffe, der spätere Beövulf im
Hii gel bestattet. — Ursprünglich wird Freyr so gut wie Baldr auf dem Schiffe ver-
brannt und den Wogen übergeben worden sein, wozu der Besitz Skidbhidnirs, des
trefflichsten aller Schiffe, und seine Heimat Noatün — Schiffhausen — stimmt.
200 FERD. VETTER
kleidet erscheint. Die ursprüngliche Heimat der Wanen und ihres
Cultes, also auch des Freysmythus, suchte man bisher, — gestützt
insbesondere auf den Yngvi-Freyr, Ingunar Freyr und Freä üngvina
als Eponymos der Ingaevonen, sowie auf die Nerthus des Tacitus, die
man mit Frey's eddischem Vater Niörd zusammenstellte, -- bei den
ingsevonischen. speciell den östlichen suevischen Stämmen; neuestens
findet sie K. Meyer (Germ. XVII. 107 ff. bei den Aestiem d. h. dem
nach seiner Ansicht nichtdeutschen Küstenvolke der Preußen, und er-
klärt damit die Wanen und ihre Verehrung als nicht nur ursprünglich
unnordisch, sondern auch ungermanisch
Lassen wir das einstweilen auf sich beruhen: so viel ist sicher,
daß der zweite unserer Götter in die eddische Mythologie von außen
importiert und dem ersten coordiniert ist. Wir könuen aber ferner
bemerken, daß er, der gestorbene und wiederkehrende Sommergott,
auch in der Heldensago, dem Niederschlag der Göttersage, erscheint,
und zwar — entgegen jener Ansicht — nicht bloß in der dänischen,
schwedischen und isländischen, sondern auch in der deutschen, wo
dann bisweilen die beiden so ähnlichen Gestalten förmlich zusammen-
fließen. Die dänischen und schwedischen Friedenskönige der Jüngern
Edda (Skälda 43), der Ynglinga Saga (12) und Saxo's (Steph. 20. 66.
85. <.L). 95. 96) sind bereits genannt als Vermenschlichungen Frey's
Bei Saxo kommt und stirbt Frotho dreimal, als milder, segnender
Herrscher, auch als Drachenkämpfer (Steph. S. 20), und fällt das
dritte Mal durch jene in ein Rind verwandelte Zauberin; aber das
nun folgende dreijährige Scheinleben mit den Wagenumzügen deutet
auf eine abermalige Wiedergeburt. Der gute Frödi der Skälda. unter
welchem Christus geboren wird, allgemeiner Gottesfriede herrscht und
kein Dieb noch Räuber gefunden wird, fällt in Folge seiner Habsucht;
die Mahlmägde Menja und Fenja, denen er — der ursprüngliche
Frühlingsgott — nur Ruhe gönnt so lange der Kukuk schweigt, mahlen
ihm ein feindliches Heer, das ihn besiegt und tödtet; — und hier
würde dann der Bestattungsmythus der Ynglinga Saga anschließen;
es bleibt gute Zeit und Friede; der König ruht mit seinen Schätzen
im Grabe, — um abermals wiederzukehren.
Im angelsächsischen Epos erscheint der vermenschlichte Freyr
ebenfalls zu verschiedenen Malen geminiert und wiedergeboren Der
Ahnherr treibt als neugeborner (nach Beöv. 46 umbor vesende: un-
geborner) Knabe auf einem steuerlosen Schiffe heran, auf einer Garbe
schlafend. Sehätze und Waffen mit. sieh führend, und gelangt in dem
fremden Lande zu einer langen glücklichen und segensreichen Regierung.
FREYR I'mi BAI DE 201
Der Beövulf nennt ihn Scyld, Sohn des Sceaf (Scefing); aber in den
Genealogieen sind die Namen der Ahnen und Nachkommen eines Beiden
meist nur Prädicate desselben; die verwandten Sagen, und die Garbe
(sceaf, ahd. skoup), auf der er kommt, zeigen, daß Sc e&f sein richtiger
Name ist. — Die Bestattung dieses Sceäf geschiehl auf demselben
Schiff mit dem er gekommen, im Begleil aller seiner Schätze, -
rade wie bei Frey, außer daß bei dem Seevolk die alte Schiffsbe
stattnn^- statt der Hügelbestattung eingetreten oder vielmehr geblieben
ist. Simrock erklärl ihn daher wohl mit Unrecht als Baldr-Vali; er
stimmt viel m dir zu Freyr und seiner Wiedergeburt. Er kommt nicht
als furchtbar* r Rächer, wie Baldrs Bruder thun müsste und Vali in der
Edda wirklich thut, sondern als mächtiger, beglückender König, wie
jener vermenschlichte Freyr; er kommt zu Schiffe, und als Besitzer
des besten aller Schiffe, war Freyr aus Nöatün berühmt; er kommt
umbor, und „ungebornen Freyshelden" worden wir noch weiter be-
gegnen;*) er kommt und geht mit Schätzen, wie auch jener Freyr
seine Schätze mitnimmt; er kommt auf einer Grarbe, dem naturgemäßen
Symbol eines Fruchtbarkeitsgottes, — für einen Lichtgott wie ßaldr-
Vali ebenso wenig passend wie der davon hergenommene Name Sceaf.
Bald als Ahn, bald als Enkel Sceäfs, — d. h. als sein Beiname oder
Prädicat, nach Übung der angels. Stammtafeln — erscheint Beav,
der „Bauliche", ganz passend fi'xr einen vermenschlichten Freyr**).
Auf Sceäf folgt (nach dem ags. Fpos) — Beövulf, eine Gemination
des Sommergottes, und der Mythus wiederholt sich; sein Nachfolger
Hrödgär wird durch das üngethüm Grendel seiner Macht beraubt; da
kommt übers Meer ein zweiter Beövulf, der Greäte, besiegt dasselbe
und herrscht glücklich: in seinem Alter stirbt er durch das Blut eines
Drachen, den er überwunden; die alte Göttersage beschreibt einen
beständigen Kreislauf, der schon in den Bich wiederholenden oder in
*) Während Vali, mit wel n Simrock den Sceaf iden
tificiert, doch nur ..Kaum geboren", of borinn anenima, heißt. S. 816 wai übrigens
Simrock fast versucht, Sceaf als Fi aus anderen Gründen als
den ansrigen, .schon Müllenhoff II. '/.. VII, II- gethan.
■•■■ Wenn bei Saxo der entsprechende an. Na I Für dei Baldra
i anftritt, während er liier den wiedergebornen Fn I net, so i-t vielleicht
dort Bchon eine Vermischung der beiden GHI \\i>- denn auch
bereit« der Name Vali mach Müllenhoff ein Gott ind Wohls!
und Ali „der Nährende" G a derWi
Li | Frej 's auf diejenig : ht.
204 FERD. VETTER
hüllten Wägen angedeutet. Doch hat auch der Norden noch Parallelen
in seinen Freyshelden: in Haddings Schenkel werden wir einen Ring,
das Symbol der Fruchtbarkeit, liegen sehen, wodurch sich Hadding-
Freyr merkwürdig mit dem griechischen Fruchtbarkeitsgott, mit Dio-
nysos berührt, der, von der sterbenden Semele unreif geboren, in Zeus'
Schenkel eingenäht und von diesem aufs Neue zur Welt gebracht wird
(firjQogöacping). — Fehlen uns also für das „Ungeborenu-sein Siegfrieds
beim Gotte selbst die Anhaltspunkte, die sich aber aus dem Wesen
des Fruchtbarkeitsgottes und den übrigen verwandten Sagen leicht er-
schließen lassen, so ist dagegen bekanntlich der Vermählungsmythus
Siegfrieds in demjenigen Frey's zu deutlich vorgebildet, um in seiner
Abstammung verkannt zu werden, wie schon seine Drachenkämpfe in
denjenigen Frotho's (Saxo S. 20) ihre Parallele finden. Daß dabei in
der Nibelungensage die eine Lenzgöttin Gerdr nach den zwei Seiten
ihres Wesens, der stürmischen und der anmuthigen, in Brynhild und
Gudrun (Kriemhilt) geminiert erscheint, kann in der Mythensprache
so wenig auffallen als jene Dioskuren, jener Baldr und Vali, jene ver-
schiedenen Frotho's und Beovulfe. Ja Freyr selbst war ja in seinem
Brautwerbungsmythus in Skirnir geminiert; wie aus Skirnisf. 16 hervor-
geht, wo Gerdr den Skirnir ihres Bruders (Beli) Mörder nennt, war
es ursprünglich Freyr selbst, der durch Vafrlogi ritt, erst später sein
Stellvertreter Skirnir; die Nibelungensage aber verbindet Beides, in-
dem Sigurd das erste Mal für sich selbst, das zweite Mal für Gunnarn
hindurchreitet. (Simrock, Edda, 471 u. 408). Die Waberlohe um Gymis-
gard und Hindarfiall, das Weltmeer um Isenstein, die Dornhecke im
Märchen stehen seit Grimm's schöner Abhandlung über das Verbrennen
der Leichen insgesammt als Symbole der Unterwelt fest, in der die
riesische, walkyrienhafte oder menschliche Frühlingsgöttin weilt, um
von dem Frühlings- und Fruchtbarkeitsgott, der nach Besiegung des
winterlichen Drachen, und Erwerbung des Hortes und des Ringes
seinen Siegeslauf antritt, zum Leben erweckt, und mit dem Ringe, dem
Symbol der Fruchtbarkeit ihm angelobt zu werden. — Nehmen wir
also auch zunächst mit Meyer den ungermanischen Ursprung Frey's
und der Wanen als sicher an, so wird doch wenigstens seine Folgerung,
daß demnach selbstverständlich „aus der deutschen Heldensage, und
speciell aus der Nibelungensage, Freyr ausgeschlossen" sei, der Ein-
schränkung bedürfen. Ist dieser Gott von den Preußen zu den Dänen,
Schweden, Norwegen und Isländern gewandert, so kann doch wohl
auch die Nibelungensage, „mag sie nun von den Burgunden, oder
was sich allein wissenschaftlich begründen lässt, von den Franken
fkm B im» BÄLDE. 205
ausgegangen sein" Meyer), auf ihrer Wanderung nach dem Norden
den Brautwerbungsmythus von Freyr geerbt haben und dies« nordische
Gestalt dann wieder abgeschwächt oach Deutschland gekommen sein,
— wie umgekehrt, lange nach der Einbürgerung der Sage, der Norden
in der Thidrekssaga wieder neue deutsche Züge, Personen u. Ortlich-
keiten nach den Berichten norddeutscher Erzähler aufgenommen hat.
Bei einer so zusammengesetzten und wandernden Sage darf man ja
überhaupt von einem Ausgangsorte nur mit Bezug auf einige wenige
historische Krystallisationspunkte sprechen, an die sich der Mythus
hängte (wobei denn doch Meyer im 2. Theil der Sage die drei Könige
und ihren Untergang durch Etzel als von den Burgunden ausge-
gangen wird gelten lassen müssen). War einmal für den ersten Theil
der Nibelungensage die Entzweiung der fränkischen Königsfamilien,
die Geschichte Brunhildens und Fredegundens, die verrätherische Er-
mordung König Sigisberts auf der Jagd als Kern gegeben, 'so kennte
drum herum leicht von der einen Seite der im Volke lebende Mythus
von Baldrs Tode, von der andern — später vielleicht und, wenn Freyr
nur dort lebte, erst im Norden, — derjenige von Frey's wunderbarer
Ankunft und von seiner Brautwerbung zu einem organischen Krystall-
Gebilde zusammenschießen, «las in seiner Undurchsichtigkeit den Ur-
sprung aus verschiedenen Elementen nicht verleugnet.
In den bisherigen Vermenschlichungen der Freyssage trat der
kommende Fruchtbarkeitsgott als einfache Wiedergeburl "der Ge-
mination eines frühem auf. ähnlich wie sich der Himmelsgotl Zeus
zu dem Bimmelsgott Uranos verhält (so Kretin» II. 111 zu Frotho I;
Sceäf und die Beövulfe zu ihren jeweiligen Vorgängern), oder aber
er erschien in Verbindung mit einer Gattin, d. h. mit der scheuen
Jahreszeit, wie Dionysos und Persephone so Siegfried, — wie Freyr
selber mit der Priesterin), in beiden Fällen bisweilen mit <h'V Andeu-
tung des „Ungeborci Nun weiden wir aber auch den schwin-
denden und den kommenden Gott im Bruderverhältniss zu einander
antreffen, wie dort bei Kaster und Pollux, welche Tacitus dann wieder
in den deutschen Alces erblickt.
Saxo's Freyr hieß oben Frotho. Frotho'fl 1. Vater isl Badingus
oder Baddingue diese Schreibung S. 93). Er wird von seiner Gattin
Regnilda gerade so gewählt, tvie des Gotl I j r Vater, Niördr, von
Beiner Skadi (Bragaroect. 56 : aur die Füsse des Bräutigams sind sieht
bar — Regnhild hat den ihrigen durch das schon erwähnte Ein]
eine.- Ringes in die Schenkelwunde bei der Beilui
S. L6) - und darnach wählen die Frauen, und /.war irrthumlich; i
206 FERD. VETTER
doch mit schlechtem Erfolg. Beider Ehen sind unglücklich: Hadding,
wie Nördr, liebt das Meer, Regnhild, wie Skadi, die Berge; man hat
längst bemerkt, daß ihre dabei gesungenen Lieder (Gylfag. 23 und
Saxo 17. 18) fast wörtlich stimmen. Also: Hadding ist Niördr, oder,
was nach der Mythensprache dasselbe ist, indem Sohn und Vater meist
dieselbe Gottheit bezeichnen, Freyr selber; wir haben ihn geradezu
als ursprünglichen Sommer- und Fruchtbarkeitsgott aufzufassen, wozu
auch der (bei Niördr und Freyr vergessene) Ring im Schenkel stimmt.
Aber dieser Hadding kommt noch anderswo vor, und zwar immer mit
einem Bruder. Zwei Haddinge (tveir Haddingjar) nennt das Ge-
schlechtsregister Ottars im Hyndluliod (22) als Arngrims Kinder, duo
Haddingi auch Saxo (93) als Söhne des Arngrimus; Haddingjar herr-
schen über die Landschaft Haddingjadal ; nach der Hervararsage sind sie
Zwillinge*). Hasdirigi oder Astingi (vgl. die hochd. Hartunge, die ags.
Heardingas) nannten sich in historischer Zeit die vandalischen Könige,
was auf die Etymologie geführt hat: goth. Hazdiggos, zu an. haddr,
Haarlocke: die Gelockten. Wenn nun die Heldensage zwei Haddinge,
zwei „gelockte" Helden hat (die sich dann in spätem Sagen zu
einem Heldengeschlechte erweitern^ und einer derselben, Frotho's Vater,
= Niördr oder Freyr ist, so kann der zweite Bruder, der zweite Hadding,
kein Anderer sein, als der wiederkehrende Fruchtbarkeitsgott**), der
wiedergeborne Freyr, der in der ags. Heldensage Sceäf heißt.
Ein entschiedenes Zeugniss für den Brudermythus von Freyr.
Diese deutschen Dioskuren, Freyr und seine Wiedergeburt, oder
die beiden Haddingischen Zwillinge, sind es nun ohne Zweifel, die
*) Wenn Haddingjaskadi, wie nach Helg. Hund. II (Schluß) und Fornaldarsög.
2,8 die Karalieder den zum zweiten Mal wieder geborn en Helgi (der auch eines
Sigmunds Sohn ist) nennen, wirklich (nach Simrock Edda 177) „Haddingja-Heldu,
d. h. wohl Hadding, bedeuten würde, so hätten wir ein directes Zeugniss für dessen
Wiedergeburt; dieser zweite Hadding wäre der wiedergeborne Hadding, d. h. Freyr.
Hoch scheint die Übersetzung „Haddingsschädiger" d. h. = Tödter, vorzuziehen, ob-
gleich ich nicht weiß, worauf sie sich beziehen soll. (Auch Helgi Hiörvards Sohn heißt
bei Rask Haddingsjaskathi, vgl. Kuhn's Zeitscbv. 1, 8?.)
**) Saxo berichtet auch wirklich (p. 12) eine Wiederkehr oder Rückführung
Haddings d. h. Frey's, wo aber die Gemination bei der Rückkehr noch nicht einge-
treten ist: Er ist in einer Schlacht geschlagen — es ist die alljährliche Schlacht zwischen
Sommer und Winter, in welcher jener fliehen muß; — auf der Flucht naht ihm ein ein-
äugiger Greis, stärkt ihn durch einen süßen Trunk, entführt ihn in seinem Mantel auf
einem Zauberpferde über das Meer, wie der Erstaunte durch die Risse des Mantels
gewahrt, und bringt ihn wieder in die Heimat. Andere ähnliche Rückführungssagen
(Simrock, Myth. 170 ff.) fügen noch die zu Hause harrende Gattin hinzu, die eben im
Begriff ist, sich einem Andern zu vermählen: es ist die Göttin der schönen Jahreszeit,
FREYR UND BALDR. 207
Tacitus unter eleu als Alces bekannten jugendlichen Brüdern der Naha-
narvalen versteht. Sirarock (295 f.) deutet diese, nach dem Vorgange
von Grimm und Müllenhoff, als Baldr und Vali (oder Hödr, Hermödr),
muß aber dann (317) eingestehen, daß er den Hadding, Frotho's Vater,
also einen unzweifelhaften Wanen, mit diesen beiden Alces-Haddingen
nicht zu verbinden wisse. Gewiß ist dieß unmöglich, wenn diese Alces-
Haddinge Baldr und seine Wiedergeburt sind; aber sie sind eben Freyr
und der wi ede rgeborne Freyr; der Haddingus (Niördr-Freyr)
Saxo's ist mit dem einen Hadding der Heldensage, ist mit dem einen
der Alces identisch.
Alkeis, „die Leuchtenden, Glänzenden" passt eben so gut auf den
Sonnen- , Sommer- und Fruchtbarkeitsgott mit seiner Wiedergeburt,
als auf den Lichtgott; es kann sich zugleich auch auf die Augen (vgl.
Siegfried) und auf das lange glänzende Haar der Hazdiggös, der „Ge-
lockten" beziehen, zu welchem dann wieder ihre Verehrung muliebri
ornatu, d. h. wohl vor Allem mit weiblich langem Haarschmuck, stimmt.
Auch einer andern Sommer- und Getreidegottheit, der Sif, wird ja
langes goldenes Haar zugeschrieben (Sifjar haddr); es wird ihr abge-
schnitten und wieder ersetzt, was auf den Sommersegen gedeutet wird
(Grimm, Myth. 286). Der Hain, in dem sie verehrt werden (Germ. 43)
kann der Hain Barri des Freysmythus sein, wie der sacerdos muliebri
ornatu zugleich an die Vermählung des wiedergebornen Gottes und
an die in Schweden mit ihm herumgeführte Priesterin erinnern dürfte.
Der Mythus dieser Alces der Nahanarvalen wäre also, nach
Analogie derjenigen von den I laddingen, mit denen sie auch Simrock
identifiziert und deren einer unzweifelhaft Freyr ist7 etwa aus folgenden
Zügen zu rekonstruieren: Der schöngelockte junge Fruchtbarkeitsgott
stirbt, vom Wintergott besiegt, und steigt mit den Schätzen der schönen
Jahreszeit in die Unterwelt hinab ; aber er erscheint im Frühling aber-
mals auf der Oberwelt, entweder zu Schiffe oder — im Biunenlaude
die des aus dem Tode wiederkehrenden Befreiers harrt. Diese Rückführung des ver-
folgten in den Todesmantel gehüllten Gemahls zu der vielumworbenen Gattin, nebst
der Landung des schlafenden, schätzeumgebenen Sceäf, erinnern, wieder lebliaft an
den Ulixes des Tacitus, der ja auch, aus dem Haus und dem Todtenreich derKalypso;
durch Götterhände über's Meer gerettet, schlafend mit seinen Schätzen an der heimat-
lichen Käste ausgesetzt wird und die üppigen winterlichen Freier, gerade da sie den
entscheidenden Weitschuß um Penelope versuchen, im Schießen besiegt and tödtet
— die in Asciburgium lebenden Freys-Sagen von einem solchen Sceäf- oder Haddings-
ähnlichen Helden konnten Tacitns recht gul an Odysseus gemahnen. Vielleicht darf
man sogar hei dem Faßorakel dei Skadi und Kegnilda an die Ki kennung durch Eury-
kleia heim Faßwaschen denken,
208 FERD. VETTER
— im feierlichen Aufzuge zu Wagen, wiedergeboren in Gestalt eines
ihm völlig ähnlichen Bruders, der den Widersacher überwindet und
dann im grünen Haine sich mit der vom Tode auferweckten Göttin
der schönen Jahreszeit verbindet. Analogieen genug für Tacitus' Aus-
spruch: ea vis numini. Ein Nebenumstand: daß die Brüder gemein-
schaftlich bald auf der Ober-, bald in der Unterwelt leben, findet aller-
dings keine Parallele — wie übrigens auch bei Baldr nicht: Hermödr
kommt nur als Bote für eine Nacht in die Unterwelt (Gylfag. 49), und
auf der Oberwelt ist gar nicht er Baldrs Pollux, sondern Vali, der
aber auch nicht mit ihm lebt. Es scheint dieses Zusammenleben auch
in der klassischen Mythologie eine minder wichtige und für die Götter
des Jahreswechsels wenig passende ethische Zuthat; das Wesentliche
war jedenfalls das Bruderverhältniss zweier Jahresgottheiten, die zwi-
schen Ober- und Unterwelt sich theilten; — und das traf ein. — Und
vielleicht war damals das Verhältniss noch demjenigen in dem paral-
lelen und offenbar gleichbedeutenden Mythus von Frey's Eltern, dem
sonnigen Niördr und der winterlichen Skadi, ähnlicher, die sich auch
zuerst dahin vergleichen, regelmäßig neun Nächte in Thrymheim und
andere neun (oder drei?) in Nöatün zu wohnen (Gylfag. 23), was den
Römer sofort an Kastor und Pollux erinnern musste.
Jedenfalls fand also Tacitus auf dem Festlande bereits des Gottes
Wiedergeburt als seinen Bruder mit verehrt. Der Norden, der in
Baldr-Vali schon einen Brudermythus hatte, entwickelte den von Freyr
selbst nicht weiter (höchstens die Figur Skirnirs ist ein Ansatz zur
Gemination), wohl aber nahm er ihn in die Heldensage auf, ihn auf
Hadding, Frotho's Vater, und seinen Zwillings bruder übertragend.
Indem wir nun noch einmal die betrachteten Sagen vom ver-
schwindenden und wiederkehrenden Fruchtbarkeitsgott zusammenstellen
(an welche sich dann als Ausläufer auch diejenige von dem seineu
Bruder aus dem Drachenbauche befreienden Wolfdietrich oder Siutram
(Simr. 296) und weiterhin die an Seeaf anlehnenden Kornkindsagen an-
schließen*), so erhalten wir folgendes Schema:
*) Wie ich dieß im Programme der Bündnerischen Kantonsschule 1872 „Zwei
Churer Sagen und die Götter Freyr and Baldr" nachzuweisen gesucht habe, aus den
im Obigen das auf die Götterlehre Bezügliche in erweiterter Form reproduziert ist.
Zu- den doit zusammengestellten Sagen vom gefundenen und verlorenen Koni-
kind, schweren Kiml, Erntekind (Grimm, deutsche Sagen N. 14, Simroeh, Rheinsagen
489, beide aus C'hur; Sutermeister Märchen 1, Schweizersagen I, -273. 345; II, 244;
Sprecher, Pallas Rhsetica 1617. p. 219, Völsünga S. c. 1, Preller, Griech. Myth. I, 158.
159. 167 u. a.) ist mich die merkwürdige Parallele aus Job. v. Tinemouth 1,14. Jahrh.)
nachzutragen, wo auch der Na igus Hasdingus) in mißverstandener Form als
BALDR UND FREY«.
l'09
Scheiden Wiederkehr
des Fruchtbarkeitsgottes.
Widersacher.
(Naturkräfte.)
Personif. oder
Syrab. d. schö-
nen Jahresz.
Frey' s Tod.
F r e y' s Wiedergeburt u.
Brautwerbung.
Beli.
Gerdr.
Alx I. (Castor).
lT Haddi}ng.
Alx II. (Pollux, Ulixes).
IIr (oder rückgeführter)
H a d d i n g.
?
V
Sacerd. mul. oru.
Regnilda.
Frotho (Frödi) I.
Frotho II. III.
Zauberin.
Hanunda.
Seeät's i^Scyld) Absch.
und HrSdgärs Noth.
Sceäf's Ankft. u. Be6-
vulf s. Sohn, sowie
Be6v. d. Geäte.
Grendel
glückl.Regierung.
Schwanritters Absch.
Schwanr. *s Ankft.
Herzog.
Prinzessin.
von Baldr entnommen
Ortnit.
Siegfried's Geburt u.
Werbung.
Wolfdietrich.
Drache etc.
Drache.
Brynhild-Güdrün.
Baltram.
Sintram.
Drache.
-
So glauben wir den Doppelmythus vom Schwinden und
Wiederkommen Frey's aus seinen Nachfolgern ergänzt zu haben,
nachdem uns deren Zusammengehörigkeit mit Freyr statt
mit Baldr durch ihr Wesen, und dann namentlich durch das Zwischen-
glied Frotho-Hadding. das sich nur mit Freyr verbinden lässt, klar
geworden war.
Das Alles wiire nun wohl auch bei un germanischem Ursprung
derWanen möglich, wie er Germ. XV1J, 197 ff. mit vielem Scharfsinn
zu erweisen versucht ist: Siegfried und die spätem Freyssagen könnten
aus der Heldensage des Nordens entlehnt sein. Aber wenn wir dann
daneben mit den Alces, die wir nach den Haddingen auf Freyr deuten
mussten, schon für die früheste Zeit auf unzweifelhaft deutsches
Gebiet geführt werden, und die Nachweisungen Frouwa's, von Grimm's
Mvth. an, in Anschlag bringen, so dürfte alles in allein doch die Be-
hauptung sehr gewagt erscheinen, daß sich auf deutschem Boden nir-
gends Spuren der betreffenden Gottheiten nachweisen lassen (198). Zu-
Xeslingus wiederzukehren und zur Auffindung des Kindes auf dem Baume statt im
Felde (wie auch sonst vereinzelt: Rocbholz a. a. O. 1, 86) Anlaß gegeben zu haben
scheint
Eines Tages, als Aelfred «1. Gr. im Walde jagte, vernahm er das Geschrei eines
Säuglings, das von einem Baume herunter ertönte. Kr sandle Beine Jägei ab, damit
sie der Stimme nachforschten. Sir kletterten den Baum hinauf und fanden auf dem
Gipfel im Horste eines Adlers ein wunderschönes Kind, in Purpur gekleidet und mit
goldenen Spangen an den Armen. Der König gab den Befehl es aufzuheben, zu tauten
und wohl zu erziehen. Als Erinnerung an die seltsame Entdeckung ließ ei ihm den
Namen Nesthiyus beilegen.
I KMANIA N< ic Reihe VII (XIX. Johrg.) I I
210 FERD. VETTER. FREVR UND BALDR.
dem ist die Elimination der durch die Handschriften, und der Form
nach durch den nordischen Niöntr so wohl beglaubigten Nerthus aus
der suebischen Mythologie (199) — worauf natürlich das meiste Ge-
wicht liegen muß — und die Substitution einer (h) Erthu — Jörd (nach
dem nehertum jener einzigen Handschrift) doch allzu kühn, und wird
auch, angesichts des goth. ahd. airtha, erda, durch die Bemerkung
nicht annehmbarer, daß der Umlaut in Jörd auf einen u- Stamm
hindeute: -- entspricht doch auch dem an. hiörd, nicht bloß im
Ahd. (wo ja keine weibliche u-Declination mehr existiert) ein herta
(und nicht hertw), sondern auch im Goth. ein hairda, nicht hairdws
(Skr. gardha). -- Hinwiederum wiegt, gegenüber dem Bernstein und
Knüttel, gegenüber der nach Tacitus britannisierenden (aber deßwegen
wohl noch lange nicht slavisierenden) Sprache*) und dem Anklang von
Brisinga men an „Preussen" **), doch das bestimmte nritus habitusque
Sueborumu gerade für die Religion zu schwer, um bei dem von den
Astiern nach Norden gewanderten Freyr an einen nichtdeutschen Gott,
etwa Pikullos (206) denken zu können. Die mater deum der Astier
sodann (201) passt auf die jungfräuliche Freyja schlecht; wir werden
jene eben doch mit der suebischen Terra mater = Nerthus, vermuth-
lich Niörds erster Gattin***), zu identifizieren haben. — Und wenn auch
Ingunar Freyr, freä Ingvina, Yngvi-Freyr wirklich nur der Freyr des
Ingsfreundes oder des Yngvi (Octinn), der Herr der Ingsfreunde ist, so
liegt denn doch der deutsche Stamm der Ingsevonen zu nahe, um sie
nicht mit diesem Ingsfreund oder diesen Ingsfreunden, und zugleich
mit dem Helden der Ostdänen, Ing, der diesen Namen unter den
Heardingas (Haddingi, Astingi = Frey) erhalten habe, in Verbindung
zu bringen; — näher gewiß als die Annahme, daß aus dem Beinamen
das Stammvaters < Idinn ein selbständiger Stammheros geworden sei, der
dann mit Freyr zusammenfloß (204) f). — Doch das Alles bedürfte
Das gul deutsche Wort, das uns Tacitus aus ihr erhalten hat, bezeichnet
er eben doch zu deutlich als sestisch: quod ipsi glesum vocant.
Wo denn doch «las norwegische Brising (Lustfener, bes. 'Sonnwendfeuer,
Germ. XVII. 237) näher liegen dürfte; der Name dieses Schmuckes weist wieder auf
die lichtbringende und solstitiale Seite des Wanenpaares hin.
***) Vielleicht war sie zugleich seine Schwester, wie denn auch Frey und
Freyja, dip sieh als Geschwister auch im Namen so nahe berühren, ursprünglich ver-
mählt gewesen zu sein scheinen.
; Eine weitere Abhandlung von Meyer, eine einseitig Balderisierende Er-
klärung der Nibelungensage (im Programm des Pädagogiums zu Basel 1874), die mir
nachträglich zu Gesichte kommt, beruht auf denselben, meiner Ansicht nach irrigen
Ergebnissen von der Undeutschheit Frey's, die für seinen Ursprung, und vollends für
seine spätere Sage, mir nach Obigem durchaus nicht erwiesen ist,
FERDINAND VETTER, KLEINE BEITRAGE. 211
einer näheren Begründung, zu der hier der Ort nicht ist: — genug,
u'riin. ganz abgesehen einstweilen von seinem Ursprung, im Obigen
das Fortleben des Freysmythus neben, nieist aber sein
Vorherrschen vor dem Baldrsmythus im Norden wie in
Deutschland gesichert ist.
CHÜR. FERDINAND VETTER.
KLEINE BEITRAGE.
DEUTSCHE DREIKÖNIGSLIEDER AUS ROMANISCHEM LANDE.
Die folgenden deutschen Lieder, welche aus Ems (Doraat) bei Chur
und aus Sa lux (Saluof) im Oberhalbstein — zwei ganz rhätoromanisch
sprechenden Dörfern — stammen, und auch in Chur zuweilen am Drei-
königstage von umherziehenden und einen Stern tragenden romani-
schen Knaben nach eigenen alten Volksweisen gesungen werden,
dürften als versprengte Reste älterer deutscher Sprache, die sich unter
der katholischen romanischen Bevölkerung erhalten haben, während
sie in den deutsehen Gegenden verschwunden sind . einiges sprachge-
schichtliche Interesse bieten.
Der Vorstellungskreis ist ganz der mittelalterlich-deutsche, mit
aller volks-mäßigen Naivetäl der Misterien; die Formen und Wendungen
(/.. B. der kennt mich hart. — Sterren u. s. \\\. die im jetzigen Dialect
längst verschwunden sind . beweisen eine, auf einer .alleren Sprachstufe
erfolgte, frühe Aufnahme aus dem Deutschen. Einiges ist freilich durch
die mündliche Überlieferung, die noch heute sehr Vieles in diesen
deutschen Liedern ganz ohne Verständniss fortpflanzt, bis zur I u
kenntlichkeit entstellt und erschwer! eine Bestimmung von Zeit und Heimat.
CHUR. I ERDINAND VETTER
1. ;..
Mir wellen Gott lieba, mir wellen Gotl loba
Mit da heiliga drei König mii Ehre und Stern;1)
Sie suchen da Jesus, sie hatten ihn gern.
Sie Buchen wohl bes am dritta 'I >
.Mit weinigen Augen, mii Rosenkmnz
1 Anderwärts richtig: mii ihrem Stern. Varianten: Wir k ien ilahera im
Viiii. i des II.ii.i. W'ii sncheri Herr Jeans, wir hätten ihn gern; oder: <li>' heiligen
drei Küni'j mit ihrem Stern, sie suchen Flerr Jesu sie hätten ihn gern En
I I
212 FERDINAND VETTER
Sie kommen wohl wo Herodes haust;1)
Herodes er schaut zum Fenster hinaus.
Herodes er sprach mit falschem Betracht:
„Warum ist der vordere König so schwarz?-' -)
„„Er ist so schwarz, er ist wohlbekannt,
Er ist ein König aus Morgenland.""
„Ist er ein König aus Morgenland,
So biet' ich drei Herren die rechte Hand." s)
„„Die rechte Hand die bieten wir nicht;
Du bist ein Herodes, Avir trauen Dir nicht.
Der König so schwarz er ist wohlbekannt,
Er ist Kasper und König von Morgenland.
No ivie und warum ist der Himmel so blau?
No wie und warum, ist der Himmel so Im? 4).
Wir wollen noch hi am Bethlachem,
Wo Christus und Jesus geboren war. 5)
Wir treten alle drei im Stadel hinein
Und fanden Maria, das Kindolei.
Das Kindolei war nacket und bloß;
Wir gabens Maria der Mutter im Schooß.
Joseph der zog sein Hemdelein ab
Und schnitt dem Christkindli zwei W'indolein ab.
Zwei Windolein ein Wechseltuch,
0 Jesu drei Namen ein Regentuch.
In einigen Varianten der Anhang:
Z'Jahr um z'Jahr um wird wiederum kommt. (?)
Wir wünschen euch Allen ein gut's Neujahr.
Ein guts Neujahr und was noch mehr?
Die gute Gesundheit und auch die Ehr.
Ich bin der König aus Engelland,
Kurz und lang ist mein Gewand.
Ein bocksbäumene Nas' und ein schneeweißen Bart:
Der mich niemals gesehn hat, der kennt mich hart.
I. b.
O Gott, sie wollen wir loben und ehrn,
Die hl. drei König mit ihrem Stern.
Sic kamen in Herodes sein Haus;
Herodes war ihnen jjanz unbekannt.
') Vor Herodes sein Haus (Ems). J) Bist du des Königs Kaspers aus Morgen-
land V 3) u. tf. : Sie komme hera inans bott amreclitig Hand(?). Amrechtig Hand
das bitten wir nicht, du bist Herodes, dir glauben wir nicht (Salux). 4) Fehlt
anderwärts. 5) Hierauf als Schluß anderwärts (Salux): Mein liebe, meine Herra
kommen eben zu Dir, Ich bitte uns halta in Ehre und Freud. Sie gehnden treu ins
Judenland, Sie suchten Maria und's Kindelein. Das Kindclein ist nacket und bloß, sie
legten'a Maria auf ihren Schooß.
Kl. KIM, BEJ rRÄGl 21!
„Meine lieben drei Herren, wo wollet ihr hin?"
,. „In Bethlechem steht unser Sinn.
Es rst geboren ein Kind ohne Mann . !
Dem Himmel und Erde war unterfhan.""
Wir sind allhier auf jeden Platz .
Und wünschen euch Allen ein guts Neujahr.
Ein guts Neujahr und was noch mehr?
Die liebe Gesundheit und auch die Ehr. 2)
IL*)
Ich lag in einer Nacht und schlief;
Mir träumts, wie mir König David rief.
Wie ich ihm sollte räumen3)
Von den hl. drei König ein neues Lied,
Sie liegen zu Köllen am Rhein.
Der Tag der reist4) wohl aus dem Thron ;(?)
Wir singen das Kindolei Jesu an;
J:Von Maria blüht ein Rosen :j.
Von Maria geboren ein Kind ohne Mann,
') Mißverständlich auch: eiu Kind und ein Mann. 2) Zu I a und I b vgl.
noch die romanische Form (wahrscheinlich Bearbeitung):
Ils treis sontg säbis dil Orient ,
Eis mavan enconter a Bethlacheni ,
II Caspar, il Melchior ed il Balthasar.
II Caspar quell era dil Morenland,
II Melchior quell era dil Orient .
II Balthasar era dil Oxident.
Eis mavan vi, e sut il casti
Dil retg Herodis da speras vi. (vorbei)
Herodis quell era sil aulti tron,
Ed el emperava, nua ei lessien ir.
Eis respondettan con legermeut:
„Nus lein fr enconter a Bethlacheni.
La steila la quala ha nus nianau,
Sur la stalla ha ella fermau.
De coramein havein nus ku s'enclinau,
Quest niev retg Jesus salidau".
O sontga Maria e sontg Joseph .
Ilrbescha a nus betrast c, confiert.
A quei aft'on dil sontg parvfs
O Jesus seies miu salit.
O Maria e tiu affon,
Dai a nus in legreivel e bien onn.
Per bein viver e bein m<>iii
A nus suenter il sontg parvis.
I! sontg parvis ed in legreivel bien onn;
Sehe vub deis insatgei Bche dei in bien ton. (rechl
sj Mißverständlich für reimen. *) Für reis (zu nd eines der Bell
Beispiele, wo risen eine Bewegung von unten nach oben bezeichnet?
*) Über dieses Lied, das zuerst in einem Gesangbuche von 1646 vorkömmt, s.
Weinholds Weihnacbtssp. 8. 128. Schröer Weihnächte?. B. L12. 198. Ditfurl fränk.
Volkslieder 1, S. 1U.
21| i ÜTOLF, KLEINE BEITRÄGE ZUR MYTHOLOGIE.
Dem Himmel und Erde war unterthan,
|: Das Paradies war aufgeschlossen. :|
Den werthen Engel trag sein Kron(?)
|:Die Mutter unsers Herren :|,
Und da das Kindelein sei geborn.
Den hl. drei König kam es ein Schein
I: Von einem Licht und Sterren :|.
Der hl. Geist gab ihnen ein Sinn ,
Daß sie nahmen Gold, Weihrauch und Mirchen;
König Caspar kam aus Morgenland,
Balthasar aus Griechenland zu Haus,
|:Melhior aus Osterreiche. :j
Sie folgten dem Stern gar fleißig nach,
Sie wollten das Land durchstreifen;
Und als sie gegen Jerusalem kamen,
Ein großer Berg vor ihnen stund,
Und der Nord wollt ihnen entweichen. (?)
König Kaspar zu den andern sprach:
Heut wollen wir hier verbleiben.
(Schluß scheint zu fehlen und wird nicht gesungen.)
KLEINE BEITRÄGE ZUR MYTHOLOGIE.
1. Aberglauben.
a) Aus dem 'Büchel vom jüngsten Gericht' *).
S. 158: „Lucifer hatte kaum ausgeredt, so waren die alten Weiber
da. Die meisten unter ihnen hatten Brillen auf der Nasen. Lucifer
sagte: Wie, daß ihr zu Fuß kommet, seynd keine Gabel, Bock oder
Hunde mehr zum reiten V Wisset ihr, daß mit euch nicht lang zu dis-
putieren ist, sintemalen der Pact, welchen ihr mit uns geschlossen,
nicht wird aufgelöset werden, drum nur fort mit euch. Denen andern
aber sagte er: Was habet ihr nicht vor ein abscheulichen Hauffen
Aberglauben unter die Leute gebracht. Als wann ein Weib ihre Hoch
zeitschuh zerbrochen, so ist ein unfehlbares Zeichen gewesen, daß
sie von ihrem Mann hat müßen geschlagen werden. Wer Erbsen und
Bohnen isset, und selbige Wochen dergleichen säet, dem gerathen sie
*) Das Titelblatt ist weggerissen; der angegebene Titel stellt in der Vorrede.
Das Büchlein in 8. ist nicht vor Drexelius S. .'. entständen, da dieser Jesuit als Ge-
währsmann citiert wird.
K. BARTSCH, BRUCHSTÜCK EINER HS. VON HEINRIC1 81 MMARI1 M. 215
nicht. Wer ein Gewächs am Leibe hat, <in- wasche sieh inil Irischem
Wasser, welches aus einem Bach geholel worden in wehrender Zeit,
daß man einem zur Begräbnuß läutet: Ks hilffit. Wer ein neu
Meß er kaufft, seil den ersten Bissen, den er damit schneidet, einem
Hund*) zu essen geben, so verliert er das Messer nicht. Wer einen
Storch zu allererst sieht kommen, und heist ihn willkommen, dem
thut das ganze Jahr kein Zahn wehe. Wer drey Feyertäg deß
Morgens den rechten Fuß zuerst aus dem Beth setzet, dem drucken
die Schuhe das gantze Jahr keine Blattern. Wann man einer Hennen
am Frey tag**) Eyer unterlegt, so werden die Hünl vom Vogel ge-
fressen. Wer eine Hasen-Bone findet, und isset sie, der kriegt sein
Theil vom selbigen Hasen. Wann ein Weib ihre Katze nicht verlieren will,
die schmiere ihr die Tappen drey Abend mit Butter. Welcher spielet
und mit dem Rucken gegen den Mond sitzet, der verspielet***).
Wann dir das rechte Ohr singet, so sagt man eine Wahrheit; ist es
das linke, so saget man eine Lügen von dir, alsdann beiße in die
ubern Hat'i't an deinem Hembd, so wachset dem Lügner eine Blatter
auf der Zungen. Welcher des Morgens im Aufstehen nießet, der lege
sich wieder drey Stunde ins Beth, sonst ist sein Frau dieselbe Wochen
durchaus Meister. Wann man einen neuen Besen umbgekehret
hinter die Haus-Thüref) stellet, so kann keine Hexe hinein noch
hinaus. Diese und dergleichen unzählich vil Aberglauben, Seegen-
sprüch, Christall s ehen und Siebtreiben, welches ihr alles zum
Anfang der Hexerey geübet, daß doch nichts anders als Hexerey ist,
wessentwegen ihr dann jetzo mit uns ewig verdammt seyn müßet."
LÜTOLF.
BRUCHSTÜCK EINER HANDSCHRIFT VON
HEINRICJ SUMMARIUM.
Zu den von Rieger (Germania 9, 13) angeführt« q bisher bekannten
Handschriften und der von ihm bekannt gemachten Darmßtädter kommen
Bruchstücke einer siebenten auf der Heidelberger Bibliothek. Es sind
*) Verwandt mit einem Brauch in meinen Sagen der Urach weiz S. 333. e.
**) Verwandt mit I. c. 8. 676
***) Um Willisau im K. Lucern umgekehrt: wer dem Mond den Kücken kehrt
gewinnt. Mündl.
t) Ibid. S. 226.
216 K. BARTSCH, BRUCHSTÜCK EINER IIS. VON HEINR1CI SUMMARIUM.
zwei Pergamentblätter einer Handschrift in kl. 4. aus dem XII. Jahr-
hundert, das zweite ist oben um etwa ein Drittel beschnitten. In der
Reihenfolge der Capitel stimmt das Bruchstück mit der Münchener und
Wiener Handschrift, in der Schreibung am meisten mit jener. Das erste
beginnt in dem Abschnitt de generibus herbarum (Germ. 9, 22) mit
strignum uwa. lupina ramesdra. millefolium garwa. lupisticium vel libi-
sticium lupistechil. psilatrum sleifa. nebeta simiza. milleborbia drüswrz.
blandonia wllina. caleatrippa zeisala. liuendula lauendla. abrotanum
stabuwrz. melones bebenum. ypiricum harthö. cinis prionei le'ola. eusole
braewrz. gelidia nessiuurz. emicedo brachlöch. cardopana hebirwrz.
vulgago vel asaro hasiluuurz. carciola witesa. nirmendactila heilhübito.
didimo hanisora. colophonia harzuch. emorrois blnthfluzzida. tubura
ertnuz. acitura ampfra. trifolium kle. apiacum binisuga, gladiolum
suertil. carix riet, carectum rietahe. alga rietgras, papirus biniz. papi-
rium binizahe. gramen gras, fenum huo. cremium amad. acaliffa nez-
zili. Urtica grenanica heittirnezzili. paliurus agaleia. cardone karta.
arinca woluis zeisila. italica kazzinzagil. cardus distil. cardus siluati-
cus uuoluismilinch. Dann (roth) Item de herbis VIII. Darin quipparum
scathü. Quinquefolium uinfblat. papauer mago. aristolocia longa astren-
tia. lilium lielia. malua bappila
Das zweite beginnt in dem Abschnitt de reptilibus (Germania
0, 20), darin rane frochs (sie), ranunculus froschelin. sepius litthus. stro-
tus zigena. Dann der Abschnitt 'De avibus. XVII.' Darin ale feddach
rostrum snabil. ungues klauun. aquila aro. porfirio isaro. vultur gir
gradipes stocharo. grus kranich. esternulus kreia. ciconia storch, cig-
nus elbiz. strutio struez. ardea heigero. alietum heringriez. Die folgen-
den standen auf dem abgeschnittenen Stücke. Die nächste Glosse ist
vespertilio fledirmus. luscina(!) nahtegala. ulula uuuila. bubo huo.
nocticorax nathraben. istrix herbisträ (herbisträ). cornix kra. graculus a
garrulitate vocis roch, pica algeristra. orix vel glanda hehera. picus
spet. laoficus grünspet. picus merops vel gaulus martius prüespet.
pauo phavvo. gallus hano. gallinatus kappo. gallina henno. pullus hüni-
klin. anas vel aneta anit. anetus an'trech. auca gans. fulica horgans.
mergus merrich. merchulus tuchare. merga scarba (aus scraba). acci-
piter habic. (nisus) sparwere. mirhis smirl. capus ualcho. miluus wio.
larus muser. turtur lurtiltuba.
K. BARTSCH.
L1TTERATUR: M. HEYNE. KLEINE ALTS. F. ALTNIEDER. GRAMMATIK. 217
LITTERATUR.
M.Heyne. Kleine altsächsische und altniederf rank ische Gramma-
tik. Paderborn, Schöningh. 1873. VI, 120 S. 8.
Es war die Absieht des Verfassers, seiner Ausgabe des Hcliand wie der
des Ulfilas eine Grammatik beizugeben, die nun, weil die Vollendung derselben
sich verzögert hat, der zweiten Ausgabe des Heliand als ein besonderes Buch
nachgesendet ist, was für Vertrieb und Benutzung vielleicht noch zweckmäs-
siger ist. AViewohl die Grammatik zunächst für das Verständniß des Heliand
berechnet ist, so sind doch alle kleineren altniederdeutschen Denkmäler mit
berücksichtigt und wir haben daher darin die bis jetzt vollständigste Darstel-
lung der altsächsischen*) Laut- und Flexionslehre, freilich keineswegs eine er-
schöpfende, welche zu geben auch dem nächsten Zwecke des Buches gemäß
nicht die Absicht des Verfs. sein konnte. Dali das Niederfränkische mit hin-
eingezogen ist, wird man nur billigen. Der Verf. erklärt selbst, daß er damit
nicht eine besonders nahe Zusammengehörigkeit des Sächsischen und Nieder-
fränkischen behaupte, sondern daß ihn rein praktische Gründe dazu bestimmt
haben. Aber die Art und Weise, wie er beide Dialecte gegen einander abgränzt,
ist nach meiner Überzeugung nicht zu rechtfertigen.
Bekanntlich hat H. in der Zeitschr. f. d. Philol. 1 den Nachweis zu
führen gesucht, daß der Monacensis des Heliand in die Gegend von Münster,
der Cottonianus dagegen nach Werden gehöre, wohin er auch die Bruchstücke
eines Psalmeneommentars setzt. Diese Ortsbestimmungen haben mindestens einen
hohen Grad von Wahrscheinlichkeit und wenn der Cott. nicht nach Werden
selbst zu setzen ist, so doch jedenfalls in die Nähe davon, in das Grenzgebiet
des Sächsischen und Fränkischen. H. rechnet nun aber den Werdener Dialect
und demnach auch den Dialect des Cott. zum Fränkischen. Dagegen ist mit
Recht Protest eingelegt von W. Braune in den Beiträgen zur Geschichte der
deutschen Sprache und Litteratur I, 1 1 ff . Wir könnten uns damit begnügen
zu sagen: der Dialect von Werden und der des Cott. bilden eine Ubergangs-
stufe zwischen dem Fränkischen und Sächsischen, und somit den ganzen Streit
als müssig fallen lassen. Wenn man aber einmal, wie dies II. tliut, eine be-
stimmte Grenze ziehen will, so müssen wir diesen Dialect sächsisch nennen.
Die Entscheidung hängt davon ab, was wir als die eigentlich unterschei-
denden Merkmale des Fränkischen und Sächsischen gelten lassen. Als die
wichtigsten Kriterien für die Abgrenzung zweier Dialecte müssen solche Unter-
schiede angesehen werden, die nicht bloß partiell, sondern allgemein sind, nicht
bloß vorübergehend in einem bestimmten Zeitraum bestehen, sondern wo mög-
lich durch alle Jahrhunderte durch gehen, oder wenigstens, wenn sie auch
später etwas verwischt sind, in eine möglichst frühe Zeit zurückgehen und in
*) Für «las Almiederfränkischi dei Psalmen haben wir jetzt genaue statistische
Zusammeiistelluncon von I' i Cosijn, l >• ondnederlandach« psalmen. Haarlem, Erven
i'.. Bohn. 1*7.",.
218 LITTERATUR; M. HEYNE, KLEINE ALTS. IT. ALTNIEDFR. GRAMMATIK.
dieser eonsequent durchgeführt gewesen sind; denn auf die ursprüngliche Schei-
dung kommt es an. Nach H. bestünde der Hauptunterschied des Fränkischen
vom Sächsischen in der Diphthongisierung des 6 und e zu uo und ie. Indessen,
wenn ich auch die Bedeutsamkeit dieses Unterschiedes nicht unterschätzen will,
so Hegt es doch nach dem Gesagten auf der Hand, wie untauglich derselbe
zum Hauptkriterium ist. Denn erstens ist die Diphthongisierung noch sehr neu,
höchstens bis in das achte Jahrhundert zurückreichend , zweitens ist sie nicht
ganz durchgeführt , da neben uo in den Ps. , im Cott. und in den Werdener
Denkmalen 6 vorkommt, drittens verscli windet uo sehr bald wieder und es
besteht dafür im späteren Niederfränkischen wieder ein dem ü nahestehendes o.
Ausser der Diphthongisierung ist es aber hauptsächlich nur noch eine Eigen-
tümlichkeit, die der Cott. mit den Ps. im Gegensatze zum Mon. gemein hat,
die Abschwächung der Dativendunst der Adjectiva zu un, on. Diese ist ein
nicht unwesentliches Charakteristicum des Niederfränkischen, aber auch sie ist
sicher jung; übrigens ist sie im Cott. nicht durchgeführt und findet sich ver-
einzelt im Mon. Später ist sie dem Sächsischen nicht fremd, findet sich be-
sonders auch in den an das Fränkische stoßenden Gegenden , die von H. zum
Sächsischen gerechnet werden, während sie gerade der Werdener Dialect wie
auch der Psalrneneommentar nicht zu kennen scheint (cf. Braune a. a. 0. 14).
Außerdem finden sich nur vereinzelte Berührungen von untergeordneter Bedeu-
tung zwischen dem Cott. und den Ps., wie z. B. einige Andeutungen des Um-
lautes von u, der Übertritt von sdian und büan in die schwache Conjugation.
Wenn der Cott. einige Besonderheiten des Mon. nicht theilt, so begründet das
natürlich keine Verwandtschaft zwischen seinem Dialect und den Psalmen.
Dagegen steht nun eine Reihe von Verschiedenheiten des Sächsischen
und Fränkischen, bei denen sich der Cott. und auch der Werdener Dialect zu
ersterein stellen. Hiervon hat bereits Braune auf folgende aufmerksam gemacht.
Erstens: Das wichtigste Charakteristicum des Sächsischen ist das Zusammen-
fallen der drei Personen im Plur. des Verbums. Die Übereinstimmung in die-
sem Punkte mit dem Fries, und Ags. spricht besonders für das hohe Alter
dieser Eigentümlichkeit, welche eine Spaltung der Dialecte begründete vor der
Scheidung von Ober- und Niederdeutsch. Allerdings tritt in jüngerer Zeit -en
statt -ed in der 1., 3. Pers. Plur. Praes. Int. auch im Sächsischen wie im
Fränkischen auf und überwiegt in den Grenzlandschaften. Aber das ist nicht
bloß in Werden der Fall, sondern gerade so gut in Essen, welches von II.
zum Sächsischen gerechnet wird; es ist also kein Grund zu einer Aussonderung von
Werden. Zweitens: Während im Alts, die Contraction von al und au zu e
und ö durchgeführt ist, finden sich in den Ps. und im Mnl. bis in's 13. Jahrh.
ei und au in denjenigen Fällen , in denen sie im Ahd. stehen , noch neben
e und ö. Die Contraction hat sich also im Niederfränkischen später vollzogen
als im Sächsischen, wo sie schon früher wahrscheinlich gleichzeitig mit dein
Fries, und Ags., vielleicht auch durch andere Zwischenstufen hindurch (ac, und
ao, dagegen im Niederfr. ei und ou) eingetreten ist; und es gab eine Periode,
in welcher ein durchgreifender Unterschied des Alts, und Altniederfr. dadurch
gebildet wurde, dass in ersterem nur i oder ö, in letzterem wie im ganzen
übrigen fränkischen Gebiet nur ai ödere/, au oder ou bestand. Drittens: Eine
Eigentümlichkeit, die das Niederfr. mit dem Mittelfr. theilt, ist der Verlust
des schwachen Gen. und Dat. Sing, des Fem. und des Gen. Plur. aller Ge-
L1TTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR, GRAMMATIK. 219
schlechter der Adjectiva, wofür überall die starke Form eintritt. Dieser Ver-
lust ist allerdings wohl verhältnismäßig jung. Braune trägt Bedenken ihn mit
Bestimmtheit dem Dialecte der Ps. zuzuweisen, da diese Interlinearversion sind
und überhaupt keine schwache Form der Adj. enthalten. Letzteres gilt auch
von dem einzigen alten mittelfränkischen Denkmale, welches wir neben den
drei ersten Psalmen besitzen, dem Trierer Capitulare, so daß auch für das
Mittelfränkische sich nicht entscheiden läßt, ob der Verlust der schwachen Form
alt ist. Die starke Form statt der schwachen findet sich sporadisch auch in
dem angrenzenden sächsischen Gebiet, aber wie es scheint, gerade r.icht in Wer-
den. Einige weitere Unterschiede sind von Braune noch nicht angeführt. Vier-
tens: Sächsisch, nicht fränkisch ist der Ausfall des Nasals vor folgender Spi-
rans 8, /, th. Nur vereinzelt steht Gl. Lips. 286 farkatha abominabiles. Dieß
ist wiederum ein alter Unterschied des Fränkischen und Sächsischen, da letzteres
den Ausfall mit dem Ags. und Fries, theilt, und da hierauf erst das Zusam-
menfallen der drei Personen des Plurals im Praes. Ind. beruht. Der ganze
Unterschied in dem Verhalten des Cott. zu dem des Mon. in Bezug auf diesen
Punkt besteht darin, daß er immer findan statt des öfteren fidan in M. und
je einmal ander und andran neben dem sehr häufigen odar hat. Im Psalmeu-
commentar steht muthe 76 und findid 78. In den Werdener Eigennamen be-
steht allerdings Schwanken zwischen -su-ind und -su-id. Fünftens: Der Dativ
der /-Declination ist im Alts, in die Analogie der ja-Stärame übergetreten
(gestiun, ensiium = fränk. gestin, enstin). So auch im Cott., nur trahnin 5924,
liudim 1277, liudin 5036 sind fränkisch. Im Psalmencomm. steht dadion 8. 11.
Sechstens: Nur die Psalmen, nicht die alts. Denkmäler und der Cott. kennen
das Reflexivum sig. sowie die Formen unsig neben uns und wir neben u-i.
Siebentens: In der zweiten schwachen Conjugation sind die Nebenformen auf
■qyan sowohl im Cott. als im Mon. üblich, fehlen dagegen in den Ps. Dieß
ist wieder eine Annäherung an das Ags. Bei einigen Punkten kann es zwei-
felhaft sein, ob die Abweichungen der Ps. vom Hei. als diabetische oder nur
als zeitliche Unterschiede zu fassen sind, so bei der Endung des Nom. Acc.
Plur. der Masc. der a-Declination 6s (us) = d. Doch scheint der Abfall des
s im Fränkischen früher eingetreten zu sein als im Sächsischen, da noch die
junge Hs. der Freckenhorster Rolle es öfter hat, während die Ps. keine Spur
mehr davon zeigen. Es ist zu beachten , dass in allen diesen Punkten sich
das Niederfränkische an das übrige Fränkisch, dagegen das Sächsische meist
an das Fries, und Ags. anschließt. In einer Hinsicht stehen noch die Ps. dem
Mon. und anderen alts. Denkmalen näher als dem Cott., nämlich darin, daß
noch öfter i für ä vorkommt, während im Cott. ausnahmslos ä steht.
Es ist demnach wohl klar, wie wenig zweckmäßig Heynes Eintheilung ist. Es
würde am gerathensten gewesen Bein, beide Dialecte ganz angetrennt zu behan-
deln, da der fränkische ja doch nur durch ein einziges nur in Trümmern er-
haltenes Denkmal vertreten ist und da so die doch immer einigermaßen ver-
mittelnde Stellung des Cott. sich am besten veranschaulichen ließ. Da aber
H. die Lautlehre des Sächsischen und Fränkischen nach Beiner Grenzbestimmung
getrennt behandelt, bo treten die Nachtheile der Eintheilung grell hervor. Es
wird dann unterschieden zwischen einem östlichen und einem westlichen nieder-
fränkischen Dialect und es muß dann in der Regel gesagt werden: im östli-
chen ist es wie im Alts., dagegen im westlichen vielfach anders, Zu dem
220 LITTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK.
westlichen muß dann aber das ganze Gebiet gerechnet werden, welches wir
allein fränkisch nennen möchten. Es läßt sich kein sprachlicher Grund dagegen
vorbringen, daß die Ps. nicht in dem östlichsten Theile des Fränkischen nach
unserer Grenzbestimmung entstanden sein könnten. Man erhält öfters durch
die Anordnung Heynes ein verkehrtes Bild von den Verhältnissen. So z. B.
wenn es S. 31 heißt: Gegenüber vielfachem Ausfall des deutschen Nasals im
Altsächsischen hält derselbe hier (im Frank.) sich besser, vorzüglich in den
Psalmen , so wird niemand danach denken, daß das Verhältniß so ist, wie wir
es oben dargestellt haben. In der Flexionslehre hat sich denn auch der Verf.
genöthigt gesehen seine Eintheilung ganz aufzugeben, Mon. und Cott. zusam-
menzufassen und die Ps. besonders zu behandeln.
Was nun die Lautlehre angeht, so sei es mir gestattet, bei dieser Ge-
legenheit auf die Nachtheile der in unseren Grammatiken üblichen Anordnung
derselben aufmerksam zu machen. Man pflegt seit J. Grimm eine Zusammen-
stellung nach den einzelnen Lauten oder gewöhnlich nur nach den Buchstaben
zu geben und darauf etwa einige allgemeine Betrachtungen folgen zu lassen.
Es wird dann dabei z. B. bei o durcheinander bald davon gehandelt, welche
Veränderungen älteres 6 in dem behandelten Dialect durchgemacht hat, bald
davon , welchen verschiedenen älteren Lauten das o des behandelten Dialectes
entspricht. Letztere Betrachtungsweise überwiegt aber bei weitem. Nur in
wenigen Grammatiken, wie denen von Sehmeiler und Schröer ist die ältere
Spracheinheit zum Ausgangspunkt der Darstellung der jüngeren dialectischen
Verschiedenheit gemacht. Und doch liegt der Vorzug dieser historischen An-
ordnung so sehr auf der Hand. Es wird dadurch möglich, mit Leichtigkeit den
Lautbestand aller auf eine gemeinsame Wurzel zurückgehenden Dialecte unter
einander zu vergleichen und eine klare Anschauung von dem gegenseitigen
Verhältnisse derselben zu gewinnen. Am allernothwendigsten ist es, wenn Pa-
rallelgrammatiken verschiedener Dialecte neben einander gestellt werden, von
dem Lautstande auszugehen, auf welchem die ihnen gemeinsame Ursprache un-
mittelbar vor der Trennung stand. Es ist z. B. nicht möglich, sich durch eine
Vergleichung von Weinholds alemannischer und bairischer Grammatik ein Bild
von dem lautlichen Verhältniß beider Dialecte zu einander, namentlich hin-
sichtlich der Vocale zu machen, und eben so wenig kann man daraus das ge-
genseitige Verhältniß der Unterdialecte des Alemannischen und Bairischen klar
ersehen. Dasselbe gilt von Holtzmanns altdeutscher Grammatik. Das Ver-
hältniß aller einzelnen Dialecte zu einander zu erkennen ist ja aber das eigent-
liche Ziel der wissenschaftlichen Grammatik. Und gerade dieses Ziel wird ver-
fehlt oder mindestens seine Erreichung bedeutend erschwert, wenn man bei der
Anordnung den jüngeren Sprachstand zu Grunde legt. Außerdem ist dieß Ver-
fuhren mit ein Grund, daß man bei der bloßen Buchstabenkenntniß stehen
bleibt, weil Jede orthographische Verschiedenheit besonders behandelt wird,
während das Ausgehen von älterem Sprachstande viel eher zur Erfassung des
Lautwerthes führt. Es hängt geradezu aller Fortschritt, den die Behandlung
der deutschen Lautlehre machen kann, zum nicht geringen Theile davon ab,
ob man sich allgemein entschließt, die bisher übliche unzweckmäßige Anordnung
mit der einzig zweckmäßigen historischen zu vertauschen und ich möchte die
dringende Bitte darum an alle richten, die sich an die Bearbeitung irgend
eines älteren oder jüngeren Dialectes machen. Für wissenschaftliche Zwecke
LITTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. 221
ist dieß eine unbedingt berechtigte Forderung. Aber auch für eine Grammatik,
die mehr der praktischen Erlernung dienen soll, wie das vorliegende Buch, ist
es durchaus wünseheuswerth. Wer altsächsisch lernt, der lernt dieß nicht iso-
liert; es ist vielmehr vorauszusetzen, daß er schon vorher gotisch und alt-
hochdeutsch getrieben hat. Er wird nothwendig eine Beziehung dazu suchen,
und je klarer ihm diese Beziehung ist, um so leichter wird es ihm, das Ein-
zelne dem Gedächtnisse einzuprägen. Diese Beziehung herzustellen liegt ja
auch durchaus in der Absicht des Verf, und dieß geschieht am besten, wenn
bei der Darstellung aller drei Dialecte von dem gemeinsamen Grunde ausge-
gangen wird Bei der Darstellung der ältesten germanischen Dialecte muß der
Ausgangspunkt das Urgermanische sein, auf dem Standpunkte, auf dem es sich
unmittelbar vor der Scheidung in Dialecte befand. Freilich ist dieser Stand-
punkt noch nicht allseitig bis zur Zweifellosigkeit festgestellt. Man mag sich
daher, namentlich für eine mehr praktische Grammatik begnügen, das Gothische
zu Grunde zu legen und dabei auf die ja nicht so bedeutenden sicheren Ab-
weichungen desselben vom urgermanischen Stande aufmerksam zu machen. Dabei
muß dann aber noch bei strengwissenschaftlicher Betrachtung für das Ahd.,
As. , Ags. etc. die Zwischenstufe des Süd- oder Westgermanischen beachtet
werden, welche für diese Dialecte die nächst höhere Einheit bildet, und die-
jenigen Veränderungen, welche etwa zwei benachbarte Dialecte gemeinsam ent-
wickelt haben. Auf eine solche nach den Lauten des älteren Sprachstandes
geordnete Darstellung der Lautlehre wird dann sehr zweckmäßig eine kurze
Uebersicht über das Verhältniß der jüngeren zu den älteren Lauten, nach den
ersteren geordnet, folgen. Durch eine solche doppelte nach vorwärts und nach
rückwärts gehende Betrachtung wird Klarheit und Übersichtlichkeit erzielt,
welche sowohl das Auffaßen als das Merken bedeutend erleichtert. Über die
Vorzüge dieses Systems kann wohl kein Streit sein. Ich würde es aber ferner
auch für vortheilhaft halten, das, was man jetzt am Schlüsse in den allgemeinen
Betrachtungen zu behandeln pflegt, lieber an den Anfang zu stellen. Die zweck-
mäßigste Disposition scheint mir folgende zu sein: man stellt zuerst den Voca-
lismus der nächsten bekannten älteren Sprachstufe fest, welche dem zu behan-
delnden Dialecte zu Grunde liegt; darauf behandelt man die wichtigsten Ver-
änderungen des Vocalismus, vor allem diejenigen, welche sich nicht bloß auf
einzelne Laute erstrecken, im Zusammenhange, und sucht möglichst deren Chro-
nologie zu bestimmen; darauf gibt man eine nach den einzelnen Vocalen der
älteren Stufe geordnete Darstellung von dem Vocalismus des jüngeren Dialectes
und schließt endlich daran eine nach den Vocalen des letzteren geordnete Über-
sicht über das Verhältniß zum älteren Spruchstande ; dasselbe gilt dann vom
Consonantismus.
Was nun Heyne's Verfahren in Bezug auf diesen Funkt betrifft, so folgt
er in der Darstellung des Consonantismus der üblichen Anordnung nach dem
jüngeren Lautstande, bei dein Vocalismus dagegen geht er von der älteren
Sprachstufe aus, verfällt aber dabei in einen anderen, ganz entgegen^esetztm
und nicht minder nachtheiligen Fehler, indem er nullt vom urgerraanhehen,
sondern vom indogermanischen Lantetande ausgeht, ein Verfahren, welches tun
so schädlicher ist, je leichter es in diu Augen des Unkundigen den Schein
großer Gründlichkeil erweckt, weil so weit ah möglich zurückgegangen ist. Bin
solches Zurückgehen auf die letzten Grundlagen isl aber nur dann wissen-
222 MTTERA.TUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. l\ ALTNIEDFR. GRAMMATIK.
schaftlich, wenn alle Zwischenstufen der Eutwickeluug sorgfältig beachtet werden.
Die Hauptzwischenstation zwischen dem Indogermanischen und dem Alts, ist
das Gemeingermanische. Uni dessen Laute und Flexionen festzustellen, brauchen
wir das Indogermanische. Wenn aber einmal das Gemeingermanische aus dem
Indogermanischen abgeleitet ist, so geht uns letzteres nichts mehr an, die ein-
zelnen germanischen Dialecte müssen aus dem ersteren abgeleitet werden. Eine
Zusammenstellung des altsächsischen Lautstandes mit dem indogermanischen
kann uns ebenso wenig befriedigen wie die des neuhochdeutschen mit dem go-
tischen. Wir wollen nicht bloß wissen, wie ein Wort einmal früher gelautet
hat, sondern wie sich seine Gestalt allmählich entwickelt hat. Es kommt darauf
an, immer erst die nächst ältere Stufe, den nächstverwandten Dialect zu ver-
gleichen und so allmählich zu einer immer höheren Spracheinheit aufzusteigen.
Wenn dieß strengwissenschaftliche Verfahren zu schwierig schien , so wäre es
jedenfalls nützlicher gewesen, einfach von den gotischen Vocalen auszugehen.
Nach des Verf. Darstellung sieht es gerade so aus als ob alle vocalischen
Veränderungen seit der indogermanischen Periode, etwa die Ersatzdehnung aus-
genommen, erst nach der Trennung der germanischen Dialecte in jedem ein-
zelnen Dialecte selbständig eingetreten seien. Das Verhältniß des Alts, zu den
übrigen germanischen Dialecten, worauf es auch dem Anfänger besonders an-
kommen muß, ersieht man fast gar nicht. Da heißt es z. B. (S. 6): kurzes a
ist vielfach beeinträchtigt durch Verdünnung zu i und Verdumpfung zu u. Aber
die Verwandlung zu i und u beruht doch darauf, daß a in diesen Fällen, wie
die vollkommene Übereinstimmung sämmtlicher germanischen Dialecte beweisf,
bereits im Urgermanischen wenigstens bis zu e und o verändert war. Ja e ist
zum großen Theil bereits von allen europäischen Familien entwickelt worden.
Mit dieser uralten Modiücation des a wird nun aber vom Verf. der weit jün-
gere Umlaut des a auf eine Stufe gestellt. Muß das nicht den Lernenden ver-
wirren? Aus einem solchen Verfahren erklärt es sich denn auch, wie H. zu der
Ansicht kommt, das a im Gen. und Dat. Sing, der a-Declination (fiskas, finka)
sei noch das alte indogermanische. Der Versuch aus der Vergleichung der
übrigen Dialecte die urgermanischen Formen zu reconstruieren, würde klar ge-
macht haben, daß als solche für den Gen. -es anzusetzen ist. Ja das e scheint
schon gemeinsam mit dem Slav. und Lit. entwickelt zu sein. Denn als Grund-
form für alle drei Familien haben wir essa (aus indog. asja) anzusetzen, wie
die Pronominalformen altpreußisch stessai, altbulgarisch ceso beweisen. Im Dat.
steht das Got. mit a vereinzelt dem e (i) der übrigen Dialecte gegenüber.
Das a des Alts ist erst wieder aus e entstanden wie im Bairischen des 9. Jahrh.
und wie in vielen neueren ober- und mitteldeutschen Mundarten. Dasselbe gilt
vom Nom. und Acc. Plur. der Adjectiva {blinda neben blinde) und dem Conj.
Präs. der starken Verba und der ersten schwachen Conjugation (falla, neria
neben falle, nerie), wo die Übergangsstufen sind ai, <\ e, a. Auch hier stellt
Heyne die Formen mit a voran.
Gehen wir nun etwas auf das Einzelne der Lautlehre ein. H. stellt S. 4
jedenfalls auf Grund der Forschungen von J. Schmidt (Zur Geschichte des in-
dogermanischen Vocalismusi den Satz auf, daß <.? und ö durch Ersatzdehnung
aus kurzem a und u entstanden seien. Dieß darf aber nicht ganz allgemein
hingestellt werden. Während allerdings gewöhnlich indogermanischem a ein 6
entspricht, zeigt eine Anzahl von Wörtern &, goth. e. Ich führe nur einige
LITTERATER: M. HEYNE, KLEINE ALTS. TJ. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. 223
Wörter an, in denen ganz sicher altes, nicht erst durch Eisatzdehnung oiier
Nasalierung entstandenes d zu Grunde liegt: goth. jers — altbulg. jan'i , zend
yäre, griech. ww; ahd. wäri = lat. venis (cf. altbulg. vöra fides); ahd. sämo =
lat. semen, altb. sfmr, lit. semü] ahd. mdgro = griech. (*ijxwv\ goth. deds =
altb. dctf; ahd. s/rd/w = altb. strt'/a; goth. »perfs zu vergleichen mit dem lit.
spkas (iVIuße); goth. mers = altb. -wer« und lateinisch - keltisch -munts in
Eigennamen; Heynes Ableitung des letzteren aus dein reduplicierteu Stamme
mamri wird durch diese Vergleichung zurückgewiesen ; dem lateinischen mernor
entspricht übrigens altn. Mimir; Grimm vergleicht auch (Gesch. d. deutsch.
Sprache 865) ags. mimor, meomor, gemimor, welches er aber nur aus Somner
entnommen zu haben scheint. Ebenso gibt es lange ü, die nicht aus Ersatz-
dehnung entstanden sind, z. B. ahd. müs =■ lat. müs, altb. my§t\ ahd. su ■=
lat. sus, gr. avs ; alts. kud = lat. cutis. Die Ableitung von ttiv aus tiuhan ist
doch höchst problematisch, da sie nur auf der ganz modernen Redensart 'einen
Zaun ziehen beruht.
Der Verf. hält ferner an der alten, längst widerlegten Ansicht von Th.
Jacobi fest, daß die Scheidung von goth. ei und r/v*, von iu und an schon auf
die indogermanische Periode zurückzuführen sei, in der Weise, daß ei und iu
als die Dehnung, ai und au als die Steigerung von i und u aufzufassen seien.
Man muß allen Respect haben vor den Untersuchungen Jacobis. Aber H.
scheint sich gerade etwas Verfehltes daraus herausgesucht zu haben, während
er andere richtige Aufstellungen desselben unberücksichtigt läßt. Es sind an
und iu beide auf indogerm. au zurückzuführen, ebenso ai und ei, soweit letzteres
nicht durch Contraction aus ji oder durch Ersatzdehnung aus in, im entstanden
ist. Die Scheidung hat sich erst in einer jüngeren Zeit vollzogen, ganz analog
der Spaltung von einfachem a ausserhalb des Diphthonges in a und e fr). Es
verhält sich beita zu baif, giuta zu gaut gerade wie giba zu gaf. Hierbei kommt
nicht in Betracht, daß allerdings indogerm. ai und au sehr wahrscheinlich auf
ursprüngliches i und ü zurückgehen und daß einzelne solche Diphthongisie-
rungen von i und ü noch in der späteren Entwickelung der verschiedenen in-
dogermanischen Sprachen erfolgt sind, wie dieß namentlich durch J. Schmidt
überzeugend dargethan ist. Denn wir haben darum immer die Zwischenstufen
anzusetzen: ü — au — en — iu; t — ai — ei — ii, welches dann natürlich
zu i contiahiert werden mußte, welchen Laut das gothische ei bezeichnet, wäh-
rend iu wegen der Verschiedenheit seiner Bestandteile nicht so leicht der
Contraction ausgesetzt war. Durch seine Theorie wird IL verleitet das ü, wel-
ches schon öfter in den Ps. statt iu erscheint, für alterthiünlich zu halten
(S. 16). Danach verträte z. B. nüwi einen älteren Lautstand als niuwi im Hei.
und goth. niujis, während doch bekanntlich das Wort, wie die Vergleichung
aller Sprachfamilien zeigt, auf die Grundform navjas = skr. zurückgeht. Es
ist klar, daß wir in den Ps. den Anfang zu der später im Niederdeutschen
allgemein durchdringenden Contraction von iu zu < vor uns haben. Zu Heynes
Beispielen füge ich noch: hundesßuga cinomyia gl. Lips. 592; fhuuue, thuuuon
ancillae ib. 936, 7: alhnti Mies aluhti) illumina il>. 15.
H. hält goth. i und u durchgängig für älter als ahd. e und n. Ich möchte
wissen, welche Gründe er hat an dieser Ansicht festzuhalten gegen die enl
gengesetzte von Curtius und Müllenhoff, deren er mit k.-inciri Worte gedenkt,
daß ahd. e und o, soweit sie aus indogerm. a entstanden Bind, eine weil ältere
222 UTTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. C. ALTNIEDFR. GRAMMATIK.
schaftlieh, wenn alle Zwischenstufen der Eutwickelung sorgfältig beachtet werden.
Die Hauptzwischenstation zwischen dem Indogermanischen und dem Alts, ist
das Gemeingermanische. Um dessen Laute und Flexionen festzustellen, brauchen
wir das Indogermanische. Wenn aber einmal das Gemeingermanische aus dem
Indogermanischen abgeleitet ist, so geht uns letzteres nichts mehr an, die ein-
zelnen germanischen Dialecte müssen aus dem ersteren abgeleitet werden. Eine
Zusammenstellung des altsächsischen Lautstandes mit dem indogermanischen
kann uns ebenso wenig befriedigen wie die des neuhochdeutschen mit dem go-
tischen. Wir wollen nicht bloß wissen, wie ein Wort einmal früher gelautet
hat, sondern wie sich seine Gestalt allmählich entwickelt hat. Es kommt darauf
an, immer erst die nächst ältere Stufe, den nächstverwandten Dialect zu ver-
gleichen und so allmählich zu einer immer höheren Spracheinheit aufzusteigen.
Wenn dieß strengwissenschaftliche Verfahren zu schwierig schien , so wäre es
jedenfalls nützlicher gewesen, einfach von den gotischen Vocalen auszugehen.
Nach des Verf. Darstellung sieht es gerade so aus als ob alle vocalischen
Veränderungen seit der indogermanischen Periode, etwa die Ersatzdehnung aus-
genommen, erst nach der Trennung der germanischen Dialecte in jedem ein-
zelnen Dialecte selbständig eingetreten seien. Das Verhältniß des Alts, zu den
übrigen germanischen Dialecten, worauf es auch dem Anfänger besonders an-
kommen muß, ersieht man fast gar nicht. Da heißt, es z. B. (S. 6): kurzes a
ist vielfach beeinträchtigt durch Verdünnung zu i und Verdampfung zu u. Aber
die Verwandlung zu i und u beruht doch darauf, daß (i in diesen Fällen, wie
die vollkommene Übereinstimmung sämmtlicher germanischen Dialecte beweisf,
bereits im Urgei manischen wenigstens bis zu e und o verändert war. Ja e ist
zum großen Theil bereits von allen europäischen Familien entwickelt worden.
Mit dieser uralten Modification des a wird nun aber vom Verf. der weit jün-
gere Umlaut des a auf eine Stufe gestellt. Muß das nicht den Lernenden ver-
wirren? Aus einem solchen Verfahren erklärt es sich denn auch, wie H. zu der
Ansicht kommt, das a im Gen. und Dat. Sing, der a-Declination (fiskas, fiska)
sei noch das alte indogermanische. Der Versuch aus der Vergleichung der
übrigen Dialecte die urgermanisehen Formen zu reconstruieren, würde klar ge-
macht haben, daß als solche für den Gen. -es anzusetzen ist. Ja das e scheint
schon gemeinsam mit dem Slav. und Lit. entwickelt zu sein. Denn als Grund-
form für alle drei Familien haben wir essa (aus indog. asja) anzusetzen, wie
die Pronominalformen altpreußisch stessai, altbulgarisch ceso beweisen. Im Dat.
steht das Got. mit a vereinzelt dem e (i) der übrigen Dialecte gegenüber.
Das a des Alts ist erst wieder aus e entstanden wie im Bairischen des 9. Jahrb.
und wie in vielen neueren ober- und mitteldeutschen Mundarten. Dasselbe gilt
vom Nom. und Acc. Plur. der Adjectiva (blinda neben blinde) und dem Conj.
Präs. der starken Vevba und der ersten schwachen Conjugation (fallet, neria
neben falle, nerie), wo die Übergangsstufen sind ai, <\ e, n. Auch hier stellt
Heyne die Formen mit o voran.
Gehen wir nun etwas auf das Einzelne der Lautlehre ein. H. stellt S. 4
jedenfalls auf Grund der Forschungen von J. Schmidt (Zur Geschichte des in-
dogermanischen Voealisinus den Satz auf, daß ä und !> durch Ersatzdehnung
aus kurzem a und u entstanden seien. Dieß darf aber nicht ganz allgemein
hingestellt werden. Während allerdings gewöhnlich indogermanischem u ein 0
entspricht, zeigt «-ine Anzahl von Wörtern &, goth. >'. Ich führe nur einige
LITTERATFR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. 22'.)
Wörter au, in denen ganz sicher altes, nicht eist durch Ersatzdehnung oder
Nasalierung entstandenes a zu Grunde liegt: goth. jers altbulg. jarü, zend
yare, griecli. ÜQa; ahd. wärt = lat. verus fcf. altbulg. vära fidcs); ahd. mmo =
lat. semen, altb. sf'mr, lit. eemü\ nhd. m&go = griech. fjiqxw] goth. deds =
altb. </nV; ahd. slräla = altb. s/rrta; goth. speds zu vergleichen mit dein lit.
spetas (.Muße); goth. mers = altb. -mh-n und lateinisch - keltisch -mdrua in
Eigennamen; Heynes Ableitung des letzteren aus dein reduplicierten Stamme
mannt wird durch diese Vergleichung zurückgewiesen; dem lateinischen mernor
entspricht übrigens altn. Mimir; Grimm vergleicht auch (Gesch. d. deutsch.
Sprache 865) ags. mimor , meomor, gemimor, welches er aber nur aus Somner
entnommen zu haben scheint. Ebenso gibt es lange u, die nicht aus Ersatz-
dehnung entstanden sind, z. 1». ahd. mtis = lat. rnüs, altb. my§l\ ahd. su -=
lat. sus, gr. oi^ • alts. hüd = lat. cutis. Die Ableitung von tun aus tiuhan ist
doch höchst problematisch, da sie nur auf der ganz modernen Redensart einen
Zaun ziehen beruht.
Der Verf. hält ferner an der alten, längst widerlegten Ansicht von Th.
Jacobi fest, daß die Scheidung von goth. ei und ai, von iu und an schon auf
die indogermanische Periode zurückzuführen sei, in der Weise, daß ei und iu
als die Dehnung, ai und au als die Steigerung von i und u aufzufassen seien.
Man muß allen Respect haben vor den Untersuchungeu Jacobis. Aber H.
scheint sich gerade etwas Verfehltes daraus herausgesucht zu haben, während
er andere richtige Aufstellungen desselben unberücksichtigt läßt. Es sind au
und iu beide auf indogerm. au zurückzuführen, ebenso ai und ei, soweit letzteres
nicht durch Contraction aus ji oder durch Ersatzdehnung aus in, im entstanden
ist. Die Scheidung hat sich erst in einer jüngeren Zeit vollzogen, gauz analog
der Spaltung von einfachein a ausserhalb des Diphthonges in a und e Cr). Es
verhält sich beita zu Laif, giuta zu gant gerade wie giba zu gaf. Hierbei kommt
nicht in Betracht, daß allerdings indogerm. ai und au sehr wahrscheinlich auf
ursprüngliches \ und a zurückgehen und daß einzelne solche Diphthongisie-
rungen von i und u noch in der späteren Entwicklung der verschiedenen in-
dogermanischen Sprachen erfolgt sind, wie dieß namentlich durch J. Schmidt
überzeugend dargethan ist. Denn wir haben darum immer die Zwischenstufen
anzusetzen: ö — au — eu — iu; i — ai — ei — ii , welches dann natürlich
zu / contrahiert werden mußte, welchen Laut das gothischc ei bezeichnet, wäh-
rend in wegen der Verschiedenheit seiner Bestandteile nicht so leicht der
Contraction ausgesetzt war. Durch seine Theorie wird II. verleitet das ß, w.-l
ches schon öfter in den Ps. statt iu erscheint, für alterthümlich zu halten
S. 1 *i . Danach verträte z. B. nüuri einen älteren Lautstand als niuwi im Hei.
und goth. niujia, während doch bekanntlich da- Wort, wie die Vergleichung
aller Sprachfamilien zeigt, auf die Grundform navjas =£ skr. zurückgeht. Es
ist klar, daß wir in den Ps. den Anfang zu der später im Niederdeutschen
allgemein durchdringenden Contraction von iu zu fi vor uns haben. Zu Heynes
Beispielen füge ich noch: hundeafluga cinomyia gl. Lips. 592; fhumie, thuuuon
ancillae ib. 936, 7: alhnti lies aluhti illumina ib. 15.
II. hält goth. i and u durchgängig für älter als ahd. >■ und o. Ich möchte
wissen, welche Gründe er hat an «lieser Ansieht festzuhalten gegen die enl
• ••■• wui Curtius und Müllenhoff, deren er mit keinem Worte gedenkt,
daß ahd. e und o( Boweit sie aus indogerm. a entstanden sind, eine w.it ältere
224 LITTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK.
Lautstufe repräsentieren, durch die auch das Gothische hindurchgegangen ist.
Die im Mon. so häufige Verwandlung des a zu e und des o zu a in Flexions-
silben hätte doch jedenfalls in der Grammatik erwähnt werden müssen, wenn
man sie auch nicht dem Originale des Hei. zuweist. Zu den Spuren des Um-
lautes S. 17 füge ich geuuilitte (= gevuilithe) abundantia gl. Lips. 523 und
neruoiki ib. 704. Der Verf. hält, wie freilich die meisten deutschen Gramma-
tiken, <'■ für zusammengezogen aus ahd. ia z. B. in href meda*) (S. 13), wäh-
rend umgekehrt ia aus e entstanden ist, wie uo aus 6, was schon längst Ja-
cobi eingesehen hat. Inwiefern ie in hie, fhie etc. aus iu geschwächt sein soll,
welches noch in ihhi, thius voll erhalten sei (S. 18), darüber möchte ich denn
doch den Verf. noch um einige nähere Auskunft bitten.
Was die Consonanten angeht, so bemerke ich zunächst zu S. 20, daß
Ps. 1 — 3 nicht von einem Uebersetzer herrühren, der an der Grenze des mit-
telfränkischen Gebietes seine Heimat hatte, sondern daß sie überhaupt mittel-
fränkisch sind nach der Begrenzung dieses Dialectes, wie sie von Braune in
der oben citierten Abhandlung gegeben ist. Im ganzen ist die Darstellung des
Consonantismus entschieden besser als die des Vocalismus. Ein Fortschritt gegen
die meisten früheren Grammatiken zeigt sich namentlich darin, daß der Verf.
zwischen Aspiraten und Spiranten zu scheiden weiß und th, d und h richtig
zu der letzteren Classe zählt. S. 21 wird mit Recht aus der Allitteration und
aus der Schreibung g und gl für j gefolgert, daß g im Anlaut als Spirant zu
fassen ist, mit Unrecht aber wird dieselbe für den In- und Auslaut in Zweifel
gezogen. Ich verweise hierüber, sowie überhaupt über das Verhältniß der Spi-
ranten und Medien auf meine Abhandlung zur Lautverschiebung in den Bei-
trägen zur Gesch. der deutschen Sprache I, S. 147 ff. Ich bemerke noch daß
g vor harten Vocalen (a, o, u) als gutturale (wie in nhd. sagen), vor weichen
(«, i) als palatale Spirans (wie. in nhd. legen) ausgesprochen zu sein scheint.
Deshalb wird zur Bezeichnung der alten palatalen Spirans j vor weichen Vocalen
einfach g (ger, gihit) , vor harten gi (giamar, giungaron) verwendet. Dieselbe
Bedeutung wie gi im Anlaut hat ge im Inlaut, welches nur nach Vocalen an-
gewendet wird : sirfdgean, uualcogeandi. Daß dieß ge nicht auch nach Consonanten
für j geschrieben wird, hat, seinen Grund darin, daß hier j seine ursprüngliche
vocalische Natur noch nicht eingebüßt hat, wie das Schwanken der Schreibung
zwischen i und e (hebbian-Jiebbean) beweist, während umgekehrt der Eintritt des
g, gi, ge im Anlaut und inlautend zwischen Vocalen beweist, daß in diesen
Stellungen das vocalische Element des j verloren gegangen war. Wenn H. von
der 'zum Theil noch bestehenden gutturalen Aussprache des g spricht , so ist
das ein unpassender Ausdruck ; denn er meint doch wohl die Aussprache des
g als Verschlußlaut. Für diese im Auslaut sprechen aber nicht gh und ch, und
c ist zu vereinzelt. Dagegen spricht für die spirantische Aussprache des g im
Auslaute, daß es häufig für // geschrieben wird (z. B. mag C. 1720, ebenso
vor t magiig C. 423, 1378, almahtigna C. 416), welche Schreibung II. mit
Unrecht S. 29 als eine wirkliche lautliche Wandlung des h in g fasst, wie im
Inlaut, z. B. in gesagon. H. meint, daß sich in- und auslautendes // zu g
verhärte, wieder ein sehr unangemessener Ausdruck. Wenn man die Aus-
drücke 'hart' und 'weich' beibehält, so sollte- man doch immer einen bestimm-
*) In seinem Hol. setzt H. merkwürdigerweise meda an, ebenso her — ahd. Mar1,
LITTERATUR: M. HEYNE, KLEINE ALTS. U. ALTNIEDFR. GRAMMATIK. 225
ten Begriff damit verbinden, und mit "weich die tönenden und die wenigstens
nach Brücke mit Flüsterstimine gesprochenen Consonauten bezeichnen , mit
hart dagegen die tonlosen. Danach aber ist der Übergang von h in g nicht
eine Verhärtung, sondern eine Erweichung. H. liebt überhaupt solche unklaren
bildlichen Bezeichnungen, wodurch, wie es scheint, eine stylistische Abwechslung
erzielt werden soll , die aber nur dazu dienen, die Anschauung von den laut-
lichen Vorgängen zu verwirren. H. bezweifelt S. 24, daß nach Ausfall des
Nasals vor s, th , / der vorhergehende Vocal verlängert sei. Für das Angel-
sächsische findet er in seiner Grammatik der altgermanischen Sprachstämme
die Verlängerung wahrscheinlicher; das Neueuglische spricht hier entschieden
dafür. Aber welchen Grund haben wir in diesem Punkte eine Scheidung zwi-
schen Alts, und Ags. zu machen. Der Vorgang ist doch in den beiden nahe
verwandten Dialecten ganz derselbe und es besteht sicher darin ein historischer
Zusammenhang zwischen beiden. Daß der Vocal noch Nasalklang gehabt hat,
ist möglich, aber darum war er doch schon lang, und nach dem Verluste der
Nasalierung wäre keine Veranlassung mehr gewesen ihn zu verlängern. Die
Länge wird klar bewiesen durch das suotk des Cott. und durch das neunieder-
deutsche gaus Gans, welches auf ein altes gas zurückgeht, wie faul auf föt.
S. 30 sieht der Verf. in forihUi und ammathta den Übergang der gutturaleu
in die dentale Spirans wohl nach Analogie von altengl. Icnijd; gewiß aber haben
wir darin nichts anderes zu sehen als eine in alt- und mittelhochdeutschen Hss.
häufige verkehrte Stellung von th, wie sicher in Irliothe, wozu dann nur noch
eine Wiederholung des t hinter dem h kommt.
Was die Flexionslehre betrifft, so wird sich nicht viel gegen die Zusam-
menstellung der Formen sagen lassen, die ziemlich reichhaltig und genau ist,
aber desto mehr gegen die sprachwissenschaftlichen Aufstellungen des Verf. Er
hätte überhaupt viel besser gethan , wenn er sich rein auf das Factische be-
schränkt hätte und alle Erklärungsversuche und Zurückführuugen auf die ur-
sprünglichen Formen unterlassen hätte. Es gilt dieß namentlich von der Decli-
uation. H. scheint zu glauben, daß es ein sehr wissenachaftliches Verfahren
sei, wenn er überall den Stamm mit dem ursprünglichen Auslaute, den derselbe
im Indogermanischen hatte, aufführt und dann auseinandersetzt, wie sich zu
demselben die verschiedenen Casus verhalten. Solche Aufstellungen von Stäm-
men haben aber eine reelle Bedeutung nur für die indogermanische Ursprache,
wenn es sich darum handelt, die ursprüngliche Zusammensetzung aus Stamm
und Flexionsendung nachzuweisen. In die Einzelsprachen sind keine Stämme
und Endungen, sundein nur fertige Wörter übergegangen, in denen Stamm und
Flexion untrennbar verbunden sind. Aus diesen fertigen Wörtern entwickeln
sich die Formen der Einzelsprachen, theils durch rein lautliche Veränderungen,
theils durch Analogiebildungen. Nachzuweisen, wie dieß geschieht, das ist die
Aufgabe der wissenschaftlichen Grammatik. Davon findet sich nun aber bei II
nichts. Statt dessen heißt es etwa: in dem Casus ist der Stammlaut voll er-
halten, in dem zu e geschwächt, in dem verlängert, m dem geschwunden
Solche Bemerkungen haben nicht den geringsten Werth, damit ist durchaus gar
nichts erklärt. Es ist damit zum mit dei Kaum nutzlos verschwendet.
Aber sie haben geradezu einen schädlichen Einfluß, indem der Unkundige sich
einbildet, es seien damit die Formen erklärt. Bin paar Mal, wo der Verf. einen
Ansatz zu wirklicher Erklärung macht, gel ten Verkehrtheiten,
GERMANIA. Neue Keilie. VU. (XU. Jahrg.) 15
226 LITTERATUR: M. HEYNE. KLEINE ALTS. IT. ALTN1EDFR. GRAMMATIK.
so wenn er S. 70 den Übergang von a in u in Neutr. PI. der a-Declination
(fahi) aus Einfluß eines Nasals unter Vergleichung der specifisch sauskritischen
Endung -äni ableitet, während doch für die europäischen Sprachen sicher die
Grundform -a anzusetzen ist, und während anderseits der Übergang des kurzen
auslautenden a in u nach einem ziemlich durchgreifenden Lautgesetze in allen
germanischen Sprachen, soweit sie nicht wie das Gotische früh ausgestorben
sind, erfolgt ist.
Noch einige einzelne Bemerkungen. In Bezug auf die Zusammenziehung der
reduplicierten Präterita (htld, let) stellt der Verf. wieder die landläufige Ansicht
auf, wiewohl das Richtige von Scherer, Zur Geschichte S. 10 ff. und schon längst
von Jacobi, Beitr. S. 60 ff. gezeigt ist, daß lelt, nicht leet als Zwischenstufe
anzusetzen ist. — S. 37 ist hawan unrichtig in Classe I der reduplicierenden
Verba gestellt, es gehört in Classe V (Wurzel ku); das praet. ist heu anzu-
setzen. Ebenso ist hreuuan nicht in Classe II, sondern in V der ablautenden
Verba zu stellen. — Wie kommt H. dazu, dem Verbum odan die Bedeutung
'zeugen' beizulegen? — Es ist nicht ein starkes giflihan anzusetzen, sondern
ein schwaches giflihean = ahd. flehjan. — Die 3. sg. geht in den Ps. wohl
nicht bloß in manchen Beispielen (S. 50), sondern in allen auf t aus. — Das
o in der zweiten schwachen Conjugation ist in den Ps. nicht mehr als lang
anzusetzen, da es mit allen anderen Vocalen wechselt.
Die Reste consonantischer Declination vom Femininis hat H. gänzlich
verkannt, indem er sie einfach unter die ^-Declination stellt S. 75. Es ist
klar, daß die Dative bürg, magad, naht und die von H. nicht angeführten idis,
uuerold, middilgard, ebenso die Nom. Acc. Plur. magad, naht nach consonan-
tischer Declination gebildet sind; wir brauchen zu ihrer Erklärung nicht die
sonderbare 'Neigung die Form des Nom. Acc. Sing, auch für andere Casus zu
verwenden'. Die Genetive burges, kustes (auch nahtes wäre hier aufzuführen
gewesen) sollen nach H. alterthümliche Formen der z-Declination sein, die noch
das alte s erhalten haben. Aber wo kommt dann bei der Alterthümlichkeit
schon das e her? Das s fällt außerdem nach einem allgemeinen Gesetze in
allen südgermanischen Dialecten ab. Es liegen vielmehr Formen nach conso-
nantischer Declination zu Grunde baurgs etc., auf welche dann die naheliegende
Analogie der masculinen und neutralen a-Declination eingewirkt hat, welche
dann auch gewirkt hat, daß giburdes zum M. oder N. geworden ist. Daher er-
klärt sich denn auch die Behandlung des Wortes kraft, welches gleichfalls
hierher zu ziehen ist. H. setzt dasselbe im Glossar zum Hei. als m. und n.
an. Aber im Nom. und Acc. hat es stets das ihm ursprünglich zukommende
feminiuale Geschlecht bewahrt. Das Masc. tritt erst im Gen. kraftes ein, und
dieser wird dann Veranlassung zur Bildung eines masculinen Dat. krafte, krafta
und lustr. kraftu. — Zu den Zahlwörtern (S. 94) bemerke ich, daß es schwer-
lich berechtigt ist, einen Gen. tweiö anzusetzen statt tweiö. Die Contractiou ist
hier ebenso unterblieben wie in eia (ovo), eie.ro. Wahrscheinlich wurde das i
doppelt als Vocal und Consonant gesprochen, und es ist dann damit in Parallele
zu stellen das Unterbleiben der Contractiou von au vor w. Der Dat. thrim
für thrim = goth. prim ist natürlich eine Unform. Langer Vocal tritt erst
ein, wenn das Wort adjeetivisch decliniert wird; dann aber müßte die Form
thrmn lauten. — Beim persönlichen Pron. ist der Gen. PI. fälschlich userö an-
gesetzt. Derselbe ist nur einmal belegt in der Form user C. 5938, wie auch
LITTERATUR: K. A. HAHNS ALTHOCHDEUTSCHE GRAMMATIK 227
nach Analogie von iwar zu erwarten ist. Der Gen. Du. unker o ist nur belegt
C. 5595 in unkero seltero, welches sich ebenso erklärt wie das .spatere mines
selbes. In der Rerlexivforra sig (ebenso in unsig) fasst H. das g mit Unrecht
als eine Erweichung aus h. Es ist als eine Spirans aufzufassen wie das nie-
derländische beweist. Möglicherweise ist es eine Entlehnung aus dem Hoch-
deutschen und hatte das Niederfränkische ursprünglich ebenso wie das Sächsi-
sche das Reflexivpronomen verloren.
LEIPZIG, im Januar 1874. H. PAUL.
K. A. Hahns Althochdeutsche Grammatik. Nebst einigen Lesestücken
und einem Glossar. Mit Rücksicht auf die Fortschritte der Wissenschaft
bearbeitet von Adalbert Jeitteles. Dritte, vielfach veränderte und ver-
mehrte Auflage. Prag 1870. Verlag von F. Teinpsky. 132 S. gr. 8.
Auswahl aus Ulfilas gothischer Bibelübersetzung. Mit Glossar und einem
Grundriß zur gothischen Laut- und Flexionslehre. Von K. A. Hahn.
Dritte Auflage herausgegeben und bearbeitet von Adalbert Jeitteles.
Heidelberg. Akademische Verlagshandlung von J. C. B. Mohr. 1874.
121 S. gr. 8.
Unsere Absicht, der dritten Auflage von Hahns ahd. Gr. einige Worte zu
widmen, hat sich aus verschiedenen Gründen verzögert, wir vereinigen dieselbe
also jetzt mit der Besprechung der uns vorliegenden Auswahl aus Ullilas in
dritter Auflage. In beiden Büchern ist als die Hauptsache nicht sowohl der gram-
matische Theil — denn Hahns noch eng an Grimm angeschlossene Behandlung
bietet hier dem Bearbeiter, der nicht Alles umzugestalten wünscht, manche
Schwierigkeiten — als die verständig getroffene Auswahl von Lesestückeu mit
einem für praktische Zwecke und selbst für Universitäts- Vorlesungen im Gan-
zen genügenden Glossar anzusehen. Was zunächst die ahd. Chrestomathie be-
trifft, so wäre wohl entweder eine streng chronologische Vorführung, oder eine
Thedung der Lesestücke in poetische und prosaische der jetzigen Anordnung
vorzuziehen. Letztere Gattung würde — im Fülle einer neuen Autlage —
durch einen kleineu Abschnitt aus Willirams Hohem Liede, der noch S. 93
Platz finden könnte, eine wünschenswerthe Ergänzung finden können. Die Texte
selbst sind mit Sorgfalt behandelt*), und würde nur hie und da eine sichere
Emendation, z. B. im Muspilli Z. 66 K. Hofmanns wartil Aufnahme verdienen.
Eine erneuerte Durchsicht des Wortvorrathes würde nichts schaden können, da
im Glosaar nicht nur einzelne Worte, wie miatä (Musp. '/. 72) und sklt **) (Merig.
Z. 33j, das Adv. ivola und vielleicht noch andere, gänzlich fehlen, sondern
auch die Erklärung nicht überall ausreichend sein dürfte. Bei pilipi, das Wacker-
nagel allerdings auf pilipan zurückzuführen sucht, wäre die andere Erklärung,
welche das Subst. lip heranzieht und pilipi oder pilipi ^vgl. Gr. 11, 14, 111, 500)
als Lebensunterhalt fasst, wohl auch zu berücksichtigen gewesen - Bei ga-
cherjan wäre die Paraphrase ^kehren" ausreichend, [rrthümlich sieht hinter
cltibon (Hild.), es findet sieh nur im ersten Merseburger Spruche
Drockfehlei Bind B. 8. 72 Z. 84 ubano&han, 8 84 (12) /.. 4 nah, -
Z. 49 th'i'r (1, ther oder thdrj. \ ichträglicb finde ioh ■>' im Ulossar,
15*
228 LITTERATUR: H. PAUL, GREGORIUS.
Bezüglich des grammatischen Theils ist der Bearbeiter in seinem fleißigen
Bestreben, Hahns Behandlung des Stoffes mit dem jetzigen Standpunkt der
Wissenschaft auszugleichen, nicht immer glücklich gewesen. Es gilt dieß ganz
besonders von der Lautlehre. Ohne hier ins Einzelne einzugehen — ein paar
störende Druckfehler S. 2 und 3 sind wohl schon von anderen Seite hervor-
gehoben, S. 1 1 Z. 3 v. unt. muß es statt gothische doch wohl althochdeutsche
heißen? — heben wir nur noch die unklare Weise hervor, in der S. 23 For-
men wie pruston, laston behandelt werden. Da lustus im Goth. entschieden der
u-Classe folgt, so wird man im Ahd. wohl beide Formen, zumal neben pruston
ja (wie gleich darauf bemerkt ist) prustum sich findet, zu den Überresten der
u-Classe zählen dürfen. — S. 30 unten wäre wohl eher von einer Angleichung
der adjectivischen Declin. an die substantivische zu reden.
Betreffend die Auswahl aus Ulfilas, die den ganzen Marcus, Bruchstücke
der anderen Evangelien und der Epistel darbietet und somit auch jetzt, wo
Viele allerdings vorziehen mögen , die vollständige und nicht zu theuere Aus-
gabe des Ulfilas von Heyne zur Hand zu haben, als eine ausreichende Chre-
stomathie wird angesehen werden können, haben wir nur Weniges zu bemerken.
Auch hier fehlt es der grammatischen Behandlung — bei dem unverkennbaren
Streben des Herausgebers, dem neueren Standpunkt der Forschung gerecht zu
werden — vielfach an klarer und sicherer Darlegung der Vei'hältnisse, am meisten
wiederum bei der Lautlehre. Was S. 58 über die angeblichen Ausnahmen von
der Lautverschiebung gesagt ist, möchte Ref. nicht durchweg unterschreiben.
Beim Selbststudium wird man wohl thun, sich mehr an die einfachen Regeln,
als an deren Erläuterungen zu halten, bei akademischen Vorlesungen wird sich
Manches ergänzen, Andres also berichtigen lassen. — Text und Glossar sind —
soweit Ref. nach vorläufiger Durchsicht urth eilen kann — auch hier mit Sorg-
falt behandelt, die durchgängige Schreibung e und 6 ist, solange man überhaupt
die Quantitäten zu bezeichnen für nöthig hält, sogar consequenter als die von
Heyne nach Stamms Vorgang gewählte. Zu den langen Vocalen hätte auch
das von Holtzuiann (Altd. Gr. S. 3) wohl mit Recht in einigen Fällen ange-
nommene ä gezählt werden können.
E. WILKEN.
Gregorius von Hartmann von Aue. Herausgegeben von Hermann Paul. Halle
a. S. 1873. Lippert'sche Buchhandlung (Max Niemeyer). 8. XVII, 166 SS.
Vorliegende Ausgabe ist die erste des Gregorius, die den gesammten
kritischen Apparat enthält, auch die von verschiedenen Kritikern gemachten
Besserungsvorschläge übersichtlich zusammenstellt , so daß man bei jedem
Verse die vollständige Geschichte des Textes und der Kritik beisammen hat.
Macht sie schon das dem Forscher unentbehrlich, so gewinnt sie noch höheren
wissenschaftlichen Werth dadurch , daß hier zum erstenmal das Handschriften-
verhältniss gründlich untersucht und erörtert ist. Es ergibt sich aus dieser
Untersuchung, daß keineswegs die römische Handschrift einen durchgehenden
Vorzug vor den übrigen verdient, wie auch keine der übrigen Hss. einseitig
zu bevorzugen ist. Von den Hss. stehen nach Paul nur ein paar in directem
Verwandtschaftsverhältniss , nämlich AH und anderseits CE, während BDFG
weder unter einander noch mit den übrigen zunächst verwandt sind. Die Über-
LITTERATUE: H. PAUL. GREGORIUS. 229
einstimmung der unabhängigen Zeugen ist daher maßgebend für die aufzuneh-
mende Lesart. Wenn man letzteren Grundsatz ohne weiters als den allein berech-
tigten zugeben muß, so darf man doch die große Zahl von selbständigen Zeugen
auffallend finden, während sonst meist die Hss. in weniger zahlreiche Gruppen
sich gliedern. Mir will scheinen, als wenn die Zahl der selbständigen Quellen
sich etwas verringern dürfte , wenn man in Anschlag bringt , 'hiß die Willkür
ändernder Schreiber sich namentlich in der geistlichen Poesie sehr bemerklich
macht. Ich halte auch jetzt noch dafür, daß E und G in einem näheren Ver-
hältniss zu einander stehen: unter den von Paul S. VT angeführten Stellen
sind doch solche wie 2405 daz ich nicht sey ein edel man statt daz ich si ein
ungeboru man A nicht zufällige Übereinstimmung; denn nimmt man auch mit
Paul an, daß der Ausdruck ungeborn den Anstoß zur Änderung gegeben, so
ist doch die gleiche Ersetzung durch edel und die ganz gleiche Fassung des
Verses zu beachten. Auch der gleiche Fehler gedacht für gdhet 2347 ist doch
wohl mehr als Zufall. Wenn anderseits E unverkennbar mit C stimmt, so ist
dies kein Beweis gegen eine Verwandtschaft von E und G, sondern nur dafür,
daß zwischen CE ein noch näheres Verhältniss besteht als zwischen EG. Ich
lege daher auf Fälle, wo EG gegen A stimmen, kein so großes Gewicht als
Paul thut.
Verderbnisse zeigen alle Hss. ; aber auch wo die Lesart jeder einzelnen
an sich unverderbt scheint, braucht noch keineswegs die echte Lesart erhalten
zu sein. Diese ist vielmehr oft erst aus dem Zusammenhalt der verschiedenen
Lesarten zu gewinnen. In diese Kategorie gehören namentlich die Änderungen
aus metrischen Rücksichten. Hartmanns Verse, die in vieler Hinsicht von den im
13. Jahrb. üblichen Regeln abweichen, veraulaßten sehr häufige Hinzufügung
kleiner Wörter, meist um den zu kurz erscheinenden Vers zu dehnen, mit-
unter auch um den metrisch überladenen glatter zu machen. Nicht immer, ja
in den seltensten Fällen sind derartige Besserungsversuche zu durchgreifenden
glättenden Umarbeitungen geworden, sondern der einzelne Schreiber, der bei
der Abschrift eines deutschen Werkes nicht mit der Genauigkeit verfuhr wie
bei der Copie einer lateinischen Handschrift, änderte wo es ihm in den Sinn
kam. Dabei kann es denn vorkommen, daß verschiedene Schreiber bei nahe-
liegenden Ergänzungen auf das gleiche verfielen, ohne daß man daraus auf
eine Verwandtschaft der Hss. zu schließen brauchte, oder wenn nicht verwandte
Hss. darin zuweilen zusammenstimmen, das ergänzte Wort als dem echten Texte
augehörig ansehen müßte. Wir werden nachher einige Stellen anführen, wo
Paul selbst aus den Varianten der Hss. den echten Text erst erschlossen ha1 :
ich glaube jedoch daß dies, unter Festhaltung des kritischen Grundprincips der
Verwandtschaft, noch öfter zu geschehen hat.
Die metrische Behandlung hat manches auffallende; am meisten die
durchgängige Beseitigung der viermal gehobenen Verse mit überschlagender
Silbe, welche Paul anzuerkennen sieh sträubt. Ich glaube, mit Unrecht. Wenn
wir auch einräumen, daß viele solcher Verse durch andere Lesung (zweisilb.
Auftaci etc.) sich entfernen la ten, so isl doch in anderen die Reducierung
auf das Maß von drei Eebungen mit klingendem Reime sein- hart. So lange
also nicht überhaupt uachg« t, daß Bolche verlängerte Verse, die ich
als aus der romanischen Poe ie eingedrungen ansehe, zur Zeil Bartmanns nicht
existiert haben, so lange sind wir nicht berechtigt, ihr Vorkommen bei einem
erzählenden Dichter, wo die Überlieferung ohne Zwang darauf führt, zu negieren.
230 LITTERATUK: H. PAUL, GREGORIUS.
Eine ausführliche Quellenuntersuchung lag nicht in des Herausgebers Ab-
sicht; daß das französische Gedicht genau und sorgfältig herangezogen ist,
beweisen die Stellen, an denen mit Hilfe desselben die Lesart Hartmanns ge-
sichert wird. Ich stimme Paul darin vollkommen bei, daß es unberechtigt ist,
auf Grund einiger uns nicht begreiflicher Abweichungen ein anderes als das
uns erhaltene französische Gedicht als Quelle anzunehmen. Wahrscheinlich
bleibt nur, daß die Hartmann zugängliche Redactiou in ein paar Punkten von
dem in Tours befindlichen Texte abwich.
Gehen wir nun zu Einzelheiten der Kritik über, so schicken wir voran,
daß an vielen Stellen die neue Ausgabe theils früher verworfene Lesarten der
Hss. in ihr Recht einsetzt, theils aus der Entstellung sehr glücklich und ge-
schickt emendiert. Ich führe als Belege für beides an 184 f. 777 f. 802. 940.
1155 f. 1563 f. 1886. 2162 f. 2307. 2340. 2503. 2568. 2770. 3411. 3641 ff.
3538. An der vorletzten Stelle sind dem Texte zwei in EG erhaltene Zeilen
zurückgegeben worden.
Der in G allein erhaltene Eingang wird wohl immer eine Crux der Kri-
tiker bleiben; auch Pauls Herstellung ist, wie er selbst zugibt, nicht durchaus
befriedigend. Unzweifelhaft aber ist mir, daß eine Lücke nach 15a nicht an-
zunehmen. Ich halte auch jetzt noch meine Besserung von 15a f. der gedanc,
als er ze rehte sol, den fürgedanc richet (Hs. richtet) für die richtige: dieser
(eben ausgeführte) Gedanke (du bist noch jung, deine Sünden lassen sich noch
gut machen) straft die (gute) Absicht (nämlich im Alter zu beten und dadurch
die Sünden gut zu machen); denn (wand statt und) ein plötzlicher Tod im
Alter bricht diese Absicht ab, ehe sie zur Ausführung gelangt. Der Grund-
fehler liegt in dem Aufschieben der Reue, da hilft auch die gute Absicht
nichts, sondern diese leidet ebenfalls unter jenem verwerflichen ersten Gedanken
und seinen Folgen. Das brihtet Pauls in v. 18a scheint mir keine glückliche
Emendation; viel näher liegt doch, daß die Form richet von einer jungen Hs.
in richtet entstellt wurde, während das andere Reimwort, weil auch in jüngerer
Sprache so lautend, unentstellt blieb. Die Verse 31a — 36" haben hingegen
erst durch Pauls Herstellung einen befriedigenden Sinn bekommen. 33" ziehe
ich allerdings rntner Sünden bürde noch vor dem immer sundecleiche bürde der
Hs.; vgl. daz smer silnden bürde deste ringer waere 3552; der Sünden bürde 3668.
Wir erwähnten vorher des Falles, daß aus metrischen Gründen Worte
interpoliert wurden, um den Vers zu verlängern. Hier hat sich nicht selten
in einer Hs. das ursprüngliche erhalten; so 1913 in E der half im für die
stat,. wo A ouch für, G uz für = für haben ; mit Recht ist hier der Heraus-
geber der Lesart von E gefolgt, er erklärt allerdings die von G für ebenso
gut. So hat auch 3201 E das ursprüngliche bewahrt: des morgenes vil vruo,
nur daß sie morgens schreibt; G hat do des morgen(s) gar fruo, A des mor-
gens fuoren si vil fruo; auch hier schließt sich Paul an E an. 3118 unde
bäten in da = E (nur und) ; dagegen G statt in : den lischer, B in den wirt,
A ließt nü bäten si in da, was Lachmann und Bech aufnahmen. Es ist augen-
scheinlich, daß die Änderungen den bei der Ausprache und zu kurz scheinenden
Vers verlängern wollen. Und dieser Fall ist nicht der einzige im Gregor. Auch
752 hat E ganz richtig unde sagen wie ez ergie, wo A nach sagen ein iu ein-
schiebt, das die Ausgaben aufnehmen. Umgekehrt schiebt E ein 2068 unde
viel vil gar dar an (= A, Lachmann, Bech) wo E (= G) und geviel; 2178
LITTERATUR: H. PAUL, GREGORIUS. 2ol
unde host mir da mite (= AH, Lachm., Bech), wo E und hast vil dicke mir.
123 bietet A ze tische undc anderswd, E hat und ouch, G ganz abweichend
hei ml 'ich noch anderswo. Der Vers ist freilich in der Fassung von A bedenk-
lich, weil unde hier vor folgendem Vocal Hebung und Senkung bilden soll;
aber dieser Fall ist im Gregor (nach Pauls Texte) nicht vereinzelt, vgl. ander
unde über gespreit 538, wo E ebenfalls ändert; triben uz unde in 1179, wo E
ändert haben getriben; unde über diu laut 1519, wo E über alle lant, und auch
A ändert, H und ouch schreibt, und nur G das von Paul gewählte bietet. Wie
hier H, wie 123 E, so schiebt E auch 97 das Wörtchen ouch ein. Steckt in
der Lesart von G in V. 123, in welcher heimlich aus zetisch (h aus der be-
kannten Form des s) entstellt ist, in noch ein joch, wie ich früher vermuthete,
so fällt der metrische Anstoß fort.
Andere Stellen, wo E theils allein, theils in Übereinstimmung mit G, ein
Wort einschiebt oder ändert, sind folgende: 501 hat A von erste erhaben sint,
auch wenn man nichts ändert, bei Hartmann statthaft, aber besser in der für
Hartmanns Zeit anzunehmenden Form erest, die ich auch für Walther (104,
6 Pf.) angesetzt habe. E schreibt von aller erste, und so auch Paul. Wie
hier, so ist aller eingeschoben 1335 in GE, während es in A fehlt; — 554 liest
A da schreip diu muoter an, und so Lachmann und Bech. E hat des kindes
für diu und hier auch B die gleiche Lesart, was für deren Echtheit sprechen
könnte. Allein abgesehen davon, daß BE in Fehlern auch sonst stimmen (S. VII),
so ist auch bei völliger Unabhängigkeit der beiden von einander die Überein-
stimmung kein Beweis der echten Lesart, denn nahm man an der metrischen
Bildung des Verses Anstoß, so konnte die Änderung kaum anders lauten als
wie in BE. Schwer glaublich ist dagegen, daß Hartmann, wenn er hier des kindes
schrieb, zwei Zeilen nachher geschrieben haben sollte von des kindes ahte. —
585 durch siner triuwen rät A, E durch grozer siner, was Paul, der A in den
Text setzt, für vielleicht richtig' erklärt. Ich halte grozer für eingeschoben, um
durch, als erste Hebung ohne nachfolgende Senkung gebraucht, zu beseitigen.
Wie hier, so ist auch 2035 durch so gebraucht: durch got haete erkorn, wie Paul
ganz richtig gegen alle Hss. setzt; A hat ir durch, E durch gotes hulde, G
verkorn (wobei zu lesen hdete verkorn). — 591 hat A im ivart dd benant,
E hat an der schrift wart niht benant, was Paul für gleich gut erklärt, was
aber nach meiner Ansicht metrische Correctur ist, eine unnöthige freilich, da
Hartmann sicher ime auch noch zweisilbig sprach. So steht es, ein Beweis der
Iuconsequenz der Schreiber, 286 9 in E im truoc daz wtp dar in, wo A daz
guote ivip, was die Herausgeber aufnehmen. — 710 A so si es state gewan,
E hat als ofte *\ des. Vergleicht man V. 318 der uns ze staten gestdt, wo E
der uns vil wol ze staten gdt, so wird man kein Bedenken fragen, auch 710 die
längere Form des Verses in E nicht für ursprünglich -zu halten und A den
Vorzug zu geben. — 1914 A mit vlize er in des l>at, EG und Paul mit
grozem vlhe. Auch wenn wir EG als von einander anabhängig betrachten, ist
die Ergänzung grozem, am den scheinbar zu kurzen Vera zu strecken, so nahe
liegend, daß man sieh über das Zusammentreffen kaum wundern kann, mit bildet
erste Bebung ohne folgende Senkung, wie 3641 auch in Pauls Texte und nach
meiner Ansicht auch L^'.i.'i('>, wo man lesen muß mit roten ougen dun, von dan
schreibt Paul, während von in AK fehlt; vgl. Germania 14, 430. — 2199 s'd
tr des landet phlac A (— Lachm., Bech), E Behob ein />!• £tbU nach er, und
232 LITTERATUR: H. PAUL, GREGORIUS.
H änderte, ebenfalls aus metrischen Gründen, des in disses. — 2252 als ich
dich hoere jeken A, ganz richtig, E aber schreibt dich da, H dick dö, als ver-
schiedene Ergänzungsversuche, die übrigens auch wenn man do = da nimmt,
nichts für die Echtheit des in A fehlenden Wörtchens beweisen. — 2406 haben
AB weste ich wer iuch dar an; EG and am Anfang hinzugefügt. Hier konnte
man leicht versucht sein zu lesen west ich wer iuch dar an und dies veran-
laßte die Hinzufügung von und. — 3569 A ditze waere ein saelic man, E er
waere zool ein. Auch hier verdient. A den Vorzug, den ihm Bech und Lach-
mann geben, ditze, im 13. Jahrh. gewöhnlich einsilbig gebraucht, schien einen
zu kurzen Vers zu geben und darum änderte E.
Es fehlt aber auch nicht an Stellen, wo A ähnliche Flickwörter einfügt.
Ein paar haben wir schon gelegentlich angeführt; eine andere ist 3456 er
sprach herre ich bin so G, A hat vil lieber herre, E vil salig herre; AE treffen
also nur in der Ergänzung vil überein, entfernen sich aber in dem dabeiste-
henden Adjectiv, das hinzugefügt ist, weil der Vers zu kurz schien, aber nicht
ist, denn auf ich ruht hier offenbar ein Nachdruck.
Seltener ist der umgekehrte Fall, daß die Hss. Worte weglassen, um den
Vers geschmeidiger zu machen. So 125 in A daz si sich wol mohten under-
sehen, ivol fehlt in EG und bei Paul, wodurch der zweisilbige Auftact beseitigt
ist. Auch diese Übereinstimmung von EG ist erklärlich selbst wenn man sie als
selbständige Quellen ansieht. — 126 der abbt sprach mm vil liebez leint' G; in
der zweisilbigen sonst von Hartmann gebrauchten Form abbet überladen, daher
B vil tilgt, während AE min auslassen. — 1811 da von er da wart ze schalle A;
BE lassen das zweite da weg, wodurch der Vers den zweisilbigen Auftact ver-
liert. Aber auch wenn man den Vers als einen mit überschlagender Silbe liest,
so ist ersichtlich , daß die Weglassung von da eine metrische Correctur ist,
wie in der nächsten Zeile (und ze prise für si edle) B aus gleichem Grunde
und wegläßt. — 1895 Gregorjus sich des vil gar bewac AG, E hat vil nicht; die
Übereinstimmung von AG entscheidet, die Lesung sichs vil gar, die ich schon
früher vorschlug, ist daher zu setzen, wie Paul (Einleitung S. VI) für vielleicht
richtig hält. -- 3744 gnade herre, sprach daz arme wip nach E, A hat arme
weggelassen, um den schweren Auftact zu beseitigen.
In den bisher erwähnten Stellen hat das echte sich in einer oder mehreren
Handschriften erhalten. So auch noch in 1469, wo B liest er schuof daz man
im streit. Schreibt man ime (vgl. S. 231), so ist der Vers ganz tadellos; bei
der im 13. Jahrh. geläufigen Form im war er natürlicher mit drei Hebungen
zu lesen. Daher setzen EG dd schuof er, A nü schuof er; die Ähnlichkeit in
den Änderungen erklärt sich von selbst und konnte hier kaum vermieden werden.
Einen analogen Fall bietet 1886, wo Paul ganz richtig schreibt man klaget
mich niht ze vil, auch dieser Vers schien zu kurz, darum setzte die Vorlage
von E man enklaget (E hat man euch läget), G mich doch niht, A endlich hat
eine ähnliche Umstellung wie 1469: ja klagt man mich. Und noch ein ähn-
licher Fall ist 2418, wo G der rede ist niht also (Paul enist niht); A der rede
enist, herre, niht also, E aber ja ist der rede niht also, also wieder Umstellung
und Vorschiebung einer Conjunction.
An der zweiten Stelle hat keine Hs. das echte bewahrt und erst der
Herausgeber hat es hergestellt. Dieser Fall aber ist viel häufiger noch anzu-
nehmen. So 133, welche Stelle ich schon Germ. 14, 428 besprochen habe.
LITTERATUR: H. PAUL, GREGORIUS. 233
Hartmann schrieb der werlde vient sach; das änderten die Schreiber auf ver-
schiedene Weise, G schrieb ersuch, E an ir sack, A endlich unreine statt werlde.
der als erste Hebung und Senkung steht im Gregor noch 1983 der hertiste
strit , wo G aller einschiebt; 2650 der wtselose man, wo E der vil setzt.
So ist auch des gebraucht 3511 des nahtes beriet, und sicherlich auch den
3488 den sündelosen man (vgl. 2650), wie A bat, während E schreibt disen,
dieselbe Änderung, die V. 2415 A, 2199 H hat. — 464 der wärt ge-
leitet hie, so schrieb Hartmaun ; A schiebt nach loart ein mit ir, E geliche,
was Paul aufnimmt. — 1131 taete du im iht? fragt die Mutter, mit Nachdruck
auf den Pronom. verweilend, A schreibt sich her, taete etc., E taete du im aber
ihtfi — 1223 däz er in lone, A schiebt des, E herre vor lone ein. — 2244
wand em luart nie gebom; statt nie hat A nie weizgot, H weizgot nie (so auch
Paul), E ivaerlich nie. AH, die übrigens zu derselben Classe gehören, weichen
in der Stellung des ergänzten Wortes ab. — 2415 daz wir der rede gedagen,
dafür A diser rede (vgl. 2199 H, 3488 E), während E hie gedagen, G aldä
gedagen statt gedagen setzen. — 2688 begen muoz von bejage; A von slme bejage
(so auch Paul), E sich hie muoz für muoz. — 2808 da mac dir [wol A] werden
[vil E] lue. — 2972 alse schiere [daz EG] er [do A] starp. , — 2988 [guot
weisr und E] guot [ze A] rihlaere. — 3526 wd liezet ir si hie, A schreibt nü
sagt wä, E get wä, wo in dem vorgeschobenen Verbum vielleicht jeht liegt. —
3609 swen du beruorte, statt swen hat A swen er, E swen so, G swen in. —
Anders ist die Abweichung 3679, wo die metrische Unregelmäßigkeit Ände-
rungen veranlaßte. Hier schrieb H luas entwichen begarwe, dafür setzt A ent-
wichen was begarwe, EG was entwichen garwe.
Ich meine , daß man so zahlreichen Stellen doch ein Gewicht beilegen
muß, ohne zu verlangen, daß die betreffenden Handschriften nun auch überall
consequent verfahren im Andern. Ich will nun noch eine Reihe einzelner
Stellen besprechen.
218 folgt P. der Wortstellung von E unde wirde ich aber lüt, wo A hat
aber ick. Im mhd. tritt aber in der Bedeutung 'dagegen gern vor das Pro-
nomen, die Jüngern Hss. setzen es dem nhd. Gebrauche gemäß hinter dasselbe.
Daher verdient Lachmanns Sehreibung abe ich (oder noch genauer ab ich) den
Vorzug. Derselbe Fall 2100 nu xoolde er aber der mäze pflegen EH und Paul,
A hat aber er, was Lachmann mit Recht in ab er verändert; die Übereinstim-
mung von EH kann hierin nichts beweisen. Auch V. 798, nur in A stehend,
und daz was ab in (A in aber) unmaere, und selbst 1539, wo alle drei Hss.
AKII) lesen unde. bin ich aber ein zage, halte ich üb ich für das ursprünglich
von Hartmann gesetzte. Ganz anders verhält es sich mit aber in der Bedeu-
tung 'abermals; dann steht es nach dem Pronomen; so 2142. Ahnlieh wie
mit aber verhält es sich mit ouch, auch dies snlit, wenn es sich gleich auf
den ganzen Satz bezieht, gern vor dem Pronomen; so liest A dem altern
Sprachgebrauchc gemäß 840 und hueten ouch daz wol getan, wo CE daz ouch,
wie die jüngeren Hss. pflegen.
901 daz sich der ermer man; wenn gleich diese Versform bei Hartmann
nicht anstößig ist, so ist doch im letzten Zehnt des \~>. Jahrh. die Form
ere oder ärmere wahrscheinlicher, also daz sich der irinire man. Auch 8201
ist mit Recht morg< a die Hbs. geschrieben worden; so wird der Vers
besser 1434 durch satelea für satels; so i.i vrevele 80 gegen die Hss. für
234 LITTERATUK. II. PAUL, GREGOEIUS.
vrevel gesetzt worden; so 2039 übele für übel, und das gleiche gilt 1597 swie
iibele wirz kuntien, wo Paul mit, den Hss. »bei setzt. 1054 macht die zweisil-
bige Form unze (wofür A unz daz setzt) den Vers weniger hart; wie 908 ime
für im.
922. wahrscheinlich schrieb Hartmann yolt und die sidine wäl , mit Weg-
lassung des Artikels bei dem ersten der durch und verbundenen Worte. Ganz
richtig hat Paul 2340 geschrieben der hat tavel und daz gewant, was auch
keine Hs. so bietet und was derselbe Fall ist. Ein dritter ist haet ich geburt
und daz yuot 1330, was E bietet; ein vierter 1883 beidui sterke und den muot,
wie Paul mit G liest, nur daß G noch und ouch statt und hat.
1117. A hat häufig die Vorsilbe ge gegen die jüngere Hss., die sie weg-
lassen. So hier mit zweisilbigem Auftact nu gefuoyt, CE nu fuogte; ebenso 1119
er getet, CE er tet; 3397 und geruochel, E und ruochet. Auch an anderer Vers-
stelle: und sich ze den brüsten gesluoc A, sluoc G, während E zuo den brüsten
sich sluoc. An allen diesen Stellen ist die Lesart von A zu bevorzugen, da
hier eine wenn auch nur geringe metrische Correctur vorliegt.
1125 gegenlief in A halte ich für ursprünglicher als engeyenlief CE, wel-
ches wie eine sehr nahe liegende Besserung des seltenern Ausdruckes aussieht.
1425 undern arm, besser wohl under arm, E hat under arme; die Hin-
zufügung des Artikels in AG beweist nichts, wohl aber die in späterer Zeit
unübliche Weglassung desselben, die sich in E erhalten hat. Auch 1949 ist
under arm das ursprüngliche, B hat under den arm, EG under die arm, keine
Hs. also die Pluralform ; der Artikel ist mithin eingeschoben.
1531 ist ohne Noth geändert; wenn iemn statthafte Kürzung ist, dann
darf auch noch, das alle Hss. haben, bleiben; man lese mit zweisilbigem Auf-
tact dan si sich noch iemn versagte.
1584 der triuwen veste AH; in der Anm. wird die Lesart von EG der
getriuwen veste als ebenso gut bezeichnet. Ich kann das nicht finden; die Lesart
von EG ist offenbar aus dem nicht mehr verstandenen gen. (der allerdings in
ehrenfest sich erhielt) hervorgegangene Corruption. So setzt Nib. 1142, 4
statt si was triuwen itaete C, die Hs. a treue und stät.
1637 bereite EG, gereite AB; letzteres ist die in älterer Zeit übliche
Form, die hier außerdem durch die Übereinstimmung von AB wahrscheinlich
wird. Ebenso haben EG bereite 2156, wo AH gereite; 2881 EG gegen A.
Auch sonst wechseln die Präpositionen, wo überall der ältere Gebrauch zu
Gunsten von A entscheidet; 1902 A benomen, EG genomen; 2000 A bedroz,
EG verdroz. Man vgl. auch 3602 A sänge, wo G gesange, E gesangen, Paul
schreibt die in Jüngern Hss. durchaus übliche Form gesange.
1920 michelme nach Lachmanns Vorgang, ohne Hs. , die Form michelem
in A ist ganz richtig und nur einer falschen Regel zu Liebe, von der sich
Paul ja auch losgesagt hat, von Lachmann beseitigt worden.
2182 die lüge in A halte ich für die richtige Lesart; E laßt den Arti-
kel aus, H setzt abweichend böse mere. die in der Bedeutung derartig gab
den Anstoß zur Weglassung in E. So auch 3389 der sin, der Up , die site,
wo E vor die einschiebt dar zuo.
3401 siver umbe den anderen Ute E, scheint mir besser als den sündaere
in A; denn diese Lesart würde voraussetzen, daß der Bittende sich selbst nicht
als Sünder betrachte.
MISCELLEN. 235
3558 ist näher in A, wofür E suder hat, das richtige; vgl. Bech in der
Germania 17, 295.
3711 lebende in A verdient den Vorzug; jüngere Hss., wie hier EG, setzen
dafür lebendig.
3803 den fehlenden Vers würde ich jetzt nach 3804 ergänzen: swen des
der tiuvel schündet, daz er dar üf sündet, den hat er überwunden. Der ergänzte
Vers wörtlich wie 9\ Der gleiche Fall mehrfach, wie Paul in den Anm. her-
vorhebt: 745 = 1673. 1442 = 1946. 2642 = 3090.
Die beigefügten Anmerkungen enthalten meist Rechtfertigungen der ge-
wählten Lesarten. Sie erstrecken sich zum Theil über den Gregor hinaus und
behandeln Punkte, die für die kritische Behandlung aller Hartmannschen Werke
beachtenswerth sind. Dieselben sind seitdem in der werthvollen Abhandlung über
den Iwein (Pauls und Braunes Beiträge I) ergänzt und erweitert worden. Beide
Arbeiten legen Zeugniss von des Verfassers Scharfsinn und methodischer For-
schung ab und beweisen aufs Neue, wie viel auch die Lachmannsche Methode,
deren hohe Bedeutung für unsere Wissenschaft wir wahrlich nicht unterschätzen,
der Weiterbildung bedarf.
HEIDELBERG, 29. Mai 1874. K. BARTSCH.
MISCELLEN.
Hoffmann von Fallersleben.
Ein vielbewegtes Leben hat mit dem Tode Hoffmanns von Fallersleben
seinen Abschluß gefunden ; ein Mann ist aus dem Kreise der Germanisten
geschieden, der wiewohl einer der ältesten an Jahren, bis zuletzt sich doch
die Frische des Geistes , die Rüstigkeit des Körpers bewahrt hatte. In ihm
ist der Wissenschaft ein verdienter Forscher, dem Vaterlande ein geliebter und
volkstümlicher Dichter entrissen worden.
Hoff mann hat sein Leben selbst, vielleicht breiter als man wünschen
möchte, in sechs Bänden (Hannover 1868) beschrieben. Es wird daher genügen,
an die allgemein bekannten Umrisse seines Lebens kurz zu erinnern, und nur
auf den Anfängen seiner Entwicklung, die ja immer besonders anziehend
bleiben, wollen wir etwas verweilen. Hoffinann war am 2. April 1798 in dem
hannoverschen Flecken Fallersleben geboren, und wuchs in einfachen, beschei-
den bürgerlichen Verhältnissen auf, in innigem Verkehr mit der Natur, die
die dichterische Ader frühe in ihm weckte. 1812 kam er auf das Pädagogium
zu Helmstedt, zwei Jahre nachher auf das Katharineum zu Braunschweig, dem
auch Lachmann wenige Jahre zuvor noch als Schüler angehört hatte. 1816
bezog er die Universität Göttingen in der Absicht Theologe zu werden. Allein
bald gewannen andere Neigungen die Oberhand; er trieb mit Vorliebe kunst-
geschichtliche und sprachliche Studien. Dieser Kunsttrieb führte ihn 1818
nach Kassel, wo er die dort befindlichen Antiken studieren wollte. In Kassel
machte er die Bekanntschaft der Brüder Grimm, und eine Unterredung mit
236 MISCELLEN.
Jacob wurde, wie uns Hoffuiann selbst erzählt, entscheidend für sein Leben.
Er begab sich 1819 nach Bonn und widmete sich von da an ausschließlich
der deutschen Philologie. In Bonn erschieu auch 1821 seine erste litterarische
Arbeit, die Bonner Bruchstücke vom Otfried. Die Ferien benutzte er zu For-
schungsreisen durch Belgien, die Rheinlande und Westfalen, überall nach guter
deutscher Art zu Fuß wandernd und insbesondere den Volksliedern nachspürend.
Wichtiger wurde die 1821 unternommene Reise nach Holland, die den altnieder-
ländischen Litteraturquellen gewidmet war. Aus Holland zurückgekehrt, siedelte
er nach Berlin über, wo er namentlich in Meusebachs Hause viel verkehrte.
Zwei Jahre später erhielt er seine erste Anstellung als Custos an der Univer-
sitätsbibliothek zu Breslau, ein Amt, zu dem er durch seine bibliographischen
Talente und Kenntnisse sehr befähigt war, das aber doch zu viel des Me-
chanischen mit sich brachte, als daß es den Dichter nicht hätte bald mit
Unlust erfüllen sollen. Mehr seinen Neigungen entsprach die akademische Thätig-
keit, die ihm durch seine Ernennung zum außerordentl. Professor der deutschen
Sprache und Litteratur im J. 1830 eröffnet wurde. 1835 Ordinarius geworden,
zog er sich 1838 ganz von der Bibliothek zurück, um nur seinem Lehrberufe
und seinen Arbeiten zu leben. Manche später rühmlich bekannte Männer, wie
H. Wuttke, F. Liebrecht, H. Palm, G. Freytag, E. Sommer, haben zu seinen
Füssen gesessen. Seine Vorlesungen erstreckten sich auf deutsche Litteratur,
Grammatik, Interpretation, Encyclopädie und Handschriftenkunde*). Ein Jahr
nach seinem Rücktritt von der Bibliothek unternahm er eine längere Reise durch
Osterreich, Süddeutschland, die Schweiz und Frankreich. Die politischen Ein-
drücke derselben spiegeln seine berühmten 'unpolitischen Lieder5 (1840 — 41)
ab, die für ihn verhängnissvoll werden sollten. In Untersuchung deßwegen ge-
zogen, wurde er am 20. Dec. 1842 seines Amtes für verlustig erklärt. Nun
folgte jenes unstäte Wanderleben, das, getheilt in Ovationen von Seiten der
Liberalen und in Plackereien von Seiten der Regierungen und der Polizei, erst
mit seiner Rehabilitierung im J. 1848 ein Ende fand. Eine Wiedereinsetzung
in sein Amt erfolgte jedoch nicht, er wurde auf Wartegeld gestellt. Die nächsten
Jahre verlebte er, seit 1849 verheirathet, am Rheine, meist in Neuwied, bis
er 1854 auf eine Einladung vom Weimarer Hofe nach Weimar übersiedelte
und hier mit Schade zusammen das Weimarische Jahrbuch herausgab. Allein
auch dieß Verhältniss dauerte nur wenige Jahre und gewährte ihm außerdem
keine feste und gesicherte Existenz. Eine solche fand er erst 1860, indem der
Herzog von Ratibor ihn zum fürstlichen Bibliothekar in Corvey ernannte. Es war
eine Sinecure, die ihm gestattete seiner alten Wanderlust in zahlreichen grösseren
und kleineren Reisen nachzuhängen. In völliger Gesundheit traf ihn hier am
*) Ein genaueres Verzeichnis* derselben verdanke ich J. M. Wagners Gefällig-
keit. Es sind folgende: Handschriftenkunde (deutsche, mit praktischen Übungen, in
jedem Semester); Geschichte des deutschen Kirchenliedes: Geschieht«' der deutschen
Litteratur von Otfried bis zu Ende des 18. Jahrh. ; Geschichte der Studien der deutschen
Sprache und Litteratur; über das deutsche Volkslied; mhd. Grammatik; Hartmanns
armer Heinrich; Walther; Reineke de Vos; Hebels alemann. Gedichte; holländische
Grammatik; Geschichte der deutschen Litteratur des 15. 16. u. 17. Jahrb.; schriftl. u.
mündl. Übungen im Gebiete der deutschen Sprache u. Literaturgeschichte ; Encyclo-
pädie der deutschen Philologie ; Freidank; Deutsche Etymologie; Deutsche Literatur-
geschichte der neuern Zeit ; Geschichte der germ. Litteratur im MA. (deutsch, niederd.,
nl., fries., ags., scandin.).
MISCELLEN. 237
8. Jan. 1874 im Kreise der Seinen ein Schlaganfall, der sich am 20. Jan.
wiederholte und sein Leben endete.
Hoffmanns schriftstellerische Thätigkeit liegt bis zum Jahre 1868 über-
sichtlich vor in J. M. Wagners Jubiläumsschrift*). Sie beginnt auf wissen-
schaftlichem Gebiete mit den schon erwähnten Bonner Bruchstücken vom Otfried
(1821), und schließt nach mehr als 50 Jahren mit dem Henneke Knecht (1872).
In dem erstgenannten Jahre hebt auch schon sein hochverdienstliches Wirken
auf niederländ. Gebiete an, indem er in dem Leidener Kunst- en Letterbode
von 1821 eine Reihe von Artikeln über die altniederl. Litteratur veröffentlichte.
Ihren Mittelpunkt fanden die hieher fallenden Arbeiten in den 12 Theilen der
Horae belgieae' (1830 — 1862), die, wie die Niederländer selbst freudig und
dankbar anerkannt haben, zur Belebung und Förderung der niederländ. Studien
in höchst bedeutender Weise beitrugen. Hier waren eine Reihe wichtiger Denkmäler
in sauberen Texten vorgelegt, außerdem im 1. Theil (2. Aufl. 1857) eine litterar-
historische Übersicht, die die Sammlung eröffnete; der 7. Theil enthielt ein prak-
tisch zu Nachträgen eingerichtetes mnl. Glossar. Wie sehr sich H. in die nl.
Sprache eingelebt hatte, beweisen am besten die im 8. Theile erschie.nenen Lo-
verkens (1852), welche von ihm selbst verfasste altniederl. Lieder enthielten und
so gut den Ton trafen, daß sogar ein Willems sie für echt halten konnte**).
Wie hier auf niederl. Gebiete, so erwarb sich H. ein, wenn auch nicht
gleich großes, anerkennungswerthes Verdienst um die ältere hochdeutsche Litteratur
in seinen Fundgruben für Geschichte der deutschen Sprache und Litteratur ,
deren 1. Band 1830 erschien, und außer einer Anzahl ahd. zum Theil hier
zuerst veröffentlichter Sachen die erste kritische Übersicht der Dichtungen des
12. Jahrhs. gab, und am Schluße ein verdienstliches Glossar für das 12 — 14.
Jahrh. von Hoffmann und Wackernagel enthielt. Noch reichhaltiger war der
2. Bd. (1837), der altdeutsche Quellen größtenteils aus österreichischen Biblio-
theken lieferte, darunter den von Hoffmann entdeckten und benannten Merigarto.
Seinen glücklichen Spürsinn bethätigte H. wie hier, so namentlich in der Auf-
findung des verlornen Ludwigsleiches, den er zugleich mit dem ältesten franzö-
sischen Gedichte, der h. Eulalia, entdeckte und 1837 als Elnonensia herausgab.
Mit Haupt verband er sich zur Herausgabe der altdeutschen Blätter (1835 — 40),
der ersten germanistischen Zeitschrift von wirklich wissenschaftlichem Charakter,
an welcher sich H. durch zahlreiche Beiträge, hauptsächlich Mittheilungen aus
Handschriften, betheiligte, und an die sich nach ihrem Aufhören unmittelbar
Haupts Zeitschrift für deutsches Alterthum anschloß. Den nach allen Seiteii
gewandten Blick zeigte das verdienstliche Buch die deutsche Philologie im Grund-
riß | 1836), der erste und bis jetzt einzige Versuch, die Litteratur der deutschen
Philologie systematisch geordnet zusammenzustellen. Er war aus dem akademischen
Bedürfniss hervorgegangen, entsprach aber ebenso einem Bedürfniss der Wissen-
schaft, so daß man sich wundern muß, diesen Plan nicht weifer ausgebaut und
fortgeführt zu sehen. Wiederum ein anderes Gebiet, das mit seiner alten Vorliebe
und seinen Studien für das Volkslied zusammenhieng, betrat er in seiner Ge-
schichte des deutschen Kirchenliedes !>is auf Luther' '1*32, 2. Ausg. 1854***),
1818 1868 Wie] 1868. .Mit einem Nachtrag. Dresden 18
Weitere folgten im Weimar. Jahrbuch 4. 102 ff.; wiederholt im 12. Theile
<1< i Sorae belgieae.
***) Die von 1861 ist nui eine neue Titelausgabe.
238 MISCELLEN.
worin ein reicher, weit zerstreuter Stoff zum ersten Male kritisch gesammelt und
gesichtet dargelegt war. Es ist dieß Buch vielleicht unter allen Arbeiten von Hoff-
mann die wissenschaftlich bedeutendste; freilich eine eigentliche Geschichte in zu-
sammenhängender Entwicklung ist es nicht, wie überhaupt größere zusammen-
hängende Darstellung weniger seine Sache war. Seine Thätigkeit war mehr auf
Sammeln von Quellen und Quellennachweisen , auf Zugänglichmachen von Mate-
rialien als auf Verarbeitung in größerem Umfange gerichtet. Daß er zu letzterer
das Zeug hatte, beweist manche kleinere Abhandlung und würde schon aus
seiner künstlerisch so reich angelegten Natur sich folgern lassen. Dem welt-
lichen Volksliede, zu dem auch seine eigene Dichtung in nächstem Verhältniss
steht, gehört seine Sammlung schlesischer Volkslieder mit Melodien (1842) an,
wie schon früher die niederländ. Volkslieder, die den 2. Theil der Horae belgicae
(1833, 2. Aufl. 1856) bildeten. An der Grenze stehen 'unsere volksthümlicheu
Lieder' (1859, 3. Aufl. 1869), und 'die deutschen Gesellschaftslieder des 16.
und 17. Jabrhs/ (1860), beide Bucher nicht nur eine Sammlung neuen Materials
und neuer Quellen, sondern auch ein neuer Beweis von Hoffmanns Schartsinn
und Spürsinn. Wie viele dunkle Punkte hat er mit diesen Gaben aufgehellt,
wie vielen wenig bekannten Schriftstellern ist er nachgegangen und hat sie aus
der Verborgenheit gezogen! So namentlich den Schlesiern in seinen Spenden
zur deutschen Litteraturgeschichte' (1845). Den trefflichen Plan zu einer Bücher-
kunde der deutschen Dichtung bis zum J. 1700 ließ er leider unausgeführt
und gab nur in einer bibliographischen Zusammenstellung über M. Opitz (1858)
eine vielverheißende Probe. Zu einer solchen Arbeit wäre er vor vielen Andern
befähigt gewesen. In solchen litterarischen Sammelwerken fand seine wissenschaft-
liche Kraft ihren Mittelpunkt; die philologische Thätigkeit der Textbearbeitung
war, auch wenn sein Reineke Vos (1834, 2. Aufl. 1852), sein niederd. Aesopus
(1870), sowie seine ahd., mhd. und mnl. Texte das Lob verständiger und ein-
sichtiger Behandlung verdienen, nicht das ihm eigenst zusagende Gebiet. Darin
haben ihn viele andere übertroffen, die mnl. Sachen sind später von einheimi-
schen Gelehrten kritisch vollkommener ediert worden; die Arbeiten von ihm, die
den bleibendsten Werth haben, sind litterarhistorischer Art, sind litterarische
Sammelwerke, aber nicht Zeugnisse des mechanischen Sammeins, sondern voll
Geist und Leben, Zeugnisse seines Scharfsinns, wir möchten sagen, auch einer
Schlauheit, die aus seinen lebendigen schalkhaften Augen herausblitzte.
K. BARTSCH.
Moriz Haupt.
Dem Manne, dessen Leben und Wirken wir eben besprochen haben, ist
wenige Wochen nachher in gleich plötzlicher Weise ein anderer gefolgt, der, mit
Hoffmann in den Anfängen seines litterarischeu Wirkens eng verbunden, sich
von ihm aber seit 30 Jahren mehr und mehr getrennt hatte: Moriz Haupt, der
zuerst auf germanistischem Gebiete durch die mit Hoti'mann herausgegebenen
altdeutschen Blätter bekannt wurde. Haupt wurde am 27. Juli 1808 in Zittau
geboren, der Sohn des dortigen Bürgermeisters, eines Mannes von feiner classischer
Bildung, der sich als geschmackvoller Übersetzer deutscher Kirchenlieder und
Goethescher Gedichte ins Lateinische einen Namen gemacht hat. Schon in der
Jugend von Liebe für die damals erblühende germanische Philologie erfüllt, blieb
MISCELLEN. 239
M. Haupt dieser Liebe auch treu, als er unter Leitung G. Hermanns, dessen
Schwiegersohn er später wurde, von 1826 — 30 in Leipzig der classischen Philo-
logie sich widmete. War ja doch die Methode der letzteren die mustergiltige
wie überhaupt, so insbesondere für diejenige Richtung auch in der deutschen
Philologie, welche Haupt nach seiner ganzen Naturanlage fast ausschließlich
cultivierte: die kritische. Sie hatte Lachmann auf altdeutsche Texte zuerst
angewandt, Lachmanns kritische Leistungen wurden daher Haupts Leitsterne
auf deutschem Gebiete, wenngleich er nicht sein Zuhörer gewesen*), demnach
als sein Schüler in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes nicht bezeichnet werden
kann. Nach längerem Privatstudium in seiner Vaterstadt habilitierte eich H.
1837 als Docent in Leipzig mit einer Schrift über Catull; schon im folgenden
Jahre wurde er zum außerordentl. Professor ernannt und erhielt 1843 den neu
errichteten ordentl. Lehrstuhl für deutsche Sprache und Litteratur. Doch war
auch jetzt seine Lehrthätigkeit ebenso der classischen wie der deutschen Philo-
logie gewidmet, und nach beiden Seiten hin eine den übereinstimmenden Aus-
sagen aller seiner Hörer zufolge anregende und fruchtbare. Ihr wurde ein plötz-
liches Ziel im J. 1850 gesetzt, in welchem Haupt wegen seiner Betheiliguug
an den politischen Bewegungen der Jahre 1848 und 1849, zugleich mit Th.
Mommsen und 0. Jahn, seines Amtes entsetzt wurde, wiewohl die vorangegangene
Untersuchung mit seiner Freisprechung geendet hatte. Doch behielt er das
Secretariat der philol. histor. Classe der sächs. Gesellschaft der Wissenschaften
(er war seit 1848 deren Mitglied), das er eben übernommen hatte, bei, und
lebte als Privatgelehrter in Leipzig. Erst durch seine Berufung nach Berlin
als Nachfolger Lachmanns 1 854 gelangte er wieder in eine akademische Lehr-
stellung und hielt in dieser wie später gleichzeitig germanistische und classisch-
philologische Vorlesungen; erst als an Stelle des 1856 verstorbenen F. H. v. d,
Hagen im J. 1858 Müllenhoff nach Berlin berufen wurde, verzichtete H. , um
Müllenhoff8 Wirkungskreis nicht zu schmälern, auf die germanistische Lehr-
thätigkeit. Gleich bei seiner Berufung wurde er zum Mitglied der Berliner Aka-
demie der Wissenschaften erwählt und bekleidete seit 1861 als Nachfolger Böckhs
das Amt eines Secretärs der philosophisch-historischen Classe. Seit einer Reihe
von Jahren litt er an nervöser Reizbarkeit und suchte alljährlich in den Ferien
Erholung und Stärkung in längerem Aufenthalte in den Bergen, gewöhnlich in
dem herrlich gelegenen Reichenhall in Baiern. Ein rascher Tod trat au ihn
heran: in der Nacht vom 5. zum 6. Februar 1874 vom Schlage getroffen,
wurde er am Morgen todt im Bette gefunden, nachdem er am Tage vorher die
Vorlesungen wegen Unwohlseins hatte aufgeben müssen.
Haupt theilt mit Lachmann das Wirken auf dem Doppelgebiete der classischen
und deutschen Philologie, und zwar in seinen Schriften und in seinem Lehramte.
Wir haben uns nur mit Haupts germanistischer Thätigkeit zu beschäftigen und
gehen auf das, was er auf griechisch-römischem Gebiete, besonders auf letzterem
geleistet, niclit ein. Die wissenschaftliche Richtung Haupts auf beiden Gebieten
ist durchaus dieselbe. Die ersten Früchte seiner germanistischen Studien wurden
in des Frli. v. Aufseß Anzeiger i'Wr Kunde des deutschen Mittelalters (2. .Jahrg.
1833; niedergelegt, und schon sie zeigen eine nicht gewöhnliche Belesenheit
uul verschiedenen Gebieten. So gibt er 2, 15 f. ein paar Bemerkungen zum
*) H. lernte Lachmann persönlich erat 1834 in Meusebachs Hauso kennen,
240 M1SCELLEN.
Grafen Rudolf, und verweist neben mhd. auch auf nd. Parallelstelleu und auf
eine aus dem Poema del Cid. Seine Bekanntschaft mit den romanischen Spra-
chen, uamentlich mit dem Altfranzösischen, bekunden auch die Beiträge in
den altdeutschen Blättern (seit 1835). Nicht minder geben sie Zeuguiss von
seinen Studien auf dem Gebiete der lateinischen Poesie des Mittelalters. Die
textkritische Richtung, welche den Mittelpunkt seines gesammten Wirkens bildet,
tritt schon hier überall hervor, und darin unterscheiden sich seine Beiträge von
denen seines Mitarbeiters Hoffmann, daß dieser im wesentlichen handschriftlich
treue, Haupt aber immer kritisch bearbeitete Texte gibt, außer wo er ganz
junge Sprachquellen (wie a. Bl. 1, 52 ff.) mittheilt. Mehrere noch nicht edierte
Gedichte, wie ein Salve Regina, der Spiegel der Tugend, Beispiele, Pfaffen-
leben etc., wurden hier von ihm und gleich in einer Gestalt veröffentlicht, die
von Haupts kritischer Befähigung das beste Zeugniss ablegt. Diese kritische
Thätigkeit setzte er auch in der von ihm 1841 begründeten Zeitschrift für
deutsches Alterthum fort, die bald der Mittelpunkt der altdeutschen Studien
wurde und, in ernstem wissenschaftlichen Geiste geleitet, zum Ausbau der ger-
manistischen Wissenschaft nach allen Seiten wesentlich beigetragen hat. Hier
lieferte er die Ausgaben der h. Margaretha, der Warnung, des Bonus, des
Servatius, des Helmbrecht, von Konrads Pantaleon und Alexius etc. Seine erste
selbständig erschienene Textedition war Hartmanns Erec (1839), ebenfalls eine
editio princeps; ein schwieriges Unternehmen, da es sich darum handelte, aus
einer einzigen sehr späten und vielfach corrumpierten Hs. das Gedicht herzu-
stellen. Wenn auch durch die Ausgabe des Iwein für die Erkenntniss von
Hartmanns Art und Kunst viel vorgearbeitet war, wenn auch Lachmann, dem
die Ausgabe gewidmet war, viele schöne Besserungen schwieriger Stellen beige-
steuert hatte, so blieb doch das meiste dem Herausgeber zu thun übrig, und
er hat seine Aufgabe sich nicht leicht gemacht, er hat sie im Ganzen trefflich
gelöst. Im nächsten Jahre (1840) schloß sich Rudolfs von Ems guter Gerhard
an , ebenfalls zum ersten Male herausgegeben, nach zwei Hss., von denen die
eine, die die meisten Lücken der andern ergänzt, nichts weniger als zu loben
war. Die Recension Pfeiffers in den Münchener Gel. Anzeigen brachte aus sorg-
fältigem Studium der Werke Rudolfs, namentlich auch des noch ungedruckteu
Wilhelm, viele Besserungen, die Haupt mit voller Anerkennung in seiner Zeit-
schrift abdrucken ließ. Die nächste Arbeit war wieder Hartmann gewidmet:
zu Beneckes Jubiläum (1842) erschien Haupts kritische Bearbeitung vou Hart-
manns Liedern und Büchlein sowie vom armen Heinrich, der letztere freilich
wesentlich auf Lachmanns Rec. in der Auswahl beruhend, die Lieder und
Büchlein aber zuerst in kritischer Gestalt. Auch hier waren die Büchlein aus
ganz später Überlieferung herzustellen. Noch mehr war dieß der Fall bei der
Ausgabe von Konrads Engelhart (1844), für den nur ein Druck des 16. Jahrhs.
vorlag. Nur bei einem Dichter von so ausgeprägter Manier wie Konracl, dessen
Werke zugleich so zahlreich sind, konnte das Kunststück der Herstellung so
gelingen wie es gelang; aber es gelang nur durch die gründliche Beschäftigung
mit dem Dichter, die die Anmerkungen beweisen. Von geringer Bedeutung
sind der Winsbecke und die Winsbeckin (1845) und Gottfrieds von Neifen Lieder
(1851); denn hier war die Überlieferung leidlich gut, in der rhythmischen
Anordnung aber ließen Neifeus Lieder manches zu wünschen übrig. Nach läugerer
Pause, welche sich durch die Übersiedlung nach Berlin erklärt, folgten ziemlich
M1SCELLEN. 24)
gleichzeitig der aus Lachmanns Nachlaß übernommene, von Haupt vollendete
Minnesangs Frühling (1857) und Neidhart von Reuenthal (1858). In jenem
war der größere Theil der Texte von Haupt bearbeitet, die Anmerkungen fast
ganz sein Werk. Die Texte waren hier zum ersten Mal kritisch bereinigt,
echtes und unechtes geschieden, in den Anmerkungen urkundliches Material
zu den Dichtern und Erklärungen zu einzelnen Stellen beigebracht. Freilich
war die Textbehaudluug mangelhaft nach der sprachlichen Seite, der ursprüng-
liche Dialect in bunter Mischung mit der Überlieferung, in einer Sprache, die
nie existiert hat, über Echtheit und Unechtheit nicht selten absprechend geurtheilt.
der Kritik mithin noch ein reiches Feld gelassen. Neidhart ist wohl Haupts
bedeutendste Leistung; die sehr schwierigen kritischen Fragen boten alle Gelegen-
heit kritischeu Tact und Sicherheit zu bewähren, die Scheidung von echtem
und unechtem ist hier Haupt wohl besser als irgendwo geglückt. Mit dein Zurück-
ziehen vom germanistischen Lehramte schien auch seine litterarische Thätigkeit
auf diesem Gebiete verschwunden , denn es vergieugen dreizehn Jahre, bis wieder
etwas selbständiges germanistisches von Haupt erschien. Nun kamen aber fast
gleichzeitig der zu Homeyers Jubiläum (1871) herausgegebene Moriz von Craon,
das Gedicht von dem üblen Weibe und endlich die zweite Ausgabe des Erec.
Die vornehme Abgeschlossenheit, die schon in den letzten Jahren der 50er
sich stark bemerklich macht, hat hier ihren Höhepunkt erreicht. Und das üble
war, daß das geleistete gar nicht im Verhältniss stand zu dem erhabenen Staud-
punkte, auf den der Herausgeber sich stellte. Die beiden kleiuen Sachen be-
durften kaum einer kritischen Meisterhand, auch war im M. v. Craon vieles von
dem ersten Herausgeber (Maßmann) vorweggenommen, was hier einfach mit Still-
schweigen übergangen war. Mit der zweiten Ausgabe des Erec kehrte Haupt
zu seinem Anfange zurück. Dem Gedichte hatten seit 1839 eine Reihe nam-
hafter Germanisten ihre Aufmerksamkeit zugewendet: Benecke, W. Grimm, W.
Wackernagel, Pfeiffer, W. Müller und Bech. Während den früheren kritischen
Beiträgen Haupt meist Aufnahme gestattet, verhält er sich gegen die meisten
Besserungen der drei letztgenannten ignorierend oder abwehrend. Bechs Ausgabe
wird mit einigen Sätzen von Vocabelkenutniss, die sich für Sprachkenntniss halte,
von wahnschaffener Metrik etc. abgethan. Sieht man darauf hin Text und Anin.
Haupts au, so stellt sich heraus, daß der guten neuen Besserungen bei ihm
sehr wenige sind, daß den gekünstelten Lachmannschen Regeln der Metrik zu
Liebe der Text willkürlich behandelt wird, und daß die Anmerkungen im Wesent-
lichen auch nichts bringen als Parallelstellen aus der tnlui. Litteratur, nur massen-
hafter als dieß nach der Einrichtung von Bechs Ausgabe geschehen konnte.
Daß sie aber wirklich neue Gesichtspunkte eröffnen, daß sie mehr thun, als
schon bekanntes aus einer allerdings reichen Leetüre weiter belegen, kann man
nicht einräumen. Eine solche Leistung berechtigte nicht entfernt zu einem solchen
maßlosen Hochmuthe, wie ihn das ganze Buch zur Schau trägt. Auch die
kleinen Beiträge in seiner Zeitschrift, die Ährenlese ist in demselben Stil:
dabei aber zeigt sich nicht nur, daß der Sammler dieser Ähren völlig anorientiert
war in der Quellenkunde wie in dem was si it den Jahren seiner Zurückgezo-
genheit geschehen — indem er von andern längst gefundenes als neu aufti
— sondern auch daß er vergessen, was er lelbsl in derselben Zeitschrift vor
Jahren als Textbesserungen beigebracht hatte.
OKRM.ANIA. Neue Keihe Vll. (\i\i «Uhr* [Q
242 MISCELLEN.
Überblicken wir noch einmal Haupts germanistische Thätigkeit, so finden
wir, daß dieselbe fast ganz auf textkritische Arbeiten sich beschränkt. Neue weit-
tragende Gesichtspunkte wird man bei ihm nicht suchen dürfen. Er kannte die
Grenzen seiner Begabung und daß er innerhalb derselben sich hielt, wird man nur
loben können. Aber auch wenn er innerhalb dieser Grenzen das vollkommenste ge-
leiste hätte, auch dann könnten wir darin keine Berechtigung zu jener Selbstüber-
hebung erblicken. Weit entfernt textkritische Leistungen herabsetzen zu wollen,
kann ich in ihnen doch nicht eines der höchsten Ziele der Wissenschaft sehen.
Epochemachend werden sie nur dann sein, wenn sie wie die Lachmanns wirklich
eine neue Bahn gewiesen. Das kann man aber von keinem Hauptschen Buche
sagen. Alle seine Arbeiten sind Muster von Sauberkeit und Umsicht, zeugen
von Scharfsinn und kritischer Begabung, von Beherrschung des Stoffes, von im-
menser Belesenheit, von ausgebreitetem Wissen , — aber das sind noch keine
Eigenschaften, die einen grossen Philologen macheu. Wir stehen auch nicht an.
Haupt den feinen ästhetischen Sinn zuzusprechen, der zum Verständniss und
zur Erklärung namentlich von Dichterwerkeu gehört und der in seinen akademischen
Vorträgen zu Tage trat — wir zweifeln auch gar nicht, daß er die Anlage
zu eigentlich schöpferischen Arbeiten besaß; aber wir haben die Summe seiner
Leistungen zu ziehen nach dem was vorliegt, und da glauben wir seinen Ver-
diensten in dem, was wir über dieselben gesagt, nichts entzogen zu haben,
sondern ihnen gerecht geworden zu sein. Sein ehrenvoller Platz in der Geschichte
unserer Wissenschaft bleibt ihm gesichert; er hat zur Festigung der von Lachmann
begründeten kritischen Methode fördernd beigetragen ; sie wirklich weiterzubilden,
daran verhinderte ihn jene ungemessene Ehrfurcht vor diesem Manne, dem
er sich ganz zu eigen hingab, und von dessen Lehren und Ansichten abzu-
weichen ihm nicht nur als Irrthum, sondern als Schlechtigkeit und Unsittlichkeit
erschien*). K. BARTSCH.
Eduard von Kausler.
Heinrich Eduard v. Kausler ist am 20. August 1801 in Wirinenden ge-
boren, wo sein Vater als Rechtsanwalt lebte. Er besuchte das Gymnasium in
Stuttgart und machte seine Studien in Tübingen, Göttingen und Berlin. Neben
der Rechtswissenschaft zogen ihn besonders die Vorlesungen Valentin Schmidts
an, in denen er für seine romantischen Neigungen wissenschaftliche Begründung
und Vertiefung fand.
Bald nach der Rückkehr in die Heimath. 1826, trat Kausler, erst als
freiwilligei Arbeiter, dann als besoldeter Assistent beim k. wihttembergiseken
geheimen Haus- und Staatsarchiv in Stuttgart in amtliche Thätigkeit und stieg
allmählich zum Archivar und Archivrath auf. Daß ihm das Einrücken in die
Direction versagt blieb und er dafür 1859 mit dem Titel und Rang eines
Vicedirectors entschädigt werden sollte, konnte, wenn es auch im Zusammen-
hang mit den damaligen Organisationen jener Anstalt nicht direct als Hintan-
setzung betrachtet werden durfte, doch nicht verfehlen, in dem Gemüthe des
trefflichen Mannes einen Stachel zurückzulassen.
Die amtliche Thätigkeit war zuweilen durch Reisen für gelehrte Zwecke,
in späteren Jahren auch aus Gesundheitsrücksichten unterbrochen. Im Jahre 1829
*) Ein Verzeichnis von Haupts sämmtlichen germanistischen Arbeiten wird das
3. Heft bringen.
MISCELLEN 243
begab sich Kausler der Benutzung der Bibliotheken wegen nach Paris, 1864 in Ge-
sellschaft des Directors v. Stalin mit amtlichen Aufträgen nach Paria und Lon-
don. Zur Sommerfrische zog er in späteren Jahren regelmäßig in die Berge
und erstieg gerne die höchsten erreichbaren Gipfel.
Kauslers wichtigste litterarische Arbeit ist das württembergische Urkun-
denbuch, für dessen Ausführung er seine beste Kraft einsetzte. Drei große
Bände in 4° sind davon seit 1849 erschienen; sie führen den württembergi-
ächen Urkuudenschatz bis ins 13. Jahrhundert. Die Fortsetzung wird Archiv-
rath Dr. Stalin, der Sohn des berühmten Historikers, besorgen.
Aus archivalischen Quellen ist sodann entnommen das Reisebuch des
Burkhart Sticke! 1566 ff.), erschienen Stuttgart 1868, sowie die Sammlung
der Briete des Bischofs Vergerius. Letztere, für den litterarischen Verein in
Stuttgart bestimmt, sind nicht mehr zum Abschluß gelangt, werden aber im
Einverständnis mit Kausler von Professor Schott in Stuttgart vollends druck-
fertig hergestellt werden.
Eine lnittelniedcrländischc Sammelhandschrift der k. öffentlichen Bibliothek
in Stuttgart gab Kausler Veranlassung zu eindringenden Studien . des Mittel-
niederländischen. Daraus gieng die reichhaltige Sammlung „Denkmäler alt-
[besser: mittel-Jniederländischer Sprache und Litteratur" , Tübingen bei Fues
1840 ff., hervor. Das sehr umfassend angelegte miltelniederländische Glossar
ist leider nicht zum Drucke gelangt.
Auf romauischem Gebiet war Kausler, abgesehen von ausgedehnter Leetüre
besonders für Altftanzösisch, Graubündisch, Spanisch und Portugiesisch thätig.
Von der großen kritischen Ausgabe des Rechtsbuches Assises du royaume
de Jerusalem ist 1839 nur der erste Band Stuttgart bei Krabbe) erschienen.
französische, durch das deutsche Unternehmen hervorgerufene, und durch rei-
chere Mittel unterstützte Concurrenz der Fortsetzung hemmend in den Weg trat.
Für ilie graubündische Sprache hatte Kausler durch seine Bergwande-
rungen Vorliebe gefaßt und bereitete Veröffentlichungen vor, die aber nicht
zur Ausführung gekommen sind.
Das gleiche Schicksal hatte ein lange gehegter Plan des Wiederabdruckes
eines seltenen in Zaragoza 1638 erschienenen spanischen Liederbuches, des
linto amoroso.
Dagegen ist die große altportugiesische Liedersammlung, Capcioneiro
ral von Garcia de Reeende, in 3 starken Bänden 184b" ff. für den litterari-
schen Verein in Stuttgart gedruckt worden, bekanntlich eine Hauptquelle der
i portugiesischen Lyrik.
Kausler war einer der Begründe) des 1839 unter dem Titel „litterarischer
Verein ii • zusammengetretenen Bibliophilenvereinea und nahm auch,
nachdem 184'J die Verwaltung aus den Händen des ursprünglichen Ausschusses
nach Tübingen iibi ;n war, berathend und als Herausgebe) thätig noch
bis zu seinem Ende lebhaften Antheil an seiner Weiterentwickelung.
Unverheirathet führte Kausbr ein stille- Gelehrtenleben; -ein brieflicher
Verkehr mit auswarfigen Fai q, seil ls;ö anunterbrochen und reichlich
mit mir, seit 1863 mit Uolland, dann mit Liebrecht, mit den holländischen
Gelehrten u.a. ir das wissenschaftliche Interesse, das ihn besei Ite. Wie er
den wissenschaftlichen Benutzern des Archiv tei Aufopferung seine Dienste
widmete io nahm er auch an den Be I ebungen der Freunde uneigennützig theil;
16"
244 MISCELLEN.
so spendete er gerne Beiträge für mein Unternehmen der Sammlung des schwä-
bischen Sprachschatzes, für Hollands Commentar zu Uhlands Gedichten u. s. w.
Von der Anerkennung, die Kausler gefunden, zeugen die Diplome der
Münchener Akademie und vieler gelehrter, besonders historischer Vereine, das
ihm 1845 von der philosophischen Facultät in Tübingen honoris causa ver-
liehene Doctordiplom und die Ernennung zum Comthur und Ritter hoher Orden,
die ihm von seinem Landesherrn, wie von den Königen von Preußen und Bayern
zu Theil wurde.
Nach längerem Kränkeln ward E. v. Kausler seinen Geschwistern, an
denen er mit treuester Liebe hieng, seinen Freunden und der Wissenschaft
durch den Tod entrissen am 27. August 1873.
A. v. KELLER.
Arthur Amelung.
Mein, mitten im rüstigsten Schaffen in litterarischer und lehrender Thätig-
keit unerwartet schnell aus dem Leben abgerufener College Arthur Amelung
war geboren am 13. Juli 1840 in Livland auf dem Gute seines Vaters.
Privatim für das Maturitätsexamen vorbereitet, legte er dasselbe 1861 am
Dorpater Gymnasium ab, und bezog dann die Universität Dorpat, um dem
Wunsche seines Vormundes gemäß Chemie zu studieren. Im Herbst 1863 siedelte
er nach Berlin über und widmete sich hier, einer schon früher ausgebildeten
Neigung von jetzt an folgend, dem Studium der germanischen Philologie.
Nachdem er darauf von Mich. 1866 an bis 1871 ohne feste Berafsstellung in
Dorpat, Petersburg und Berlin gelebt und während dieser Zeit 1868 mit einer
nicht im Druck erschienenen Abhandlung: Prolegomena ad Ortnidum, carmen
theodiscum, in Halle promoviert worden, habilitierte er sich Mich. 1871 in Dorpat
und hielt dort während dreier Semester Vorlesungen über Nibelungen, deutsche
Grammatik und Minnesänger, nebst praktisch philologischen Übungen. Ostern
1873 ging er, durch seine deutschen Sympathien vornehmlich geleitet, nach
Breslau , habilitierte sich hier mit einem Vortrag über die Eintheilung der
germanischen Sprachen und einer Antrittsvorlesung über die Entstehung der
deutschen Minnedichtung. In den zwei folgenden Semestern las er über die
älteren Minnesänger und Beövulf und leitete germanistische Übungen, im letzten
Winter mehrmals durch scheinbar vorübergehende Krankheitsanfälle zum Aus-
setzen seiner Vorträge genöthigt.
Im Februar dieses Jahres erhielt er eine Berufung als Professor für ger-
manische Sprachen nach Freiburg i. B. Der Hoffnung hingegeben, daß sein,
dem Anschein nach wenig bedenkliches Lungenleiden einem wärmeren Klima
weichen werde, reiste er Anfang März nach dem Curort Montreux im Kaut.
Waadt, wo ihn aber schon am 6. April der Tod ereilte*).
Sein ernster, gediegener Charakter, sein reiches und vielseitiges Wissen
wie seine anspruchslose Liebenswürdigkeit musste jeden Fachgenossen für ihn
einnehmen: um so mehr habe ich es bedauert, daß in Folge seiner zurückge-
*) Behufs der Znsammenstellung obiger biographischer Notizen habe ich, soweit
sie reichten, Amelungs eigene Aufzeichnungen im Album der hiesigen philos. Facultät
benutzt, dessen ..Einsicht für diesen Zweck mir freundlichst gestattet wurde.
MISCELLEN. 245
zogenen Lebensweise, die ihn von allen gesellschaftlichen Kreisen fast gänzlich
fern hielt, auch der wissenschaftliche Verkehr zwischen uns beiden über ge-
legentliche Besuche und zufällige Begegnungen wenig hinausgekommen ist.
Es folgt nun ein Überblick über Amelungs im Drucke erschienene litte-
rarische Arbeiten, soweit mir dieselben bekannt geworden, in chronologischer
Folge und z. Th. mit kurzer Epikrisis.
1. Studien zur vergleichenden Metrik. I. Eine mit Genehmigung einer
hochverordneten historisch-philologischen Facultät der kaiserlichen Universität
Dorpat behufs Erlangung des Grades eines Magisters der vergleichenden Sprach-
kunde zur öffentlichen Vertheidigung bestimmte Abhandlung. Dorpat 1871.
[Specialabdruck aus der Zeitschr. f. d. Ph. Bd. III. Halle 1871. p. 253 bis
305, wo die Abhandlung den Titel führt: Beiträge zur deutschen Metrik.] Die
Abhandlung zerfällt in zwei Theile. Im ersten sucht A. den Versbau einer Reihe
mitteldeutscher Gedichte, speciell des König Rother festzustellen. Er statuiert
in sorgfältigster Weise die einzelnen Fälle, in denen zweisilbige Senkung gestattet
ist, was nach Martin auch für die mnl. Gedichte Geltung hat. Wenn er aber
alle den aufgestellten Gesetzen widerstrebenden Verse für verderbt hält, nament-
lich die zu laugen Verse als dem Gedichte ursprünglich angehörig nicht aner-
kennen will, so muß ich mich der Ansicht Rückerts (König Rother, Leipzig 1872
p. LXXXV f.) und Edzardi's (Germ. XVIII, p. 391 f.) anschließen, die mit Recht
auf die eigenthümliche Stellung dieser Verse im ganzen Gedichte aufmerksam
machen. Eher kann man in Zweifel sein über die scheinbar zu kurzen Verse
("vgl. Rückert a. a. 0.).
Im zweiten Abschnitt will A. für den Heliand in ähnlicher Weise wie
Schubert: De Anglosaxonum arte metrica. Berol. 1870, für das ags. Epos, die
Vierhebungstheorie durchführen. Während Seh. aber alle Silben der ags. Sprache
an jeder Versstelle mit wenigen Ausnahmen hebungsfähig sein lässt, daneben
dreisilbige Verse zugiebt und zweisilbige durch die Nachwirkung früherer Mehr-
silbigkeit rechtfertigen will, nimmt A. in dreisilbigen Halbversen Zerdehnung
eines langen Vokals oder eines kurzen vor 1, r, n und st an, so daß auf die
betreffende Silbe zwei Töne fielen. Eine ausführliche Widerlegung gehört nicht
hieher: ich bemerke nur, daß, wenn man, abgesehen von sonstigen metrischen
Freiheiten, gezwungen ist, eine Scheidung zwischen Haupt- und Nebenhebungen
zu machen, und ihr Verhältniss ähnlich darzustellen, wie das zwischen Hebung
and Senkung (p. 283), und die Bedingung der Zerdehnung nicht einmal für
alle entsprechenden ags. (vgl. z. B. Gen. 1209": on genimed), geschweige alt-
nordischen Verse Anwendung findet, daß in diesem Falle die ganze Theorie
nur dann einen Schimmer von Wahrscheinlichkeit für sieh hätte, wenn aus
andern Gründen nachgewiesen wäre, daß die Reimpoesie 'He vier Hebungen aus
der allitterierenden übernommen haben müa e. Das ist aber durchaus nicht der
Fall (vgl. Vetter : Über die' germanische Allitterationspoesie. Wien ikTl' p. 20 ff.).
'_'. l'her da Verhältnis« der Philologie zu den übrigen historischen Wissen-
cbaften. Antrittsvorle trag gehalten an der Universität Dorpat den in. Oct. 1871.
Dorpat 1871. Die Aufgaben des Philologen sind mii denen des Historikers
identisch. Weder die Ethnologie noch die Völkerpsychologie sind begrifflich von
der Philologie zu trennen.
3. Die Darwinsche Theorie und die Sprachwissenschaft« In: Baltische
Monatschrift. \. Folge Bd. II. 1871. Eine anziehend geschriebene] populäre
Darstellung, z. Th. sich anschließend m die bekannte Schrift Schleichers.
246 MISCELLEN.
4. Die Bildung der Tempusstämme durch Vocalsteigeruug im Deutschen.
Eine sprachgeschichtliche Untersuchung. Berlin 1871*). A. sucht, gestützt auf
das von Schleicher im Compendium für die indog. Ursprache aufgestellte System
der Vocalsteigeruug und auf Müllenhoffs Regel**), diese Steigerung als Starnm-
bildungdinittel für die germ. ablautenden Verba nachzuweisen. Er kommt zu
dem Resultat, daß die abl. Verba nicht in reduplicierende und nicht reduplicie-
rende, sondern nach dem Stammvokal in a, i, u-Stämme einzutheilen sind, daß
Stämme mit erster Steigerung nur noch in der a-Reihe begegnen, während die
i und u-Reihe nur die zweite kennt. Für die Lautlehre statuiert A., daß jedes
zu e (i) geschwächte germ. a auf scr. ä, jedes goth. a auf scr. ä, jedes goth. 6
auf scr. ä, jedes germ. ei (goth. = ii = i) auf scr. e (= äi), jedes germ. eu
(goth. = iu) auf scr. ö ( — äu), jedes goth. ai auf scr. äi, au auf scr. au zurück-
weise.
Die Ausführungen von Leo Meyer (K. Z. XXI, p. 341 ff.) deren Resultat
ist, daß die Vriddisteigerung als etwas specifisch Indisches, der indog. Ursprache
abzusprechen und nicht als eine mit Guna verschwisterte Erscheinung anzusehen
sei, zerstören die Einheit dieses Systems freilich. Es sind da zunächst die Formen
äi und äu zu streichen, und anzunehmen, daß ei und ai, eu und au beide aus
guniertem i und u hervorgegangen seien, in diesen Vokalverbindungen also ä
sich in a und e gespalten habe. Das alleinstehende a trifft dieser Einwand
natürlich nicht, denn ob wir die Wandlung" eines scr. a zu ä Vriddi oder
Dehnung nennen wollen, ist gleich. Es stünde uns also noch frei, mit A. in
bar und fara das a als ursprünglich lang anzusetzen. Das wollte, was A. über-
sah, vor Holtzmann schon Bopp (Vocalismus etc. p. 215 f). Dem würde man
nicht einmal das abweichende Verhalten des gunierenden a mit Grund entgegen-
halten können; denn daß a im Diphthong leichter zu afficieren ist, als allein
stehend, ist selbstverständlich. Da aber der Beweis für die ursprüngliche Länge
des a in fara weder von Bopp (a. a. 0.) noch von Holtzmann (Über den Ablaut
p. 58) noch von Amelung (p. 45J geliefert ist, und überdieß im scr. perf.
mittleres a vor einfachem Consonanten in der ersten Person beliebig verlängert
wird (vgl. Stenzler: Elementarbuch, 2. Aufl. §. 166), so glaube ich, daß auch in
diesen beiden Formen, ebenso wie in halda, ursprünglich ä anzusetzen ist.
Während wir nun in för die Vocalsteigerung vor uns haben, repräsentiert baira
-= bera Vocalschwächung. Dieselbe Erscheinung werden wir in baürgum wieder-
finden. Amelungs Annahme, daß o (= goth. u) in diesen Formen sich aus der
den Ton tragenden liquida entwickelt habe, also baiigum aus brgumäs, scheint
mir ganz unhaltbar. Vergl. die Erklärung Förstemanns: Geschichte des deutschen
Sprachstammes. Bd. I. Nordhausen 1874 p. 568.
Trotz alledem halte ich die Eintheilung der deutschen starken Verba,
wie sie A. p. 65 f. giebt, für viel zweckmäßiger und richtiger, als die Grimm'sche.
Ein ähnliches Princip befolgt Müllenhoff Parad. p. 4 f. und Försternann in der
von ihm gegebenen a. a. O. p. 546. Seine Scheidung nach Steigerung und Schwä-
chung, nicht nach den Vocalen, wird bedingt durch die Tendenz seines Buches.
*) Ich gehe auf den Inhalt dieses Schriftchens etwas ausführlicher ein, da es
wenig bekannt zu sein scheint.
**) So unabhängig von M. schon Jessen: Tidskr. t'or phil. og. paed. I p. 217 f.
Mist Kl.l | \ 247
Dem neuesten Versuch gegenüber (Grein: das gothiscbe Verbura. Cassel
1872), den Yocalwechsel in der goth. Conjugation :ins dem Aecente zu er-
klären, wird man .sich so lange ablehnend verbalten müssen, als die Annahme,
daß im Scr. der Accent wirklich immer die Ursache der Guuicrung sei, von
gewichtigen Stimmen bestritten (Corssen: Über Aussprache etc. Leipzig 1868.
I. p. 622 IT. Westphal: Phil. hist. Gramm. <i. d. Spr. p. 21) oder bezweifelt
wird (Curtius, Grundz. 2. Aufl. p. 50) oder mindestens uichl allgemein durch-
geführt werden kann (Benfey: Vollst. Gr. d. Sanscr. p. 19 Anm. 2).
5. Deutsches Heldenbuch. Ortuit und die Wolfdietriche. Nach Müllenhoffs
Vorarbeiten bei ausgegeben von Arthur Amelung und Oskar Jänicke. Bd. I. II.
Berlin 1871—73.
Ein eigenes Geschick hat gewollt, daß beide Herausgeber dieser zwei
Theile fast zugleich der Wissenschaft entrissen werden sollten. Amelung hatte
die Ausgabe von Ortnit und Wolfd. A übernommen. leb halte diese Ausgabe
für seine bei weitem beste Arbeit. Zum ersten Male werden hier die Hand-
schriften des Ortnit genau classificiert, die Ambraser und Wmdbagener, als den
ältesten Text enthaltend, zu Grunde gelegt, während der in 10 Hdschr. ent-
haltene gemeine Text und das Dresdner Heldenbuch zuweilen über die Wahl
einer Lesart entscheiden können. Die Sprachformen von A werden in die des
13. Jahrhunderts zurückübersetzt, was ich für unbedenklich halte, und der Tt xt
nach Lachmanns Metrik constituiert. Der Wolfd. A, dessen ursprünglicher Text
nur in derselben Ambraser Hdschr. erhalten ist, ist ebenso behandelt. Betreffs
der Zeit des Ortnit und seiner Localitäten geht Amelung nicht über Müllen-
hoffs bekannten Aufsatz hinaus*). Dagegen winl Bd. I p. XXXI ff. überzeugend
nachgewiesen, daß der Wolfd. A, dessen Schluß unecht ist, nicht von dem Dichter
des Ortnit. sondern von einem Nachahmer desselben herrührt. Zu dieser ersten
streng kritischen Textausgabe der beiden Gedichte Bd. I. p. 1 152 kommen
dann noch die sehr dankenswerten, von anderer Seite als zu ausführlich mit
Unrecht bemängelten Anmerkungen Bd. II p, 239 69, die außer den hinzu-
gedichteten Strophen des gemeinen Textes und metrischen Beobachtungen sehr
fleißige Zusammenstellungen über den Sprachgebrauch und Parallelstellen aus
anderen mhd. Dichtern bieten.
Endlich will ich noch hinzufügen, daß eine Entgegnung auf Leo Meyers
oben erwähnten Aufsatz in K. Z., von Amelungs Hand, unter der Presse sich
befinde! und daß er in den letzten Monaten mit Vorarbeiten zu einer Geschichte
des gen I. at< beschäftigt war. glaube jedoch, uachA. eigenen Mittheilungen,
kaum, daß dieselben dem Abschluß nahe warei
BEI BLAU, Juni 1874. E. KÖLBING.
Briefe von Jakob Grimm an K. W. Bo
Karl Wilhelm Bo 30. Aug. 1809 auf <i<-v Friedrichshütte bei
Tarnowitz in Schlesien, Sobi rohann Augusl B.,
besuchte das Gymnasium zu Gleiwitz und die lateinische Schule in Halle,
*) Aus der hübschen Dissertation eon Lindner: i bei di< Beziehungen des Ortnit
zu Hnoo ". • j 1 1 Bordeaux, Rostock 1872, li dem die Wahrscheinlichkeil ergeben,
dali, wenn nicbl Buon die Quelle i i amen
Sagt ii-!'. ti zurück ifill
248 MISCELLEN.
dierte darauf in Halle und Breslau Philologie. An dem letzteren Orte trat er
mit Keller und Pabst an die Spitze der Burschenschaft. Während der letzten
Semester seines Studiums in Breslau war er zugleich Lehrer und Erzieher im
Hause des Grafen Henckel von Donnersmarck. Nachdem er 1832 zu Jena den
Doctortitel erworben hatte, begab er sich nach der Schweiz. Hier unterrichtete
er zunächst bei Fellenberg in Hofwyl acht Monate lang, dann gründete er in
Bern eine Litterarschule und eröffnete endlich am 15. Oct. 1834 eine Erziehungs-
anstalt zu Groß- Wabern, eine halbe Stunde von Bern entfernt. Dort begann er,
zuerst durch Thorpes Ausgabe des Caedmon angeregt, seine umfassenden
Studien der angelsächsischen Sprache und der altern englischen Kirchengeschichte.
Nach zehn Jahren (1844) wurde B. als Director des Gymnasiums nach Elber-
feld berufen. Hier setzte er Anfangs seine angelsächsischen Studien weiter fort;
in den letzten sechs Jahren widmete er sich hauptsächlich der Kirchengeschichte
von Rheinland und Westfalen und gründete den Bergischen Geschichtsverein,
dem er unter großem Aufwand von Zeit und Geld in kurzem eine bedeutende
Ausdehnung und angesehene Stelle verschaffte. Er starb am 22. Dec. 1868.
Seine Schriften und Abhandlungen, soweit sie die angelsächsische Litteratur
und englische Kircbengeschichte betreffen, sind folgende:
1. Caedmou's des Angelsachsen biblische Dichtungen. Herausgegeben von
K. W. Bouterwek. Erster Theil. Gütersloh bei C. Bertelsmann 1854. (Enthält
Einleitung, Text, Übersetzung und Anmerkungen.) Zweiter Theil. Elberfeld u.
Iserlohn. Julius Bädeker. (Enthält: ein angelsächsisches Glossar.) 8.
Text und Glossar waren als wissenschaftliche Beilage mit vier Programmen
des Elberfelder Gymnasiums 1847 ff. ausgegeben worden. In der größeren Aus-
gabe kam hinzu die sehr ausführliche Einleitung, hauptsächlich kirchengeschicht-
lichen Inhalts, die Übersetzung und Anmerkungen.
2. De Cedmone poeta Anglo-Saxonum vetustissimo brevis dissertatio. Ad
auspicanda munera directoris gymnasii Elberfeldani scripsit Dr. Carol. Guil.
Bouterwek. Elberfeldae. Sumptibus Julii Baedeker 1844.
3. Über Caedmon, den ältesten angelsächsischen Dichter, und seine metrische
Paraphrase der heiligen Schrift. 4. (Beigabe zum Programm des Gymnasiums
in Elberfeld 1845.)
4. Die vier Evangelien in Alt-Nordhumbrischer Sprache. Aus der jetzt zum
ersten Male vollständig gedruckten Interlinearglosse in St. Cüdbert's Evangelien-
buche hergestellt, mit einer ausführlichen Einleitung, einem reichhaltigen Glossare,
sowie einigen Beilagen versehen und herausgegeben von Karl Wilhelm Bouter-
wek. Gütersloh, Druck und Verlag von C. Bertelsmann, 1857. 8.
5. Screadunga — Anglosaxonica maximam partem inedita publicavit
Carolus Guilielmus Bouterwek. Elberfeldae. Impressit Samuel Lucas MDCCCLVHI.
4. (Beigabe zum Programm des Elberfelder Gymnasiums 1858.)
6. Calendcwide i. e. Menologium Ecclesiae Anglo-Saxonicae poeticum.
Textum Hickesianum e collatione codicis manuscripti a Beniamino Thorpe facta
emendavit interprctatus est adnotavit K. W. Bouterwek. Gütersloh impressit
C. Bertelsmann. MDCCCLVII. 8.
7. Angelsächsische Glossen in Haupts Zeitschrift. IX, 401 ff.
8. Zur Kritik des Beovulfliedes in Haupts Zeitschrift. XI, 59 ff.
9. Das Beovulflied. Eine Vorlesung. In Pfeiffers Germania I, 385 ff.
W. CRECELIUS.
MISCELLEN. 249
Hochgeehrter Herr,
ich habe die letzten drei Wochen hier in solcher Spannung und Aufregung
gelebt, wie Sie sich denken können, daß ich die späte Antwort auf Ihren freund-
lichen Brief vom 24. v. M. nicht erst zu entschuldigen brauche.
Endlich wird Ihnen mein Dank ausgesprochen für die mir richtig zuge-
langten beiden ersten Hefte Ihres Caedmon, und jetzt verpflichten Sie mich zu
noch größerem, da Sie durch Zueignung Ihres Werks mir Ehre und Freude be-
reiten wollen.
Vorigen Sommer und Herbst war ich fast ein halbe? Jahr abwesend in
Frankfurt und alle gewohnten Arbeiten musten liegen bleiben. Bei meiner
Heimkunft hatte sich vieles aufgehäuft und abgerissenes war neu anzuknüpfen.
So kommts, daß ich Ihre schöne Leistung, der auf den ersten Blick ein ernster
Fleiß anzusehen war, mehr durchblättert habe als noch prüfend gelesen und
wie sie verdient erwogen.
Thorpe würde gegenwärtig ohne Zweifel eine vollkommenere Ausgabe liefern
können. Er geht bedächtig aber trocken zu Werke, Kemble ist ihm au Geist
und Kühnheit, die ich auch in der Philologie liebe, überlegen.
Sie denken an eine Übersetzung von Kembles Saxons in England. Soll
ich Ihnen aufrichtig gesteheu, was ich davon halte? Mir scheint die Verdeutschung
eines so frisch und lebhaft geschriebenen Werks nicht nur sehr schwer, sondern
auch überflüssig. Wer sich mit englischem Alterthum befaßt, liest ohne Mühe
und mit Freuden englisch und würde einbüßen, sollte er auf ein bloßes links
gewirktes Abbild gewiesen sein. Anders stehts um Engländer, die minder fertig
deutsch als wir englisch lesen, und so mochte Thorpe es angemessen finden,
Lappenbergs Buch seinen Landsleuten näher zu rücken.
Mit jenem Lob soll nicht ausgedrückt sein, daß mir an Kembles Buche
alles gefällt. Manches darin ist mir zu entschieden mit Worten zugedeckt, wo
noch strenger hätte müssen untersucht sein. Das hängt zusammen mit dem genug
durchbrechenden englischen Stolz; was aus der Bescheidenheit Gutes folgt ist
ihnen meist versagt. Übrigens wird seiner Anlage nach das Ganze zu wenigstens
vier bis sechs Bänden heranwachsen, was einen deutschen Verleger abschrecken
dürfte.
Dies meine Ansicht, welche natürlich Ihrer eignen kein Maß geben will.
Von Florenti Wigorniensis chrouicon ed. Benj. Thorpe kenne ich nur den ersten
voriges Jahr erschienenen Theil. Für Ihre Arbeiten, dünkt mich, ist das Werk
nicht wichtig.
Gern will ich den ersten Bogen Ihres Glossars, wenn Sie mir ihn zusenden,
durchsehn und dann nicht vorenthalten was mir einfällt.
Mit aufrichtiger Hochachtung und Ergebenheit
Berlin, 16. Apr. 1849. Jacob Grimm.
Berlin, 23. Apr. 50.
Es freut mich, daß nach langem Zwischenraum Sie Ihr ags. Glossar wieder
vorgenommen haben und ich schiebe alles andre von mir weg, am Sie auf
den mir zur Probe gesandten Bogen nicht warten zu lassen. Die streng alfa-
betische Folge ist sehr löblich, da sie gerade für solche Arbeiten erfunden
250 UISiEI.LKV
ist und ich begreife nicht wie sie andere verscherzen mögen, um ungewohnten
Reihen oder eingebildeten Stämmen unsicher nachzugehn.
Da Sie andere Dialecte nicht zu Rathe ziehen , scheinen mir unter abal
die Verweisungen auf Diefenbach und Bergmann höchst entbehrlich, zumal das
ahn. afl oder auch abl geschrieben ein bekanntes Wort ist. Mir lag das alts.
rj in aband, abaro im Sinn, als ich abal für sächsisch ausgab, es läßt sich
nicht aufweisen, wenn es auch wahrscheinlich bleibt. Mnl. gibt es ein adj. abel
dexter, vielleicht auch robustus, altn. öflugr, doch das geht Sie nichts weiter an.
acol in aclum stefnum 3507 ist nicht von dem folgenden acol verschieden,
vielmehr bildet einen schönen Gegensatz, daß die Männer mit starker Stimme,
die Frauen aclum stefnum, timidis vocibus sangen. Das with clear voices hat
Thorpe unnöthig gerathen. Die Quantität des anlautenden Vocals bleibt noch
zweifelhaft, da die Hs. immer äcol setzt. Ein ahd. achul oder eichul müste
den Ausschlag geben.
a-flästuni 3402 ist wie manches andere im Ca?dmon möglicherweise ver-
derbt, lästuin aber darf man nicht angreifen und bedeutet vestigiis. Doch ließe
sich wie äfdsel, descensus . xazaßaOlQ Luc. 19, 37, ein äfläst (ahd. aboleist?)
orbita sinuosa denken, und ich würde nichts ändern.
Das oft erscheinende a?hte laedan hätten Sie aber ausdrücklich erklären
sollen. Wahrscheinlich thut das Ihre mir noch unbekannte Übersetzung, wenn
sie hier deutlicher ist als Thorpes possessions lead. wealth lead. sehte la?dan
scheint hier immer von Ziehenden, Reisenden gebraucht, die ihre Habe ausführen
oder einführen.
Bei eifere denkt Lye nicht bloß an a?lf. fluvius, sondern auch an erian
arare, federe, und gelangt so gezwungen zu fossa ; allein es gibt kein Subst.
ere aratio. Doch fällt mir keine Vermutung bei.
Wie sollte ägan donare heißen? Der Begriff des Habens und Besitze ns
kann nicht in den des von sich Gebens verkehrt werden, freo ne peove. ne
meahton heora bregoveardas bearnum ägan, mochten ihre Herrn nicht mit Kindern
beschenken und 2718 eitelstove pe ic ägan sceal, die ich geben will. Dieß ägan
kann nichts gemein haben mit dem goth. aigan, sondern muß zusammenge-
zogen sein aus ägifan, goth. usgiban. wie noch heute die Schweden aus gefva
bloßes ge machen. Ich dachte erst an ägan = ägougan. das nicht in den Sinn
passt, aber gän = gangau ist eine ähnliche Wortverdichtang ] vielleicht wäre
auch zu sehreiben ägän. Wahrscheinlich galt doppelte Construction: ägifan.
alicui aliquid und aliquem aliquo , wie lat. bei donare. Irre ich in allem dem,
so müsten Sie mir ein ägon oder ähte, kurz eine andere Form als den Inf.
ägan. der allein diese Kürzung bietet, aufweisen, was ich bezweifle.
ähvdan abscondere versteht man leichter, wenn das engl, hide beigefügt
wird, denn es bedeutet eigentlich zudecken von hyd, Decke, Haut. Unser deutsches
häuten drückt bloß das entgegengesetzte Abziehen aus, nicht überziehen, be-
decken.
änbydig f. änhygdig, was ich gesagt hätte.
("her ärisan, surgere habe ich in meiner Geschichte der deutschen Sprache
S. 664 ausgelassen.
Dieß wenige ist mir. hochgeehrter Herr, bei einmaliger Durchsicht Ihres
ersten Bogens eingefallen und mag Ihnen sowol meinen guten Willen darthun,
ars auch daß Sie mit den übrigen von selbst, ohne mich fertig werden können.
MISCELLEN. 251
Ich entsinne mich nicht mehr ob ich mich anheischig gemacht habe Ihr ganzes
Glossar durchzusehn und winde wahrlich bereit dazu sein, wenn ich Muße hätte;
aber die Arbeiten dringen jetzt gerade von allen Seiten auf mich ein und
drohen über mir zusammen zu fallen. Im 65. Jahr, das ich erreicht habe, be-
ginnt auch die leibliche Kraft nachzulassen, ich kränkle schon lange und habe
diesen Augenblick außer einer Schrift über die deutsche Orthographie, welche
das große Wörterbuch einleiten soll, eine über die malbergische Glosse unter
den Händen, deren einzelne so schwer sind, daß sie zu langen Excursen ver-
führen.
Sie begreifen also daß es mir sauer wird mich auf Nebeugeschäfte ein-
zulassen und bleiben mir dennoch gewogen, auch wenn ich Ihnen eiuen kleinen,
vielleicht entbehrlichen Dienst versagen muß. Ihrem Unternehmen wünsche ich
von Herzen das beste Gelingen.
Jac. Grimm.
4265 würde ich für bere lieber bere schreiben, um es dem gewöhnlichen
ba're zu nähern.
Hochgeehrter Herr,
ich wiederhole meinen herzlichen Dank für ihr Buch, dessen zweites
Exemplar ich meinem Bruder gegeben habe und auch er läßt dafür danken.
Daß Ihnen das Werk zwar Freude, aber auch manche Mühe und Sorge macht,
kann ich mir denken; noch haben Sie nicht die Hälfte des anschwellenden
Glossars fertig gedruckt, und die ganze Übersetzung, die ich schon längst aus
der Presse gegangen glaubte, steht noch zurück.
Daß das Glossar mir willkommen und vielfach brauchbar ist brauche ich
kaum zu sagen , mit dem Setzer mögen Sie Ihre Noth gehabt haben , es
fehlt nicht an übersehnen Kleinigkeiten , die sich jeder Kundige leicht be-
richtigt, z. B. S. 128 6teht gevit für gevit, den Imperativ, welchen man freilich
aus p. 129 ersieht. Hin und wieder habe ich andere kleine Ausstellungen,
edne kann kein adj. servilis, «ondern muß acc. sg. masc. von ede = eäcte
sein, dessen Bedeutung facilis hier in die von obediens, deditus übertritt. Was mir
gelegentlich auffällt, will ich anmerken jetzt fehlt mirs, wie gewöhnlich, an Muße.
Kemble , glaube ich , würde durch Zusendung eines Exemplars erfreut
werden. Er wohnte den ganzen Sommer zu Hannover, Ernst Auguststraße 15,
doch habe ich in den letzten Monaten keinen Brief von ihm. Um mit der
Sendung sicher zu gehn könnten Sie ein paar anfragende Zeilen voraus schicken,
oder soll ich die Besorgung übernehmen?
Uli ließ diese Zeilen liegen um Ihnen beifolgende kleine Schrift zufertigen
zu können, die gerade erschienen ist und Erinnerungen aus alter Zeit enthält.
Dadurch werde ich zu einer Frage veranlaßt, die mir schon einigemal auf der
Zunge schwebte: Ihr Vater war doch der berühmte, auch von mir persönlich
gekannte Bouterwek in Göttingen*). Auch einer Schwester von Ihnen erinnere
ich mich.
Alle Tage vergehn schnell und dann kommt die Nacht.
•_;. Nov. 1850. Jacob Grimm.
*) Der Hofrath Prof. Fr, Bouterwek in Göttingen wai ! I des
Adressaten.
252 MISCELLEN.
Hochgeehrter Freund,
es freut mich, daß die aufgeschobene Übersetzung des Caedmon noch zu
Stande kommt und von gelehrten Erläuterungen begleitet wird. Au Schwierig-
keiten wirds nicht fehlen, ich konnte aber noch nicht näher zusehen.
Hierbei sende ich Ihnen das verlangte rituale eccl. Dunelmensis. In den
letzten Jahren ist wenig Ersprießliches in der ags. Lit. geleistet worden. Die
Alfric society scheint uneins und unthätig.
The legends of Andrew and Veronica , edited for the Cambridge anti-
quarian society by Charles Wycliffe Goodwin. Cambr. 1851. 47 S. 8. ist un-
bedeutend.
Das neuste und wichtigere ist die von Thorpe im Anhang zu Pauli's
Alfred the great. London 1853*) p. 238 — 58 2 besorgte Ausgabe von Alfreds Orosius,
der hinten ein Glossar hinzutritt aber ohne Citate. Im Text bleibt die Quantität
unbezeichnet, das kann man thun, ja man könnte, wie im indischen Sanskrit-
druck, alle Wörter aneinanderhängen und es mit einiger Anstrengung doch lesen.
Mit herzlichem Gruß Ihr
27. Nov. 53. Jac. Grimm.
Ettmüller ist bei der verwünschten Anordnung fast unbrauchbar.
Verehrter Herr Director,
große Freude hat mir Ihr trefliches Buch gemacht und ich sage von
Herzen Dank. Schon Ranke hatte mir gesagt, daß er Sie diesen Sommer in
England sah, ich wüste also von Ihren Arbeiten auf den dortigen Bibliotheken
und konnte ahnen, welche Frucht sie uns bringen würden.
Sie haben uns ein nothwendiges Buch geliefert und mit deutschem Fleiß
ausgerüstet, die äußere Gestalt ist so, daß sie auch in England befriedigen
wird. Ich habe alsogleich ein paar Stellen, auf die ich in diesen Texten längst
gespitzt war, zu meiner Befriedigung nachsehen können, und werde vielfach
dazu zurückkehren.
Wer hätte es sollen besser machen? Lassen Sie sich einen Ausfall Greins
(mit dem ich persönlich nicht bekannt bin) keineswegs anfechten ; auch seine
Arbeiten werden zu manchem Tadel Anlaß geben. Köne freilich hat unverzeihliche
Fehler gemacht und was sein Werk von gutem Eindruck hätte machen kön-
nen, in breiten Anmerkungen ersäuft. Es thut mir leid, denn ofnen Sinn für das
alte Gedicht hat er hinzugebracht.
Wenn Sie wieder an Thorpe schreiben, bitte ich, ihm meine Empfehlung
zu melden. Es ist mir erst vor einiger Zeit gelungen mir seinen Beovulf zu
verschaffen, so schwer hält es manchmal mit englischen Büchern. Ich habe mit
Vergnügen einzelne Textberichtigungen wahrgenommen, kann aber dem nicht
beistimmen, was er über das Alter des Gedichts und dessen Herleitung von
der schwedischen Küste sagt.
*) Bei Henry Bohn, Yorkstreet Coventgarden. (Anin. J. Grimms). — Grimm
schreibt Alles mit Ausnahme der Eigennamen klein, auch nach einem Punkt. Nur
die Abschn. beginnen mit großen Initialen.
MISCELLEN. 253
Sehr betrübt bat mich Kembles früher Tod ; Sie hatten ihn wol nicht
mehr dort und auch früher nicht in Hannover zu Gesicht bekommen?
Mit wahrer Hochachtung verbleibe ich
Ihr ergebenster
Berlin, 11. Nov. 1857. Jap. Grimm.
Ein Brief Schmellers.
Mitgetheilt vom Kantousbibliothekar H. Brunnhofer in Aarau.
München, 24. July 1837.
Herrn Oberst Voitel in Solothurn.
Endlich, edelster Freund, habe ich den größten Stein , den ich mir vor
21 Jahren selbst aufgeladen, und der mich hinlänglich gedrückt und gehemmt,
von mir abgewälzt, wie Figura zeigt.
Man glaubt nicht, was auf jeder Seite so einer an sich wenig bedeutenden
Sammlung für eine Arbeit steckt. Alles will belegt, begründet vielfältig ver-
glichen sein, und am Ende steht es doch für neunzig Leser unter hunderten
ungenießbarer da, als der einfältigste Roman.
Wer mir vor 30 Jahren gesagt hätte, daß mein Lebenswerk in solch einem
kahlen Idioticon bestehen würde, der hätte mich wahrlich nicht erbaut. Und
dennoch bin ich, der Zweiundfünfziger, froh, wenigstens diese Spur meines
Daseins zurückgelassen zu haben. Ich meine mich dunkel zu erinnern, daß es
ein gemüthlicher Ausflug nach dem Park bei Madrid war, den ich in deiner
Gesellschaft machte, wo ich in der Schweizer Zeitschrift Isis, die du hieltest, neben
den schnurrigen Einfällen des Philosophen von Langenthai*) Proben von Stalders
Idioticon sah und in ihnen die erste Idee von solch einer Arbeit erhielt. Sieh,
so mus8t du an Allem mit Schuld sein. Gott vergeh es dir!
Zschokke hat mir freundlichst geschrieben. Ich antworte ihm dieser Tage
und sende auch ihm den Rest meines Werkes. Wer mag so ruhig, wie er, auf
seiner Blumenhalde umgeben von glücklichen Kindern und Kindeskindern, hinaus-
schauen auf die Stürme der Welt, die leider nichts lernt und nichts vergisst.
Wie ganz anders mag es dir, edler Freund , und deinen treuen Schiflsbruchs-
genossen zu Muthe sein bei dem, was über die Pyrenäen her verlautet. Wenn
wahr ist, was man in der Zeitung liest, so müssen ja die Leute alle entweder
mit Blindheit geschlagen oder geradezu Verräther sein. Doch das ist ein Capitel,
aus welchem wenig Tröstliches zu lesen ist.
Jeden Herbst, der herannaht, steigt in mir lebhafter der Wunsch auf,
dich und die Deinigen wieder von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Leider
wirft sich immer wieder irgend ein Hindernis» dazwischen. Das schnödeste ist
ohne Zweifel das kleine Budget, das jeder Hausvater verpflichtet ist von Jahr
' Nach den gütigen Mittheilungen meines verehrten Freundes Rochholz war
dieß ein reicher Arzt, Namens Dennler, der sich in streitsüchtiger und burschikoser
Weist i,,iid als Troxlerianer, bald als Antitroxlerianei mit den philosophischen und
politischen Tagesfragen beschäftigte. Die aargauische Kantonsbibliothek enthüll \>n\ ihm:
Dennler. Landarzt zu Langenthai, Bürger Quixots aus Uchtland sämmtliche Werke.
Cum permissione Superioruin. 1. (u. einziger; Bd. 8, London (Baden im Aargau) o,
Dr. 1817.
254 MIKCELLEN.
zu Jahr mit den Seinigen zu entwerfen uud wo sich selten ein erklecklicher
Überschuß zeigen will. Da bleibt man, ohne es zu heißen, doch im Grunde
ein Gelungener. Oft tröste ich mich bei solchen Betrachtungen mit manchen
Engländern um mich her, die bei den Mitteln, die ganze Welt zu durchfliegen,
doch nirgends wahren Genuß finden und überall hin ihre Langweile mit sich
führen.
Längst hab iehs gemerkt, der Mensch ist zu keiner andern Freude ge-
boren, als zu der kurzen, die er in dem Moment empfindet, in welchem er von
irgend einem Leiden sich erlöst fühlt. Der stehende Artikel also ist Leiden,
Dulden, und wer dessen die größere Summe zählt, ist auch der Größere.
Widerlege mir, Freund, diese Argumentation, und wenn du, der da vor
Vielen ein Recht hat, über diesen Punkt zu sprechen, mich eines Bessern be-
lehrst, wird sie herzlich gerne zurücknehmen
dein alter getreuer
Schmell er.
A las senoras, las debidas memorias — y dentro poeo mejores nuevas de
la querida patria !
Übersicht
der Vorlesungen über deutsche Sprache, Litteratur etc.. au den Universitäten Deutsch-
lands, Österreichs, der Schweiz, so wie in Dorpat im Sommersemester 1874.
Eneyklopädie: Systematische Übersicht der germ. Philologie: Heidel-
berg-Bartsch; Einleitung in das Studium der neueren Sprachen: Zürich-Tobler.
Vergleichende Grammatik: Graz-Schmidt; Zürich-Schweizer Sidler ;
2. Theil: Berlin-Ebel; allgem. Einleitung in das Sprachstudium: Halle-Pott.
Deutsche Grammatik: Berlin-MiillenhofF; Breslau-Rückert (2. Theil);
Göttingen- W. Müller; altd. Grammatik: Graz-Schönbach; ausgewählte Capitel :
Halle-Zacher; Hildebrand; deutsche Syntax: Bonn-Andresen.
Gothische Grammatik: Berlin i Ak. f. in. Ph.)-Begemann ; Bonn-Bir-
linger ; Graz-Schmidt; Marburg-Justi.
Althochdeutsche Grammatik: Bonn-Diez.
Mittelhochdeutsche Grammatik: Miinster-Stork ; Würzburg-Lexer ;
mit Interpretationsübun^en: Bern-IIirzel.
Altsächsische Grammatik: Berlin Ak. f. m. Ph.)-Zernial ; Göttin-
gen-Wilken; Greifswald-Höfer; Marhurg-Grein ; altniederd. Grammatik mit Inter-
pretation: Basel-Heyne
Angelsächsische Grammatik: Göttingen - Th. Müller; Halle-Tschi-
schwitz ; Marburg- Grein; Straßburg-Steinmeyer.
Englische Grammatik: Bonn-Delhis ; Jena- Sievers ; Königsberg-Schip-
per; Rostock-Limlm r; Straßburg-ten Brink; altenglisch: Marburg-Grein ; engl.
Synonymik und Etymologie: Heidelberg-Ihne.
Altnordische Grammatik: Halle-Hildebrand.
Deutsche Mythologie: Vgl. Mythologie der indogerm. Völker: Hei-
delberg-Lefmann.
Deutsche Alterthümer: German. Staats- und Rechts-Alterthümer :
Basel-Meyer; deutsche Alterthümer nach Tacitus Germania: Göttingen- Waitz;
Tacitus Germania; Gießen-Lutterbeck; Halle-Zacher.
MISCELLEN 255
Deutsche Rechtsquellen, Erklärung: Basel-Heusler ; Göttingen-Frens-
dorfl': Lex Salica : Heidelberg-Scherrer ; Sachsenspiegel: Halle-Lastig; Schwa-
benspiegel : Zürich-Orelli.
Deutsch»1 Litte raturge seh ich t e: Heidelberg - Bartsch ; Tübingen-
Keller; 1. Theil: Breslau- Pfeiffer ; im Mittelalter: Bonn-Birlinger ; Halle-Hilde-
brand; Innsbruck-Zingerle; Kiel- Weinhold ; Leipzig-Zarneke ; über mhd. Dich-
tangen: Erlangen-Raumer ; l>i> 1720: Grieß en-Weigand; vom 16. Jh. an: <J<">t
tingen-Gödeke; Wurzburg-Lexer ; seit Opitz: Boan-Keifferscheid ; seit Gottsched:
Halle-Haym; des 18. Jh.: Gießen - Zimmermann ; classische Periode (Göthe-
Schiller-Zeit : Zürich-Honegger ; während der beiden letzten Decennien des 18. Jh.:
Wien-Tomaschek; im 19. Jh.: Straßburg- Scherer; seit Goethes Tod: Bern-
Schöne. — Deutsche Heldensage: Göttingen-Tittmann; deutsche Lyrik mit Inter-
pretation: Basel-Heyne; religiöses Schauspiel des MA.: Tübingen-Ft hr; über
Lessing: München- Bernays ; Prag-Martin; Lessings Dramaturgie: Wien-Toma-
schek ; Goethes Leben und Werke: Bern-Hirzel; (Goethes Lyrik; Dorpat-Masing ;
Göthes Faust: Heidelberg-Reichlin Meldegg; Tübingen- Köstlin ; Faustsage und
Faustdiebtungen: Gießen- Zimmermann ; Schillers Leben und Schriften: Göttin-
gen-Goedeke; romantische Schule: Prag-Kelle.
Englische Li tteraturgesch ichte: Berlin Ak. f. m. Ph.)-Scholl J von
Chaucer au: Breslau-Kölbing.
Altnordische Li t teratur gesch ie h t e : Halle- Hildebrand.
Deutsche Metrik: mhd. Metrik: Marburg-Lucae.
Sprachdenkmale r :
Gothische: Erlangen- Raumer; Graz Schmidt; Tübingen-Holland; Evang.
Johannis: Bonn-Birlinger.
Althochdeutsche: Greifswald-Höfer; Prag-Kelle; Ott'rid und kleinere
poet. Denkmäler des 9. Jh.; Königsberg-Schade.
M i ttelhoc h deutsche: ausgew. Poesien des deutscheu Mittelalters : Zürich-
Tobler ; ausgew. Denkmäler des 13. Jh.: Königsberg-Schade.
Frei d an k: Tübingen-Holland.
Gottfrieds Tristan: Innsbruck-Zingerle.
Hartmanns armer Heinrich: Breslau-Pfeiffer; lweiu: Bonn-Reif-
ferscheid.
Kudruii: Göttingen Wilken; ausgew. Stücke: Gießen-Weigand.
Nibelungenlied: Marburg-Lucae : Prag - Martin : Tübingen-Keller :
mit Einleitung: Bonn-Simrock; Heidelberg-Bartsch : Straßburg Scherer; ausgew.
stücke: Baeel-Me
vValthervon der Vogelweide: Rostock- Bechstein; Wurzburg-Lexer.
Wolframs Parziral: Göttingen-W. Müller; Jena- Sievers ; Lei]
Zarncke ; München-Hofmann ; Straßburg-Steinmeyer ; Zürich-Ettmüller.
Ah chi Hcli nd: Berlin Ak. f. m. Ph.)-Zernial; Göttingen-
Wilken; Greifewald-Höfer; kleinere Denkmäler: Marburg-Grein.
Mittelnied erländisebe Beinaerl de Von: Straßburg-ten Brink.
Angelsächsische: Beovulf: Berlin-Müllenhoff; Zernjal Ak. f. m. Ph.) :
G " ngen-Th. Müller; Straßburg- Steinmeyer ; Zürich-Ettmüller; Caedmon: Halle-
Tschischwitz ; i Stücke von ags. Prosa und Dichtung nach Rieger: Gießen-
ind; nach Zupitza: Königsberg Schipper.
256 MISCELLEN.
Altenglische: nach Zupitza: Königsberg- Schipper; Chaucers Canter-
bury Tales: Breslau-Kölbiug.
Altnordische: ausgew. altnord. Texte: Kiel-Möbius; Edda: Breslau-
Kölbing; Lokasenna: Straßburg- Bergmann; Eyrbyggjasaga: Leipzig-Zarncke.
Germanistische Übungen in Seminarien, Gesellschaften, Societäten, Kränz-
chen werden gehalten in Basel, Berlin, Bonn, Breslau, Göttingen, Graz, Greifs-
wald, Halle, Heidelberg, Jena, Kiel, Königsberg, Leipzig, Marburg, München,
Prag, Rostock, Straßburg, Tübingen, Wien und Würzburg.
Personalnotizen.
Am 6. April 1874 f zu Montreux in der Schweiz Dr. Amelung, welcher
als außerord. Professor der deutschen Philologie nach Freiburg i. B. berufen
worden war. An seiner Stelle ist Dr. H. Paul, bisher Privatdocent in Leipzig,
ernannt worden und hat bereits im Sommer d. J. seine Lehrthätigkeit begonnen.
Am 23. Februar d. J. f im städtischen Krankenhause zu Breslau Dr.
Aug. Geyder, früher Privatdocent an der dortigen Universität, als Germanist
bekannt durch seine Arbeiten über Waltharius.
Der außerord. Professor Dr. Rudolf Hildebrand in Leipzig ist zum
Ordinarius ernannt worden.
Preisaufgaben.
Königsberg. Es soll genau untersucht werden, ob und an welcher
Stelle bei der Übersetzung des neuen Testamentes ins Gotische Ulfilas neben
dem griechischen Texte auch eine lateinische Übersetzung benutzt habe.
Rostock. De arte poetica et orationis genere Waltheri illius, qui dicitur
von der Vogelweide .
Würzburg. Es soll eine Darstellung der dichterischen Thätigkeit Konrads
von Würzburg und seiner Bedeutung für die deutsche Poesie überhaupt gegeben
und gezeigt werden, unter welchem Einflüsse er stand und welchen Einfluß er
auf spätere Dichter ausübte.
Bern. Erörterung des Begriffs der Nationallitteratur mit besonderer Rück-
sicht auf die Frage, in wiefern derselbe Anwendung auf die schweizerische,
namentl. deutsch- schweizerische Litteratur leide.
£ ekann t .machung .
Die 29. Versammlung deutscher Philologen, Schulmänner und
Orientalisten wird in den Tagen vom 28. Sept. bis 1. Oct. d. J. zu Inns-
bruck stattfinden, wozu die Unterzeichneten hiemit ganz ergebenst einladen.
Indem sie die geehrten Fachgenossen ersuchen, beabsichtigte Vorträge
sowohl für die allgemeinen als auch für die Verhandlungen der Sectionen bald-
möglichst (längstens bis 20. August) anmelden zu wollen, erklären sie sich zu-
gleich bereit, Anfragen und Wünsche, welche sich auf die Theilnahme an der
Versammlung beziehen, entgegenzunehmen und nach Möglichkeit zu erledigen.
Innsbruck, im Juni 1874.
Das Präsidium.
B. Jülg. W. Biehl.
DER JÜNGERE TODTENTANZ.
Von diesem Werke habe ich bei Besprechung des Spiegelbuches
Germ. 16, 177 fgg. Anlaß gehabt zu handeln, und ich verweise hier
auf das damals gesagte, das ich in einigen Punkten zu berichtigen
haben werde, von dem ich aber möglichst wenig wiederholen möchte.
Ich kannte damals nur die beiden von Maßmann in Naumanns Sera-
peum II, 184 fgg. beschriebenen alten Drucke und von der Casseler
Handschrift die von Kugler Kl. Sehr, zur Kunstgesch. I, 52 gegebene
spärliche Probe. Da es mir durchaus der Mühe werth schien, diesen
Todtentanz zum Gemeingute zu machen, habe ich mir inzwischen auch
von der Handschrift, der einzigen bis jetzt bekannten, eigene Ein-
sicht verschafft*) und bin nun im Stande, eine Art von kritischen)
Texte des Werkes zu geben.
Die Handschrift, der Landesbibliothek zu Cassel gehörig, ist auf
Pergament in Octav zierlich und mit Aufwand ausgeführt. Die Vor-
derseite jedes Blattes enthält die zwei Gesetze je eines Auftrittes über
dem dazu gehörigen Bilde; die Rückseiten bleiben leer. Die Schrift
ist durchweg mit farbigen und vergoldeten Initialen geschmückt, große
ren bei jedem Gesetze, kleineren bei jedem Verspaar. Abgesetzt sind
die Verspaare, nicht die Verse; die leerbleibenden Theile der Zeilen
sind durch Bänder in den Farben der Initialen, braun. Klau und gold
ausgefüllt und mit denselben Farben auch die Bilder umrahmt
Diese letzteren sind in der Ausführung ziemlich roh, aber mit
Geist und Laune erfunden. Sehr gut ist durchweg der Tod. Es findet
sich ein Reichthum von wechselnden, zum Theil witzigen Motiven in
der Art, wie er den verschiedenen Personen entgegentritt. Gewöhnlich
tanzt er und musiciert auf irgend einein Instrumente, bläst aber zur
Abwechslung auch auf dem Stil einer Hacke "der aui einem Todten-
bein, wozu er mit einem andern auf einen Schädel trommelt. An der
Trompete hat er sonst bei Standespersonen auf einem Fahnentuche
das Wappen des abzuholenden, einmal aber, bei dem Junker, sein
• Wotiii ich der Gefälligkeit dea Herrn Bibliothekars Dr. Bernhardt eu Dank
. ■ rpflicht« t bin
ot.KM.iNIA Neu Reih (.\l\, l i,, VII 17
258 M. RIEGER
eigenes Abbild. Mitunter hat er dem abzuholenden seine standesmäUige
Kopfbedeckung, z. B. dem Domherrn die rothe mit weißem Pelz ver-
brämte Mütze abgenommen und sich selber aufgesetzt; bei dem kleinen
Kind aber trägt er, wie um ihm Zutrauen einzuflößen, die Ammen-
haube. Den Doctor faßt er wie ein Räuber an, den Dieb führt er
wie ein Polizeidiener mit gebundenen Händen am Strick, der gute
Mönch dagegen faßt ihn selbst am Grabtuch, als wolle er den davon-
eilenden aufhalten. Der modisch geputzten Jungfrau hält er einen
Spiegel vor, dem Junker seinen Hintern, auf den er mit der Hand
einladend deutet. Die Holzschnitte sind nah verwandt, ohne je ganz
übereinzukommen. Die Compositum ist auf den Gemälden lebendiger,
die Zeichnung der Körper besser, wie auch ihre Proportion; aber in
den Köpfen, die auf den Holzschnitten nicht ohne Geist behandelt
sind, bleibt der Maler flau. Er gibt seinen Figuren einen landschaft
liehen oder architektonischen Hintergrund mit oder ohne Luft, aber
so gänzlich ohne Begriff von Perspective, daß die vorderen Gegen-
stände, z. 13. Bäume, ebenso klein oder kleiner gezeichnet sind als die
hintern und die Figuren dadurch mehr als riesengroß in der Landschaft
stehen. Die Costüme mögen, wo zwischen mehreren die Wahl war, zum
Theil ihre Bedeutung haben. Der Abt verräth sich durch schwarze Ordens-
tracht als Benedictiner, der böse Mönch ist Dominicaner, der gute da-
gegen Franziscaner und der Bruder, der einen langen Part, schwarzen
Rock mit Gürtel und schwarzer Capuze und ein hellrothes Käppchen
trägt, offenbar ein Kugelherr oder Bruder des gemeinsamen Lebens*).
Bei dem Grafen hat der Tod eine Trompete mit rother Fahne, die
einen aufrecht stehenden gekrönten goldenen Löwen mit einem Schwänze
zeigt, doch wohl kein anderes als das nassauische Wappen, obgleich
ihm die Schindeln fehlen, die sich schon im !-'>. Jahrhundert auf ihm
finden (s. Siebmachers Wappenbuch neu hsgeg. v. Mcfnerl. Bd. 1854).
Die Rüstungen (beim Herzog und Grafen) -«hören der zweiten Hälfte
des 15. Jahrhunderts an, insbesondere die Salade mit Barthaube, die
erst um 1450 aufkam und den Monumenten aus unmittelbar vorher-
gehender Zeit noch fehlt (s. Hefner, Trachten des christl. MA. II,
*) In einer alten Handschrift Von dem statt vnd leben der priesla md bruder zu
Konigstein rn<l zu Butzbach (abgedr. in Conapectns parochiae Moguntinae intra urbem
von Severus Aschaffenb. I7t;s and im Archiv für hess. Gesch. X, 60) heißt es: Sie
ghen glich geklagt in gemeyner erber vnd eynfeldigen kleidung, schwarte oder graw,
uit kostlich noch auch zu s>io</<'. Die Bolzschnitte charakterisieren übrigens, so viel
man ohne Farbe schon kann, jene geistlichen Personen ganz übereinstimmend. Dei
Bruder, ebenfalls bärtig, erscheint hiei baarhäuptig mil Btarkem Haar ohne Tonsur.
DER JONGERE TODTEN l\\N/.
173 fg.). Das CostUm des Todes zeigt die ältere') Darstellungsweise
wie auch auf den Holzschnitten, nicht als Beingerippe, sondern als mehr
oder minder verschrumpfte oder entfleischte Leiche mit geöffnetem
Bauch, mit herabhängendem Bauchfell, fleischfarbig, mit durch die
Haut sich ausprägenden Knochen. Mitunter trägt er Kleidungsstücke,
mitunter ein weißes Grabtuch, das alsdann die bekannten eckigen
Faltenbrüche zeigt, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aus
Flandern in die deutsche Kunst eindrangen.
Man sieht, daß die Handschrift, die ich mit C bezeichne, den
beiden Drucken, auf deren Münchner Exemplarien von alter Hand
die Jahreszahlen 1459 und 1470 bemerkt sind (a und b), im Alter
kaum vorangeht. Sie zeigt indeü die mittelrheinisch-oberhessische Mund-
art in etwas reinerer Schreibweise als b und auch mitunter den eigen-
thümlicheren oder altertümlicheren Ausdruck: 55 noch für doch =
attamen, 379 gar für das nhd. Adv. ganz, 462 geleret für gelernet,
519 numme für nummer, 560 verliben für beliben oder gebhben. Ich
gebe daher den Text in ihrer Schreibung, ebne sie darum zu dessen
Grundlage zu machen. Denn sie gibt, obgleich sie im Finzelnen Bei-
träge zur Herstellung liefert, im Ganzen keinen besseren Text als die
Drucke. Sie erscheint vielmehr in den zahlreiehen Fällen, wo sie von
der übereinstimmenden Lesart von a b abweicht, meistens im Nach-
theil, und diese letztere war daher auch wo der Unterschied gleich
giltig ist, gegen C zu schützen. Andererseits stimmt C in vielen Fällen
auch mit b gegen a überein, wo dann ebenfalls der Vorzug nur aus-
nahmsweise der einen abweichenden Urkunde zukommt. So enthält
also b den eigentlichen Kern der Überlieferung, von dein C und a
nach rechts und links sich abzweigen. Eine Übereinstimmung von C
und a gegen b ist selten und offenbar nur zufällig. Das ganze Ver-
hältniss ist leicht zu ersehen, da ich außer den bloß orthographischen
und grammatischen alle Lesarten mittheile.
Einig« Mäh- ('.). 101. 168. L84. 525. 52!)) sind Fehler den drei lir
künden gemein und zum Theil wenigstens von der Alt, daß der Zu
fall in der Übereinstimmung Völlig ausgeschlossen bleibt. Wir haben
also doch eine nicht ganz kurz«; Überlieferung \<>r mis und es ent
teht die Frage, .»b am Ende das Gedicht, aeben seinen vocalisch und
consonantiseli ungenauen Keimen, ursprünglich einen regelmäßigen
Versbau gehabt habe. \)\<- meisten Vei e fugen ich, unter Berück
siehtigung der Mundart und Anwendung der diesem Jahrhundert ge-
►) Vergl / i hr. f. d. A. 9 121 fg
I. '
2G0 M. RIEGER
mäßen starken Kürzungen, auch jetzt noch dem Schema der vier He-
bungen mit regelmäßig eintretender Senkung. Vergleicht man ein von
Haus aus unmetrisch angelegtes Reimwerk, wie das Spiegelbuch, so
fällt der Unterschied auf; und bei der besonderen Sorglosigkeit und
Willkür, mit der gerade dramatische Dichtungen fortgepflanzt wurden,
ist die Entwickelung eines von Haus aus metrischen Textes zu der
verwilderten Gestalt des unsrigen nicht undenkbar. Viele Verse würden
sich durch mehr oder weniger leichte Änderungen wieder einrenken
lassen; aber nicht wenige müßte man auch, um sie nicht als incurabel
aufzugeben, aufs rücksichtsloseste zusamraenschneiden, und der Versuch
einer metrischen Herstellung hätte nur einen subjectiven Werth. Ich
habe indeß, auch darin vielleicht schon voreilig, durchweg den Les-
arten den Vorzug gegeben, durch die der Versbau hergestellt wird.
Es fehlen in C drei Auftritte, der Pfarrer (6), der Arzt (9) und
der Herzog (12); aber der Schreiber hat geglaubt beim Capellan (7)
den Pfarrer und beim Ritter (14) den Herzog vor sich zu haben und
die Anrede demgemäß geändert, so daß eine vollständige Handschrift
offenbar zu Grunde gelegen hat. Die Reihenfolge der Auftritte ist in
C lediglich durch die Sorglosigkeit des Buchbinders gestört; die
Blätter sind vom Schreiber alle bis auf sechs beziffert und die dadurch
angedeutete Reihenfolge stimmt mit b bis auf eine Ausnahme überein.
In b, wie in a, folgt nämlich die Jungfrau auf die Bürgerin, in C die
Bürgerin (30 durch Versehen für die sonst fehlende Ziffer 36) auf die
Jungfrau (35); und hier scheint C im Recht zu sein. Dieß verräth
sich dadurch, daß in b beide, Bürgerin und Jungfrau, mit 35 bezeichnet
sind und die Ziffer 36 fehlt. Dieses Versehen muß sich schon in der
gemeinsamen Grundlage von a und b gefunden und die Vertauschung
beider Auftritte ermöglicht haben ; in b wurden auch die zwei gleichen
Ziffern fortgepflanzt. Ich gebe indeß, um die Verwirrung nicht un-
nöthig zu mehren, die Anordnung der Auftritte unverändert nach b.
Denn verwirrend genug ist schon die Verschiedenheit der Anord-
nung zwischen a und b; aber zugleich lehrreich, indem sie einen Blick
in die Entwicklungsgeschichte des Werkes öffnet. Streicht man in
beiden Reihen den Abt, Arzt, Räuber, Wucherer, Bürger, Handwerks-
mann, Jüngling, das Kind, den Wirth, Spieler, Dieb, bösen Mönch,
guten Mönch, den Bruder, den Doctor und die Nonne, so bleiben
22 Auftritte in völlig gleicher Reihenfolge, und in diesen hat man
offenbar den ursprünglichen Bestand des Spieles. Betrachtet man ihn
näher, so zeigt sich eine ganz symmetrische Eintheilung nach Ständen :
7 Geistliche, 7 Adelliche, 7 Bürgerliche und zum Schluß, um allem
DER ii N6ERE TODTENTANZ. 261
noch sonst denkbaren gerecht zu werden, der Auftritt Von allem stät.
Bei diesem war es den Aufführenden überlassen, eine Auswahl von
Charakteren zu treffen, die zusammen auf dem Theater erschienen;
dann aber lag es nahe, daß einzelne von diesen wiederum hervor-
gezogen und mit besonderen Auftritten bedacht wurden. So wuchsen
deren 16 nach, die man nun nach verschiedenen Gesiehtspuncten in
die alte Reihe einzuschieben unternahm. In Cb sind Abt und Arzt,
der letztere seltsamer Weise statt des näher berechtigten Doctors, der
geistlichen Siebenzahl angehängt; 13 Auftritte, davon die letzten 4
mit geistlichen Personen, die übrigen mit wenig ( )rdnung, sind zwischen
die Adelichen und Bürgerlichen eingeschoben und die Nonne bei den
einzigen Frauen, die sonst in dem Spiele vorkommen, untergebracht.
Hier ist also nur die letzte der alten Gruppen und sie nur durch einen
Auftritt auseinander gedehnt, die andern behalten ihren alten Zusam-
menhang. Schonungsloser aber systematischer ist die Einreibung in a:
Abt und Doctor ihrem Range gemäß zwischen Bischof und Official ;
am Schluß der geistlichen Gruppe vier weitere geistliche Personen,
guter und böser Mönch, Bruder, Nonne, und der Arzt, der wenigstens
als Gelehrter mit dieser Gesellschaft verwandt ist. Sodann etwas unbedacht
hinter dem Rathshcrrn der Bürger: denn jener ist nicht der städtische
Würdenträger, der diesen Titel führt, sondern ein rechtsgelehrter fürst-
licher Rath, wie sie oft aus dem Bürgerstande hervorgiengen. Endlich
hinter dem Schreiber die übrigen: vier Jäger nach fremdem Gute, der
Wucherer, Räuber, Spieler und Dieb; zwei Vertreter bürgerlicher Nah-
rung, der Handwerksmann und Wirthj zwei Alterstufen, Jüngling und
Kind. Daß die Einreihung in a eine spätere, verbesserte, die andere
eine unvollkommene erste ist, dürfte kaum bezweifelt werden.
Die Rede am Kerner, die ich Germ. 16, 194 fg. aus a mitge-
theilt habe, fehlt in C, und ich lasse sie hier weg, weil es mir nicht
zweifelhaft ist, daß sie ursprünglich zu dem zweiten Spiele des Spie-
gelbuches gehört hat. Auch der Titel und das Bild auf seiner Rück-
seite mit den dazugehörigen Versen, sowie die Rede des Todten auf
der Bahre, die in a b die Einleitung bildet, alles dieß fehlt in C, ob
nur durch Zufäll läßt sich nicht sagen. Jedenfalls gehört die auf die
Figuren verweisende Rede des Todten, eben wie der Titel, nicht zu
dem Spiel, sondern zu dem aus ihm hervorgegangenen Buche, während
die metrisch gebauten Verse auf der Rückseite des Titels, wie auch
Waekernagel Zschr. I. d. A. (J, 33-1 wahrscheinlich fand, das auf-
geführte Spiel eröffnet haben dürften.
Die Heimat des Spieles oder doch seiner Erweiterung wird
durch die Erwähnung von Bingen 353 bestimmt; und es ist nicht
262 M. RIEGER
nöthig, die Reime, die wegen ihrer Ungenauigkeit doch nicht viel be*
weisen können, darüber zu befragen. Es zeugt also für eine gewisse
Verbreitung, wenn es zuerst nicht in mittelrheinischer, sondern in ost-
fränkischer Mundart ohne alle ai und oi gedruckt worden ist. Stammt
dieser Druck wirklich von 1459, so kann er wohl aus keiner andern
Werkstatt als der Albrecht Pfisters zu Bamberg hervorgegangen sein.
Für die Heimat der Holzschnitte ist es bezeichnend, daß der Graf ein
Banner mit den Hirschhörnern Würtembergs führt (vgl. Wackernagel
a. a. 0. 335). Der Maler der Handschrift verräth aber bei der gleichen
Gelegenheit, wie schon oben angegeben wurde, daß er der Heimat
des Spieles selbst näher stand. Unter seinem letzten Bilde steht die
Bemerkung: Ihro Chur Prinzl Dhlt zu Neustat Vor Ehrt worden: 1679.
Die kurprinzliche Durchlaucht muß Hedwig Sophie, Tochter des Kur-
fürsten Georg Wilhelm von Brandenburg und Mutter des Landgrafen
Karl sein, für den sie während seiner Minderjährigkeit 1670 — 75 die
Regierung führte. Neustat, so ohne jede nähere Bestimmung genannt,
kann nur das oberhessische, damals mainzische Städtchen dieses Namens
sein. Auch hier also wieder ein Fingerzeig nach dem Mittelrhein.
Man möchte wohl auch wissen, wo der Buchdrucker seine Werk-
statt hatte, der die Holzstöcke des Druckes von 1459 an sich ge-
bracht und 1470 eine zweite Ausgabe nach andrer Vorlage und in
der heimatlichen Mundart des Spieles veranstaltet hat. Nicht daß ihm
das Werk besondere Ehre machte: weder ist der Druck sauber,
noch die Typen geschmackvoll. Aber sie scheinen zugleich unter den
mittelrheinischen Drucken jener Zeit ganz unerhört zu sein. Wenig-
stens finde ich in den Tafeln zu Wetters kritischer Geschichte der
Buchdruckerkunst keine nachgebildet, die mit ihnen einige Ähnlich-
keit hätten, außer denen von Valdenaer zu Utrecht von 1470; er allein
hat diese h, b, 1 und d mit großen bauchichten Schleifen, kann er
hier wohl in Frage kommen? Nahe läge es bei dem ascetischen Sinne,
der das Werk durchdringt , an die Druckerei des Kugelhauses zu
Mergental bei Rüdesheim zu denken, die 1463 eröffnet worden ist und
eine Zeit lang geblüht hat. Wer jedoch auf die dortigen Brüder des
gemeinsamen Lebens die Abfassung des Spieles selbst zurückführen
wollte, Avegcn dessen und der Spiele des Spiegclbuches ich einst an
das Cisterzienkloster Eberbach gedacht habe, der würde irren; denn
das Kugelhaus zu Mergental war nicht oder doch nur um Monate
älter als seine Druckerei.
DARMSTADT, im März 1874. M. RIEGER.
DER JÜNGERE TODTENTANZ. 263
Der Dotcn dantz mit figuren. Clage vnd antwort Bchon von allen
staten der weit.
Wo! an wol an jr berron vnd knecht,
spryngt her by von allem geschlecht,
wie jung wie alt, wie schon oder kruß,
ir mußent alle in diß dantz huß. *)
Alle mentschen deneken an myeh
Vnd huden vor der werlt sych.
Ich hatte viell gutes vnd was hin eren,
Golt vnd sylber hatte ich tzu vertzeren:
Nu byn ich inn der wurme gewalt,
Solich testament ist myr bestalt.
Der doit hait myeh her tzu bracht
Da ich yß aller mynst bedacht.
Vorware wer das merket eben,
Der mag woill besßern syn leben,
Wand hye geet lachen vnd sehyraph uß,
Wand wir neghen tzu disßem dantz husze.
Merkent nu vnd sehent an disße tigure,
War tzu kommet des mentschen nature.
Laßent von sunden, das ist myn radt,
So mögen! \i by gol fynden gnade.**)
1.
Her baibst, dissen dantz must ir beginnen
vor allen, die da ere gewinnen.
Aller werlte ir gebott:
nu sint ir körnen in den doit.
5 ITwcr herschaft hait nu ein end< .
ir sint komen in raine hende.
Gant vort und nicht erschreckt:
hie wert ir ligen biß das uch goi erweckt.
0 got, sal ich und muß eß sin,
lo das ich enden das leben min ?
( }o1 wa ich uff ei den genant
und allen menschen der hoegsl bekant.
l-i im straifflich gewesl min leben,
das wollt gottie gudde mir vergeben.
Bis hiebei nach a, da das Titelblatt in dem von vab benutzten Darmstädtei
Exemplar von b fehlt Di ' lehn auf dei Rückseite des Titele, untei ihnen der
Holzschnitt: -1 blasende Todte mit andern, die ftieb aus Gräbern erheben.
Holzschnitt: Todtei in einem Sarge von seebe Todten umtanzt, deren ei
mit einem Todtenbein die Trommel Bchlägt. Daneben der Kerner.
2 allen] 0 allen den 4 b kommen yi 9 ich oo< cAen 10 ich
a, C sal, b ich BaL
264 M. RIEGER.
15 Sant peter stule han ich besessen:
got wolle miner seien nit vergeßen.
2.
Her cardinal, nu springent ain dissen reien.
mit uworem mantel haint ir gain meien:
Mich dunckt vch verwonder diese fart.
20 nu kompt und offenbart
Uwer sunde, die ire hant begangen,
groß ere hait uch umbfangen:
Uwer mantel und roder hut
klein hulffe gein mir nu dut.
25 Mantel und hut sollent mir nit schaden:
ich han mich sost vyl uberlaiden
Mit gierheit in zytlichem gut,
glich als der straßenreuber dut.
Mocht ich des noch quyt werden
30 dwil ich noch bin uff erden,
Ich hofft got solt mir gncdich sin
und erlosen uß ewiger pin.
3.
Her bischoff, ich bin hie der doit
und wil uch bringen in libes noit.
35 Uwer bistum must ir übergeben,
niet lenger laß ich uch leben.
Kompt nu mit mir in uwer grap,
legent nidder uwern schonen stap,
Den man uch hait vorgetragen:
40 den doit kan er nit verjagen.
Vor got muß ich die warheit sagen:
ich wolt das ich alle min dage
Ein armer monich were gewesen,
got gedient mit singen und mit lesen.
45 Von paffen wirt clage über mich komen,
das ich also vyl subsidia han gcnomen
Und mit gewalt underdruckt den armen,
ach wolt sich got über mine sele erbarmen.
4.
An uch ist nu der tzail,
50 o reverende domine official.
19 vch fehlt C. a verwildert. 25 hut] a roter hut. 26 vyl] C zu vyl.
40 a kunt ir. 45 C'b mich nu komen. 49 An uch] lies An uch, an uch.
DER JÜNGERE TODTENTANZ. 265
Ir hant durch die gantzen wochen
vil falsche orteil gesprochen:
Hettent ir dem armen als dem riehen gedain,
frolich mocht ir zu dem dantze gain.
55 Noch wie dem si, ir raust sterben
und mocht nit zyl biß morn erwerben.
Hilff got! ich bin in großen sorgen,
han ich nit zyl biß morgen.
Ich bin in großen krencken
60 und het noch vyl zu bedencken.
Het ich min seile vor woll bedacht,
so queme ich nu nit in gottis acht,
Und het geholfen den armen,
so mocht sich got über mich erbarmen.
5.
65 Her fürt, du stoltzer dumher,
du besitzest nu vnd nummer mer
Dyne prundc rent gulte vnd gut.
dar vor hastu dich nit gehut.
Troist dich selbs, dan du must sterben
70 vnd magst nit lenger zyl erwerben.
Laiß din dedinge vnd kome herfort,
dich bait keyne bette noch süße wort.
Ach got, wie sal ich mir geben troist?
in vnserm capitel was ich der boist.
75 Vil prunden vnd groiß gut han ich besessen:
nu wirt min ewig vergeßen.
Hette ich mine notturfft genomen,
geyn gott mocht iß mir nu fromen,
Und auch mitgedeilt den armen,
80 so wurde sich got über mich erbarmen.
6.
Her perner, yr mußet maisßen uwer meyen
vnd springen myt myr an dißen reyen.
Ich han vorn anc geschrieben
das yr gots dyenst nyt hant getryeben
85 Vnd uwern sehoffgyn boße exempel geben:
dar vmb verlyest yr das ewig leben.
Vwer opper kyreh gut vnd cre
siehent yr nu und Dummer mere.
.")i r]pm| al, diszem. 56 Noch] ab Doch. 68 biß] h myt. 59 inj
fehlt C. fil ab vor myn Bele. 6 i mich] a myr. 66 na] C n it. 81 96 Va. /' >• ,
fehlt <\ 88 mere a, b mec.
266 M. RIEGER
Hctte ich myn schafflyn woill behut
90 als eyn rechter hyrtt dut,
Sye vnd mych ane sunde bewart,
frolich für ich diße leste fart.
Nu han ich gesucht zytlichs gut
als der falsche hyrt dut:
95 Dar vmb ich mych sere betrüben.
got wolle doch das beste pruben.
7.
Her capellan, ir kundt gar süßlich claffen
bi den leien und auch bi den paffen.
Den seiter kundt ir noch nit gelesen
100 und mag niemant vor uwer meisterschaft genesen.
Laißent ligen uwer berret und uwer solen,
ir sint mir nu gantz entpholen.
Uwer clip clap und doricht sagen
kan den doit nit veriagen.
105 Ein berret drug ich als meister ipocras,
dick geprediget das ich nie gelas.
Ich sucht gut mit zytlicher ere,
klein was ich von der lere.
Den wolff ließ ich die schaiff zubißen,
110 ein bein vom andern rißen,
Die mir min herre bevolen hait in truwen:
das wirt mich nu und eweclichen ruwen.
Her apt in geistlichem orden,
ir sint mir nu zu deil worden.
115 Ir mußent alle ding laßen stain
und nu an minen reien gain.
Uch und uwern brudern junck und alden
were gut, het ir den orden gehalden
Und des cloisters gut nit so vyl verzert
120 und arme lüde da von ernert.
Ach got, war zu bin ich worden?
ich hielde nie recht minen orden.
Ich bin gewesen umbehut
zu gewinnen das ewig gut.
125 Were ich ein armer monich gewesen,
got gedient mit singen und mit lesen
93 a zytlich. 97 capellan ab, C pherner. 100 vor abC: zu tilgen.
101 solen abC: lies stolen. 110 a zuryszen 111 herre] C oberster. 114 nu
fehlt C. 117 junck Cb, a jungen. 118 a jr hettent. 119 C verziert.
120 von] C mit. 123 C gewesten, ab gewest.
DEB JÜNGERE TODTENTANZ. 267
Und hctte min sclc woll bewart,
frolieh Cur ich diese leste fart.
9.
Herr artzt, yr kont den luden woll gesagen,
130 wie yr den dot wolt von yn veriagen.
Kont yr ichts finden vor den doit,
suchet her vor, das ist uch noit.
Ir habent ander lüde gesunt gemacht
vnd vwer seien kleyn geacht.
135 Wie mag vwer seien rat werden?
ir hant gekurtzet manchem syn leben.
In aller artzedye konde ich rat geben
czu verlengen des mentschen leben,
Sunder widder den doit tzu disser fart
140 finden ich keyn krudt das myeh verwart.
Och gotliche barmhertzikeyt,
myn sunde syn myr leyt.
Dyn grün delose gute dye bied myr,
wand alle myn heyll stet an dyr.
10.
145 Herr keiser, nu koment, is ist zyt.
uwer macht geit durch die werlet wyt:
Hot uwer keiserlichs swert
die heiden betwungen und bekert,
Friden gemacht und nach rech gestanden
150 in steden vnd in allen landen,
So wurde uch auch nu gegeben
gottes hulde und ewiges leoen.
Sal und muß ich nu sterben
und keinen Verzug von dir erwerben?
155 Groiß gut und ere han ich beseßen:
was bait mich min groß vermeßen?
Ich meint du soltest schonen
keiserlichs appels und minor cronen:
So des Diel enißt, dar umb uff erden
160 kein mentsch mag din entragen worden.
11.
Ir mechtiger kunig groiß und rieh,
ir mußent nu werden den armen glich,
129—144 nach b; fehlt C. 131 b Buden icht.s. 14fi ah durch al (6 all) die
14!i ab recht. 150 vnd fehlt C. 165 und cro fehlt a. 156 0 baich,
157 soltest] C sollest. 158 a >> applas, C aplaiß. 159 dar umb fehlt a.
268 M. RIEGER
Wan ir sollent noch hude
sterben wie ander lüde.
165 Das orteil goit selbes gegeben hait,
über iedcrmentschlichen stait,
Das sie raußen in der erden
wieder umb zu eschen werden.
Nu merken ich wol das der doit
170 alle mentschen bringet in noit
Und nit an syt eniche personen,
dwil er nimants will schonen.
Hette ich myn lant nu wole regiert
und mit togenden mich geziert,
175 So mocht ich baß von hinnen faren.
got wolle myn arme sele bewaren.
12.
Du bist eyn hertzog gewesen:
nyemant mochte vor dyr genesen.
Er wer arm oder rieh,
180 du meynst nyemant were dyn gelych.
Groiß gut haistu beseßen
vnd gotz da myt vergeßen.
Eyn end hat nu dyn hoger mut:
ganck fürt, anders yß dut dyr nummer gut.
185 Sali ich dan nyt langer leben
vnd sal myn herschafft vbergeben,
Ritter knecht vnd vndersasßen,
myn gut myn ere als hynderlaßen
Vnd von alle dem nit füren dar,
190 dar ich nu selber hynnen far,
Das ich dan nyt in armudt alle myn tage
got gedyenet hab, das ist myn clage.
13.
Tredt fürt, ir graue von edeler art,
ich fuir uch gar eyn wilde fart.
195 Vyl homutz han ich von uch geschrieben,
den ir über paffen vnd leien hant gedrieben.
Nu koment, ich binß der doit
vnd wil uch bringen in groiße noit.
Biddent got vmb gonade, das raden ich,
200 vff das er uch nit verdume ewenclich.
166 yedermenschlichen a, Cb ielichen mentschlichen. 170 a allen. 173 nu
fehlt ab. 177 — 192 nach b; fehlt C. 180 b dynen glych : ein Beispiel der rheinischen
Vertan schung von Nominativ utid Accusaliv. 184 anders ab C: zu tilgen. 187 b hyn-
dersasßen. 190 b da ich. 200 a verdamn.
DER JÜNGERE TODTENTANZ 269
Acli ich wolt das ich nu kuade
got zu hulff hau vnd syne fruude,
Alle heiligen vud gude lüde
vmb gnade zu erwerben noch hude.
205 Solt ich dau lenger leben,
ich wolt mich heuern vnd almuseu geben,
Myn testament also wole besetzen,
da3 eß phafFen vnd leyen mocht ergetzen.
14.
O ritter rych, reich her din haut,
210 du must mit mir in ein ander lant.
Hettest nu ritterlich gefecht
und niemants gedan wieder recht
Aber iemandts gewalt gedan,
frolich inochst du nu mit mir gain.
215 Hastu aber den armen underdruckt,
so wirt diu geist nit woll verzuckt.
Ach ich hau mines libes crafft
verzert mit wilder geselschafFt,
mit hoifieren und mit striden,
220 mit stechen iagen und mit riden.
Der armen ich damit vergaß,
sie zu beschirmen was ich laß.
Hette ich mim stait nu recht gedain,
frolich wolt ich nu mit dir gain.
15.
225 Her junckher fürt, wir mußen dantzen,
hofiern und hovelich scharwantzeu.
kompt zu stunt, ich kan nit beiden,
zum dantz wil ich vch leiden.
Uwern schonen hoiff mußt ir nu laißcn
230 und in der stat die schonen straißen.
Woloff zum dantze, eß ist nu zyt,
das ir gut von uwern wercken antworten syt.
O richer got, wannen kompt der doit,
der mich bringt in solich noit?
201 a Ach got ich. im fehlt a. . 206 wolt] V wil 208 eß fehlt ab.
n mochte. 209 ritter ryoh] C herzog. 213 Ahcr steht hier nach hessischer
Weise für oder, und moar in der Bedeutung Doch - aequo, wodurch das folgende
iemants gerechtfertigt ist. Vgl. Vümar II'**. Idiot, unter oder. Diese Verwechselung
läset sich schon im 13. Jahrh. der Verfasser der Geistlichen Lilien und der Rede von
den XV. Graden zu Schulden kommen, indem er avu ovo und o( für oder braucht:
'■• m. :{, 56. G, 148. 153. Aber = vcl kommt noch einmal 412. 214 nu mit
mir] C mit mir nu. -17 a myn. 224 nu mit dir] mit ilir nu O. 226 "
schawätze, b Bchwantzen, C swantzen Nur Frauen tragen <l>n sw&nzund können dahei
Bwanzeo. Scharwenzeln braucht mau hiet tu LandU noch jet t für ein höflich unlerwüi
figes Gebühren. 228 vch] 0 dich. 231 6 wullulit, « wol vll. du fehlt C
270 M. RIEGER
235 Sal ich itzunt antwurt geben
von alle mini suntlichen leben,
So betrüben ich mich in den doit,
das ich nit hielde das got geboit.
Ich han wollost gesucht uff erden:
240 min sele wolle got zu deiljwerden.
16.
Kum her naich, du wapendreger:
du hast geslafen uff hartem leger,
In striden groiß arbeit gehait,
das dich nu gar wenich bait.
245 Diner glich ist manicher geselle,
den vil swerer wirt die helle
Dan eim monich das himmelrich :
ir beider arbeit ist gar ungelich.
0 heiliger crist, din orteil ist gerecht.
250 were ich biß her gewesen din knecht
Und dins lidens wapen getragen,
so bedurfft ich nu nit clagen.
Nu hain ich gedient werntlichen herreu,
gestanden nach zytlichem gut und ere:
255 Was mir ist worden zu lone ,
das hilfft mich nit eine bone.
17.
O du reiber in den wilden walden,
du kanst dich vor mir nit behalden.
Ich komen zu dir gar ungedelich,
260 wan du bist sere gewest schedelich.
Vil werden über dich clagen,
die von dir beraubt sint und erslagen.
Wie du mit andern hast gedain,
also wirt iß dir nu ergan.
265 Ach mocht ich lenger leben
und hette auch wieder zu geben
Was ich den luden ie genam,
sint das ich in diese stunde quam,
Das wolt ich alles geren keren
270 und mich mit got erneren.
Nu ist eß mir leider zu spade:
almechtiger got, bewise mir gnade.
237 betrüben a, b O betrübe, in] C bili in. 243 C vyl groili. 250 din]
ab eyn. 253 werntlichen b, a weltlichen, C wenclichen. 254 ere] C eren.
Vergl. 41. 305. 4G2. 256 mich fehlt C.
DER JÜNGERE TODTENTANZ. 271
18.
O Wucherer, wie gar verbündet du bist!
groß gut hastu gewonnen in kurtzer frist:
275 Kum, du must iß laißen gantz
und springen mit mir an dissen dantz.
Armen und riehen plegestu zu plucken
und was du kondest zu dir gezucken
Umb golt und silber hastu gegeben
280 din lip sele und ewiges leben.
Ach woffen! hette ich diß erkant,
ich hette mine sele nit so jemerlich verphant.
Mocht ich zyt erwerben und ruwen,
ich wolt noch vyll kircheu buwen,
LJs;f) Unrecht gut auch wieder keren
und fort mich mit got erneren.
Nu hau ich zu lange gebeit
und zu dem doide mich nicht bereit.
19.
Burger, du haist wip gut und kiut,
290 mede und knecht under dir sint.
Vor die plegestu zu sorgen
den abent und auch den morgen
Allein umb zytlichen gewin:
dar uff stunt din rnut und auch din sin.
295 Du gedeichts seiden an das ewige gut:
dar umb stirbstu nu gar uubehut.
Ich bin gewest gar umbehut
Zu gewinnen das ewig gut.
Was bat mich nu min kiut und auch min wip,
300 dwil ich muß gain in dodes stritV
I >en ich hau bestalt drincken und eßen,
die werden min nu eweclich vergeßen,
Von im wirt mir nu wenich nach gedain,
den ich hinder mir min gut nu lan.
20.
305 Hantwerksman und auch du leie,
kum nu auch ;iin mincii reien.
Du plcgst obents lange zu wachen,
kleidcr beltz und sehn zu machen.
273 C du verbündet, keren] C geben. 290 vnd fehlt C. 292 und
aiu-li ] a als. 296 ab vnuerbut. I>f< gäbe <i<-n schiefen Sinn: ohne <lafi et abgewandt
werden kann, 3<in gain fehlt ". C in deB dodes. 808 nach <» i>. C noch. Da-
mit ist mdeß »■"/</ nach gemeint; vergl, bedochl /"/ bedacht 588
272 M. RIEGER
Geldeu, verkeuffen, leuen, borgen,
310 wenig vor die sele zu sorgen,
Biß du komest in libes noit
und dich holt der bitter doit.
Hette ich noch zyc und crafft
und mit dem dode nit were behaft,
315 Ich wolt laißen min arbeit stain,
zu predien und zu der kirchen gaiu.
Nu bin ich siech und kranck
und fulen des bittern dodes stanck.
Ich raden uch allen minen gesellen,
320 fuchtent got und huttent uch vor der hellen.
21.
Jungeling zart hubs und fin,
Sprinck her zu den gesellen min.
Du kanst gar suslich singen,
hoifieren dantzen und springen,
325 Und meinest lange zu leben:
got wil dir nit langer zyl geben.
Din jogent hat dich betrogen
und dine lange hoffen hait dir gelogen.
Ach got, mocht mir imant geben troist,
330 das ich von dem dode wurde erloist
Und mocht noch lenger leben,
ich wolt mich got selbes ergeben.
Sterben ich sost in jungen dagen,
das muß ich nu und ummer clagen.
335 O böse geselschafft, o werlde list,
wie falsch, wie arick, wie quait du bist.
22.
Jung nu gebornes kindelin,
eyn ende hat nu das leben din.
Die werlt mocht dich betriegen:
340 besser ist du sterbest in der wiegen.
Dan hie ist keyn belibende stait;
du haist auch der werlet lost nit gehait.
Wie wol dir ist gesatzt eyn langes zyl,
das bait dich nu nit vyl.
309 verkeuffen (a verkauften) a b, C keuffen. 311 C in des libes. 316 zu
der C fehlt. 321 C hubs zart. 325 langej 6' noch lenger. 332 a mir.
333 sost in] a nu in mynen. 336 quait] « bosz. 340 C wegen. 341 C be-
libender. 343 a lange.
DER JÜNGERE TODTENTANZ. 273
345 A a a ich kau noch uiet sprechen :
hude geborn, hude muß ich uff brechen.
Wan keyn stunde mag ich sicher sin,
wie wol ich bin eyn kleyues kindelin.
Dito merekent alle gar eben:
35U ich hain noch nit leren leben
Und muß doch sterben also balde.
als woil stirbt das iunge als das aldi
23.
Her wirt, her wirt von hingen,
ain disseu reien mußst du nu springen.
355 Vyl boisheit hastu begangen
mit falscher spise und mit win langen.
Du haist gehalten lüde allerlei,
die mitt fluchen und sweren hatten ein groiti geschrei.
Des bistu ein ursaich gewesen:
360 bidde got das din sele möge genesen.
Ich hain uff vyl foleks gewartet,
das ein spilt, das ander kartet.
Ich sucht zijtlichs gut,
glich als der reuber dut,
305 Widder got und widder recht
ain dem herren und auch ain dein knecht.
Solt ich aber nu nit sterben,
ich getruwet mich besseren und gen aide erwerben.
24.
Spieler, du haist übersehen ein groiße schantze
370 dwil du must mit mir an dissen dantze,
Vals spiel hastu gehait,
das dieli nu gar wenig bait.
Woll an, wol an, wiltu swigen,
ich wisen dich wo du Boll Ligen.
375 Da wirt dir diu lein gegeben
aaich dem als du geforl haist din leben
Ach got, ich hain niemants gestolen Bin gul
Doch hinderclaifft, als manicher dut.
Spielen ist doch gar gemein
380 den paffen vml uns oiel allein.
Dt eß Bunde, des ich nit enwist,
da vergip mir, herre ihesu crisl :
346 i> um a auff. 868 midi fehll • ils fehlt a 379 .
gantz. 380 den] C de rad fehlt C 281 d> | o dn
CtWMAMA VII . X I \ | Jl 18
274 M. RIEGER
Wau werlich, solt ich lenger leben,
ich wolt iß miden und übergeben.
25.
385 O du dieplicher diep, du haist mit dime stelen
verdient das man dich an dine kelen
Lange solt hain gehangen:
des bistu nu biß her entgangen.
Hettestu dich biß her bekert
390 und mit truwen dich ernert,
So mochstu sicher sterben
und genaide bi got erwerben.
Eia lieber herre ihesu crist,
wan du vor mich gehangen bist
395 Und geliden einen schentlichen doit,
hylff mir diebe uß aller noit.
Das ich die helle möge vermiden,
das fegefuir wil ich gerne liden.
Ich bidden umb gnaid, die entphing
400 der schecher der an diner rechten syten hing.
26.
Monich, ich enweiß dich nit zu nennen,
ich einen vor dem andern nit erkennen.
Uwer vetter anders gecleit waren,
anders gestalt, anders geschoren.
405 Noch wer du bist oder wie du heist
oder was ordens dich beweist,
Du must dinen geist uff geben,
du kanst einen dag nit langer leben.
Ich fuilen an minem alter woil
410 das ich sterben muß und sol,
Und das ich ie kap an mich gen am
aber eigen heller ie gewan,
Das wirt mich ummer ruwen,
und alle monich sollen das schuwen.
415 Vil beßer were in armut zu leben
dan im orden böse exemple zu geben.
27.
Kom, monich, an dissen dantz.
du haist vber geben diese werld gantz
389 biß] 6 myt. C bekiert. 391 mochstu] C mochstu nu. 400 schecher
fehlt C. Vielleicht hieß es nur der an diner. 402 nit] C kume. 411 das ich a,
b das, fehlt C. 412 aber C b, a oder. Vgl. 213.
DER JÜNGERE TODTENTANZ. 275
Und diueu orden woil gehalden:
420 von got wirstu nit gescnalden.
Nu kom, du solt frolich starben
vnd gnaide von got erwerben.
Die aber irrent biß in den doit,
die komen in bitterlich noit.
425 Got sy lop danck vnd ere
uu alwege vnd ummer ineiv.
Der mich hat gegeben
zu füren eyn geistlichs leben
Und der bruder bin worden,
430 die da gehalten haut den orden.
Dar vmb der dot ist mir eynn trost:
nu werden ich fry vnd gantz erlost.
28.
Du bruder solt nu mit mir gaiu,
und solt doch got im hertzen hain.
435 Du hast ane sunde gefurt din leben,
zu gottis dinst dich gantze ergeben,
Und hast gesucht niet mere
dan din heile und gottis ere.
Du hast über geben willen und eigen mut
440 umb gottis willen, das ist dir gut.
Ich dancken got von disser stunden,
das ich in gehorsamkeit bin iundeu.
Nu laiß mich genießen, almechtiger got,
das ich gehalten hain din geboit.
445 Ich hoiff auch miner vetter genießen,
want ich hain getain das sie mich hießen.
Ilain ich aber wolt widder streben,
das woil mir got und sie vergeben.
29.
<) groißer meister von paris,
450 werent ir im gewest so wisse
Und hetent studert vfl den doit,
sicherlich das were voll noit.
Ir mußent nu glich dem leyen
springen mit mir an diesen reyen
123 biß fehlt «. 126 ummer] 0 Dammei JJ'.t «In | a eyn. 430 a der
und bat 4:u Dv bruder a b, C Bruder da. »:tr, dich fehlt i 142 bin]
C werden. 445 genießen] a b zu genießen. 446 das] C was. 150
west nn. 451 C hentent. 452 a sicher,
18*
276 M. RIEGER
455 Und dar zu uwern geist vff geben,
wie woil ir meynent noch lenger zu leben.
Ich neme iezunt gottis gunst
vor alle mine meisterlich kunst,
Wand der doit hait mich behafft
460 vnd acht niet vill vff myne meisterschafft.
Vyl beßer were eß, mocht ich myne suude geclagen,
wan das ich geleirt hain all myn dage.
Alles das ich ie hain geleret
hait mich zu goit wenig gekeret.
30.
465 Her burgemeister, eyn nuwes lyet wil ich uch singen :
zu disser geselschafft must ir nu springen.
Von uwerm ampt ir auch must scheiden,
vwer sunde laißt uch nu leyden,
Haint ir ymants besweret widder recht,
470 eß sy priester leye oder knecht.
Ir habent vbel oder wole getain,
wolufft zu dissera reyen mußt ir nu gain.
Ich hoiff eyn cristen mensche zu sterben
vnd by goit gnaide erwerben.
475 konde ich nit yderman zu willen gesin,
so was doch gut die meynunge myn.
Ich wil mich selbs nit rumen,
ich wil mich auch nit verdumen.
Myn burgemeisterampt hait eyn ende:
480 got sin gnaide an mich nu wende.
31.
Du cluger uß des fursten raide,
eß ist dir auch nu worden zu spade.
Gelt hastu geschenckt genomen
und haist underdruckt den fromen.
485 kom in dine grap nu slaiffen :
got wil din boisheit straiffen,
Die du mit den armen haist begangen,
ganck fürt, du bist nu min gefangen.
Min clugheit mich nu wenig bait:
490 ich seen leider vor mir min doden grap.
461 geclagen] O clagen. 462 a b gelernet; O by allen mynen (lagen. We-
gen des Reimes clagen: dage vgl. 41. 254. 305. 465 lyet] C leyt. 472 b wol-
lufft, u wol vtf. 482 auch im fehlt C. 487 Die] a b wie. 489 Min clugheit]
a b Die clugheit min (a meyn).
DEE JÜNGERE K'l'l ENTANZ. 277
Min wingart wiesen ecker und erspartes gut
bringent mich in der hellen glut.
Zu hoife saiß ich gern oben an,
was mir umb sost wart ich gern nam.
I(.*."> Eigen broit zu hain verdroiß mich zu aller zvt:
dar umb holt der dufel min sele und lip.
32.
Ich bin hie der bitter doit:
vorsprech, dir were nu noit,
Mocnstu einen vorsprechen gein got gewinnen,
500 ee das du fürst mit mir von hinnen.
Hettestu dich mit gode bedaicht
und unrecht nit zu recht gemacht,
Bi got mochstu gnaide befinden
und frolich scheiden von hinnen.
505 Ach wie bin ich so sere besorget,
dwile der doit niemants borget.
Ich muß nu auch redde und antwort geben
von minem suntlichen leben.
Unrecht macht ich dick zu recht,
510 was krump was das macht ich siecht.
Warheit verkaufft ich umb kleineß gut:
solichs mir nu den schaden dut.
33.
Schrieber, werektages und heiligtags hastu geschrieben
und da bi lutzel guts gedriben,
515 Umb wenig schlifft vyl gelts genomen:
das bringet gegen got nu wenig frommen.
Schrip ein Instrument vor den doit:
kanstu (lue das, is ist dir noit.
Din leckeri got numme liden mag:
520 kum fürt, eß ist hie din jungester dag.
Wannen kumstu, unzidier gas! ?
du hi-i inline herzen ein swerer last.
Ein tri leben liain ich biß her gefiirt,
geringe gewonnen balde verdork
525 Das hain ich allzyl so gehalden
und gar dein gesorgel den alden.
292 bringent] a b brengel (a brengt). 602 gemacht] C braicht. .r>'»7 nach
Rucb] a selber, 6 selbst 510 das fehlt C. 516 gegen fehlt C. nu] n Par,
fehlt fj. 518 ist a b, fehlt 0. 519 a b nnmmer. 520 a b kompt. 626 so a,
l, C also, Hier gilt rieh fine starke Verderbniaa kund, da der folgende Vers voraus-
setzt, flaß in diesem die jungen Tafje vorkomme». Etwa \ In jungen dappn mich wol pc-
halnVn. 526 a gesorge,
27 8 M. RIEGEE
Mocht ich aber zyt gewinnen,
ich wolt min leben baß besinnen.
34.
Suster myn, kum nu mit mir,
530 eynen hübschen dantz treden ich dir.
Du wollt dick vyl dantzen
vnd tragen dar zu schone rantzen,
Welche got an dir myszhagen.
sin brude plegen sie nit zu dragen,
535 Sunder mit dugenden sich zu cleiden
und ir hertz ym altzyt zu bereiden.
Ach wie gar byn ich betroigen,
das ich myn beßerunge hain verzogen.
Myn orden ducht mich zu hart
540 vnd gedaichte nit vff dissc leste fart.
Were ich eyn cloister iunfrauwe worden,
da man gotlich helt den orden,
So mocht ich nu gnade erwerben
und auch deß da baß yetzunt sterben.
35.
545 Ir burgerin mit den hoen rantzen,
ir plegent hoifieren und dantzen.
Uwer meide laißt ir uch naich gain,
das uch nit ist geborn ain.
Ir solt auch alle gemein
550 uwer man liep hain allein
Und laißen uwer lauffen und uwer gain,
So mocht ir frier von sunden stain.
Der werlt lauff hait mich betrogen,
naich gewoinheit bin ich uff gezogen :
555 Wie ander frauwen drugen sich,
so hielt min lieber man auch mich.
Doch hain ich sere gelauffen uß,
versumet kinder man und huß:
527 tzyt] C gnaide. 529 C b kumpt, a kompt. 532 Über ranzen als
Frauentracht schweigen die Wörterbücher. In hessischer Mundart wird Ranzen auch
für Wanst gebraucht; war es am Ende Mode eine Vorrichtung zur Erhöhung des
Bauches zu tragen? Der Gedanke ist nicht abenteuerlicher als die jetzt übliche Erhö-
hung des entgegengesetzten Theiles. Aber in solcher Bedeutung würde ranze scherlich in
der Mehrzahl stehen. 533 C muß hagen. 534 a bürde, 536 zu fehlt a.
537 gar fehlt a. 539 mich] o mir. 546 nach und] a zu, b tzu. 547 nach
ir] a b auch, gain] o gaben 552 a b mochtent. a fryher, C tri her, b fryhe
her. 555 drugen] C druwen. 556 C also.
DER JÜNGERE TODTENTANZ 270
Dar umb so fochten ich den doit,
560 das er mich bringe in groiße noit.
36.
Ir iunfrauwe in dem groißen swantz,
ir gehoreut auch an mynen dantz.
Vyl hoiffart haint ir gedriben:
beßer were eß in demutikeit verüben.
565 Ir haint vff uwerm heupt gedragen
bogen mut, der nit stet zu sagen,
kompt her naich, ich uch nu lere
in allen dantzen die beste kere.
Ich muß nu die warheit sagen,
570 ich wolt der werlt zu male behagen
Mit dantzen vnd mit springen
vnd auch mit süßem singen.
Vyl genugden hain ich beseßen
vnd der geboit gots vergeßen.
575 O mutter der barmhertzikeit,
hilff mir, myn sunde sint mir leit.
37.
Ir kaufman sijt worden rieh
und meinent in uwerm sin glich,
Ir endorfft uff niemant geben
580 und wolt noch sere lange leben.
Hettent ir uch vor sunden gehut,
das hulff uch me dan alle uwer gut,
Und uch bereit zu sterben,
so moieht ir nu gnaid erwerben.
585 Ich hain gelauffen durch borg und dail,
durch alle werlt breit und smail
Gesucht gewin wie ich mocht,
min arme sele wenig bedocht.
Hette ich alles das gut gewonnen,
590 das in der weit ist under der sonnen.
Das mocht mir nu gehelfen nit,
wan dodes knüll' min hertze nmb git.
559 so feh/f. />. 561 groißen] a hoen 564 i D fehlt a. a geblieben.
b blieben. 566 b Hohe mudt. 579 uf eiuen geben bedeutet wohl', einem
Credit geben. Der Beichgewordne braucht et flieht mehr, weil er immer zahlen kann und
daher doch Credit findet. Technieeher Ursprung •!■ /. detuart: etwas, viel, nicht* auf
etwas oder au/ einen geben. ' des. 684 nu fehlt ('. 588 nach we-
nig] b ich.
280 0TT0 ArELT
38.
Kumpt her fürt von allem stait,
welch hie vor d isser dantze nit enhait.
595 Uwer ist vyl, ich byn alleyn:
doch über winden ich uch alle geracyn.
Uwer zyt ist komen, ir must sterben:
langer zijt mogent ir niet erwerben.
Sint ir gottis frunde, das ist gut.
600 ist des nit, so fart ir in der hellen glut.
Ach leyder, wie iung, wie alt wir sin,
wir mögen nit entgain den henden din.
Got vber vns sich nu erbarm:
wir sin rieh oder arm,
605 Wir mußen alle in das dantz huß,
da geit alle vnser freude uß.
Maria, aller Junfrauwen eyn krön,
hilff das vns werde der ewige Ion.
ÜBER DEN ACCUSATLVUS CUM INFLNITLVO
IM GOTHISCHEN.
Wenn bei keiner Untersuchung über die Syntax der gothischen
Sprache die kritische Vorfrage der Abhängigkeit vom griechischen
( )riginal umgangen werden kann, so ist dieselbe von besonderer und
entscheidender Bedeutung für die Beurtheilung einer Construction,
bei welcher ein Zweifel darüber durchaus nicht ausgeschlossen ist, ob
sie überhaupt dem Gothischen als eine dieser Sprache eigenthümliche
zukomme, der Construction nämlich des Accusativus cum Infinitivo.
Bopp bestreitet für eine bestimmte Art von Fällen das Heimatsrecht
dieser Construction im Gothischen, während Grimm, Loebe u. a., und
neuerdings besonders Miklosich an dem durchaus heimischen Ursprung
derselben nicht zweifeln.
Für die Entscheidung der Frage kommen, wie wir meinen, haupt-
sächlich zwei Punkte in Betracht, nämlich erstens, ob die der gothischen
zunächst verwandten Sprachen das ursprüngliche Vorhandensein der
Construction auch im Gothischen wahrscheinlich machen, und zweitens,
ob eine eingehende Prüfung der gothischen Sprachdenkmäler selbst
594 hie fehlt a. enhait] a hat. 598 zijt : ursprilnglich wohl zil. 603 sich
fehlt a.
ÜBEB DEN Ä.CCUSATIVUS CUM INPINITIVO IM GOTHISCHEN. 281
uns Kriterien au die Hand gibt, welche die Fremdartigkeit der Con-
struction für das Gothische evident machen oder wenigstens nöthigen
anzuerkennen, daß die Construction in dem Umfange, in dem sie sieh
in dem Übersetzungswerke findet, nicht auch der lebenden Sprache
eigen gewesen sei.
Was das erstere anlangt, so weiß man aus Grimm Gr. IV S. 120 f.,
daß die Construction dem Altnordischen ziemlich geläufig war, wie
sie noch dem heutigen Schwedisch keineswegs fremd ist, während sie
im Dänischen gemieden wird. Doch scheint auch im Altnordischen der
Gebrauch derselben bei weitem kein so ausgedehnter gewesen zu sein,
wie in den classischen Sprachen; unter den von Grimm angeführten
Beispielen findet sich kein einziges, in dem die Construction von einer
impersoncllen Wendung abhienge. In noch weit engeren Grenzen be-
wegt sich die Anwendung der Construction im Angelsächsischen und
Altsächsischen. Im Angelsächsischen beschränkt sie sich auf formel-
hafte epische Wendungen mit ic geß'aegn und ic hyrde als regierenden
Verbis. Belege, die übrigens, wie man aus dem Wörterbuch zu Heynes
Ausgabe des Beovulf s. v. frignan sieht, noch erheblich vermehrt
werden können, finden sich bei Grimm IV, 120. Doch scheint, was
Grimm entgangen ist, auch vertan einmal mit dieser Construction ver-
bunden worden zu sein Bcöv. 934 ic aenigra me vedna ne vende to
wdan feore lote gehidan (ich hoffte nicht, daß ich für irgend welche
Leiden für ein weites Leben Ersatz erlebe), denn me kann hier doch
nur als Accusativ gefasst werden. Im Altsächsischen, für das Grimm
kein Beispiel beibringen konnte, findet sich Heliand 3338 f. die Con-
struetion nach wüan : thär he thena odagan man inna wissa an is
gestseli gömä thiggean (wo er wusste, daß der reiche Mann drinnen
in Beinem Saale speiste). Auch nach hdn'an findet sich Hcl. 3236 ein
wirklicher Accusativus cum Infinitive, d. h. in dem von Grimm IV,
118 bestimmten Sinn: tlnm he it gihorid heli&o filu ahton (wenn er
hört, daß viele Männer darauf Acht haben). In V. 1548 thär thu thi
eft frumono hugis mir antfähan (da hoffst du wieder mehr Vortheile
zu empfangen) kann man zweifeln, ob ein Accus, c. Inf. nach hugian
vorliegt; da indeß thi im Monacensis fehlt und im Cottonianus der
Accusativus gewöhnlich thik lautet, so hal man thi wohl als Dativ auf
zufassen; ebenso V. 1552. Diese Beispiele ßtehen im Altsächsischen
ganz vereinzelt da. Weit mehr eingebürgert scheinl dagegen die Con-
Btruction im Althochdeutschen zu sein, und wer die stattliche Reihe
von Beispielen bei Grimm IV, 116 f. flüchtig durchmustert, winl leicht
geneigt sein zu glauben, <lali die Construction im Alul. ganz heimisch
282 OTTO APELT
gewesen sei. Bei näherer Prüfung und Sichtung zeigt sich indeß, daß
dem nicht so ist. Die althochdeutsche Prosa, selbst die eines Notker,
ist wie im Inhalt, so in der Form noch auf das Innigste verwachsen
mit dem Latein , 'unter dessen Banne sie in Bezug auf syntactische
Fügungen noch vielfach steht. Will man in diesen Dingen das dem
Althochdeutschen wirklich Eigenthümliche erkennen, so muß man sich
doch wohl zuerst an Otfrid wenden und an diejenigen Stücke in
Müllenhoffs und Scherers Denkmälern, die als selbständige Erzeugnisse
der althochdeutschen Litteratur gelten müssen; wenn sich in diesen
keine Bestätigung für gewisse bei Notker, Tatian u. a. vorkommende
syntactische Fügungen findet, ist man berechtigt, das Indigenat der-
selben im Althochdeutschen in Zweifel zu ziehen. Nun findet sich aber
in den betreffenden Stücken der Denkmäler kein Beleg für unsere
Construction und das ganze Werk von Otfrid bietet nur ein einziges
Beispiel III, 14, 36 ih irkanta, ih sagen thir, thia kraft Mar faran
fona mir. Hier ist aber irkennen offenbar noch in sinnlicher Bedeutung
zu nehmen, ähnlich wie mittelhochdeutsch kiesen und vernemen. Eine
von mir für das Althochdeutsche und Mittelhochdeutsche besonders
geführte Untersuchung, die gelegentlich veröffentlicht werden soll, wird
im Einzelnen zeigen, wie das Vorkommen der Construction in eben
dem Maße sich mindert, in dem die Selbständigkeit der litterarischen
Production zunimmt und wie man das Meiden derselben geradezu als
ein Kennzeichen der Emancipation des Deutschen vom Lateinischen an-
sehen darf. In der Übergangszeit des Althochdeutschen zum Mittel-
hochdeutschen wird man, die Übersetzungen nicht ausgenommen, äußerst
wenige Beispiele antreffen ; besonders lehrreich in dieser Beziehung ist
die sprachlich wichtige Übersetzung einzelner Abschnitte des tractatus
Notperti de virtutibus in Graffs Diutisca I S. 281 — 291; obwohl hier
die nebenstehende lateinische Quelle an zahlreichen Stellen zur An-
wendung der Construction einlud, ist ihr der Übersetzer doch allent-
halben sorgsam aus dem Wege gegangen. Dem entsprechend finden
wir denn die Fügung aus der Sprache der classischen mittelhochdeutschen
Dichter so gut wie verbannt, während allerdings in einigen Werken
untergeordneter und zum Theil späterer Dichter ein gewisses Hinneigen
zu derselben bemerklich ist, das indeß auf ganz bestimmte Einflüsse
zurückzuführen sein dürfte.
Diesen Erscheinungen gegenüber muß der ausgedehnte Gebrauch,
den das Gothische vom Acc. c. Inf. macht, und von dessen Umfang
die Belege bei Grimm und v. d. Gabelentz und Loebe nur ein unvoll-
ständiges Bild geben, äußerst auffällig erscheinen, und selbst derjenige,
ÜBEE DEN ACCUSATIVUS CUM 1NTIN1TIVO IM GOTHISCHEN. 283
der nicht zweifelt, daß die Construction dem Gothischen so zu sagen
angeboren, nicht dem Griechischen abgeborgt sei, wird erstaunt sein,
dieselbe sogar nach Conjunctionen wie svasve und svaei, nach unper-
sönlichen Ausdrücken wie azetizo ist, gadob ist, sogar bei dem Artikel
fxitd (2 Cor. 7, 11) anzutreffen. Die Vergleichung mit anderen Stellen,
in denen die genannten Ausdrücke andere Constructionen nach sich
haben, muß hier sofort zu gegründeten Zweifeln Anlaß geben. Denn
darüber ist man jetzt einverstanden, daß kaum jemals ein Übersetzer
treuer, um nicht zu sagen ängstlicher in Wiedergabe seines Originals
verfahren ist, als der Gothe. Nun finden sich in der weit überwiegenden
Mehrzahl der Fälle die angeführten Conjunctionen svasve und svaei
trotz griechischen Acc. c. Inf. nach ioote mit dem Verbum finitum ver-
bunden. Gestattete es dem Gothen seine Sprache, dem Griechischen
treu zu bleiben, warum wich er dann mit Aufopferung der sonst für
seine Übersetzung maßgebenden Grundsätze ohne Noth von dem Ori-
ginal ab? Sind wir nicht vielmehr umgekehrt nicht nur berechtigt,
sondern genöthigt anzunehmen, daß in den ersteren Fällen der Gothe
seiner Sprache, wie öfters nachweislich geschehen, der Treue der Über-
setzung zu Liebe etwas Gewalt anthat, während er in den letzteren
der Eigenthümlichkeit derselben Rechnung trug? Wir werden also,
wenn wir ein Urtheil über die Bedeutung der Construction für das
Gothische gewinnen wollen, zunächst zu fragen haben, ob sich in den
gothischen Sprachdenkmälern Beispiele eines vom Griechischen unab-
hängigen Gebrauchs des Acc. c. Inf. finden, und wenn dieß der Fall,
ob sie hinreichen, den Gebrauch des Acc. c. Inf. im Gothischen in
seinem ganzen Umfange als wirklich der Sprache eigenthümlich zu
erweisen.
Nun gibt es allerdings eine, wenn auch nur geringe Anzahl von
Fällen, in denen der Acc. c. Inf. im Gothischen unabhängig von dem
griechischen Original gesetzt zu sein scheint. Doch drängt sich sofort
die Frage auf, ob das Gothische denn in der That ganz selbständig
verfahre oder ob nicht entweder eine, wenn auch für uns wegen der
nicht absoluten Vollständigkeit des griechischen Handschriftenmaterials
nicht mehr erkennbare Abhängigkeit vom Griechischen anzunehmen,
oder der Grund vielleicht in dem Einfluß der lateinischen Übersetzungen
zu suehen sei. Für das erstere mache ich aufmerksam auf Job. 7, 4,
wo das Gothische bietet: sokeip sik uskunpana visan, während der
gewöhnliche griechisehe Text nach den meisten Handschriften hat:
trfiü avroc ev nctQ^toiu eivcci. Wer bei Grimm IV, 115 und v. d. Gabe-
lentz und Loebe Gramm, p. 249 das Griechische in dieser Passung
284 OTTO APELT
neben dem Gothisehen sieht, wird darin einen Beleg für die Selbständig-
keit der Construction im Gothisehen erblicken ; doch die Handschrift E
hat für avtog avvov, unentschieden ob airov oder avzov, und daraus wird
sich die gothische Fassung erklären. Denn daß der Gothe nicht nöthig
hatte, den Subjectsaccusativ zu setzen, geht daraus hervor, daß er sonst
überall bei sokjan sich mit dem bloßen Infinitiv begnügt, cf. Mrc. 12, 12.
Luc. 9, 9 u. ö. Was aber das zweite, den Einfluß des Lateinischen an-
langt, so unterliegt es nach den Anmerkungen bei v. d. Gabelentz und
Loebe und namentlich nach den eingehenden und gründlichen Unter-
suchungen von Bernhardt (Kritische Untersuchungen über die gothi-
sche Bibelübersetzung Meiningen 1864 und Elberfeld 1868) keinem
Zweifel, daß auf die Gestaltung unseres jetzigen gothisehen Bibel-
textes die in Italien verglichenen lateinischen Übersetzungen vielfach
eingewirkt haben, indem sie die gothisehen Schreiber zu Änderungen
und namentlich zu Nachträgen veranlassten. Man braucht nur ein-
zelne Abschnitte zu vergleichen, um die oft überraschende und den
Zufall ausschließende Übereinstimmung in Wortstellung, Satzbau, Aus-
druck zwischen dem Gothisehen und Lateinischen zu erkennen. In
dieser Beziehung sind die Angaben von v. d. Gabelentz und Loebe
sowie von Maßmann noch weit von Vollständigkeit entfernt, auf die man
wohl erst in der zu erwartenden Ausgabe von Bernhardt zu rechnen
hat*). Für unsere Untersuchung ist namentlich die Thatsache wichtig,
daß die gothisehen Schreiber bestrebt waren, ihren Text zu bereichern
und zu vervollständigen, so daß derselbe gegen das Griechische sehr
häufig ein Plus, nur selten ein Minus zeigt. Man wird in Bezug auf
die hier zu besprechenden Fälle zugeben, daß die Annahme einer Be-
einflußung durch lateinische Quellen für den Fall erheblich an Wahr-
scheinlichkeit gewinnt, wenn erstens alle hierher gehörigen Stellen sich
dadurch erklären lassen und wenn zweitens unter ihnen auch solche
Beispiele gemeinsamer Abweichung des Gothisehen und Lateinischen
*) Aus der großen Zahl von Belegen, die ich ans der Vergleichung der Orinther-
briefe gewonnen habe, hebe ich als ein Beispiel dafür, wie manches anscheinend
Überflüßige und Anstößige durch die Herbeiziehung des Lateinischen seine Erklärung
findet, hervor 2 Cor. 8, 1 jah ana pizai ws izvis in uns friapvai; befremdend ist hier,
wie v. d. Gabelentz und Loebe im Wörterbuch S. 13 bemerken, das ana, zu dem sich
im Griechischen nichts Entsprechendes findet und für das man nach dem Vorher-
gehenden höchstens ein in erwartet, womit es auch von den Herausgebern erklärt
wird. Wirft man einen Blick auf die lateinischen Übersetzungen, die fast alle et in-
super vestra in nos rarüate haben, so scheint es klar, daß ana hier in adverbieller
Bedeutung das lateinische insuper wiedergibt. Auch Mrc. 8, 23 und 11, 7 findet sich
ana adverbiell gebraucht.
ÜBER DEN ACCUSATIVUS CUM INFIN1TIVO IM GOTHISCIIEN. 285
vom Griechischen nicht fehlen, in denen der lateinische Übersetzer
durch die Gesetze seiner Sprache zum Abgehen vom griechischen
Original nicht geuöthigt war.
Von keiner Bedeutung für die erörterte Frage und nur der Voll-
ständigkeit wegen aufzuzählen sind zunächst diejenigen Fälle, in denen
gothisch taujan oder vaurkjan ohne das Vorbild des Griechischen mit
dem Accusativ und Infinitiv verbunden stehen. Denn diese der deut-
scheu Sprache in allen ihren Verzweigungen eigenthümlichen Fügungen
sieht Grimm mit Recht nicht für eigentliche Acc. c. Inf. an, da hier
der Accusativ unmittelbar mit dem regierenden Verbum zu verbinden
ist. Es hat deßhalb auch keinen Werth, die lateinischen Übersetzungen
anzuführeu. Luc. 9, 15 gatav idedun anakumbjan aUans avixXivccv anavtuc,.
Anders im vorhergehenden Vers: gavaurkeip im anakumbjan kubituns
/xiiu/lircat avrovQ xXtoiag, den ich nur so erklären kann: 'Bereitet
ihnen, um sich niederzulegen, Lager. Joh. 5, 21 sunus, Jtanzei vili, liban
gataujip Ccoortoisi. Ebenso Joh. 6, 63. 2 Cor. 9, 10 vdhsjan gataujai
av^rjaei. 1 Thess 3, 12 frauja izvis ganohnan gataujai v/uäg o y.voiog
itoioottoai. Mrc. 3, 14 mit du: gavaurhta tvalif du visan mip sis eitoiitoe
di' dexa ha iooi ;ai' airvov. Ähnlich verhält es sich mit saihvan, wo der
Infinitiv im Gothischen, wie im Deutschen überhaupt, genau dem grie-
chischen Particip entspricht, der Accusativ aber mit dem regierenden
Verbum zu verbinden ist. So heißt es Joh. G, G2 jabai nu gasaihvip
sunu um ns ussteigan iav ovv ^eioQ^ie iov vlbv cov avÖQioiiov avaßai-
vovra. Mrc. 13,29 pari gasaihvip pata vairpan brav tavva i'dtjTe ye-
löatva.
Es folgen nun einige Beispiele des Acc. c. Inf. nach rahnjan.
Phil. 2, 6 ni vulva rahnida vis an sik gaUiko gupa ovx aqnay^iov ryyr)-
oaio ii) elvai loa tttiij. Die versio antiqua bei Sabatier und die Vulgata
haben übereinstimmend mit dem Gothischen: esse se aequalem Deu,
obwohl hier das Lateinische auch ohne se ausgekommen wäre. Phil.
3, 7 putii/i rahnida in Kristaus sleipa visau taiict rtfr/fiai öia tov
Xqiaxm -inner (ohne elvai). Ambrosius und Augustin haben hier esse.
Doch wir brauchen hier nicht auf das Lateinische zurückzugehen;
denn die Vermuthung liegt sehr nahe, daß risnn aus dem unmittelbar
folgenden Vers, w<> es in <lu- nämlichen Verbindung sleipa visan steht,
in diesen Vers eingedrungen ist, ähnlich wie sich /.. B. 2 Cor. 10, 16
fiiim arbaidim au^ <hin vorhergehenden Verse eingeschlichen hat.
Sodann einige Fälle des Acc. c. Inf. nach venjan. 1 Cor. IG, 7
nitfi- niijn in i 7. ///•<; hveilo saljan <ü izvis. ikrtiCpi yag xqovov ziva
iiaüvui nun- uftag Daß an sich für den Gothen kein Grund vorlag
286 OTTO APELT
von dem Griechischen abzuweichen, zeigen Stellen wie Luc. 6, 34.
1 Tim. 3, 14, wo venjan mit bloßem Infinitiv verbunden steht. Wahr-
scheinlich ist das Latein von Einfluß gewesen. Vulg.: spero enim me
aliquantulum lemporis manere apud vos und ähnlich Augustin, während
die Versio antiqua hier allerdings bloß sperans venire ad te cito hat.
2 Cor. 5, 11 venja svikunpans visan uns, elrcltio — yreqccveQiooticu
(ohne rif.iag) , während die lateinischen Übersetzungen hier selbstver-
ständlich nos haben: spero manifestos nos esse. Wenn Loebe richtig
sagt quasi antea venjarri scriptum esset : post venja expectandum erat svi-
kunpana — mik, so spricht das um so mehr für Einfluß des Latein.
Ferner tritt einige Male selbständig der Acc. c. Inf. nach munau
auf. 2 Cor. 11, 5 man auk ni vaihtai mik minnizo gataujan paim ufar
mikil visandam apaustaulum Xoyitpfxcu yao' /tirjösv vöT£Qrjy.lvai tüv vnsoXiav
anooxolbiv. Die lateinischen Übersetzungen entsprechen genau dem
Gothischen. Die Versio antiqua bei Sabatier: existimo autem me nihil
minus fecisse; ganz ähnlich die Vulgata. Phil. 1, 17 munandans sik
aglons urraisjan bandjom meinaim oio/iisvoi $Ki\piv iyeiosiv xo~ig öeaf.iöig
/liov; Vulgata und Augustin haben se.
Auch gatrauan hat einmal den Acc. c. Inf. nach sich, ohne daß
das Griechische eine Veranlassung dazu zeigt. 2 Cor. 10, 7 jabai hvas
gatrauaip sik silban Kristaus visan ei xig itinoiS-sv eavzw Xqiotov
uvai. Die Versio antiqua hat hier: Si quis conßdit se Christi servum
esse; am genauesten stimmt, wie öfters in den Episteln, zu dem Gothi-
schen Ambrosiaster: si quis conßdit se esse Christi, wie denn fast alle
Citate bei Sabatier se haben.
Ob in Mrc. 15, 9 vileidu fraleitan izvis pana piudan Judaie deXete
cxnokvou) vfxiv tov ßaoiXm xwv lovöaitov fraleitan, wie Loebe will,
passivisch zu fassen ist, wage ich nicht zu entscheiden. Unmöglich ist
es nicht, es auch activisch zu erklären. Doch vielleicht ist mit Zahn
zu schreiben fraleitau, dem arcolvoio entsprechend.
Es bleibt noch übrig, einen Nominativus cum Infinitivo zu er-
wähnen. Rom. 7, 10 bigitana varp mis anabusns, sei vas du libainei,
visan du daupau xat evoi&rj fxoi y evioXr] tj slg tiorjv, avrrj elg Sctvaiov.
Die lateinischen Übersetzungen haben hier alle übereinstimmend Acc
esse ad mortem. Zu vergleichen ist Luc. 17, 18, wo es in Einklang
mit dem Griechischen heißt: ni bigitanai vaurpun gavandjandans giban
vulpu gupa ov% evos&tjGctv vnoOTQEipavTeg dovvcu do^av tio &eio. Die
beiden Stellen könnten als Belege bei Grimm IV, 123 dienen.
Während in den besprochenen Stellen, in denen das regierende
Verbum durchweg persönlich war, die Möglichkeit einer Einwirkung
ÜBER DEN ACCUSAT1VUS CUM INFINITIVO IM GOTIIISCIIEN. 287
des Lateinischen wenigstens nicht ausgeschlossen ist, bietet sich in
Luc. 4, 36 jah varp afslaupnan allans xai eytveio 9-df.ißog Ini jiavvag,
abweichend ebensowohl vom Griechischen wie vom Lateinischen die
merkwürdige Erscheinung eines Acc. c. Inf., der abhängig ist von dem
unpersönlichen varp. Dieß muß um so mehr auffallen, als sonst immer
nach varp entweder in Übereinstimmung mit dem Griechischen bald
mit jah bald mit asyndetischer Fügung fortgefahren wird, oder eine
Construction eintritt, die man mit dem Namen des Dativus cum Infinitivo
belegt und mit gewissen Erscheinungen des Altslovenischen auf eine
Stufe gestellt hat. Man fragt unwillkührlich, warum der Übersetzer hier
das der gothischen Sprache Geläufige einer fremdartigen oder wenig-
stens völlig vereinzelt dastehenden Construction aufopferte ; man würde
es noch allenfalls begreiflich finden, wenn das Griechische mit dem
Vorbild des Acc. c. Inf. vorangegangen wäre, wie derselbe sich überall
im Griechischen da findet, wo im Gothischen der sogenannte Dativus
cum Infinitivo auftritt. Ich werde weiter unten zeigen, wie wenig wahr-
scheinlich es überhaupt ist, daß im Gothischen eine spontane Setzung
des Acc. c. Inf. nach unpersönlichen Ausdrücken stattgefunden habe.
Auch Bopp, der sehr treffend über die Erscheinungen des Acc. c. Inf.
im Gothischen urtheilt, kann nicht glauben, daß der Gothe nach varp
einen wirklichen Acc. c. Inf. gesetzt habe. Er fasst deßhalb hier varp
als ein Verb um der Bewegung, von dem allans als Accusativ regiert
wird: es kam Entsetzen (über) alle, oder Entsetzen überfiel alle. Da
indeß diese Erklärung durch Analogien nicht gestützt wird, so bin ich
eher geneigt zu glauben, daß hier ein Fehler in der Überlieferung
vorliegt. Fasst man afslaupnan substantivisch, wie es Bopp und v. d.
Gabelentz und Loebe im Wörterbuch S. 164 thun, so fehlt nichts als
ein dem int entsprechendes ana, um das Gothische mit dem Griechi-
schen völlig in Einklang zu bringen. Wie leicht aber ein solches ana
zwischen afslaupnan allans ausfallen konnte, ist auf den ersten Blick
klar, und auch sonst fehlt es nicht an ganz analogen Fehlern der
Überlieferung in dem gothischen Übersetzungswerke. So hat 1 Cor. 5, 10
die Handschrift pan ue, während wahrscheinlich, wie die neueren Aus-
gaben alle haben, pcmm US zu lesen ist; und ebenso ist ein Wort,
das sich aus dem Endbuchstaben des ersten und Anfangsbuchstaben
des folgenden Wortes zusammensetzt, ausgefallen 1 Cor. 13, 12, wo
es für daüai jmii beißen muß <luil<ii //» j><in. In ähnlicher Weise ist
2 Cor. 7, 13 nach appam ana ausgefallen.
Hieran nag sieb eine Besprechung derjenigen Stellen schließen,
in denen oarp verbunden ist mit dem Dativ der Person und dem
288 OTTO APELT
Infinitiv, eine Fügung, die nach dem Vorgange Grirnms Miklosich in
seiner Abhandlung über den Acc. c. Inf. Wien 1869 auf Grund sehr
zahlreicher ähnlicher Erscheinungen im Altslovenischen; wie schon ange-
deutet, für reinen Dativus cum Infinitivo erklärt, worin er die Beistiramung
Jollys (Geschichte des Infinitivs im Indogermanischen S. 267) gefunden
hat. Gäbe es innerhalb der gothischen Sprache Fälle einer solchen
Construction auch nach andern Verbis als varp, so würde ich kein
Bedenken tragen, der Ansicht Miklosichs beizustimmen. Aber sie be-
schränkt sich eben auf das einzige varp. Die in Betracht kommenden
Stellen sind folgende: Mrc. 2, 23 jah varp pairhgaggan imma pairh
atisk yal eyevexo rtUQanooeveo&ai avxbv öia xcov OTiooifuiov. Luc, 6, 1
jah varp gaggan imma pairh atisk xai eyevexo diarfooeveo&ai avxbv
öia xiov otioqi^iüv. Luc. 6, 6 jah varp galeipan imma in synagogein
jah laisjan eyevexo de eloel&elv avxbv elg xi]v owayioytiv y.al didüoxeiv.
Luc. 16, 22 varp pan gasviltan pamma unledin jah hriggan fram
aggilum in harma Ahrahamis eyevexo de artoSavelv xbv Ttxwyjbv yal ane-
rtX&rjvai avxbv vnb xcüv ayyeltov elg xbv yoknov ^4ßoaaf.i, 2 Cor. 7, 7
svaei mis mais faginon varp aiaxe [(£ /nällov xaQtjvat. Erweckt schon
der Umstand, daß die fragliche Construction sich nur an das eine
Verbum varp angelegt haben soll, einige Bedenken gegen die Zulässig-
keit der Annahme derselben im Gothischen, so verliert dieselbe durch
folgende Bemerkung noch mehr an Wahrscheinlichkeit. Abgesehen von
dem oben besprochenen Fall Luc. 4, 36 folgt der Gothe dem Griechi-
schen mit geringen Abweichungen in den Verbindungen von eyevexo
z. B. Mtth. 7, 28 jah varp, pan ustauh Jesus po vaurda yal eyevexo oxe
owexeleoev b Irjaovg xovg Xbyovg xovxovg. Mrc. 1, 9 jah varp in jainaim
äagam, qam Jesus xou eyevexo ev exelvatg xoug r^ieqaig, rjX&ev 'itjGovg.
Luc. 17, 11 jah varp jah is pairhiddja yal eyevexo y.al avxbg dttjQxexo
u. s. w., überall aber, wo das Griechische Acc. c. Inf. aufweist, setzt
der Gothe seine Dativconstruction ; nur eine einzige Stelle habe ich
finden können, wo trotz griechischen Acc. c. Inf. im Gothischen nicht
der Dativ und Infinitiv erscheint, nämlich Luc. 3, 21 varp ]>an tislok-
noda himins eyevexo dvecpx&rjvai xbv ovqavbv. Wäre die Construction
eines Dativus cum Infinitivo, auch bloß nach varp, dem Gothen irgend
geläufig gewesen, so hätte er sie wohl auch hier eintreten lassen; aber
hier bot das Griechische keinen persönlichen Subjectsaccusativ und
deßhalb unterblieb die sonst eintretende Fügung. Oder wäre es Zufall,
daß ihr der Gothe gerade hier aus dem Wege gieng ? Es scheint vielmehr
daß der Gothe die Dativconstruction nur da wählte, wo er im Grie-
chischen einen persönlichen Subjectsaccusativ vorfand, der es ihm ge-
&BEE DEN ACCÜSATIV1 S Cl u [NPINITIVO IM GOTHISCHEN. 289
stattete mit einer nur geringen Modifikation des Gedankens seinen
Dativ unmittelbar mit varp zu verbinden. Bei anderem als persönlichem
Subjectsaccusativ konnte er das nicht; denn jeder fühlt, wie gezwungen
einerseits in diesem Falle die Fügung sein würde und wie sehr sie
andrerseits gegen den Sinn des Griechischen streiten würde. Ich sehe
daher keinen zwingenden Grund, zu einer durch keine Analogien inner-
halb der deutschen Sprachen gestützten Hypothese die Zuflucht zu
nehmen und halte die von v. d. Gabelentz und Loebe Grammatik
-52, 6 gegebene Erklärung, wonach der Dativ unmittelbar zum
Verbuni gehört, für ausreichend. Nur darf man nicht übersetzen: Ein
Wandeln durch die Saat ward ihm zu Theil, sondern: Ein Wandeln
durch die Saat ereignete, fügte sich für ihn. Die beste Analogie hierzu
jich in mhd. geschehen mit Infinitiv und Dativ und. Grimm selbst
macht IV. 109 auf die nahe Verwandtschaft dieser Fügungen mit den
eben besprochenen aufmerksam. Allerdings erscheint im Mittelhoch-
deutschen in Wendungen wie nach der ze riten im geschach, ir zu sterben
iilht geschieh, das. lidenne geschiht, sit uns ze sitzen hie geschach,
der Infinitiv meist in Begleitung von ze, doch findet sich auch der
bloße Infinitiv Nib. 1145, 4 so ist in aJ/reste von schulden sorgen ge-
schehen. Wenn aber Grimm in der Stellung der Worte im Gothischen
eine Nöthigung linden will, die Zugehörigkeit des Dativs zu varji zu
verwerfen, so ist dem entgegenzuhalten, daß der Gothe sich hier, wie
:, in der Wortstellung möglichst eng an sein Original anschloß.
Indem wir zum Acc. e. Inf. zurückkehren, wenden wir uns zu
den zahlreichen Fällen, in denen das Gothische mit dem Griechischen
in der Construction übereinstimmt. Wenige werden so weit gehen, alle
die Anwendungen, die sieh entsprechend dem Griechischen vom Acc.
c. Inf. im Gothischen finden, als dem Gothischen geläufige zu betrachten.
!.- i ■.•_■• h nur, ob sich ein Kriterium gewinnen lässt, durch welches
eine Sichtung möglich wird. Und da meine ich, daß ein solches
Kriterium füglich sich darbietel in der Vergleichung mit solchen Fällen,
in denen bei gleichem regierenden Verbum oder Ausdruck das Gothische
den griechischen Acc. c. Inf. durch andere Constructionen ersetzt hat.
Denn bei der großen Gewissenhaftigkeit der gothischen Übersetzer ist
ea kaum denkbar, daß dieselben ohne Noth, d. h. ohne durch die Ge-
setz'- ihrer Sprache gi n zu werden, dem Griechischen untreu
wurden; wohl aber hat man Grund anzunehmen, daß der Trieb nach
Genauigkeit zuweilen lebhafter und stärker war als derjenige, die
Eigentümlichkeit der gothischen Sprache überall zu wahren. Wir
stell. -n also die einfache Regel auf, daß diej< nigen Fälle des Acc
QEBlIANIi I'1
290 OTTO APELT
Tnf. im Gothischen nicht als dieser Sprache eigentümliche anzusehen
sind, für die sich an anderen Stellen, wo das Griechische ebenfalls
mit dem Vorbild des Acc. c. Inf. vorangieng, andere Constructionen
als die bezeichnete finden.
Hierher gehören vor allem die schon oben kurz erwähnten Con-
junctionen svasve und svaei, die beide zuweilen mit Acc. c. Inf. ver-
bunden auftreten, ungleich häufiger aber trotz griechischen Acc. c. Inf.
das Verbum finitum nach sich haben. Die Fälle der ersteren Art sind
für svaei: 2 Cor. 2, 7 svaei pata andaneipo izvis mais fragiban jah
gaplaikan üIgte vovvavTiov f.iaXXov v/jäg xaQtaaa&ai v.cu nagazalsaai,
und wahrscheinlich 2 Thess. 2, 4 svaei ina in gups alh sitan toGve
ctvxbv eig %hv vaiv rov &eov -/.aOiaai, obwohl die Lesung sehr unsicher
ist. Für svasve: Mtth. 8, 24 svasve pata skip gahulip vairpan
loore zb nkoLOV y.ahv7TT£G9cu. Mrc. 4, 1 svasve ina galezpandan in skip
gasitan woze cwtov eiißcivra eig to ttXoiov xadijo&ca und wahrscheinlich
Phil. 1, 14, wo nach dem Griechischen zu urtheilen ein svasve oder svaei
voraufgegangen sein muß. Auch ist zu vergleichen Luc. 9, 52 galipun
in haim Samareite , sve manvjan imma coGve eznifiaoca cwtot. Dagegen
svaei mit Verbum finitum gegenüber griechischem Acc. c. Inf.: Rom.
7, 6. Mrc. 1, 27. 2 Cor. 3, 7. 7, 7. 8, 6. 2 Thess. 1, 4. Skeir. III. d. Und
svasve: Mtth. 8, 28. 27, 14. Mrc. 1, 45. 2, 12. 3, 10. 3, 20. 4, 32. 37.
9, 26. 15, 5. 1 Cor. 13, 2. 2 Cor. 1, 8. sve: Luc. 5, 7. Ebenso gut wie
svasve ist vielleicht gelegentlich auch einmal faurpize entsprechend
griechischem ttqiv mit Acc. c. Inf. verbunden worden, nur daß sich kein
Fall erhalten hat.
Sodann sind wahrscheinlich als nicht echt gothisch anzuerkennen
diejenigen Fälle, in denen von Ausdrücken wie gop ist, azetizo ist, gadob
ist u. dgl. ein Acc. c. Inf. abhängt. Denn die Stellen Mrc, 10, 24 hvaiva
(igln ist paim hitgjandam afarfaihau in piudangardja gujis galeipan
Ttoig ()vGY.oh')v £gti, vovg nenot Oorag enl zol^ yoriiaGiv eig ttjv ßaoiXslav
iov Üfji? elgeX&elv, Mrc. 10, 25 azetizo ist ulb andern pairh pairko neplos
galeipan, pan gabigamma in piudangardja gups galeipan svkotciotsqov
iou, /.auilor — öiüJiür rj /.. /. h, ähnlich Luc. 18, 25, ferner Mrc. 9,43
gop Jtns ist h amfamma in libain galeipan, pau etc. ymIov ooi Igti
yj'/j.i.y eig 1 1]> tcorjv eloeÄdeiv , zeigen zur Genüge, daß die gothische
Sprache der Anwendung des Acc. c. Inf. nach diesen Ausdrücken
widerstrebte. Und noch besser zeigt Joh. 18, 14 garaginoda Judaium,
patei batizo ist ainana mannan fraqistjdn faur managein ort GVfxcpiqei
eva (iv'Jotojiov anoleG&cu r.iio iov /.cor die Scheu des Gothen vor dem
Acc. c. Inf. in dieser Verbindung. Denn er setzt hier nicht das dem
l ll.i; im 3ATIVUS CUM [NFINITIVO IM GOTHISCHEN. 291
Griechischen entsprechende fraqistnan (perire), sondern das transitive
fraqistjan (perimere), so daß wir also eine einfache [nfinitivconstruction
bekommen. Ebenso verhält es sich mit Luc. 2, 1 uiTann gagrefts fram
keisara Agustau, gameljan allana midjungard ££rjh&£ doyfia nctoa Kal-
octQOQ jivyo\ ifiu'Jai naoav rrr oixov[xevrp> , wo gameljan
auch transitiv zu fassen ist. Ahnlich steht nach vilja ist 1 Thess. 4, 3 ff.
J>ata auk ist vilja gitys, ei gahabaip izvis af kalkinassau vovto yao ioriv
iti/.uiu tov 9sov, u.thyui'Jai v^iäg aito trjg Ttoqveiag nicht wie im Grie-
chischen der Acc. c. Inf., sondern ei, wie ja auch in anderen Ver-
bindungen die Umschreibung dt-^ griechischen Acc. c. Inf. durch ei
ziemlich häufig ist*). Daher kann ich nicht glauben, daß die Fügung
Lue. 16, IT ip azetizo ist himin jah airpa hindarleipan pau vitodis
ntt t vi-it gadriusan evx07ta>T€Q0v de iavi zbv ovoavbv /.cd zrjv
yfjv :i((Qt'/.'Jui rj roü vofiov (.detv xegalav neuelv eine echt gothische sei;
den Dativ konnte hier der Gothe nicht setzen, weil das Subject des
Are c. Inf. kein persönliches war und so folgte er einfach dem Grie-
chischen. Ebenso wenig halte ich für originell gothisch den Acc. c. Inf.
nach galeikaida Col. 1, 19 in imma galeikaida alla fullon bauan er
■ ~t evdov.ijoe näv ib 7iXrjQü)f.ia xaTOixrjoai und nach gadob vas Skeir.
I. e. gadob nu vas mais pans svesamma viljin — gaqissans vairpan
'andis laiseinai decens igitur erat potius eos, qui sua voluntate obedi-
.,t diabolo — eos iterum sua voluntate assentire salvatoins dodrinae).
Allerdings ist in dem letzteren Fall das Subject des Acc. c. Inf. ein
persönliches, doch die Skeireins geht in der Sprache oft ihre eigenthtim-
lichen Wege**). Offenbar sclavische Nachahmung des Griechischen ist
rner, wenn es Eph. 3,6 nach vorhergehendem runa, (.ivgttjqiov heißt:
vi sau piudos gaarbjans jah galeikans gehaitis is eivat icttüvi: oiy/j.t-
oovopia /t'.t ovaotofia /. i. Ä. ; wegen der Länge und Schwierigkeil der
Periode hat sich bier der Gothe genau dem griechischen Vorbild ac-
commodii pricht daher alles dafür, daß man sieh in denjenigen
der hierher gehöi lle, wo das Pronomen im Gothischen es un-
*) Mtth. '27, 1. Luc 2 27. J I 12, 1- ! i or. i, I I, L. 13, 7. Eph.
1, ■). 18. 18. 4, 17. 22. 6, 11. Co!. 1, 10. I I, 2 f. 6, 1. 27. 2 Thess. :i, 6.
**) In der & ' u noch ein « i
EU erwähl c. Ii bii tet . tritt deutlich erkennbar
düng von Nebensätzen mit hervor. Dennoch würden,
die Skeireins ein ui i oder ebenfalls ein Qber-
t, zu Gun I
reich | zu widerlegen. A
halten,
292 OTTO apki/i
bestimmt lässt, ob es Dativ oder Accusativ ist, für den ersteren zu
entscheiden hat gegen Grimm, der IV, 115 in 1 Cor. 7, 26 go]> ist man n
(so hat auch die Handschrift entsprechend dem griechischen av&QWTvqi)
sva visan und Köm. 13, 11 mel ist uns us slepa urreisan togcc rj/.ieig
r.örj e£- rmvov iysg&rjvai Acc. c. Inf. annimmt. Ebenso sind zu beur-
theilen Mrc. 9, 5 und Luc. 9, 33 gop ist unsis her visan xalov loa
itfiag to de eivm.
Für nichts als übergroße Treue in Wiedergabe des Originals kann
ich es weiter halten, wenn es 2 Cor. 7, 11 heißt: ])ata bi gup säur g an
izvis ccvro rovzo to xaxa $ebv Xvrcrjd-fjvcu vfiag. Zwar kann ich keinen
anderen Fall nachweisen, in dem der Gothe in der Lage gewesen m\ äre,
die griechische Construction des bloßen Artikels mit dem Acc. c. Inf.
wiederzugeben; desto häufiger aber sind die Stellen, in denen er Prä-
positionen mit dem Artikel und folgendem Acc. c. Inf. zu übersetzen
hatte, und da ließ er constant das Verb um finitum eintreten z. B. Luc.
2, 4 dupe ei vas us garcla öia to eivai avvov ek~ oixov; ähnlich Luc.
1, 21. 3, 21 f. 8, 6. 9, 51. 18, 5. Mrc. 4, 5. 2 Cor. 3, 13. Gal. 4, 18 u. ö. cf.
Loebe Beiträge zur Textberichtigung und Erklärung der Skeireins p. 51.
Wenn sich ferner 1 Thess. 2, 12 veitvoajandans du gaggan izvis
vairpaba gups /naQriQovijevot elg to ;ieQi:w.rraai vfiäg ag~lwg vov 9sov
auch nach du ein Acc. c. Inf. findet — während ich 2 Thess. 2, 2, wo
Loebe nach dem Vorbild der eben citierten Stelle ergänzt hat, wegen
der Unsicherheit der Lesung nicht mit aufzuzählen wage — so zeigen
Stellen wie Luc. 1, 57 i]> Aileisaba/p usfullnoda mel du bairan für
griechisch vov i i/.Cir c.rr rv, 2 Thess. 1, 5 du vairpans briggan izvis pittr
dangardjos gups elg in KccTat-itod-rjvai vftag ir)g ßaaiÄeiccg vov 'hol (im
Gothischen bloße Infinitiveon struetion), 2 Cor. 7, 12 du gabairhtjan (ad
ostendendum) usdaudein unsara £civexsv toxi qxxvsQio-d-rjvcu i >tr anovdrjv
y][u~)p zur Genüge, daß der Acc. c. Inf. nach du dem Gothen nichts
weniger als geläufig ist.
Wir wenden uns nun zur Besprechung der zahlreichen Stellen,
in denen sich in Übereinstimmung mit dem Griechischen die Con-
struction nach persönlichen Verbis findet. Ich werde die Fälle möglichst
vollständig aufzählen, indem ich, wo sich Vergleichungen mit andern
Constructionen darbieten, auf dieselben aufmerksam mache.
Nach qipan: Mrc. 8, 27 hvana mik qipaud mans visan xiva fie
h'ymoiv o'i avi)qco7iot üi>ai, und dem entsprechend in den folgenden
Versen. Mrc 12, 18 fjaiei qipand usstuss ni visan Xiyovoiv chaoiaoir
(.li) uvai] ganz so Luc. 20, 27. Luc. 9, 18 ff. hvana mik qipand visan
pos manageins Viva f.ie Xiyovoiv oi oyXoi elvat und so wird im Acc. c. Inf.
DBEE DEN VI ' USATIVUS CUM [NF1NITIV0 IM GOTHISCHEN. l".);1,
fortgefahren. Luc. 20, 41 hvaiva qipand Xristu sunu Daveidis visan
rrdg Xiyovat tov Kqiarov vibv fav'l'ö slvai. Joh. 1-, 29 qejmn peihvon
vairpan e'Xeyov ßoovT^v yeyovevai. Rom. 15, 9 //< piudos in arma-
hairteins hauhjan gup von qipa in Vers 8 abhängig, ia öi e&vr
vtzeq sXiovg do^aaat vov d-eov, ■während für yeyevrjo&at im vorherge-
henden Verse das Participium vaurpanana gesetzt ist, wahrscheinlich
weil hier visan nicht wohl folgen konnte (cf. v. d. Gabelentz und Loebe
zu dieser Stelle), ebenso wie 2 Tim. 2, 18 qipandans usstass ju vaur-
jniiifi Xeyovreg zrtv avaaraaiv mW yeyovivai. 2 Cor. 4,6 gup } saei </<<]>
in- riqiza liuhap skeinan 6 elnwv l/. oxotovq gxjjg Xaf.ixpat. Dagegen
führt Grimm, wie Loebe, Beiträge etc. p. 23 zeigt, mit Unrecht Skeir. IIb
qap gabaurp anparana pairh pvdhl uspulan als Beispiel an. Außerdem
findet sieh qipan in Übereinstimmung mit dem Griechischen mit einem
unmittelbar zugehörigen Dativ der Person und abhängigem Infinitiv
Mtth. 5, 34 qipa izvis ni svaran Xeyco v/.uv ;/[ nuoaai. Ebenso Mtth. 5, 39
und Rom. 12, 3. Ferner mit prädicativem Participium, Ädjectiv oder
Substantiv Mrc. 10, 18. 12, 37. 15, 12. Luc. 18, 19. Joh. \b, 15. Skeir.
IV. c. d. Das Abweichen von der griechischen Construction Luc. 9, 5 1
'zu ei qipaima fon atgaggai d-eXeig utcü)(aev tzvq /.<</ aßf,vai erklärt
sich wohl daraus, daß derGothe den Befehl ausdrücken wollte; übrigens
haben die lateinischen Übersetzungen fast alle ut descendat, eine auch
bloß descendat.
Nach viljan: Mrc. 7,24 ni vilda rifun mannan f.irtÖ6va rj&eXe
yvßvcu. 10,36 hva vileits taujan mik igqis vi d-eXert rcoirjoccl fis tulv.
Luc. 19, 14 ni vileima pana piudanon ufar unsis ov 3-iXnf.iev ini/m
iXevaai .'■'/' IjiCu. 10,27 paiei ni vildedun mik piudanon ufar sis
uü.iuci i :\i avrovg. 1 Cor. 7, 7 viljau allans
man* visan sve mi/: silban d-iXco navxag dvO-Qc^novg etvat tog /.<<i ef.ia.v-
vov 1 Cor. 10,20 ni viljau izvis skohslam gadailans vairpanov%) Xto
öi tyiäg KOivcovovg vöiv daif.iovicov ylveo&ai. 1 Cor. 11, •') viljau izvis
vitan ■' divai. 1 Tim. 2, 8 viljati nu vairans bidjan in
\im stadim ßovXofiai ovv ''*'/ vovg avdgag ev navxi vom
5, 11 viljau nu juggos liugan, baima bairan, garda valdan ßovXo-
iiai m , t; i ,i in, : -,11.11. vexvoyoveiv, oIy.o6eo cotsiv. Vielleichl sind auch,
weil wahrscheinlich passive B'edeutung des Infinitivs anzunehmen ist,
Km bemerkenswerthi B für den Zusammenhang der lateinischen Über
mit der gothischen ist der fo riechischen Handschriften
mit .'. wähn ad das
Gol i mung mit den meisten lateinischen i bersetzungen, dii
i ' (ja ml
294
OTTO APELT
hierher zu rechnen Luc. 1, 62 hvaiva vildedi haitan ina it av th'loi
xaleiodcu avröv. Gal. 6, 13 vileina izvis bimaitan ülhnoiv tiiäc. ;uql-
viiivea&äi. 1 Tim. 2, 4 saei aüans mans vili ganisan jah in vfkunpja
sunjos qiman og navxag avd-QConovg &£lei oa)3ijvai v.ai elg eniyvuioiv
äkrjd-eiäg eX&elv, doch ist namentlich in dem ersten Beispiel, wie in
der früher angeführten Stelle Mrc. 15, 9 auch die Annahme einer bloßen
Infinitivconstruction zulässig." Wenn es ferner Rom. 11, 25 für ov yao
9-sfao v[iag ayvoetv rb ^ivotrjQtov tovto heisst ni auk viljau izvis unvei-
sans pizos runos und ganz ähnlich 1 Cor. 10, 1 (unvitans), 2 Cor. 1, 8.
1 Thess. 4, 13, so wird das nur eine Folge davon sein, daß der Gothe
für ayvoeiv kein entsprechendes Verbum hatte und deßhalb nach der
Negation (denn sonst konnte er ja ni vitan, ni frapjan sagen, wie
Mrc. 9, 32. Luc. 9, 45. Rom. 7, 1) diese Adjectiva zu Hülfe nehmen
musste, nach denen visan unnöthig war. Ganz ähnlich findet sich 2 Cor.
2, 11 für ovx. ayvöovf.iev ni sijum unvitandans, wo das Particip offenbar
adjectivischer Natur ist, wie unser nhd. unwissend, ohne entsprechendes
Verbum.
Nach vitan: Luc. 4,41 unte vissedun silban Xristu ina visan
ort ijösioav tov Xqiotov avrbv eivai. In den erhaltenen Stücken bot das
Griechische sonst keine Gelegenheit, denn elöivai findet sich fast überall
mit ozi verbunden.
Nach hugjan: Luc. 2, 44 hugjandona in gasinpjam ina visan
vofiioavTeg avrbv ev ry avvööia eivai. 1 Tim. 6, 5 hugjändane faihuga-
vanrki visan gagudein vo'f.ut6vriüv noQiOfibv eivai iir evaeßeiav. Sonst
habe ich nur solche Stellen finden können, in denen das Griechische
ort hat, dem der Gothe mit ei oder Jtatei folgt.
Nach galaubjan: Luc. 20, ö triggvdba galaubjand auk allai Jo-
hannen pr auf etu visan rceneiO(.ievoi yaq uaiv Iiaavvrjv rtQoqnjTrjv eivai.
Nach domjan und gadomjan: Phil. 3, 8 all domja sleipa visan
— jah domja smarnos visan allata rjyovfAai navra tyjftiav eivai —
v,cd fjyovfiat axvßaXa ürat. Mrc. 14, 64 eis allai gadomidedun ina skula
visan daupau <u de siärrsg xavexoivov avxbv evoyov eivai d-avavov.
Nach r ahn jan: Skeir. VIII. b. ak mais sildaleikjandans fraujins
laisein svikunpdba in allaim alamanndm faura visan rahnidedun (sed
magis admirati domini dodrinam aperte in omnibus hominibus existere
putabant).
Nach munan: 1 Cor. 7,26 man nun pata gop visan vo(.ut,(o
ovv tovto v.albr vnaqxeiv. Phil. 3, 13 ik mik silban nipau man gafa-
lnni eyio iiianbv ov hr/iZotiui y.c.i n/.nf/rca. So ist wohl auch von Loebe
richtig ergänzt Rom. 14, 14 niba pamma munandin Qiva unhrain visan)
ÜBEB DEN LCCUSATIVUS CUM IMIMHVh l.M GOTHISCHEN. 295
si (.tri ll? Xoyito(.iiv(p n xotvov elvai. Dagegen fehli 2 Cor. 1 1, 16 ibai /was
mik muni unß'odana ;u] zig (.ledo/-^ acpgova elvai im Gothischen dl''
Übersetzung von elvai] der Accusativ des Adjectivs gentigte eben, wie
in den ähnlichen Constructionen bei viton. Auch die Versio antiqua hei
Sabatier hat bloß: ?/<' guis me existimet insipientem. Ein Scliluß auf
die Fremdartigkeit des Acc. c. Inf. nach munan aus dieser Stelle ist
also unzulässig. Mit prädicativem Adjectiv oder Particip findet sich
munan in dieser Weise auch Phil. 2, 3. 25. 2 Tim. 2, 8 und zwar in
Übereinstimmung mit dem Griechischen.
Nach taiknjan: Luc. 20, 2<> insandidedun ferjans pans us liutein
taiknjandans sik garaihtans visan aneGTeiXav eyxadei oiv V7iOY.Qivof.ie-
vovg eawovg dixaiovg elvai. 2 Cor. 7, 11 in allamma ustaiJcnidedup izvis
hlutrans visan iv itavxl m rt.ru> 'ocae eavrovg äyvoig elvai. INIit dem
Dativ der Person und dem Infinitiv steht es entsprechend dem Grie-
chischen Luc. 3, 7 u. ö.
Nach hausjan findet sich Phil. 2,26 hausideduf) ina siukan
lY.nioe.ie avrov qo&evrpisvai (so haben D* E* F G, während die anderen
Bandschriften ozt rjO&evrjoev haben), ein wirklicher Acc. c. Inf. Auf-
fällig ist es dagegen, daß Joh. 12, 18 rjxovoav uovro avrov jteTtoirjxevai
in orj/Lieiov übersetzt wird durch hausidedun, ei gatavidedi potaiknj der
Grund, weßhalb der Gothe hier vom Griechischen abgieng, dürfte
vermuthlich der sein, daß er es nöthig fand, die Vergangenheit aus-
zudrücken, was er hei dem Mangel eines Infinitivus praeteriti durch
den Infinitiv nicht konnte. Entsprechend dem Griechischen heißt es
Lue. 4, 23 hvan ßlu hausidedum vaurfjan in Kafarnaum ooa tjxovoafiev
yevofieva elg nv Ka(paovaov(i.
Auch anabiudan findet sich einmal, nämlich 1 Tim. 6, 13 f. mit
. c. Inf.: anabiuda — fastan puk />o anabusn unvamma TtaQayyeXXia
— xioioai ai 1 1 ) svToXrjv aamXov, eine' Stelle, die Miklosich 1. Lp. 504)
für die Originalität der Construction im Gothischen Lesonders ent-
idend scheint, wahrscheinlich weil der Gothe liier, wenn er sieh
an da- auf ,/ iw-;'; ;'/./.i i folgende ool gehalten hätte, den Acc. c. Inf.
leichl hau- vermeiden können. Doch das aoi fehlt in einigen griechi
sehen Handschriften, wie auch in einigen lateinischen Übersetzungen;
und übersetzte der Gothe nach einer der ersteren, so folgte er bei dem
weiten Abstand des Acc. c. Inf. vom regierenden Verbum einlach dem
Original, wie er in verwickeiteren Constructionen sieh öfters blindlings
vom Griechischen leiten Läe t: so namentlich 1 Tim. 3, 6, wo er auf
einmal die angefangi truetion, verleitet durch das Griechische,
aufgibt. Ware diese Construction von <in>ihiii<l<ni im Gothischen wirk-
lich iieinii <! M. o hätte der Übersetzer lie wahrscheinlich auch
296 OTTO APELT, LTBER DEN ACC. C. INI". IM GOTHISCHEN.
in der ähnlichen Stelle 2 Thess. 3, 6 gebraucht, wo .ic.oo.yy/'A/jouti' i 'nir
ai;')J.to'U(i vfxag tan navzbg adtlqoi wiedergegeben wird durch ana-
biudam izvis ei gaskaidaip izvis af allamma broJ>re\ im Griechischen
•wenigstens liegt hier Acc. c. Inf. vor (cf. Wahl, Clavis novi testamenti
s. v. ovtXXo/nai). Daß aber die natürliche Fügung für das Gothische
der Dativ der Person und der Infinitiv ist, das geht klar hervor aus
Stellen wie 1 Cor. 7, 10 ip paim liugom haftain anabiuda, qenai fairra
abin ni skaidan röig de ytyo.ut/.ooi TcaQayyälÄto yvvalx.ee ano avÖQog
/Lit) x(')Qtoifr;rctt, wo der Gothe nicht mit dem Griechen in die Accusativ-
construetion übergeht, während die lateinischen Übersetzungen bei
vorausgehendem praeeipio für jxaouyyelho alle dem Griechischen folgen.
Wo das Griechische den Dativ und Infinitiv bot, hat sich der Gothe
auch überall dem Griechischen willig angeschlossen, z. B. Luc. 8, 29.
31. Mrc. 8, 6. In Mrc. 6, 27 und Luc. 8, 55 ist es durchaus nicht nöthig,
die Infinitive passivisch zu fassen.
Für reinen Acc. c. Inf. nach bidjan scheint, wie Miklosich 1. 1. p. 4(J3
geltend macht, zu sprechen die Stelle 2 Cor. 6, 1 bidjandans ni svarei
anst gups niman izvis jiaQa/.aAnv^er /(ij eig xevov iryv %ccqiv rov &&ou
öt^aaOca v(.mg. Aber da 2 Cor. 13, 7, bidja du gupa, ei ni vaiht ubiVs tau-
jaij> Ev%opicu jrgog rov &wv f.irt jtoifjam Vfxäg xaxdv (.irfie.v und Col. 1, 13
bidjandans ei gaggaij) vair]>aba nQOG£vyoi.itvoL TTEQinarJaia vuäg aiiitog
zeigen, daß der Gothe derConstruction gern aus dem Wege geht, so glaube
ich, daß er obige Stelle unter dem Banne des Griechischen übersetzt hat.
Offenbar Nachahmung des Griechischen ist es schließlich, wenn
es Eph. 3, 16 f. heißt: ei gibai izvis — gasvinpnan — bauan Xristu
pairh galaubein in hairtam izvaraim ua ddjrt vuiv — dvvccfiEt /.ourcad)-
d-ijvai — '/.aior/.i()(a lor Xqigtov /.. i.l.; wenigstens Luc. 1, 73 f. ei
gebi unsis vnagein us handau fijande unsaraize galausidaim skalkinon
imma rov öovvat tjfxiv acpoßajg l/. %ELQog tüv eyd-Qwv QVG&evzag ?m-
zQevtiv avio, folgt der Gothe dem Griechischen nicht.
Es bleiben nur noch die dem Acc. c. Inf. nahestehenden und in
allen deutschen Sprachen einheimischen Construetionen bei haitan, letan,
fraletan, taujan, vaurkjan, gamanvjan, die schon zu Anfang zum Theil
erwähnt werden mußten. Als eigentliche Acc. c. Inf. können sie nicht
gelten, da die Person hier immer eng als Object zum Hauptverbum
gehört. Daher behandelt sie Grimm auch beim Infinitiv und nicht beim
Acc. c. Inf. Man hat in der gothischen Bibelübersetzung nirgends nöthig
nach haitan, letan und ,,, einen wirklichen Acc. c. Inf. anzunehmen,
selbst da nicht, wo das Griechische passiven Infinitiv bietet. Es genügt
daher einfach die Stellen zu nennen. Für Tiaitan: Mtth. 8, 18. 27, 64.
Mrc. 5.43. 10,49. 14, 11. Luc. 5, 3. 18,40. 19, 15. Für letan: Mtth.
W. WATTENBACH, LATEINISCHES LIEBESGEDICHT. 297
.!'. Mrc. 7. 27. 10, 14. Luc. 4. 41. 9, 60. 18, L6. Job. 11, 44. 18,8.
Für fraletan: Mrc. 1. 34. 5, 37. 7. iL*. Luc 8, 51. Eher kann man bei
'an und den verwandten Verbis zuweilen an eigentlichen Acc. c. Inf.
denken, (cf. Wilhelm de infinitivi forma et usu Eisenach 1872 p. 36).
[ch lasse die Stellen für diese Verba folgen, indem ich nur diejenigen
mit Worten ausschreibe, die dem eigentlichen Acc. c. Inf. besonders
nahe zu kommen scheinen. Für taujan: Mtth. 5, '.Y2. Mrc. 1, 17. 7,37.
8,25. Lue. 5,34. 9, 15. .loh. 5,21. 6,63. 2 Cor. 9,10. Skeir. V. b.
VII. c. Die letzte Stelle lautet: jah ni in vaihtai vaninassu pizai
mai oairpan gatavida (neque ullius rei inopiam multitudini fieri
). Für vaurkjan: Joh. 6, 10. Skeir. VII, b. Für gamanvjan:
2 Cor. 9,5 ei fauragamanvjaina pana favragdhaitanan aivlattgian hvarana,
pana manvjuna vi sau icÄnv iiniinv eivai. Skeir. VII. c- sva filu auk
sve gamanvida ins vairpan (quantum enim fecit eos fieri) ; doch ist die
Lesung hier äußerst unsicher.
Da bei der Mehrzahl der oben angeführten Verba ein Nachweis
darüber nicht möglich war. daß der mit ihnen verbundene Acc. c Inf.
als dem Gothischen fremdartig anzusehen wäre, so sind wir nicht be-
rechtigt, der Constr. für diese Fälle das Bürgerrecht in der Sprache
abzusprechen. Im Allgemeinen jedoch scheint mir so viel fest zu stehen,
d.-.l.' der Gothe aus übergroßer Treue gegen das griechische Original
nicht selten über da- seiner Sprache Geläufige hinausgieng. Namentlich
glaube ich erwiesen zu haben, daß die Construction nach anderen als
persönlichen Verbis und Wendungen nicht als echt gothisch zu betrachten
i>t. ein Ergebniss, welches selbst dann noch stehen bleibt, wenn in den
Stellen, welche ich zu Anfang besprach, die von mir geltend gemachte.
Einwirkung des Lateinischen nicht zugegeben wird.
WEIMAR OTTO APELT.
LATEINIS* HES LIEBESGEDICHT.
In derselben Handschrift, aus welcher die Arenga auf S. 72 mit-
ist, fand ich nachträglich auf Bl. 229 die folgende Dichterei,
welche nach Fenn und Inhalt lieh von demselben Wh'.
herrührt. Wir erfahren daraus, >i v- dieser verliebte Samuel aus dem Elsaß
trtig war, und in Heidelb : emachl hatte. Daß er
unberührt vom Humanismus \. im \ rse deutlich. Ein Au.-,-
298
W. WATTENBACII
druck v. 106 ist aus dem, fälschlich dem Gallus zugeschriebenen Lyricum
entnommen, welches sich in derselben Handschrift befindet. Diese zeigt
in ihrem ganzen Inhalt die für jene Zeit charakteristische Mischung
mittelalterlicher und humanistischer Elemente ; ich möchte glauben, daß
das Original derselben dem Samuel selbst gehört hat, und mit seinen
Erzeugnissen, die er dort eingetragen hatte, abgeschrieben ist. Eine
Beschreibung derselben werde ich im Anz. d. Germ. Mus. geben; sie
enthält auch Heidelberger Geschichten von 1473.
1. Facit hoc amor meus.
Haud quiequam tibi prefero,
30 Reffero te ad Pallada sanetam:
Tantam dii faciant, et valere
Ignipotens te faciat deus.
5.
Est tibi cesaries ornata,
Data- que forma numine divo-
rum,
35 Quorum eximia mayestas
Eya pervenusta puella
Bella- que multum matrona:
Dona quod potes uberrimum,
Sit per te languenti remediujn.
5 Sis queso michi facilis
Gracilis, favens et ioeunda.
Munda cor michi egerrimum,
Q.uodque proeul depelle teclium.
2.
Iniecit tuus pectori vultus
10 Cultus letiferum telum.
Celum apperis si voles.
Haud recusa precor facei'e.
Cepit me decor tuus,
Suus ut sim captivus.
15 Divus tibi splendor, quid nam
soles
Animum meroribus quatere?
3.
Circumvallat me passim do-
lor,
Solor tantum magna ex spe.
Me species reuocillat egregia,
20 Adventum differt interitus.
Est rara michi lecticia,
Mesticia semper cor cingitur.
Fingitur ob id Elegia ,
Nee facere sum id veritus.
25 Est michi nunquam quies,
Dies noctesque doleo.
Soleo singula post habere,
Singula salvat et tuetur.
Vicjuin eminus abesse credas:
Quod te amem, existit licitum.
Nephas etenim tua honestas
40 Effugit, spernit et veretur.
6.
Instar Phebi micant ocelli
Belli conspectu mutantes,
Dantes hercle stiinulo pro-
fundo
Grave vulnus corculis.
7.
45 Pollite sunt tibi maxille
Ille purpureo sparsim fuse —
Muse cedant — roseoque co-
lore :
Basia übet infixisse.
Os parvum spaciosumque la-
bellis,
50 Mellis dulcedine rubescit.
Crescit exliinc fervens appe-
titus ,
Os huic crebro meum admo-
visse.
4 laguenti.
35 maystas. 37
Halbstrophe von vier Zeilen.
11 opperis. 15 non. 16 quater.
38 sind wohl zu vertansehen.
*i .-. : l
18 tatum. 19 spes.
44 hier fehlt eine
LATEINISCHES LIEBESGEDICHT.
299
8.
Intus move tremulam li-
gwam,
1 )ignam omni laude.
55 Plaude igitur, que fando
Sermonem edis quam gratissi-
mum.
9.
Dum rides in genis Iacrune
videntur:
Rentur mortalesteesse deam.
Meam eternam te fieri per-
cupio,
60 Quod visceribus Spiritus inhe-
serit.
Incessu putaris dea:
Bea me tun pietate.
Late formam cum intueor
stupeo,
Quae graviter profecto me le-
se r it.
10.
65 Sunt tibi cristallini dentcs
M< nt.-s- que digitali teretes.
Quirites anthiotum illud dari,
iccumbamprecorcuraveris.
Reddes me faustum, anime mi,
70 Si ipsam te michi apperies.
Feries luctum, si modo pari
Amore me complecteris.
11.
Michi si \ [uara mancipio
imperabis,
tibi fiam eternus,
3i modo michi petitum dabis.
Secus si cordi est, me vorei in-
fernus.
< >mnem edepol michi salutem
te oriri Bola posse putem.
Nullu8 esse tibi possei im
80 Prospicien8 te tanta claritate
preditam,
Verum esset obsequendi nisus,
El amanditevirtutibusdeditam.
Id scio copiam nemini fore
laudis,
Qui te digne sat extolleret.
85 Est abs te proeul inventio frau-
dis:
Quis te iuvenum non merito
coleret?
12.
Dii inmortales tibi dimittant
petita,
Vita simul prestita optata.
Fata felicem te seeundent,
90 Tondant arcus quod extat no-
xium.
Dii deeque omues desiderata
tibi tribuant,
Minuant que sunt difficilima.
lila animo tuo infundant:
Suscipias me tibi socium.
13.
95 Porrige Iabra michi corallia
Talia ut illico reviviscam.
Discam morem tibi gerere,
(Jbi languor amorosus avellitur.
Tenerum est corpus atque
molle:
100 Tolle quemque prorsus dolo-
rem.
Rorem pietatis inpertire.
litte egritudo pacto propellitur.
14.
Nee omiserim ego cervicis
decus:
Secus non est ac pagina dicat,
105 -Mic.it albente nive candidius.
»Sunt tibi papille semipome ,
( !ome auro fulviores.
Mores adornant te validius :
'. 'icli liier fehlt eine halbe Strophe.
dotum. 36 colori 98 !
57 lacrime.
07 !. anti-
300
15.
NORDHOFF
125
130
Quid verbis opus est multis?
110 Cultis artubus debita con-
nexio datur,
Fatur hoc quisque te prospe-
xerit.
Nemo quicquam a me false
adiectum
Rectum non dicet, nisi sua
Lumina non ratio direxerit.
16.
115 Puellam hanc qui digne col-
laudavi ,
Me bachidives et fertilis genuit
Alsacia.
Ne scortamefallerent, hactenus
cavi.
Virgines ut amplectar, impellit 135
audacia.
He norunt animis fidis amare:
120 Sint adolescentulis idcirco pre-
care.
Hasobservent, diligentethono-
rant,
Nee inquinandos se lenis de-
dant.
Que suis versueiis quemquam 140
fallere solent,
Atque iuventara florentissimam
defedant.
Prebueras Haydelberga michi
alimentum,
Poeseos etphilosophie eibis
educasti.
Venustat te caterva sapientum,
Plurimorum iusticias expiasti.
17.
Jam dudum tecum vitani ut
possumdego.
In discessum abste iamaccinc-
tus,
Amorem qui diu Iatuit, difFicile
tego,
Puelle namque loris firmissime
sum devinetus.
Calet inflammata mens amore,
Telum iniecit letus aspectus,
Rigent artus orbi vigore.
Natus amor phas est non exi-
stat tectus.
Palladis ad gremium decedens
opto loceris,
Vitaque sit foelix orbis in
exilio.
Cara michi virgo , me clemens
respice, qui te
Rite colo, quoniam mitis es
atque bona.
W. WATTENBACH.
MAERLANTS MERLIN.
In der Bibliothek des Fürsten von Bentheim- Steinfurt zu Burgstein-
furt befindet sich eine Handschrift des großen Gedichts Merlin von Maer-
lant. Sie ist zwar schon beschrieben von Ludwig Troß*), jedoch sonst
dem Inhalte nach so wenig bekannt, daß der Übersetzer von Jonck-
bloets Geschichte der niederländischen Litteratur und andere den Maer-
lant behandelnde Schriften das Gedicht nicht einmal zu kennen scheinen.
119 vorunt. 132 deuictus. 134 iniectit. 137 Pallachis.
*) Vgl. F. v. H. in der Allgem. Zeitung 1872 Nr. 44.
140 celo.
MAERLANTS MERLIN. 301
Die Handschrift ist ein dicker Band in kleinFolio mit 239 beschriebenen
Papierblättern, jede Seite zeigl 2 Columnen, die letzte 239" indeß nur
eine, jedes Blatt am untern Rande eine Foliierung, Blatt V und VI, welche
die Ausführung der Rubrik: Wo god gewroken ward unde van Tytus
unde van Vespasianus enthalten, sind anscheinend gewaltsam entfernt. Der
starke Einband hat eine Lederdecke, diese als eingepresste Zier in
länglich viereckigen Mustern fleurs de lis, Eichenblatt und Rosetten,
daher der Band wohl etwa gegen 1500 angelegt sein wird. Auch die
Schrift scheint mir eher dem 15. als dem 14. Jahrhundert anzugehören, ob-
wohl sie durchgehends klar und frei von den Abbreviaturen jener Zeit ist.
Ein Vorblati enthält folgende Bemerkung:
Men lest in Cronic. Martini, dat by tyden des pawes Semplicy
de w.us by den jaren unses heren, do men screef CCCCLXXII, doe
wart in Britanien geboren eyn wyssage Merlyn van des konix dochter,
eyner gheestliker nunnen van der duvele eeu, de de vrouwe namen
plegen to beslapene. ... de Merlyn sach boven Franckrike unde Enge-
land; desse visiende und anderen synen prophecien es ghescreven;
unde dar sin desse vers af, de hyr na volghen to Dudesche
Ein junge megetlike junefer sal seghe vechten in maus cleyde. . . .
folgt eine Prophezeiung über die Jungfrau von Orleans; sodann
Maerlants Gedicht eingetheill in 3 Bücher 1. Ursprung des Gral, 2. Ge-
burt Merlins, 3. Arthur, jedes Buch eingetheilt in Avcntüren, die nach
der < Ordnungszahl numeriert sind.
Fol. la Alle de gene de desse tale
Hören willen van den Grale,
Wannen dat he eirstc quam
Als ick inden Walsche vernam
So sal ickt dichten in
Duesche woert
v. 14 Al/.e se van my dan boren tale
I >essi historie van den < rrale
Dichte ick to eren hern Alabrechte
1 >> ii heer von vorne wal m\ i rechte
W'ani hoge lüde myl hoger historie
Mannigfolden zulen er glorie
Unde körten dar mede ere ty t ....
v. 27 Eyn dichte van onses herren wrake,
Lestmen, dal ia wyde bekanl
l fnde makede eyn pape in Vlanderlanl ;
l)a! sagel dal boeck in zyn beginne.
Bfier ick wene in mynen Bin
I ):ii pape dal oichl en dichte,
Wanl men mochte oichl gescriven Hellte
302 NORDHOFF, MAERLANTS MERLIN.
We vullich dat gelogen zy,
Unde dat zal ick in proven war by
In der liistorie de komet hyr naer
Jacob de coster van Merlant
Den gy to voren h ebb et bekant
In des koninges Allexanders Ieesten,
Dat gy bidden, dat he volleesten
Moete, dat he hebbet begonnen.
Es folgt die Rubrik:
Waer urabe unse here wart geboren.
Beyde vrouwen unde man,
De oren zin zetten dar an,
Dat ze de warheit willen weten
Fol. 238" beginnt eine andere etwas unklarere Hand als früher.
Am Schluß 239a
Nu moet god ons geven beste,
Altoes te done van allen saken
In em, so endet mede myn maken
Desen boek van Merline
Dat ik dichte myt myr pine
Int jaer ons heren wens wonders
Do men screef drutteen hondert
Unde XXVI op den wittendonre dach
De in der weke vor paeschen gelach;
Do was dit boeck geend,
Dar men schone testen in vint.
Explicit Deo gracias.
Den Schluß macht eine das relative Alter bezeichnende Inschrift
aus der Mitte des 15. Jahrhs., die insofern noch besonders wichtig ist,
als sie uns die sonst nicht so unmittelbar zu erweisende Thatsache
bestätigt, daß die Höfe Westfalens bis zum Ende des Mittelalters mit
der schönwissenschaftlichen Litteratur der früheren Zeit reichlich be-
kannt waren. Sie lautet:
Item dit sint de boke, de joncher Everwyn van Güterswik (f 1454)
greve to Benthem hevet: Ten ersten dit boeck Merlyn, item twe nye
boke van Lantslotte im eyn olt boek van Lanslotte unde item de olde
vermaelde Cronike un Josophat unde sunte Georgius leygcnde, unde
dat schachtaffels boeck, van sunte Cristoffers passye, item van Allexander,
item de markgreve Willem, item Percevale. Von all diesen Schätzen
scheint bis jetzt nur mehr der Maerlant im Besitze der Familie sich er-
halten zu haben oder ihr wenigstens bis jetzt bekannt geworden zu sein.
MÜNSTER. NORDHOFF.
HOLTE, N1EDEKKHEINISCI1K SPRÜCHE UND PKIAMELN. 303
XIHDERRHELNISCHE SPRÜCHE UND PRIAMELN.
Die nachfolgenden Verse sind einem Folioblatte von Papier ent-
lehnt, welches auf der innern Seite eines Incunabeleinbandes der
Trierer Stadtbibliothek losgelöst ist. Es war nur eine Seite dieses Blattes
beschrieben. Die Schrift gehört dem 15. Jahrhundert an.
Myrcket wail eben der werelt staet, wye iß itzt zugaet.
Dye wairheit ist nu geslagen doet.
Dye gerechtigeyt lydet groeß noet.
Dye untruwe und felscheyt ist nü geboren.
Der gelaube hayt den streyt verloren.
Darumb sieh wail vur dych ,
Want truwe yst sere myslich.
Idt ist nu der werelt staet:
Do myr ere, ich doen dyr quaet :
Hyeff myeh öff ich werften dichjneder;
Do myr ere, ich sehenden dich weder;
Lach mich an und gyff myeh hyen:
Dat yst nv der werelt synn.
Wer da hayt goet, der hayt ere:
Nemantz frayeht vurbaß merc.
Wer da wylt yn freden leben,
Goden rayi wyll ich eme geben.
Laß eder man syn der er yst,
So saget dyr nemans wer du byst.
Der da wyll wyssen, wer er sy,
Der scheid sych myt syner naperen dry.
ych lyt und verdrach,
Nyl eder man dynen kommer enclage.
Du mochtes dem clagen dyn leyt,
Er wilde das yß were noch also breyt.
tß fraget mancher wye [ß myr ghee,
agh yß myr wail, yß dede ym w
W er zu lyden ist geboren,
Bettes un synen < vt ^resw oeren,
Er moyß lyden byß an eyn zyll,
[ß sy wenych "der \ % 11.
Wyß v\l und wenych Bage.
Antwerl nyt aller frage.
Borgh wenych und bezall das gar.
Rede wenych and hall das wayr.
Lnych nyi und byß verswegen.
Was dyn oyl er layß lygen.
304 NOLTE, NIEDERRHEINISCHE SPRÜCHE UND PRIAMELN.
Der en iß nyt cloick
Der ym selber schaden doyt.
Der yst wyse und wail gelert
Der alle dynck zu dem besten kyrt.
Darumb habe yn eren eder man,
Want du nyt en weyß was eynander kan.
Alß manchman kuinpt, da manchman yß,
So en weyß manchman nyt wer manchman yß.
Wyse manchman wer manchman were,
Manchman dede manchman ere.
Gedecht mancher wer er were,
Synß groyssen hoyffartz wa}7l*) entbere.
Byß darumb nyt zu behende,
Sych vur hyen an das ende.
Sucht got und halt syn gebot.
Byß yn s}^ner lyeffden fest,
Das yst das aller best.
Schoen gebagen und wenych doen,
Mussich gaen und vyl verdoen,
Groyß obimgh sonder gebruychen,
Wenych han und vyl versluychen,
Atflayß suchen aen ynnycheyt,.
Bycht sprechen sonder leyt,
Vyl gehoert und wenych verstanden,
Vyl gegacht und nyt gefangen,
Vyl gesehen und nyt myrckeu,
Das synt alles verloren wercken.
Prelaten dye got nyt an ensehent,
Pryester dye de helge kyrche flehent,
Eyn herr frede und ungenedych,
Eyn frawe schoen und dye unstedych?
Eyn rychter der da legen leret,
Eyn schefl'en der das recht verkeert,
Eyn jungh frawe dye froe zu metten leufft,
Eyn herr der syn lant verkeufft,
Dyt synt echt Sachen
Dye seiden wayl gerachent.
Eygennotz. heymelich haß. und eyn junckrayt.
verdei'bent manchen goden staet.
Der nyt engewynt und och nyt enhayt
Und all dage yn des wyrtzhuyß gayt,
Mich hayt wonder wa hee yß holt
Dar er dem wyrde myt bezalt.
So wer sich an eyn tayffel wylt setzen
Und sych myt dem wyrde wylt ergetzen,
*) 1. er wayl.
L. DIEFENBACH, MITTELDEUTSCHE PREDIGTBR1 CHSTt CKE. 3(J5
Der sal niyt synem budel clynck(
Und sal eyn quart gelden,
So en darflf yn der wyrt oyt scheiden.
Wusß lauff und graß ;i!s nyt und hasß,
Koe schayff und pert weyten dye basß.
Amen sprach dye koe zu dem s.men**)
Kumpt du nyt zu myr. so komen ich zu dyr.
TRIER. Dr. NOLTE.
MITTELDEUTSCHE PREDI< iTimUCIISTÜCKE.
Die nachfolgenden Bruchstücke fanden sich in einer Foliohand-
schrift des 15. Jahrhs. (Nr. 1338 unserer Karmeliterbibliothek). Es
sind acht Pergament-Quartblätter, lt> Seiten zu 22 Zeilen, ~ die ein
Buchbinder verarbeitet hat, und zwar auf zweierlei Weise. A sind
Quartblätter auf zwei Halbbögen, deren Unterseiten auf die Holzdecke]
des Einbandes aufgeklebt und größtentheils durch die Pressung abge-
druckt wurden. Kein Quartblatt hängt direct mit dem andern zusammen.
B sind in Streifen zerschnittene und zu Falzen benutzte weitere Quart-
blätter, welche unter sich zusammenhängen. A hat eine unbekannte
Hand von den Deckeln abgelöst, ohne B zu entdecken. Die Hand-
schrift gehört dem 13. Jahrhundert an, die Sprache is1 mitteldeutsch,
auf Thüringen speciell weisen die häufigen Infinitive mit abgeworfenem n.
FRANKFURT a. M. L. DIEFENBACH.
A. I. 1.
1. ist abgeschnitten.
2. isl ? zu deme gotes hus. I><> wart Hermo
- bischof zu der tat im dar
4. nach bo wart philetus sin äuccessor an de
5 me äelben ammete. ufl <1 i< • anderen iun
6. reu die wurden '" den anderen steten gesazt
7. ze meisteren, ufl da bo wurden manegu
teht am äußeren Rande von einer andern Hand mit sehr
Dinte: I v- selbst ist von i iner
r soeben 1 Hand mit tlbei der Zeile
and Mi m au n
I »• t P • ireh ein I bstabe < erloren ge-
■ i-t.
.
306 L. DIEFENBACH
8. eeichen follebraht fon in in unsers herren
9. nainen. da bekarte sich allez daz lut daz
10. irgen in deine lande was zu unserme her-
11. ren ihü x. Dirre heilige ap(l).s mine lie-
12. ben der gute scs iacob; der wart geraar-
13. teret umme die österlichen cite. so wart
14. aber du cristenheit alse.hute ist su (1. sin) hoch ge-
15. cite. do ouch sin lichamen wart enwek
16. gefürt un mit den himelischen ceichenen
17. wart gelobet un geeret un der werlnte
Ü8. bewiset ze tröste un ze gnaden. Ouch wirt
19. sin hochgecit hüte gemeret mit deme
20. begenknisse des guten sc! xpofori der
21. des heiligen geistes fol was. un der den
22. heidenen daz gotes wort fore sagete
A. I. 2.
1. ist abgeschnitten.
2. tusent zu deme waren glouben unsers
3. herren ihü x. ze iungest wart er doch be-
4. griffen fon me kuninge durch den namen
5. unsers herren un wart gebunden mit
6. einer ketenen. un wart in den kerkere
7. geworfen durch die gotes minne. un do
8. mit iserinen besemen ze slagen. un dar
9. nach so wart er in einen gluentingen
10. ouen geworfen, da uerlasc daz für for
11. ime fon dere gotes crapht. do wart er do
12. an deme feltte uf gefazt zu eineine zile.
13. da schuzzen die mein tetegen zu ime al-
14. same er nie mennesche wurde, zu aller
15. lezzest da sluc man ime daz houbet abe.
16. Da bekarte sich der kuninc do er du cei-
17. chen ane sach die unser herro got begienk
18. durch sines mertereres willen des gü-
19. ten sc! xpofori des tac wir hüte be gen.
20. un gebot daz man eine kirchen worhte
21. in sei xpofori ere uffe sineme eigene, un
22. sazte da gotes dienest biz an disen hüte-
\lll rELDE! rS( HE PREDIGTBR1 CHS1 I - Kl 307
A. II. 1.
1 abgeschnitten.
l*. antlizze. im Bullen mit ime erbelinge wer
3. den sines riches. uu do di (?) >i da marterten
4. di sulen si sehen quele ane ende. So wir
ö. mine lieben daz wole wizzen daz dise hei-
6. [igen umlcr den engelen schinent wände
7. si disen lip gaben umme den ewigen lip.
8. so sul wir si biten da/, wir ire also file ge-
'.'. ni'zzen mu/.zen daz wir den sieh behaben
In. fon nn-ern sunden. im da/, wir mit de-
11. m> ■ guten merterere scö laurentio cttes-
12. lieh teil bruchen muzzen illa gia. qam
1."). oculus non uidit. ii a. n. I. c. h. a. In assup
14. Quicumq; conuenistis [See Marie.
IT», bodie in honore sce Marie, matris
16. dm. toto corde inuocate eam ut int^ce-
17. dal pro peccatis nris. Mine lieben alle di(
18. hüte liij sin zesamene kumen. in die ere
19. unser frouwen sce-Marie. die sulen si ane
20. rufen mit alleine ire herzen, daz su uns
21. wegende si für unser sunde. wände wer
*2'J. liehe su ist du frouwa. du daz heil hat hraht
A. II. 2.
!. abgeschnitten.
jeheizen maris stella. wände su alle dise
:;. werbt erluhtet . . . sul . . a . te ? was(?)
daz mare daz alzouwes i-i an der bewegun-
de. um Diemer an einer stete blibet. alse
ii. wahe sm daz oiemer de- .-.heu |. selben? gesteht« eruallen
7. Ion deine uite d( . also wahe im
8. raichelee baz so i rschein daz heil der werln
".'. te l.i unser frouwen sce .Marie, do si <\>'v en-
10. gel minekliche gruzte uU ire bot« n?)
11. da/ -ii gölte tragen ein heil aller der werln
]'J. te. Su i-i ein wunderlich zuuersicht im uffe
l.i. Dunge allen den di Bich zu ire gehabenl
II. an zu ire gnade flehent. sie i-t h durch
!.">. di.- im er herre ihc >cpc ire true sun allen
308 L. DIEPENBACH
16. den ire sunde uer gibet di su ane suchent
17. su ist ouch du sich hüte frouwet under den
18. choren der heiligen engele. for gotes ant-
19. lizze mit der ewigen frouwede. Su ist du
20. uns gebar daz ewige liht in selbem unsern
21. herren ihm xpm gotes sun. fon deme ouch
22. alle duse werlnt erluhtet ist gnadeklichen
A. III. 1.
1- gen mine lieben wände dise zue (zuen.)
2. heiligen luhtent un lebent in deme ant-
3. lizze der ewigen sunnen. da ouch alle
4. die sulen geeret werde die sinen namen
5. minnent. so bitet sie flizzekliche daz
6. wir wirdek werden ire gebetes uil daz
m itis
7. wir fon ire wirden teilnunftek muzzen
glä
8. werden ire gunlichheite in den himelis-
9. chen stulen. Qua oculs n uidit.
10. Dilectissimi referendum est
11. uobis unde dies iste habeatur sol-
12. lempnis. Mine lieben mit kurzen wor-
13. ten so sul wir iu sagen wan abe uf deme
14. tac si gesazt ze begenne ob ir habet
15. ze hörne. Dirre tac der nist niht gesazt
16. umme daz ze firne daz sc! petrus fon
17. den banden wurde ledig alse hut ist
18. wände wir lesen daz daz er umme oste-
19. ron wurde erlediget fon den banden
20. uö fon deme engele enwek geleitet wart
21. uzze deme kerkere dar inne(?) so sult
22. ir frie wole wizzen daz dirre tac nist(?)
A. III. 2.
1. minst dar umme gesazt ze begeenne.
2. sunder dar umme daz scä eudoxia du ku-
3. ningin sine ketene da mite er gebunden
4. was an daz cruce ze rome bestatete in
5. deme altari sei petri munsters. Disen tac
6. den begiengen romere wilent in die ere
7. augusti cesaris wände er den sige uaht
MITTELDEUTSCHE PREDIGTBRUCHSTÜH KL 309
8. an antonino deme rihtere alse hüte, un
S>. durch taz so sazten si disen tac ze begeen-
10. ne. uii worhten ein munster über sin grab.
11. un sazten den tac da der s.-ht.'s mänt ane
12. _''t allez in der heidenscheffe was dit. im
13. begiengen disen tac aller gergelieh har-
14. te flizzekhche. un ire after kumelinge
15. ili wider nuweten ie den tac gergeliches.
16. Do wart de der heidenische site uerwan
17. delet in der glaubegen site. als wir iu
18. du sagen. Eudoxia du keiserin du wolte
19. ze ierl'm fare durch ires gebetes willen.
20. im tin ungetruwe iude der quam ire
21. zu. un gab ire eine getrmve gäbe, die
l'l'. ketenen da mite herodes hatte scfn pe
A. IV. 1.
1. ano entwurte. Der gebot daz man allez
2. sin ingesinde for sinen ougen houbte. un
3. daz man in selben wilden pherden an
4. den zage] strikte, daz in die färten über
5. dorne un über distele also lange unze
in zume tode brehten. Do dit allez
7. er gienk do luib sieh deeius uf mit vale
ano un solten faren in amphiteatrum
'.'. in die stat in den werten daz si di cristen
1<i. heit da geminnereten. ufi sua so di dechei-
11. oen cristinen funden. daz si den zu den
1 2. m arten zugen. afl alse si bede uf deme
ren ander v. wurden.
11 -! bi fangt □ bede mit deme tufele. uö
15. di daz in Bei laurentius
16. mit iserinen ketenen tuunge. so rief aber
17. der ander daz er föne 3Cö ypolito gern
18. get « art valeri
19. anua er totel fon me tufele. da forte
20. man decium widere zu -inen phelenzen.
l'1 . im dri tage bo h mfll fonme tu
22. feie, wände er riei daz in eine w i
310 L. DIEFENBAC1I
A. IV. 2.
1. scs laurentius ein andere w(ile) scs ypo(litus)
2. starke marterte, clo ze iungest amme drit-
3. ten tage wart, do wart er zeme tode
4. braht mit der meisten not die ie dechein
5. mennesche dorfte liden un wart gefurt
6. in daz ewige für da müz er iemer sin
7. ane ende. Do dit gesach sin wip du hiez
8. triphonia uii ire tohter du was cirilla ge-
9. nant. un siner rittere sehse un fierzek*).
10. di gloubten an unsern herren ihm xpm. di
11. toufte alle scs iustinus pb'r. da uerschiet tri-
12. phonia des andern tages do su an ire ge-
13. bete lac. di anderen di wurden alle gemar-
14. teret durch unsers herren minne. Mit
15. dirre schare mine lieben so für scs lauren-
16. tius uzze deme wige unsers herren go-
17. tes alsem (als ein?) frume uenre. deme folgeten si
18. froliche mit deme sige zu dere untotli-
19. eher cronen. Dise sint die von grozzen en-
20. gesten un noten quamen. un ouch wände
21. si ire (in?) scö laurentius (?) eigeneme blute hant
22. gewaschen durch daz so sint si geworden
B. I. 1.
1. scs Nicholaus ime erschine uf deme mere. un
2. als er in daz wazzer fiele, daz er in enthielde.
3. un mit sinen banden enphienge. un wie er in
4. gesunt an den stat brehte. un daz er in al rehte
5. bore zu sineme munstere hotte geleitet. Do si
6. 7. abgeschnitten, in Mitte von Z. 7 nur g sichtbar.
8. der tut mit sinen heiligen. Da nam des kin-
9. des tau t do daz guldine faz im andere ma-
10. nege herliche gäbe, uii brahte si deine guten
11. scö Nicholao ze lobe un zu eren uB für widere
12. 13. abgeschnitten.
14. unsern herren gott aller siner gnaden.
15. ez was ouch ein harte richer koufman. der
,: 17 um-/, ,/, ■ i.. ,,., ,,i/n aurea.
MITTELDEUTSCHE PRFDIGTßRUCIISTÜCKE. 3H
16 — 19 abgeschnitten, auf Z. 19 noch g sichtbar.
20. er zu eineme iudcn. uB bitct in daz er ime
21. borge wolte einen benanten schaz. Da sprach
22. der iude daz er ime ein phant setzte, er lihe
B. I. 2.
1. ime sues so er in bete, des entuwrtete ime aber
2. der koufman. u" er sprach er ne hette niht phan-
3. des. wolde er einen bürgen, den wolte er ime
4. gerne sezzen. do fragte der iude wer der
5. bürge were. uii ob er ime getruwen mohte
G. 7. abgeschnitten, in Mitte von Z. 7 nur g sichtbar.
8. guten sein Nicholaum. ob er den genemen
9. mohte. Do sprach aber der iude. ich hören so
10. mancg tink fon ime Nicholao sagen daz er getruwe si.
11. ich wil in gewisse zu eineme bürgen haben
12. 13. abgeschnitten, auf Z. 13 g sichtbar (nah am Ende)
14. do mit dorne schazze hine un here für imme
15. lande, un sich fil wole hatte er holet un des
16 — l'.'. abgeschnitten, auf Z. 19 {nah am Anfange) g sichtbar.
20. also daz in der iude beclagete for me ge-
21. rihte. da lougenete der koufman un sprach
22. er hette ime sin golt wole uergolden. uii
B. IL 1.
1. er borgete sin gerillte alda for al der werlnte.
2. Nu fert der koufman zu un nimet einen stab
3. uii goz daz golt dar in daz er deme iudcn
4. gelden soltc. un uermachete ez da inne harte
5. listekliche. un des morgenes do er zu der
6. kirchen gen solte da er daz gerihte leisten
7. solte. da gab er den stab deme iuden an die
8. hant ze tragene. for al der werlnte. un gienk
9. zu sei Nicholai altare un suur daz er sinen
I". Imrgen geledegel Hette. im daz er daz golt
11. hette wider gegeben daz er geborget bete.
12. Da sprach der iude. ich wil des wole getruwen
1.;. daz mich Nicholauß wole gereche ane dir.
11. Da Main er sinen stab widere, un aiser Erolich«
15. heim gienk mii sinen (runden, under \\e-
312 L- DIEFENBACH
16. gen so be stimt in du gotes räche, wände er
17. sich sines nehesten scaden frouwete. Da begon-
18. de in san so sere ze slafferne daz er sines libes
19. necheinen rat wosse. er ne slieffe. da legete er
20. sich släffe rehte alda da zuene wane*) ze sa-
21. mene giengen. un leget den stab bi sich da
22. des iuden golt inne was. sehet mine lieben
B. IL 2.
1. eingeladen wagen kumet geuarn. der ne mohte weder
2. ein halb noch ander halb hine gefare. noch ne
am Baude 3# mohten V den rossen die knehte V niet geciehe. da begonden si
segno v. 4. doch ze rufen un ze klophene. mit nihte sone
5. konden si in rewekke. da farent si über in. un
6. zedrukken in aller teiliglich. daz er da tot lac.
7. da wart ouch der stab zebrochen der bi ime lac.
8. da fiel daz golt uz daz des iuden was. daz er
9. ime mit unrehte wolte ane gewinnen. Do lief
10. daz lut allenthalben zu. un schouweten daz
11. daz wunder daz da geschehen was. un namen daz
12. golt un gaben ez deme iuden wider, da gienk
13. er in daz munster mit der cristenheite un lo-
14. bete unsern herren got. u" den guten scm nicho-
15. lau aller siner gnaden. Dar nach so globete
16. der selbe iude. ob sin schuldege lebende wur-
17. de. der fon sinen schulden tot were. er wolte
18. sich lazze toufen durch sei Nicholai ere. Owi
19. lieben nu merket die gnade unsers herren
m-ita
20. ihü x un di wirde des guten sei nicholai.
21. Do du werlnt an ire gebete was. un unsern
22. herren got lobeten. wartet wa der koufman
B. III. 1.
1. gesunt in daz munster gienk. deme der wa-
2. gen alle sine gelide hatte zefürt. un for in
3. allen so uer iach er siner misse tete. un saget
4. in .wie er gefarn hete. Do dit der iude gesach.
5. da für er zu un liez sich toufen mit allcme
6. sineme ingesinde. un geloubte an unsern her-
' | spa rt in wagene,
MITTELDEUTSCHE PREDIGTBRUCHSTÜCKE. 313
7. reu ihm xpm. alsus wart du cristenheit gerae-
8. ret tegeliches. un alsus wart xpc uii sin kncht
9. gelobet*) iuder cristenheite der gute scs nich.
10. Ouch was ez ein zolnere ein heiden. der hat-
11. te ein bildechin gesniten nach deine bilde sei
12. Nicholai im kumet ez also, daz er faren solte
13. sines kouffes. nu be filhet er sinen schaz deine
14. selben bildechine. vB aiser sinen wek ge für
15. des selben nahtes do er widere solte kumen.
IG. do quamen die diebe un uerstalen irne daz
IT. >ilbere. Do er do heim quam un des sehazzes
18. nine fant. do begonde er zeweinene un ze rüf-
Bagellum
19. fene über allez daz hus. Uli nam eine geislen.
20. Uli sluk das bilde, un isch sinen schaz widere.
21. In den stunden so gesazzen die diebe un solten
22. den schaz teile, da er schein in der gute scs nich-
B. III. 2.
1. un tuank si mit drouwen un mit äden eise
2. daz si den schaz wider trügen des nahtes.
3. Do do der zolnere fru uf stünt un sinen schaz
4. fant da begonde er san daz bilde zehelsene
5. un zekussene mit michelere frouwede. da er-
6. schein ime scs Nicholaus. un manete in fon
7. deme heile der sele. daz er der sele gedehte.
8. Da bekarte sich der heidenische man. un liez
9. sich toufen mit alleme sineme ingesinde. un
10. uffe sineme eigene so machete er eine kir-
11. chen in sc] nicholai ere da inne so dinete
12. er ime biz an sin ende, un bleib in unsers her-
13. ren ihü x lobe al di wile daz er lebete.
14. Do man do mine lieben sei Nicholai Licha-
15. men föne mirrea hine ze bare fürte, do wur-
16. den inne wendek einer wochen menneschen
17. gesunt. in gegen zuenzegen un hunderten.
18. föne blinden.1 föne touben. föne stummen, foni
19. halzen. fon den der lil> dorrete. fon den
20. die mit deine tafele besezzen waren, un mit
21. anderme siehe tagen befangen waren, die
22. wurden alle gesunl in «leine namen im
314 L- DIEFENBACH, MITTELDEUTSCHE PREDIGTBRUCHSTÜCKE.
B. IV. I.
1. herren ihü x un sines bischoffes des guten
2. sei Nicholai. den er wole hat geeret in dirre
3. werlnte. un in herliche hat gehohet uii besta-
4. tet. under sinen engelen in deme himel riche,
5. Disen heiligen bischof mine lieben den riiffe wir
6. 7. abgeschnitten. Gegen Ende von Z. 7 g sichtbar.
8. ser sele iht lazze uerlorn werdeN oder unsern üb
9. mit den blutegen mannen uer liese. sunder wir
10. müzzen mit ime hören des lobes stimme, hören
11. un muzzen zele unsers herren gotes wunder
12. 13. abgeschnitten.
14. Glori li aplorum Sermo
15. osi prineipes terre quom in uita sua
16 — 19 abgeschnitten; in 19 noch j g sichtbar.
20. für er an dez mere in galileam. un was da ein
21. fischere un begienk sich siner hande. also noch
22. file gute lute tünt. biz ane die stunde daz in
B. IV. 2.
1. unser herre ihc xpe ladete zu sich, un larte in
2. mit sinen heiligen Worten wie er du lute solte
3. fahen mit deme nezze des heiligen euglij.
4. un si solte uf ciehe zu der ewigen ruwe. Des
5. gefolgetc er ime. wände er liez beide schief
6. 7. abgeschnitten, auf Z. 7 zwei h sichtbar.
8. er sin iungere. unsers herren ihü x. dar imune
9. so larter in finde die stige des euuigen libes.
10. un machete in wirdck zenphahene die zu-
11. kunft des heiligen geistes. un dar umme so
12. abgeschnitten.
13. geren. wände er. . . . {Rest abgeschn.)
14. ohein siner iungeren. alse wir u nu
15. wollen (?) heimeliche (?) sagen (?). Do unser herre ih'c
16 — 18. abgeschnitten.
19. were. do sprachen si. sumelichc sprechen daz
20. er helyas were so sprechen aber die anderen
21. er were iohannes babtista. so sageten aber
22. andere er were iheremias. oder ein ander
A. EDZARDI, ZUM JÜNGEREN HILDEBRANDSLIEDE. 315
Xl'M JÜNGEREN HILDEBRANDSLIEDE.
Selten einmal ist es uns so vergönnt, einen Blick zu thun in den
Entwicklungsgang unserer Heldensage wie bei dem Kampfe Meister
Hildebrands mit seinem Seime Hadubrand. Nicht nur hat ein glück-
licher Zufall jenes bekannte Fragment eines althochdeutschen Gedichtes
uns erhalten, sondern wir kennen denselben Stoff noch in zwei amiern
Gestalten, einer prosaischen in der mich deutschen Quellen gearbeiteten
ridrekssaga, die wahrscheinlich in der ersten Hälfte des X11I. Jahrhs.
abgefasst ist, ferner in einem in verschiedenen Versionen überlieferten
Volksliede. Über das Verhältniss dieser drei zu einander soll im Fol-
genden kurz gehandelt werden, hauptsächlich aber will ich versuchen.
das bisher wenig erörterte Verhältniss der einzelnen Überlieferungen
des jüngeren Liedes zu einander klarer zu machen und daraus die
ältest-greifbare Gestalt des Liedes, so weit möglich, zu reconstruieren.
Die Überlieferung des jüngeren Liedes ist folgende:
1. II oehdeutsche Texte:
1. Längere Gestalt, vollständig im Dresdener Heldenbuche,
ferner Fragmente schlechter Hss. aus dem (XIV. und) XV. Jh. (s. Grimm
die beiden ältesten dd. Gedd. p. 4'.»). Darnach gedruckt z. B. bei Grimm
a. a. ()., Wackernagel Lsb., Schade Lsb. 341 u. s. f. Ich nenne diese
Gestalt nach dem einen bekannten Schreiber des Dresd. IIB. K.
2. Kürzere Gestalt: nur Drucke: (s. Unland Nr. 132 und
p. 1013, viele fliegende Blätter des XV. und XVI. Jhs., z.B. das
Baseler (b) aus dem XV. .Jh.. der Druck im Ambraser Liederbuch (a).
Darnach gedruckt, z.B. bei Grimm a.a.O., bei Schade Lsb. 339, bei
Rassmann HS. D (nach a). Alle diese weichen so unbedeutend von
einander ab, daß die Abweichungen für die folgende Untersuchung
kaum in Betracht kommen. (Die abweichenden Lesarten gibl Unland
IV, 153 ff.). Alle zeigen sich deutlich als Zweige eine.- leicht zu recon-
struierenden Grundtextes, den ich mit // bezeichnen will.
3. Wichtiger ist die Wernigeroder IL. W des XV. Jhs., ed.
Jacobs, Büchersammlung Ludwigs Grafen zuStolberg, Wernigerode 1868
Ich habe unten auf diesen Text noch näher einzugehen.
IL Niederdeutsch, Druck des XVI. Jhs. I LI. kl. 8°. :V2 Zeilen
auf der Seite, von Bartsch, Germ. VII 284 ff. abgedruckt mit ku
Vorbemcrkuug. Zu vergleichen isl Gödekes kurze Erwähnung im W
Jahrb. IV 1 1 [cli nenne diesen Text \
316 A. EDZARDI
III. Niederländisch, Antwerpener Liederbuch Nr. 82*), abge-
druckt bei Hoffmann, niederländische Volkslieder " Nr. 1, und bei Ver-
wijs, Bloomlezning III 144 ff. — A.
IV. Dänisch (Udvalg afdanske Viser II, 181) bei Grimm p. 56 ff.
gedruckt, offenbar Übersetzung eines deutschen Originals. — D.
Endlich die ridrekssage. von der cap. 406—409 (bei Unger) in
Betracht kommt, nenne ich Ps. — Zu vergleichen ist noch, außer dem
angeführten Werke der Brüder Grimm, Grimm HS. 23 ff., 257, 363 ff. ;
Rassmann HS. II 640 ff. und Schades Vorbemerkung im Lsb. 339.
Was das V erhältniss der Ps. zu den beiden deutschen
Gestalten betrifft, so fällt gleich in die Augen, daß sie nicht auf
die uns überlieferte Gestalt des alten Liedes zurückgehen kann, denn
außer ganz allgemeinen Gesichtspunkten, nämlich Kampf des Vaters
mit dem Sohne nach vorhergegangenem Zwiegespräch, findet sich kaum
etwas aus dem alten Liede in der Ps. wieder. Vielmehr ist grade das
Hochtragische der Situation im alten Liede — daß derVater den
Sohn kennt, und, obgleich er alles mögliche gethan dem Kampfe
auszuweichen, doch mit ihm kämpfen muß — ist gerade dieß in der
Ps. ganz verdunkelt. Es handelt sich da nur darum, wer zuerst seinen
Namen nennt. Der Alte nennt sich nicht, was er im alten Liede doch
thut. Außerdem zeigt er in der Ps. wie im jüngeren Liede eine ge-
wisse Lust, sich mit dem Sohne zu messen. Auch bleibt es doch wohl
zweifelhaft, ob er seinen Sohn in dem Gegner erkennt; nach der ge-
nauen Beschreibung, die ihm von Alebrand cap. 406 gegeben ist, müsste
er es wohl, aber cap. 408 heißt es: ok kennast nii vid, wo freilich B
kannast hat, csich mustern'. Der schwedische Text (ed. Hylten-Cavallius)
kann an dieser Stelle nicht zur Vergleichung herangezogen werden. —
Dagegen stimmt die Ps. mit dem jüngeren Liede sowohl in den Hauptzügen,
wie man sich leicht überzeugt, als auch in Einzelheiten so genau, daß
dasselbe in einer im Wesentlichen wenig abweichenden Gestalt vorge-
legen haben muß. Als Übereinstimmungen im Einzelnen führe ich an :
A4, 3: Ps.
du solt im freundlich zusprechen ef pü hittir pinn son AHbrand*
K. und sprich zu im ein freundlich mcel viä kann kurteisliga (schwed.
wort cap. 350 : tala hoeffvisliga ti ' honum).
N. 5, 4 = A: Wat ücistu olde grise Alibrandr mselti: Hvcrr er pessi
in mincs vaders lant? hinn gamli madr?
*) „Auch in einer P;i]>. Hdschr. der burgund. Bibl. zu Brüssel, 1425, schm. Fol."
Ubland a. a. 0. p. 1013.
ZUM JÜNGEREN BILDEBRANDSLIEDE.
317
II. S, .". (/,-';/ hämisch >nnl dein grü-
nen schilt mustu mirhie auff-
gehen, — wiltu bt
halten dein '•> &< n.
*
//. 10, 4. Den schlag*) lert dich ein
vt'ib.
*
A. 12, 3: Hi nam hem in sijn mid-
dele, al daer hi smaelste was,
Hi worp hem nieder te rugghe
al in dat groene gras.
408Anfg.: Segg skjott pitt heiti
ok gef up pin vdpn
h.
jid slcalt Ji/'i lialda Uli jn.ii.tr.
petta slag mint per Jcent hafa |>in
kona oc eigi pinu fadir.
*
p. 346 unten:
ok soekir hinn gamli svä fast, at
m'i fellr hinn ungi tiljardar, ok hinn
gamli d Unna ofan.
A. 13, 3: Spreect nu uw biechte — p. 347 oben: .
sidi van den wolvcn, Legg mer skjutt ])itt heiti ok bina
ghenesen moocht ghi sijn. aett, ella skaltu lata pitt Hf. —
* *
Im jüngeren Liede nennt sich Alebrand, nachdem er überwunden
ist, zuerst, in der Ps. aber Hildebrand, trotzdem stimmt fast wörtlich :
H. 15, 1: Meist deine mutter frau ef pü ert Alibrandr minn son, pd
Ltte... so bin ich Hildebrand em ek HildibranäW pinn fadir.
der alte, der liebste vater dein.
* *
A. 20, 1: Si nam hem in hären Cap. 40! •: Hon leggr sina Im da ar-
armen. ma um hals Hildibrandi.
Man siehl hieraus leicht, daß das jüngere Lied in der uns er-
haltenen Gestalt der Ps. schon vorgelegen haben muß. Da nun die Ps.
wahrscheinlich in der ersten Hälfte des XIII. Jhs., etwa 1240 — 1250
verfasst ist, so müssen wir die Entstehung unseres Liedes in den An-
fang des XIII. Jhs. , wenn nicht früher, setzen. — Line weitere Be-
stätigung dieser Annahme bietet die von Grimm angeführte Stelle in
Wolfr. Wh. 439, 10:
Rennewart kom durch den pfasch
■/.<■ fuoz geheistierl her nach ,
du er mit manger rotte sach
sau n vater ä\ n alten
der jugenl geliche halten
mit unverzagetem muote.
meister Hildebrands vrou Uote
achlag a | .-1 .'•■ . andere straich.
■}|S A. EDZARDI
mit tri iure» nie gebeite baz,
denn er tet maneger storje naz
mit bluote begozzen.
die man doch wohl auf das jüngere Lied beziehen muß*). Übrigens
finden sich auch abweichende Züge einmal in der P$., wo der Verf.
freilich vieles zugesetzt haben mag; doch z. B. die Motivierung des
Ausrufes: 'den Schlag lehrt dich ein Weib!' — nämlich, daß Alebrand,
während er seinem Vater sein Schwert zu überliefern verspricht, hinter-
listig auf denselben einhaut — ist gewiß altüberliefert, auch wohl die
Erwähnung der Rosse, wozu D stimmt (s. unten). — Andrerseits hat
auch das Lied in seinen verschiedenen Gestalten viele abweichende Züge,
von denen einige wie altüberlieferte aussehen, daß Hildebrand einen
Ring als Erkennungszeichen in den Becher fallen lässt (s. jedoch unten)
Alebrands Ausruf:
Ach vater, liebster vater, die wunden, die ich dir hab gschlagen,
Die wolt ich dreimal lieber in meinem haubte tragen;
das Sprichwort von den alten Kesseln und manches andere. Aber das
kann leicht täuschen, und sicher würde sich der Sagaschreiber nicht
alle diese Züge haben entgehen lassen, wenn sie schon alle in seiner
Quelle gewesen wären.
Der niederländische Text A weicht ziemlich bedeutend von
einem Theil der andern ab, stimmt aber in diesen Abweichungen im
Wesentlichen mit K, während von den übrigen Überlieferungen sich
bald diese, bald jene an AK anschließt. So stimmt in der noch zu
besprechenden wichtigen Stelle Str. 12 u. 13 AK mit W gegen HND,
14, 4 mit H gegen WND, im g-Anlaut des Namens Gude, Goedele
mit ND gegen HWund Ps, welche Ute, Utte und Oda haben. Wichtig
ist noch, daß die Strophe, welche A zwischen 16 und 17 mehr hat
als WHND dem Sinne nach auch in K sich findet, freilich in breiter
Ausführung; es handelt sich dabei um das Scheingefecht vor der Ute
und die Heimführung des Alten als Gefangenen. AVie hier hat K auch
sonst Plusstrophen, nämlich eine zwischen 4 und 5 und viele nach
dem Ende zu, wo bedeutend geändert ist. In andern Fällen stimmt
aber K gegen A mit andern Redactionen, nämlich außer Str. 13 Anfg. :
A 6, 4 Mit enen hupschen ghelude K pei einer heissen glute
N. Ali! einem snellen lüde H Wuber einer heissen glut (u. ähnl.)
*) Daß man sie nicht wohl auf den verlorenen Schluß des alten Liedes be-
ziehen darf, folgt daraus, daß jenes schwerlich einen dem jüngeren Liede ähnlichen
Schluß mit gütlicher Lösung gehabt hat (worüber unten mehr).
ZUM JÜNGEREN BILDEBRANDSLIEDE. 3ig
A 9,4. Ende wat si daer bedreven, K. Wes si begerten forten,
il.it suldi wcl verstaen. di s wurden si gewert.
was im Wesentlichen mit HW stimmt. 1) hat: < )g saa begyndte de
at fegte, det hoste de havde laerd.
Wahrscheinlich ist also nicht A unmittelbare Quelle von K —
dessen Tendenz ja auch sonst nicht ist zuzudichten, sondern zu kürzen
— sondern beide gehen wohl auf eine (vielleicht niederdeutsche?)
Quelle zurück, A unmittelbar, JTdurch Vermittlung einer (hochdeutschen?)
Bearbeitung.
N und // stehen sieh ziemlich nahe, doch ist auch von diesen wohl
keines unmittelbare Quelle des andern. Bartsch nimmt an, daß der
niederdeutsche Text aus dem hochdeutschen übersetzt sei, und glaubt
dieß durch die Reime stützen zu können. Die Reime sind aber sehr
frei, stellenweise auch schlecht überliefert, so tisch : vil, : unbillich,
wit : wib, hof : noch, schilt : ging u. s. f. Einige Reime könnten zwar
für das höhere Alter des hochdeutschen Textes sprechen, so sagen:
erslagen Str. 19, rät : hat Str. 16, doch auch nicht nothwendig. Die
Reime zeit : rait Str. 17 und reiten : haide dürfen aber kaum angeführt
werden, da an der Grenzscheide des XII. und XIII. Jhs. und im An-
fange des XIII. — in diese Zeit aber fallen diese Reime unseres Liedes
nach dem oben gesagten — die Formen doch wohl noch ziten und
riten lauteten*). Die Reime würden also nach dem usus der freieren
Reimkunst im Xd. noch erträglich**), im Hd. aber kaum möglich sein.
Ebenso ist mi : diu Str. 8 ein nicht auffallender Reim, mir: diu aber
würde es sein. Nur nebenbei erwähnen will ich, daß tacÄ : gesach Str. 1
im Nd. besser reimt, ohne daß dieß freilich beweisend wäre. Auch die
Überlieferung gemach : gesacÄtf in N (und .1) gibt, wie mir scheint,
bessern Sinn als die von II (und W) gemach : gesatzt, ohne daß ich
auch hierauf viel geben möchte. Nur möchte ich mit dem angeführten
die Ansicht begründen, daß die gewöhnliche Annahme, X sei einfach
aus H übersetzt, kaum als wahrscheinlich, zum mindesten nicht als
sicher erwiesen gelten kann. Ich glaube, daß auch hier beide auf eine
gel neinsame Quelle zurückzuführen sind und zwar wahrscheinlich auf
eine niederdeutsche (oder mitteldeutsche), schon der geographischen
*) Nur im BairiBch i bischen tritt bekanntlich um diese Zeil schon <Ii''
Verbreiterung des i zu ei auf. Dafi unser Lied abei gerade dort verfassl sei, wird sich
Bchv i rlich nachweisen lassen.
**, , onanz zwi chen den verwandten Vocalen ■ and i darf mau mit
gleichem i nehmen wie zwi ind ", <\i<i auch im stumpfen Reime vor-
kommt, /.. B. Roth. 3339 M.
32U A- EDZARDI
Verhältnisse wegen, weil sich etwa von Sachsen aus die Verbreitung
nach Norwegen, Dänemark, Niederland, Mittel- und Oberdeutschland
am leichtesten erklären würde. — Dazu kommt, daß einzelne sprach-
liche Momente auf das Niederdeutsche weisen. So ist das 'sprach sicH
Str. 1 (und 2), cerschrack sicti Str. 10 vorzugsweise niederd. (Grimm
Gr. IV 36 f.). Ferner ist zu beachten, daß in i\T (und i) der Reim
Str. 13 rot : spot (rok in N ist wohl verderbt) gegen räm : man H, :
getan W steht (K ran : dergän; D smitte). Ob räm, d. h. was sieh
oben auf ansetzt = 'Schmutz', 'Ruß' dem Mnd. ganz fremd ist, weiß
ich nicht. Wie Herr Dr. Lübben mir freundlichst mittheilt, ist ihm
främ' in dieser Bedeutung im Mnd. nicht begegnet. Dagegen ist spot
(Glück), welches fürs Ahd. als spuot (f.) bei Graff VI 317 ff. noch
zahlreich belegt ist, im Mhd. kaum oder ganz vereinzelt fremd, findet
sich aber außer im Niederl. (Verwijs IV 120) im Altniederd. im Hei.
1901 Mund 3455 C, wo allerdings wie im Ahd. spot an der ersteren
Stelle fem., während an der andern Stelle aber das Geschlecht nicht
ersichtlich ist wie es im Niederl. und in unserem Liede in A und N
masc. ist. Ebenso gehört es dem Mnd. an*). Falls dieß Wort nun
im Mhd. nicht mehr vorkommt, wäre es sehr erklärlich, daß in II
und IF der niederd. Reim in räm : man, (: getan) verändert wäre,
während umgekehrt kaum glaublich ist, daß der Reim roet : spoet statt
des ursprünglichen räm : man in A und N gleichmäßig aufgenommen
wäre, an einer Stelle, wo sonst gerade A und N wesentlich von ein-
ander abweichen. Zwingende Beweise glaube ich freilich hiermit nicht
beigebracht zu haben, doch meine ich, daß mehr für ein niederd. als
für ein hochd. Original spricht.
Wichtig ist die Stellung von W, welches, wenn auch in ziemlich
schlechter Überlieferung, doch die älteste Gestalt unter den hochdeut-
schen Überlieferungen zu haben scheint. W stimmt in wesentlichen
Zügen mit AK, namentlich in den wichtigen Strophen 12 und 13 gegen
HN einerseits und D andrerseits; auch auf das 'gefangen Str. 17. 4
ist zu verweisen. Dagegen 14, 4 stimmt W mit ND gegen AK und H,
ferner in der Form Utte ohne vorgeschlagenes g mit H und der Psm
gegen AK und N I). — Im Ganzen steht W einerseits II, andererseits
A I) nahe, für alle drei haben wir eine gemeinsame Quelle X3 anzu-
*) Herrn Dr. Lübbens freundlicher Mittheilung entnehme ich, daß spot (und
zwar masc.) in obiger Bedeutung im Mnd. nicht selten ist, aber mehr der westlichen
Grenze desselben angehört. Es steht z. B. Lüb. Chr. 1, 497; epist. Euseb. f. 9 (mscr.)
u. s. f. Auch in Compositionen erscheint es nicht selten.
ZUM JÜNGEREN IIILDEBRANDSLIEDE. 321
nehmen (über eine andere Möglichkeit vergleiche unten), die wieder
mit A und der Vorlage von K, welche Y heißen soll, auf einen ge-
meinsamen Grundtext zurückgeht, den ich X2 nennen will, dem sieh
TT meist getreuer anschloß als ND und 11. Dieß A"- steht dann parallel
mit der Ps., denn auch auf X2 kann die Ps. noch nicht zurückgehen,
beide müssen wieder aus einer gemeinsamen Quelle geschöpft haben
die ich X nenne, und welche sonach die ältest-erreichbare Gestalt
unseres Liedes sein würde.
D stimmt am genauesten mit AT; einzelne Abweichungen beruhen
gewiß auf willkürlichen Änderungen des Übersetzers; in einem Falle
scheint aber I) die ursprüngliche Lesart allein erhalten zu haben,
nämlich 9, 3 hat N mit AK und II W stimmend:
Se leten von den worden, se tögen twe skarpe swert.
D aber hat: De stode af begge deres Heste, de toge til de sharpe Svard ,
und Letzterem entspricht genau in der schwed. Ps. cap. 351 : Sydhan
sprango dhe af thera hästa ok drogo thera svaerdh ok kämpadhe manna-
ligha (und hiernach die Peringskjöldske Ausgabe, der Grimm folgt,
s. Unger p. XXII). Die Hss. A und B der altn. Ps. (Unger cap. 407)
haben eine erweiternde Ausführung; doch stehe ich nicht an hier den
schwedischen Text für ursprünglicher zu halten. In A heißt es: ok
hinn gamli hleypr pegar af balei hvatlega ok bregdr sinu sverdi ok slikt
sama hinn yngri. gengu nü saman ok berjast lang hrid\ (Zu beachten
ist noch A. 10, 3 syn pa^rt dat sprang to rugghe). Die Lesart der
übrigen Texte ist freilich ansprechender und die Wendung ist, wie
Unland IV, 157 anführt, eine sehr gebräuchliche, aber gerade deßhalb
konnte sie wohl hineinkommen, indem vielleicht aus den Pferden (paer-
den) durch Verdrehung Von den worden ward. Jedenfalls meine ich,
wo irgend eine Überlieferung mit der Ps. wörtlich stimmt, darin das
echte sehen zu müssen.
Um das von mir angenommene Verhältniss der verschiedenen
Überlieferungen untereinander zu veranschaulichen, aber nicht als ob
ich es in allen Einzelheiten für sicher erwiesen hielte, stelle ich das
folgende Schema auf, indem ich hinzufüge, daß zwischen A und N
noch eine spätere Berührung stattgefunden haben muß, welche der
Pfeil andeuten soll ; dafür sprechi □ die Stelleu 4, 3; — G, 4; — 7, 2; —
8, 1, welche man unten vergleiche. Vi* Ileichl isl aber das untenstehe
ma vorzuziehen:
vir (xix.) ■ 21
322
A. EDZARDI
u. s. f.
Zu beachten ist
eineÜbereinstim-
mung von A mit
K,vonWmitND,
ganz besonders
aber von W oder
ND mit AK.
Ehe ich mich
daran mache, die
Strophen der
Reihe nach
durchzusehen, hebe ich drei
bedeutendereAbweichun-
g e n heraus :
1. Strophe 12 und 13 lau-
tet in AKW wesentlich anders
als in HN, D hat eine von
beiden Gruppen abweichende
Anordnung:
A hat: 12 Het quam so dat
den ouden liet sin-
ken sinen schilt,
So dat hie den jonghen Hillebrant sijn swaert al underghinc;
Hi nam hem in sijn middele, al daer hi smaelste was,
Hi worp hem neder te rugghe al in dat groene gras.
13 So wie hem selven aen den ketel wrijft, hi heeft gaerne van
den roet,
So hebt ghi gedhan, ghi jonghe helt, hier teghen uwen
wederspoet*).
Spreect nu uw biechte, uw biechtfader wil ic sijn,
Dats, sidi van den wolven, ghenesen moocht ghi sijn.
Hiermit stimmen im allgemeinen K und W; in PF lauten die Strophen:
12 Er licsz sinen grünen schilt sincken in den sant.
Ich weisz nit, wie der alte dem jungen das schwert [entwant].
Er begriff in in der mitte, dar (Hs. das) er am schwechsten was,
Er warf in zu der erden wol in das [grüne gras].
b u. s. f.
*) Wo wohl Textverderbniss anzunehmen und etwa zu lesen ist: 'hier weder
uwen spoet' (s. d. Anmerkung bei Verwijs).
ZUM JÜNGEREN BILDEBRANDSLIEDE 323
13 Der sich an alte kessel ribt, der entphacht gern den ram,
So sag du mir, vil junger, alsz hast du mir getan.
Gib mir uf, diu bichtvatter wil ich wessen,
Bistu daii der Wülffingen einer, vor mir so machst wol genessen.
Dagegen hat .V (wozu // im Allgemeinen stimmt):
12 He grep en in dat middel, dar he am Bmalsteu was,
He swanc en under sick tö rugge al in dat gröne gras.
Nu segge mi, vel junger, diu bichtvader wil ick wesen (Hs. synn),
Bistu ein jung Wulfinger, van mi raachstu wo! genesen.
13 De sick an olde ketel rivet, de entfengt gerne rö/c,
S hefstu gedän, vel junger helt, hir gegen dinen spöt.
Nu sprick noch üf diu sunde, din btchtvader wil ick sin,
Bistu van des wulves gesiechte, dat shal baten dat leven din.
D endlich hat:
12 Hvo sig paa gamel Kedel skurer, hau fanger gjerne Smitt'e':
Det siger jeg dig, du unge Mand, saa skeer dig i dag paa mig.
Hau grep hannem midt udi sin Midie, alt som han smalist var,
Hau slog hannem tilbage udi det grönne Graes.
13 Det var den gamle Hildebrand, han slog til hannem igjen,
l!an slog hannem tilbage; han faldt til Jorden ned;
Du skrift for mig, du Ulfe-Unge, din Skrifte-Fader wil jeg hede,
( »_ est du end en Ulfe Unge, af mig skalt du ikke aede.
Bezeichnet man die Halb Strophen »in Ä mit 1.2.3.4, so ergibt
sichfolgende Stellung: 4 ZTF 1. 2. 3. 4; HN2. 4. 3. 4; D 3.2 — 2.4.
Die erste Hälfte der Strophe 12 ist zwar nicht gerade nothwendig,
aber sehr passend, da sie das folgende eigentlich erst erklärt; daß sie
in AK und IT steht, ist entscheidend. In N und // fehlt sie; dafür
steht da in beiden Strophen in der zweiten Hälfte ziemlich dasselbe,
beidemal verlangt der Alte ziemlich mit denselben Worten dem Jungen
die Beichte ab. D wiederholt sich in anderer Weise: es scheint ein
srungsversuch des Textes N zu sein. — Schade hat gewiß recht,
wenn er die Fassung voll A K (und IT) für die ursprünglichere hält.
In dieser Fassung schließt sich das folgende 'du sae.;sl mir vil von
i! besser an an 'Dats, sidi van den wolveri als in //, nicht in N,
das hier wohl in Übereinstimmung tnil .1 das Ursprüngliche bewahrt hat.
2. Den Namen Alebrand kennen einige Überlieferungen nicbl
mehr, dafür Bteht 'der junge Hildebrand', bo AN nichl l'i und <<.
! ist wohl zufällige Übereinstimmung.
2. Str. 11, 1 stimmt ND mit ü AK und //. Dies« er
steren drei haben nämlich hier die Erwähnung, daß Alebrand Beinen Vater
21 •
394 A. EDZARDI
nie gesehen, welche in den anderen fehlt: ick hebbe en nicht gekant N;
mein Fader mig aldrig saa D- ich gesach in mit ongen nie W.
Nunmehr gehe ich die Strophen der Eeihe nach durch und greife die
wichtigeren Abweichungen heraus. Wie schon bemerkt, weichen die ver-
schiedenen hochdeutschen Drucke der kürzeren Gestalt so unbedeutend
von einander ab, daß ich darauf nicht einzugehen brauche. Im Ganzen
haben wir drei Gruppen AK, ND und II: TP sehließt sich bald dieser bald
jener von ihnen an, meist aber den beiden letzteren oder einer von ihnen.
Str. 1. 32 Jahre HWS, 33 DA, 30 K Letzteres ist wohl die
richtige Lesart, wie schon Grimm aus der Vergleiehung der Worte des
alten Liedes: 'summaro enti wintrö sehstic geschlossen hat.
Str. 2. Amelung II N (Amelon a), Ambelung W\ Abelaen A, Abe-
lan Ä", Abelon D. Hier stimmt also AK mit D in einer Namenverdrehung
tiberein gegen die übrigen. Doch möchte ich hierauf wenig geben. Die
Ps. hat gar Konrädr(!)
Str. 3. grünen schilt HWK, N brünen schilt. Der 'brune schilt'
..ist die ältere epische Ausdrucksweise, vgl. U.A. 35. 78u Bartsch, Germ.
VII, 290. Vielleicht darf man auch für brune die Allitteration zu Brünne
anführen. A hat schilt ohne Adjectiv, was so wie das cforgyldte in D
und 'brünnebende5 in a doch wohl verderbt ist.
Str. 4. freundlich zusprechen H, sprich zu im ein freundlich
wort WK\ D du skalt hannem venlig at spöre. Dagegen hat A sere
groeten = N. Die Übereinstimmung von HWK und D lässt, nament-
lich wenn man die Ps. (s. oben p. 316) vergleicht, es nicht zweifelhaft
erscheinen, daß A und N hier nicht das Echte haben.
Str. 6. Nach der gewöhnlichen Annahme und nach den meisten
Überlieferungen spricht die Verse 1 und 2 Alebrand. Dagegen scheint
mir aber der Sinn zu sein, ebenso die Worte des alten Liedes: Svela
gisihu ich in dindm hrustim, dat du habes heute herron guten u. s. f.'
welche der Alte spricht. Sie scheinen mir dem Anfange der Strophe 6
unseres Liedes zu entsprechen, also möchte ich annehmen, daß Hilde-
brant auch hier redet, auch will 'eines königes leint' doch nicht recht
auf den Alten passen. Die richtige Überlieferung hat hier wohl iV: Du
wuld nii. junger hehl,-, u. s. f. Daraus könnte leicht cmich jungen holden
werden und dann weiter entstellt: 'mijn jonghe horte', wie A hat; in
K ist die Sache anders gewendet (degen Hielle)*). Daß der Junge eine
so lange, in die nächste Strophe übergreifende Anrode halten sollte,
liegt wenig im Wesen des Volksliedes. Ich würde also G, 1 und 2 dem
Alten, G, 3 und 4 (halb) dem Jungen, dann natürlich Str. 7 als Ant-
*) I) hat hier: Du torer dit Harnisk saa reent og klart, som du varst en Kongo Sön,
Ivt vil jeg fra dig tage, dertil din liest vel skjön.
ZUM JÜNGEREN BILDEBRAND SL1EDE.
wort dem Alten zuweisen. IT hat: als werest der jaren ein kint: damit
steht es ganz allein: es scheint ein Verbesserungsversuch zu sein, aus-
gehend von dem Mißverständnisse, daß der Junge die Werte spreche.
'Uns rangen recken' bei Jacobs ist doch wohl verlesen oder verschrieben
fiir 'hingen . — c.flattsgemacr± : haus fehlt in Ah'X, 1> weicht bedeutend
ab. — 'Ob einer heissen glute' // IT. D hat geändert. A hat: met enen
hupschen ghelude*), N: mit einem snellen lüde', was wohl nicht mit
Bartsch und Verwijs zum Folgenden zu ziehen ist. Passender erscheint
mir die Lesart von II W, für die auch spricht, daß K zu ihnen stimmt.
Str. 7, 2 hat N: van striden und van vehten, dar is ml af gesacht,
und wieder stimmt hier A gegen die Texte // und IT. I) und A' ändern:
jeg er vant at ride saa vel om Nat som Dag 1 >: das machet mich oft
schwach A'(!). In II W steht 'üfgesatzt' (ze striten u. s. w., var. üfge-
legt). Welches ist echt? (Vgl. oben p. 319).
Str. 8, 1 : und dartö sere slan N=A; AundZ) ändern wieder. // hat :
das sag ich dir alter man (so a) W hat: sprach sich der kune man.
Str. 10, 3: 14 klafter W\ söven faden N (sju Fafne Z>), twintich
fademen A, 20 klafter K.
Str. 11 fehlt in W, doch fehlte sie gewiß nicht ursprünglich, da
sie in A, XD, H und W steht; sicher ist sie in W nur ausgefallen.
Str. 12 und 13 sind oben besprochen. 13, 2 mag in IT geändert
sein, um reineren Reim herzustellen, nämlich räm : getan stau räm : man.
Str. 14, 2: üt Grekelant N: holt ist sicher verderbt aus 'üt Greken
stolt' i,l: woult : üt Grieken stout) oder aus 'üt Greklant stolt'. Alle
andern Texte stehen gegen N. — Pertholfe in K ist sicher (wie Str. 8
nur des Reimes wegen hineingekommen.
Str. 15,3 schloss //IT; dede .V, löste Z); schoot A, panl K.
Str. 16,2 ! i .- . 1 1 1 1 1 . - II; hovede N, hovcd I): leihe h\ herten.4; under
meinem herzen II'. also II X h gegen .1 W. 4 ist in A ganz verändert,
es heißt da: wi willen van hi rk ons op die vaert.
W weicht etwas ab, auch K ändert, des Reimes wegen? (döt : rot,
-ilium).
Dann ist in A eine Strophe eingeschoben, in K mehrere, worüber
ich bei Str. 1 8 Bpreche.
Str. 17,2 weder ze siner bürg in reit W\ die g] lerde op
reet A\ sonst: ze Bernen inne reil (al in reit X \. — .'). ein grünes
kränzelin II vmi golde.
Str. 18,1: Bi voerde bem ghevanghen A. als man «inen gefangen
tut U, .-eheint in Verbindung mit der Plusstrophe in A (und K) alt zu
/.
326 A- EDZARDI, ZUM JÜNGEREN HILDEBRANDSLIEDE.
sein. (Schon 17, 4 stand in W: dar zu neben im gefangen.) Man be-
greift sonst nicht recht, warum Frau Ute den Alten so bestimmt für
einen Gefangenen hält. — 2. über siner motter gut W. — 3. das ist
ein nouwer list : disch W; al te vri : mi A (Reimcorrectur V) ; K hat
hier wieder sehr matte Weiterbildung und weicht fast ganz ab; —
N vel : disch.
Str. 19 und 20 sind wieder sehr wirr überliefert. Gehe ich von H
aus, so ist die Stellung der Halbstrophen in HND 1. 2. 3. 4, in W 2.
3. 1 — (ganz abweichend); A 1. 2. (3). — (ganz abweichend). An Ein-
zelheiten ist anzuführen H: kein gefangener sol er sein, N: min ge-
vangen shal he nicht sin ; D hat sehr hübsch : din fange skal her (sie)
vaere. — 19, 4 hat A abweichend: nu neemt hem in uwen armen ende
heet hem willecom sijn. — 20, 1. 2 weicht in A ab, 3 und 4 lauten völlig
anders als in HND; die ganze Strophe in A:
Si nam hem in hären armen, si custe hem aen sinen mont:
Nu danke ic god den here, dat ic u sie ghesont.
Wi willen van hier scheiden ende varen in ons lant
Te Barnen binnen der steden daer sijn wi wel becant.
Zu bemerken ist, daß die letzte Strophe in W fehlt*), im Basler fl. Bl.
(b) ist sie etwas abweichend überliefert (s. Unland a. a. 0. 156). Beachtet
man, daß die in HND übereinstimmende letzte halbe Strophe, außer
in W, in A (natürlich auch in K, das hier ganz abweicht) fehlt, so liegt
die Vermuthung nahe, daß der hübsche Zug der Erkennung durch
den Ring dem Urtexte nicht angehörte, vielmehr grade weil er sehr
volksthümlich war, später hineinkam. Daß Vers 1 und 2 der Schluß-
strophe in A mit der Ps. (s. oben) fast wörtlich übereinstimmt, spricht
besonders für diese Annahme.
Fassen wir noch schließlich das Verhältniss des jüngeren Liedes
zum alten kurz ins Auge, so ist, wie schon gesagt, der Grundgedanke
wesentlich ein anderer, und es scheint mir sehr zweifelhaft, ob unser
jüngeres Lied eine Umbildung des älteren sein kann. Vielmehr glaube
ich, daß es auf ein unabhängig von jenem entstandenes, vielleicht nieder-
deutsches Lied zurückgeht, in dem nur die Grundzüge des Sagenstpffes,
auch wohl einzelne kleinere Züge (vgl. 1, 4 p. 324 und 6, 1. 2 p. 324)
gleich, die Auffassung und Verwendung aber sehr verschieden war.
Freilich kann man in dieser Frage nicht sicher urtheilen, weil wir den
Schluß des alten Liedes nicht kennen.
LEIPZIG, im Juli 1873. A. EDZARDI.
*) Wenn es auch möglich ist, daß der Schreiber sie nur fortgelassen hat; er
schreibt etc.
J. SCH1PPEK, ZUM CODEX EXONIENSIS. 327
ZUM CODEX EXONIENSIS.
Im Winter 1870/71 hatte ich Gelegenheit, Thorpe's Ausgabe des
Codex Exoniensis mit der Handschrift in Exeter zu vergleichen und
erlaube mir, das Resultat meiner Collation im Folgenden mitzutheilen.
Zunächst einige Bemerkungen zum MS. selber. Bevor die sieben
ersten Blätter des Cod. in seiner jetzigen Gestalt, welche bekanntlich
den von verschiedenen Händen herrührenden Schenkungskatalog des
Bischofs Leofric enthalten, mit dem MS. zusammengebunden wurden,
hat es wahrscheinlich längere Zeit den Schutz eines Einbandes entbehrt,
wodurch die äussersten Blätter sehr leiden und allmählich untergehen
mussteu; es fehlen daher zu Anfang und zu Ende mehrere Blätter.
Das eigentliche MS. beginnt mit Fol. 8, welches sehr gelitten hat; das
Blatt ist an der Außenseite abgeschabt und große Tintenflecke machen
die Buchstaben manchmal schwer leserlich. Das letzte Blatt ist an der
Außenseite ebenfalls fleckig, da die Tinte durch den Einfluß irgend
einer Flüssigkeit an mehreren Stellen ausgelaufen ist. Die letzten
12 Blätter haben außerdem bedeutende, durch brandige Ränder abge-
gränzte Lücken; ein glimmendes Stück Holz scheint auf das Buch
gefallen zu sein und sich allmählich durch jene 12 Blätter hindurch-
gebrannt zu haben, bis es abkühlte oder entfernt wurde. Die schad-
haften Stellen haben auf allen Blättern ähnliche Gestalt und decken
sich überall, nur verkleinern sie sich nach dem Innern des Buches
hin, bis sie mit Fol. 118'' im Text, wo nur noch ein kleiner brandiger
Fleck sichtbar ist, und mit Fol. 11G" auf dem Rande, wo sich eine
ähnliche Spur befindet, ganz verschwinden. Im Übrigen ist das MS.
schön erhalten, und es scheinen nicht so viele Blätter zu fehlen, als
Thorpe vermuthete; im Innern des Cod. ist zwischen Fol. 37 und 38
offenbar ein Blatt ausgeschnitten; überall sonst, wo Thorpe in seinem
Texte Lücken verzeichnete, sind im MS. keine Spuren davon sichtbar.
Thorpes Behauptung, daß die Handschrift, denn Format 187a Cen-
t im. Breite und 11 Centim. Höhe hat, dem 10. Jahrhunderte ange
höre, wage ich zu widersprechen; mir schein! sie vielmehr aus dem
Anfange des Li. Jahrhunderts zu stammen, da gewisse altertüm-
liche Formen einzelner Buchstaben, ■/.. \\. des y} welche sich in notorisch
alten MSS., wie dem Hatton MS. von Gregory's Pastoral Care, dem
Lauderdale MS. von Orosius, den Cotton und Tanner MSS. von Beda
häufig finden, im Cod. Exon. nur sehr vereinzelt vorkommen. Die Behi
328 J- SCHIPPER
saubere und elegante Schrift rührt höchst wahrscheinlich von einer
einzigen Hand her. Die Buchstaben schienen mir überall im Ganzen
gleichartig zu sein; manchmal sind sie allerdings ein wenig feiner und
zierlicher ausgeführt, manchmal größer und dicker; doch scheint dieß
nur in der Beschaffenheit des Pergaments seinen Grund zu haben;
auf glatt poliertem sind die Buchstaben größer, auf rauheren und
weißeren Blättern meistens etwas feiner. Die Übergänge von einer
Schrift zur andern sind nie plötzlich, sondern ganz allmählich. Von
Abkürzungszeichen finden sich in dem MS. nur die allergebräuchlichsten
wie ~] für and, ä, ö für an, on etc. Bindestriche sind im MS. nicht
vorhanden , außer solchen, die von anderer Hand mit blasserer Tinte
eingefügt sind; überhaupt ist die Thätigkeit eines Correctors, dessen
Änderungen überall werden erwähnt werden, im ganzen Cod. erkennbar.
Tilgung eines Buchstaben bezeichnet er durch Punkte über und unter
demselben z. B. e oder auch e oder e. Überall wo im MS. ein großer
Anfangsbuchstabe steht, geht ein Punkt vorher, oft auch drei Punkte
" • zur Bezeichnung eines größeren Abschnittes ; sonst sind Punkte
zur Bezeichnung der Vershälften nur selten angewandt. Die verschie-
denen Schreibungen des ih (p u. c?) hat Thorpe im Ganzen genau
wiedergegeben; einzelne Abweichungen sollen den englischen Gelehrten
zu Liebe im Folgenden ebenfalls erwähnt werden, so wie auch die
wenigen Accente des MS., welche Thorpe etwa übersehen oder hinzugefügt
hat. In solchen Kleinigkeiten ist Thorpe's Druck im Ganzen sehr correct,
wie sich denn überhaupt weniger Abweichungen von dem gut erhaltenen
Theile des MS. fanden, als bei einer ersten Ausgabe vielleicht hätte
können erwartet werden. Dennoch wird man aus dem Folgenden er-
sehen, daß eine neue Vergleichung des MS. mit Thorpe's Edition höchst
nothwendig war, da er in Betreff der schadhaften Stellen des MS. nicht
nur niemals die Größe der Lücken angegeben, sondern auch ganze
Wörter und Sätze stillschweigend ausgelassen, ja sogar sechs, im MS.
allerdings zum Theil in sehr verstümmelter Gestalt erhaltene Räthsel
mit keinem Worte erwähnt hat. Abgesehen von den Punkten zur
Scheidung der Vershälften, die von mir gesetzt sind, theile ich sie im
Folgenden mit genau in der Form, wie ich sie im MS. fand; die Schreib-
weise Thorpe's war ich ohnehin beizubehalten genöthigt. Außer jenen
sechs selbständigen Bruchstücken fanden sich zu lückenhaften Stellen
anderer Räthsel zu Ende des MS. nicht unbeträchtliche Ergänzungen,
welche zu dem schwierigen Unternehmen gänzlicher Wiederherstellung
derselben wenigstens einige Anhaltspunkte mehr bieten Averden. Ich
für meine Person überlasse diese Aufgabe dem Scharfsinne bewährterer
ZUM CODEX EXONIENSIS. 329
Forscher, welche an mehreren Stellen mit Genugthuung erkennen werden,
daß sie in ihren Conjecturen die richtige Lesart des MS. getroffen
haben. Zu den von mir eingeführten, durch eckige Klammern bezeich-
neten Conjecturen gaben meistens die an den Rändern der schadhaften
Stellen noch sichtbaren Überreste einzelner Buchstaben einigen Anhalt,
Arie auch gelegentlich noch besonders soll hervorgehoben werden. Die
Größe der Lücken ist theils durch Punkte (: :), theils durch Zahlen
bezeichnet.
Crist. Th. 1, 12. Gr. 7 eord b::g. Th. 1, 13. Gr. 7 hinter eagna
ist ein ausradiertes n sichtbar. Th. 1 , 19. Gr. 10 forlei ist corrigiert
in forhüt durch Anfügung eines Häkchens an das e; diese Form des
ce ist im MS. selten und scheint stets eine Correctur zu sein. Th. 1, 22.
Gr. 12 croestga, offenbar ein Schreibfehler. Th. 2, 5 hra ohne Accent.
Th. 2, IG. Gr. 20 eadga: Th. 2, 22. Gr. 23 : : : : : g>'ad, der letzte der
fehlenden Buchstaben scheint ein o zu sein. Th. 2, 24, 25. Gr. 24 peet he
ne hete to kqfe ceose sprecan. Das MS. ist hier jedoch schwer leserlich. Th.
4, 31 Note. Gr. 61 Note, healfa (nicht healsa). Th. 5, 14 Note. Gr. 69 Note.
Vom Fehlen eines Blattes ist nichts bemerkbar. Th. 5, 17 gebidan ohne
Accent. Th. 8, 7 sunnan. Th. 10, 15. Gr. 118 sceadu corrigiert in sceadu.
Th. 10, 16, 17. Cr. 153 anum : : : : : ofer pearfum. Th. 10, 19, 20.Gr. 154,
155. Zwischen hider und pe fehlen 10 oder 11 Buchstaben, unter denen
sich aber kein soder/ oder ähnliche lange Buchstaben können befunden
haben, da Spuren davon sichtbar sein müssten. Zwischen behindan und
ponne ist keine Lücke: es nu lest findet sich nicht vor. Th. 1", 36. Gr. 163
ferh statt ferd. Th. 12, 17. Gr. l&lfreolice {freolicc Druckfehler beiThorpe.)
Th. 13, 29. Gr. 210 sunu. Th. 15, 2. Gr. 230 farpa. Th. L6, 23.
Gr. 257 eow '■■ corrigiert zu eowde. Th. 18, 1. Gr. 277 Note para gege
wurde corrigiert zu para ege wurde; das erste g ist ausradiert. Th. 19,
18. Gr. 302 wod-bora\ der Bindestrich mit bleicherer Tinte gemacht.
Th. 19,29. Gr. 308 ingong. Th. 24, 4. Gr. 379 heofon eund. Th. 25,4.
('-)-. 395. 'mihtg Th. 26, 10, 12. Gr. 415, 416. Hinter kerenis ist
ein einfacher Punkt (nicht [ •); kein Absatz vor Eala\ und zwischen
hweet und peet ist keine Lücke-, im .MS. Th. 3". 18, 19. Gr. 480 Anm.
Keine Lücke im MS. Th. '.V2 , 6. Gr. 508 keahpw, das Abkürzungs-
zeichen über dem ,// fehlt. Th. 31, 10. Gr. 540 /'.<</•//: das e von an-
deren- Hand, über der Zeile. Th. ."»I, 11. Gr. 540 bidan\ über dem '/
••in o von demselben Corrector. Th. ."»I, 26. Cr. 548 adbeorhte über
dem '/; ein a irhin. Th l muhten-, über <<i steht
mevon anderer Hand. Th. 42, 16. Cr. 673. Sumü] n von anderer Eand
330 J- SCHIPPER
über der Zeile. Th. 44, 27. Gr. 709 feodan; zwischen o und d ist ein
Buchstabe ausradiert. Th. 45, 14. Gr. 719 Anm. ealle. Th. 46,21. Gr. 740
gesaioan. Th. 41, 26. Gr. 743 Anm. eadgum. Th. 47, 19. Gr. 757 sellran;
das r über der Zeile von anderer Hand. Th. 48, 26. Gr. 777 se; über
dem e ein i von anderer Hand. Th. 49, 10. Gr. 783 lileotan; h von
anderer Hand. Th. 50, 22, 23 keine Lücke. Th. 51, 2. Gr. 810 leg.
Th. 52, 10 Note. Gr. 831 Note fyr bade. Th. 54, 11. Gr. 867 heahjnt.
Th. 54, 22. Gr. 872 fared. Th. 56, 4. Gr. 875jbcer. Th. 59, 28. Gr. 858
fyr. Th. 60, 18. Gr. 971 gesargad corrigiert in gesargad, Th. 64, 2.
Gr. 1031 ärisan. Th. 65, 1. Gr. 1048 magun. Th. 67, 16. Gr. 1089
bydyrned] über dem ersten y steht ein i von anderer Hand. Th. 69, 36.
Gr. 1131 cwice. Th. 72, 21. 1176*) rindum statt roderum. Th. 75, 26.
Gr. 1232 wenead. Th. 80, 25. Gr. 1312 unbeted corrigiert in unbeted.
Th. 84, 7. Gr. 1370 anne. Th. 84, 9. Gr. 1371 miede-, ein c von anderer
Hand über der Zeile. Th. 84, 30. Gr. 1381 sealde-, e wie vorhin. Th. 85, 2.
Gr. 1385 widlonda. Th. 85, 31. Gr. 1399 fremum (wie Grein liest).
Th. 86, 12 agiefan. Th. 87, 7 äna. Th. 87, 15. Gr. 1425 leeg ic on.
Th. 87, 27. Gr. 1431 vcere we gelte oder ivegelic, aber doch wohl sicher
ein Schreibfehler. Th. 88, 29. Gr. 1447 heanne, ne von anderer Hand,
über der Zeile. Th. 89, 11. Gr. 1455 gefremedum. Th. 89, 22 sdr.
Th. 90, 6 ]ni. Th. 91, 13. Gr. 1491 gefeestnad; corrigiert in gefeestnad,
Th. 91, 23. Gr. 1496 in heofonum. Th. 92, 24. Gr. 1513 dydan. Th. 93,
16. Gr. 1527 grimme corrigiert in grimne. Th. 94, 2. Gr. 1534 sceat.
Th. 99, 3 dorn deege. Th. 99, 9. Gr. 1622 bindenne; über dem ersten n
steht ein m (von anderer Hand?). Th. 100, 26. Gr. 1647 beorhte. Th. 103,
18. Gr. 1690 geestas.
Guthlac. Th. 104, 21. Gr. 11 geara. Th. 112, 19. Gr. 146 das
MS. hat richtig brytene, nicht brystene, wie Th. angiebt. Th. 112, 25,
26. Gr. 149, 50 zwischen bletsade und Mm ist keiue Lücke im MS.
Th. 113, 24, 25. Gr. 162 Keine Lücke zAvischen fede und hwearfum.
Th. 114, 30. Gr. 180 he (Schreibfehler) statt hj. Th. 116, 26 an,
ohne Accent. Th. 119, 18. Gr. 256 indriced; zwischen i und c ist
ein Buchstabe ausradiert. Th. 124, 14, 15. Gr. 340, 341. Hier fehlt
sicher ein Blatt; ein schmaler Streifen desselben ist noch sichtbar.
Th. 134, 21. Gr. 510 nidgyxta geändert von späterer Hand zu nydgysta.
Th. 135, 23. Gr. 528 eade. Th. 137, 24. Gr. 564 efne swa. Th. 138, 18.
Gr. 578 giefena. Th. 139, 2. Gr. 587 veallendne. Th. 140, 10 icidan.
*) Weßhalb Thorpc statt dieser vorzüglichen Lesart die seinige eingefügt hat,
und ohne irgend welche Notiz, ist schwer zu begreifen.
ZUM CODEX EXONIENSIS. 331
Th. 142, 6 ad. Th. 143, 29. Gr. 668 prea medium; hiermit wäre also
media wenn auch nicht alleinstehend, so doch in substantivischer Ver-
bindung gefunden; die Bedeutung, das Mittlere, die Mitte, welche
Dietrich dem Worte giebl (Haupt Zeitschr. XI, 426), wäre weiter aus-
zudehnen zu dem Begriffe cdas Mittel' und pred-medlum durch TDroh-
mittel' zu übersetzen; oder sollte doch niedlum als die bessere Lesart
beizubehalten und medium ein leicht erklärlicher Fehler dr>. Schreibers
sein? Th. 146, 8. Gr. 706 reordum statt vordum. Th. 146, 23 Smolt.
Th. 147, 7. Gr. 723 selfe\ uuter dem e steht ein y von anderer Hand;
ebenso Th. 147, 16. Gr. 728 ein y unter dem i in sioilc. Th. 147, 24
Swa. Th. 148, 21. Gr. 748 eadmedu. Th. 148, 30. Gr. 752 agifen ist
geändert in agyfen Th. 149, 27. Gr. 768 heahpu. Th. 153, 3. Gr. 820
weesten] über dem en steht ein m von anderer Hand. Th. 153, 14.
Gr. 825 eardwica. Th. 153, 18. Gr. «27 uncyddu. Th. 153,. 32. Gr. 834
gcestgedal Th. 155, 29. Gr. 867 byscyrede. Th. 158, 2. Gr. 910 heahpu.
Th. 158, 32. Gr. 918 feeder; zwischen ce und d ist ein Buchstabe
ausradiert. Th. 164, 17. Gr. 1013 geswedrad. Th. 165, 28. Gr. 1035
retan. Th. 167. 16. Gr. 1061 heahpu. Th. 169, 6. Gr. 1090 wlitigan.
Th. 175, 23. Gr. 1199 oncydig. Th. 176, 18 Simle. Th. 179, 4 Da.
Th. 179, 7. Gr. 1258 beorhte. Th. 180, 15. Gr. 1280 <",//,, o« "/"'•' .7-
Th. 1*2. 1. Gi*. L303 weeter pisipa; es ist also weeter-pisa zu lesen.
Th. IM. 33 Note. Gr. 1353 drusendne ist das letzte Wort auf Fol. 52 b ;
von Fol. 53 ist der obere Theil abgeschnitten; es fehlen vier Zeilen.
Azarias. Th. 186, 5. Gr. 15 fore. Th. L86, 19. Gr. 22 tohworfne;
das h über der Zeile von anderer Hand. Th. 189, 17. Gr. 61 hofne;
also das h schon von dem Corrector getilgt. Th. 190, 14, Gr. 73. Vor
Bletsige ist ein Absatz im MS. Th. 191, 27. Gr. 94 geestas; über dem
ce ein' a von anderer Hand. Th. 192, 12. Gr. 105 bitera. Th. L92, 22.
Gr. 110 keine Lücke im MS. Th. 194, 17. Gr. 140 pe steht nicht im
MS. Th. 194, 23. Gr. 143 fugulaa; also fuglas zu lesen. Th. 195, 32.
Gr. 165 acwelli n; das zwei!,- / über der Zeile von anderer Hand. Th. L97,
15. Gr. 190 peawum.
Phoenix. Th. 205, 11 Sippan. Th. 206, 27. Gr. 133 winsumra;
über dem ! ein y von anderer Hand. Th. 207, 4. < Ir. 136 organan.
Th. 209, 5. 6.>Gr. 166 Ay ^esecad ///rioora fo/wZ. Th. 209, 19. Gr. 173
fco/wn /,,■<,/■,. Th. 209, 27 ana. Th. 211, 11. Gr. 197 Note foUan, nicht
folan. Th. 211, 24 7m*. Th. 212, 6. Gr. 206 healfa. Th. 212, 19. Gr. 212
"w/v,,/. Th. 214, 23. Gr. 243 waumas. Th. 215, 14. .- </. Th. 216, 1.
Gr. 261 Se; vorher ein Punkt. Th. 218, t. Gr. 288 sunnan pegn. Th. 219.
20 äfaZon; vorher ein Punkt; ebenso Th. 220, 2. Nu. Th. 221, 12.
332 J- SCHIPPER
Gr. 233 mearm; das e ist also vom Corrector getilgt; das r ist halb
ausradiert. Th. 221, 16. Don. Th. 224, 5. Gr. 371 fille; über dem i ein
y von anderer Hand. Th. 224, 8 weorded. Th. 226, 17, 18. Gr. 407
icordon corrigiert in wurdon: topas idge. Th. 231, 18 Don; Punkt vorher.
Th. 233, 2 1. Gr. 528 agnum. Th. 235, 34 äweced. Th. 236, 7. Gr. 570
on. Th. 239, 16 Sil; Punkt vorher; ebenso Th. 240, 1 Bus. Th. 240, 6.
Gr. 635 singad. Th. 241, 6. Gr. 652 Swa; Punkt vorher. Th. 242, 3.
Gr. 667 auctor] das u über der Zeile von anderer Hand. Th. 242, 8.
Gr. 670 motum.
Juli an a. Th. 243, 29 Sum; Punkt vorher. Th. 244, 20 mann.
Th. 245, 31. Gr. 53 hcepen weoh. Th. 246, 23 Da; Punkt vorher. Th. 247,
1. Gr. 72 ursprüngliches modsefan geändert in modsifan. Th. 247, 14.
Gr. 78 sioor. Th. 247, 27. Gr. 85 hy. Th. 248, 9 Du; Punkt vorher.
Th. 248, 32. Gr. 104 anne-forlcete. Der Bindestrich mit bleicher Tinte.
Th. 252, 18. Gr. 165 luve. Th. 254, 1. Gr. 190 geivynnes. Th. 256, 23
Da; Punkt vorher. Th. 256, 30 heofon (Druckfehler bei Thorpe). Th. 258,
4 Hyre. Th. 259, 23. Gr. 286 ealdne. Th. 260, 7, 11 Da; Punkt vorher.
Th. 260, 33. Gr. 307 sioylce; das e von anderer Hand über der Zeile.
Th. 261 , 22 Hyre. Th.' 261 , 28. Gr. 322 werena ; über dem e ein a
von anderer Hand. Th. 262, 30. Gr. 340 gejwliad. Th. 263, 16. Gr. 350.
Hinter Hyre sind 2 Buchstaben ausradiert. Th. 265, 7 of önn. Th. 268,
24. Gr. 437 wie Th. 261, 28. Gr. 322. Th. 272, 15. Gr. 499 forman.
Th. 276, 3. Gr. 560. Hinter haiig ist keine Lücke im MS. Th. 277, 17.
Gr. 582 ofestlice. Th. 277, 32. Gr. 589 sio. Th. 279, 3 mod. Th. 279, 19
unlccd. Th. 279, 21. Gr. 617 awyrgedne; nicht atcygedne, wie Thorpe an-
giebt. Th. 281, 30. Gr. 654 stid hydge. Th. 284, 11 is. Th. 284, 17.
Gr. 698 sinhiwan; das i von anderer Hand über der Zeile. Th. 284, 23.
Gr. 701 ic; hinter dem i ist ein Buchstabe ausradiert.
Wanderer. Th. 286, 22. Gr. 4 hrimcealde. Th. 287, 16 ne; Punkt
vorher; ebenso Th. 287, 24 Swa. Th. 288, 30 Don. Th. 289, 8 Don,
Th. 290, 15 Ne. Th. 290, 19. Gr. 67 richtig wanhydig im MS. Th. 291,
26. Se. Th. 291, 26 ferde.
B% monna cräftum. Nichts zu bemerken.
Fäder larcvidas Th. 302, 16. Gr. 37 fordon sceal; don über
der Zeile von anderer Hand. Th. 302, 33; 303, 11 god. Th. 304, 8
nis. Th. 305, 12 Gr. 87 gemetlice.
Seefahrer. Th. 307, 4 hlimman. Th. 309, 2. Gr. 51 sefan statt
feran. Th. 310, 32 sioylce (Druckfehler bei Thorpe). Th. 312, 13.
Gr. 109 mod statt vion.
ZI M CODEX EXONIENSIS. 333
Bi mannet mode Th. 316, 16. Gr. 49 richtig, orfeorme im MS.
Vidsith Th. 318, 18 Widsid. Th. 319, 5 harn. Th. 319, 10 /efa.
Th. 320, 24. Gr. 33 hringweald. Th. .'521, 1 rica. Th. 321, 21. Gr. 49
heado beardna, das d über der Zeile von anderer Hand. Th. 321, 29
wide. Th. 322, 12. Gr. 62 mid vor syc^wwi fehlt. Th. 323, 7 mtf. Th.
323, 14 rices. Th. 324, 19. Gr. '.'7 ealhhild. Th. 324, 25 pon. Th. 324, 31
f)o77. Th. 325, 9 Donan. Th. 326, 7. Gr. 125 wojran. Th. 327, 2 ,?,Y,rmi.
7>'? mannet vyrdum. Th. 327, 27 Sumum. Th.328, <S Swmne. Th. 328,
16. Gr. 18 hf. Th. 328, 21, 33; 329, 32 Sum. Th. 330, 8 Sumü. Th. 330, 30.
Gr. 69 Note richtig earfod sip. Th. 331, 11, 12 Sumum, Sumü. Th.
331, 26 FW. Th. 331, 32; 332, 4, 14 Sum. Th. 333, 6. Gr. 98 fore.
Versus gnomici Th. 333, 19 Meotud. Th. 334, 9. Gr. 13 monge
reorde. Th. 334,26 Rad. Th. 335,30. Gr. 40 bewitian-] das i über der
Zeile von anderer Hand. Th. 336, 2. Gr. 42 pon. Th. 338, 21 Cyning.
Th. 339, 31. Gr. 102 fyrwet geonra. Th. 340, 7 h#w. Th. 340, 17 möw.
Th. 340, 18 Ne. Th. 343, 33.' Gr. 165 gehwylcu.
Wunder der Schöpfung. Th. 347, 24. Gr. 17 hinter se pe sind
2 Buchstaben ausradiert; es scheint als ob das folgende Wort on aus
Versehen ursprünglich zweimal geschrieben war. Th. 347, 31 Ne. Th.
351, 31. Gr. 88 meegen pryffie.
Reimlied. Th. 353, 21. Gr. 16 toeord. Th. 353, 38 ne of 611.
Th. 353, 54 Mod. Th. 354, 9 Nu. Th. 354, 34. Gr. 55 dryhtscype. Th.
354,45. Gr. 61 wen cynge wited.
Panther Th. 355, 40. Gr. 3 rihte. Th. 356, 8 We. Th. 356, 15.
Gr. 12 dün scrafum. Th. 356, 29 Beet. Th. 357, 33 Beer. Th. 359, 1.
Gr. 56 eadmedum] über dem u ein e von anderer Hand; unter dem
u ein Punkt, der aber wahrscheinlich noch auf <\:\* folgende m Bezug
hat, so dass wir zu lesen hätten eadmede, welches in der Bedcutiniv;
'benignus auf das vorhergehende dryhten god bezogen einen viel besseren
Sinn gibt. Th. 359, 21 Sippan.
Walfisch. Th. 361,13,29 Bon. Th. 361, 1'.'. Gr. 22 celad. Th.
364,* dngean. Th. 365. 3 Forpon. Th. 365,4. Gr. 84 dryhi
Rebhuhn Th. 366, 14 Uton.
Reden der Seelen an den Leichnam. Th. 367, 1 bekofap.
Th. 368, 1 Cleopad. Th. ."-7 < >. 2. Gr. 51 ancenda; an über der Zeile von
anderer Hand. 'Th. 370, d. Th. 372, 13,26 Bern, Bonne. Th.
373, 31 Gifer.
Deors Klage Th. .".77, 9. Gr. 1 Welund. Th. 377, 20. Gr. 6 mann.
Th. 377. 11: 378, -. L6, 22; 379, 2, 32 Pees. Th. 377, 21 dedp. Th.
19 pritig. Th. 378, 21 cup. Th. 379, L3 wendep. Th. 3
< i r. I1 ' monn
334 J- SCHIPPER
Räthsel. Th. 382, 23. Gr. III, 15 richtig ivrugon. Zwischen diesem
Räthsel und dem folgenden ist kein Absatz; das nächste Wort hwilum
ist klein geschrieben. Th. 383, 18. Gr. IV, 12 abringe, a von anderer
Hand über der Zeile. Th. 386, 7. Gr. IV, 58 gerceced. Th. 391, 8. Gr.
X, 2 modor. Th. 392, 3. Gr. XI, 2 richtig flowen. Th. 394, 2. Gr. XIII, 12
hyge galan. Th. 396, 10. Gr. XVI, 2 richtig swifi. Th. 400, 16 minü.
Th. 401, 17. Gr. XXI, 13 mer, Th. 401, 35 Nymjye. Th. 405, 2. Gr.
XXIII, 17 onder. Th. 405, 30 Ne. Th. 409, 25 Nu. Th. 416, 1. Gr.
XXXIV, 5 hio statt hü. Th, 420, 21; 421, 10 Ne. Th. 421, 32. Gr.
XL, 27 he hainig) he von anderer Hand und über dem e ein ausra-
diertes o. Th. 423, 12 Ne. Th. 424, 2 Eal. Th. 424, 20, 32 Ic. Th. 425, 2.
Gr. XLI, 50 Ic statt tn; der Punkt vorher ist vergessen; Vers und
Sinn erfordern jetzt keine Ergänzung. Th. 425, 18 Ic. Th. 425, 35.
Gr. XLI, 66 penex; das e ist ausradiert, aber noch erkennbar; der
Accent ist nicht ausradiert; war ursprünglich Phönix (fenix) gemeint,
was dann der Corrector zu pernex zu ändern gedachte? Th. 426, 3
Nu. Th. 426, 11, 35; 427, 8 Ic. Th. 427, 16 Mara. Th. 427, 22. Gr.
XLI, 95 magene. Th. 427, 34 Ac. Th. 428, 8 Mara. Th. 428, 24 Ne.
Th. 429, 16 Ic. Th. 429, 19 ]nt. Th. 429, 40. Gr. XLIII, 17. Hinter
sindon ein einfacher Punkt; zwischen diesem Räthsel und dem folgenden
ist kein Absatz; desgl. nicht zwischen Nr. XLVIII und XLIX. Th.
432, 3 In. Th. 434, 9 Fedad. Th. 438, 18. Gr. LVII, 9 torhtan stod. Th.
440, 12. Gr. LX, 2 gylddenne.
' Klage der Frau Th. 442, 11 Ongunnon. Th. 442, 25 Da,
B% domes däge Th. 447, 13 nype. Th. 448, 31. Gr. 62 in clcen-
nisse. Th. 450, 15. Gr. 88 fore. Th. 452, 3. Gr. 115 geivcegen.
Hymnen und Gebete. Th. 452, 21 Ic. Th. 453, 27 Forgif. Th
454, 28 Nu. Th. 456, 15. Gr. 67 meorda ; zwischen r und d ist ein Buch-
stabe ausradiert. Th. 457, 18. Gr. 85 gode. Th. 459, 1. Gr. 110. Nach
trfter sind 2 Buchstaben überklebt, ebenso Th. 459, 6. Gr. 112 vor ::nian
2 Buchstaben und Th. 459, 9. Gr. 114 hinter gecio ein Platz für 5 Buch-
staben, von denen aber wohl 2 wegen des Zwischenraumes zwischen
den Wörtern wegfallen. Th. 459, 10 ä. Th. 459, 13. Gr. 116 zwischen g
und bij> fehlen 2 bis 3 Buchstaben: es ist also vielleicht grim zu lesen
statt grim ic (Grein).
Hüllen fahrt Christi. Th. 459,32. Gr. 7 fondon ist in fundon
corrigiert; blidne muss also wohl auf beorge bezogen werden. Th. 460, 31.
Gr. 25 mceges; hiernach sind 3 Buchstaben überklebt; sollte sid zu
ergänzen sein? Th. 460, 36. Gr. 28 gesohtfe] ::::::e.v monat. Th. 461, 3.
Gr. 29 nu :::::::: sceacen. Th. 461,5,6. Gr. 30,31 witod ::::::::::: to
ZUM CODEX EXONIENSIS. 335
dcege. Th. 461, 6, 7. Gr. 31, 32 wille ::::: gesecan (nicht secan). Th.
462,20. Gr. 55 bepeahte. Th. 462,22 4&ea<Z. Th. 462,23 burgwarena
ord. Th. 462, 30. Gr. 60 u* ::: :::te secan. Th. 463, 33. Gr. 61 l-oidw
6*Ä:: :::::jE>ofl. Th. 462,36. Gr. 63 wrceccan :::::: :::::: &w£ Th. 468,3.
Gr. 64 niäbc: Th. 464, 17. Gr. 88 £<ma. Th. 464, 19. Gr. 80 ealdßnd
r.üe on. Th. 464. 21,22. Gr. 90,91 we hr:::::: :::::n, also vielleicht
hreöwige mcendon zu lesen. Th. 464,23 — 29. Gr. 91 — 95 usse :::::::::::
[sijge dryhten god :::::::::::::::::::: '.'.gast ealra cyninga ::::::::::
:::::: :usic mon modge ]>e ageaf ::::geogode. Th. 464, 31. Gr. 96 hinter
us ist ic ausradiert. Th. 465, 20. Gr. 107 fiec] das c halb ausradiert.
Th. 466, 10. Gr. 119 fore : inum cildhade. Th. 466, 14. Gr. 121 die
Lücke ist nicht groß genug für ~] forej vom letzten Buchstaben ist
noch etwas sichtbar; es kann nur ein n oder r gewesen sein; vielleicht
stand for im MS. Th. 466, 16—23. Gr. 122-125 pinre me [ein kleiner
runder Buchstabe wie a, o oder c kann folgen, der noch sichtbare Rest
läßt kein n zu] ::::: : : : : : : anian nama — lof :::::::::::: [setjlum (er-
gänzt von Überresten der betr. Buchstaben) sittan :::::::::::: hond.
Pharao. Th. 468, 3. Gr. 2 farones. Th. 468, 11, 13. Gr. 6, 7
hun:::: ::::a. — fornam'.::::::::torape.
Hymnen und Gebete. Th. 468, 16. Gr. V, 1. Vor f ender fehlen
10 Buchstaben; ein Restchen vom ersten läßt auf ein ]> , vom letzten
auf ein g schliessen; wahrscheinlich ist zu lesen pu eart hälig feeder.
Th. 469, 26 An. Th. 470, 12—20. Gr. 15—20 ripiin geong aw: meegect.
— gelicade )>a :::::::: in. — on hr :::::: ::::::ssan se wees etc.
Räthsel. Th. 470, 24 vgl. Gr. XXXI, 1, 2. Vor ::dre fehlen
17 Bachstaben; der erste derselben war eini«; diese Version hat also
wunden statt bevmnden. Th. 471, 2 ::::: biowende. Th. 471, 14. Gr. LXI, 1
sande geändert in son
Botschaft des Gemahls. Th. 472, 18—30. Gr. 1—7 Nu ic
onsundran pe seegan witte:::: :::: treo cynn ic tudre aweox in mec celÄw
::::::: sceal ellorlondes 8etta[n] sealte streafmasj ful oft ic on hates
:::: :::: :::: :::: gesohte /<■/•>• m>c mon dryhten min ::::::: [oferj heahhofu;
vorletzte Wort ofer ist ergänzt nach Ueberresten der betr. Buch-
staben. Th. 474,5. Gt. 25 ONgin\ Absatz vorher im MS. Th. 474, 13.
Gr. 29 Zwischen /"'«< und worulde sind 2 Buchstaben ausradiert. Th.
171. L8 30. <T.''il 38 alwaldend god :::: cet somne siiijmn motan
/// and gesipum »::::: :::'.::cetlede beagas ii> genoh hafad feedango::
etwa 17 Buchst.... <</ elpeode <\<<! healde feegre foldan. . . . 20 22
Buchst. . /■'/ Im /r/m peak />-■ /"</• //"'/' wfinej... etwa 1-1 Buchst...
gebeeded; wine ist ergänzt von Überresten der betr. Buchst. Th.
475, l.r). Gr 48 genyre. Th. 17."». 24, Gr. 52 gespreeconn.
336 J- SCHIPPER
Ruine Th. 476, 23—477, 5. Gr. 12 wonad giet s ... 12 Buchst. . .
mim geheapen felon . . . etwa 24 Buchst. . . . grimme gegrundefnj ... 22
bis 23 Buchst. . . . scan heo . . . etwa 24 Buchst. . . . g orponc cer sceaft
... etwa 15 Buchst. ... g:::lam rindum beag mod mo ::::::: ne swiftne
gebrcegd. Th. 477, 27. Gr. 31 geapa. Th. 478, 18. Gr. 43-48 leton pon
geoton . . . etwa 23 Buchst. . . . stau hole streamas ifnj . . . etwa 23 Buchst.
. . . [opjpcet hring mere hat . . . etwa 26 Buchst. ... ]>a bdpu wceron
ponne . . . etwa 28 Buchst. . . Ire Pestis cynelic Jung ... 28 — 30 Buchst. . . .
Räthsel. Th. 479, 1. Gr. LXII, 1. Oft (nicht of). Th. 479, 15. Gr.
LXII, 8 freeiwedne. Th. 479, 25. Gr. LXIII, 4 richtig im MS. ger me.
Th. 480, 22. Gr. LXIV feedme [on folmj : : : : : grum pyd tvyrced his wil-
lafnj . . . etwa 21 Buchst. . . . fulre pon ic ford — eyme . . . etwa 23
Buchst. ... ne mag ic py mipan . . . etwa 20 Buchst. . . . [sipjpan
on leohte . . . etwa 24 Buchst. . . . sioylce eac bid sona . . . etwa 17
Buchst. . . . getaenad hweet me to . . etwa 9 Buchst. . . . leas rinc pa
unc geryde toces. Th. 482, 10. Gr. 5 Note nymppe. Das hinter Räthsel
VI (Th. p. 483), Grein LXVII in dem MS. nur unvollständig erhaltene
Räthsel hat Thorpe stillschweigend ausgelassen. Ich gebe hier den
Text desselben mit der Zeilenabtheilung des Ms.: [I]c on pin:: ::::
peodcyninges. icrcetlice iciht word || galdra . . . etwa 24 Buchst. . . . Mo
symle ded\\ßra gel ... etwa 26 Buchst. ... fwijsdome loundor me
Pa::w? ... etwa 28 Buchst enne || mud hafad fet in? [f]?
. . . etwa 27 Buchst. . . . || icelan oft sacad ciciped . . . etwa 22 Buchst. . . .
weard || leoda lareoic. forpon nu longe . . . etwa 10 Buchst. . . . || ealdre.
ece lifgan. missenlice ]>enden. wenn bugad. eor'pan sceatas. ic pect oft
geseah. golde gegiericed. peer gn\\>nan druncon. since and seolfre. seege se
pe eunne. j| ivisfcestra hxcylc. hwost seo tviht sy. Th. 484, 13. Gr. LXX, 7
sceal ... 9 Buchst. . . . hringum gehyfrsted] [me:] . . . etwa 23 Buchst. . . .
dryhtne min . . . etwa 21 Buchst. . . . xclite, letztes Wort in der Zeile;
unter demselben steht bete \—j Das zu Ende eines Räthsels oder über-
haupt eines Absatzes übliche Zeichen \—t beweist, daß bete noch zu
diesem Räthsel gehört und nicht zum folgenden, wie Thorpe vermuthet.
"Wie viel von dieser Zeile fehlt lässt sich nicht angeben, da es vielleicht
eine kürzere Endzeile war. Th. 484, 14—20. Gr. LXXI, 14 Ic woes . . .
etwa 22 Buchst. . . . geaf . . . etwa 32 Buchst. . . . we unc gemeene . . .
19 Buchst. . . . sweostor min fedde mec . . . etwa 11 Buchst. . . . feower
teah. Th. 486, 6-20. Gr. LXXII, 8-18 folme by:g :::::lan dcä gif —
dorne vi ... 14 Buchst. . . . dan meerpa fremman wyrean w ... etwa 20
Buchst. . . . ec non peode utan w . . . etwa 23 Buchst. . . . pe and to wroht
stap . . . etwa 25 Buchst. ...» eorp eaxle gegyrde xeo : . . . etwa 28
ZUM CODEX EXONIENSIS. 337
Buchst. . . and sxoiora — fealwe . . . etwa 18 Buchst. . . . pofl — and
mec ::::::: fcegre. Th. 488, 15. Gr. LXXVI, 7 aryped::::[ecj hfw?]::pe
si)>}>an iteit unsodene eac: der Rest der Zeile fehlt.
Zwischen Räthsel XVI und XVII bei Thorpc p. 488 und LXXVI
und LXXVII bei Grein findet sich im MS. folgendes Bruchstück eines
andern Räthsels: Ofl icßodas . . , etwa 24 Buchst. . . . as cyn \\ minum and
. . . etwa 26 Buchst. . . . yde meto mos . . . etwa 26 Buchst. . . . swa ic
him\ . . . etwa 24 Buchst. . . . al ne ait harn gesait\\ . . . etwa 16 Buchst. . . .
rote cwealde purh orponc\\ . . . etwa 5 Buchst. . . . y],um bewrigene.
Th. 490, 11. Gr. LXXIX, 9 peced:: :::::: :ed and fealled snaw py-
relwombne and ic pcet ... 28 oder 29 Buchst. . . . ceajt, mine (also wohl
wie Grein liest). Hierauf folgt wieder ein wie gewöhnlich von Thorpe
ausgelassenes Bruchstück eines Räthsels im MS.: T?: nd ... etwa 22
Buchst. . . . ofngende greate ] sicilged . . . etwa 24 Buchst. . . . U ne flaisc ||
fotum g::g der Rest der Zeile fehlt (etwa 36 Buchst.). | sceal mozla gehwa
der Rest dieser Endzeile des Räthsels fehlt. Th. 490, 6. Gr. LXXX, 1.
fromey . . . etwa 18 Buchst. . . . biden in burgum sippan bceles [toeorc?
nur von w? e? o oder a und r sind Reste erhalten]; zwischen bceles und
tcera fehlen im Ganzen etwa 10 Buchstaben. Th. 490, 22. Gr. LXXX, 5
fah icara : eordan etc., also wie bei Grein. Th. 491, 12. Gr. LXXX, 10
Ac. Th. 492, 9. Gr. LXXXI, 11 purh . . . etwa 12 Buchst. . . . and pcet
hyhste mos ::::\J>es? (nach Überresten)^... fehlen noch etwa 18 Buch-
staben in dieser Zeile; von den nächsten Zeilen sind noch folgende
Bruchstücke erhalten: dyre crceft . . . etwa 23 Buchst. . . . onne hy äweorp
. . . etwa 23 Buchst. . . . pe oenig ]>ara . . . etwa 23 Buchst. . . . :ffoJr
ne mceg . . . etwa 27 Buchst. . . . oper cynn eorpan . . . etwa 15 Buchst. . . .
fpjon cer wces wlitig <nt<l wynmm ... 8 Buchst. . . . bip sio moddor mcegene
eacen im, nimm [bejgreped; so ist vermuthlich das letzte Wort zu er-
gänzen nach noch sichtbaren Bruchstücken der beiden Buchstaben;
sicher nicht gegreped. Kür die unrichtige Behauptung Thorpe's „Wli.it
follows is apparently part of another enigma" (Note zu Z. 10) bot
ihm selbstverständlich kein Überrest eines großen Anfangsbuchstaben,
noch auch ein Endzeichen (:-, 1 einen Anhalt. Th.492, 28. <ir. LXXXI,22
earmu getcese. Th. 493, 10, 19 Note: «las MS. zeigt keine Lücke. —
Th. 493, 27. (>w LXXXI, 37 nach mich finden sich folgende lücken-
hafte Zeilen im .MS.:
... 13 — 14 Buchst. ... fste] bip stanum bestreped stormvm ... 30
bis 31 Buchst. . . ■ . timhred weaü . . . .".() Buchst. . . . d hrusan hrinep }>
. . . etwa 27 Buchst. . . . fnjgt oft aearwufmj etwa 28 Buchst . . . fd
de ne feled peak: .. etwa 26 Buchst ... du {ßuf) hreren hrif wun::g
QEBMAHU Reue Reihe. VIL (XIX.) Jahrg. 22
33g J. SCHIPPER, ZUM CODEX EXONIENS1S.
. . . etwa 21 Buchst. . . . risse hord word onhlid hceflepumfj . . . etwa 15
Buchst. . . . tweoh wordum ge opena hu mislic sy mmgen para . . . etwa
zwei oder drei Buchst, können in dieser Zeile nur noch fehlen. Tb.
494, 3. Grein LXXXII. Im MS. findet sich keine Lücke. Th.j 495, 13-
Gr. LXXXIV se peak mol . . . etwa 14 Buchst, fehlen an einer vollen
Zeile. Die Anfangszeilen des folgenden Räthsels (Th. 495, XXY; Gr.
LXXXV) stehen im MS. so; Ic weox pcer ic ... etwa 34 Buchst. . . .
and sumor mi . . . etwa 30 Buchst. . . . me icoes min tin . . . etwa 33
Buchst. . . . d ic on stadfolj . . . etwa 28 Buchst. . . . um geong swa . . .
etwa 27 Buchst. . . . se iveana oft geond . . . etwa 20 Buchst. . . . [fjgeaf,
Ac ic uplong stod ]xcr ic . . . etwa 8 Buchst. . . . and mine bropor etc. —
Th. 496, 6.' Gr. LXXXV, 10 Nu (wie bei Grein).STh. 496, 17. Gr.
LXXXV, 16 Ac (nicht ac). Th. 497, 13. Gr. LXXXVI, 29 misare (sie!)
Th. 498, 11. Gr. LXXXVII, 11 wcelcrceßß] scheint im MS. gestanden
zu haben; für wcelcraftum wäre kein Platz. Zwischen Räthsel XXVIII
und XXIX bei Th. p. 498 und LXXXVII und LXXXVIII bei Grein
stehen im MS. folgende zum Theil unvollständige Zeilen eines andern
Räthsels :
Ic woes brunra beot. beam on holte, freolic feorhbora. and fohl an
wcestmjioym stapol. and, wifes sond. gold on geardum. nu eom gudwigon.
hyhtlic hildetümpen. hringe bete ... 27 Buchst, byred oprum ?
Buchst. Die nächsten Zeilen gehören dem folgenden Räthsel Th. XXIX;
Gr. LXXXVIII an und stehen im MS. so :
Frea mifnj . . 27 Buchst. ... de icillum sinü . . . 26 Buchst. . . .
heah and fhyhtj ... 20 Buchst. . . . [scejarpne hwilum, ... 22 Buchst . . .
[hwjilum sohte frea ... 17 Buchst. . . . as wod {da>grime frod deofpe
streamasf] hwilum stealc etc.
Th. 499, 19. Gr. LXXXVIII, 18 poette. Th. 499, 22. Gr. LXXXVIII,
19 wuda and iccetre xoomb[ef] befeedme. Th. 499, 25. Gr. LXXXVIII, 21
eo:es? Th. 499, 27. Gr. LXXXVIII, 22 Nu (wie bei Grein). Th. 499, 31.
Gr. LXXXVIII, 23 gehlepan : : : : r.ofwombe. Th. 499, 34. Gr. LXXXVIII,
26. Die nach stid hord im MS. befindliche Lücke hat folgende Form:
. . . etwa 27 Buchst. . . . n dcegcondel sunne . . . etwa 27 Buchst. . . .
eorc eagum wlited: :p ?, Buchst. — Ein anderes Räthsel folgt : Smfijp
. . . etwa 27 Buchst. . . . hyrre poü heo[f] . . . etwa 32 Buchst. . . . dre
pon sunne . . . etwa 29 Buchst. . . . style, smeare pon sealt ry . . . etwa
20 Buchst. . . . leofre pon jtis leoht eall leohtre pon ? Buchst. . . .
Mit der folgenden Zeile beginnt Räthsel XXX (Th.) LXXXIX (Grein),
wozu nichts zu bemerken.
KÖNIGSBERG i. Pr. 8. Jan. 1874. J. SCHIPPER.
\V. GEMOLL, BRUCHSTÜCKE EINER GEREIMTEN BIBELÜBERSETZUNG. 339
BRUCHSTÜCKE EINER GEREIMTEN BIBEL-
ÜBERSETZUNG.
Und in
Sa cli
Waz
I.
Jerusalem were
da er in sach
von er sprach
den der gesundet hau
getan
herre min
herre di liant
10 Und uf daz hus des vater min
daz wir din
der engel nicht der stat
Un do quam der propheta gad
Als got in hiez zu dawide gan
15 Einen alter hiez er in (I. sän)
Machen nach gotes geböte
Diz geschach. do wart von gote
Behaben di suche, daz nicht me
Geschehe in übel so als e
20 Der kunic davit waz worde alt
Von sinen tagen manicvalt
Kr wart nicht warm Bwi vil
der cleit
wurden da uf in geleit.
Zu der geschieht sprachen d<>
25 Gremeinlich sine knechte also
Wir suln in israhel vil gar
Dem kuiii-;'' seh suchen her
und dar
Eine schone iücwrowe di im
Diene und vure in
30 In denn- senoze slafe die
Des kuniges. in bub wenrie sie
.Man sachte ein sulche mait zu
• hat
Über alle israhelisch laut.
Nu wart in den stunden
35 Eine hiez abisag fanden
Di wart deme kunige bracht,
Abisag so in quam
Des kuniges si h . . . .
Si slief bi im in der geschieht
40 Wart er ir doch nicht
Wände si reine bi im. . .
Binnen des un sich e . . . .
Ein des kuniges sun was
Der hiez adoniass
45 Der erhub sich unde sprach
Ich wil kunic sin. dit geschach.
Daz begund er often sagen
Un machte im einen wagen
Idoch di selben geschieht
50 Strafte an im d' vater nicht
Er waz vil schone und zuvorn
Der andere nach absalon ge-
born.
Joab und abiathar
Mit adonia Avaren dar
55 Si halfen im
Aber der pfaffe sadoch
Und ouch bananias
Der ioiade sun was
Un nathan d' propheta
60 Waren nicht mit adonia
Un rei und siraei
< Gestunden im nicht bi
l'n alle davides starke man
Die wolden im nicht bistan.
<;."> Nu vugete sich daz zu opfer
I zu kamen adonias [waz
Als er bestetigen wolde sich
Des kuniges Bune gemeinlich
Seine brudere lud er da
70 Und di man von iuda
Des koniges knechte rief er hin
Gerufen bete er nicht zu im
36 Mit eint Zeile.
l'L'
340
W. GEMOLL
Bananiam unde nathan
Und davides starke man
75 Salonion d' bruder sin
Waz ouch da nicht gerufen in
Binnen des und dit geschach
Nathan zu hersabeen sprach
Di salomortis muter waz
80 Weisüt dit das adonias
Richte* der sun agit?
Und unser herre weiz nicht dit
Da von so gehöre mir
Und nim von mir den rat dir
85 Unde behalt dich da von
Un dinen sun salomon.
Ganc zu deme kunige hin
Da er ist. sprich wider in
Nu hastu herre mir diner maget
90 Swerende also gesaget
Daz salomon der sun din
Nach dir richtende solde si
Uii besetzen dinen tuon tron
Nach dime tode. und da von
95 Richsent adonias nu?
Di wile so daz sprichestu
So wil ich kumen i zu dir dort
Un volenden dine wort.
Do gienc hin in bersabee
100 Zu deme kunige als si e
Waz gelart. do sin phlac
Und im diente abisag.
Do bersabee qua da hin
Mit grose neig si gegen im
105 Waz wiltu sprach der kunic
zu ir?
Si sprach herre nu hastu mir
Diner dirne zu vorn
Bigote dem herre din gesworn
Daz din sun sol salomon
110 Nach dir bezze beseze dinen
tron
Alsus von dir gesprochen waz
Nu richsent adonias
opfer sin
Bocke und schafe und manic
var
115 Des kuniges sune er alle dar
Hat geladen abia|thar
Der phaffe ist mit | in dar
Joab hin ouch do bi ge . . .
Dinen sun er nicht ge . . . .
120 Salomonem unt enein
Di israhelen vil gemein
Nement alle wäre din
Mit vlize herre kunic min
Daz du machest in bekant
125 Den daz er werde in beuant
Der nach dir sule mit witze
Dinen tron besetzen.
Di wile si dit sprach alda
Do quam der propheta
130 Nathan in der selben stunt
Daz wart deme kunige kunt
Getan alsus. hi ist nathan
Man hiez in vor den kunic gan
Do er in quam vur in
135 Uii geneig untz an di erde im
Do sprach er kunic herre min
Sin daz gewesen di wort din
Adonias richten sal nach mir
Ist daz gesprochen von dir
140 Daz er besitze den tron din
Wanderhatbrachdaz opfer sin
Hute und ouch geladen dar
Des kuniges sune und abiathar
Den pfaffen. und ouch ioab
145 Si ezzen vrolich. und dar ab
Wirt dogeschrei alsus gegeben
Der kunic adonias muze leben
Mich dine knecht er nicht bat
enhat
Geladen an di selbe stat
150 Noch den pfaffen sadoch
Da hin ist nicht geladen ioch
II.
Daz din prophecien
War si. so saltu vrien
Von vorchte gar herze din
Also daz du di wort min
5 Nich wenest werden vollen-
bracht
Als ir mit rede ist gedacht
126 f. Uet mit witzen
herze diu.
besitzen.
141 l. bracht.
II, 3 l. gar daz
BRUCHSTÜCKE EINER GEREIMTEN BIBELÜBERSETZUNG.
341
Uf daz du nu di warheit
Bevindest als hi ist geseit
Hi nach mit dem volke sit
10 So saltu von dirre zit
Dem volke zu gemenget sin
Vfi swannesi mines swertes pin
Entphahen als du hast ver-
numen
So sal min räche ouch an dich
kuiTi
15 Zu den knechte er do sprach
Di er bi im da sten sach
l'n hiez si grifen an im
Uli zuhaut vuren hin
Zu einer stat di lac da na
20 Um waz genant bethulia
Di knechte ouch daz taten.
Do si in bracht haten
In di nehe bi di stat
Zuhantdi hüte ouch gel im trat
25 Di von der israhelen schar
Zu hüte waz geseztet dar.
Do si des wurden innen
Zu hant ouch si mit sinnen
Karten in den ztten
30 An des berges mitten
Achior si do bunde
An einen boum zu stunden
Namen ouch si di kere
Unde sumeten do nicht mere.
35 Nu quamen uz der stat hervor
Di israhelen zu achior
Si losten und vurten in
Zu bethulia mit in hin
Zu hant vurten si in dar
40 Under di gemeinen schar
In vrageten in der mere
W'a von daz kamen were
Daz er dorte zu stunden
Von ienen bleib gebunden.
45 In der selben dar zit da Waz
ein wurste hiez oziaa
l ml ouch ein ander mit im
I >■ r waz geheizen charim
I >en und der gemeinen schar
Sagete achior vi] gar
Wi dort holofernes
Gevraget hete un wes
Er im do antwurte gab.
Un wi di knechte sin dar ab
55 In wolden haben tot geslagen.
Do bi so begunde er sagen
Wi holofernes zorn var
In daruf hieze brengen dar
Den israhelen swan er
G0 Uberwunde si nach siner ger
Daz achior in deme sterben
Solde ouch alda vurterben
Darüber sagete er. ditgeschach
Wand ich alda vor im sprach
65 Daz got himiles got si
In helfe den israhelen bi.
Do her gesagete dise wort
Als si waren gesprochen dort
Secht wi daz volc gemeinlich da
70 Vielen uf di erden sa
Un betten iren got an.
Mit vlize wart gel deme getä
Alda von den gemeinen
Vil sufzen un weinen.
75 Eintrechteliehe daz volc tet
Alsus zu gote sin gebet
Mit clagenden geberden
Got des himels und der erde
Nu sich an ir hochmüedekeit
80 Und unser eilende unde leit
Un das wir han
Von dem kunige dem stolzen
man.
Gewer uns herre des wir
Biten daz du di getruwen dir
85 Nicht last bliben ander wegen
I 'ml daz du di di sieh erwegen
Und erheben sich von in
Findest Bwa di selben sin.
1 '.. Bus von den gemeinen
90 1 >az gebet und daz weinen
den tae aber al
Iniehsal
Zu achior sprachen si do
trösten bi also
17 /. an in
18 / kneehten
litt n
46 l. vurste.
342 W. GEMOLL, BRUCHSTÜCKE EINER GEREIMTEN BIBELÜBERSETZUNG.
95 Unserer vetere got des wort
Un tugent du hast gesprochen
dort
Der wirt dir daz volbrengen in
im
iener val
machen grozen schal
got
knechten ein
von ir spote
in zu eime gote
ozias
da was
ein abent
Di pfaffen und in ge . . . .
sante von
und azen nach
daz von
Gebaren aber
In der kirchen alda
an der
von der
got von ist
100
105
110
115
Des
Gegen der stat bethulia.
Der vuzgangere waren da
120 Zwenzic un hundert tusent
Derritenden waren an der stunt
Zwei und z(ehn) tusend ioch
Andere da hete er noch
gar
zu strite
Bethulia
do
Der
125 Secht
Gegen
In der
Zogeten si
Un quamen
130 Biz an
Daz gegen
Di israhelen der
Wurden alle vil
Si vielen gegen got nider
135 Gemeinlich und da wider
Si baten mit einhellekeit
Daz got di barmherzekeit
Bewiste uf s^n volc alda
Un namen ouch
140 Di wapene un hutten sich
Swa mochte
Da holofernes
Wanderte wider des
vant
145 sach er eine want
an der stete
in quam
Do hete am
so gelanc
anc
Ouch waren do noch
Ire von der
holn
verstoln
150
Die vorstehenden beiden Fragmente sind in einer Pergainenths.
enthalten, die sich im Besitz des Hrn. Pastors Obenaus im Ki-eise Pyritz
i. P. befindet und dem Verf. zur Einsicht und Benutzung freundlichst
überlassen war; ich habe hier eine möglichst treue Wiedergabe der-
selben geliefert. Die Schrift der Hs. ist sehr sorgfältig und zierlich,
die größeren Initialen beim Beginn eines neuen Absatzes wie Binnen
des und .... Der kunic Davit waz worde alt ... . sauber ausgeführt.
Das Pergamentdoppelblatt diente als Deckel eines lateinischen Com-
pendiums aller nur denkbaren Wissenschaften von der Metaphysik bis
zur Gartencultur herab und hat durch Staub und Schmutz außen sehr
gelitten. Die Schrift gehört dem 14. Jahrhundert an. Ersichtlich ist aber
die Handschrift eine nicht selten fehlerhafte Copie eines älteren Ori-
120 l. tusunt.
ALOIS KNÖPFLER, DIE STADT WIEN IM NIBELUNGENLIED. 343
gihals, das nach Reimen und Versbau zu urtheilen dem 13. Jahrh. an-
gehört. Die Sprache der Handschrift ist mitteldeutsch, und auch das
Original ist in Mitteldeutschland entstanden. Daraufweist die Dativ-
form' deine 1. 36, I. 131, die Keime ztuoorn (: geborn) I, 81, (: gesworn)
I, 307, dar (- da) : Abiatkar 1, 53, dit : (Agit) I, 81, enkät (: etat) 148,
,id (-- nähe) : Betkuliä II, 19, geberden : erden II, 78, das Wort trueb-
sal II, 92.
Die Behandlung des alttestamentlichen Stoffes schließt sich genau
dem biblischen Texte an, 1 hebt mit '2. Samuel 24, 17 an und geht
bis 1. Kon. 1, 26; II reicht von Judith 6, 4 — 7, 10. Viel treuer als die
Weltchroniken thun gibl diese Dichtung die betreffenden Stücke wieder,
daß man sie eher als eine gereimte Übersetzung der Bibel denn als
eine Weltchronik wird bezeichnen dürfen.
WOHLAU i. Schi. 10. April 1874. W. GEMOLL.
DIE STADT WIEN IM NIBELUNGENLIED.
Die Stadt Wien im Nibelungenlied war von jeher eine crux inter-
pretum. Für die Anhänger der Liedertheorie war die Sache zwar ziem-
lich einfach. Ist unser Nationalepos nichts anderes, als eine Zusammen-
stoppelung einer bestimmten Anzahl Lieder mit Zusätzen, Verbesserungen
u. s. w., so ist eben Strophe 1102 auch solch ein, später hinzugekommener
Anwuchs. Anders aber musste die Sache vom Standpunkt der Einheits-
theorie aus angesehen werden. Allein Herr Prof. Iloltzmann, der Be-
gründer derselben, gerieth mit unserer Kaiserstadt gleichfalls in große
Verlegenheit und sah sich genöthigt, hier zu Interpolationen seine Zu-
flucht zu nehmen. Solche Concession von Seite der Einheitstheorie,
snüber der Lachmannischen Schule, ist aber wohl nicht nothwendig.
Erstlich möchte hier gezeigt werden, daß Strophe 1102 keines-
wegs bo störend und sinnverwirrend ist, wie Lachmann zu erweisen
sucht*), zu welcher Erörterung auch Holtzmann seine Zustimmung
gegeben.**). Nur dar! biebei natürlich uicht von der Lesart in A aus-
tngen werden, welche, wie überall, so auch hier allerdings Wider-
sprüche zeigt. Str. 1092 verspricht Etzel Rüdegeren für ihn und sein
Gefolge „v<»n kleidern unl von roflsen" Boviel er wünsche, wenn er
*) Anmerkungen zu Str. 1102.
i uterouchungcn B. l -7.
344 ALOIS KNÖPFLER
für ihn die Brautwerbung unternehme. Rüdeger lehnt dieß jedoch ent-
schieden ab. „Mit min selbes guote wil ich din böte gerne wesen",
erwidert er 1093. Hiemit gibt sich Etzel denn auch zufrieden und
fragt, wann er die Fahrt antreten wolle 1094. Der Markgraf gibt hier-
auf zur Antwort, daß er nicht eher abreisen könne, als bis Waffen
und Gewand, Schilde und Sättel für sein ganzes Gefolge, das aus 500
Mann bestehen soll, bereitet seien 1095. Wer immer in fremden Landen
seine Schar sehen wird, soll gestehen, daß nie ein König solch statt-
liche Brautwerbung abgesendet 109G. Erst in 24 Tagen wird es daher
möglich sein die Fahrt anzutreten 1099. Unterdessen sendet Rüdeger
Boten zu Götelind nach Bechelaren und lässt ihr sagen, daß er für
seinen Herrn eine Brautwerbung unternehmen müsse, ohne jedoch die
Auserkorene schon zu nennen. In Wien lässt sich Rüdeger die Aus-
rüstung, deren er zur Fahrt bedarf, bereiten, da er ja Etzels Aner-
bieten abgelehnt. Nach 24 Tagen scheidet er aus Hunnenland, während
schon Gattin und Tochter zu Bechelaren seiner harren, und findet zu
Wien Waffen und Gewand für ihn und sein Gefolge nach Wunsch be-
reitet. Diese werden auf Saumthieren nach Bechelaren gebracht 1104.
Daselbst angekommen wird Rüdeger mit seinem Gefolge von der blü-
henden Tochter bewillkommt, worauf Herberge genommen wird. Des
Nachts fragt Götelind ihren Gemahl, wohin ihn der König auf die
Brautwerbung gesendet. Jetzt erst eröffnet er ihr, daß er Chriemhilde
freien müsse und verlangt zugleich, daß sie seine Recken auf die Reise
von ihrem Gute beschenke; „so hei de varent riche, so sint si vroelich
gemuot" 1111, 4. Götelind verspricht dieß und es werden nun feine
Seidenstoffe in Menge aus den Kammern getragen und die Recken
damit reichlich ausgestattet. Am siebenten Morgen sodann bricht
Rüdeger von Bechelaren gen Worms auf 1114. Warum Rüdeger „sehr
übel gethan hätte, sich fünf Tage zu Bechelaren aufzuhalten", wie
Lachmann meint*), ist nicht recht einzusehen. Hier in seiner Residenz
sollte die Ausrüstung vollendet und das Mangelnde vollends ergänzt
werden. Auch verstärkt er sein Gefolge noch durch die besten und zu
diesem Zuge tauglichsten Männer 1113, 4. Daß überhaupt Rüdeger so
große Eile**) gehabt auf seiner Reise, ist nirgends auch nur leise an-
■utet. So wird also durch Strophe 1102 nicht die geringste Ver-
wirrung verursacht, vielmehr erscheint die Erwähnung einer Stadt, in
iiüdegcr sich seine Ausrüstung bereiten ließ, als ganz natürlich,
*) A. a. O. S. 145.
**) A. a. O. S. 146.
DIE STAUT WIEN IM NIBELUNGENLIED. 345
ja geradezu nothwendig. Wie es nun kam, daß Wien als diese Stadt
genannt wird und daß Wien sogar schon „am Ende des 10. Jahrhun-
derts als eine reiche Handelsstadt geschildert werden konnte*), das
möchte in Folgendem gezeigt werden.
Wir wissen daß der hl. Severin um die Mitte des 5. Jahrhunderts
in der Donaugegend zwischen Passau und Wien als Missionär thätig
war. Hier hatte er mehrere Klöster errichtet, das Hauptkloster aber
befand sich iD der Nähe der großen römischen Donaustadt Favianae,
wo er auch 482 starb'*). Das Ansehen dieses Mönchs in jenen Gegenden
war ein wunderbares. Heiden und Christen, Römer und Barbaren hörten
auf seine warnende Stimme und schreckten vor seinen Drohungen zu-
rück. Vielen Gefangenen erbat er die Freiheit zurück, heilte Kranke»
ja in allen Nöthen hoffte man von Severin Hilfe***). Zu wiederholten-
malen verhalf er auch der dortigen Bevölkerung zu glänzendem Sieg
über die andringenden Feinde. Nur seinem Einfluß war es zu ver-
danken, daß sich die römische Besatzung noch halten konnte und
schon wenige Jahre nach seinem Tode musste die ganze Bevölkerung
von Odoaker abgerufen werden. Sämmtliche Römerstädte wurden dar-
auf von den einstürmenden Feinden erobert, geplündert, zerstört und
verschwanden für immer vom Erdboden. Jenem Rufe Odoakers folgten
auch die Mönche und Schüler des hl. Severin und zogen nach Italien,
den Leichnam ihres Meisters mit sich führend. In Neapel fanden sie
ein Asyl in einem Kloster. Lucullanum, dessen Abt Eugippius verfasste
auf die Aufforderung eines Laien eine Lebensbeschreibung seines
Meisters. Er sandte diese sodann an den Diacon Paschalius zu dem
Zweck, sie in ein wissenschaftlicheres Gewand zu kleiden. Paschalius
ließ sie jedoch ohne alle Änderung, und so wurde sie in ihrer ur-
sprünglichen Fassung verbreitet. Zunächst fand sie eine größere Ver-
breitung nur in Italien, namentlich in < >beritalien. Im achten .Jahrhundert
benutzt sie bereits Paulus Diakonus. Im 9. Jahrhundert gelangte sie
' 1 1'. ltzin.ii. ii a. a. <>. S. 127 sagt nämlich: „Der Piehter nennt nur Bolche
Orte, die zum Bisthum Pilgrima gehörten and die schon zur Zi-it Pilgrims genannt
werden. Nur Wien konnte nicht wohl von Konrad am Ende des 10. Jahrhunderts wie
•r geschieht, als ein" reiche Handelsstadt geschildert werden. Es ist al>er Bchon
Ingsl bemerkt worden, daß die Nennung Wiens in den Nibelungen schwerlich vom
ursprünglichen Dichter, Bondern wahrscheinlich von dem Erneuerer um 1200 herrührt".
**) Cfr. Bolland I 483 Nam in Norico i | » -• < ^ Bive Auslria mortuus est (sc. Seve-
rinusj non Astmi Ben potiue Astai juxtn Favianas Bive Viennani.
***; Cfr. Bolland I 486 Bodem tempore civitatem nomine Favianis saeva fames
oppreperat, hujus habitatores unicum aibi remedium affore, si ex < >i>pi <!• > Bupradicto
("maginib homiiiem dei religiosis preeibufi invitarent
346 E. WILKEN
auch auf den Schauplatz von Severins ehemaliger Thätigkeit. Im Jahre
903 erwarb die Passauer Kirche eine Handschrift dieser Lebensbe-
schreibung von dem Chorbischof Madalwin*).
Diese Handschrift erregte in jenen Gegenden großes Aufsehen
wegen der in ihr vorkommenden Erwähnung einer großen alten Römer-
stadt Favianae, von der man nirgends eine Spur entdecken konnte.
Da jedoch bei Wien alte Römersteine aufgegraben wurden, zweifelte
man nicht, Favianae gefunden zu haben ; eine Ansicht, welche sich bis
in die neuesten Zeiten erhalten hat und sich bei allen Schriftstellern
wiederfindet**). Galt nun Anfangs des 10. Jahrhunderts bis herauf in
unsere Tage Wien allgemein für die große alte römische Donaustadt
Favianae, sollte es wohl etwas auffallendes haben, wenn in der Grund-
lage unsers Liedes, die Ende des 10. Jahrhunderts aufgezeichnet wurde,
Wien an Stelle des alten Favianae als große Handelsstadt erscheint?
Damit wäre dann auch zugleich der Anachronismus beseitigt, wenn
Etzel in Wien seine Hochzeit feiert und sein Vasall Rüdeger von dort
seine Ausrüstung holt. Stand Wien aber einmal in der ersten Auf-
zeichnung der Grundlage unseres Liedes, so wird es wohl auch von
dem eigentlichen Dichter beibehalten worden sein, zumal da ja auch
zu seiner Zeit die Ansicht noch Geltung hatte, Wien sei das alte Fa-
vianae. So dürfte also die Nennung Wiens im Nibelungenlied wohl vom
ursprünglichen Dichter herrühren. KNÖFFLER.
MHD. IENER, NIENER, NIUWÄN, NIUWENE
UND NIENE.
Ein in meinen Besitz gelangtes, von G. F. Benecke beschriebenes
Blättchen enthält u. A. eine Vergleichimg von mhd. wiener mit engl.
never, indem Ben. aus Diut. III, 43 die Wendung: „?z ne sl wiener so
tief" und eine, ähnliche mit nnie söu zusammenstellt mit den englischen
Wendungen: „so deep as ever, (oder) as neveru. Grimm, der die Rück-
seite des Blättchens benutzt hat, weist eine Vergleichung von niener
mit engl, never zurück und fährt fort: „Ich weiß über niener und neuer
*) Mon. Boic. XXVIII, 2, 201.
**) Cfr. oben Bolland I 483justa Favianas sivo Viennam u. Wattenbach Deutsch-
lands Gesehiehtsqucllen 8. 34.
MHD. IENER, NIENER, NIUWAN, NIUWENE UND NIENE, 347
noch nichts Anderes als das (Gramm.) III, 221 und 225 Gesagte, ob-
gleich damit das Käthsel noch nicht gelöst ist". — Man ersieht hieraus,
daß Grimm an der landläufig gewordenen Erklärung von niener als
nw-in-eru denn doch selbst gezweifelt hat. Dagegen scheint zu sprechen
einmal das seltene Vorkommen von era*) schon im Alth., ferner die
etymologische Beziehung dieses Wortes auf das Ackerland, die Erdflur,
sowie der Umstand, daß iener, niener im Alth. und Mhd. häufig
genug auch nicht local **) gebraucht werden. Letztere beiden Einwürfe
ließen sich allenfalls durch Annahme einer allmählichen Übertragung
erklären.
Nicht zu übersehen ist aber, daß, wie schon Graff besonders her-
vorhob, im ahd. Boethius und auch sonst das Wort ioner, resp. nvoner
geschrieben ist, und außerdem sind die Nebenformen ionar (bei Graff,
a. a. O.), ienar und iena (d. h. ienä?) bei Lexer doch auch zu be-
achten. Darnach versuchte Graff, dem auch die ursprünglich locale
Bedeutung zweifelhaft schien, ioner als io in er, entsprechend ags. eon-
nUre = eo in nitre zu erklären. Aber ein ahd. Subst. er = ags. aldor,
ealdor Aveist uns weder Graff noch wohl sonst jemand nach ; es scheint
also, wenn man Grimms Erklärung verlässt, kaum etwas anderes übrig
zu bleiben, als iener = io in järe, niener = nio in järe zu erklären,
wodurch also zunächst die in io, nio liegende temporale Bestimmung
nur genauer speciriciert und insofern verstärkt würde. Eine solche
Formel ie in järe könnte sogar allitterierend aufgefasst sein, da das
Altnordische, ohne sonst anlautendes j zu verschmähen, bekanntlich
är = ahd. jär, got. jer bietet. — Wie also bisher schon hiwre, liinru =
häi Jim erklärt ist, so könnte ioner, iener (der Nebenformen iender,
indert u. A. zu geschweigen) zunächst aus ionär, u ner — welche Formen
bezeugt sind — und dann aus io in järe (oderjwi järu) zwar nicht mit
Sicherheit, aber ohne allzuviel Kühnheit erklärt werden. Aus der
temporalen wftrde zunächst die modale, und aus dieser unter Umständen
auch die locale Bedeutung sieh ergeben. Der Umstand, daß die eigent-
lich localen Adverbien iergen, niergen (um die mhd. Formen zu setzen»
auf hochd. Gebiet sich ersl Bpäl ganz einzubürgern vermochten, konnten
\ eranlassung Bein, in jenen früheren Zeiten die eigentlich temporalen
•) Gewöhnlich > m angesetzt, doch vgl. Ztschr. für d. Phil. ZV, 814.
**> Vgl. Grafl [,618 (niener anaj, das Wb. zum [wein s. v. niender, mhd. Wb.
I 746, 'i, b, Lexer s. w. iener u. niener, Ben. zu [w. 6188 u. W. — An manchen
Stellen ist es tibrigens zweifelhaft , ob locale oder )>l"ii modale Bedeutung vorliegt,
und letztere könnte sieb ebenso gul auch aus einei • (wickelt haben
zumal nio, nie selbst ja ursprünglich temporal
348 E- WILKEN, MHD. IEXER ,NIENER, NIUWAN, NIUWENE UND NIENE.
Adverbien i&iier, niener häufiger in modalem und localem Sinne zu
verwenden, da man für eigentliche Zeitbestimmung ie und nie, iemer
und niemer zu gebrauchen pflegte.
Neben dem gewöhnlichen, vielleicht aus niht wan, vielleicht anders
zu erklärenden niuwan (vergl. Lachm. zu Nib. 2081, 2; mhd. Wb. III, 489)
gab es in der alten Sprache eine andere temporale Partikel niuwene
(mhd. Wb. III 492"), die im Ahd. in nie hwanne = nunquam, iu hicanne
aliquando, olim und ähnlichen Bildungen auftritt (s. G raff IV, 1204).
Wenn Lachmann zu Iw. 2148 dieß niuwene = niene setzt, so hat er
zunächst wohl mehr die Bedeutung im Auge, aber es kann recht wohl
niene in allen den Fällen, wo es nicht etwa aus nie-\-ne entstanden ist, aus
jenem älteren niuwene entstanden sein, wogegen auch die Schreibung
nihne, die Benecke im Glossar zum Iw. S. 295 in der Weise anführt,
als ob sie für die Etymologie niene = niht ne spräche , nicht ent-
scheidet. Denn nihne mag aus ni-hwene, und ebenso nihwan (= niuwan
Diut. III, 460 nach Ben.) aus ni-hwan entstanden sein. Niuwan könnte
darnach einfach als ni-hwan seil, wärt aufgefasst werden, und würde
dem ins Nhd. „nur" übergegangenen ni wdri ganz nahe stehen, woran
auch der stets umsichtige E. Gr. Graff (I, 857 oben) schon gedacht zu
haben scheint. — Nehmen wir also nicht etymologische Scheidung,
sondern nur praktische Unterscheidung von niuwene = niene, niuwan =
engl, but (in vielen Fällen) an*), und fassen das ausschließende wan
als eine wenn nicht Apocope aus niuwan, doch als eine elliptische
Redeweise auf, welche die Negation unausgedrückt lässt, so werden
wir auch die Möglichkeit, daß beide Bildungen sich gelegentlich etwas
verwirrt haben, nicht bestreiten. Im Gregor v. 338 ist niwan sehr
passend dem alten niuwene gleichzusetzen: „daß war nun (in der Tiefe
des Schmerzes) ihre beste Freude, daß sie nicht aufhörte zu weinen,
daß sie aus vollem Herzen weinen konnte". So findet im ersten Gudrun-
lied der Edda die Unglückliche erst beim Anblick der Leiche Sigurds
Thränen und damit menschliches Gefühl wieder, und an Goethes Wort
im Faust: „Die Thräne quillt, die Erde hat mich wieder" brauche ich
wohl kaum zu erinnern. E. WILKEN.
*) Womit icli die mögliche Richtigkeit der Etymologie niene = niht ne, niu-
wan = niht >ran für einige Fälle nicht will geläugnet haben.
IG. ZINGERLE, NÖNE. - KÖHLER u. ZINGERLE, NACHTRÄGE. 349
NÖNE.
Fr. Pfeiffer machte zu den Waltherschen Versen:
s'ist vor und nach der none
vil fül und ist der wibel vol
die Anmerkung: „none der Himmelfahrtstag, so genannt von der neunten
Stunde (drei Uhr Nachmittags), in welcher Christus gen Himmel ge-
fahren sein soll, daher auch heute noch diese Stunde durch eine feier-
liche Messe besungen wird." Abgesehen davon, daß Nachmittags nie
eine Messe gelesen wird, scheint mir die Bemerkung nicht ganz treffend.
Der Himmelfahrtstag heißt wohl deßhalb None, weil die None an
diesem Feste um drei Uhr Nachmittags feierlichst gesungen und auch
mit der Darstellung der Himmelfahrt Christi begleitet wurde, wie letz-
teres noch in vielen Dorfkirchen Tirols und anderwärts geschieht. Vgl.
Leoprechting aus dem Lechrain 178, Birlinger, Volkstümliches aus
Schwaben I, 93, Wolf, Zeitschrift für d. Myth. II, 102, Tirol. Sitten
S. 155, 156. Eine Beschreibung der None an diesem Feste gibt eine
Kirchenordnung zu Meran vom Jahre 1559, die Cölestin Stampfer in
seiner Chronik von Meran (Innsbruck 1867) S. 220 und ich in den
Sitten des Tiroler Volkes II. Aufl. S. 156 mittheilte.
IG. ZINGERLE.
NACHTRÄGE ZU LEMCKES JAHRBUCH VI, 350.
1. Von der bekannten Philippine Welser (f 1580), der Gemahlin
des Erzherzogs Ferdinand, heißt es im Zedler'schen Universal-Lexicon,
Bd. LIV (Leipzig und Balle 1747. Sp. L618:
'sie hatte ein»; bo zarte Kehle, daß man ihr den rothen Wein Bähe
hinunter laufen, wenn sie trank.
2. In Wirtemberg wurde, wie einem altern Freunde von mir Beine
ßmutter erzähll hat, von der ersten Gemahlin des Herzogs Karl,
Elisabeth Friederike Sophia von Brandenburg Baireuth vermähll im
J. 1748 sie habe einen bo weißen and zarten Hals gehabt,
daß man den Burgunder, wenn Bie trank, habe durchscheinen sehen.
3. In eiiirin Gedichte 'The Lied'- Marie9 des schottischen Dichters
Allan Cunningham _!.. 1784 1842) lautet eine Strophe:
350 F. LATENDORF, ZU LAUREMBERGS SCHERZGEDICHTEN.
Fu' white, white was her taper neck,
Twist wi' the satin twine,
But ruddie, ruddie grew her hawse,
While she supp'd the blude-red wine.
4. In einem kirgisischen Gesang bei W. Radioff, Proben der Volks-
Jitteratur der türkischen Stämme Süd-Sibiriens III, 226, heißt es bei
der Beschreibung einer Schönen :
Durch ihre Kehle ist die genossene Speise zu sehen.
5. Wie sie (die Zarin Helene) schön ist! Man sieht bei ihr, wie
das Mark aus einem Knochen in den andern fließt.
Anton Dietrich, Russische Volksmärchen, S. 35.
6. Durch das Fleisch hindurch waren die Knochen sichtbar; durch
die Knochen hindurch war das Mark sichtbar. Das Innere der Wohnung;
wurde erleuchtet von ihrer Schönheit.
Altaisches Märchen bei Radioff a. a. O. I, 11.
R. KÖHLER.
Allgemein erzählt das Tiroler Volk, daß Philippine Welser so
schön und zart gewesen sei, daß man den rothen Wein durch ihren
Hals fließen sah, wenn sie solchen trank. G. Seidl singt von ihr:
„Hatf einen Hals wie Schnee so rein,
Man sah's, wenn durch die Adern
Ihm floß der rothe Wein"
Tirol. (Innsbruck 1852) S. 117.
Dieser Zug kommt auch in einem Odenwälder Märchen vor. Das
Märchen: „Die getreue Frau", beginnt: „Ein König hatte eine Tochter,
die war überaus schön und klar und hatte eine gar feine und zarte
Haut; wenn sie rothen Wein trank, konnte man sehen, wie er ihr durch
den Hals herunter lief". J. W. Wolf, Deutsche Hausmärchen S. 98.
In der Krone 20b liest man:
„Camille mit der wizen kein,
diu daz niht moht vernein,
wan sach den wm durch die kel."
Conrad von Würzburg sagt:
„ir kel unmäzen liehtgevar
gäp so lüterlichen schin,
daz man da durch den klären wm
sach liuhten, swenne si getranc."
Partenopier 8692.
IG. ZINGERLE.
E. KÖLBING, ZU GUDRUNARKVIDHA II. $5J
ZU LAUREMBERGS SCHERZGEDICHTEN.
IV. 5G9. 70. se (sc. die hochd. Sprache) is so lappisch und so ver-
brüdisch,
das men schier nicht weet, of it welsch is edder düdisch.
Lappenberg im Glossar: verbrüdisch adj. verdorben, verhudelt.
Dagegen ist zu erinnern, daß die Formation auf isch active Kraft hat,
das Verb, brüden — necken, täuschen; also verbrüdisch einfach = neckisch,
irreführend. Dazu stimmt auch der Gedanke des Consecutivsatzes.
II 481 wer it man so de schick,
und einer men begünd to parfumeren sik
mit fruwenbehoin, mit junfernbdellion ,
man würde finden genoech, de it na würden dohn.
Lappenb. in den Anm. jungfernbdellion, ein wohlriechendes Harz,
welches an Gestalt und Geruch der Myrthe ähnlich ist. — Eis ist
möglich, daß eine besondere Art ßdiXXiov mit dem Beiwort jungfernbd.
als das Non plus ultra von Wohlgeruch bezeichnet werden kann, ich
bezweifle es, da ich wohl von Jungfernhonig, noch nie von Jungfern-
harz gehört habe; aber sicher ist es auffallend, daß L. mit keiner Silbe
auf den argen Doppelsinn hindeutet. Lauremberg meint einfach: Wie
mau die Excremente eines Thieres, den Bisam ohne Ekel als Schön-
heitsmittel verwende, so könnten auch — salva venia — menschliche
Excremente als Parfümerien dienen. Der schlagendste Beweis für die
Richtigkeit dieser Erklärung liegt in dem danebenstehenden fruwen-
oin, sodann in v. 458 was der schönen fruw im hembde blift be-
kleven und v. 491 holla, holla, nu springt de feder alto wit ff. Behoin
fehlt bei Schiller- Lübben. — Laur. ist eben bei allem Humor und
histor. Werthe doch ohne griechische Grazie; er gibt keine reine Be-
friedigung
SCHWERIN, 8. Aug. 1871. F. LATENDORF.
ZU GUDRUNARKVIDHA IT.
Sammtliche Herausgeber der Edda, auch Ettmüller (Beiträge zur
Kritik der Eddalieder, Germ. XIX, S. 9) behalten Gudr. II v. V (Bu
die Lesart der Handschriften bei: Qrani rann ai /"'».'/'" Nur .1. Zupitza
352 LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED.
(Ztschr. f. d. Phil. IV S. 448) machte mit Recht darauf aufmerksam,
daß dieselbe keinen befriedigenden Sinn gibt. „Das natürlichste ist
doch anzunehmen, daß das Pferd, nachdem sein Herr ermordet, und
da sein Sattel leer und es sich selbst überlassen ist, nach Hause läuft.
Ich vermuthe daher, daß für at pingi zu lesen sei at gardi oder etwas
synonymes".
Vielleicht lässt sich noch einfacher bessern. In der Prosa zu
„Brot af Sigurdarkvidu" (Bugge S. 241) heißt es: . ... ok svd segir i
Gudrünarkvidu inni fornu, at Sigurctr ok Gjüka synir hefdi til pings
ridit, pd er hann var drepinn. Hier muß doch offenbar von einem wirk-
lichen ping, einer Gerichtsversammlung die Rede sein, nicht von der
Zusammenkunft der Jäger nach Vollendung der Jagd. Und selbst wenn
das letztere gemeint wäre, so würde der von Zupitza verlangte Sinn
gewonnen, wenn wir an unserer Stelle für at pingi lesen: af pingi.
Daß Grani nach Hause läuft, versteht sich von selbst.
BRESLAU, Juli 1874. E. KÖLBING.
LITTERATUR.
Dr. Hermann Fischer, die Forschungen über das Nibelungenlied seit Karl
Lachmann. Eine gekrönte Preisschrift. Leipzig 1874. F. C. W. Vogel.
IV, 272 S. 8.
Dr. Karl Vollmöller, Kürenberg und die Nibelungen. Eine gekrönte Preisschrift.
Nebst einem Anhang: Der von Kürnberc. Herausgegeben von Karl Sim-
rock. Stuttgart, Meyer und Zeller. 1874. 48 S. 8.
Beide Schriften verdanken ihre Entstehung der im J. 1871 von der
Tübinger philosophischen Facultät gestellten Preisaufgabe: „Die neuesten Theo-
rien über Entstehung und Verfasser des Nibelungenliedes sollen dargestellt
und kritisch beleuchtet werden": gewiß eine zeitgemäße Aufgabe, wenn man
erwägt wie immer schwieriger es für denjenigen wird, der nicht mitten in den
Nibelungenstudien steht, sich in der Litteratur zurecht zu finden. Von beiden
Schriften behandelt nur die von Fischer die Aufgabe in ihrem ganzen Umfange,
während die zweite nur einen einzelnen Punkt, nämlich die Autorschaft de«
Kürenbergers, bespricht. Fischers Buch zerfällt in zwei Theile, deren erster
die Entstehung des NL., der zweite die Frage nach dem Verfasser zum Gegen-
stande hat. Jener beginnt mit der Handschriftenfrage, mit einer Darlegung der
vorhandenen Theorien, ruhig referierend, zum Theil mit den Worten der be-
treffenden Autoren , mit unter den Text gesetzten Anmerkungen. So werden
die Ansichten von Lachmann, Holtzmann, Zarncke u. s. w. bis auf die von mir
aufgestellte durchgegangen und dann kritisch beleuchtet. Fischers Resultate
LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED. 353
stimmen mit den meinigen überein, nur darin weicht er von mir ab, daß er
das gemeinsame Original der beiden uns erhaltenen Textgestalten in die Zeit
um 1170 setzt, während ich es schon um 1140 verfasst und um 1170 zum
ersten Male umgearbeitet glaube. Meine Annahme einer zweifachen Umarbeitungs-
stufe, der einen um 1170, der andern um 1190 — 1200, stützte sich darauf,
daß die freiesten der in den Nibeluugentcxten stehen gebliebenen Assonanzen
sich nicht später als um die Mitte des 12. Jahrhs. nachweisen lassen. Aber
auch wenn sie, was ich nicht glaube, in späterer Zeit noch vorkämen, so würde
neben ihnen immer auffallend bleiben die überwiegend große Zahl von Reimen,
die in beiden Bearbeitungen (B und C) stimmen, mithin der gemeinsamen Vor-
lage angehören. Ein Dichter, der sich Reime wie Hagene : menege und ähnliche
erlaubte, wird überhaupt kein für Reimgenauigkeit sehr empfängliches Ohr be-
sessen, mithin überwiegend noch in Assonanzen gedichtet haben. Etwas anderes
ist es dagegen, wenn ein im Übrigen schon strenger reimender Bearbeiter
manches stehen ließ, was erst die Bearbeiter au der Scheide des 12/13. Jhs.,
und selbst diese nicht consccpient, entfernten. Auch kann ich nicht leugnen,
daß ich in manchen Partien des NL. eine Stütze meiner Annahme einer Mittel-
stufe finde. Die Strophen des Eingangs 6 — 12, die durch ihren nichtssagenden
Inhalt Anstoß erregen und mir des Dichters nicht würdig scheinen, betrachte
ich als Interpolation des ersten Umarbeiters, und finde eine Bestätigung darin,
daß hier, was sonst kaum vorkommt, in sieben Strophen nacheinander achte
Halbzeilen mit ausgefüllten Senkungen begegnen. Ich kann mir nicht denken,
daß derselbe Dichter, den ja auch Fischer als den Dichter der NL. in seiner
ursprünglichen Gestalt ansieht, die schönen seinen Namen tragenden lyrischen
Strophen und daneben, wie man doch annehmen müsste, in seinen besten
Mannesjahren in seinem großen epischen Gedichte so gehaltlose Strophen ver-
fasst haben sollte. Also nicht die Assonanzen allein, sondern mehr noch die
innere Beschaffenheit des Liedes, wie es den beiden uns erhaltenen Bearbeitungen
vorlag, veranlasst mich auch jetzt meine frühere Ansicht zu vertheidigen. —
Der zweite Abschnitt des ersten Theiles beschäftigt sich mit der Nibelungen-
sage; es werden hier die historischen und mythischen Deutungen in gleicher
Weise erst dargelegt, dann kritisch beurtheilt. Ein dritter Abschnitt behandelt
die historischen Verhältnisse und Vorläufer des NL., und hier am ausführlichsten
die Klage und die in ihr enthaltene Nachricht von einer Aufzeichnung der
Nibelungensage im 10. Jahrb. Die Glaubwürdigkeit dieser Nachricht zieht F.
mit Recht nicht in Frage? daß es eine lateinische Aufzeichnung war, ist un-
zweifelhaft, weniger sicher, ob eine poetische, aber immer wahrscheinlicher als
eine in Prosa. Im /.weiten Theile der Schrift, welcher die Frage nach dem
Verfasser erörtert, gelangt F., nachdem er die Bedenken gegen (He Liedertheorie
und deren Durchführung besprochen, zu der zuerst von Pfeiffer aufgestellten
und dann von mir weiter geführten Ansicht, daß das Nibelungenlied in seiner
ursprünglichen Gestalt vom Kürenberger verfasst sei. und tritt dieser Ansicht
l"i, nur daß er die AI NL. nicht um 11 10 — 1150) Sündern etwa
-" 30 Jahre pätei etzt. Da Buch wird bei seiner Leidenschaftslosen Haltung
nicht M einen günstigen Eindruck zu machen und wird gewiß Vielen
d Führer in dem Labyrinthe streitender Meinungen willkommen sein.
::■■. VII. (MX. Jahrg ) 23
354 LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED.
Zu wesentlich anderen Resultaten gelangt in der einen Frage, die seine
Schrift allein behandelt, Vollmöller*). Nach ihm entbehrt die von Pfeiffer
aufgestellte Ansicht der Begründung und sein Büchlein ist ein Versuch dieselbe
zu entkräften und zu widerlegen. Allein wenn er Pfeiffer gegenüber auf die
Frage, ob das NL. in der Gestalt, wie wir es besitzen, Umarbeitung eines
älteren Gedichtes sei, nicht einzugehen brauchte, so lag die Sache ganz anders
gegenüber meinen Untersuchungen. Denn in diesen ist die ganze Kürenberg-
hypothese basiert auf die Ansicht einer älteren Textgestaltung und empfängt
aus ihr hauptsächlich ihre Begründung. Vollmöller ist also im Unrecht, wenn
er S. 43 sich der Notwendigkeit, auf die Frage der Umarbeitung einzugehen,
überhoben glaubt; denn auch wenn das Eigenthumsrecht an einer Strophe für
das 12. Jahrh. nicht erwiesen werden kann, so werden damit die aus meiner
Ansicht sich ergebenden Wahrscheinlichkeitsgründe keineswegs hinfällig. Ein
lyrischer Dichter aus Osterreich, ein epischer, der in denselben Gegenden die
genaueste Ortskenntniss zeigt; beide aus derselben Zeit (denn daß die Original-
gestalt des NL. nicht der Zeit des Kürenbergers angehört, musste V. durch
Widerlegung meiner Untersuchungen beweisen) ; beide in derselben Strophenform
dichtend; beide im metrischen Gebrauche der Strophe durchaus stimmend; beide
vielfach in eigenthümlichen Ausdrücken sich berührend — gewiß, das sind keine
mathematischen Beweise (und wie viele solche haben wir überhaupt in unserer
altd. Litteratur !), aber von einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit darf da
doch wohl gesprochen werden. Der Widerlegung des letzten Punktes hat V. die
Hälfte seiner Schrift gewidmet, und er hat mit großem Fleiße Belege gesammelt,
um zu zeigen, daß die Übereinstimmung in Ausdrücken sich ebenso bei andern
Schriftstellern findet. Allein er hätte scheiden sollen zwischen dem, was in
diesen Übereinstimmungen an sich gar nicht beweisende Kraft hat, sondern
dieselbe erst empfängt durch das, was wirklich eigenthümlich ist. Jene Kategorie
durch Häufung von Beispielen aus anderen Gedichten zu widerlegen war ganz
überflüssig. Es kann sich also nur darum handeln, ob die Belege der zweiten
Art durch V's Sammlerfleiß entkräftet sind. Dieser Art sind Kürenb. 8, 21
so erblüejet sich min varwe = Nib. 239, 4 do erblüete ir liehtiu varive. V. hat
eine Parallelstelle aus Wolframs Titurel (109, 4 B) beigebracht: Sigünen glänz
sol dine varwe erbliien, also gerade aus Wolfram, der erwiesenermaßen das NL.
in dem Texte C gekannt hat. Denn die Stelle aus dem Passional liegt ferner
ab, nicht darum handelt es sich das Verbum erblüejen sonst noch nachzuweisen,
sondern die bestimmte Verbindung desselben , die an jenen 2 (3) Stellen er-
scheint. Die zweite Hauptstelle ist Kürenb. 8, 31 und NL. 1723, der Gebrauch
von gellch. Vergleicht man die von V. beigebrachten Stellen, so ist ein wesent-
licher Unterschied der, daß an jenen beiden gellch bedeutet dieselbe Gestalt
habend', an den andern mag die Grimmsche Übersetzung nach etwas aussehend
passen. Es soll keineswegs gesagt sein, daß Volkers Fiedelbogen wie ein Schwert
aussah, sondern wirklich ein Schwei't war, und beim Kürenb. daß das, was sie
im Herzen trägt, wie ein Mensch aussieht, sondern ein Mensch ist. Und so mag
man sich drehen und wenden wie man will, die genaue Übereinstimmung in
charakteristischen Ausdrücken ist vorhanden. Und auch in an sich nicht charak-
*) Fischer hat im Anhange seines Buches sich mit Widerlegung der Vollmöllerschen
Schrift beschäftigt.
LITTERATUR: FORSCIUWCJF.X llWAl DAS NIBELUNGENLIED. 355
teristischen. V. nennt es einen Zufall, daß der Ausdruck trürigen muot gewinnen
nur im NL. und beim Kürenb. vorkommt; aber ist der Zufall nicht merk-
würdig? Und so oft versüenen mit Object einer Person oder Sache erscheint,
so doch nirgend in der Verbindung vil ivol versüenen, die im NL. und beim
Kürenb. erscheint. Auch das ist ein Zufall, ja, aber derselbe, wie wenn sonst
geläufige Ausdrücke bei einem Autor sich linden, bei einem andern nicht. Die
Wendung daz (isen-)gewant bringen (S. 33) ist gewiß eine nichts beweisende;
aber wieder ein merkwürdiger Zufall ist es, daß die imperat. Wendung nu
brinc mir eben nur an zwei Stellen des NL. und einer des Kürenb., und zwar
an allen drei Stellen am Anfang der Langzeile zu belegen ist. Nun bedenke
man auch, daß V., um die Parallelen zu entkräften, einen ziemlichen Theil der
mini. Poesie und die Wörterbücher ausgezogen hat; man vergleiche aber ein-
mal nur zwei Dichtungen, wovon die eine von so geringem Umfange wie die
Kürenbergstrophen, und man wird linden, daß nicht nur die Zahl der Parallelen
verhältnissmäßig viel kleiner ist, sondern daß namentlich die charakteristischen,
sonst nicht belegten Wendungen sich nicht leicht in je zwei Dichtungen so
wiederfinden werden. Man muß nur freilich nicht, wie V. S. 36 thut, die Kudrun
heranziehen, weil diese entschieden das NL. nachgeahmt hat, wie, sich an einer
Menge von Stellen mit Sicherheit zeigen lässt. Es ist durchaus eine willkürliche
Behauptung, daß nur in den Zusätzen die Nachahmung vorkomme; erst beweise
man mit objeetiven Gründen, was Zusätze sind.
Ich lege, wie gesagt, auf das von Pfeiffer behauptete Eigentumsrecht
an der Strophenform kein Gewicht, kann aber doch nicht umhin zu bemerken,
daß der von V. S. 10 versuchte Beweis der Entlehnung im 12. Jahrh. wohl
nur dem Verf. so leicht zu führen scheint. Die von ihm angeführten Beispiele,
die die Entlehnung darthun sollen, hat bereits Fischer in dem Anhange S. 258 ff.
besprochen und die Nichtigkeit der darauf gestützten Behauptung dargethan.
Auf epischem Gebiete werden Alphart und Ortnit entgegengehalten. Die Ab-
fassungszeit des Alphart, den wir nur in einer Umarbeitung des 15. Jahrhs.
besitzen, wird sich schwer feststellen lassen. Die darin vorkommenden Asso-
nanzen sind, wie schon Pfeiffer bemerkt hat, der Art, daß sie keineswegs eine
Allfassung im 12. Jahrh. beweisen, und nur der eine Reim liep : niet ließe sich
geltend machen. Denn die vereinzelt vorkommenden klingenden Ausgänge der
ersten und zweiten Zeile der Strophen begegnen, wie ich in meinen Unter-
suchungen gezeigt, auch noch später. Ein Beweis ist also aus dem Alphai t
weder für noch gegen die Autorschaft des Kürenb. zu gewinnen; die beiden
von mir hervorgehobenen übereinstimmenden Stellen einerseits zwischen NL.
und Alphart (wo die Übereinstimmung sich auf eine ganze Langzeile erstreckt),
andererseits zwischen Alphurt und Kürenb. (wo sie eine Hall) teile, mit eigen-
tümlicher Betonung, umfasst) sind merkwürdig genug und können nicht wie bei
der Kudrun aus Nachahmung des NL. erklärt weiden, von der der Alphart
b. Was V. S. 14 f. von Parallelstellen heranzieht, b c nichts;
denn nicht um das häufige Vorkommen des Ausdruckes daz lant römen handelt
es sich, sondern um die gleiche Halbzeile, die nicht einfach aus der Gleich-
heit der Strophe, zu erklären it. wie V. S. 24 meint, das Versmaß würde
ebenso natürlich auf die Wortstellung er muoz mir rinnen diu lant geführt
haben, l'nd bei der anderen Stelle ist esV. nichl gelungen mit aride,
>i (schaff, suonc als Obj. nachzuweisen, mich weniger die Verbindung von je
356 jLITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED.
zweien dieser Subst. mit dem Verbum , am wenigsten die gleiche Anlage und
Wortstellung der Zeilen. Die drei Stellen enthalten kein an sich merkwürdiges
Wort und doch finden sie sich nirgend so in der ganzen altd. Litteratur. Mit dem
Ortnit steht es ähnlich wie mit dem Alphart: auch er ist nur in Umarbeitungen
erhalten. Denn wenn auch Müllenhoffs Annahme, er sei um 1225 gedichtet,
die richtige sein sollte, so ist gewiß, daß um diese Zeit die Nibelungenstrophe
noch durchgängig vier Hebungen in der achten Halbzeile hatte, wie die Inter-
polationen in b und die Gruppe der I angehört beweisen. Übrigens ist zwischen
der Zeit um 1150 und 1225 doch ein zu großer Abstand, als daß man ohne
weiteres die litterarischen "Verhältnisse der einen auf die andere übertragen
dürfte.
S. 37 geht V. zu der Frage über, ob der Kürenberger überhaupt der
Verf. der untei« seinem Namen überlieferten Strophen sei. Es kommt dabei alles
auf die richtige Auffassung von MFr. 8, 5 an; denn dass die Hss. in der Bei-
legung von Liedern oftmals irren, weiß jeder und kann doch nur die Möglich-
keit darthun, daß der gleiche Fall hier vorgekommen. Bezüglich der Auffassung
des Zusammenhangs verweise ich auf meine Darlegung in German. XIII, 243,
die V. zu widerlegen nicht einmal versucht hat. Einspruch erhoben werden muß
gegen den leichtsinnigen Schluß, der S. 40 f. gemacht wird: weil im NL. die
klingenden Ausgänge der ersten und zweiten Zeile selten, in den Kürenberg-
strophen häufig siud, so soll daraus folgen, daß in früheren Zeilen die klingenden
Ausgänge das Gesetz der beiden ersten Langzeilen der Nibelungenstrophe ge-
bildet haben, und weil der Verf. der Kürenberglieder nur in sechs Strophen
klingende Reime hat, so kann er die Strophe nicht erfunden haben. Ich will
mich weiterer Bemerkungen über diese Art, Schlüsse zu ziehen, enthalten, eine
Widerlegung verdient dergleichen nicht. — Den Schluß des Büchleins bildet
ein Herstellungsversuch der Kürenbergstrophen durch Simrock. Aber gleich in
der ersten Zeile begegnet ein unglaublicher Vers, vil lieber vriunt soll nämlich
mit vier Hebungen gelesen werden, so daß auf vriunt zwei kommen! Allerdings
wer des gdhdzze — niuwet wecken — schöne vliegen — tunkelsterne — mit je vier
Hebungen liest, bringt auch jenes Kunststück zu Stande und setzt sich wohl
auch über die sprachlichen Bedenken neben den metrischen hinweg. Man muß
sich nur wundern, warum dann nicht auch die stumpfausgehenden Halbzeilen
mit vier Hebungen gelesen werden, ein rumin diu ldnt} duz ist sche'delieh etc.
würde metrisch nicht unmöglicher sein als die vorhin angeführten mit klingendem
Ausgange. Str. 1 ist, um die Variation zu beseitigen und auf die übliche
Strophenform zu bringen, nach der eingeschobenen Halbzeile eine Lücke an-
genommen, wie schon früher Wackernagel that, und in der zweiten ebenso ge-
bauten Strophe (bei Simrock Lied 8) eine ganze Ilalbzeile gestrichen; außerdem
soll hier minne : min ist einen Cäsurreim bilden! Denn das kann doch nur durch
die gesperrt gedruckten Worte in den Cäsaren dieser Strophe ausgedrückt sein.
Während hier ein unmöglicher Cäsurreim angenommen wird, ist dagegen der
vorhandene Cäsurreim betwingen • minne S. 46 Str. 1, nicht bezeichnet, der doch
gerade so ein Keim ist wie der Endreim dune : singen S. 45.
So wenig gelungen wie V's Versuch ist, so weuig ist es auch derjenige,
den ziemlich gleichzeitig Schercr in der Zeitschrift für deutsches Alterthum
17,561 ff. gemacht hat. Er stellt vier Argumente auf, welche alle stichhaltig
sein müssen, wenn die Ansicht, der Kürenberger sei der Verf. des NL. als be-
wiesen gelten soll. Von einem Bewiesensein dieser Ansicht habe ich nie ge-
LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED. 357
sprochen, nur von einem hohen Grade von Wahrscheinlichheit. Daß die beiden
ersten Argumente, das Eigenthumsrecht auf eine lyrische oder epische Strophe,
im 12. Jahrh. von geringer Bedeutung sind, habe ich schon vorher (S. 355)
hervorgehoben. Was zur Widerlegung derselben von Seh. beigebracht worden,
ist ebenfalls schon bei Besprechung der Vollmöllerschen Schrift abgethan. Das
dritte Argument, für mich das wichtigste, daß das NL. Bearbeitung eines älteren
Gedichtes in Assonanzen ist, soll S. 5G6 ff. widerlegt sein. Wie aber Seh. mein
Buch gelesen hat, beweist er schon durch die leichtsinnige und unwahre Be-
hauptung, daß ich den ersten Langvers einer beliebigen Strophe des NL. aus
A und den darauf reimenden aus B nehme und auf diese Weise ungenaue
Reime bekomme. Also Seh. weiß nicht einmal so viel aus meinem Buche, daß
für mich A und B gar keine versehiedenen Bearbeitungen sind, sondern der-
selben Bearbeitung angehören, von der A nur eine verkürzende Hs. ist. Seh.
will nur die Möglichkeit zugeben, daß auf diese Weise die Abweichungen der
Bearbeitungen (nämlich B und C) erklärt werden können. Also doch eine Mög-
lichkeit! Aber eine Unmöglichkeit ist es, daß die Abweichungen von C aus B
oder A, und die Abweichungen von BA aus C zu erklären sind, nämlich alle,
natürlich nicht die einzelnen, weil jede Bearbeitung Ursprüngliches und Umge-
arbeitetes hat. Gleich oberflächlich ist das was über die vorhandenen ungenauen
Reime des NL. gesagt wird. Seh. bezieht sich dabei auf 'unsere sonstigen Er-
fahrungen an Überarbeitungen. Ja wenn er nur überhaupt hier Erfahrung
zeigte — während mein Buch gerade auf die Erfahrungen an Umarbeitungen
sich stützt (vgl. dazu German. XIII, 221 ff). Er verweist auf die Minnesängerhs. C;
aber diese zeigt ja gerade dasselbe was die von mir angenommenen Umarbeitungen
des NL. zeigen! d. h. sie entfernt die alten Assonanzen und lässt sie an andern
Stellen stehen. Es sollen vielmehr die ungenauen Reime des NL. nach Seh.
Kunsttradition sein! Das ist eine hochtönende Phrase, nichts weiter, so lange
dafür keine Analogie beigebracht ist. Und wenn er weiter argumentiert: so gut
wie der Bearbeiter C in seinen Zusatzstrophen sich die klingenden Reime er-
laubte, so konnten es auch die jüngeren Bearbeiter mit den Reimen Hagene :
me etc. halten, so ist der Unterschied eben nur, daß jene klingenden Reime
in den Zusatzstrophen von C genaue sind, hier aber ungenaue. Daß auf so
alterthümliche Reime wie Hagene : gademe, : menege etc. jemand am Anfange
des 1 3. Jahrhs. kam, ohne daß er sie in seiner Vorlage fand und daraus stehen
ließ, auch dafür müssten erst unbestrittene Analogien, wie ich sie für das von
mir angenommene Verfahren der Umarbeiter thatsächlieh gegeben, beigebracht
werden, ehe man dergleichen Behauptungen irgend einen Wertb beilegen kann.
Die metrische Übereinstimmung zwischen NL. und den Kürenbergstrophen
wird S. 567 f. besprochen, mit derselben Oberflächlichkeit, mit der meine Au-
Bichl von ihr älteren Gestalt des NL. behandelt wurde. Und dabei siebt Seh.
nicht einmal ein, daß, auch wenn seine aus Lachmann entlehnten metrischen
Grundsätze richtig sind, die Übereinstimmung im metrischen Gebrauche zwischen
NL. und Kürenb. doch bleibt. Er erhebt \<>n Lachmanns Standpunkte Einsprache
en '';■• Betonung vei " Verliesen den l>/>. Er meint, wenn
Betonung richtig, dann würden bei dm Lyrikern oder bei K. von W ürz-
burg doch Belege wie künet etc. vorkommen. Daß ßie vorkommen kann
Seh. nicht in Abrede Btellen: er hilft sich bei dem von mir angeführten Bei»
i Neidh. 50, 16 damit, d rewent mich grä eine vereinzelte
Freiheit Bei'. Aber hoffentlich wird N. etwas mehr Geschicklichkeil im '■
358 LITTERATUR: FORSCHUNGEN ÜBER DAS NIBELUNGENLIED.
bilden gehabt haben als Seh. ihm zutraut; zu einer Freiheit, die gegen ein
wichtiges metrisches Gesetz verstieß, lag hier nicht der geringste Grund vor.
Warum hätte N. nicht geschrieben die verwent mich so grä oder algrä, zumal
da auch verewent nicht die im 13. Jahrh. allgemein übliche Form war? Bei
Reinmar 160,33 lebeti anzunehmen berechtigt nichs in den Sprachformen des
Dichters.' Die Änderungen der Hss. an beiden Stellen beweisen nicht etwa daß
die Betonung vdrewent, Idbetd in diesem Falle falsch, sondern nur daß sie in
der Lyrik unüblich war. Und der Grund ist ganz derselbe, aus welchem wir
in der Lyrik, dergleichen Reimausgänge wie lebende, klagende etc. im 12. Jh.
selten, im 13. gar nicht mehr fiuden. Wenn Seh. etwas von Metrik versteht,
wie er sich den Anschein gibt, wird er bei einigem Nachdenken ihn wohl
ausfindig machen. Auch Walther hat die Betonung ein paarmal, aber die Hss.
ändern auch hier: so 5, 25 Pf., wo ich geschrieben wederez daz ander iiberstrite;
die Hss. schreiben der im 13. Jh. üblichen Aussprache gemäß wederz, und
fügen daher, weil der Vers um eine Silbe zu kurz schien (ein unzähligemal zu
beobachtendes Verfahren!), eine Silbe ein, Ada, B hie, C spil, EF ir. Noch-
mals so betont ist dive'derez 97, 6, wo die Hss. auch deweders (ietiveders) schreiben
und Worte einfügen. Wenn Seh. das seltene Vorkommen solcher Stellen ent-
gegenhält, so halte ich ihm entgegen, was er aus meinen Untersuchungen schon
wissen konnte, aber, wenn er es wusste, weislich verschwiegen hat: wie kommt
es, wenn den lip etc. am Schluße der Strophe zu betonen ist, daß keine zweifel-
losen Fälle, keine Namen wie Gernot, S">frit, Krienihilt am Schluße der 4. Zeile
stehen, und daß die klingenden Reime nur auf die erste und zweite Zeile der
Strophe beschränkt sind ?
Das letzte Argument , daß die Kürenbergstrophe die Nibelungenstrophe
sei, glaubt Seh. bejahen zu sollen. Er bringt hier einiges zur Entstehungs-
geschichte der Strophe bei und bemerkt S. 570 ein zweites vermuthlich älteres
Verfahren ist die Verkürzung aller Reimzcilen, mit Ausnahme der letzten, um
je eine Hebung', d. h. das in der Nibelungenstrophe eingeschlagene Verfahren.
Das völlig grundlose vermuthlich ältere ist absichtlich hinzugefügt, um der
Nibelungenstrophe ein älteres Dasein zu sichern. Seh. räumt ein, daß der Ur-
heber der Kürenbergweise Kürenberg geheissen und ein österreichischer Ritter
gewesen. Aber die Autorschaft des Kürenbergers für die 15 lyrischen Strophen
wird von Seh. bestritten. Natürlich kommt es hier, wie ich schon bemerkte,
auf die Erklärung der Strophe MF. 8, 1 — 8 an. Seh. bestreitet meine früher
gegebene Erklärung und zieht ein modernes Beispiel der Nägelischen Melodie
heran. Aber mit vollem Rechte hat bereits Fischer (S. 268) dieß Heranziehen als
pure Prosa bezeichnet; in der That zeigt es von einem auffallenden Mangel
an Verständniss für Poesie und poetische Situationen. Das subjeetiv zugespitzte
Raisonnement über Empfindungen von Frauen und Männern, auf welches die
Annahme eines Dichters und einer Dichterin für die Kürenbergstrophen basiert,
ist nur ein weiterer Beweis, wie gefährlich es ist mit modernen Anschauungen
an unsere alten Dichter heranzutreten.
Ich werde mich , das darf ich ehrlich versichern, dem Gewichte von ob-
jeetiven Gründen, von historischen Analogien nicht verschließen und mich gern
eines Bessern belehren lassen; sie müssen freilich eine etwas solidere Basis haben
als was bisher vorgebracht worden ist.
HEIDELBERG, August 1874. K. BARTSCH.
LITTERATUK: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GKÖUGALDR. 359
Vielgewandts Sprüche und Groa's Zaubersang. (Fiölsvinnsmil-Gröugaldr) zwei
norränische Gedichte der Sajumnds-Edda, kritisch hergestellt, übersetzt
und erklärt von Dr. Friedrieh Willi. Bergmann. Straßburg. Verlag von
Karl Trübner 1874. 186 S. 8°.
In allen Schriften Bergmanns, mögen dieselben Straßburger Volksgespräche,
Eddalieder, Shakespeare oder Dante behandeln, zeigt sich eine gewisso wohl-
thuende Ursprünglichkeit, Jugendlichkeit und Frische. Eine solche durchgehende
Selbständigkeit in der Behandlang wissenschaftlicher Fragen hat aber, so an-
erkennenswerth sie auf der einen Seite ist, doch auch ihre Gefahren. Der
Verpflichtung, ehe man an eine neue Erklärung eines Liedes oder einer einzelnen
Stelle desselben geht, die Aufstellungen Anderer zu widerlegen, oder so con-
sequent die Urheber von Meinungen, die man billigt, zu citieren, daß wenn
dieß nicht geschieht, der Leser sicher annehmen darf, man habe dieselben
nicht gekannt — dieser Verpflichtung kommt Herr Bergmann in seinen lite-
rarischen Arbeiten durchaus nicht immer nach. Das ist keine absichtliche
Böswilligkeit, sondern beruht nur auf einer gewissen Einseitigkeit der Methode.
Aber in Folge dessen befindet man sich oft genug in der Lage, in- einzelnen
Füllen absolut nicht entscheiden zu können, ob Herr Bergmann sich eine Ansicht
eigens gebildet, oder von einem anderen Gelehrten übernommen hat.
Mit dieser unabhängigen Art zu arbeiten hängt Bergmanns sprachver-
gleichende Methode zusammen, die er seit dreissig Jahren in seinen „Sprachlichen
Studien", wie gelegentlich in größeren Werken commentarischen Inhalts befolgt
hat, ohne wohl den Ergebnissen neuerer Sprachforschung genugsam gerecht zu
werden, eine Methode, die uns Schüler von Georg Curtius oder Schleicher
freilich sonderbar anmuthet. Durch solche Unebenheiten darf man sich aber
nicht verleiten lassen, das wirklich Gute und Neue in Bergmanns Leistungen
zu übersehen.
Dieß vorausgeschickt, gehe ich zu dem oben genannten Buche über, das
sich in Form und Einrichtung an die Commentare zu Skirnisfor und Grimnismäl
(1871) und zu Harbardsljöd (1872) genau anschließt. Das von der Verlags-
handlung sehr sauber ausgestattete Werkchen behandelt zuerst Fjölsvinnsinäl.
In der Einleitung wird Zweck, Inhalt, mythologische Bedeutung und Überlieferung
des Gedichtes erörtert, dann folgt der von B. constituierte Text, hierauf Text-
kritik und Worterklärung, die Übersetzung und endlich die Erklärung zu dem
übersetzten Gedichte. Dieselbe Reihenfolge wird bei der Interpretation von
Grougaldr beobachtet.
S. 35 ff. legt Herr B. seine Anschauung über die Grundlagen der Edda-
kritik dar. Ich irre mich schwerlich, wenn ich darin <iii«j Entgegnung auf
meine Bemerknagen Germ. XVIII, S. 118 f. erblicke. J'>. meint, die beiden
Perg.-hdschr. der Edda Cod. 11. und Cod. AM. seien selbst nur Abschriften
älterer Membranen, beeinflußt vou mündlicher Überlieferung und deßhalb, wie
alle Mannscripte, die nicht ron den Autoren selb I herrühren, auch nicht stets
als absolute Norm für die Lieder anzu ehen und, obgleich die besten und alte
doch nicht in allen Schreib- und Lesart« n unfehlbar und einzig und allein maß-
ad. Wenn ferner die Papierbandschriften auch meistens AI' chriften dieser
Membranen seien, so sei damit doch nichi . daß den Schreibern außer
jenen, keine anderen Quellen zu Gehute standen, und daß sie nicht auch Lesarten
360 LITTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMÄL-GRÖUGALDR.
aus der mündlichen Tradition aufgenommen haben. Überdieß hätten sie auch
manchmal aus Conjectur wirklich richtige Lesarten in den Text eingesetzt.
AVoile man die Lesarten der Membranen allein, exclusiv und absolut als richtig
anerkennen, so würde der Text an vielen Stellen ganz unverständlich bleiben.
Es hat aber auch Niemand die Behauptung aufgestellt, die beiden Mem-
branen seien unfehlbar. S. Bugge, der den bekannten Nachweis über den
Ursprung der Papierhandschriften geliefert hat, hat oft genug Lesarten von R
und AM mit Glück emendiert. Daß die Papierhdschr. sich jenen gegenüber oft
selbständig verhalten, ja ganze Verse einschieben (vgl. Harb. 1. v. 101 bei Bergm.
und meine Bemerkung dazu Germ. XVIII, S. 120), ist sicher, aber nicht aus
mündlicher Überlieferung schöpfend, sondern selbst erfindend. Der Beweis ist
sehr einfach. S. 35 sagt B. selbst, auf Island hätten sich die Eddalieder etwa
bis ins 14. Jahrb. hinein im Gedächtniss bewahrt. Nun sind die Membranen
die einzigen Eddahandschriften älter als das 17. Jahrh. (Bugge, Fortale S. XXII).
2 — 3 Jahrh. waren die Lieder selbst auf Island ganz unbekannt, wie sollen
also die aus dem 17. Jahrh. stammenden Papierhandschr. auf mündliche Über-
lieferung bauen können? Daß aber die Abschreiber, mit ihrer Landessprache
enger vertraut, als wir, zuweilen durch Conjectur das richtige gefunden haben
mögen, und in dieser, aber nur in dieser Beziehung ihre Lesarten zuweilen
Beachtung verdienen , das wollen wir Herrn B. gern zugestehen. Auf Fjölsv.
und Grog, findet alles hier Erörterte selbstverständlich keine Anwendung, da
diese Gedichte in den Membranen fehlen.
Jedem, der heut die beiden Lieder zu interpretieren hat, treten drei
Hauptfragen entgegen: 1. Ist die Behauptung Bugges, Grundtvigs, Lünings und
Ettmüllers, daß Grougaldr und Fjölsvinnsmal ursprünglich ein Ganzes gebildet
hätten, als erwiesen anzusehen? 2. Sind beide Gedichte vollständig oder als
Bruchstücke größerer Lieder zu betrachten? 3. Wenn Fjölsvinnsmal als Ganzes
für sich betrachtet werden kann, welcher Mythus liegt dem Gedichte zu Grunde?
Daß die Svendalsvise eine Nachahmung von Grog, und Fjölsv. sei, scheint
die allgemeine Annahme zu sein. Das liegt in Bugges Worten (Daum, gamle
folkeviser ed. Grundtvig II, S. G67): „Jeg antager, at eet Kvad , hvoraf vi
have en senere Formation i Visen om Svejdal, er hievet spaltet i to: Grog, og
Fjölsv.", und Bergmann (S. 33) ist derselben Ansicht. Das wäre in der That
kein Ausnahmefall. Sowohl die isl. rrymlur wie die dan. Vise Tord af Havsgaard
scheinen rrymskvitta zur Quelle zu haben; die dänischen Sigurdslieder sind mit
freier Benutzung der Edda, noch mehr der Pidreks Saga gedichtet (vgl. Döring,
Zcitschr. für d. Phil. II, 2G9 ff.) Über das Verhältniss von „Liden Grimmer"
(Gvundtv. I, S. 352 ff.) zu den isl. Grims n'mur ok Hjalmars läßt sich strei-
ten, dagegen geht die Vise von Orm Ungersvend og Bermer Eise (Grundtv. I,
S. 352 ff.) und die isl. Ormars rimur sicherlich auf eine gemeinsame isl. (pro-
saische oder poetische? vgl. Grundtv. III. S. 775) Quelle zurück.
Bei der uns zunächst beschäftigenden Vergleichung muß natürlich vor
allem die Fassung C der Svendalsvise in Betracht kommen (Grundtv. II, S. 244 ff.),
als dem Nordischen am nächsten stehend. Aber wörtliche Übereinstimmung findet
sich auch hier nirgends, Gleichheit des Sinnes nur im Allgemeinen. Was den
Eingang von Ungen Svendal anlangt, so legt Grundtvig die Rede in v. 3 der
zweiten Gemahlin oder vielmehr der Beischläferin von Svendals Vater in den
Mund (a. a. 0. II, S. 669" Anm.). Gegen letzteres spricht die ähnliche kymrische
LITTERATUß: BERGMANN, FIÖLSVINXSMÄL-GRÖÜGALDR. 3ßj
Erzählung von Kilhwch and Ohven (Mabin. N, S. 249 fF.) und die Hjalmters
Saga ok Ölvers (F. A. S. Norctrl. III, S. 453 — 518), in denen die Stiefmutter die
rechtmäßige zweite Frau des Königs ist. Inwiefern der Ausdruck Jomfruens Bur
für Grundtvig sprechen könnte, ist mir unklar. Daß es sich um verschmähte
Liebe handelt, ist sicher (vgl. v. 34: som du haffuer kierer end mit/), aber mit
der „jomfru" , die v. 1 1 „söster" genannt wird [hier erfahren wir auch erst,
daß die Stiefmutter sie unterstützt, während in Fassung E v. 11 f. nur von
der Jungfrau die Rede ist, die ihm die Reise anbefohlen habe] ist sicherlich
die Stiefschwester gemeint, die ja auch nach dem kymrischen Märchen (a. a. 0.
S. 252) vom Jüngling verschmäht wird. Dieser Zug fehlt in Grog.; er stimmt
zur kymr. Sage ; folglich kann der Eingang von U. Sv. nicht erfunden sein,
und wenn wir den ersten Theil dieses Liedes mit Grog, identifizieren, so muß
am Anfang des letzteren ein Stück fortgefallen sein.
Es kommt eine andere Erwägung hinzu, der ich mich nicht verschliessen
kann. Um den epischen Rahmen beider Gedichte zu identificieren , hat man
Grog. 32 das von allen Handschriften überlieferte skauzlu oder skautzo in skaut
sü verwandelt, und sü, sowie hin Icevisa kona sie er fadmadi minn fädur auf die
böse Stiefmutter bezogen (Grundtvig a. a. 0. II, S. GG8). Die Änderung ist
selbstverständlich eine sehr leichte, und der anstößige Wechsel zwischen zweiter
und dritter Person fiele weg; aber auffallend erscheint dann das Praet. fadmadi,
das man schwerlich berechtigt ist mit Bergmann durch : „das meinen Vater am
n umstrickt" wiederzugeben. Der durch die Änderung erforderte Sinn würde
fadmar verlangen, so gut wie Hävamäl v. 163 (Bugge) die Gattin umschrieben
ist durch: er mik armi verr. Diese Stelle beweist zugleich, daß eine solche
Umschreibung für Mutter oder Weib, die Grundtvig a. a. 0. sonderbar findet,
nicht allein steht.
Von ganz anderem Ausgangspunkt gelange ich zu ähnlichen Bedenken.
Lassen wir das Überlieferte stehen, so hat die Mutter selbst bei Lebzeiten dem
Sohne die Aufgabe gestellt, eine mühselige Reise [nach seiner Braut?] zu unter-
nehmen, und ihn aufgefordert, wenn ihm dieß später zu schwierig erscheine,
sich bei ihr im Grabe Rath zu holen. Dazu finden sich zwei Parallelen. In
der Vonvedsvise, die, wie sich unten zeigen wird, auch in anderen Punkten zu
ig. genauer stimmt als U. Sv. , ist es ein und di< <> lbe — die Mutter, —
die den Sohn auf gefährliche Fahrt ausschickt und die ihn durch Zaubersprüche
feit. In der schwedischen Visa: Hertig Silfverdal (Svenska Folkvisor frän forntiden,
samlade och ntgifhe af Er. Gust. Geijer och Arv. Aug. Afzeliüs. I. Stockholm
1814, S. 57 ff. [die Fassung bei Arwidsson: Svenska Fornsanger II. ist mir
leider nicht zur Hand] ist es der Vater des Helden, der ihm aufgegeben hat,
die Braut zu suchen; bei seinem Grabe erholt sieh der Jüngling Rath, wie er
dieß Ziel erreichen könne. Diesen Seitenstücken gegenüber scheint mir die
Richtigkeit von Grundtvigs Conjectar sehr in Zweifel gestellt. Der oben er-
wähnte Wechsel zwischen erster und zweiter Person ist freilich auffallend. Will
nun nicht annehmen, daß die Ausdrucksweise: hin loevüa fcona den Abschreiber
verführt habe, auch Zeile 4 die dritte Pei*80n einzuführen, und baztu dafür
■n, so muß man, wie schon Kop. will, Zeile •') und 4 zusammennehmen
und sii er auflösen durch Juinn tilma er j"< etc. Ich linde den Wechsel dann
nicht anduldbar.
362 LITTER ATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GROUGALDR.
Daß v. 10 des dän. Textes aus Orm Ungersvend (Fassung D v. 27
entlehnt scheint, hat nichts auffallendes: die Situationen sind so ähnlich. Bemerkt
zu werden verdient, daß Gröug. v. 53 (nach Bergm.) : ä vegum allr hygg ek at ek
venia muna , nicht in Ungen Svendal, sondern in Svend Vonved, Fassung D
v. 4 (Grundtv. I, S. 245) eine Parallele erhält. Die Worte der Mutter berühren
sich in Grog, und Ungen Sv. gar nicht. Man hat das zu erklären gesucht.
Ettmüller bemerkt Germ. XIV, S. 315: „Daß die todte Mutter ihrem Sohne
nach den Volksliedern nicht Zaubersprüche auf dem Weg mitgibt, sondern einen
Hengst, der nie ermüdet, und ein Schwert, womit man immer siegt, ist zwar
eine unverständige, aber doch sehr leicht begreifliche Änderung. In den christ-
lichen Volksliedern konnten schützende Zaubersprüche unmöglich eine Stelle
finden." Daß die letztere Behauptung unrichtig ist, beweist schlagend folgender
Zauberspruch aus dem eben citierten Svend Vonved (Fassung D v. 5 f.), der
sich dem Sinne nach eng genug mit Gröug. berührt:
Da skal ieg dig galde i Dag,
aldrig skal dig nogen Mand skade:
Seyr vdi din hoye Hest,
Seyr i dig selff aller mest.
Seyr i din Haand, Seyr i din Foed,
oc Seyr vdi alle dine Laedemod:
Signe dig Gud, Saucte Drotten Dyre,
band skal dig baade vocte oc styre.
Daß hier der Segensspruch nicht ernst gemeint ist und gleich darauf
(v. 11 f.) zurückgenommen wird, also wohl als von der Stiefmutter ausgehend
zu denken ist, die dann schließlich auch (v. 72) den verdienten Lohn erhält,
ist eine Sache für sich. Das Schwert — der Zweck dieser Gabe ist aus Ungen
Svendal selbst absolut nicht zu ersehen — könnte aus der Hervararsaga (edd.
Petersen S. 15 ff.) oder wieder aus Orm Ungersvend, auch aus Svend Vonved
herübergenommen sein, wo es überall zur Verwendung kommt*).
Was weiter Fjölsvinnsmal angeht, so besteht die Ähnlichkeit zwischen
diesem Liede und Ungen Svendal doch nicht bloß darin, wie Bergmann meint,
daß in beiden Liedern von einem Jüngling erzählt wird, der sich mit seiner,
vom Schicksal bestimmten Braut schließlich vereinigt. Die näheren Berührungs-
*) Auch der Ursprung von v. 13 ff. in Fassung A, wo noch andere Geschenke
hinzugefügt werden, ist z. Th. leicht zu erklären. Der Zug von dem Tischtuch und
Trinkhorn wenigstens findet sich mehrfach in den romantischen Sagas; z. B. in der
Victors Saga ok Blaus Cod. A. M. per». 59-'? B. 4°: Tekr Bl&ua eimn borddük saumadem
af jirüil ' um ins bezta gutta i sundr rekjandi. Vdru par innan kpnwngligar krdsir. Par
var ok ein stör kanna, füll med -piment ok klare, piAat hon rar med gdlfum ger. Eta
nu ok drekka. Bldus talar ]>d til konungsins: Varazt pü, sagßi kann, ok kasta öngu
brott af pessari feedu, Jiviat dtiJcrinn berr pd nattüru, at fceötan er öll en sama peg&r
kann er saman vafdr; sömu leid er ka/nnan füll med a&r nefndan drykk, p$gar lokit
kemr yjir hava. Vgl. Sagan af Valdimar kongi, cap. 2 (Fjörar Riddarasögur. Utgefnar
af II. Erlendssyni ok E. pördarsyni. Reykjavik 1852, S. 101), wo .sich derselbe Zug
findet. Das zauberhafte Trinkgefäß kehrt ferner in der Sanisons Saga fagra Cap. XVII
wieder (bei Bjürner, Nordiska kämpadater X, S. 28). Dicht dabei findet sich folgende,
Stelle, die an Ungen Svendal A v. 16 f. erinnert: Ok er Sigurdur b/<>st i burtu, fylgdu
jia/i karl ok kerling hdnum Hl sjdar, ok fundu eina spdnahrugu. Kerling t*'>k juir ur
eitl skip , sem eins mannsfar, svd fagrt sem d gull seei. petta skip vil ek gefa }><'r
Sigurdr, segir kerling, pat hrjir b>jr, pd aojl kemr yßr pal, hvdrt sem sigla vill; aldri
mun ]mt ofhladit verda.
LlTTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMÄL-CKÖUGALDR. j 363
punkte sind schon von Anderen hervorgehoben, auch die Unterschiede motiviert
worden. Doch möchte ich dem gegenüber eines hervorheben. Fjolsvidr anlangend,
so ist derselbe im Eddaliede offenbar als Burgvogt gedacht, der die mit ihren
Jungfrauen hier einsam hausende Menglöd bewacht und gegen unbefugte Ein-
dringlinge beschützt. In der Fassung C der Vise ist vielleicht zwischen v. 17
und 18 ein Vers ausgefallen; denn ziemlich unvermittelt wird ein vorher nicht
genannter Morde angeredet: Hör du, goeden Morde, kicad jeg siger dig etc. Nach
A kommt Svendal zur See und landet (v. 19): thend forste mand, hand m^tte,
wor Morden }jaa thett land. Dieser Morde könnte nun, dem Ausdruck nach,
allenfalls dieselbe ßefugniss haben, wie im Beövulfliede v. 229 f. veard Scyldinga,
se ]>e holmelifu healdan scolde. Dann stimmte seine Persönlichkeit zu Fjolsvidr.
Diese Erklärung wird aber bedenklich, wenn wir die Fassung E hinzunehmen.
Dort heißt es v. 17 f.: da m<j>dte kam en Hyrdemand, som drev saa meget kveeg.
Den Einwand, es könne sich aus einem mißverstandenen „Hüter des Landes"
ein Hirte entwickelt haben, widerlegt aber das oben erwähnte stofflich verwandte
kymrische Märchen, dessen Held ebenfalls einen Hirten trifft, der die Schafe
weidet. Dieß Zusammentreffen kann nicht zufällig sein, wie sich aus Folgendem
noch deutlicher ergibt. In der Hjalmters Saga ok Olvers*), die, wie Grundtvig
(II, S. 239) schon richtig bemerkt, gleichfalls, wenn auch theilweise entstellt,
einen verwandten Stoff behandelt, kommt Hjalmter (Cap. 14) im Lande der
lange gesuchten Hervor auch zu Schiffe an. Sowohl in der Saga wie in der
kymrischen Erzählung ferner ist die Rede vom Vater der Jungfrau, den der
Held um die Hand der Tochter oder wenigstens um Gastfreundschaft für den
Winter angehen muß. Fjölsv. weiß von dieser Persönlichkeit absolut nichts,
ebenso wenig Fassung C der Svendalvise, wohl aber A v. 30; hier wirbt Sv.
bei jenem um die Geliebte. Allerdings zeigt der König sich hier gutmüthiger
als in den anderen Erzählungen, denn dort werden dem Helden Proben auf-
erlegt, die dann andere für ihn verrichten. Mit diesem Zuge der Sage hat die
Vise wie Fjölsv. sich anders abgefunden. Vielleicht dürfen wir endlich in dem
Smaadreng Ungen Svendal D v. 17 den Sohn des Hirten in der Kymr. Er-
zählung (Mabin. II S. 274) wiederfinden. Aus alledem geht deutlich hervor —
was Grundtvig (II S. 673) zu wenig hervorhebt — daß einige, wenn nicht alle
Fassungen der Svendalsvise in dem Fjölsv. entsprechenden Thcilc viel zu auf-
fallend mit der nordischen und kymrischen Gestaltung der Sage übereinstimmen
als daß hier eine zufällige Entstellung von C aus denkbar wäre; daß ferner
das Gröugaldr analoge Stück der Vise sich mehrfach in schwer zu rechtferti-
gender "Weise weiter vom nordischen Liede entfernt, als der Eingang von Svend
Vonved. Zugleich wurde wahrscheinlich gemacht, daß beide bezüglich ihres
'■hen Rahmens auf verschiedenen Prämissen beruhen. Es ist demnach un-
möglich, daß Grog, und Fjölsv. — wenn auch in vollständigerer Fassung —
allein die Quelle der Svend: bildet haben, and es lüsst sieh nicht Bicher
erweisen, daß, sie dem Dichter der letzteren iiberhaupl vorgelegen haben. Welcher
Art seine offenbar verlorene Vorlage gewesen ist, ist schwerlich zu ermitteln.
Wie diese Saga unter die Fornaldarsögur Nontrlanda gerathen konnte, ist
mir unerfindlich. Ihr Schauplatz gehört nicht dem Norden an und auch im übrigen
• üe ganz den Charakter jener F. A. S. Sudrlanda, v lenen eine > Vnzahl
nur handschriftlich vorhanden sind. Der Schluß ist in der gedruckten Passung verderbt
und unverständlich, der ursprüngliche nur durch die Hjalmtersrfmur erschließbar
Anderswo mehr davon.
364 LITTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GRÖUGALDR.
Die durch das dänische Lied für die Behauptung, Gr6g. und Fjülsv.
hätten ursprünglich öin Gedicht gebildet, gewonnene Stütze ist also wenig halt-
bar. Vielleicht ist dieser Zusammenhang aus den beiden Eddaliedern selbst
leichter zu erschließen*).
Ich bezweifle, daß dieser Versuch glücklicher sein wird, und muß im All-
gemeinen den Bemerkungen Rnpp's (Zur Deutung von Fiölsvinnsmäl. Germ. XVI,
S. 50 ff.) und Bergmanns (a. a. 0. S. 32 ff.) beipflichten. Zwar wenn letzterer
als Grund dafür, daß die Lieder nicht zusammengehören, anführt, daß jedes der
beiden in sich eine abgeschlossene Rhapsodie bilde, so ist das eine Petitio prin-
cipii. Aber der durch Conjectur gewonnene Name Menglödu ist vieldeutig, und
wenn man in dem Grog. v. 14 erwähnten jötunn den Fjölsvidr wieder erkennen
will — was überhaupt nur einen Sinn hat, wenn man Fjölsv. I3 (Bugge) purs d
etc. liest und selbst dann noch sehr bedenklich ist (vgl. Rupp. a. a. 0.) — so
müssen nothwendig auch die andern von Groa vorgesehenen Gefahren alle den
Jüngling treffen, und dieß Stück wäre uns verloren. Dann würde die ganze
Dichtung aber von ganz anormaler Länge gewesen sein (vgl. Bergm. S. 34).
Wie Bugge selbst bemerkt (Fornkvsedi S. 445), eignet sich überdieß der ljoda-
hattr, in dem beide Gedichte abgefasst sind, nicht für epische Dichtung, man
würde also die Reiseabenteuer in Prosaerzählung erwarten, ebenso wie — nach
unserer Annahme — die epische Einleitung zu Grogaldr. Rüttelt die Notwendig-
keit dieses Ausweges nicht schon an der Einheit der zwei Lieder? Zudem sind
die von Groa aufgeführten drohenden Lebenslagen,, wie Rupp richtig bemerkt,
so allgemeiner Natur, daß diese Sprüche jedem Reisenden mitgegeben werden
können, helfen aber absolut nichts zur Ausführung der von Fjölsvidr geforderten
Kunststücke. In dieser Hinsicht wäre die schwedische Visa wesentlich dem ver-
meintlichen einen Eddaliede überlegen: die vom todten Vater gegebenen Notizen
beziehen sich ganz speciell auf des Sohnes Brautfahrt. Daß endlich die ver-
wandten Bebandlungen des Stoffes (die Saga und das kymr. Märchen) den
Besuch des Grabes nicht haben, spricht eher gegen, als für das Muß der Zu-
sammengehörigkeit.
Aus allen bisherigen Erörterungen, die leider ausführlicher geworden sind,
als ich beabsichtigte, ergibt sich mir wenigstens der Schluß, daß die Behauptung,
Grogaldr und Fjölsvinnsmal habe ursprünglich ein Lied ausgemacht und sei,
schon im Volksmunde oder durch die Schuld der Abschreiber später in zwei
zerfallen, weder aus der Vergleichung mit der Svendalsvise noch aus den
Liedern selbst erwiesen werden kann, daß derselben vielmehr ernste Bedenken
im Wege stehen.
Eine andere Frage ist es nun, ob die beiden Lieder, jedes für sich ge-
nommen, für vollständig oder für Bruchstücke anzusehen sind. Grogaldr bietet
in dieser Hinsicht keine sonderliche Schwierigkeit. Die Zaubersprüche, die die
todte Mutter dein Sohne als Schutz auf eine von ihr selbst oder von seiner
Stiefmutter ihm aufgegebene gefahrvolle Reise mit auf den Weg gibt, konnten
ja wohl einmal den Gegenstand zu einer selbständigen Dichtung liefern. Auch
die schon oben erwähnte Allgemeinheit der von Groa skizzierten Situationen
*) Bugges Abhandlung Om Forbindelsen mellem Grrtgaldr og Fjölsvinnsmal
(Forhandlinger i Videnskabs Selskabet i Christiania 1800. S. 123—40) und die zweite
Auflage von Grundtvigs Ausgabe der Edda (Kopenh. 1874) habe ich für das Folgende
leider nicht benutzen können.
LITTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GRÖUGaLDR. 3G5
deutet darauf hin, während sonst solchen Todtcnbesuchcn ein directer Wunsch
zu Grunde zu liegen pflegt. Vgl. übrigens Bergmann S. 145 — 56, mit dessen
Erörterungen ich hier durchaus einverstanden bin.
Weit schwieriger stellt 6ieh die Sache bei Fjölsvinnsmal, das man schon
mehrfach vorsucht hat, als selbständiges Gedicht mythisch zu erklären. Ohne
auf Paulus Cassels Versuch (Eddische Studien. I Fiülsvinusmäl. Weimar 185G)
näher einzugehen*), wende ich mich zu Theophil Rupp's Abhandlung über
Fjölsvinnsmal Germ. X, S. 433 — 46. Nach ihm soll Menglöd die Sonne, Svip-
dagr der Mond sein. Mich überzeugt diese Deutung nicht, so geistreich sie ist.
Die dem Neumond sich nähernde Mondsichel soll (S. 442) Windkaldr, also der
Mond selbst, im Gewand (Nebel) verbergen, und der Zauberin Sinmara geben
gegen die blutige Ruthe, nämlich gegen die ersten rothen Strahlen der Sonne,
um den Hahn damit zu Hei zu senden. Ein Theil des Mondes ist also schon
innerhalb der Sonnenburg? Und der Mond soll nun diesen Theil seiner selbst
im Mantel verbergen und einer Zauberin bringen? Die ersten rothen Strahlen
der Sonne gehen nicht von der Sonnenburg aus, sondern müssen vor dem
Todtenthore geholt werden? Das sind Dinge, die ich nicht fassen kann. Die
Behauptung, daß Svipdagr alle diese Forderungen erfülle, nur daß dieß vom
Dichter, um Wiederholung zu meiden, nicht einzeln erzählt werde (S. 445 f.),
nimmt Rupp selbst (Germ. XVI S. 53 f.) zurück. Nur der Unberufene muß die
unbestellbaren Proben leisten. Aber wie können diese dann noch von dem Ge-
sichtspunkte aus erklärt werden, daß sie zur Vereinigung der Liebenden noth-
wendig seien? Hebt da nicht eines das andere auf?
Ich gehe über zu Bergmanns Auslegung von Fjölsvinnsmal. Nach seiner
Ansicht soll der Mythus von Freyja und Odr darin verborgen liegen. Die Idee
ist nicht neu; Lüning: Edda S. 28 sagt: „Ob das zum Grunde liegende Gedicht
zum Mythus von Freyja und ihrem geliebten Odr gehört hat? Das ist freilich
eine bloße Vermuthung.'' Grimm bemerkt (Deutsche Mythol. S. 1102): „Men-
glöd könnte geradezu für Freyja erklärt weiden." Aber Bergmann versucht dieß
zum ersten Male eingehender zu begründen. Prüfen wir die Sache näher. Den
Namen Menglöd soll Freyja führen als Besitzerin des Brisingamen, also Men-
glöd par excellence (S. 14 f.; 92 f.). So kann freilich jede andere Jungfrau
auch heißen, aber es widerstrebt der Auslegung wenigstens nichts. Auch von
einer festen Burg oder wenigstens einem starken Gemache der Freyja wissen
wir. In der Sn. E. heißt es: Ihm ätti s6r eina skemmu, er var beedi fögr ok
sterlc, svd at ]>at segja menn, ef huntin var leest, at eingi mditi komast i skem-
miina dn vilja Freyja (vgl. Grimm: D. Myth. S. 284 f.). Warum citiert Berg-
mann diese Stelle nicht? Dagegen hat weder die Gitterthüre noch die Gürtung
(bei B. Verback Bezug auf Freyja (S. 102). Das Wort munameidr = Idebes-
ii, der in der Burg der Liebesgöttin allerdings sehr passend
wiich.se, kann nichts beweisen, da es erst an Stelle des handschriftl. Mimameidr
von Bergmann bineinconjiciert ist, so ansprechend die Conjectur unter Rcrg-
manns Voraussetzungen auch ist. Der Hahn ferner ist häufig das Symbol der
*) 'i il '• i K' Dntnisse und schwungvoll poetischen Auffassung
war Cassel durchaus nicht im Stande, das Lied philologisch genau zu interpretieren,
da er zu wenig isländisch verstand. So soll pursa accus, von pura Bein S. 137), arfs
»der Erb S. 140), mn wird mit: Sinn Ilbej etzl 5. 146 n. s. w. I ber Er-
klärungen Anderer vgl. Supp a. a. < ».
36G L1TTERA.TUK: BERGMANN, FIÖLSVINNSMÄL-GRÖUGALDR.
männlichen Liebe (Bergm. S. 115; vgl. Cassel a. a. 0. S. 68 ff.). Über die
Dienerinnen der Freyja wissen wir aus anderen Stellen nicbts. Ist da vielleicht
an eine Vermengung des Frigg- und Freyjamythus zu denken (Grimm: D. Myth;.
S. 279)? Lyfjaberg ist Conjectur. Die Identität von Menglöd und Freyja ist
also nicht erwiesen, lässt sich aber auch nicht widerlegen.
Odr (Sumar, Svipdagr) ist nach B. (S. 17 f.) „der Repräsentant der lichten
Sommerwitterung, und demnach als ein den Menschen und der Natur günstiger
Gott oder Ase angesehen. In dieser Beziehung wurde er auch im Naturmythus
als der Geliebte der lichten sommerlichen Freyja betrachtet. ... Da aber der
Sommer im Norden kurz ist und durch den Winter bald vernichtet wird, so
sagte der ursprünglich symbolische Mythus aus, daß das Liebesverhältniss zwischen
Svipdag (Odr) und Menglöd (Freyja) kein ehelich dauerndes war, sondern daß
der unverheirathete Svipdag mit der unverheiratheten , jungfräulichen Menglöd
nur kurze Zeit, als Verlobter, der Jugendliebe pflegen konnte, und bald Yon ihr
durch das unerbittliche Schicksal getrennt wurde Von den jotnischen
Winterstürmen wird er hinweg getragen nach Jotnenheim, wo er verweilt, bis
der Winter vorüber ist, und bis die noch rauhen Frühlingswinde ihn in die
Nähe seiner Geliebten zurückbringen, und er endlich, nach jährlicher Trennung,
im Sommer, wieder mit der Menglöd vereinigt wird Im Bewusstsein des
späteren epischen Mythus wollte Odinn an Stelle Odrs Freyjas Geliebter werden,
und bewirkte deßhalb durch das Schicksal, daß Odr, während der Jugendzeit
Freyjas, von ihr fern gehalten wurde, und erst nachdem Odinn der Freyja über-
drüßig geworden, als die erste Jugendzeit der Äsen vergangen wai", zu der Ver-
lobten zurückkehren durfte."
Ich musste diese Stelle ausführlich ausschreiben , da alles folgende sich
darauf aufbaut. Fragen wir aber, wie weit das oben dargestellte sich aus den
Edden belegen lässt, so sieht es damit leider sehr übel aus. Wolf: Beitr. zur
d. Myth. I. Gott. 1852 S. 180 sagt ganz richtig: „Von Odrs Zurückkunft ist
in den beiden Edden keine Rede, und wenn man den Isismythus [den auch B.
parallelisiert S. 17] und den von Venus und Adonis vergleicht, dann dürfte
man einen Grund mehr haben, die Rückkehr nicht gelten zu lassen." Vgl. auch
Simrock: Handbuch der deutschen Mythologie. Bonn 1855, S. 245 f. Odr
selbst wird verschieden gedeutet. J. Grimm (D. Myth. S. 858) sieht in ihm die
Personification der Dichtkunst, Lüning (Edda S. 79) lässt seinen Namen auf
berauschenden Liebesgenuß deuten; Simrock (a. a. 0. S. 248) sieht in seiner
Flucht vor Freyja die Abnahme des Lichtes in der dunklen Zeit des Jahres.
Diese Erklärung würde nicht ausschließen, daß Beide sich wiederfinden, aber
gerade in umgekehrter Weise, als Bergmann will. Freyja sucht Odr, aber nicht
Odr Freyja. Auf die ganz entstellte Formation des Odr-Mythus, wie er uns
bei Saxo in der Erzählung von Syritha und Othar entgegentritt (Sax. Gramm,
bist. dan. rec. P. E. Müller. I. 1. Havniae 1839, S. 331 ff.), wo beide aller-
dings schließlich ehelich vereinigt werden, wird Bergmann selbst kaum recur-
rieren wollen. Ist aber dieser Mythus, wie er sich nach Bergmanns Darstellung
gestaltet, nicht nachweisbar, hat er nur möglicher, nicht einmal wahrscheinlicher
Weise so gelautet, so fällt damit auch die mit Hülfe desselben versuchte Er-
klärung von Fjölsvinnsmal. Ich bin nicht im Stande, dieselbe durch eine neue,
haltbarere zu ersetzen. Die Vollständigkeit des Gedichtes halte ich aber damit
noch nicht für angefochten. Nur ist mir allerdings nicht unwahrscheinlich, daß
LITTERATUR: BERGMANN, FIÖLSVINNSMAL-GRÖUGALDR. 3G7
am Anfang ein Stück Prosaeinleitung weggefallen ist, die ein noch klareres Licht
über das Ganze geworfen hat.
Ich füge schließlich einige Bemerkungen über die Textgestaltung beider
Lieder bei Bergmann an, ohne darin irgendwie Vollständigkeit anzustreben.
Zunächst kann ich mich mit Bergmanns Verstheilung durchaus nicht immer
einverstanden erklären. Zwar wird er für seine Ausgabe Karl Hildebrand's sorg-
fältiges Schriftchen: Die Verstheilung in den Eddaliedern. Halle 187 3, so wenig
schon benutzt haben können, als Grundtvigs Aufsatz: Til „Saunundar Edda".
Nordisk Tidskrift for Filologi og Psedagogik. Ny Rivkkc. I. S. 182 ff., aber
trotzdem hätte er weit öfter Bugges Theilung adoptieren sollen. Selbst wenn
man über die Stellung der Verbalformen streiten könnte, z. B. darüber, ob ab-
zutheilen sei Fjölsv. 43: innan garda jn'i kemr\her aldregi, oder innan garda |
pti leemr her aldregi (vgl. v. 5 !, 61, 103, 213, 243 etc.), so ist folgende Theilung:
Fjölsv. v. 47 3: Urdar ordi kvedr I eingi madr, ]>ült\]>at se vid löst lagit doch
durch nichts zu rechtfertigen.
Ich wende mich nun zu einzelnen Stellen.
I. Fj öls vinnsmäl.
V. 1 übersetzt B.: „Vor den Zäunen draußen sah Er heraufkommen Thur-
senvolks Gefolge". Seine Auffassung des Liedes bedingt diese Übersetzung. Sjöt
kann ja „Gefolge" heißen. Aber der ganze Verlauf des Gedichtes macht durch-
aus den Eindruck, daß Svipdagr allein kommt. Ich halte für das einzig rich-
tige: Utan garda sd kann [accus, sc. Svipdag] npp um koma ]>urs [sc. Fjölsvittr]
a pjödar sjöt. Vgl. Bugge z. d. St.
Wie B. darauf kommt, Fjölsvittr anzusetzen, verstehe ich nicht.
V. 33: sa'mdarorda druckt B. als zwei Worte; ebenso aldregi (v. 43),
im Anschluß, wie es scheint, an die Kop. Ausgabe. Mit Unrecht; denn die
Hdschr. schreiben sie als ein Wort und charakterisieren sie dadurch als Com-
posita.
V. 103: B: fjötvr-fasti (Fessel-klemmend) ist zu lesen statt fjütur-fast
(fessel-fest), das jeder Erklärung widerstrebt (S. 50). Wo B. fast her hat, weiß
ich nicht; die Hdschr. bieten die unanstößige Adjcctivform fastr.
V. 133 f. schreibt B. hvat peir garmar heita, er gifr-rekar varda fyri lönd
ok lim, und übersetzt: wie die Cerberen heißen, die, Scheusal abtreibend, wachen
vor Land und Grunze, gifr-rekar soll wildvertreibende heißen (S. 51). Und dann
heißt wieder einer der Hunde Gifrl lim = Grunze ist in der altn. Litteratur
nirgends nachweisbar. Überdieß muß B. görpa in varpa ändern. Auch bei
Bugge ist die Wiederholung gifrart-Gifr anerträglich, und seine Lesung ent-
fernt sich viel zu weit von der Überlieferung. Ich halte Ettmüllers Änderung
Germ. XIV S. 321 f.) für untadelhaft.
V. 244 behalt B. motu bei und erklärt es für acc. von matir: Speisen
(S. 58,i. Diese Form heißt aber
V. 26 ' conjiciert B. sehr ansprechend rdnu für das anerklärbare räinn
der Hdschr.; und übersetzt es durch: Gefährtin, Freundin, es auf die Simnära
bend. „Loptr schuf ihn ndvn.u Die Änderung ist sehr leicht und
besser als Bugge's: ryninn. Daß 263 i Sosgjarne keri geschrieben und Ssegjarn für
Sinmäras Vater erklärt wird, ist, so viel ich weiß, auch neu, und, wie mir scheint,
nicht zu verwerfen.
363 LITTEKATUR: BERGMANN, FIÖLSV1NNSMAL-GRÖUGALDR.
V. 281 setzt B. ohne Bemerkung hann nach aptr ein, unnöthiger Weise.
V. 30 3: soemr heißt nicht bereitwillig, wie B. übersetzt, und die Änderung
Ettmüllers smmt, der es auf vdpn bezieht, ist unnöthig. Es ist mit Bugge und
Grundtvig söm zu lesen (vgl. Atlam. v. 75 nach Bugge), und auf die Sinmara
zu beziehen.
V. 334. dsmaga ist Bugge anstößig, weil dann Zwerge aufgezählt werden.
Bergmann schreibt: dsmagna und macht es von ]>at abhängig. Asmagn sollen
hier asische göttliche Kunstfertigkeiten bedeuten, die bei den dvergischen und
alfischen Künstlern immer eine göttliche Asenkraft voraussetzen (S. 63). Aber
kann mögn die Kunstwerke selbst bezeichnen? Man könnte an den instr. Dativ
äsmagni denken (= durch Asenkraft), doch wird ein solcher ohne die Präp. af
oder med kaum zu belegen sein.
V. 36 3 vermuthet B. für das handschriftliche drssdtt, das Bugge durch
helsött ersetzt, härs sott, und versteht darunter (S. 65) den Weichselzopf. Das
würde aber im Liede doch kaum so modern prosaisch als „Haarkrankheit"
bezeichnet werden. Zudem muß hier, der Begriffssteigerung wegen, an eine sehr
gefährliche oder tödtliche Krankheit gedacht sein, was auf den Weichselzopf
nicht passt, zu dessen Entfernung man verschiedene Mittel angab. Ist ärs sott
etwa von Schwangerschaft zu verstehen?
V. 38"*. Daß die Wiederholung Blut und Blidr an dieser Stelle richtig ist,
halte ich für undenkbar. Vgl. Bugge und Grundtvig.
V. 40 1: zu sumar hver = sumar ok hver = alle und jede (S. 68) dürfte
sich im Isl. kaum eine Parallele finden.
V. 493 f. hat B., glaube ich, richtig gesehen, daß die Verderbniss in
dem überflüßigen ]>at vard zu suchen ist. Gegen die Streichung von aptr bei
Bugge und Ettmüller (a. a. 0. S. 322 f.) muß schon die offenbare Tendenz der
Änderung Mißtrauen erregen. Ich möchte lesen: nü ]>ü ert aptr kominn, er 02
vo2tt hefik, mögr, fil minna sala, im Anschluß an B., nur daß ich die Änderung
von voztt in valit für unnöthig halte; vgl. Hym. v. 11: Nu er sonr kominn til
sala pinna, sd er vit vcettum af vegi löngum.
II. Gröugaldr.
V. 31 conjiciert B. leidsordi für das überlieferte leikbordi. Abgesehen da-
von , daß die Änderung unnöthig ist (vgl. Bugge), so ist das Wort falsch ge-
bildet; es müsste wenigstens leidordi oder leidarordi heißen. Über skauztu oder
skaut sii habe ich mich oben ausgesprochen.
V. 33 schreibt B. kvödlci. leo'öä soll (S. 162), wie ki-edja, Zuspruch, Be-
grüßung bedeuten, heißt aber in Wirklichkeit „Befehl, Forderung". Ettmüllers
Besserung: er kveyki [oder kverkr] veit (a. a. O. S. 317) ist ganz verfehlt. Auch
wenn man seine Voraussetzungen aeeeptiert, ist undenkbar, daß Svipdagr so
genau über die Mcnglödsburg orientiert ist. Buggcs kvaimtki stellt wenigstens
einen verständlichen Sinn her.
V. 41. per einzusetzen ist unnöthig. Es müssen gar nicht alle Verse vier
Silben [und vier Hebungen] haben.
V. G'z: Zu Buggea Änderung Hindi bemerkt B., wie mir scheint, treffend
(S. 163 f.), sie sei darum unzuläßlich, weil alsdann die Zauberformel, die doch
nur einem Helden von Nutzen sein könne, einer Frau vorgetragen würde. Die
von Bugge citierte Stelle aus Saxo (S. 128) deutet übrigens auf eine Formel
von einer, der hier geforderten gerade entgegengesetzten Wirkung. Auch der
LITTERATUR: A. BIRLINGER, ALEMANNIA. 3ß9
Meeresgöttin Ran kann der Spruch deßhalb kaum gewidmet sein, selbst wenn
wir Ränu lesen wollten. Ist vielleicht Rdna = Lirdna zu lesen, als Dativ von
Hränl = Odin0.
V. 64: Die Änderung von leid in leidir empfiehlt sich wegen der dadurch
erreichten Congruenz der zwei Satzglieder, wie denn auch sonst im Gedichte
sich nirgends die dirccte Befehlsform findet.
V. 10,J schreibt Bergmann: hlaujpins lida liümk fidr fyr legg of kvedna,
und übersetzt: daß Läufers Gelenk man für dein Bein sagen dürfte. Aber hlau-
pinn heißt noch weniger der Läufer als leikinn der Tänzer, ganz abgesehen von
der heillos gezwungenen Ausdrucksweisc.
V. II3. logn ok lögr würde zweimal dasselbe sagen. Ich schreibe mit
Grundtvig lopt ok lü'jr.
V. 124 liest B. ok haldi Jjdr lilc at leidum; und übersetzt: und dein Leib
es aushalte zu (weiteren) Fahrten. Mir gefüllt diese Emendation besser, als die-
jenigen Bugges und Grundtvigs$ nur muß dann mit Bugge haldist gelesen werden,
denn das erst gibt die geforderte Bedeutung.
V. 143: schreibt B.: d Mimis hjarta, was heißen soll: gegen Mimirs Klug-
heit. Bergmanns Erklärung (S. 180 f.) kann mir nicht die Möglichkeit erschließen,
daß es sich hier um einen geistigen Kampf mit dem weisen Mi'mir handeln
kann. .Seltsam ist der Vers freilich, wenn wir Grog, als ein in sich abgeschlossenes
Gedicht betrachten.
Ich bin am Ende. Mir scheint das Mysterium von Fjölsvinnsmal so un-
gelöst wie vorher. Indessen wird der persönlich von mir hochgeschätzte Ver-
fasser des vorliegenden Buches mir wenigstens das Zeugniss geben müssen, daß
ich mich nicht in oberflächlicher Weise mit demselben beschäftigt habe. Sollte
er selbst im Stande sein, meine Bedenken gegen seine Interpretation zu wider-
legen oder die von anderer Seite zu erwartende Eddaausgabe eine überzeugen-
dere Aufklärung bringen, so würde es mich von Herzen freuen.
BRESLAU, Juli 1874. E. KÖLBIXG.
Alemannia. Zeitschrift für Sprache, Litteratur und Volkskunde des Elsasses
und Ober-Rheins, herausgegeben von Dr. Anton Birlingcr, a. o. Prof.
an der Univ. in Bonn. Erster Band, Bonn bei Adolph Marcus 1873. —
336 S. — Zweiter Jahrgang, erstes Heft. Bonn, bei A. Marcus 1874. —
100 S.
Neben den eigentlich germanistischen Fachzeitschriften, die das gelehrte
Material deutscher Sprache, Litteratur und Alterthümcr wissenschaftlieh zu be-
arbeiten bemüht sind, und die dabei gelegentlich auch auf die lebendige Volks-
überlieferung Bücksicht nehmen, ohne dieß jedoch — ihrer ganzen Anlagenach
— anders als ausnahmsweise thun zu können, hat es seit längerer Zeil kleinere
chriftett' und Vereinsblätter gegeben, die auf einem beschränkteren <>
— zunächst meistens von historischen Int nend — die Kunde der
oheil zu erschließen, und dabei gern auch auf Sitten und Ausdrücke
des Volks! bens Bücl ichl u n bmen pflegen. Ohne daß wir darum derai
Beiträge ganz entbehren möchten, wird im Allgemeinen doch wohl der! [rgb. derAlem.
mit den Worten (S. V : ,nacb den heul I ihrungen sind die historischen
Vereine und Zeitschriften nichl mehr im Staude, auch sprachlich den gl
GEBMANIA. Nene Reihe VII. (XIX. J | 24
370 LITTERATUR: L. DIEFENBACH, HOCHD. U. NIEDERD. WÖRTERBUCH.
wattigen wissenschaftlichen Anforderungen Rechnung zu tragen" kein zu hartes
Urthcil gefüllt haben. Seinerseits sucht der Hrgb. nun zunächst immer von der
sprachlichen Seite aus das litterarische und eulturhistorische Interesse zu ver-
mitteln, was sicher im Ganzen der richtige Weg ist, wenngleich mehrfach auch
die sprachliche Erklärung ihre Unsicherheit behält, vgl. hier namentlich die
interessante Untersuchung über den Namen Hohenzollern (I, 278 ff.). Sehen
wir von diesem, ja ganz unvermeidlichen, Bedenken ab, so muß die Wahl des
Hrgb., gerade das in jeder Beziehung so interessante Gebiet der alten Alemannen
in einer regelmäßig erscheinenden Zeitschrift mehr und mehr durchforschen zu
wollen, ansprechend erscheinen, um so mehr als ja hier wie überall eine wirk-
lich warme, lebendig eingehende Behandlung eines Stoffes — ganz abgesehen
von dem eigenen Werth desselben — schon einen gewissen Reiz ausübt, und
mit der Zeit leicht auch da regeres Interesse wirkt, wo dasselbe anfangs nur
in schwächerem Maße vorhanden sein mochte. Wir hoffen demnach, daß Bir-
lingers schätzbares Unternehmen bei den Germanisten überhaupt, nicht bloß in
den eigentlichen Bezirken Alemanniens und Schwabens die verdiente Beachtung
finden wird*). E. WILKEN.
Hoch- und niederdeutsches Wörterbuch der mittleren und neueren Zeit zur
Ergänzung der vorhandenen Wörterbücher, insbesondere des der Brüder
Grimm. In 2 Bänden. Von Lorenz Diefenbach und Ernst Wülcker.
1. und 2. Liefg. Frankfurt a. M. 1874. Chr. Winter. 4. 288 Sp.
L. Diefenbach, dem wir schon das so reichhaltige Novum Glossarium
latino-germanicum , eine unerschöpfliche Fundgrube für das mhd. Wörterbuch,
verdanken, beabsichtigt in vorliegendem Werke in Verbindung mit E. Wülcker,
den seine archivalische Stellung in Frankfurt zum Mitarbeiter besonders ge-
eignet machte, eine Ergänzung zu den vorhandenen Wörterbüchern, namentlich
aus den Sprachschätzen des 14. — 16. Jahrhs. zu geben. Nicht die eigentlichen
Litteraturdenkmäler bilden die Quelle, aus welcher geschöpft ist, sondern haupt-
sächlich Vocabularieu und Archivalien. Es sind dabei die im Grimm'schen
Wörterbuche noch nicht belegten Worte mit einem Stern bezeichnet, so daß
man auch bei rascher Durchsicht sich von dem Reichthum an neuem Material
leicht überzeugen kann. Unter den neuen Worten sind viele niederdeutsche, so
daß das mnd. Wörterbuch mit Nutzen von diesem Werke wird Gebrauch machen
können. Auch vieles mundartliche älterer und neuerer Zeit hat Aufnahme ge-
funden. Einen eklektischen Charakter muß ein solches Werk nothwendig tragen
und trägt ihn hier mit bewusster Absicht. Im Ganzen wird man den Grund-
sätzen, welche für die Auswahl des Materials maßgebend waren, nur beistimmen
können. Ein bei der Benutzung sich herausstellender Mangel scheint mir das
Aufgeben der streng alphabetischen Ordnung, indem die nächsten Ableitungen
eines Wortes ohne Rücksicht auf die alphabetische Reihe der folgenden Worte
dem Stammwort angeschlossen sind. Da ein Wörterbuch doch zunächst zum
*) Wir erlauben uns hier schließlich noch auf ein anderes Unternehmen des
selben Hrgb., die altdeutschen Neujahrsblätter für 1874, mittel- und nieder
deutsche Dialectproben , hrgb. von A. Birlinger und W. Crecelius, Wiesbaden
Killinger, hinzuweisen, für das gleichfalls eine periodische Fortführung in Aussicht ge-
nommen ist.
LITTEEAT1 B: SCHREYER, ÜBER HARTMAN» VON AUE. 371
raschen Nachschlagen dienen soll, zumal eines, das aus meist ganz kurzen
Artikeln besteht, die selten zu einem längeren Nachlesen veranlassen, so hätten
wir gewünscht, daß das Alphabet genau maßgebend gewesen wäre. Ein zweites
Bedürfniss ist die Herstellung eines vollständigen Quellenverzeichnisses. Die
Quellenverweisungen bilden ein etwas compliciertes System, in das man sich je-
doch bei einiger Übung bald hereinfindet. Was zuerst beim Citieren am meisten
auffällt sind die einfachen, theils cursiv, theils in antiqua gedruckten Zahlen,
welche die benutzten Quellen bedeuten. Das Vorwort verweist allerdings auf
die frühereu Glossarien von Diefenbach, in denen diese Zahlen ihre Erklärung
linden, aber zweckdienlich wäre es doch gewesen, dem neuen Wörterbuche eine
Übersicht auch der früheren Quellcnbezeichnungen beizufügen. Wir möchten
an die Herausgeber die Bitte richten, wenn nicht früher, so doch am Schluße
des Ganzen ein vollständiges Quellenverzeichniss zu geben. Kein Germanist wird
dieß Wörterbuch entbehren können, auch Archivaren und Historikern wird es
ein unentbehrliches Hilfsmittel werden. Vom Buchstaben D an wird Wülcker
allein, unter Benutzung von Diefenbachs Vorarbeiten, die Redaction übernehmen.
HEIDELBERG, August 1874. K. BARTSCH.
Schreyer, Dr. H., Untersuchungen über das Leben und die Dichtungen Hart-
mann's von Aue. Abdruck aus dem Programm der Landesschule Pforta
vom 21. Mai 1874. Naumburg 1874. 4. 56 S.
Die Untersuchungen über Hartmanns Leben haben bis jetzt zu wenig
ausgiebigen Resultaten geführt. Nicht einmal die Heimat des Dichters lässt sich
bei dem begreiflicherweise häufigen Vorkommen des Namens Ouwe feststellen.
Mit Recht wendet sich der Verf. gegen die Aufstellungen des Freiherrn von
Ow, der den Dichter zu einem Gliede des Geschlechtes macht , dem er selbst
angehört, während er doch, auch wenn seine Heimat im obern Neckarthaie (bei
Rottenburg) zu suchen ist, nur ein Ministeriale des dort wohnenden Geschlechtes
war. Auch in der Argumentation gegen die übrigen Ansichten des genannten
Verf. müssen wir Seh. beipflichten. Nach diesen negativen Resultaten, die zeigen
wie wenig wir über den Dichter wissen, gelangt Seh. zur Betrachtung des ersten
Büchleins, das er mit Recht als ein Jugendwerk Hartmanns bezeichnet. Der
Dichter war noch Knappe, seine Dame wahrscheinlich aus der Familie seines
Herrn. Seh. hält für das glaublichste, daß es nach dem Erec entstanden ist,
indem er die Stelle von dem aus Karlingen gebrauchten Zaubermittel mit Bech
auf die französische ritterliche l'oesie bezieht, die er im Erec nach Deutschland
verpflanzte; ein Aufenthalt in Frankreich ist also aus jenen Worten nicht zu
folgern. Unter den Liedern kommen natürlich vor allen die Kreuzlieder in Be-
tracht; hier wird die Präge, an welchem Kreuzzuge Hartmann theilgenommen,
aufs neue erörtert. Seh. gelangt zu dem Resultate, daß nur an den von 1197
cht werden kann. Dai entscheidende Gewicht ruht auf MF. 218, 15, der
Beziehung auf Saladina Tod; denn dieses Lied Hartmann abzusprechen, wie
B< ch thut, sind wir nicht berechtigt. Hat Hartmann nun den Erec vor oder
nach der Kreuzfahrt verfasst? Bech macht für < 1 i «• Abfassung nach der Kreuz-
fahrt die mehrfachen im Erec vorkommenden Beziehungen anf das Meer geltend.
Gewiß sind solche Stellen kein B daß Hartmann die See gesehen hatte
als er dieß Bchrieb (S. 17), Aber auffallend sind doch immerhin diese sonst
2 I '
372 LITTERATUR: SCHREYER, ÜBER IIARTMANN VON AUE.
bei andern Dichtern seltenen Beziehungen. Ich kann daher auch den Vergleich
mit Schillers Teil nicht für zutreffend erachten. Wäre also, wenn der Kreuzzag
der von 1197 war und der Erec, nachdem Hartmann das Meer gesehen, gedichtet
worden, der Erec nach 1197 entstanden? Dem scheint zu widersprechen, daß
sich der Dichter im Erec zweimal einen tumben kneht nennt. Indeß wenn man
erwägt, daß der Begriff kneht, der hier mit knappe identisch ist, einen 24jährigen
bezeichnen kann, ja bis gegen 30 sich hin erstreckt (s. Germanist. Studien I, 6),
so wäre an sich gar nicht undenkbar, die Abfassung des Erec nach 1197 zu
setzen. Freilich würden dann die erzählenden Gedichte Hartmanns sehr dicht
an einander rücken, und seine Entwicklung sich in wenigen Jahren vollzogen
haben, und das ist, wir gestehen es, ein nicht unerhebliches Hinderniss. Be-
seitigt werden freilich alle Schwierigkeiten, wenn man mit Paul (Beiträge I, 536)
liest und lebt min herre, Sedativ, und al sin her dien braehten mich uz Vranken
nierner einen fuoz; allein ich kann mich von der Richtigkeit dieser Lesart nicht
überzeugen, die Anknüpfung des Nachsatzes ist nach mhd. Ausdrucksweise auf-
fallend und allzu gezwungen, das Verhältniss des ganz kurzen Vordersatzes zu
dem langen Nachsätze unschön, und Hartmann würde das auf der Hand liegende
Missverständniss, das sich aus der Verbindung von nun herre mit Salathi ergab,
sicher vermieden haben. — Die Kreuzlieder setzt der Verf. ins Jahr 1196,
und darin wird man ihm ebenfalls beistimmen dürfen. In Bezug auf die Liebes-
lieder hält Seh. gegenüber Wilmanns und Heinzel an der Ansicht von Bech
fest, daß einen zweifachen Minnedienst, den einen vor, den andern nach dem
Kreuzzuge, anzunehmen, wenigstens nichts berechtigt; die Möglichkeit kann
natürlich nicht ausgeschlossen werden und wird wohl auch von unserm Verf.
nicht durchaus bestritten. Ein Theil der Lieder ist entschieden erst in die Zeit
nach der Rückkehr in die Heimat zu setzen; es sind diejenigen, in denen sich
eine glückliche Wendung seines Minnedienstes verräth. In Bezug auf das zweite
Büchlein entscheidet sich Seh. gegen dessen Echtheit, und in der That ist zu vieles
darin, was zu Hartmanns Charakter, Ausdruck etc. nicht stimmt; die Benutzung
des Liedes MF. 214, 12 ff. in B. 2, 121 ff. ist ein weiterer Verdachtsgrund,
nur sollte man nicht Gewicht legen auf die Worte für war ouch ich daz schribe,
dieß nicht durch "auch ich' wiedergeben und keine Folgerungen für den Nach-
ahmer daraus ziehen; denn ouch steht bekanntlich gern vor dem pron. possess.,
auch wenn es nicht zu diesem, sondern zum ganzen Satze gehört. Die schon
von Bechstein ausgesprochene Vermuthung, es liege hier eine Jugendarbeit
Gottfrieds von Straßburg vor, hat in der That vieles für sich. Hartmanns letztes
Werk, den Iwein, setzt Seh. nicht um 1203, sondern um 1207, da es nicht
wahrscheinlich sei , daß Hartmann , der damals im kräftigsten Mannesalter ge-
standen, nach 1203 nicht mehr gedichtet haben sollte, und da sehr wohl denk-
bar daß der Iwein ebenso wie der Parzival abschnittsweise veröffentlicht wurde.
Was endlich die Heimat des Dichters betrifft, so ist Seh. geneigt sie nach
Franken zu setzen ; ich gestehe daß mich seine Gründe nicht geneigter dafür
gemacht haben, und er .selbst bezeichnet die Frage noch als eine offene. Die
bei Hartmann allein übliche Pronominalform sl ist ein Zeichen schwäbischer
nicht fränkischer Mundart. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht für Schwaben,
woher auch Heinrich von dem Türlin ihn stammen lässt, und dann allerdings
am meisten für den Sitz des Geschlechtes bei Rottenburg am Neckar.
HEIDELBERG, August 1874. K. BARTSCH.
MISI ELLEN. ;J7;;
Fedor Mamroth: Geoffrey C haue er, seine Zeit und seine Abhängigkeit
von Boccaccio. Promotions-Schrift. Berlin, Mayer und Müller. 1872. 60 S.
8. 15 Sgr.
Wenn ich anführe, daß der Verfasser dieser Schrift von den trefflichen
Arbeiten Kistncr's [Ch. in seinen Beziehungen zur ital. Lit. Marburg 18G7) und
ten Biinkss (Chaucer. Studien etc. Münster 1870) keine Ahnung hat, Hertz-
bergs Einleitung zu seiner Übersetzung Chaucers so flüchtig gelesen hat, daß
er (S. 28) als sein Geburtsjahr noch 1328 nennt, und daß der Mangel auch
nur eines Anlaufs zu selbständiger Untersuchung durch bombastische Redens-
aiten, die nicht zur Sache gehören, und eine Fülle überflüßiger Citate verdeckt
werden soll, so ist damit alles Nöthige über diese Leistung gesagt. Meine Ab-
sieht war nur, jeden, den seine Chaucer-Studien, so wie mich, auf dieß Gebiet
führten, vor Leetüre oder Anschaffung des Büchleins zu bewahren und zugleich
zu zeigen, mit was für dilettantischen Sudeleien man noch an einer deutschen
Universität (welcher?) den Doctortitel sich erwerben kann. Vor der S. 59 ver-
sprochenen, größeren Quellenuntersuchung über englische Volkssagen werden
wir hoffentlich bewahrt bleiben.
BRESLAU. E. KÜLBING.
MISCELLKN.
Übersicht der germanistischen Thätigkeit M. Haupts*).
I. Selbständig erschienene Arbeiten.
1834. Exempla poesis latinae medii aevi edita a Mauricio Haupt Lusato.
Vindobonae typis C. Geroldi. 32 S. 8.
1835. Six anciennes chansons franc,aiscs recueillies par M. Haupt. AM. le
baron de Meusebach. 'i. Juin 1835.
1835 — 40. Altdeutsche Blätter von Moriz Haupt und Heinrich Hoffmann.
2 Bde. Leipzig, Brockhaus. VI, 423, IV, 402 S. 8.
1839. Erec eine Erzählung von Eartmann von Aue herausgeg. von M. H.
Leipzig, Weidmann'sche Buchhandlung. XVI, 308 S. 8.
1840. Der gute Gerhard eine Erzählung von Rudolf von Ems herausgeg.
von M. II. Ebenda. XII, 222 S. 8.
1841 — 7.;. Zeitschrift für deutsches Alterthum herausgeg. von M. II.
Ebenda. 1»; Bde. 8.
1842. Die Lieder und Büchlein und der arme Heinrich von Hartmann
von Aue herausgeg. von M. II. Ebenda. XX, ITl' S. 8.
1 8 I 1 . Engeibard eine Erzählung von Konrad von Würzburg mit An-
merkungen von M. 11. Ebenda. XIV, 283 S. 8.
I Ausnahme ■ indig erschienenen Schrift inz zusammen-
th von einem meiner Seminaristen, Btud. I Berlin, Dil Mittheilung dei
Leipziger Vorlesungen vordanke i<:l< Dr. K. Scbröd
374 MISCELLEN.
1845. Der Winsbeke und die Winsbekin mit Anmerkungen von M. H.
Ebenda. XIV, 81 S. 8.
1851. Die Lieder Gottfrieds von Neifen heraasgeg. von M. H. Ebenda.
VI, 66 S. 8.
1855. C. Taciti Germania in usuin scholarum recognita a M. Hauptio.
Berlin, Weidmann. 8.
1857. Des Minnesangs Frühling herausgeg. von Karl Lachmann und M. H.
Leipzig, Hirzel. VIII, 340 S. 8.
1858. Neidhart von Reuenthal herausgeg. von M. H. Ebenda. LVI,
264 S. 8.
1871. Moriz von Craon. In: Festgaben für Gustav Homeyer zum XXVIII.
Juli 1871. 4. S. 27—89.
1871. Von dem üblen Weibe eine altdeutsche Erzählung mit Anmerkungen
von M. H. Leipzig, Hirzel. 78 S. 8.
1871. Erec eine Erzählung von Hartmann von Aue zweite Ausgabe von
M. H. Ebenda. 447 S. 8.
II. Abhandlungen.
1. Altdeutsche Blätter von M. Haupt und H. Hoffmann. Bd. I.
1836. Zu Jacob Grimms Beinhart Fuchs. S. 1 — 10. — Ein Beispiel S. 14 bis
15. — Der Alte und der Junge. S. 29 — 34. — Zur deutschen Heldensage.
S. 49. — Was schaden tantzen bringt. S. 52 — 63. - — Salve regina. S. 78 bis
88. — Spiegel der tugende. S. 88 — 105. — Von Berhten mit der langen Nase.
S. 105 — 107. —Beispiele. S. 108—110. — Märehen und Sagen. S. 113 bis
163. — PfafFenleben , Bruchstück aus dem zwölften Jahrhundert. S. 217 bis
238. — Alexander und Antiloie. S. 250 — 266. — Crescentia. S. 300—308. —
Lateinische Lieder. S. 390 — 395. — Weingrüße und Weinsegen. S. 401 bis
416. — Bd. IL 1840. Der Mantel. S. 217 — 241. — Die vröne boteschaft. (Diz
ist diu vröne botschaft ze der Christenheit.) S. 241—264. — Aus Wolframs
Willehalm. S. 287 — 293. — Predigtbruchstück. S. 376 — 382.
2. Zeitschrift für deutsches Alterthum. Her. von M. Haupt.
Bd. I. 1841. Vorwort p. I — VIII. — Die Zeichen des jüngsten Tages. S. 117
bis 126. — Die Marter der heil. Margareta S. 151 — 193. — Das Schwert Kon-
rads von Wintersteten. S. 194—198. — Zum guten Gerhard. S. 199 — 201. —
Ein Märchen aus der Oberlausitz. S. 202 — 205. — Die Warnung. S. 438 bis
537. — Bd. II. 1842. Zum Iwein. S. 187 — 188. — Bonus (das deutsche Ge-
dicht, vgl. Bd. III, S. 299) S. 208—215. — Ein Märchen aus der Oberlausitz.
S. 358 — 360. — Wate, zur Gudrun (dazu Berichtigung S. 572). S. 380 bis
384. — Ein Märchen aus der Oberlausitz. S. 481—486. — Bd. III. 1843.
Zum Eraclius. S. 158—182. — Zur Gudrun. S. 186 — 187. — Ich weiß. S. 187
bis 188. — Kurzibold. S. 188. — Chauci. S. 189 — 190. — Experimentum in
dubiis. S. 190. — Alte Buchhändleranzeige. S. 191 — 192. — Bruchstücke einer
Psalmenübersetzung. S. 236 — 239. — Der .starke Uoppe. S. 239. — Zu Hart-
mann von Aue. Berichtigungen und Nachträge. S. 266 — 278. — Kleine Be-
merkungen. S. 278 — 279. — Die Vorrede Albrechts von Halberstadt. S. 289
bis 292. — Bonus (das lateinische Gedicht, vgl. Bd. II, S. 208). S. 299—304. —
Zu Konrad von Fussesbrunnen. S. 304 — 308. — Strophenanfänge der Leipziger
Handschrift (Stadtbibliothek. Rep. II, 70a, 14. Jh. perg. kleinfolio.) S. 356 bis
MISCELLEN. 375
358. — Kleine Bemerkungen. S. 383 — 384. — Die Bekehrung des beil. Paulus,
Bruchstück aus dein 12. Jh. S. 518 — 523. — Der heilige Alexius von Konrad
von Würzburg. S. 534—576. — Bd. IV. 1844. Ilelmbreeht. S. 318—385.—
Zu Hartmann von Aue. S. 395 — 39G. — Zu Wolframs Titurel. S. 396 bis
397. — Zu Freidank. S. 398. — Zu Konrads Alexius. S. 400. — Lobgesang
auf Maria und Christus von Gottfried von Straßburg. S. 513 — 555. — Zum
Engelhart. S. 555 — 557. — Altdeutsche Zunamen. S. 578 — 579. — Kleine
Bemerkungen. S. 579—580. — Bd. V. 1845. Zum Beovulf. S. 10. — Servatius.
S. 75 — 192. — Kaiser Friedrich aus Enenkels Weltchronik. S. 268—293. —
Zur Gudrun. S. 504 — 507. — Bd. VI. 1848. Pantalcon von Konrad von
Würzburg. S. 193 — 253. — Aus Dieterichs Drachenkämpfen. S. 308 — 310. —
Heinzelein von Constanz. S. 318—319. — Wichtel. S. 320. — Von dem
Antichriste. S. 369 — 386. — Hausehre. S. 387—392. — Mittelhochdeutsche
Liederdichter. S. 398—399. — Altvil. S. 400. — Des Tanhausers Hofzucht.
S. 489 — 496. — Von der alten Mutter. S. 497 — 503. — Pyramus ifcid
Thisbe. S. 504 — 517. — Goldemar von Albrecht von Kemenaten. S. 520
bis 529. — Bd. VII. 1849. Urkundliches zu mittelhochdeutschen Dichtern.
S. 168 — 169. — Lesarten zum Parzival. S. 169 — 174. — Zu des Tanhausers
Hofzucht. S. 174—177. — Herzog Ernst. S. 193 — 303. — Eine Teufelssage
aus dem 11. Jh. S. 522—523. — Bruchstücke von Otfrids Evangelien. S. 563
bis 568. — Bd. VIII. 1851. Ein Märchen aus dem X. Jahrhundert. S. 21 bis
22. — Zu den Nibelungen. S. 349 — 350. — Das Bänkclsängerlied vom Herzog
Ernst. S. 47 7 — 507. — Der Jüngling, von Meister Konrad von Haslau. S. 550
bis 587. — Bd. IX. 1853. Thegathon S. 192. — Zum Unibos. S. 398 bis
399. — Bd. X. 1856. Abfertigung, von dem von Beringen. S. 270 — 272. —
IM. XI. 1859. Zu Wolframs Parzival. S. 42—59. (Vermehrter Abdruck aus
den Berichten der k. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften. Bd. II. 1849.
S. 186 ff. Bd. V. 1853. S. 1 ff.). — Hermanni contracti conflictus ovis et lini.
S. 215—238. — Zu des Minnesangs Frühling. S. 563—593. — Bd. XII. 1865.
Des Igels Wettlauf. S. 527—529. — Bd. XIII. (Neue Folge Bd. I.) 1867. Zu
Neidhardt von Reuenthal. H. 175 — 182. — Zu Heinrich von Türlein. S. 321
123. — Zu des Minnesangs Frühling. S. 324—329. — Glossae Lipsianae.
S. 335—348. — Zu Wolfram. S. 384. — Oswalt. S. 466—491. — Bd. XV.
Neue Folge. Bd. III) 1872. Weiberzauber von Walther von Griven. S. 245
Ins 246. — Ährenlese (1 — 50). S. 246—266. — Ährenlese (51—60). S. 467
bis 469.
3. Berichte über die Verhandlungen der k. sächsischen G e-
sells ch aft der Wissenschaften zu Leipzig. Phil, b i st. Classe Bd. I.
1848. I ber Blätter einer Handschrift von Otfrids Evangelienbuche. S. 54 bis
60. — Über einen altfranzösischen und einen lateinischen Leich aus einer Er-
furter Handschrift. — Über die böhmische Übersetzung eines <\<-r Lieder K
Wenzels von Böhmen. — Bd. II. 1849. Festrede in der öffentlichen Sitzung am
18. .Mai 1S48. — Bd. V. L853. Über einige Stellen im Parzival. S. 1—13.
1. Mon.it berichte der Berliner Akademie*), Jahrgang 1851.
Mittheilung altdeutscher Glossen. S. 220. — 1854. Über das registram multorum
*) Die mit einem Kreuz bezeichneten Abhandlungen sind in den Monatsberichten
nicht aufgeführt.
376 MISCELLEN.
auctorum des Hugo von Trimberg. S. 142 — 164. — Antrittsrede am 6. Juli.
S. 347 — 349. — Über den althochdeutschen Leich vom heil. Georg. S. 501 bis
512. — 1856. Über ein althochdeutsches Gedicht (Schilderung des Himmels
und der Hölle). S. 568 — 580. — 1860. Über Apollonius von Tyrus.f — 1862.
Eede zur Gedächtnissfeier König Friedrichs dos Zweiten. S. 40- — 52. — 1864.
Gedächtnissrede auf Jacob Grimm. f — 1865. Über eine Sammlung handschrift-
licher Briefe aus dem 16. und 17. Jahrhundert, f — Über das handschriftliche
Tagebuch des Nürnberger Mathematikers und Astronomen Johannes Werner
aus den Jahren 1506 — 1521. f — • 1866. Über verwandte syntaktische Er-
scheinungen im Griechischen, Lateinischen und Altdeutschen, f
III. Recensionen und Bemerkungen.
1. Blätter für litterarische Unterhaltung. 1831*): Herzog Ernsts
von Baiern Erhöhung, Verbannung, Pilgerschaft und Wiederkehr; eine ritter-
liche Mähre von Heinrich von Veldcck, einem Dichter des 12. Jhs. Im ver-
kürzten Auszuge und mit erklärenden kurzen Anmerkungen von Th. A. Rixner.
Amberg 1830. 8. Nr. 14. S. 60. — Reimchronik des Appeuzellerkrieges von
einem Augenzeugen verfasst und bis 1405 fortgesetzt. Herausgeg. von J. v.
Arx. St. Gallen 1830. Nr. 20, S. 87 f. — Die Heimonskinder. Ein Gedicht
aus dem Sagenkreise Karls des Großen in 4 Sängen von L. Bechstein. Leipzig
1830. Nr. 48, S. 209 f. — Die Verslehre der Isländer von E. Chr. Rask. Ver-
deutscht von G. Chr. F. Mohnike. Berlin 1830. Nr. 202, S. 884. — Krist von
Otfrid herausgeg. von E. G. Graff. Königsberg 1831. Nr. 223 f., S. 969 f.
973 f. — Slawische Volkslieder, übersetzt von J. Wenzig. Halle 1830. Nr. 244,
S. 1063 f. — Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jhs. von W. Müller. 11. 12.
Bdchen. Leipzig 1828 — 31. Nr. 273, S. 1185 — 87. — Volkslieder der Schweden.
Aus der Sammlung von Geijer und Afzelius. Von G. Mohnike. 1. Bd. Berlin 1830.
Nr. 282, S. 1224.
2. Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters. Her. v.
Aufseß und Mone. Bd. II. 1833. Graf Rudolph. Spalte 15.— Nibelungen-
noth. Meinerts Lieder des Kuhländchens. Glossen. Sp. 16. — Volksbücher
(Finkenritter). Sp. 130. — Volksbücher (Fortunatus). Sp. 244.
3. Leipziger Litteratur-Zeitung 1833. Walther von der Vogel-
weide übersetzt von K. Simrock und erläutert von K. Simrock und W. Wacker-
nagel. 2 Theile. Berlin 1833. Nr. 108 f., Sp. 857—867. — H. Hoffmann, Ge-
schichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luthers Zeit. Breslau 1832. Nr.
185, Sp. 1473 — 80. — Wiggert, Scheiflein zur Förderung älterer deutscher
Mundarten. Magdeburg 1832. Nr. 187, Sp. 1496. — Der Renner von Hugo von
Trimberg. Herausgeg. vom histor. Verein in Bamberg. Bamberg 1833. Nr. 290?
Sp. 2313 — 20.
4. Wiener Jahrbücher der Litteratur. 1834. Fragmenta theotisca
ed. St. Endlicher et H. Hoffmann. 67. Bd., S. 178—198, mit Nachtrag S. 239 f.
(Auch selbständig erschienen.)
5. Hallißche Jahrbücher für deutsche Wissenschaft und
Kunst. Her. v. Rüge und Echtermey.er. Jahrgang II, Bd. 1. 1839.
*) Sämmtlichc Haupt anp;ch(>rige Recensionen sind mit 133 unterzeichnet: vgl.
Zeitschrift für deutsche Philologie ö, 446.
Misi'i:u.i:\. 377
W. Wäckerriagel: einige Worte zum Schutz litterarischen Eigenthums. Beilage
zu den altdeutschen Lesebüchern von Wackernagel und Z iemann und den drei
Büchern deutscher Prosa von IL Kanzel. Basel, August 1838. A. Ziemann:
Rechtfertigung gegen Wackernagel. S. 1060 — 109G.
IV. Vorlesungen.
A. (Leipzig). Die Lieder von der Nibelunge Noth. 1837/38. 1842. 1844.
1847. 1849. 1849/50. — Historische deutsche Grammatik 1838. 1841/42.
1844/45.1846. 1S48/49. — Walther v.d. Vogelweide 1838/39.1841/42. 1843/44.
1846/47. 1850. — Tacitus' Germania 1839. 1840/41. 1843. 1845. 1848.—
Geschichte der älteren deutschen Poesie 1839. 1841. 1843. 1845. 1847/48.
1850/51. — Mittelhochd. Grammatik 1839/40. 1842/43. — Hartmanns Grc-
gorius 1839/40. — Mhd. Gedichte aus Wackernagels altd. Lesebuch 1840. —
Gudrun 1840/41. — Hartmanns Erec 1842/43. — Altfranzösische Grammatik
1843/44. — Wolframs Parzival 1845 4G. 1848/49. — Historische Grammatik
der französischen Sprache 1846/47. 1850/51.
B. (Berlin). Interpretation der Gedichte Walthers von der Yogehveide,
herausgeg. v. Lachmann 1853/54. 1855/56. — Die Elemente der altdeutschen
Grammatik 1854. 1856. 1858. — Interpretation des Nibelungenliedes (nach
der Ausgabe von Lachmann) 1854/55. — Interpretation von Wolframs Parzival
1855. 1857/58. — Interpretation von Hartmanns Gregorius 1856/57. — Er-
klärung altdeutscher lyrischer Gedichte des 12. Jahrhunderts 1858/59. — Er-
klärung der Gedichte Nitharts (nach seiner eigenen Ausgabe) 1859.
F. IGNATIUS.
Hans Ferdinand Massmann,
der älteste unter den lebenden Germanisten, ist nach einem langen, wechsel-
reichen Leben heimgegangen. Er ward am 15. August 1797 zu Berlin geboren,
der Sohn eines Uhrmachers. Seine Ausbildung erhielt er auf dem Werderschen
Gymnasium und bezog 1814 die Berliner Universität, um sich dem Studium
der Theologie zu widmen. Im folgenden Jahre zog er als freiwilliger Jäger
ins Feld gegen Frankreich, woher er im Herbste 1815 zurückkehrte. Er nahm
seine Studien wieder auf, die er in Jena und Berlin vollendete. An ersterem
Orte namentlich war er ein eifriges Mitglied der deutschen Burschenschaft und
nahm als solches Theil an der Reformationsfeier auf der Wartburg am lS.Oct. 1817.
In Berlin widmete er sich mit Vorliebe dem Betriebe der Turnkunst, für die
ihn Jahn, der 1811 seine Turnanstalt errichtet hatte, schon als Schüler be-
geisterte. Während Jahns Abwesenheit im Sommer 1S17 Stander an der Spitze
der Berliner Turnanstalt. Auch in Beiner ersten Anstellung als Hilfslehrer, die
er 1818 am Friedrich-Wilhelms-Gymnasium zu Breslau gefunden, nahm ersieh
unter Harnisch des öffentlichen Turnens mit Liter an. Im nächsten Jahre linden
wir ihn als Lehrer in M ch auch diese stelle gab er bald auf und
gieng nach Erlangen, hauptsächlich um die in Breslau an i in natur-
wissenschaftlichen Studien zurollenden. Nachdem er 1821 an einer Erziehungs-
anstall in Nürnberg eine kurze Zeit gewirkt, fasste er den Plan zu einer R
nach Griechenland, kam jedoch nur bis in die Schweiz und kehrte über Göt-
ii nach Berlin zurück, um, wie er !. nunmehr sein.' früh und
stets mit Liehe gehegten historischen Studien der Muttersprache bestimmtet
378 MISCELLEN.
aufzunehmen. Zu diesem Zwecke trat er 1824 eine wissenschaftliche Reise an7
um die altdeutschen Schätze auf den Bibliotheken zu durchforschen. Sein Weg
führte ihn auch nach München, und hier wurde ihm die Stellung eines Lehrers
der Tuinkunst bei der königl. Cadettenschule angeboten, die er nach Vollendung
seiner Studienreise, namentlich nach längerem Aufenthalte in Heidelberg, 1826
auch annahm. 1828 wurde er mit der Begründung und Leitung einer öffent-
lichen Turnanstalt beauftragt, nachdem schon vorher der Turnunterricht der
Prinzen ihm anvertraut worden war. Im folgenden Jahre wurde er zum außer-
ordentlichen, 1836 zum ordentlichen Professor der deutschen Sprache und Litte-
ratur an der Universität ernannt; auch ward er Mitglied der baierischen Aka-
demie der Wissenschaften. Diese Münchener Zeit war wohl die schönste und
segensreichste seines ganzen Lebens. 1842 folgte er einem Rufe nach Berlin,
um das gesammte Turnwesen in Preussen zu leiten; 1846 erhielt er eine
außerordentliche Professur an der Universität. Eine neue Methode des Turn-
unterrichtes, welche im Aufange der 50. Jahre sich Bahn brach, war der An-
laß, daß Maßmann aus jener leitenden Stelle ausschied und sich von da an
mehr und mehr seiner akademischen und gelehrten Thätigkeit widmete. Da traf
ihn im April 1860 ein Schlaganfall, von dem er sich zwar wieder erholte, der
aber doch zur Folge hatte, daß er in geistiger Anstrengung und Arbeit sich
mäßigen mußte. Die letzten Jahre lebte er den Sommer hindurch meist bei
seinem Sohne Dietrich in Danzig, seit 1 '/„ Jahren gab er seinen Wohnsitz
in Berlin gänzlich auf. Er starb am 3. August 1874 zu Muskau in der Lausitz,
wo er seiner Gesundheit wegen sich aufhielt.
Man sieht, es ist nicht der ebene gleichmäßige Gang eines Gelehrten-
lebens, sondern das Leben eines Mannes, der in die Fragen der Zeit, in die
praktischen Verhältnisse vielfach eingegriffen. Und dem entspricht auch die
Vielgestaltigkeit seines Wirkens. Daß er das Turnen auch zum Gegenstande
litterarischer Thätigkeit machte, lässt sich denken; seinen aufs praktische ge-
richteten Sinn und sein Geschick bethätigte er durch Holz- und Steinschneiden,
durch Anfertigung von Kristallmodcllen für Unterrichtszwecke etc. Den Mittel-
punkt seiner gelehrten Thätigkeit bildet jedoch die auf das deutsche Alterthum
gerichtete, und hier hat er durch Auffindung und Herausgabe von Litteratur-
quellen sich unleugbare Verdienste erworben zu einer Zeit, ais in der ersten
Freude und im ersten Jugendeifer die Anforderungen an einen Herausgeber
noch nicht nach dem heutigen Maßstabe gemessen wurden. Diese Verdienste
hat J. Grimm freudig anerkannt, als er Maßmann, zugleich mit Haupt, Hoff-
mann, Schmeller und Wackernagel, den mitforschenden Freunden den vierten
Band seiner Grammatik widmete. Gleich in seinen Denkmälern deutscher Sprache
und Litteratur aus Handschriften des 8. — 16. Jahrhs. (München 1828. 8)
gab Maßmann eine Anzahl unedierter Quellen heraus, die wichtigste darunter
war Lamprechts Alexander. Es waren Früchte der in den Jahren 1824 — 26
unternommenen litterarischen Reise. Eine zweite wissenschaftliche Reise trat er
1833 im Auftrage des Kronprinzen Max von Baiern an, um die Gothica in
Italien zu durchforschen; der Hauptgewinn war die eiste Lesung und Ausgabe
der sogenannten Skeireine (München 1834. 8.), wozu Maßmann selbst die gothi-
schen Typen geschnitten hatte, und eine neue Ausgabe der gothischen Urkunden
von Neapel und Arezzo (Wien 1838), in welcher dieselben zuerst in zuver-
lässiger Lesung geboten wurden. Den Abschluß seiner gothischen Forschungen
bildet die Ausgabe des Ulfilas (Stuttgart 1S56 — 57. 8.) begleitet von einem
MISCELLEN. 379
constituierten lateinischen und griechischen Texte, ausführlicher Einleitung, kri-
tischen Anmerkungen, Grammatik und Wörterbuch — eine Arbeit, deren Er-
gebnisse allerdings nicht im Verhiiltniss zu dem aufgewandten Fleiße stellen,
und die in ihrem kritischen Theile durch die neue Vergleichung der italienischen
Palimpseste überholt ist. Ganz neuerdings hat dann Maßmann noch auf einer
im Auftrage der preußischen Regierung unternommenen Reise nach Italien die
Turiner Fragmente des Ulfilas entziffert und herausgegeben (Germania 13, 271 ff.).
Auf althochdeutschem Gebiete liegen seine Erläuterungen zum Wessobrunner
Gebet (Berlin 1824. 8.), seine deutschen Abschwörungs-, Beicht-, Büß- und
Betformeln des 8. — 13. Jahrhs. (Quedlinburg 1839. 8.), die zweite von ihm
besorgte Ausgabe der Fragmenta theotisca (Wien 1841. fol.i, endlieh die Voll-
endung des Grafischen Sprachschatzes, dessen 6. Band er herausgab (Berlin
1844. 4.), und die Anfertigung des unentbehrlichen alphabetischen Index zu
dem ganzen Werke (Berlin 1846. 4). Am meisten aber hat er auf dein Felde
der mittelhochdeutschen Litteratur gearbeitet. Seine 'Deutschen Gedichte des
12. Jahrh9. (Quedlinb. 1837. 8.) gaben einen zweiten Druck des Alexander,
ferner die erste ziemlich zuverlässige Ausgabe des Rother, nach dem jammer-
vollen Texte in v. d. Hagens Gedichten des Mittelalters, den Pilatus, die Bücher
Mose, den Physiologus, Hartmanns Rede vom Glauben, die Litanei und des
Todes gehügede, fast alles zum ersten Mal veröffentlicht und manches davon
seitdem nicht wieder ediert, leider auch nicht wieder collationiert, was bei der
Straßburg-Molsheirner Hs. sehr zu bedauern, da dieselbe seit 1870 nicht mehr
existiert. Es folgte, ebenfalls eine editio prineeps, Otte's Eraclius (Quedlinb.
1842. 8.), zugleich mit dem altfranz. Gedichte des Gautier von Arras ; freilich
in der Persönlichkeit des Verf. , den er mit Otto von Freisingen identifizierte,
war M. auf einen unbegreiflichen Irrthum gerathen. An den Eraclius reiht sieh
S. Alexius in acht gereimten mhd. Bearbeitungen (Quedlinb. 1843. 8.), mit
einer Einleitung über die Alexiuslegende; in demselben Jahre, erschien (Leip-
zig. 8.) die Ausgabe von Gottfrieds Tristan, mit der P\jrtsetzung Ulrichs, wohl
Maßmanns beste Arbeit in textkritischer Hinsicht; 1847 Berlin. 8.) die Bruch-
stücke des mhd. Partonopeus, mit Auszügen aus dem französischen Gedichte
und steter Vergleichung desselben. Endlich seine verdienstlichste und mühevollste
Arbeit, die Ausgabe der Kaiserchronik (3 Bde. Quedlinb. 1849 — 53. 8.*),
■werthvoll namentlich durch den dritten Band, der die Quellenuntersuchungen,
die Verbreitung der Sagen etc. uinfasst und ein durch mehr als 25jährige Arbeit
gesammelt' Material, wenn auch nicht überall kritisch gesichtet, darbietet, eine
Fundgrube für jeden, der auf diesem Felde thätig i-t. In mancher Beziehung
berührt sich damit seine letzte altdeutsche Edition Das Zeitbuch des Eike von
Repgow (Stuttg. 1857. 8. 42. Publication des litterar. Vereins), der niederdeut
und lateinische Text von eingehenden Untersuchungen begleitet. Der deutschen
Altcrthumskunde und Culturgeschichte gehören seine mit reichem Apparat aus-
gestattete Ausgabe von Tacitus Germania Quedlinb. 1847. 8.), seine Geschichte
des mittelalterlichen Schachspiele Quedlinb. 1839), seine Litteratur der Todten-
tän/e Leipzig 1841), der Ezterstein in \\ tfalen (Weimar 1846 und die
Baseler Todtentänze' (Stuttgart 1 >■ 1 7 an. Auch sein Libellus aurarius (Leip-
zig 1841), ein nicht anwichtiger Beitrag zur römischen Epigraphik, möge nicht
*i Es war die Absicht der Ausgabe auch ein Wörterbuch beizugeben, und im
Winter 1852/53 Bammelte ich das voll tändige Material dazu, das in Maßmanns Nach-
ooeh vorhanden Bein muß.
380 MISCELLEN.
unerwähnt bleiben. Nimmt man dazu die zahlreichen Beiträge, die er zu Mone's
Anzeiger, zu Haupts Zeitschrift, Pfeiffers Germania, dem neuen Jahrbuch der
Berliner Gesellschaft für deutsche Sprache, dem Anzeiger des germanischen
Museums etc. gesteuert hat, so muß man seine schriftstellerische Thätigkeit als
eine fruchtbare und vielseitige bezeichnen.
Alle Schriften bekunden ein ausgedehntes, vielseitiges Wissen, sie lassen
allerdings kritische Schärfe und Klarheit oft vermissen. Zum Textherausgeber
war er nicht geschaffen, es fehlte ihm an dem speeifisch kritischen Sinne. Nicht
selten mangelt auch Genauigkeit und Zuverlässigkeit, Beobachtung über den
Stil und die Sprache des betreffenden Autors. Aber aus allem weht ein Hauch
freudiger und warmer Liebe uns an, überall tritt uns eine schöne vaterländische
Gesinnung, eine liebevolle und opferwillige Hingebung, eine reine und sittliche
Denkart entgegen. Und diese besten Eigenschaften seines Wesens waren es auch,
die im persönlichen Umgange mit ihm anzogen. Er war wie ein liebevoller
Vater seinen Zuhörern gegenüber, ein warmer und helfender Freund in ihre
Nöthen. Dem Gespräche mit ihm fehlten die wissenschaftlich anregenden Mo-
mente keineswegs, die wenigstens den gereifteren Zuhörern in seinen akademi-
schen Vorträgen zurücktraten. Jene persönliche menschliche Liebenswürdigkeit
ließ seine Schüler mit Dankbarkeit an ihm hängen. Pfeiffer hat es bekannt,
wie Maßmanns väterliche Fürsorge ihn in schweren Jahren seines Lebens , in
einer Zeit innerer Kämpfe gehoben und getragen hat. Ihre Briefe lassen einen
tiefen Blick in das innige Verhältniss beider Männer thun, das bis zu Pfeiffers
Tode kaum hin und wieder leicht getrübt war. Und so habe auch ich in seinem
Hause, im Umgange mit ihm, schöne Stunden geistigen Genußes verlebt. In
diesem Sinne der Dankbarkeit ist meine erste germanistische Arbeit, die Aus-
gabe von Strickers Karl (1857) ihm gewidmet, und dankbarste Erinnerung
werde ich ihm bewahren, als einem der aufrichtigsten, uneigennützigsten Men-
schen, die ich kennen gelernt habe.
Seiner dichterischen Begabung gedenke ich am Schluße mit einem Worte.
Manche seiner Lieder, vor allen das schöne Ich hab' mich ergeben mit Herz
und mit Hand haben Eingang beim deutschen Volke gefunden und werden
unvergessen bleiben. Auch in seinen Dichtungen weht ein edler, reiner, aufs
Ideale und Ewige gerichteter Sinn. Ich schließe mit einem Gedichte das im
Bade Oyuhausen 1862 entstand und das er einem Briefe an mich beilegte.
Des Menschen Leben ist ein rastlos Wallen
Zu fernem Ziel, in Ahnen, Sehnen, Glauben,
Und wie des Weges Bahnen steigen, fallen,
So wechselt's im Empfangen und im Rauben.
Ea raubt der Tod, was uns ein Gott gegeben,
Daß er nicht scheint der ew'gcn Liebe Bote,
Denn Leben ist nur Liebe, Liebe Leben,
Doch wird auch dunkle Nacht zum Morgcnrotbe.
Ihm wallen mutbig, gläubig wir entgegen:
Wir wissen daß uns aufgebt treu die Sonne,
Ihr erster Strahl gießt in die Seele Segen,
Ihr letzter öffnet uns die ew'ge Wonne.
HEIDELBERG, 15. August 1874. K. BARTSCH.
Mist i.i.i.i \ 331
Kobersteinstiftung in Pforte.
Die Unterzeichneten haben unter den ehemaligen Schülern der Pforte
•eine Sammlung veranstaltet, deren Ergebniss sie hiermit der genannten König-
lichen Landesschule im eigenen Namen und im Namen ihrer Beitraggeber mit*)
in Staatspapieren .
„ baar
überreichen. Diese Beiträge werden hiermit von uns zu einer Stiftung bestimmt,
die nach folgenden Statuten verwaltet werden soll.
1.
Die Sammlung, zu Ehren des Andenkens an den frühem Lehrer der Pforte,
Professor Dr. A. Koberstein, begonnen, trägt seinen Namen:
Koberstein-Stiftung.
2.
Das Capital der Stiftung ist unangreifbar. Das Eigenthum und der Be-
sitz an demselben steht der Landesschule Pforte zu, sie verwaltet es .kostenfrei
durch ihre Organe und sorgt für Erneuerung der Anlage, falls dieß erforderlich wird.
3.
Zweck der Stiftung ist: aus deren Erträgen ehemaligen Schülern der
Pforte, welche sich der deutschen Philologie und Litteratur oder der deutschen
Geschichte oder der deutschen Rechtswissenschaft widmen, eine Unterstützung
ihrer Studien zn gewähren.
4.
Die Wirksamkeit der Stiftung beginnt, sobald die jährlichen Zinsen die
Höhe von 45 Thlr. erreicht haben'*). Dieselben werden in einer Summe ver-
lichen, so lange sie nicht den Betrag von 100 Thlr. übersteigen. Ist dieß aber
der Fall, so bleibt es dem Lehrercollegium der Pforte anheimgestellt, die Unter-
stützung in mehreren Antheilen, jedoch keinen unter 50 Thlr., zu vergeben.
5.
Bewerbungen um die Unterstützung aus der Stiftung gehen an das Lehrer-
collegium der Pforte, zu Händen des zeitigen Rectors. Dasselbe beschließt über
die Verleihung endgültig, ohne weitere Mitwirkung einer vorgesetzten Behörde.
Der zeitige Rector übernimmt die Benachrichtigung des Bewerbers und sorgt
für die Absendung der Unterstützung.
6.
Zur Verleihung dieser Unterstützung (3) bedarf es keines Armuthsz«
uisses.
7.
Liegen in einem Jahre Bewerbungen um diese Unterstützung nicht vor
oder <•] cheinen die vorliegenden zur Berücksichtigung nicht geeignet, so fallen
die Jahreszinsen dem Capitale zu. Das Jahr wird gerechnet von I.Januar ab.
!>:<■ an di< T poniblen Ziu bilden die Unterst ützungssumme
für das laufende .Jahr.
Der bisher disj ible Fonds b 10 Thlr. in Papieren und baar.
\\ .i j< t/t schon der Fall ist.
382 MISCELLEN.
8.
Bei der öffentlichen Feier des der Verleihung folgenden Schulfestes und
im nächsten Schulprogramm wird der Name des Empfängers bekannt gemacht.
9.
Die Landesschule Pforte verpflichtet sich durch die Annahme dieser
Stiftung, diese selbst möglichst zu fördern; ferner derselben durch Geschenke
oder Vermächtnisse etwa zufließende Beiträge dem Stiftungscapitale einzuver-
leiben und 6ie mit diesem nach dem gegenwärtigen Statut zu verwalten.
Uhlandstiftung in Tübingen.
1. Stiftungsbrief.
Der Universität Tübingen stifte ich den Ertrag des von mir in der J. G.
Cot'aischen Buchhandlung herausgegebenen Buches „Ludwig Unlands Leben"
u. s. w.
Hierdurch wünsche ich die Erforschung deutschen Alterthums im Sinn
und Geist meines verstorbenen Gatten durch Unterstützung solcher, welche sich
ähnlichen Studien widmen, zu fördern.
Zu meinen Lebzeiten bestimmt sich der Ertrag des genannten Buches
nach dem von mir darüber abgeschlossenen Vertrag. Von meinem Tode an
bis zum Ablauf der für schriftstellerisches Eigeuthum geltenden Verjährungszeit
soll die Rechtsnachfolge im Abschluß der betreffenden buchhändlerischen Ver-
träge für den Fall weiterer Ausgaben des Buches auf die Universität Tübingen
übergehen.
Liebenzell, 15. Juli 1874. Emilie Unland,
geb. Vischer.
2. Grundzüge zu einem Regulativ für die Uhlandstiftung.
Zu näherer Erläuterung der von mir für die Universität Tübingen ge-
gründeten Stiftung bestimme ich Folgendes:
1.
Aus den Zinsen des Stiftungscapitals sollen Stipendien an Studenten der
Universität Tübingen verliehen werden, die sich mit wahrer Theilnahme und
mit Erfolg den von meinem sei. Gatten gepflegten Studien des deutschen Alter-
thums widmen.
2.
Es ist nicht meine Absicht, damit vorzugsweise solche zu unterstützen,
welche diese Studien zum Lebensberuf machen; vielmehr soll das Stipendium
auch solchen zugänglich sein, welche neben andern Studien der deutschen Altcr-
thumswissenschuft ihre ernsthafte Theilnahme zuwenden.
3.
Unbemittelte haben, bei sonst gleicher Befähigung, bei der Verleihung
den Vorzug vor Minderbedürftigen.
4.
Sollten solche Studenten (1) nicht vorhanden sein, so können auch andere
unmittelbare Personen, welche die genannten Studien betreiben, zum Behuf der
MISCELLEN. 383
Unterstützung in diesen Studien mit außerordentlichen Graben aus dem Zins-
ertrage der Stiftung, besonders zur Anschaffung von Büchern, bedacht werden.
5.
Ich wünsche, daß die Verwaltung mit dem Rechte des Vorschlags zur
Verleihung von Gaben aus dem Stipendium der jetzige Professor der deutschen
Sprache und Litteratur Herr A. vou Bleiler, Freund und Fachgenosse meines
verstorbenen Gatten, führe. Die Verleihung der Gaben selbst würde die phi-
losophische Facultät feststellen und nach dem Abgange des Herrn von Keller
dessen Nachfolger in der Professur der deutschen Sprache und Litteratur in der
Verwaltung des Stipendiums ernennen.
Stuttgart, 10. Mai 1874. Emilic ü bland,
Wittwe.
Berichtigungen zur Zeitschrift für deutsches Alterth'im.
Die in der Zeitschrift für deutsches Alterthum 16, 94 iV. von E. Stein-
meyer het ausgegebenen Prudentius-Glossen hatte ich mit der Kolner IIs. zu ver-
gleichen Anlaß und habe dabei folgendes abweichende zu bemerken gefunden ).
1. geidelosa, nicht getdelosa. — farzartheit, nicht fer-.
21. am Rande: glatten -i- lim**).
50. precipiti.
72. hie et lue armentalis sueiklib.
fehlt nach 81 (zu V. 42): defugas. de fuga. gae. fixt (fluht).
fehlt nach 86 zu. v. 124): lacertorum. muse.
'.'7. 98. conclaue keminadu; am Kunde: hoc conelaue -i- gkxxclui etho;
also: conclave. i. giuuelui etho keminadu.
120. golpnbsxb (also golonasuh) statt — suht.
fehlt nach 142 (zu 157) Euuoti. proprium nomen. heuuanti.
117. thrisexn. 151 hbnttafkl.
161. zeichfueri (Druckfehler).
1 66. cbznnkzale.
170. essedo. uchiculum gallieum i- sambuc.
nach 174 (zu 222) fehlt: lydius leih.
181. Binihthpn.
185. bIi sufra.
189. circulator. rizzari. sculptor.
191. bubnt aterrpn.
196. nach hbrphb: in qua pendent homincs.
197. pleuresis laterie dolor, etfchfthp.
199. bladrün.
203. artheeis. articulorum dolor i- crampho.
204. Bcalprum. i. Bcrdhisar. unde Bcalpellum dimifi.
.-. leithün.
23n. fragitida, so am Rande wiederholt, im Text«' as. prechpt, darüber
in manu.
■lit empfehlens- und nachahmt cheint mir dio Nichtauflösung der
Geheimschriften, da die Auflösung keineswegs i
| ichne auch dergleichen Ungenauigkeiten der Ausgabe, da noth-
wendig ist zu erfahren, welche Form, welcl I G wird.
384 MISCELLEN.
254. anegrabitotemo.
255. zuic.
257. unguine. salba uel su. .
nach 262 (zu 430) verdiente Erwähnung: Getae. Gothi qui prius feroces erant.
nach 271 (zu 450) fehlt: chaos uel ehao finistir nissitha.
274. oblita. circumdata corpore, biclenan.
nach 282 (v. 114) fehlt medicans, darüber fundens lupbönti.
nach 285 (zu 210) fehlt: micat. sprungezta.
293 scutulatis. uariatis. skibahten. Am Rande steht: scutulatis uestibus.
s. .uat.en.
302. bksprbhnk f.
322. die Verszahl ist 6G2.
Dann fehlt (zu v. 689) utramque ethuuetheremo.
347. mappalia rusticorum habitacula cum frondibus facta, tabernacula
pastorum, verdiente Erwähnung.
352. bislifta: das mittlere i auf breiterer Rasur, urspr. wohl bisleifta.
nach 353 fehlt (zu v. 66) matrona -i- itis.
395. strophimn. fascium pectorale. tuhil.
401. bullis. gemmis. castpn.
nach 404 fehlt (zu v. 527): monetae -i- percussura nummorum -i- muniza.
411. cornicinum. curua aera. heribouchan.
412. editiore loco tumulus quem vertice acuto; am Rande bog; also zu
tumulus.
423. imbricibus. tegulis. skintelon.
424. gislafon.
425. pelice (nicht zu sorore) kellun.
428. uuidillo, Glosse von celeps, nicht von concubitus.
432. uzkitruchnaz.
442. Zur Erklärung gehört concreto (crine).
447. Zur Erklärung gehört (vereor) ne. s. thaz.
nach 452 (in relat. Symmachi) in posterum. in futurum, hinnen uure uuertes.
nach 463 hätte Erwähnung verdient (zu v. 695) Geticus de Gothis -i-
Radegisus siue Alericus.
nach 466 (zu v. 613) fehlt: uadimonia uuettk.
483. wohl nicht ein o oder x hat zwischen xx und 1 gestanden, sondern i:
das Wort hieß uuilu.
Persorjalnotizen.
In Greifswaldhat sich im Sommer 1874 Dr. F. Vogt für deutsche Sprache
und Litteratur habilitiert; in Zürich Dr. F. Vetter.
Dr. H. Suchier, Privatdocent in Marburg, ist als außerord. Professor der
romanischen und englischen Sprachen und Litteraturen an die Universität Zürich
berufen worden, an Stelle des nach Breslau berufenen Prof. G. Gröber.
Dr. W. Wilmanns, Lehrer am Gymnasium zum Grauen Kloster in
Berlin, hat einen Ruf als ordentlicher Professor der deutschen Philologie nach
Greifswald erhalten und angenommen.
Im August d. J. f in Zürich Prof. Lüning, bekannt und verdient als
Herausgeber der Edda.
ZUM KOLANDSLIEDE.
VON
KARL BARTSCH.
Für die Kritik des Rolandsliedes ist außer dem, was W. Grimm
in seiner Ausgabe geleistet, wenig geschehen. Den nur in der Heidel-
berg erhaltenen Epilog hat Grimm in der Zeitschrift für deutsches
Alterthum 3, 281 ff. behandelt und an einigen Stellen verbessert. In
meinem Buche über Karlmeinet habe ich S. 201 — 208 zusammengestellt,
was sich für die Kritik aus den beiden Umarbeitungen ergibt. Haupt
endlich hat in seiner Zeitschrift 15, 25G — 258 ein paar Stellen berichtigt
und erklärt. Das ist alles, und doch bietet das Gedicht namentlich da,
wo die Heidelberger Hs. allein zu Gebote steht, der kritischen Schwierig-
keiten in ich genug, die ich in meiner Ausgabe nach Kräften zu heben
bemüht war.
Die handschriftlichen Quellen sind in Grimms Einleitung aus-
führlich beschrieben: ich bemerke zur Ergänzung nur, daß in 1' am
antern Rande von 1)1. XVI* folgende Worte von einer Hand <\*-> 14. bis
15. Jahrhs. stehen: lieue her ich biden dich dorch dhn- minne de du hede
zo mimlich..., ein Beweis, daß die Hs., ehe sie nach Heidelberg kam,
auf niederrheinischem Gebiete sieh befand. Ich behalte die von Grimm
ählten Siegeln bei, A = Argentinensis, P = Palatinus, S = Swe-
rinensis, \Y = Wirteinbergensis (das von Kausler in Stuttgart entdeckte
Fragment).
Zunächst folge hier eine Ubersichtstabelle, aus der ersichtlich,
welche Theile in mehreren oder nur in einer Quelle uns erhalten Bind:
1-514 P. 4217 4311 l'W.
515 B38 AP. 4312-4465 P.
14 P. 4466 5898 \l\
905 978 1 5899 3048 P.
979 L607 APS. 8049 3474 AP.
1608 1843 PS. 5 l,.. - 706 P.
1844 L900 P. AI'.
1901 ~2iri AP. 8739 -77« i P.
2728 3224 P. 8771 9016 AP.
3225 3829 Ab. 9016 9094 P.
383 I 1216 b
GERMANl \ VII (XIX.)
386 KARL BARTSCH
Es liegen mithin nur an einer Stelle (979 — 1607) drei Hand-
schriften vor, im übrigen steht entweder eine einer andern gegenüber
oder sind wir überhaupt auf eine Hs. angewiesen*). Jene längere Stelle
ermöglicht aber über das Verhältniss der Hss. sich eine Ansicht zu
bilden. Es stellt sich heraus, daß A mit P gegen S, an andern Stellen
A mit S gegen P, wieder an andern P und S gegen A stimmen; in
der Regel ist die Übereinstimmung von je zwei Zeugen beweisend für
die Richtigkeit der Lesart. So AP gegen S: 996. 998. 1005. 1030.
1031. 1042. 1053. 1108. 1115. 1149. 1197. 1203. 1205. 1206. 1267.
1330. 1332. 1342. 1344. 1352. 1368. 1393. 1396. 1416. 1425. 1428.
1440. 1441. 1476. 1491. 1500. 1511. 1534. 1537. 1543. 1544. 1551.
1553. 1557. Es sind zum Theil metrische Gründe, die hier die Ab-
weichung veranlasst haben, zuweilen auch schon das Streben den Reim
zu glätten, an manchen Stellen ist ein unverständlicher Ausdruck, an
anderen ein älterer durch einen Jüngern ersetzt. Nur 1448 könnte man
zweifelhaft sein, ob verstozet (== AP) oder bestroufet (== S) das ursprüng-
liche ist, und an einer Stelle (1438) steht, freilich in etwas unbedeuten-
dem, S dem echten näher, indem S hat man ime, AP man in, und das
richtige ist mann ime. Auch wo A und S gegen P stimmen, haben sie
fast immer die bessere Lesart: so 999. 1009. 1018. 1021. 1056. 1065.
1084. 1120. 1163. 1190. 1243. 1262. 1295. 1308. 1339. 1380. 1387. 1397.
1420. 1429. 1455. 1485. 1532. 1545. 1547. 1564. 1576. 1579. 1584. 1587.
1605; meist sind es Nachlässigkeitsfehler, und absichtliche Änderungen
kaum nachzuweisen. Das richtige hat P gegen AS an zwei Stellen,
aber in unbedeutenden Dingen, nämlich 1202 fügen bei adhortat. conj.
AS er hinzu, das P richtig weglässt (vgl. dagegen 5704), und 1457
hatP richtig ivissen statt geioissen AP, nach niederd. Art mit weggelassener
Vorsilbe, wie umgekehrt A das richtige wisheit gegen geioisheit P hat
787**). Die Übereinstimmung von PS gegen A gewährt gleichfalls in
den meisten Fällen die richtige Lesart: so 988. 1015. 1020. 1022 (vgl.
2078). 1028. 1034. 1036. 1050. 1064. 1086. 1092. 1107. 1130. 1139. 1145.
1169***). 1171. 1183. 1191. 1194. 1196. 1223. 1229. 1234. 1235. 1239.
1245. 1251. 1271. 1284. 1309. 1318. 1319. 1323. 1349. 1376. 1378.
1399. 1406. 1445. 1459. 1466. 1471. 1481. 1487. 1512. 1534. 1550.
1583.1587. 1592. f) 1596. Das richtige hat A gegen PS 1049, wo PS den
*) In den Partien, wo P allein vorliegt, habe ich die Bezeichnung der Hs. weg-
gelassen.
**) Auch 1081 weist die Überlieferung auf wissen.
***) Es ist daher wole scone zu lesen.
•}■) Daher zu schreiben iz ne wart nie nehein heiser so köre.
ZUM R0LANDSL1EDE. 387
Artikel vor dein Possessivum weglassen, wie umgekehrt A ihn 1034
weglässt; 1103 ther uns thie heilige geist gebe, wo PS die uns der, d. h.
sie beseitigen die Attraction und die masculine Artikelform thie' ebenso
1177. 1285. 1342 thie A. wo PS der*)-, 1406 der Artikel beim Vocativ, den
PS weglassen; 1411 fügen PS dem infin. ze hinzu (vgl. 543); wan statt gewan
PS 1461**), thanc statt gethanc 1308, und so wohl auch zam A statt
gezam PS 1016, zame 1374 statt gezäme PS, troice statt gebrikoe 1321;
das verstärkende so lassen PS aus 1083. 1363. 1525, wo A wohl das
richtige hat***), und auch 1352 ist das in PS fehlende thir sicherlich
echt. 1104 fehlt iz in A, kann aber in PS zugefügt sein, wie 1108
S (gegen AP) das gleiche Wörtchen einschiebt. Vgl. noch unten zu
Y. 663. Weder in PS noch in A ist das richtige erhalten 1311, wo
PS erhübe du, A gelofe hat; zwar das Pronomen beim Imper. wird
eeht sein, aber statt erhübe oder gehube schrieb der Dichter nur hübe.
Das Gleiche 1256. 1311, wo P erhüben, S urhuben, A geloben (gehfen)f).
Ein zweiter Fall ist 1398, wo A then lip, PS minen lip, das echte wird
sein then minen lip (vgl. das vorher zu 1049 bemerkte und unten zu
5238. 8375); die Übereinstimmung von PS beweist an beiden Stellen
nichts für eine gemeinsame Quelle oder ein näheres Verhältniss bei-
der Hss.
Bei Abweichung aller drei Handschriften hat A entschieden das
richtige 1086 ther aller trist, wo P daz und S das Prouomen weglässt:
vgl. meine LD. zu I, 10. Ebenso 1132 heven sih (conjunct, adhort.),
wo P si heven sich, S hevent si sich: vgl. vorher zu 1202, wo AS das
Pronomen hinzufügen; 1427 neverestu A, envirste du P, nevristet S, wo
allerdings S wie eine weitere Entstellung der Lesart von P aussieht;
1402 tht-s g<lt mih michel not, wo P ane einschiebt, S ändert iz tot mir.
In der Stellung der Worte weichen A und S ab 1116, wo P thä weg-
lässt; ebenso 1153, wo P vile für alle hat, was Lese- oder Schreib-
fehler Bein kann; 131(5 stimmen PS in der Wortstellung, nur setzt P
wie öfter 8$n statt is, A stellt um is mir; ebenso stimmen PS in nu
*) 1160. 1229. 1289 ist thie in S erhalten; 5160 in A, wo V der; 2013 in 1",
wo A mißversteh« nd ändert; 4886 lodern l" '<■ II
**) van in A gegen P 2064. Vgl Doch waldehüche 2918. rette = gereite 2368:
8806. t>rah = gebrach :i'j47. ira/t : gevoalk 8761. 6746. rinde - getinde 4690;
***) Allerdings maß mau dann 1 198 8 gegen AI' auch Recht geben in Hinblick
.-int- 1868.
f) Vielleicht anefa rih louben i<it gelouben, denn 17ku hat 8 dafür lieh er
louben, lernten = getouven hat sich in A "„'o-j'.) erhalten; loube (sbst.) = geloube 3400.
Ich habe danach louve 3600 gesetzt, wo A gtloue, V erhübe hat.
25*
388 KARL BARTSCH
1373, das A fehlt, aber PA in deheinen, wofür S einen hat. Schwer zu
entscheiden ist über die Echtheit 1458, wo A sere, P heize, S harte
hat; und 1536, wo A leite (Druck Ute), P beleite, S geleite: ich bin an
beiden Stellen der Lesart von A gefolgt.
A und P zeigen geraeinsame Fehler, die also schon in ihrer Vor-
lage standen. Schon Grimra (S. XIX) hat angemerkt fruten statt frum-
ten 4643 (P liest fruten, d. h. .friden wird in der Vorlage gestanden
haben); ferner Largis (am Anfang eines Absatzes) für Targis 4713;
ander für under (oder ein ander) 5783; das Fehlen von in ne scirmeten
5031, wie ich mit Grimm ergänzt habe, und ebenso von sprah er 3666,
was indeß zur Noth entbehrt werden könnte; vgl. 3694. 4713. Ergänzt
habe ich das in beiden Hss. fehlende Verbum auch 5802, und, wo nur
P vorliegt, 6951. 7601. Indeß noch mehr Fehler haben AP geineinsam:
es fehlt in 3281; sih fehlerhaft hinzugefügt 3359; sie eingeschoben
3523; here für heren 3593; Mahoir (Malwil) für Malprtmis 3651; there
fehlt 4488; Egers für Egeris 4499; Murlana für Murla nam 4564; thurh
fehlt 4706; thie für there 4758 (doch vgl. unten die Anm. zu dieser
Stelle); 4949 Alrin für Älrih; ime statt in 4982; so vil hinzugefügt
5142; im für in 5152; niht fehlt 5196; gescaithen für gesciethen 5231;
noh fehlt 5409; eineme fehlt 5424; Rolanten : iviganten statt Euolant :
wigant 5521 f.; Alroten statt Adalroten 5849. 5866; uns für unser 5892;
Ungeren statt Ungres 8101; unt totliche für untötliche 8139; kom für
komen 8428; vahten für vaht 8463. An letzterer Stelle ist der Plural
durch das nicht verstandene thie (= ther) zu erklären, und das ganz
gleiche Mißverständniss hat 996 die Lesart thie muozen AP statt thie
muoz (= der muoz) veranlasst (vgl. unten die Anm.).
Gemeinsame Fehler von AS kommen nur ganz vereinzelt vor;
kaum ist als solcher zu betrachten iu = iuh 997 ; auffallender schon
der Schreibfehler tunker = tunkel 1589. Für PS ließen sich anführen
außer dem schon erwähnten V. 1427 der sing, begonde statt begonden
1739, und das präs. gesamnent (gesament) statt samenoten A 1166.
Was das Bruchstück W betrifft, so ist es in den Sprachformen
alterthümlicher und mehr zum Niederdeutschen neigend als P. Einige
seiner Lesarten sind entschieden denen von P vorzuziehen: so 4224.
4239. 4294; wohl auch 4229. Dagegen falsch ist 4288. 4308: wohl
auch 4231. Zweifelhaft bin ich in Bezug auf 4261 f., wo W hat
ich ne furhte neheine dine drowe.
geliche si sich dö huoben;
während P dro : du reimt, was man für eine Reimglättung halten
könnte, deren P mehrere hat.
/.IM RoLAXIiSlJKDK. -)S«I
Es gebührt also keiner Hs. ein ausschließlicher Vorzug; im Gan-
zen jedoch zeigt sich, wenn wir von manchen durch den Abdruck
veranlaß ten Fehlern absehen, A als der relativ beste Text. Ihm bin
ich daher in den Lesarten nieist gefolgt*); nur wo die Umarbeitungen
auf die gleiche Lesart mit 1* weisen, habe ich dieser den Vorzug ge-
geben. Las gilt namentlich von BL(arlmeinet) , welche Umarbeitung
durch die treuere Wiedergabe des Originals der Kritik mehr Hülfe ge-
währt als die freiere Umgestaltung des St(rickers).
Auch in den Sprachformen habe ich mich A angeschlossen und
die niederdeutschen Spuren, die A am meisten zeigt, bewahrt, nur 5
statt uo habe ich nicht gesetzt, weil der Druck allerdings überwiegend
o hat, daneben aber auch uo, ou, verinuthlich stand in der Hs. o oder
u, was die Druckerei nicht ausdrücken konnte**). Auch das inlautende
d rar t habe ich beseitigt (s. Einleitung XXI, Anm. 2); doch hat gode
auch P 941, und podech W 4239. 4257. Noch manche niederdeutsche
Spur ist außer den in den Hss. erhaltenen und von mir erschlossenen
(set 1388, thär 5658, seilen 5672 etc.) noch zu erkennen und hätte wohl
beibehalten werden sollen: so wen statt ican 1355; redehaht = rede-
h'ift 1371 : missevel = misseviel 1437; sice = sivie 1693. 3779; ziet =
ziehet 1696; mentätige = meint. 1929 etc.
Dagegen bin ich P, nicht A gefolgt in den von A ausgelassenen
Stücken. Es sind dieß drei größere Stellen: statt 839—978 hat A nur
zwei Zeilen: Ihr Laisrr besprach sich drate mit des riches rate. Ferner
fehlt 8739—8770, ohne daß eine Lücke bezeichnet wäre, und der
Schluß von 9017 an, ohne daß anzunehmen wäre, daß der Schluß der
IL. A nicht erhalten sei. Jenes erste Stück ist von V. 905 an auch
in S enthalten, und ebenso lag es den Umarbeitern vor, es ist also
an seiner Echtheil nicht zu zweifeln, wenngleich im französischen Ori-
ginal ihm nichts entspricht. Leim und Versbau sind ganz wie im übrigen
»■.dichte. Die beiden Verse, welche A dafür hat, weichen in der Ortho-
graphie vnii dem vorausgehenden und folgenden ab, sie haben der,
drate, des statt des in A üblichen th, ferner besprach statt besprah]
sind also sicherlich von einer andern Hand in A geschrieben ge-
wesen, vielleicht am Rande. Es ist im Wesentlichen dieselbe. Ortho-
graphie, die auch P hat, und die in A nochmals wiederkehrt von
\ . 1 < "•'•! fc853 der was unter, mit then in derselben Zeih- beginnl wieder
*i 7:;i f. 3696. 3622 nicht, wo offenbar der Beim geglättet ist, wie P ihn an
ändert n Stellen ebenfalls glättet.
Doch li.it auch P got = gttot 5902; aber hier kann ein Biißverständnisa
gen.
390 KARL BARTSCH
die gewöhnliche Orthographie. Aus beiden Stellen ist zu schließen,
daß die Vorlage von A schon lückenhaft war; sie sprang von 838
auf 979 über, eine andere Hand ergänzte die Lücke durch zwei noth-
dürftig einen Zusammenhang vermittelnde Verse. An der zweiten Stelle
wurde die Lücke aus einem andern Exemplare ergänzt, das P im Text
wie in der Schreibung ganz nahe stand.
Das zweite in A fehlende Stück (8739 — 70) ist ebenfalls vom
Stricker wie im Karlmeinet umgearbeitet; auch entspricht seinem In-
halt das französische Gedicht. Daher ist hier ebensowenig an der
Echtheit zu zweifeln.
Der Schluß endlich bietet schon durch die darin enthaltenen Be-
ziehungen auf den Dichter die Gewähr der Echtheit.
Das Fehlen dieser beiden Stücke in A ist, glaube ich, anders zu
erklären als bei dem ersten, nämlich durch eine doppelte Redaction,
welche das Rolandslied durch den Dichter selbst erfahren. A stellt die
erste, P und die Umarbeitungen die zweite Redaction dar.
Ich lasse nun die Lesarten der Hss. folgen, indem ich mich bezüglich
der orthographischen Abweichungen in P wesentlich auf das beschränke,
was bei der Collation der Hs. sich als abweichend von Grimms Texte
herausgestellt hat. Da APS in Abdrücken vorliegen, so würde ein Ver-
zeichnen orthographischer Varianten ein unnöthiges Anschwellen des
Apparates gewesen sein. Nur wo P allein vorliegt, bin ich etwas frei-
gebiger in Mittheilung der Abweichungen gewesen.
17 sun. 18 frum. 30 imir, am Schluß der Zeile. 34 betten.
40 unde am Anfang der Zeile mit W. Grimm zu ergänzen ist unnöthig.
91 hie ist zwischengeschrieben. 102 erwirbit: das b ist aus u gebes-
sert. 105 sterne. 126 unt Grimm: fehlt. 128 Wernes: vgl. meine
Anmerkung zu dieser Stelle. 130 thie Grimm: fehlt. 131 bei Grimm
in zwei Zeilen; der Punkt nach geswichen ist aber in der Hs. ausra-
diert. 138 sprachin. 159 in übergeschrieben. 162 di, am Schluß
der Zeile. 163 di selbe, am Schluß der Zeile. 168 ime nach wart
mit Grimm {Benecke) zu ergänzen ist nicht nöthig. 172 gewerre.
178 es ist nichts zu ergänzen] vgl. meine Anm. Grimm und dö si im ver-
nämen, mit dem folgenden Satze verbunden. 179 zucht. 183 geheizen,
für ausgestrichenes geize. 195 alt erben, von Grimm gebessert.
205 nach si ein atisgestrichenes hin (aus der vorigen Zeile eingedrungen).
für thiu apgot] den apgoten, aber en am Schluß ausradiert. Die von
mir gesetzte Lesart wird durch die Übereinstimmung von Stricker und von
Karlmeinet bestätigt. 210 getü. 218 von Grimm übersehen; Hs.
uwir meister schefte unter tan. 234 gotes St(ricker) und K(arlmeinet) :
ZUM KOLANDSLIEDE. 391
fehlt P und bei Grimm. 236 sorgen; vgl. 195. 210. 324. 372. 452. 590.
591. 608. 610. 784. 785. 790. 836. 1203. 1465. 1680. 1913. 2719. 3356.
3424. 3992. 4291. 4504. 4992. 5078. 5620. 5708. 6012. 6038. 6251. 6262.
6362. 6772. 6988. 7542. 7712. 7715. 8388. 8456. 8858. 8879. 8994. 9014.
253 selbe im selbe herre ; un, nicht im, wie Grimm angibt. Der Schreiber
gerieth bei -ser in das vorhergehende selbe. 258 vor kelh ausgestrichen
hei. 262 ktininc. 267 ih, nicht ich. 268 diu deü. 270 ge-
truwe. 273 here] her, h mit rother Farbe zwischengeschrieben. 296 sih
fehlt, geben maze; vgl. zu 236. 301 ain. 303 tortolose, und das
ist nicht in Tortose zu ändern; s. mein Namenregister. 311 uerwan-
delet. 313 stan hns. 323 rafte. 324 snellen. 328 gwinnnin,
nicht gew-. 333 di. 338 kerte. 341 in di, am Schluß der Zeile.
370 werde. 372 miten. 376 zuo there cristenheite Str. und K.J
in di cristinheit. 384 sömte. 386 kere. 392 manigen lante.
Nach Maßgabe der zu V. 236 angeführten Stellen ist eher manigen lanten
zu schreiben. 399 unter, statt ausgestrichenem uf. 410 da, zwischen-
geschrieben. 418 ge weltiget; vgl. 558. 419 er Grimm: fehlt P.
428 tochte. 439 ime fehlt. 444 Fundevalle ; Fundeval haben Str.
und K.. Val Funde das Original; aber Vallefunde wegen 3522 zu schreiben
ist nicht nöthig; vgl. meine Anm. 452 gereiten. 481 du Grimm:
do. 489 unsich, ich scheint ausradiert. 496 uns- sich in zwei Zei-
len. 497 daz Grimm: da. ie. 503 iht Grimm: ich. 513 aller P.
515 enbeite P. 518 bim P: sin A. Vgl. 826. 984. 1673. 5277. 5893.
8159. 519 Ylaban unde andriu kint P; ich halte diese Lesart in der
TJiat nur für Entstellung von dem toas A bietet. 524 da zu P. 526
rate /'. 527 kein Absatz A. 528 mit, zwischengeschrieben, P. theme
fehlt A: vgl. 1352$. 529 da wir nicht widire mfigen P. 530 da
zu P. 531 kerre A. 532 du minir lere P. Mit P stimmt K. 408, 27
allerdings nberein. 540 kuone unde ethele A ; vgl. 766. 541 tha A.
542 MicheKsil. 543 zen phahen P. Vgl. 1411. 544 in P. So hat
A häufig an nach niederdeutscher Art (vgl. zu Crane 37) statt mhd. in.
Vgl. 657. 595. 678. 730. 736. 760. 825. 984. 1008. 1013. 1058. 1062.
1091. 190). 1953. 1971. 2027. 2329. 2409. 2536. 2549. 2587. 2621. 2638.
2671. 2715. 3305. 3325. 3368. 3511. 3528. 3541. 4472. 5145. 5147. 5157.
5166. 5636. 5806. 5859. 8192. 8411. 8720. Doch steht auch tarne für inne
4943. thi für tha 5370. thir für thar 5404. thizfür thaz 5434. i-nphih für
enphah 6502. vgl auch 5777. Ebenso S; vgl. 927. 935. 961. 991. 1043.
1059. 1074. 1105. 1258. 165»;. 1664 1777. Beide überemstinwiend, we
Pin hat, 1262. I' hat ;„■ für in 723. 5467. 8781. 8817. 8877. 9006.
an ist an allen diesen Stellen wohl <l<ts mm Dichter gesetzte. 548 dienen
392 KARL BARTSCH
vorchtliche P. 550 der got nine P. 552 gat A; ergät haben auch
St. und K. 554 abe] von P. 556 mannelich A, manlich K. 557 in
P und K. 558 du P und K: fehlt A. In P ist du zwischengeschrieben.
thaz A: sine P. de lant K. 564 erloesen P. 566 lobeten Pund K.
567 Thier A, Der P; «wcA St. hat nur den Artikel. Vgl. 550. 569 zo J.,
fehlt P. 574 Gerglano von there marke A. Die Lesart von P könnte
Reimglättung scheinen, sie wird aber durch St. 1158 bestätigt. 575 bai-
ziel P. Palziel St. 579 thare kora fehlt AP. St. hat daz niunde was
Jömel, fand also vielleicht in seiner Vorlage den Vers auch schon lücken-
haft. 589 mugend A. gesceiden P. 590 dar — veilen P. 591 ge-
winnin P. 592 rnin(?) sinne A. 595 in P und K, aber St. an.
596 zu then A, ze P: Str. zen, K. zo. 600 sie] die P. 604 so
wer A, swie P. 608 muoze AP. 609 vor corderes der stete P,
geändert um einem Mißverständnisse vorzubeugen. Vgl. meine Anm. 610
Bit A. then fehlt A: durch den got auch K. 426, 40. bete P, um den
Reim, zu glätten, vgl. zu 236. 614 an] mit P; Ä'. hat in; vgl. zu 544.
615 er fehlt P. 617 imo sende P; mit A stimmt K 618 olbende P.
620 unde andere gebe mere P; i£ 7iai ind ander en geyne mere, was
aus der Lesart von P entstellt sein kann. 622 ir fehlt A. Vgl. 1197
in S. 623 da— dinge P 624 gewinne P. 626 tha A. 628
gwande P Allerdings hat auch K gewande und, St. richiu kleider, aber
die Änderung lag allzunahe als daß dieß etwas beweisen könnte. 640 en
ne P. dorste A. behefte P. 641 ze deme gesezze P 643 bom-
garte A, bougarten P. 649 springin A. 65 1 vü P, fehlt A. 652
wunne P. 653 vrachemphen P. 654 uon — wenchen P. 657 da
obne uz spranc P spranc: adelaren ist ein undenkbarer Reim, offenbar
ist die Reimform vlouh (= vlouc) Anlaß der Änderung gewesen. Auch
steht nach adelaren kein Punkt in P. 660 da si P. 663 und fehlt
A, und vielleicht richtig. Es scheint ein dno koivov vorzuliegen. 668 then
fehlt P. 672 nie fehlt P; ney hat auch K. 674 rehter fehlt P
678 in P 681 zewaren A. 682 uffe A. 683 antlize P, anlizze A.
684 then A. wol A, fehlt P. 685 vor scowen ausgestrichen swou-
wen P. 687 sterne P 692 herlich P, aber vorher über der Zeile
zi. 694 niht noh A. gescouwin P 695 die lüchte P then fehlt A]
vgl. 610. 696 der sunne P. 704 rihte (?) A. 705 er chonde P
706 ein guot P Allerdings hatte auch die Vorlage von P schon ein; wie
sich atts der fehlerhaften Wiederholung in der folgenden Zeile ergibt, und
St. hat ebenfalls ein guot knecht , aber das beweist nichts für die Ur-
sprünglichkeit dieser Lesart. 707 vor uz ausgestrichen ein gut P. 708
in thie werlt fehlt A, auch St., indeß wer zu den langen Vers kürzen wollte
ZUM ROLANDSLIEDE. 393
konnte es kaum anders als *t. that. 709 dare vure /'. stunt A.
710 hob er alsus .1 713 irboten P; K. hat enboden. 714 von
deme von P. 716 hieze P, ne liiez A. gewerden P. 718 me-
gede /'. wurde P. wart er . 1. "<23 an /', wohl das richtige] vgl. zu
544. 727 wir sin A. 730 in P. niht ne sterben A, iht irsterben P.
731 suihte allez an .1. 732 ther alte man A. 734 dir enbiutet P.
736 in sinim P. 738 getorsten A. 741 Thies A. 742 gebiutest P. ■
746 su waz .1. al daz P. du is herre wil P. 750 garren 7'. 753
dar /'. erzaichen A. 755 wole fehlt A. 756 nu tu P, do A. 758
wither fehlt /' 760 in P. 763 tha A. 764 werde P. 766 und
/eAft /'. 773 rede getichte P. 777 heilige P. 784 got fehlt P.
walten P. 785 sconerne(?) A, sconen P, geberen P. 787 gewis-
heitP; vgl. 1457. 788 herre /eM A. 790 du zewalte P. 795 then
fehlt P. 797 gif 4. 798 vorsten A, vürstin P. 800 \\üv frhh P.
802 wole uaren A 803 gewogen P, darm tciederholt {durch Verirren
zu dem ersten muget) un möget uwere sele wole gewegin P. 804 und
fehlt A. iemer uwere vroliche P. 806 machmot /'. 809 dar P.
812 gelofet ir A, glübit P. 825 einem P. in P. 826 sit ir A.
her zu mir P. 828 muz ich P: a« ch K hat wil ich. untwiken J..
829 bezeichinot P. then sige A: vgl. meine Anm. 830 hir nah A.
komet P. 831 daz sich M. bekerel /': St. und K. stimmen mit A.
833 swaz M. hat widir mir P. 836 habt P ir feh't A. sorge P:
236. 859 vile kunner seilt fehlt P. 878 burgetor P. gwun-
nen P. 880 die P, nicht di. cristin P. 881 mons oy P. 888
choelten P.
905 gisele P, /i>W>/ gisile. 907 nu| un S. nur/, ratet durch-
strichen waz wir (fehlerhaß aus 906 wiederholt) P. 913 groz $.
914 gwinne P. 917 ih ,/W,// P. 921 mahrnete & 922 ßi gewel-
tigent >'. so geweldigent si P. 923 risenot & 924 die P. 925moze
wer 8. imir wole glagen P. 927 in /'. 930 erste /'. 931 üb,
H*'c/^ lij» /'. 932 Bwenne 8} swanne P. die zit S. 933 sal S,
scole P. 934 vile fehlt S. wal .\ wole /'. 935 in /'. 938 ge-
.-tiuint P, er gestuot 939 nu wole herre P. 941 gode P.
942 di p. 946 leite P. 947 anz fehlt S. zo den & 951 be-
kennen S. 953 unrein«'/. & 955 Barreguz <s'. 957 ze Btoeren S,
vgl. L330.' 959 niwez mere & 961 in P. 962 triwieliche & 963
nahretich & 964 g< wi Itigel PÄ inei -s'. 966 Nu un
iemermereÄ 967nodigen& 968in/eA&& 972 alsez S. 974cro
nen 8. 981 gebuwen /'. 982 sculen .1 ächull PS. :,st an .1.
ir, nicht er /'. sit, da/rüber birt .1 1 '■<//. v 518. 988 uns allen /eAA .1.
394 KARL BARTSCH
990 Tha A, darzo S. tha A : dir P, so S. 995 ni volge A, uolgen Pr
uolle ge $. rabene A. 996 thie muozen AP: zu erklären aus dem
nicht verstandenen thie = ther, das als Plural genommen wurde. Vgl. 550.
567. Die Lesart von S sine sete ne sule wer nicht haben ist keineswegs,
icie Grimm meint, die echte, sondern eine willkürliche Änderung der nicht
verstandenen Vorlage. St. hat den man in boesen siten siht. 997
iu AS. 998 olezwih A. 999 den P. turteltubin P, turturtuben S.
1000 uesten P. 1001 uweren scaffare A. 1005 mit S. rotem P,
roten A. 1008 nu fehlt S. an cit A, enzit S. 1009 des ui rlihe
derP 1011 vone A, van S, von P. 1013 an A. 1014 tugen-
lih A. 1015 gelobesam A. 1016 dem PS, de A. gezam PS.
1018 deme P 1020 hete ih A. 1C21 tusent helde miner manne P
1022 sint geslagen A. eruangen S. 1024 ze der marter uundet
man P mater S. rehte A. 1027 nieme & ne fehlt PS. 1028 ze
/eÄft A. 1030 wie & meare P 1031 dar in daz ir S. 1034 then
/eÄfo A. unseren 4P 1036 in A. 1040 haben & 1042 geualle
ich minen S. 1043 an S. 1046 iemer /eAft A. 1048 iegeiihes
«m Schluß der Zeile, P 1049 thaz fehlt PS. 1050 uertrugenz,
am Schluß der Zeile, P, vertruh iz A. sine michelen >', sin A. 1053
sin /eÄ& S. ne /eftft P& 1056 urlobes A, des urlobes P 1058
an A. 1059 an S. 1062 an 4. 1064 ire fehlt A. 1065 thes]
is /'. 1066 oder, aus oder in ader gebessert, P. 1074 an S.
1075 chrump P 1076 maehte P, mohte AS. thieoest A. iet 4,
ich P geschaphen PS, gescaffen A. 1081 gwisse P, g übergeschrieben.
Wahrscheinlich ist wisse cfo'e echte Lesart; vgl. 787. 1457. 1082 mi-
chelis (-es) PS. 1083 so fehlt PS. 1084 daz P scol A, schol P,
sal £. 1086 Thiu solte A. wesen 4, si P ther 4: daz P, fehlt S.
1087 sen .4. 1089 wesse {wohl wsse) 4, wuochse P, wochse S.
1091 an A. 1092 wolde ih A. gerne fehlt S. 1097 sin &
1098 al under wege A. 1100 raten S. 1104 iz fehlt A. 1105
an£. 1106 uns PS. 1107 uns allen A. 1108 zemt iz niht S.
1110 sament 4. 1112 zeichen A. 1116 vor ime da S, vor ime P,
1119 hirA 1120 uder slach P 1124 dar PS. 1125 ne fehlt P.
1130 sine] ire .4. 1132 si heuen P, heuent si S. 1139 üble thine
salte herre A. 1141 hete AS, het P. 1145 ungewegen A. 1149
nu] noh A. haben] untfahen S. 1150 die S: ther AP. tha 4.
1151 üble P. 1153 gerwet(?) A. uns alle hir nah A, uns hernach
alle S, uns hernach uile P. 1155 gestericheten 4, gestreichtem PS.
1160iuwet£, iewet A. 1163 die uns der PS. geist fehlt P. 1166
samenoten A, gesamnent S, gesament P. 1169 die S. vile] wole PS.
ZUM ROLANDSLIEDE. 395
1171 ir fehlt A. 1172 mannelih 4. 1173 vor AS. 1177 der PS.
1178 tene, zwischen geschrieben, P. 1183 cortüne P, virtune 4.
1184 diebalt PS, Teibat4. 1190 gergirs PS. gergir />. 1191 gri-
seis A. 1193 brittannia, ein n übergeschrieben, P. 1194 stunt S:
ther stunt .4, gestirnt P. al /eAft 4. 1197 ir fehlt S. 1198 üben A,
übet P, nicÄ£ über. 1200 thar A. 1202 er neme AS, heithene A,
beiden P. 1203 oder man uure die boten hinne A. 1205 ne fehlt P,
uil ne S. 1209 ne fehlt P, un ne S. 1210 gewerliche PS. 1211
Mables X. 1215 unsen S: unseren AP. 1220 uore A, uort & 1221
minen A. 1222 biscoph, b aus oder in p verändert, P. 1223 selbe
/«Äft4. 1227 da P. 1229 di#, ther AP. sagend. 1231netruwe4.
neheiner hat auch P. 1234 uersezzen S, uersocben A. 1235 ime
urithe A. lazzen, ein z übergeschrieben, P. 1236 nine PS, niht ne A.
1237 minen 4. 1238 fehlt A; vgl. K. 438, 6. 1242 wither 4P.
1243 lageten A, geleiten P. allu A, fehlt P. 1244 vorhten sie A.
1247 sanctum A. 1251 er fehlt A. lip, am Schluße der Zeile, P.
1252 kruke 4. 1255 bluet P, bloet A, blürae <& In 4P darüber
flos. 1256 scolt 4P, salt S. urlouben S, geloben 4. 1258 an S.
1260 thine] thie P. 1262 in P. 1264 biscof4P, bischof S.
1266 maehten P, mehten S, mohten 4. 1267 geweit >'. 1268 ge-
restet S. 1269 uaste P. 1271 sterken 4. 1272 habe P.
1273 get sizzen S. 1274 gesizzit P. 1277 alle 4, al S. 1279
sinÄ 1280 biscofe 4, bischoffe S. 1283 wil S, fehlt P. 1284
so] thu 4. 1285 der PS. 1289 die S, ther 4P. best 4& 1292
grozzer, ein z übergeschrieben, P. 1293 scol /, sal AS. 1295
daz er iz wole P. 1296 lone 4. 1297 thienet 4. 1299 tha
vore 4. 1304 sie ne hilf 4, in ne gehilfet S. 1305 tha ane 4.
1306 weincte S. 1308 des (Schluß der Zeile) ne heinen P. thang 4,
gedancPS. 1309 sende 4. tha 4. 1311 urloube S, gelofe 4:
v$fJ. 1256. du ez S, iz 4. 1316 is mir 4, mich mir 9i" P. 1318
alles fehlt 4. 1319 schiere PS, wole 4. 1321 trowe 4. 1323
dinen P, thie 4: t#J. 1260. 1325 ne fehlt P. 1330 zestorent £.
1331 ne fehlt P. gewaehne P, gewehne S, gewah 4. 1333 böte 4.
1339 herre fehlt P. 1342 were -6'. der PS. 1343 iethoh then
ende 4, daz ende iedoch P, daz ende aS. wole wole P. sagen , 1.
1345 scolt 4P, salt S. 1349 mit fehk A. rowe 4, gode S. 1352 thir
fehlt PS. thune fehlt P. 1353 thaz iz mir 4. ne fehlt PS. ver-
wizzeP. 1355 wenne PS. 135* tonde ,1, tuone PS. 1362 ne
/eÄÄ PS. gewaene P, gewah 4, geweh S. 1363 BÖ /«ÄÄ PS.
1365 sament 4. 1368 triwesten S. 1369 gczeichen J. 1371 rede-
396 KAKL BARTSCH
haht P 1373 meu S, me P. nu fehlt A. einen S. 1374 zeme A,
gezeme PS. 1376 scol AP, sal & ins P, es in & 1378 Spra-
hen A. 1379 maechte P, mehte S, mohte A. 1380 romischeme
riebe, uogete. P 138lsowaA sende P. wolde APS. 1386 under
den hersterbe S. 1387 allez fehlt P. 1388 acb P, bueb & unde
un we P. sce] sie A, gesche S, geschehe P. 1390 geiste A. 1393
ist idoch min S. 1396 there] diner S. 1397 scol AP, sal &
ouch 5, fehlt P dir Ä. 1398 scol ^1P, sal S. minen] tben A: viel-
leicht ursprünglich tben minen; vgl. 1049. lib AP, lip & 1399 nu
/e/iZf J.. 1402 des gat (aus hat gebessert) mich ane P, iz tot mir &
1405 gezochelicbe A. 1406 ther fehlt PS. swager 4. 1408 wis A,
wiser & 1411 intphahen A, zentphaben PS. 1413 sinne A.
1415 siebs P, sih A, es sich *S. 1416 genuh werete sich Genelun S.
1417 hantschün S. 1420 di'ze hast du P 1421 üble P wr ime
durchstrichenes dir P. 1425 ne /<?M P, nu ne & 1426 vone P,
van $, von A. 1427 enuirste du P, neuristet S. 1428 ist] diu
ist S. 1429 ungebaren P. 1430 hantschon S. auer A 1435 hant-
schon S. 1437 misseuel A. 1438 man ^P£. in AP. 1440 ze
/g/*& S. 1441 unwirdeclichen (n atisradiert) /', unwetlichen S. en-
phibe, am Schluß der Zeile, P. 1442 muoze A. 1443 maehte P,
mehte 5, mohte Jh ebenso 1449. 1481. 1445 unde fehlt A. 1448 er
bestroufet S. 1454 Bazanza A 1455 choment P, keinen S.
1457 an A. gewissen AS. 1458 sere A: heize P, harte S. 1459 nu]
ia «S. 1461 sehein S. gwan P, gewan S. 1465 gesunde JLS.
1466 tbat A. 147 1 ienoh fehlt A. 1473 sal APS. 1475 nehein PS.
1476 also S. 1479 scol AP, sal 5. 1482 gezochen A. 1484 nicht
gezeme PS. 1485 ein roubere were P. 1487 ther sprah gezoeben-
licbe A. 1489 unzuhten S. 1491 gezimt S. 1493 also liep so
iueh S. min PS. si APS: vgl. 1363 und zw 236. 1497 bethenket A.
1498 zon P ne /eÄft PS. 1500 ne fehlt P, nu ne S. 1501 li-
uende A, lebene & weist PS. 1502 ingesigele A. 1509 wirthet A}
wirdet P, werdet & 1511 gut heil S. 1512 also] unde A. wis P.
unde munt A. 1524 ih fehlt A. in & 1525 swederhalp er PS.
1526 mohte sciere A. 1528 mit gote S. 1529 du nim 5. 1530
nu] un PS*. 1531 helfen 8. himlischin (Schluß der Zeile) P. 1532 da
wir P das zweite da übergeschrieben P. geeren S, eren A. 1534 lieber
man g. S. geswager A. 1536 lite A, beleite P, geleite S. 1537 sä]
da S. 1540 genulune P. 1542 dar Ä 1543 claien vn S.
1544 van siben S. 1545 gereht #, gerete A, gereit P. 1547 ster-
ben P. 1549 phelle P 1550 io perlen .1. 1551 gestaine die P,
ZUM ROLANDSLIEDE. 397
mit steinen S. 1552 luhtent A, die luchten S. Sternen AS. en
gegen S. abent AP, ab . . . S. 1553 aachant P. 1554 smaradde A
1556 onichinus A. 1557 mohte A, maechte iz (iz zwischengeschrie-
ben) P, mehtez & 1558 luchte P. 1560 berillen P. 1561 ama-
tisten A. 1564 wole /eÄft hier P. zerae .4, gezemen P. 1565 wole
karle deme maeren P. 1568 lehte AS: legite P. 1569 zirlili AP&
1570 go(u)den A. 1571 waehe A, . . .ge & 1572 tha A. 1574
dar & 1576 si schinen P: um das ano xotvov zu beseitigen. 1577
sine A. 1579 was fehlt P. 1580 gemmen S. 1581 rainne A.
1583 ine mitten A. 1584 mugelar -4. raere AS, beste P. 1585
al P. franzen & 1587 uonem houbte P, von sineme A 1589 tun-
ker AS. 1590 liubte AS. 1591 thiu A 1592 en war P.
nie nehein PS. 1596 tha wnderes ane A. 1598 vone 4P. 1599
dar/-', zeichen A 1603 war P. 1604 meines derzoge S. phach P.
1606 ersta'ph P. 1607 rou AS. 1608 inder, nicht under, P.
1616 zabel & 1619 von ime, zur folgenden Zeile gezogen, P, dar in S.
1626 mantiel S. 1629 al P. 1630 gezale, ge übergeschrieben, P.
1631 tale PS. 1641 sin S. 1642 hinnen Ä 1644 uzer S.
1645 zile P. 1646 derre S, dirre P. 1647 al P. 1649 mar-
liiz S. taskprun, k übergeschrieben, P. 1651 dri P. 1652 sine
achslen S. 1656 an S. 1657 lebenten P. 1663 weineten S.
1664 an urteil S. 1670 gedachte mit sinen P. 1673 ir sit & zuo
theme töde fehlt S. 1675 wole zwischengeschrieben P. 1677 lone P
1678 gerne gesculde P 1680 eren S. 1682 sit S. 1691 daz er Ä
weisen S. 1693 swe iz S. sinen (o/ine in) willen willich besten S.
1695 scol P, sal 5; ebenso 1701. wo\e fehlt S. 1696 ziht /', ziel &
1700 er habe & 1707 phaphte P. 1708 lazze P. 1710 iuh
ouchä 1712 dar S. 1715 ratet ir ere P 1722 sehe S. 1726
zwiuelliche P, . . .lieber S. 1727 ne sie ich S. 1729 schieden &
1730 de iaraer P. 1733 erde S. 1734 von der P. 1738 sehen &
1739 begonde P, begunde S. 1740 wuften P 1742 der herre gol #
1744 gesehege s. 1746 da & Bine] dii 1747 an dilede S.
1750 trurlichen P. 1752 ir kurzwile & 1753 sageten P
1754 sagti-n /' 1756 vil vru 'S'. 1757 erhalte & erbalt. • fad mich st.
1759 neben ime P. 1763 iirage /'. L764 Bine man. ratgeben /'.
1765 onh' fehlt P. 1772 rfizen -\ rfizzen /'. boelan PS L773 alle
Bam 8 1777 an& L780 swanüe ers sich wil erlouben S. L785
iueh dar ieraer S. Bizze P. L787 arage P. IT'.» 1 neheiner S.
1799 könige P. L805 wilt du /'. wiltn A L806 ßage P. L809
gip'Ä L810 dar & 1813 dann abc /'. dni \ hurt«' g.-.-ag.-ii S.
398 KAI*L BARTSCH
1820 behalte S. 1825 dir sin P, is dir S. 1828 wele S. 1829 er-
kentih S. deheinin P. 1834 küninclich P 1841 hete PS. in der
hant S. 1843 geuaztem P, am /Schluß der Zeile. 1844 chunige.
1849 geweitige. 1865 wellent. 1866 kaerlinge. 1870 künige.
1878 zesamme. 1879 wurtbe fehlt; vgl. K. 446, 36 und St. 2382.
1881 maechtet. 1882 mit frithe fehlt; vgl. K. 446, 41 und St. 2385.
1883 mir thes] dar zu; K. 446, 42 mir des, H. 2386 mirs. 1894 von
du. 1898 erurüte. 1900 mit notte (niute?) beginnt A wieder.
ander stunt P. 1901 an thie A 1902 rechuchte P, hugete A.
sich rehte uzzen P. 1904 den geberen P. 1905 müzzere , ein z
übergeschrieben, P 1906 unz fehlt A. 1910 hergesellen A; vgl. 2218.
1911 thir] is iu P. also P 1913 thiete A. 1915 ne geswichen
fehlt P, niemmir steht am Schluß der Zeile. 1916 deheinen P. 1919
si P. 1920 einen oeleboum P. 1921 genelun P. 1929 mentae-
tige P. 1930 uerkofte A, uerchophte P; ebenso 1936. 1932 uil
üble P. ergie A, irgen P. 1933 erhie A 1937 uerchouphte P,
uerkofte A 1939 magigen P. 1940 ime fehlt P 1944 In P.
1948 alle samt P, also samen A. 1953 an A 1954 nehainen A.
1956 Er rorte thatz A. 1958 sconem P. 1961 natural. 1965 er
fehlt A. 1966 smeizzet A 1967 wormbezzech A, wiirmbeizeich P.
1968 imen P 1969 daz bezeichenet P 1971 falses A ualsches P,
s übergeschrieben, in P. 1972 er P. 1973 sin müt ist innen P.
1974 gebehchet A, gehechet P: K. 448, 20 geswechet. 1975 aver
fehlt P; euer Ä'. 448, 21. 1977 lerne P. 1982 wonten P. thä
/eAft A 1984 gelouet A 1987 heide P. 1991 uil State si ime
daz P. 1992 Der rat der P. 1997 got fehlt P: t#Z. #. 448, 43.
gehalte P; behalte ctmcä iT. tmd £k. 1999 unde gebe P: die geben
auch K. und St. 2001 behotest A. 2003 thih 4. 2006 er worue P,
eworfen A 2007 alse —was P. 2013 boten A. rede P. willen A.
2016 du sprach P 2018 kein Absatz P. 2021 sine alle getroste P:
vgl. St. 2570. 2025 der keiser P. 2027 in die P. 2029 an einen
waren got geloubest P. 2030 gwisheit P. 2032 di P, then A
cristinheit <*e* P. 2033 ste P. 2036 sine A. 2037 miist du P,
moste 4. 2038 behabest du P: £*. 2585 behaltet. 2043 tha A
2044 wither A. 2045 mohte thih erweren A. 2047 offe 4, uon P.
2052 Marssilie P. 2053 Er Weihte A 2054 gwan P. 2059 spranch,
n übergeschrieben, P. 2060 greib A, begreif P. 2064 er entwisgte P.
2068 kunige 4, küninge marssilie P. 2069 dinen gwalt P. 2072
diente P. 2074 gurumte P, gerumete 4. mit fehlt A. Die Lesart von
A (gerumete) ist nicht schlecht, kann aber, wenn die gemeinsame Vorlage
ZUM ROLANDSLIEDE. 399
von AP gurumete hatte, auch Änderung sein. 2075 nie also glastert
wartP. 2078 bin bunden A: vgl. 1022. 2081 veigenj weinen A
2083 uberwinnest A. 2084 dofest A, tobist P. 2088 hauen A.
2093 kein Absatz P. 2095 kunige AP. 2096 du, nicht du, P.
2102 ruwe P. 2104 heizet. 2111 sprah A, prach, davor ein s
ausradiert, P. massilie P. 2112 ingesigele A. 2117 ir fursten P.
2118 dirrre P, thisse 4. 2119 tumliche A, tumplichen P. 2123 su-
maere P. 2125 ze] iz A. 2127 wirt AP 2129 geteilen P.
2131 iemmir raere P. dar P, ther A. 2136 ungezoliche il, unge-
zogenlichen P. getan P. 2137 zuo einere antworte A. 2138 ge-
uazeten A geuaztem P. 2141 mohte A 2142 gesellende P 2146
chünincliche (tfcfcfojfl der Zede) P. 2147 dir also P throt A 2148
han A, is herre haben P 2149 wirt ^4P 2150 hat ze leide P
2152 ther zornte A; vgl. 2053. 2156 unser — han A. 2158 vro-
went A. 2162 gelere P 2164 thine thing A. 2165 lazze P
2168 al A. 2172 ich ime P 2173 sinne A 2176 Fürsten die
herren P: v^. 2851. 3092. 6131. 7218. 7522; besonders auch 7571.
2178 eine fehlt A. bine fehlt A. 2179 antlizze P, anlizze A. also
/eÄft A. 2182 riche /e/z^ A gezeme A. 2185 kunige j4P ne
fehlt P. 2187 gie : entphie P 2189 waehte P, wehte A 2190 die
haut P rehte A 2191 lieber P 2196 aller beste] wole A. ge-
rate P 2198 walso'ron P 2199 Wal debrunA 2202 der hc
alte P: der Schreiber gerieth in die vorige Zeile. 2203 tha A. 2205
Genelune A. 2206 einem innern urunde P 2210 salt du P, sol-
tu A 2213 gwaltechlichen P 2216 raohtu A. 2224stete P,
stede 4. 2225 gethingen A. 2228 raih fehlt P. geuen A 2229 ge-
waltechliehe P 2231 thaz er] unde P 2233 werthen A: vgl.
8t. 2783. 2236 maehte P, mohte 4. 2238 di P. 2241 genelun
^P: vgl. 2265. 2242 mir ouch P; i#£ 1710. 2247 ne /«M /'.
mohten 4. scribe P 2248 die manigen tugent P 2249 selegisten
er herre A. 2252 ime iz got selbe P 2257 geret /'. 2261 mir
fehlt A. 2262 andere geuen A 2263 thir haue .4, habe der P
gwalt, Schluß der Zeile, P. 2265 genelun A. 2266 enbeitet P.
2268 gwis P 2269 untP 2272 babilonia A 2273 alle under
siehP. 2274irmütesP 2280 mose A, maechte /'. 2282 wanne A
2284 no\i fehlt A. 2286 keiser karlen P 2288 seibin /'. 2291
aiemir gescheident P 2293 geuestent P, geueatet A. 2294 oitert
— westert 4P 2295 sundert — northert AP, 2297 waffen .1 2298
slafe other wahehe A. 2300 wirt AP. thiu] ze heiner A. 2302 dar
under P. 2303 gereite /'. 2309 listeliche A. 2311 iemer thih A.
400 KARL BARTSCH
nieten P 2312 unde P 2313 michele A 2314 salt du P, scol-
tu A mih] uns A. 2315 is] sin P 2318 uehte P. 2322 thenne
fehlt P. hiezzen A. sagen fehlt A. 2323 mit, nicht unt, P. 2324
insulen vi, inseln P. 2325 so /eAfe P. 2329 funue vi, nune P.
in P 2332 der mag iegelicher P. 2335 getruwe P. 2338 iz .4,
sin P. 2341 einen A 2342 gesamte alle thiu A. 2345 dei P,
thieA 2346 then wint A 2347 ther stouf A 2349 bebten A
2351 gewerren P. 2354 maechten P, mohte A. geseheiden P 2355
ruolanten P 2357 dehein P 2359 deheinen P 2360 unde
/eAft A 2362 si redent P, /eÄ& A ungetruwe vi. 2263 chünich P,
fehlt A. tho fehlt P 2364 vure /eÄZ* A. 2367 thie /eÄft vi. 2368
thie fehlt A. ' 2369 sie fehlt A. ' 2371 unde alle sine P 2372
uffe A. 2374 sin alle in P 2375 fcem Absatz A 2376 so wanne
so A swenne P. 2378 müz — ruwe P 2379 dichein P 2383 uil
here P 2385 sine /eM vi. 2386 mine uiande hat er A, er hat
mine uiande P: vgl. St. 2894. 2387 gute P 2392 un chomen P
2393 witwe P, witue A. 2394 sterben vi : vgl. 2053. 2152. 2397
tho vi. 2400 ime fehlt P. 2401 ungetruweliche P 2407 gna-
den P 2408 un si P, unde A 2409 in den P 2410 gnoz er
sin ni't P 2414 mit samt P, mit A 2419 un P 2422 hütet daz
er uch P 2423 gisele P 2425 grozzen eren P 2426 muge vlP.
2428 urloues A, urlübes P 2432 hin P 2436 alle P 2437 mit]
uon P 2438 in A. 2442 sint inne erslagen P 2443 drizzich P,
/eÄft A. 2444 wirt vlP er sin so P 2445 allez mit P 2448 icht
getuot P. 2451 vroute vi, früte P 2455 rat P: ih rate A. der P
2456 tkir fehlt A. 2460 also A wider über gerite P 2472 al
gar P 2473 thie] di P, nicht si. thanne P. 2474 erhaben A.
2475 steruet A: vgl. zu 2394. 2476 gesuchet P. niet mer A 2480
swur selbe an P 2481 appollo P 2483 kom P 2484 gelouen vi.
2485 übe in vi. 2487 unt alle di P 2492 beslagen P 2443 schuz-
zil P naffe vi. 2494 gestalten P koffe A 2495 man P 2501
armin P. 2503 liste fehlt P. 2510 oluente v4, olbenten P 2512
unt geladen P 2516 owie A, owe P 2517 küniges P 2518
Waldeprun vi. 2521 daz gab P. Vgl. St. 3029. 2522 er herte P:
t>0*. £*. 3030. 2523 ze der P. 2524 tusent PA. 2529 wil dirz P
ze stete /eM A. 2531 ne /eÄft P 2534 netete sin nehain war P:
nach F. 6811 gebührt dieser Lesart vielleicht der Vorzug. 2536 in P 2537
mir vi. 2540 in mir] mirn P 2541 waldeprun vi. 2542 ih fehlt A.
2543 tho fehlt P 2544 lussam] wol beslagen P. 2518 nehaine P
2549 swa du in P 2550 unter P ristest P. 2551 thih] thiz A,
ZUM ROLA.NDSLIEDE. 401
diu P Die Lesart in A ist entweder schon vom Schreiber oder vom Her-
ausgeber verles n für thih. 2552 gedinge /'. 255G ne fehlt /'.
2558 thcn .-1. lazen P. 2560 iemer fehlt 1. 2562 gemache P: r;//.
2712. 2563 di /'. 2568 scol auch 1'. 2578 gewinne /'. 2579
scol A. 2582 hetestu 7U. nu erslagen P. 2587 an A. 2590 un-
therei .1. 2595 uz von vil A. 2598 von A: vgl. St. 3072. 2602
belthene .1. haiden P 2603 wlterAP: ültor St. 3080. 2604 ther
fehlt P 260'. I antelun 7': iv//. $. 3089. 2610 doch P. wäre er A.
2613 calariaP. 2615 mer AP. 2616 gote fehlt .1 2620 vuorte
fehlt A. 2621 in P. 2623 maglirte AP. 2625 hornbogen, r über-
geschrieben, P. 2626 deheiner P. 2630 irginc P. 2634 tiier fehlt P.
yselen P, insuleu A 2635 niugen A, niun 7J. buchalare A. 2638
in P. 2639 gewaffen P. 2641 cbüne P. 2646 uffe A. 2647
al A. atihgere 7J, ethgere .1. 2648 in ir hantou m. P. 2650 der
hetP. 2653 trugcnheid A. 2657 al J. 2658 sit wart iz in P.
Vgl St. 3130. 2660 uz von A-. vgl St 3132. 2661. 62 fehlen P.
Der Schreiber sprang von manigen heim mif manigen helet. Daß der
Stricker 2661. 62 nicht nieder gegeben hat, beweist noch nicht, daß er diese
Versi nicht vor sich hatte. 2664 chüne P. uorhsam A. 2667 le-
hre AP. 207«! hahgeieA 2671 in P. 2683 ue fehlt P. 2685 ne
geschaiu uie dehain P. 2686 gwunne 1\ wunne A. 2692 tha A.
2694 mohten A. 2698 neuene A, nu nenuen P. nine P. 2700 di
chronen P. 2701 adelrot /;. 2702 was zwischengeschrieben, /'.
2704 thaz iz A 2713 ther fehlt P. 2715 iu P. rike A 2716
gehaize thir A. 2718 an- der stunt (auf zwei Zeilen) /'. 2719
herre .1. 2721 is ime] im sin P. 2723 autreiten Grimm: an
raiten P, gereiten A. 2727 die, nicht di, 7'. 2732 gwalt. 2751
selbe seihe, auf zwei Zeilen.
2766 uerlazze. 2769 sinem. 2771 haigeren. 2802 wellet.
werd'e. 2806 gwalt. 2808 ich geruwe. 2819 Absatz. 2821 di
di. 2827 chomen. 2843 untergen, am Schluß der Zeile. 2850
wirdieliche. 2851 herren. I enbutet. 2866 di. 2868 her
Bchaphte. 2881 en- nain, in zwei Zeilen. 2882 algaailes. 2892 himi-
lischen, s übergeschrieben. 2893 diz. 2896 widir. 2902 ain — ge-
winne. 2903 ain. 2904 uan. 2906 swiz. 2909 erbeiten: St. 3425
gebiten. l 2916 scantlichen. 2922 maechte — huote. 2931 1
miste. 2936 gedwungin aus gewunnin gebest 2941 furchten.
2945 swen. 2947 menlich. 2950 min] man: vgl. St. 3475 dem sali
ir Spanje lihen. uan. li'. '-"> 1 dunchet, n übergeschrieben. 2959 hete.
2'.>7f>. 76 benumen : chümen. 2979 het ir. 2 Eranchen, □ .»•/
GEEMANIA. Nuuo Reiho. VII. (XIX.) Jahr* 26
402 KARL BARTSCH
schengeschrieben. 2987 war. 2990 zwanzic. 2994 het er ain.
2996 alle alle, auf zwei Zeilen. 2999 got zwischengeschrieben. 3007
virgab. 3029 entnühte. 3033 ain. 3036 hant Grimm: fehlt.
3039 uirzaigete. 3044 niman. 3049 gnadeclichen, in -er gebessert.
herre. 3051 inuz. 3052 sunde. 3055 entrunner. 3056 erlo-
sest. 3061 böte, liieze ist doch ivohl richtig und kint dazu als Subject
zu nehmen. 3067 euslief, nicht entslief. 3069 ain. 3070. 73 cheten.
3075 were. 3077 geweltigot. 3082 gkaiser gab.
3084 so wä man fehlt. 3088 si zwischengeschrieben. 3091 var
Grimm] war. 3092 herren. 3098 lebe. 3105 het. 3106 mir
fehlt: Grimm loill an streichen. 3107 watlich. 3109 chom. 3118
xoahr •scheinlich fehlt so vor scol. 3119 enphake: so P. uan.
3124 daz daz ich: nach dem ersten daz Schluß der Zeile. 3130
gearbeite: so. 3137 hi. 3138 wold Grimm] wol. 3142 nich
beste, bestan. 3148 im zwischengeschrieben. 3153 kanlinge. 3160
uon mir zwischengeschrieben. 3164 unseren: vgl. Str. 3908. 3175 im
dem. 3176 kaiseres. 3177 getrulichen. 3179 geschaez im.
3180 erfröte. 3181 uan. 3187 erchenne. 3190 uan. 3192 da
was ain. 3197 nimer wolten geswichen. Die Reimbindimg geswichen :
Sachen ist' nicht'ivahrscheinlich ; dagegen vgl. sie wseren im ungeswichen
zuo allen sinen Sachen Kaiserchr. 14261, und ganz wörtlich ebenso Rother
4377 R. beswichen : gemachen Kaiserchr. 12165. 3198 ze hainen.
3207 uan. ih Grimm: fehlt. 3210 sorgem (so!); vgl. 236. 3211
entrinnen. 3222 geben maze; vgl. 296. 3225 lieven A. 3226
schieden P. 3230 ingeside] in sio A. 3234 owie tha A. 3235
wof A. 3237 gehorte P. nie fehlt A. neheim A. 3243 thie ere er
the A. 3244 werde R 3245 uan AP. 3246 heten AP. 3247 ne
fehlt P. gebrach P. 3250 gesunderote P. nieman A. 3252 ge-
raden A. alleP. 3253 gelouben P. 3255 bestuonden AP. 3257 ge-
winne P. 3259 wir fehlt P. 3261 mines fehlt A. 3262 tha fehlt A.
3265 thie sint mit A. 3267 Gergeis A. 3269 alto, scheint in atto
gebessert, 1\ ato A. 3272 ain P. 3274 in fehlt A. 3279 kein Ab-
satz A. geraite AP: ich halte diese Verbesserung für nothwendig, wiewohl
A und P übereinstimmen. 3281 in fehlt AP. ain AP. Hechten /'.
3282 man fehlt AP. deme hiemele ueste ne weste P. 3288 mit ge-
swel gesmelze P. 3291 den P. venerat A. 3293 gewrhten A.
3297 alle A. 3300 füret P. 3301 thaz fehlt P. 3302 ne wart .1.
3303 gelichte P. 3305 in swelh ende man P. 3306 geraite P.
3310 wahs] uast A. 3313 haidenscaft P. 3314 Thes .4. 3315 noh,
Schluß der Zeile, P. 3316 allez allez P. 3318 etsazen A, uer-
ZUM ROLANDSLIEDE. 403
sazen /'. 3319 kein Absatz A. hau leite P perlen A 3322 thie
liuhten.l, die luchten /'. 3324 uorcht /'. 3325 in P 3326 uan AP.
3329 uil man P. tha A. 3330 airi P. 3334 lite P. 3336 ne fehlt P.
iuch sin P, iuh A. 3342 er allenthalben P. 3344 vile fehlt A.
3345 prunerA 3348 geuangen P. 3350 witherscin A gare fehlt P.
3352 mohten A. 3355 Sternen P. 3356 ze uolchen P. 3359 thaz
sih uf AP. 3360 mohte A. werde P. 3361 über mütP 3363 ia A
3367 thcn ß-hlt P. gehaizet P. 3368 in siner gehorsam wellent P.
3369 rölant P, rolant A. 3371 zo A, fehlt P. 3374 unt fehltA.
ne /eÄft I'. 3380 gesmarme P. 3381 sih fehlt A. 3384 seine
min zeswer hant A\ vgl. /St. 4110. 3386 geslahe P 3388 irej
hi A: vgl. St. 4112. 3391 swike A, geswiche P 3393 di P 3396
si zwischengeschrieben P. 3397 giengen A 3398 thcn /e/«fr A.
godes lihchamen A 3399 sie sohten A: vgl. St. 4134. -3400 he-
mile A. 3402 sie fehlt P manten si P siner /eÄft P. wnde A.
3403 thie /e/*ft A. 3406 unchundare P 3407 pihte A. 3413 sine
/eAfc P nich P 3415 alte erbe A. 3419 ain P 3422 chuske P,
kusge 1. 3424 inne P 3427 wir dirre P, wirre A 3430 sa-
gene P. 3432 trenenden A, trahenden P 3437 heiligen brote P.
broudeA 3438 uronen P. 3440 do P wafeneten A. 3443
brutloften .1/'. 3444 haizen P. 3448 sie nahen A. 3450 ge-
swiche / '. 3451 eineme A. 3453 spalmista P. 3455 grozzen Ion
min A vgl. St. 4167. 3456 bruderlichen, en zwischengeschrieben I'.
mit (Zeilenschluß) mit ander P. 3460 geloube P 3462 nchaincn A
3464 fröt P, frote 4. alle A. cristinhait P 3468 groz A. 3472 ge-
hofeten A. 3483 scefare A 3484 waren] rehtcn A. 3490 hant-
wercP. hetenAR 3491 kunige AP. gebot P 3492 afgote A.
3493 aller fehlt /'. 3494 tha A. allen P 3498 puten A. 3499
liuhten J. 3500 groz .1. 3502 di erde ninc P. blechet AP.
3503 ne fehlt /'. nicht.; 4. 3504 wäre A. 3506 tho A. 3508 hat
gethort A 3509 da diu deumnt hin ze P. 3510 daz di uberinüt,
i' zwsichengeschrieben, !'■ 3511 in /'. 3512 swer der welle P
3519 daz, z zwischengeschrieben, /'. 3520 uvheten .1. 3523 pelaite
si ze IJ, belaite ßie ze .1. 3526 kom nehainer mer A »St. 4262 der
gote quam deheiner wider. 3527 erslagen .1: zeslagen Init auch 8t.
4263. 3528 in graben /'. 3530 um], im .1. selben nichtes I'.
3537 moser tot P. 353S nnnnaze /', iininaivn .1. 3540 Absatz A.
3541 ain P. in P. 3546 »6, zwischengeschrieben /'. erchom /'. 3549
erdin /'. 3550 geniin /'. 3553 tugenMiche /'. >5 lie .1.
lene A 3562 ih /eÄft P: wjtf. 3594. 3564.65 mir machmel widere.
26*
404 KARL BARTSCH
unser P 3566 ime sin uil P 3568 mohtu A 3570 scoltu A,
saltu P 3571 inier alle P 3574 ir uch P 3576 Ther A
3579 berait P 3583 scare A 3584 nicht widir iu P. 3585 ir
slahet A 3587 so fehlt A. 3588 dehainer P 3589 sca 4, ge-
scach P. 3590 sone geschach. die selben g. b. P 3591 pillichen A,
billih — in P. hangin P. 3593 here AP. 3596 er ze houe kom A.
3598 minen A uan AP. 3599 hin P, hinnen A. 3600 louvej ge-
loue A, erloube P 3602 an A, sint mir an P 3606 alles muzc
e mines P. 3611 urstamne P 3614 ih thiene A, din P: vgZ. 3562.
3594. 3615 hantwirt P 3616 herre ist imer A. 3617 gif A
git P. 3618 geht P 3619 allen A. rike A 3621 mineni lie-
bin kinde P. 3622 gewinne P, uinden A. 3630 wilt kerren A
3633 rehtes fehlt A. 3636 ne fehlt P 3637 allen fehlt A. 3640
philonin P 3642 Absatz A. 3647 genomen AP. 3651 kein Ab-
seite P Malwir A, Malwil P 3652 dinen chunclichen P 3654 ge-
slahen A 3655 liebin P 3656 orlof A, urloup P. 3657 thaz
fehlt P: vgl. St. 4439. 3660 gwillichin R swrslichen A : St. 4442
fta£ für war. 3661 unde fehlt A. ane fehlt P. 3663 in sinerae
riche fehlt A : vgl. St. 4444 in sinen landen, grozen P 3666 sprah
er fehlt AP 3668 du ist P 3672 irslahe P. 3673 Thoh A.
367 '5 h an den ^4P. 3677 die Änderung Grimms gewere ist nicht nur
unnöthig, sondern falsch. 3679 si iemir din P 3680 mir zaichen A.
3681 turtulos A. 3682 wiltu herre unde Avis A. 3684 gift A.
3686 pringe P 3689 hon muot A 3690 gestunt P 3692 chun-
lichin P. 3695 cinshaph P 3699 herze plute A 3703 also A.
ricke P 3704 gewaldihliche A. 3707 ban P, pan A. 3708 ir-
ledige P al A 3710 er/eAZ« P. 3712 min here 7J. 3719 wurde
sin P7 wrde A. 3720 gefrumen P 3722 gewinuint P gedinge,
d ii&er ausgestrichenem w, P. 3723 werden A 3725 ftem A>sate A
gargariz A. Sibilise P, Sibilia ,1. 3726 kunige AR 3729 in
fehlt A. 3730 minneten A 3741 er fehlt A. 3743 then fehlt P.
3748 ne fehlt P. 3749 Frangrike 4. 3751 gewalt P. 3755. 57
ne fehlt R 3758 al din P 3759 wnd 3794 cenubiles ^1P: vgl. die
Anm. 3763 mohten A. 3766 daz was R 3767 daz (tfÄJÖ
der Zeile) daz Hut P. 3768 ne scain A, der ne gescain P. tha ^i.
3769 dar in P, an then A 3772 nehainen 4, fehlt P. 3777 di P.
.3778 iseninen P. 3779 swi P, swe 4. 3782 widir, zwischengeschrie-
ben, P. 3786 ne getruwe P 3787 din 7J. han A. 3788 uan A
3792 getun P 3797 gefristet P 3806 ne /eÄft A 3809 sinne A.
3810 liez(?) A. 3811 dirz lop P 3812 is thih A, dir sin P
ZUM ROLANDSLIEDE. 405
3817 iegelichen A. uan AP. 3818 uolgeten A. 3822 unt diu tal /'.
382:) vsrege A. 3827 ir sin min /'. 3828 samt fehlt /'. 3844 ne
fehlt. 3849 ich sin. 3850 chom. 3854 thiu] daz. 3866 chom.
3*74 ain. 3881 martere; von Grimm gebessert. 3884 gahin.
3889 disem. 3898 tugent, das zweite t übergeschrieben. 3909 uert
aert. 3922 macht. 3932 sunden. 3933 ain ainborn: St. 4812
niuborn. 8942 heten. 394(5 heten. 3949 zuo] im: vgl. St. 4839.
3951 deaine. 3963 heten. 3965 renne. 3982 iu fehlt. 3983
sal. 3986 ain. 3992 wirtsceftin: vgl. zu 236. 4014 chüniges
li)18 zwef. 4020 adalrot. 4026 chunc. 4029 an thir fehlt:
vgl. 3106. 4030 di am Schluße der Zeile: vgl. 3777. 4041 there
fehlt: oder es ist alliu zu lesen. 4045 wilt du. 4051 iht Grimm]
ist. 4054 cinses, nicht cinsis. 4058 fuzein. 4068 monsoy nur
■ inmal. 4069 de kaiseres. 4070 baz Grimm] bal. 4071 stet.
4076 geleistet, ivie schon Grimm besserte, nach St. 5032] gehaizen.
4078 gedencket. 4083 garpin. 4094 iz fehlt: St. 5072 daz ist
din jungester tac. 4099 si pegund", am Schluß der Zeile. 4111
uffe. 4118 der aus den gebessert, tigelet: von GHmm gebessert.
4120 sam sluogcn sie fehlt: von Grimm ergänzt. 4124 hiwe.
4126 in der. 4129 archan: St. 5139 Artan. 4138 uerchwun-
den. 4143 swa erz hin. 4149 fulten. 4152 vraister 0. 4158
lieten. 4160 hiwe in. 4165 ne fehlt. 4169 bette hüs. 4174
hie] nu raachmet. hi. 4176 ih Grimm] fehlt. 4178 duz nu:
diese Lesart hat schon Str. vor sich gehabt; vgl. 5190. 4182 golde
garwen: vgl. 4288. 4188 trugenhait. 4194 daz golt daz si.
4219 über was von andrer Hand von I'. 4220 ain P. 4223
schain P 4224 der lichte P: vgl. St. 5248. 4225 werc wehe W.
4227 bistu hie olivier weggeschnitten W. oliuir, o aus r gebessert, P.
422* dicke W, fehlt P. 4229 sist der cristenen weggeschnitten W.
t230 lii P. 4231 zwelfP, sehs unde zwenzech IV. manne W. 4232
uan P. 4234. 38 wilt PW. 4235 daz zu W. 4239 podech W.
bimel fehU /'. 4241 an einen W. 4243 al fehlt W. 4248 in-
bor W. 4251 minen /', mime W. 4254 wirt PIK. 4256 niht
n- W. 4257 podech W. 4259 wirfeo W. 4261 drowe W
4262 si sie do hüben W. 4267 zuchter er /'. 4270 recken W.
4271 sie er W. 427:; was weggeschnitten W. 4214 aver fehlt W.
ha/, weggeschnitten W. 127") thie er. r. weggeschnitten Tir. monssioy
monsioy W. 427<'> quamen II'. 4277 thie /aller weggeschnitten W.
4280 spizes II'. 4281 wachsen /'. 1282 um, der /'. 4284 mit IT.
4285 sechs P. 42s7 Absatz II'. 4288 mit manegeme II'. guido
garwen uan P. 4291 danne P. 4294 niuwet fehlt P. 1295 scult P,
406 KARL BARTSCH
salt W. hine W. 4299 herstrage P. 4300 falsorotes P. 4303
ther fehlt W. frum P. ne fehlt PW. 4304 fos aw/ uaz abgeschnit-
ten W. 4307 allez fehlt W. 4308 da wart daz raichel gescrei W\
vgl. St. 5332. 4309 ther] unt der P, Do rief der W: St, 5333 der
was. 4312 gewinne. 4317 unser Grimm] unseren. 4318 hinne.
4320 swiz. 4322 uan. 4327 sih fehlt. 4330. 31 cristen. 4339
manige. 4340 die. 4352 thär] daz. 4354 man fehlt, lebenti-
gent. 4365 suche, aus suzhe gebessert. 4366 scoltu, nicht soltu.
4369 üz Grimm] fehlt: vgl. St. 5379. 4371 cursabile. 4376 Ster-
nen. 4379 chunc. 4380 uon: vgl. St. 5391. 4383 Turpin.
4392 ersterbe. 4393 chunc. 4395 de aller. 4406 chunc. 4415
slah er fehlt, nalrichte. 4416 vor chrefte sind etwa vier Buchstaben
atisradiert. 4417 er riet, von Grimm gebessert. 4425 uermezen.
4430 welch. 4433 uan hin. 4439 scrigen. 4440 higen. 4448 uil
manige selbe tot, von Grimm gebessert. 4450 het. 4459 ueste.
4460 di. gesten. 4465 heim. 4466 heitene A, haiden P. 4469
der P. 4472 an A. hinen A, hin P. 4475 spieze A. 4476 fliz-
ten P. 4478 ualten in allenthalben P. 4482 di so P. 4483 nie-
man ufriht A. 4484 dar wunder P. 4486 uan AP. 4487 Mal-
primes A; ebenso 4501. 4488 there fehlt AP. 4489 fürten aine P.
eisliche A. 4495 ain P. uan AP. 4496 Tha A. 4498 tha A.
4499 Egers AP. er genante A. 4502 tot A. bequam A. 4504 ge-
ren P. 4506 uaste A. 4508 mohte A. 4510 ain AP. 4515
uffe A. 4516 sie sin A. gemisten AP. 4517 kaiseres AP. 4519
nehain gedacht P. 4520 alle P. 4524 wunden P, wnde A. 4525
tho mohte A. 4527 diu ir P. 4528 gelagen P gewiche A. 4529
hunte auch P. 4535 zo in hette A, hete zu in P. 4536 ain P.
4538 kunig A, chunc P. 4541 thar A. 4543 sprancte P, spränge A.
tha A 4544 kunige AP. 4545 di P. 4548 becloken A, be-
tophen P: w^. 4650. 4551 sokest thu A, suchtestu P. 4553 en
barmen A. 4554 hi zeste P. 4562 gift A 4563 uan AP. 4564
then ther A. Murlä nam] Murlana ^4P; St. 5587 Müralan. Oder es ist
Murlanä nam zu lesen. 4566 hi AP. 4571 cristen P 4572 an-
der stunt /'. 4574 nieman gesagen P. 4576 gewiche A. 4578
heten AP. 4594 uffe A. 4595 kunig A, chunc P here P. 4596
rechte uz chom P. 4605 luciferun A 4608 alle hi geschendent P.
4611 kumen A. 4612 von A, fehlt P. 4613 golde garwin P.
4618 gesahe 4, sage P. 4622 mohte 4. 4624 nahen P 4627
gesprancten P 4630 sampson sih mit A. 4631 then herze naue-
len A, dem hercen (Schluß der Zeile) P 4633 der uil P 4634 iz
ZUM BOLANDSLIEDE. |(,7
wer mezenliche .1 4636 gefristen P. 4640 in fehlt A. 4643
früten /', fruten -1. aerhiwen .1 L644 macht /', mah A 4648 uil
spähe P. L649 lache .1. 4650 bctochen .1. 4654 michelen /'.
1656 da/'. 1657 ach /'. 4659 uns daz P. 4662 hetten AP.
wih wäre A. 4664 brunigen A, brunnc A. thrilie A, drilihe /'.
466") tha kumen .1. 4667 uemazen P. 4669 margraue A. 1675
goltwin .1/'. 4678 er der marche P, thie er niiltihliehcn A. 4679
Absatz .1. 4682 bededen A, petteu /'. 4684 der P. uan AP.
4685 genige P. 4687 thaz fehlt P: vgl St. 5698. hülfe in P. 4689
er sach P: gesach auch St. 5702. 4690 sinen gesinden P. 4692
sehet ir P. 469:5 getrüc P. 4694 irz P. 4696 sin uns A 4697 ge-
dencket P. />'"'// haut wiederholt eruechte der swerte an der haut /'.
4698 hiute fehlt P. 4701 mugent A. 4702 wir haben (Schluß der
Zeile) dinen P. 4703 uns A. ne fehlt P. 4704 gcuellet P. 4706
thurh fehlt AP: vgl. St. 4714. 4709 seilt auch P. für A,. ufP. 4713
LargisAP. 4714 dit P, fehlt A. 4717 daz si P. 1718 wart]
ther wart .1. 4727 unze fehlt P. 4728 brah A. 4729 Er sprah
ist thaz ih mah A. 4730 thir ^1 : dir hi zestete P. 4732 er sprah
fehlt P: vgl. ."5079. 4734 tot an there stund A. 4735 grimme A
4736 gerne fehlt A. 4742 mosen A. 4747 Absatz A. 4748 pose
stränge P: vgl. St. 5769. 4751 erslugen P: vgl. meine Arm. 4752
begondei P. 475.') san P} so A. 4756 ne mohten A. 4758 in
thie AP: der hat St. 5776. Der Accus, wäre zu erMären 'sind sie
ireri : und kann wohl beibehalten werden. 4761 thiere A.
gelac P. tha tot under 4. 4764 tusent PA. 4766 uvhten A.
476-s L,tte ;1, het /'. ailif A 4770 ther rief A 4771 thiser A
4773 aine, a?/£ Schluß der Zeile, /'. 4776 rittereil, riter P. 4777
crefte P. 4781 allen A. 4784 dinem /'. 4788 Marsilie P. ku-
nige AP. 1700 geschit .1/'. 4794 er, darüber im, P. 4799 An-
gelirs A 4801 clarmiel P: vgl. St. 5823. 4802 nehain AP. 4803
al A ertriet, undeutlich, A 1805 durch P: viel A 4807 clar-
miel. 4809 Di A t813themA spruggen A 4816 uan AP.
4817 hetenAP. 4819 doh, am Schluß der Zeile, R 4821 grozin P.
rliu /'. 4827 uorheren A 4832 uan AP. 4833 Herpa A 4841
kein Absatz A. Angelirs A 1847 im AP. 185] iehen P. 1852
hatte war enware A. 4857 uan .1/'. 1858 hunderl AP. 4860 ne
/;•//// /'. 4863 Bchirmtte P 4872 beten A, gebetten /'. 1876 der /',
ire A der auch St. 5896. dehainer P. 487s uan .1/'. 1882 the-
meA vgl &. 5900. 4886 diu P, ther A 4887 uan /'. 1889 ther
thegen A: vgl. St. 5907. 4894 mohten A gewinne P. 4895 wnde-
ren A, wunter /'. 4899 eilen P, eilende A. tha A 4902 tuen
408 KARL BARTSCH
seilt A: vgl. $.5922. 4903 uerwnde A 4910 zehiwe AP. di P.
4912 eine half A, ain halp P. uffe A. 4915 frothe A, froude P.
4917. 18 in P durch keinen Punkt getrennt; offenbar ist aber nach zeichen
der Abschnitt. 4927 iochant P. 4935 wof A 4936 wart A.
4937 erhaleten A, und so ist zu lesen. 4943 anne 4. 4948 erözen
fehlt A. 4949 Alrin AP: vgl. die Anm. normundie P. 4951 \vi
tränt P. otrant A. 4953 unde A, unt, nicht mit P. gute P. 4954 ge-
scaffen A 4955 sin] soin A. 4957 heten AP. 4959 was P. 4960
uffe A. 4972 im dem P. 4973 fem Staate P. noch P. kom tho A.
4975 there 4: di ml P. 4980 wantP. 4982 uon ime AP: inen
besserte schon Scherz. 4985 witheret A. 4988 erhört P. 4991
hauet A. 4992 vone in /e/zft A. ne verlazent 4 (ne ist aufzunehmen),
verlazet P. 4993 uan AP. 4994 uolgeten A 4999 sainem P.
washsame A. 5009 is ne nehein A, sin nicht P. 5010 ergeben P.
5013 hete 4, het P. 5016 vile /e/tZ* 4; daß es beim St. 6001 fehlt,
beweist nichts. 5019 oluazzen, ein z übergeschrieben, P. 5022 vro-
the A, froude P. 5023 heten AP. gesmechet : gerechet AP. 5031 in
ne scirmeten Grimm : fehlt AP. 5032 durh P. 5036 wan P, wän-
de A. mohte A. erhouwen P. 5038 heres fehlt A. 5039 uorde-
riste P. 5040 sie fehlt A. 5042 gewaltic P. 5043 thie walstat A.
5044 alrest P. 5047 rolanten A. 5049 ob P. da P, uor ime A.
5051 kuonesten 4. 5056 uan AP. 5057 hiw 4P. uffe A. 5062
ureisliche 4. 5063 di P. 5072 ersterbe P. 5078 innen P. 5079 er
sprah thaz hat A: wie hier, so ist er sprah von A loahrscheinlich auch
4732 zugesetzt. 5086 chom P. 5087 ainem P, einen 4. 5094
dem P. 5095 sih fehlt A. clof 4, chlüp P. 5096 mohtu 4. ur-
lof A, urlöp P. 5101 kam A. Sampson A. 5103 kunig A, chunc P.
then fehlt A. 5104 nah A 5110 orpicke P. 5111 swaz er raihte
in then man 4. 5114 allez entsamt P. 5115 gefrumete P. 5121
trechtines chint. chnechte P. 5125 ne nirete A. mere] uor ime A.
5127 rechen P, knehte A. 5129 sie A. 5133 worcht P. 5134 hei-
ligen P. heten AP. 5137 unde A, unt, mefa mit P: v^. 4953. 5138
seluer A, seibin P. 5139 gesaztdem P. 5142fraiste -4, fraist P. ie
fehltA. uon so uil luten AP: so vil /*a£ hier keinen Sinn. 5145 an 41.
wafen P. 5147 an A 5148 si lagen in ir aigen ersticket P, Abirren
in Z. 5146. 5149 nu wer P. 5150 mer thie A: wan der P. 5151
nie uon im P. 5152 im 4P. 5153 todes si P. 5157 in P. 5158
di P. 5159 rechte, t zwischengeschrieben, P. 5166anA 5172thazerA
in fehlt F. ime A, im, der letzte Strich des m leicht ausradiert, P.
ZUM ROLANDSLIEDE. 409
5173 then fehlt A. 5176 wafene A. 5177 nie geseret P. 5178
hete A, hct P. in fehlt P. 5184 posin P, pose A.
5193 aueslagen .1. 5195 chunc uz P, uz uon I 5196 thir
fehltP. oiht Grimm: fehlt AP. 5198 sie fehlt A. 5200 selve
fehlt P. 5202 menskeP, mensche vi. oiene fehlt P. 5208 er sprach
karl karl, zwischengeschrieben, P. 5210 unger oder ungir P. 5215
kuone A. 5219 chom /'. 522] am P. stede vi. 5220 nicht so
hin P. 5231 so wir thie A, swi dir die P. gescaithen A, gescai-
den P. 5232 irtc A, irrit P. 5235 den- ne, in zwei Zeilen, P.
5237 thie fehlt P. 5238 then ire] thcn A, im P. 5240 sah fehlt P.
5244 perait P. berait 4. 5246 esten P. 5249 so uil P. nahe 4.
5258 wirt AP. 5262 bechenne 7J. 5268 westerparn P. 5269 fro-
the A, froude P. 5270 sich sin P. 5271 al 4. 5272 uergilt AP.
5275 zo thcrae A. 5276 wir (Schluß der Zeile) wir P. 5277 si
wir 4. mer .1. 5282 geseret P. ' 5290 rah in fehlt P. 5295
tugente P. 5297 Alfrich uon P. 5302 di Christen P. 5308 hie
fehlt A. 5313 hinnc P. 5317 ne fehlt P. 5318 arme A. 5319 al-
frichen -4P. 5321 viel] chom P. 5323 lang unde haiz A: vgl. St.
6411. 5324 tha was ain kamf uraislih A. 5326 mohte sili tha A.
5331 uan AP. 5333 kunig A, chunc P. 5337 erre slüc P: ebenso
5342. 5338 unt fehlt A. anter P, andere .1. 5340 hete 4, het P.
5341 beuloz A. 5342 sine 7'. 5347 nie gesach /'. 5350 ne
fehlt P. mohte A. 5353 Durndarten P. 5354 durh, am Schluß der
/'. 5357 erchoufet P: vgl. 8t. 6437. 5358 bestruchet /':
vgl. St. 6438. 5362 unt der P. ' 5364 chom P. 5368 hetten P.
5370 Tlii 4. 5377 mohte A. 5382 ze waren A. 5385 er warf
stach in /'. 5388 ain P. 5390 im A. 5393 hulven auch /'.
6 tiuerliche AP. thegen fehlt /'. 5400 ime iL es] sin P. 5404
Thir A. 5406 unter unter di haiden P. 5407 ze ewider P. 5408 ise-
nin P. 5409 noh fehlt AP. 5410 uastc A. 5423 rechte P.
5424 si P. eineme Grimm: fehlt AP. munde. 1/'. 5430 hauent A.
;sansangen P. 5431 rechte sam P. 5434 thiz A. 5436
chom P. 5437 ain P. 5438 er en A. groziu arbait P. 5439
llnl. 4. 5440 in fehlt P. toden .1. 5442 thä beiigen /eÄfc P:
Belbe steht am Schluß der /. 5443 behabenl P, behau .1. (he
ere A. v 5444. 45 ruchc ich mere. nichl /', roke ili niht mere. .1 ze
zwischengeschrieben P. löbeneP. 5448 ze fehlt A. 5451 in lande unt
mac sich nieten /'. 5458 h<t<-.l/'. 5460 chom /'. 5461 unt
ere P. 5467 in A. 517:; getane — uffe A. 5171 chüner ue-
h'ain P. ue thorste A. werde /' 5477 heten AP. sie auch 1'.
410 KARL BARTSCH
crzaichet A 5478 ueraainet (Schluß der Zeile) P. 5479 sin P.
5480 unde the A. 5482 tusent P. 5485 treten P, treden A.
5486 gestaten P. 5487 mit eruochten sp. P 5489 zewisse P.
5491 uan AP. 5493 ne fehlt P 5496 untuieng A, enphie P. ouh
fehlt P. 5502 schaft P. 5503 Then A: ist keineswegs falsch-
und da beide Hss. biscof haben, P nicht biscoue, so ist der Acc. wahr-
scheinlich das ursprüngliche, 5505 haider P. al A. 5508 hete A,
hetP 5511 then fehlt P. 5515 goffe A. 5519 Rolanten A.
5521 sehe P Rolanten AP: vgl. 5591 P. 5522 wiganten AP. 5523
nacheten .4P. 5527 Absatz P. 5528 heten AP. 5530 nine uer-
zageten A. 5531 di wile unt si ich lebeten, si übergeschrieben, P.
5532 wireten A, werten P. 5533 cristen man P 5536 karbunkel P.
5538 mohte A. 5540 heten AP. 5541 mohten A. 5543 Thaz
sie in tha uo-re geheizen A. 5544 quälten A. then /e/^f P 5548
guotlih iL 5550 ui maniger P. tha A 5552 ne fehlt P. enbar-
mete A. 5554 iz A, sin P. 5557 ummazene A 5560 mohte A.
5561 wände A 5566 nu so gah A 5571 torchen AP. 5572
estorchen AP. 5573 tho fehlt P. 5575 altaclere A. 5576 nu ne
fehlt P. nich, ei)i /Strich über h, P. 5577 riterliche A. gewant P
5579 zohtA 5583 ein m fehlt P. 5586 Ruolant /eÄft P. 5587
then A 5590 wart fehlt P. 5591 sigeloten P. 5593 Engelrirs,
das letzte r a?ts oder m s geändert, P. 5594 guote A 5595 uffe A.
5596 ne /eÄ^ P. 5599 mohte A 5602 es ist nichts zu ergänzen,
zoie Grimm will, der tete niene zwivelen schreibt. 5604 uon P.
5605 nacten P, nahten A. 5606 mohten niht A 5614 baten P,
paden A 5616 rebarm ete A, rebarmot P. 5617 marteret wrthenA
5619 trutenP. 5620 grimmen P. 5622 scuten AP. then wafen A.
5624 ruowe P. 5626 ain suoze wint P. 5632 alse P. ih iuh A.
5633 ain AP. 5636 an A. truoh ein A. 5639 geclouet 4. 5641
chunc marsilie. herre marsilie P. 5644 din, Schluß der Zeile, P.
5645 sach (Schluß der Zeile) in den P 5646 ih fehlt A. 5648
Thes A. 5651* wnde A 5652 alrest P, fehlt A. 5654 uz P.
al A 5657 mäht nu wol A. 5658 al maist A. dare P, tha A.
5660 sih /eiW« A. 5663 helmen P 5665 gebaiten AP: vgl. 515 P.
5671 wanne A, wanP. ainerP. 5672 selben A, gesellen P. 5673 be-
standen AP. 5678 uerslagen P. dieß tviirde einen andern Sinn haben; vgl.
4751. 5685minenA 5687 oliueren A 5690 uffe A 5691 ainer AP.
half scare A. 5693 al vi. 5694 uns al A. 5698 ze liebe icht P.
5701 bringen A. 5702 karlinge A 5704 sin si P. 5707 gar-
we AP. 5708 marhe .AP. 5712 ir soket A, ersuchet P 5715
ZI M ROLAND8LIEDE. 41 1
sich sin P. ne fehlt P. 6717 hiem chinde P. 571« er winde /'.
5719 uan .!. huan /'. 5720 hete AP. 5721 bestanden AP. 5723
hete .1, heten P. 5724 mih (Schluß der Zeile) /'. 5731 er geha-
bete an ainer /': vgl. was geriten . . uf eine warte St. 6792/ 5733
haithenen fehlt P: r,//. n/. 6795. garwen .1/'. 5734 golt varwen AP.
5735 manigen Hechten heim P: vgl. St. 6797. 5737 helet fehlt /'.
5743 ne fehlt P. gesamt P. uf di /;: »■;//. <V. 6805. 5744 werde P.
5745 gewalte P. 5748 wotigez P, woldigez A. 5749 uzer not /'.
5754 wirt .1/'. uil herteP. 5755 san uf A: vgl St. 6819. 5758
stede A. heten /1P. 5766 daz allez P. 5770 selben fehlt A: aller-
dings auch beim St., aber dieß beweist nichts. 5773 untwiken A.
5775 heren Grimm] herren P, herten A. ewarte /'. 5776 sih, am
Zeilenschluß, P. 5777 in then] an A. 5778 des wuoc'her mit Grimm
zu lesen ist unnöthig. 5782 sie sili A. 5783 ander gaven AP.
5784 wunsgeten A, wnsten P. 5792 erfrouteP. 5793 heiliger /'.
5794 geuolgete sime A. 5798 li slahen P. 5801 iren A. horsam.l,
gehorsam P. 5802 igelieh P. gähete fehlt AP. lian AP. 5804 di,
am Schluße der Zeile, P. 5806 an A. 5807 ir] er A, ist beizube-
halten. 5808 bitte 4 pit P. 5809 ne fehlt P. 5814 Grimm-, ir
lident vil jamer; es ist nichts zu ändern. 5818 machen wir di P.
5819 giftil, git P. 5820 sinen schephare hi geliget /'. 5825 ku-
nihlichen A, chunclichen /'. 5828 arbaite /'. 5831 zehen /'.
5832 uan AP. 5833 er füret wol A. 5836 behuote P. 5837 en-
machtP. 5838 geslagen A. 5840 ir tha dehaine A. 5841 uut /',
unde A. 5842 ne fehlt /'. uberwinnet A. ir /'. 5847 gare A.
5849 Alroten AR 5854 Aval fehlt P. 5856 sie clungen A. 5859
wit /'. an .1. 5866 Alroten AP: Ablernten St. 6896 5869 thor
tiuriste .1. 5872 toben P. 5873 beten .1/'. 587'.' .li /', thes A:
■. 6910 die swertscheiden. 5883 altelere /'. 5884 ther fehlt A.
5-s87 all'abinem /'. 5892 tnohten A. uns AP, P am Schluß der Zeile.
nehaine A. gewerren /'. 5893 wir sin A. 5895 oiugene .1, uiune /'.
5896 unner gangen P. 5899 an Grimm] fehlt. 5902 gol wile: '•<//.
Haupt in seiner /.. lf>, 256, und meine Anm. Ich füge weiter hinzu Rostock.
Hb. IV. •'!. 1< i: die stünde war gut! darinne gotl geboren wardth. was hinzu-
zufügen ist nicht nothwendig. Grimm schlug voi' gol wich din. 5903 da
riebe. 5905sige] iö ; in der Hs. steht der juo (Schluß\der Zeile) iö ist. 5906
heten. 5914 grisgrimmin. 5939 ruofen : gebelven ist ein ganz rich-
tiger Beim, der auch 6753 steht, und nicht freier als ruofen : zeichen 7993.
erreichen : helven 3857. zeichen : gehelven 4<)6,.i. : helvm 6378. : gewfi
fen 7943. flehen : helfen, wie Grimm vorschlägt, würde leein bessere1)
412 KARL BARTSCH
sein. 5947 den flins stal herten: vgl. St. 6967 da von der stahel
brau. 5949 wanc. 5952 werde. 5962 ze] nicht in, hat P.
5963 siu ellu.
5971 genuzzen, ein z zioischengeschrieben. 5988 hmgisten, g
zioischengeschrieben. 5997 ih Grimm] fehlt: mit plise schließt die
Zeile. 5998 ze helue. chom: Zeilenschluß. 6002 heten. 6007
iz fehlt, 6009 hetestuz. 6010 hetestu. 6012 alten. 6014 er-
warme. 6018 chom, am Schluß der Zeile. 6022 ere: vgl. zu 236.
6028 ne muget ir niht: diese Lesart beruht auf dem mißverstandenen
Karlinge: s. meine Anm. zu 6027. 6035 ne fehlt. 6038 hinne.
uer
6041 en fehlt: Grimm ergänzt ze dirre. 6044 geperge. 6045 un-
seren. 6047 gesegente. 6048 biscofe: dieß würde klingenden Reim
ergeben; vgl. 6140. 6052 werde. 6060 ir oren. 6061 di hirn-
ribe. 6065 craht. 6074 ain. 6076 ain. 6087 ain. 6092
thin fehlt: Grimm ergänzt es nach ie. 6094 ainim. 6096 dur.
6116 cheten. 6118 /. slüften : zeröften. 6122 unt swaner ie.
6131 herren. 6132 sin. 6137 gerne. 6139 ain. 6140 biscofe:
mit ff geschrieben steht das Wort auch in den Genn. XIX, 314, 1 gedruckten
Predigtfragmenten. 6149 froude. 6154 floh, Schluß der Zeile.
6156 ze. 6159 da si daz si (Schluß der Zeile) wal. 6163 then
Grimm] fehlt. 6166 di cristen richsent. 6170 dar, r zwischenge-
schrieben. 6175 röwin. 6187 den der. 6189 wirstu. 6203 unt,
nicht mit. roslin. 6204 unt. 6207 prinne. 6218 chunc. 6221
fraiste. 6225 heten lutzel. 6227 inmitin. 6234 er fehlt,
6242 nain. 6243 sie häten fehlt. Grimm änderte si geswuoren, was
aber einen unmöglichen Beim gibt. 6245 gare der tot. 6251 chunc.
laiden. 6254 daz si. 6255 uegazzen. 6259. 60 chunc. 6262
rosselinen. 6265 pilme: vgl. St. 7378 Pelmo und Anm, zu 6264.
6268 de. 6273 uan 6276 chunige. 6286 uirsnite. 6288 ain.
6292. 95 chunc. 6298 slet. 6302 chuniges etc. 6319 uelentih,
am Schluß der Zeile. 6329 uersuchten. 6333 michel. 6336/.
in einer Zeile: there was fehlt. Grimm liest Algarich der eine was kunc
von Kartageinc, xoeniger einfach und wegen der Ergänzung an zwei Stellen
weniger glaublich. 6339 alrest. 6347 unt, nicht und. heten.
6352 wunder. 6362 hinne. 6368 sente. 6375 ain. 6376 in
nalmitten. 6378 heluen, n aus t gemacht. 6415 sine Grimm] siner.
6425 doner chant. 6428 danne. 6441 über winde. 6446 sich
gebe gehabete. 6454 hart. 6456 man haidenischer man: von
Grimm gebessert. (5457 uan. 6458 ne fehlt, enbieten. 6461
ZUM ROLANDSLIKDK. 41p,
hört. 6491 reit zu ergänzen ist nichi nothwendig: vgl. 4713. 6495
durch di {Schluß der Zeile) diner. 6497 dirre zu schreiben ist nicht
nöthig;denn arebeit kommt als Neutrum cor. 6502 i.'iij>hih. (»503 scal.
6513 gedinge. 6517 miauten (Schluß der Zeile) rölanten. 6523 da
für entüc. 6525 tougen Grimm] tugen. 6529 uewundet. 6545
semir. 6547 wan. 6549 han. 6550 hctcn. 6561 danne.
6562 dine zweimal. 6571 nehain. 6576 hi zeste, Schluß der Zeile:
von >' rim m gebessert. 6581 thie fehlt. 6584 hctcn. 6592 er ire]
erre. 6596 then] di: Grimm liest si vorhten sin harte, mit doppelter
Änderung. 6598 swaz. 6599 urchunde. 6637 zi. christinhait.
6649 luteerer. 6650 uierhundert. 6660 ligen mit Grimm zu er-
gänzen ist unnöthig. 6676 durrait. 6692 si. 6704 berunnen, dar-
über steichin. 6711 sieh, am Schluß der Zeile. (»718 innalmitten.
6724 rölant zweimal. 6725 Admarite. 6727 schirmen, s zwischen-
geschrieben. 6734 in Grimm] fehlt. 6746 wainent: vgl. meine Anm.
<)756 pegraif. 6760 thie getherrne fehlt: vgl. meine Anm. 6772 er-
slagene. 6774 beiter er. 6789 früt. 6792 aineni. 6800 uerhblüt,
Schluß der Zeile. 6802 thu| da. 6808 wirst. 6809 hup zwischen-
geschrieben. 6811 nehain. 6818 bau. 6831 laut fehlt. 6840
mit, nicht mit. 6842 wol horten: vgl. 1033. 6844 nige. 6851 si
choin, Schluß der Zeile. 6860 wirt. hinne, Schluß der Zeile. 6.^63
mine, Schluß der Zeile. 6870 erplinde. 6871 harte, darüber sere.
6872 himilischer, s zwischengeschrieben. 6874//: sent. 6886 mich
vor ergeben: von Grimm gestrichen. 6887 ich sin von. 6894 püh,
Schluß der Zeile. 6908 namirn. 6914 barm Grimm] barn. 6923
frout. 6935 uorchlichen. 6940 licchte. 6946 wane. 6948 solte.
6951 gäheten fehlt: vgl. 5802. 6952 runfual, Schluß der Zeile.
6956 baren Grimm] bar der. 6965 ^in. 6967 werde,
bluwer. 6974 dich, darüber iuh. 6975 scolt. 6978 erthe
boren fehü (mit der schließt die Zeile): Grimm ergänzt werlde geborn.
6979 ir Grimm] fehlt. 6988 uesperciten. 6993 liecht. 7001 dö
so. 7022 dritehalben. 7027 froude. 7041 Grimm ändert si <t-
riten die oötstreben. 7< M 1 lmiz- zet, in zwei Zeilen. 7059 sie mit
uorne, über mit steht da. 7071 unter twalen: Grimms Änderung Min-
der twälen ist verfehlt. 7074 gemah, Schluß der Zeile. 7088 auch
hier ist Grimms Änderung allen vier enden <liu werli nicht zu billigen.
7i>(.i:j entruten. 7101 chere. 710(i ain. 7112 Grimm si ßolten
in ir jungen: doch vgl. St. 8529. 7113 zu. 7135 ilten. 7111
iuh, Schluß der Zeile. 7154 houpstat 7155 uermezen mit. T 1 r>« >
hete. 7162 chorn. 7163 alexendrina: vgl K. 460, 67, 8t. 8606.
414 KARL BARTSCH
7171 Saibra. 7177 schin, am Schluß der Zeile. 7178 wunder.
7184 also fehlt, manige. 7186 nehain. 7191 heten. 7192 uor
war. 7197 ain. 7200 geborcn. 7201 helfe. 7207 enbot, nicht
entbot. 7210 hete. 7212 du ducht. 7218 herren. 7220 ge-
swiche. 7227 thir] di, zwischengeschrieben. 7237. 38 in vier Zeilen.
7240 haimiliclie. 7241 iclarions. 7246 durftes. 7253 baiten.
7261 fracten. 7265 heten. 7270 unfröd'. 7280 sie ne. 7284
sih fehlt. 7286 dichein. 7292 paligar. 7298 paligar. 7303
geweitiget. 7305 unt, nicht unc. chüninge. 17308 sie, nicht si.
7312 chüninge. 7318 achter, nuibornez. 7319 dichein. 7320 pa-
ligar. 7323 nieman. 7326 dicheinir. 7327 wolte fehlt: vgl. K.
463, 26. Dadurch widerlegt sich Grimms Änderung e si. 7331 sie,
nicht si. 7334 marssilie. 7338 niumare. 7339 Grimms Vorschlag
die dine habent mit ir guoten swerten geworht wird durch K. 463, 42
widerlegt. 7347 di sine uorchune: von Grimm gebessert. 7369 man-
seltseniz: von Grimm gebessert. 7370 thär] der. 7372 froude.
7374 paligar. 7376 uirui. 7388 un zwischengeschrieben. 7389
bestanden. 7390 sie, nicht si. 7393 rnere Grimm] sere, s aus r
gemacht. 7394 den ich. 7399 nich. 7408 mir] min: vgl. K.
464, 42. 7417 ime will Grimm vor gezimet ergänzen: unnöthig.
7426 ih] seh. 7430 wir zu ergänzen, wie Grimm will, ist unnöthig.
7434 nehain. 7437 ime] in. 7447 scute. 7455 rechent: vgl.
K. 465, 22 dat is ininer sunden schulde 7456 reffet. 7474 danne.
7475 an in: vgl. St. 8931. K. 465, 44. Es ist keine Lücke mit Grimm
anzunehmen. 7476 mensken. 7477 daz in. hete. 7478 hete.
7479 erfroute. 7483 man fehlt: vgl. K. 465, 55. 7502 sie, nicht
si. 7503 enthilt. 7504 ie. 7512 wie, nicht wi. 7517 zesewiu
liest P. 7519 nehain. 7521 wirt. 7522 herren. 7529 heten.
7536 zuo] an; vgl. K. 466, 46. uerlaze. 7538 thu] diu, von Grimm
gebessert, mir, nicht mer. 7542 undancken. 7549 lieben fehlt : vgl.
K. 466, 59. Grimm ergänzte den. 7555 gare fehlt. 7561 wnste.
7563 christemlichen. " 7569 für. 7576 ich. 7586 beuilde. 7594
sie, nicht si. 7601 nämen fehlt. 7603 turpin. 7605 den herren :
Grimm will lesen die heren lichenamen. 7609 an den neuen sinen.
manige gute salben: vgl. 7617. 7619 Otten Grimm] orte.
7624 uan. 7628 wirt. 7634 sin. 7636 uechte. 7640 chom
ie. 7645 dicheim oder dicheini. 7647 ermaggen. 7655 mir, nicht
wir. 7657 grüze. 7658 gebuze. 7659 in sinin: vgl. K. 468, 29.
St. 8995. maggen. 7660 wirt. 7601 hantwerc. 7671 chune:
vgl K. 468, 45. St. 9005. 7683 sine: vgl. K. 468, 68. 7695 frou-
ZUM ROLANDSLIEDE. 415
den. 769G rechten. 7712 hont'. 7714 unsere. 7715 sine
gewalte. 7729 zezücket. 7735 kaise. 7739 helld". bewanten.
7741 staline. TT 4 ( > fröde. 7751 lichemen. 7752 wnsten in, in
zwischengeschrieben. 7758. 78 frouten. 7761 sibe fehlt: Grimm er-
gänzt von. 7782 uan. 7787 Maimes. 7792 baigere. 7793 ze
uordelicher chnechtaite. 7798 newart: statt w wollte der Schreiber
zuerst 1 schreiben (ne lebet?). 7801 watens clmnnes (nicht clmnes).
7808 zwaincec: ebenso 7815. 7825. 7832. 7837. 7810 unser fehlt:
Grimm ergänzt min. 7>13 alle. chom. 7816 uan. 7847 ander
(zwischengeschrieben) alp. 7853 kom. 7854 ain. 7867 uan.
7875 I fehlt. 7886 werde. 7888 wöcher. 7895 uan. 7896
herren zwischengeschrieben. 7899 sine. 7902 hete. 7906 hende.
7909 erlostet, und ebenso 7913. dinem gewalte. 7918 thin fehlt:
Grimm ergänzt dich. 7921 in: von Grimm gebessert. 7932 geman-
ten. 7936 luite. 7944 steht zweimal. 7950 spar. ' 7951 was
fehlt: vgl. K. 474, 5. St. 9393. 7952 chom. 7954 fröt. nach 7961
zware wir muzen mit in uechte. 7964 entwiche. 7965 got.
7967 tut. 7970 ich. 7972 decke, tliihj sich: von Grimm gebessert:
vgl K. 474, 28. 7979 wirt. 7980 an genge: vgl 8356. K. 474, 34
de \ an anbeginne der zit. 7982 di. 8003 hören, nicht horten.
8011 chunc. 8012 hete. dehain. 8013 anden. 8018 ime fehlt.
urlop gap. 8028 elliu. 8029 huitc. 8031 uorderot, nicht uer-
il> rot. 8034 clapamorses (?) : vgl. meine Anm. 8035 irkenne.
8036 min sun. 8040 ualpötenrot. 8046 borsten sam. 8049 unt
uon sorbes P. 8050 unt uon P. 8053 aftethe A, achte /'. wal-
gies AP. Valgres K. 476, 46. Valges St. 9511. 8054 nunte P, niu-
getheA 8056 sich, darüber dich, /'. 8060 den chünc P. 8061
dorcaniuesuessen P. 8064 thare] scar P. 8065 von /', unde A.
8068 di üneferren P. 8072 tbie fehlt /'. 8074 ne fehlt /'. nie-
iii.in A. 8075 thie fehlt P. darmoloten P. 8083 iserinon A, isern /'.
8084 Turkopen AI'. 8092 selve fehlt P: vgl. K 177,36. 8094
arbaite /'. 8096 geliget aidere P 8101 uon then A: vgl. K.
477,46, -SV. 9007, die l'n^ros, rng<-rs haben, und üngres ist wohl die
echte Lesart. 8106 stadent.4, gestreitinl /'. Allerdings hat auch K.
474, 49 strydent. francken P. 8108 alemani P. losen .1. Allerdings
ist uhI' den Abdruck kein Verlaß, "ml daher bin ich auch die Lesart
von P gefolgt, aber lösen ist ein passenderes Beiwort als bösen. slll
torgilisen /'. 8112 bilisen P: mit A stimmt st. 9616. 8116 ne
fehlt P. 8119 li.ml n /'. liaiteniske .1 : vgl K. 477. 60. zunge A.
8120 s<> we A. 8122 in fehlt /'. 8121 uan .1/'. 8131 al P.
416 KARL BARTSCH
8132 gehauen P 8133 koment A sameut A, samt P. 8135 sculen P
anbetent P. 8137 Absatz AP. 8139 mit totliche AP: von Grimm
gebessert. 8145 unseren P. 8148 imer P, fehlt A. 8149 er-
sach P. bet A 8153 uertailet P: vgl. St. 9675. 8154 bedent A,
beten P 8156 werde P. 8157 über P. 8159 si wir thar zo A.
8160 an den AP. 8162 gezechen AP. 8169 der haiden P: vgl. K.
480, 54. #*. 9705. 8172 lande.P 8174 menske P, mensce A
8176 mohte A 8181 daniele P. 8183 hete AP 8184 ailf P.
8185 en an dar zit P. 8188 er stach P. 8190 uan AP. 8191
ogier A. 8192 in siner P 8194 mit P. /eAZi A 8198 maze P,
maz 4. 8200 lie P. an schin P, werthen sein A: vgl. 6401. 8201
ne fehlt P. 8203 uffe A. 8205 4fo«fz 4. 8212 huwet P
8214 wirt AP. 8215 wnder P 8216 raohte A. gehauen A, wohl
die bessere Lesart. 8219 kuonen] diten P uolkthene A. 8223
gewinnet A. 8230 er gefrumter P. 8231 mere uerchla- clageten
(auf zwei Zeilen) P. 8234 er fehlt A. mohte A 8235 nie fehlt A.
dehainer P 8242 gegen P. in A. 8243 manigera P, menege A.
8246 escenen A scaft P 8248 niemir mere wort er sprach P.
8249 di haiden P 8251 mohte 4. 8252 thie fehlt A. verloren A
8258 wireten A, wert am Schließ der Zeile, P 8260 plikke A, dicke,
bicke P: vgl. meine Anm. 8267 küine fehlt A. 8269 aiser im P.
8271 im zwischengeschrieben P. 8275 her P, /e/ift 4. 8276 ewe-
lichen A 8277 der chünc P 8278 scaft P 8281 frouten P,
froten A. 8282 schilt, t zioischengeschrieben, P. 8290 im ire A.
8293 intsamt P, insament A. 8296 ban 4P. 8298 fehlt A. 8305
warten 4. 8307 di sie (Schluß der Zeile) si P 8308 theme fehlt A.
urlob 4, urlop P. 8312 siu 4. 8317 gote, nicht goten, P 8320
antwirt P, genathen A. 8322 noch P, unde 4. 8323 ne mohten
im A 8326 urlobes P, orlobes .4. 8328 erslahen A. 8332 ime
/eÄft A. 8334 erslau P. 8339 baierisgen A, baigerisken P. 8344
gewarte AP. 8345 rehten fehlt A. 8346 ernert 7J. 8349 der P.
8356 so uon aneginges A. 8357 diu werlt P. 8359 nie so /'.
8362 fehlt A. 8364 erslan P 8366 ih entvurhte A. 8367 ent-
wiche P 8368 uer mezzenlihe AP. 8373 uorderot, ?i'/c/i« uerde
rot P 8374 iohelim A: K. 483, 40 Ioleum. 8375 then sinen] then A,
sininP. 8379 ich nu selbe P. gesige A 8380 unde er --geliget A.
8382 ne fehlt P. 8383 wol thih bethat A. 8384 ouh hat auch P.
ther fehlt A. 8385 Johelim A. 8388 gefluhet P hinne P. 8389
dehainer P. 8392 thu fehlt P. 8399 entwiche P. 8400 froli-
che(n) AP. 8402 hiner stirbet P. nicinanA 8403 Amhohil, Amhoch P:
ZUM ROLANDSLIEDE. 4t 7
St. 10043 A.nmoch. uan AP. 8404 uolgeten A. 8407 di /'.
Sternen A 8408 unt perlen /'. 8411 an A. groziuP. S416 hine
fehlt A. 8419 erzaichene A. 8420 uon dem ubele /': der Schreiber ge-
rieth in das Paternoster. 8421 frone /'. 8422 erlosest gedeone A.
s425 nescol nu mir A, scol mir P. 8426 niwet mer A, nu nicht
mere P. werde P. 8427 wan so />. uffe A 8428 kom 4P. 8430
stören P: iT. 484, 66 hat erstoren. 8434 dingen P. 8435 ihj iz P;
beruht auf Verlesung des z. 8442 brachen P. 8445 swerten
fehlt P; m# den schließt die Zeile, griffen /'. 8446 Tho A; wohl
besser. 8452 schirme /'. 8454 wencke P. 8456 ze fehlt A.
stuke ^1P. 8457 erhalte A. 8458 zehiwe A, zehiu P des P
8459 uerscrft, ^/o.s erste r zwischengeschrieben, P 8460 francken nicht
liep P. 8463 Di haiden P uahten .iP grimmeliche A, grimmic-
liche P. 8464 ne fehlt P. in A entwiche P 8470 mir /eAft A:
vgl. St. 10178; A'. 485, 14 hat mir awcÄ nicht. 8488 gehaile. 8494
/</'/■ inachte halspergen: vgl. meine Anm. 8497 nu fehlt. 8498 so
zwischengeschrieben. 8500 din- uogelin. 8503 uemizest. 8510
huite. 8514 werde. 8519 ain. 8522 haide- nischer. 8532
sin. 8553/. manten : erhalten. 8558 durh. 8563 Hecht. 8577
ain. 8581 hin kom. 8591 mit] in ir, und dieß ist beizubehalten.
wären bevlozzen Grimm] befluzin. 8592 erguzzen. 8598 wainde.
£599 geraine. 8612 rehte, Schluß der Zeile. 8615 gerichten uan.
8617 brehmunda, so. 8623 uersumet, so. 8625 haut zu schreiben,
wie Grimm will, ist unnöthig; tliie steht für ther. 8626 chom.
8634 unt sPsich. 8636 dan. 8638 beten. 8649 sin gelegen.
8657 dei-kaiser wnderot: vgl. St. L0279. 8658 warte. 8663 sie,
8667 sent. 8669 beiligiz. 8673 Tiv. 8674 ain. 8679
hergzogen K692 ^iin mir. min. s\;\)'t Ter. 8696 liebin libiu.
6 al. 8707 sol P. 8708 für genenne P. 8709 noch niemir
dehain /'. -710 ne fehlt /'. 8712 grimme] thikke A. 8714 mih
ime ze wibe A 3719 tha .1. 8720 beuilhe ich in /'. 8722 mere
fehlt A. ne fehlt P. hinne P. 8729 gesaz P. 8731 genehmen P.
8732 do, nicht da, /'. 8734 sie /'. fehlt A. 8735 aber wnden /'.
8736 tho er stunde und«- wäre . I. 8744 hete*. 8745 antwrte..
8751 di. 8755 gesiechte. 8758 beten. 8764 chunlinge.
3766 hi zwischengeschrieben, chom, Schluß der Zeile. 8771 erzürn-
te /'. 8775 riehen AI'. -777 ich -m nine /'. 8781 in .1.
3783 :.<! fehlt /', des, am Schluß der Zeile. 8784 m^re fehlt /'
8785 thrang da A, 8790 geunsculdigen /'. 8791 genelunen min /'
8793ne/eÄftP. 3798 erherte P. 8799 min P 01 der in
(JE i (XIX. Jtthi 27
418 KARL BARTSCH, ZUM ROLANDSLIEDE.
sin P 8805 irledige in huite P. 8810 enzunter P 8812 aer-
sumet auch P. 8814 mich sin P. 8817 in A 8818 uarent P.
8820 scol ich mere denne nicht P mere] uer A 8821 Pirrich P.
thauore A. 8825 nahister gebornP. 8828 durh P. hinen A, hin P.
8830 uerraten al thaz A. 8835 huite P. erzaichen A. 8836 main
aiden P 8839 allem P, fehlt A. 8840 gerne fehlt A. uechte P 8842
erherte P. 8844 dir Übermut P. 8846 merke P. 8847 gescaft P.
8850 saule P. 8856 ih /eAft A 8858 dionisii dich hiute uelle P
8860 daz er P. 8861 iewederem P, iwereme A. 8864 genelunen P.
übe P 8866 ergienge P 8867 di phat P 8870 drizec P. giselen A,
gisel P 8872 frouten ^1P. 8874 hete AP. nieman A nehain AP.
8877 in A 8879 karlinge A. 8880 uerloren al A. gethinge A.
8889 thingeten A. 8893 in/eM P 8899 was P 8900 champh P
8901 zu P 8902 thie fehlt P. 8907 thä fehlt A. 8908 den als P
8909 chemphen P 8913 grizwarten P 8915 stukke A 8919
getorste chom P 8920 erne ne P hete AP. 8925 winigen P.
8927 gesetzen A. 8930 er do uf P 8933 tha under 4. 8934
wnden P, wnde A 8936 des P 8937 tiurlicher A. 8940 we-
gen P. 8943 erben A. 8944 ainen A. 8945 wirde, r zwischen-
geschrieben, P. 8948 also wole fehlt A. 8949 kum zo A. herren
fehlt A. 8950 dich sin P 8951 gerne fehlt A. 8952 thaz ih
thih A. 8953 ne /e/iZ« P 8954 iz 4; sin P ne /«ÄÄ P. 8956
dehain P. 8957 mere gelebe P. 8960 genelunen P. 8961 ne-
mah- niwet A, so ist zu schreiben. 8962 so willih hi fore thir geligen A.
8963 werde P. 8964 durh in ersterbe P. 8968 geuangen P.
8972 untriwe A: vgl. St. 12044. 8975 uuhten A. 8977 ne fehlt P.
mohten A. 8980 uerwndete 4. 8985 stah A. 8987 uffe A.
8988 froude P, frothe A. 8990 slachte P. 8992 sie huoben fehlt P.
8993 gesaz P. 8994 sentphlichte P. 8996 heten AR 8997 ge-
selle />. 8998 genelunen P
8999 alle bi| mit A. 9005 ne fehlt /'. 9006 in A. 9014
stucko P. 9022 vor. 9024 di edcle chur (durch st riehen) herzoginne.
9026 himilwizen scaren: gebessert von Grimm (Z. 3, 281). 9032 iz
Grimm: fehlt. 9040 chüninge. 9048 sin {Schluß der Zeih) uan.
9050 nach newirdet ausgestrichen ich. 9058 man Grimm: fehlt
9060 vroude. 9064 fraiste: von Grimm gebessert. 9067 opherit.
9070 im nu stat, vor stat ausradiert st. nu getilgt von Grimm. 9083
danne. 9088 singe. 9090 tröste mine allen. 9093 mähe, Schluß
der Zeile.
FEDOR BECH. HEINKICH VON MORUNGEN. 419
HEINRICH VON MORUNGEN.
Der Name des Minnesängers Heinrich von Morungen ist, soviel
mir bekannt, bis jetzt noch aus keiner Urkunde nachgewiesen worden;
ebenso wenig ist uns über die persönlichen Verhältnisse dieses Dichters
etwas überliefert. Aus seiner Mundart hat man geschlossen, daß er
ein düringischer Ritter, aus dem Charakter seiner Lieder, daß er wo-
möglich noch, vor Reinmar und Walther zu setzen sei. Gleichwohl lässl
sich mit großer Wahrscheinlichkeit vermuthen, daß er einst in Diensten
des Markgrafen Dietrich IV von Meißen stand, jenes stolzen Mizenaere,
auf den Walther von der Vogelweide wiederholt zu sprechen kömmt,
und daß er in Folge seiner geleisteten Dienste (als Gesandter im Aus-
lande?) am Hofe seines Herren hohes Ansehen genoß, — - wenn er
nämlich ein und dieselbe Person ist mit jenem Henricus de Morungen,
von dem es in einer von Teodericus dei yratia Misnensis et Orientalis
marchio ausgestellten Urkunde, im Urkundenbuche der Stadt Leipzig
herausg. von Fr. Posern -Klett II no. 8, heißt: quod Henricus de
Morungen, miles emeritus, spiritu tractus divino, Xtalenta annuatim, quae
jn 'opter aÜa vitae such merita <i nohis ex monefa Lifizensi tenuit in Lern
fi'iuui, nohis resignavit et ut ea ecclesiae beati Thomae in Lipzc ad usus
inibi Christo militantium conferre dignaremus devotissime supplieavit,
illud rrcdi ums evangel 'im in in COrdis msiins palatio : Dilti- i Irinas! nn in ei
omnia munda sunt vobis. Die Urkunde ist /.war ohne Datum, doch er-
gibt sich aus ihr, daß sie erst nach der Stiftung des Thomasklosters,,
also nach 1218, und noch vor 1221 (17. oder 18. Februar), wo Dietrich
starb, gesetzt werden muß, in eine Zeil wo Heinrich von Morungen
wahrscheinlich nicht mehr jung (miles emeritus) war.
Übrigens lassen sich außer bei Schöttgen und Kreysig Diplom.
Band II jetzt noch anderweitig Herren von Morungen nachweisen. So
ein ülricus de Morungen aus dem J. 1286 als castellanus in Grellenberg
in den Urkunden des Stiftes Walkenried ( - Urkundenbuch des histor.
Vereines fiir Niedersachsen II I Abth. I. do. 4'.»."». Ferner ein C. dt
Morungen aus «lem .1. L278 in dem Urkundenbuche der Stadt Göttin
gen [,iio.21. Endlich Heinricw de Moringen alsMitglied des Rathes in
dem genannten Urkundenbuche I. qo. TL 148, 155, 214, aus den Jahren
1309 bis 1361; ein Detmar de Moringen, Rathsmitglied In Göttingen in
de,, Jahren L373 bie L382, ebenda do. 306.
/I [TZ 0 ttobei L874. I I DOR BECH.
27"
420 FEDOR BECH
URKUNDLICHE NACHWEISE ÜBER DAS GE-
SCHLECHT UND DIE HEIMAT DER DICHTER
HEINRICH UND JOHANNES VON FREIBERG.
Daß Heinrich von Freiberg, bekannt als der Fortsetzer von
Gottfrieds Tristan sowie als Verfasser der Ritterfahrt des Johannes von
Michelsberg (vergl. v. d. Hagens Germania II, 92—98) und des Ge-
dichtes vom heiligen Kreuze (vergl. Pfeiffers Altd. Übungsbuch S. 126
bis 135), nicht aus Oberdeutschland (vergl. K. Roth, Uolrichs von Tür-
heim Rennewart, S. 57 — 58 und 129), sondern aus Mitteldeutschland
stammen müsse, hat zuerst v. d. Hagen in den Minnesängern IV, 615
und nach ihm Franz Pfeiffer in dieser Zeitschrift II, 253 — 254 aus der
Sprache der Reime erwiesen. Beide nehmen an, daß der Dichter in
dem obersächsischen Freiberg seine Heimat gehabt habe, und daß es
darum nicht zu verwundern sei, wenn er grade mit dem böhmischen
Adel — nach v. d. Hagen und K. Roth unter König Wenzel II, also
1278 bis 1305 — in Verbindung erscheine.
Nach Mitteldeutschland aber gehörte seiner Sprache nach auch
Johannes von Freiberg, von welchem wir noch eine Erzählung,
das rädelhi betitelt, besitzen, in v. d. Hagens GAbenteuern III, 111 — 124;
vergl. die Einleitung v. d. Hagens dazu S. XXVI folg. und das von
Zacher herausgegebene Fragment in Haupts Zeitschiüft XIII, 333 bis
335. Beweisend für die Abstammung aus Mitteldeutschland sind schon
die Reime gehöret : besiceret in V. 50, enhcer : immer V. 80, innbekorte :
worte 153, scheiden : melden 300, nü : da zu 306, nit : pflit 418.
Obersächsische Urkunden zeigen nun zur Genüge, daß es seit
dem 13. Jahrhundert ein edles Geschlecht von Freiberg gab, das
vorzugsweise in obersächsischen Städten angesessen war.
Zuerst ist hier zu erwähnen ein Heinrictis burgensis de Lvpzc
dictus de Vriberc, welcher im J. 1245 8. Juni vor Heinrich, dem
Markgrafen von Meißen und Osterland, fünf große Hufen, die er zu
Lehen besessen, aufgibt und sie der Thomaskirche eignen lasse; nach
dem Urkundenbuche der Stadt Leipzig ed. Posern-Klett II, no. 14.
Vor allen wichtig ist sodann eine Stelle in einem „Extrakt aus
denen Schöppenbüchern, so in VII codieibus membranaeeis auf dem
Schöppenhause zu Halle verwahrlich aufbehalten werden", mitgetheilt
von J. Christoph von Dreyhaupt in seiner Beschreibung des Saal-
URKUNDLICHE NACHWEISE ÜBER HEINE, UND .TOR. VON FREIBERG. 421
Kreysos (auch : Pagus Neletici et Nudzici) II, 479. In dem ersten jener
Codices memhranacei „so anno 12G6 anfängt" heißt es unter andern:
Hinric von Vriberch quam in geheget dinc und begavete sinen Lindern
alle de //• nu hei und ummer nur gewint, alle sin eygen und alle sine
varende have, vnd alle das he begaven mach vor gehegeteme dinge. Storbe
eyn leint, so sol das uf das ander vallen. Selber wil he iz herre sin, ivile
he lebet. Dar ober hat he voremunden gekoren heren Buszen von deme
grashove und Johannesze von Vriberch vnd Nicolause von der Holt-
W( rt, das man darmete nicht tun sal} is ensi ere wille. Diese Eintragung
in das Schüppenbuch muß noch vor das Jahr 1308 fallen, denn mit
diesem Datum begannen (laut S. 480 bei Dreyhaupt) die Aufzeich-
nungen des zweiten der genannten Schöppenbücher, mit dem J. 1366
die des dritten (S. 481 1. 1), mit dem J. 1388 die des vierten (S. 482),
mit 1425 die des fünften (S. 485).
Im J. 1312 werden Heinrich vnd Herman, Qevettern'von Vry-
l"-rr/, durch den Math von Halle mit Heinrichen und Otten, Gebrüdern
von Nordhausen, wegen einiger Thalgüter verglichen, nach J. P. de
Ludewig Reliqu. MSC. t. XII, S. 233.
Ferner bezeugt ein Hinricus de Vryberg eine Urkunde in dem
Jahre L314, laut welcher der Rath zu Halle an das Kloster zum
Neuen "Werk ein Stück einer Wiese vertauscht; bei Dreyhaupt 1. 1.
I, 728.
Ein ganz besonderes Interesse wegen der Stellung, die dieser
Heinrich von Freiberg in der Stadt Halle einnahm, gewährt noch ein
Sühnevertrag vom Jahre 1327, ebenfalls von Dreyhaupt I. S. 63 mit-
getheilt : /// deme namen goddes amen. Wie sesze unde drittich ratmanne
tho Hat/r, wie von denn dale, wie von deme bergh ystere der in-
nunge unde bürgert gemeyne to Halle, bekennen openliken in diszeme je-
ghenwerdighen brieue umme den krich, den Heinrich von Northusen undt
sine brodere hebben gehat mit unsen burgheren von Halle, dat sie des eynt
gantze sone hebben mit uns unde wie mit on, also dai sie noch wie des
mit arghe nummer mer uprucken scolen. Were dat sie disze sone breken
an emande, beschuldighet sie die rat darumme, dar scolen sie tho rechü
Cm ine l.nni'ii, <lf sie icilli-u: icn/deii si>- i'n'i- rcciit nicht dar rare dim, SO
scolde me sie vorunsen von Halle hundert jar unde eynen dach. Swie d
sone oüc an 6n breke, det chtes scal dit rat ouer den helpen.
Ouc bekenne wie mer umme den krich, den Hinric von Vriberch
unde dit von Northusen mit eynander hebben ghehat, dat so l sin eyn
gancz sone äne allerleyt arghelist unde mit die mit der sake be-
■ ii -int. eyne half und die ander half. Swelk Srer die sone breke, dar
422 FEDOR BECH
hie sin recht nicht vore wolde dun, den scal man vorwisen von Halle
hundert jar und eynen dach.
Uppe dat, dat disze vorbescreuene sone gancz werde ghehalden sunder
broc, so hebbe wie ratmanne diszen jeghenwerdigen brief loten beseghelet
mit vnser stad angehangeden ingheseghele unde mit der ingheseghele von
deine dale vnde mit der ingheseghele von deme berghe vnde mit der mey-
stere ingheseghelen der inninghe. Unde ek Hinrik von Northusen vnde mine
brodere mit vnseme ingheseghele. Unde ek Hinric von Vriberg mit
mime ingheseghele. Disze brief is ghegeven nach Goddes gheburt ouer dnsent
jar drühundert jar in deme seuene unde twintichsten jare in der elefdusent
meghede dage.
Wenn es nach K. Roths Mittheilung (1. 1. S. 58) am Schlüsse
einer Regensburger Urkunde vom J. 1287 heißt: Heinricus Hallaer,
Pertholdus Lecho et filius suus Ulricus Lecho et f rater suus, Heinricus
de Vrieberch, so erhellt daraus noch nicht, daß Heinrich v. Fr., falls
er mit dem genannten eine Person ist, dort längere Zeit gelebt habe;
er braucht, wie Pfeiffer bemerkt, auf seinen Turnierfahrten Regensburg
nur einmal berührt zu haben.
Über Johannes von Freiberg, den. wir oben als Vormund
der Kinder Heinrichs haben kennen lernen, berichtet uns eine Urkunde
aus dem J. 1290, 29. September bei J. Peter de Ludewig Reliqu. Ma-
nuscr. t. V, p. 60 — 61 (vergl. Dreyhaupt I, 707 u. II, Beilage S. 45):
quod totalis discordia et questio litigiosa, que inter prepositum et conven-
tum ecclesie Novioperis ex una, et Johannem de Vryberg nee non
Albertum et Hinricum filios suos ac Johannem Socerum et Luciam eius
uxorem parte rertebatur ex altera, super quibtisdam dam/pnis, quaejohan
nes et eius filii ac socer supra dicti se asserebant ex parte conventus pre-
dicte ecclesie se reeepisse, per honestos milites amicabiliter est
sopita. Aussteller waren consules ac commune civitatis Ilallensis.
Derselbe Name unter den Beisitzern des Schöppenstuhles von
Halle im J. 1308 aufgeführt bei Dreyhaupt II, S. 452: Hinrich Boydin,
Roddiger de Schwarte, Herman de Lange, Hinrich von Kotene, Johannes
von Vriberch, Hinrich von Northusen, Werner Wogt, Johannes Win-
man, Kerstan her Arnoides, Nicolaus Mosolf.
Von diesem Hallenser vielleicht verschieden war der in einer Ur-
kunde des Bischofs Heinrich von Meißen, aus dem Jahre 1233, als
Zeuge auftretende Johannes de Vriberc, vergl. Urkundenbuch des Hoch-
stiftes Meißen ed. Gersdorf I, no. 114.
Ein Hermannus de Vriberg, schon oben neben seinem Vetter Hein-
rich genannt, tritt außerdem im J. 1302 als Zeuge auf bei dem Ver-
URKUNDLICH K NACHWEISE ÜBEB BEINR. UND JOH. VON FREIBERG 423
kaufe des Dorfes Provestesrode (Probstrode) an Otto von Ileburg, nach
Ludewig 1. 1. t. V, S. 257.
Im J. 1339, 25. Februar, Hermdns von Freyberg, Bürgers zu Halle,
Dotation des von ihm im Kloster zum Neuen Werk zu Ehren S. Maria,
S. Mathiä und S. Andrea gestifteten Altars mit zwei Mark jährlicher
Zinsen, nach Dreyhaupt I, 709 aus Ludewig t. X, S. 605.
Im J. 1339, 6. März, Revers des Probstes Johannes und des
Klosterconventes zum Neuen Werk, worin diese versprechen, daß Her-
man von Freyberg an dem von ihm in der Klosterkirche gestifteten
Altar das ins patronatus haben solle, sowie daß sie ihn und seine Haus-
frau zugleich in die KJosterbrüderschaft aufnehmen; ebenfalls nach
Dreyhaupt 1. 1.
Im Jahre 1312, 25. April, erscheint ein Hermannus de Vriberg
unter den Katmannen (consules) von Leipzig, welche auf Befehl des
Markgrafen von Meißen den Markgrafen AVoldemar und Johann von
Brandenburg und Landsberg huldigen; nach dem Urkundenbuch der
Stadt Leipzig herausg. von K. Fr. von Posern-Klett I, no. 26.
Im J. 1316 bezeugt derselbe, Her. de Vriburg geschrieben, mit
den übrigen Ratmannen eine Urkunde der Gebrüder Tammo und Fried-
rich de Elzkowe; nach dem zuletzt genannten Urkundenbuche no. 29.
In den J. 1349 und 1352 wird Hermannus de Friburg als Bürger
von Leipzig aufgeführt, ebenda no. 39 und no. 44.
Ein anderer gleiches Namens zeigt sieh im Ilochstifte Meißen
ansässig. So ein magister Hermannus de Vril>< ,■<■ officialis noster in
einer vom Bischof Withego II., ausgestellten Urkunde aus dem J. 1317;
vergl. Urkundenb. von Meißen I, im. 365; derselbe, <l<>miuns Her-
mannus de Vriberg genannt, in einer Urkunde der Gebrüder Hein-
ricus ei Thimo de Koldicz, aus dem J. 1320, ebenda I. no. 378; — und
davon nicht verschieden magister Hermannus noster officialis, wie er mit
Weglassung von '/-• Vriberg beißl in einer Urkunde des genannten
Withego aus dem ,1. 1322, 1. I. I, im. 383; — gleich darauf bezeug!
derselbe wieder als dominus Hermannus de Vriberg eine Urkunde Withe-
gos aus demselben Jahre, I. 1. I, im.
Im J. 1344 weiden Hinze und 11 im man von Vriberch, Bürger zu
Halle, wegen ihrer Thalgüter durch den Rath daselbst verglichen ; nach
Dreyhaupi II, Beilage S. U>.
In Leipziger Urkunden aus den Jahren 1295, 1298, 1305, 1306,
1307 und 1311 tritt als Zeuge auf ein Symon de Vriberchj sacerdos
ecclesiae St. Thomae', nach dem Urkundenb. von Leipzig II, no. 46, 49,
66, 68 and 79.
424 J- BAECHTOLD
Ein Erhart von Vriberg wird erwähnt unter den gegen das Erz-
stift Magdeburg feindseligen Mannen des Herzogs Magnus von Braun-
schweig, in einer Urkunde vom J. 1347. 4. Januar, bei Dreyhaupt I,
S. 72.
In dem öfter erwähnten Urkundenbuche des Höchst. Meißen treten
außerdem noch folgende auf. Im J. 1281 eignet der Bischof Withego
den Domherren Tilmann von Torgau und Conrad von Boruz septem
mansos, fquos] emerunt et comparaverunt a Bor tone layco, filio Bor-
tonis de Vriberc, vergl. no. 251, S. 194; — im J. 1313 genehmigt
Bischof Withego II, quod dilecti nobis dominus Nycolaus ecclesiae
nostrae canonicus et dominus Petrus sacerdos fratres, filii qnondam
Theoderici Kunekonis de Vriberg felicis memoviae, capeüam
et altare — instituerunt et dotaverunt, vergl. no. 353, S. 285; — im
J. 1322 genehmigt B. Withego II die von dominus Petrus filius quon-
dam Theoderici Kunekonis de Vriberg sacerdos vorgenommene Über-
weisung von Zinsen an die von ihm und seinem Bruder Nycolaus Mis-
nensis canonicus gestiftete Simon- und Judascapelle, vergl. no. 385 ; —
in den Jahren 1380 und 1385 wird ein her Pamcil oder er Pavel von
Friberg als vicarie czu Missen unter Zeugen aufgeführt, vergl. no. 664
und no. 693; — im J. 1407 ist Mitglied des Meißner Domcapitels
dominus Karleioicz de Friberg, vergl. no. 797; — im Jahre 1269 er-
scheint endlich ein Christanus de Vriberc ansäßig in Meißen, vergl.
no. 207.
In Diensten des Königs Wenzel stehend treten auf Burghart von
Freyberg im J. 1385, nach den deutschen Reichstagsacten von Weiz-
säcker I, 503, 17 und 504, 28, unter denen genannt, welche dem Könige
die Judengelder eintreiben, und Conrad von Fryberg im J. 1392, ebenda
II, 316, 11 und 362, 3.
Weitere Nachweise zu geben steht mir jetzt nicht zu Gebote.
Die dargebrachten werden aber, denke ich, ausreichend sein, um zu
beweisen, daß die Heimat der oben genannten Dichter in Obersachsen
zu suchen sei.
ZEITZ, "Michaelis;i1874. FEDOR BECH.
ULRICH VON ZATZIKHOVEN.
Bekanntlich fehlte bis jetzt jeder urkundliche Nachweis über den
Dichter des Lanzelet. Annähernd als dessen Lebenszeit wurde die zweite
Hälfte des XII. und der Anfang des XIII. Jahrh. angenommen, und
ULRICH VON ZATZIKHOVEN 425
an die Scheide des XII. oder in das erste Decennium des XIII. Jh. die
Abfassung des Lanzelet gesetzt. Heute nun bin ich im Stande, einen
Ulrich von Zatzikhoven oderZezinchoven urkundlich nachweisen /.ukönnen
und bin natürlich gern geneigt, denselben, der sich als Pfarrherr von
Lommis entpuppt, Ins auf weiteres für den Verfasser <h'> Lanzelet zu
halten. Die hier folgende Urkunde, die ich der Güte des Berrn Dr. Wart-
mann in St. Gallen verdanke, ist dem nächstens erscheinenden dritten
Bande des großartigen Urkundenbuches der Abtei St. Gallen entnommen.
Grat' Diethelm von Toggenburg mit seinein Bruder Friedrich und
seiner Mutter, der Gräfin Guota, schenkt dem Kloster St. Peterzeil*)
einen Jahreszins von 40 Käsen und einer Kuh, welchen ihm das
Kloster bisher von Zinsgütern in Enzenberg*) zu bezahlen hatte, gegen
eine wöchentliche Messe bei Lebzeiten und eine Jahrzeit nach seinem
Tode.
Kloster St. Peterzeil. 1214, März 29.
f In nomine sanete et individue trinitatis. Amen. Ego Diethalmus
de Togginburch comes. Ut de modernorum salutaribus gestis tides pre-
beatur posteris, antiquorum et prudentum virorum auetoritas statuit,
ea literarum roborari testimonio, ne oblivionis nube, quam ex prevari-
catione primi parentis contraximus, una cum tempore bonorum exempla
operum elabantur. Declaretur igitur universis tarn presentibus, quam
posl futuris universis bonae voluntatis hominibus, qualiter Diethalmus
de Togginburch comes, una cum fratre suo Friderico et matre sua
Guota comitissa, censum XL caseorum ei vaccae unius, XII solidos
Constantiensis monetae valentis, qui de censualibus prediis in Engizin-
berch sitis a cenobio, quod cella saneti Petri vocatur, annuatim sibi
persolvebatur. ob salutem animae suae parentumque suorum jam dicto
cenobio indulsit <'t perpetuo remisit, immo legittima donatione tradidit
et donavit; hac tarnen pactionie forma coneepta, ut vita dictum comitem
comitante singulis ebdomadibus missa una pro peocatis ad sui memo-
riam inibi celebretur ei post mortem anniversarius suus exinde perpetuo
peragatur. Ne autem tarn legittimae donationis auetoritas malignorum
ineursibus in posterum possil ullo modo lacerari, presentem fecil inde
conscribi paginam, et ut ratihabitio per hoc innuatur posteris, Bygilli
sui munimine roborari, Acta igitur sunt hec in monasterio cellae saneti
Petri, anno dominicae incarnationis MCCXITII, anno decemnovenalis
cycli XVIII. coneurrentibua II, epactis VII, indictione II. quarto ka
*) in Tojrcr^ntiHr^.
426 R- KÖHLER
lendas Aprilis, E. litera dominicali, presidente sedi apostolicae Inno-
centio III, anno apostolatus ejus XVI, regnante gloriosissimo Roma-
norum rege Friderico, anno regni ejus II, C(uonrado) de Tegirvelt
Constantiensem gubernante katedram, anno pontificatus sui VI, C(uon-
rado) de Touzenanch regimen ecclesiae sancti Johannis in Turtal possi-
dente. Testes autem, qui hec viderant et audierant, sunt hü: Werne-
herus plebanus de Liutinsburch , et capellanus Uolricus de Ce-
cinchovin, plebanus Loumeissae*). Burchardus miles de Lapide
et alii quamplures. Si quis ergo huic donationi tarn salubriter celebra-
tae ausu temerario in posterum contraire presumpserit, in die districti
exaininis cum reprobis mereatur percipere porcionem. Amen.
Perg. Urkunde in St. Gallen. P. P. 5 B 3.
Ich ergreife die Gelegenheit, nochmals auf das Wort uosezzel zu
kommen und verweise auf einen einschlägigen Artikel von Pupikofer
in der Zeitschrift für Schweiz. Alterthumskunde v. 1871, wo aus Hatte-
mers Denkmalen Bd. I, 229 die Glosse uosteftan und ib. 235 uostafton
herbeigezogen wird, uo erweist sich durchaus als diabetisch für üf =
auf, nach, zu, und ist jetzt noch in der Schaffhauser Mundart üblich.
Dazu vergl. Meyers Ortsnamen des Cantons Zürich Nr. 1637: Uowison,
jetzt Uhwiesen, (im Gegensatz zu Niederwiesen.), dann uomät und
uo wachs .
SOLOTHURN, Oct. 74. Dr. J. BAECHTOLD.
MITTELALTERLICHE ANSICHTEN ÜBER DIE
TRÄGER DES NAMENS PETRUS.
In derselben Handschrift der Weimarischen Bibliothek, aus welcher
ich Bd. XVIII, S. 460 dieser Zeitschrift ein deutsches Gedicht von der
Gerechtigkeit mitgetheilt habe, finden sich unmittelbar vor jenem Ge-
dicht auf Seite 333b folgende lateinische Verse ohne Überschrift:
Sunt omnes Petri mirabiles, invidiosi,
Instabilis**) animi, fallaces, luxuriosi,
Smalcia ***) dant verba, sed frigida sunt quasi petra,
*) Lornmis im üanton Thurgau, eine Viertelstunde von Zetzikon (Zatzikhoven)
entfernt. Die übrigen Ortsnamen meist St. Gallisch.
**) In der Hs. ist instabiles von alter Hand geändert in instabiles.
***) So steht deutlich in der Handschrift. Ist dabei an mhd. smalz zu denken ?
MITTELALTERS ANSICHTEN ÜBER DIE TRÄGER DES NAMENS PETRUS. 427
Decipiunt cunctos laicos, clericos quoquc doctos.
0 Petre, Petre, quid audio dicere de te?
Idcirco sociuni nullus querat sibi Petrum.
Diese Verse sind vielleicht in Erfurt entstanden. Die Hs. enthält
mehrere Erfurtensia und gehörte ehemals dem Erfurter Kloster Petri
und Pauli. In Erfurt sollen aber die Peter in schlechtem Ansehen ge-
standen haben, wie sich aus Folgendem ergibt.
In Felix Hemmerlins 'Dyalogus de consolatione inique suppres-
sorum'*) sagt die Sapientia:
Quidam asserunt, omnes tali nomine [sc. Petri] designatos ad
modum petre fore plus ceteris cervieibus duriores et ad omnis man-
suetudinis humanitatem fore minus flexibiles. Unde quondam magistratus
civitatis Ertfordensis in Tluuingia ordinavit et statuit, prout bis diebus
ibidem servatur, ut in ipsorum senatu seu consulatus collegio, quod
multum notabile pre ceteris consiliis Germanie, Petrus nomine locum
nequaquam deberet habere. (Clarissimi viri juriumque doctoris Felicis
Hemmerlin cantoris quondam Thuricensis varie oblectationis opuscula
et traetatus, s. 1. et a., foL, Seite CXXVb).
In des Dominikaners Petrus de Prussia*) Vita Albert i Magni,
Cap. LII, lesen wir:
Sic de saneto Petro Apostoh» multa a rudibus proferuntur, et
utinam non crederentur! Scio enim civitatern, de qua fertur, si autem
verum est, ignoro, quod in tantum ibi invaluit opinio luec, quod om
nes Petri sunt mirabiles, ut nemo ibi assumatur ad Consulatum vocatus
hoc Domine. Et revera, bj verum est, quod dicitur, et perseverant in
sua sententia, graviter essent puniendi ob huiusmodi perfidiam.
Mau bemerke die Übereinstimmung der Worte comnes Petri sunt
mirabiles mit dem Anfang der oben mitgetheilten Hexameter.
Martin Zeiller (gb. L589, f 1661) sagt in seiner 'Beschreibung
der Zehen des 11. Rom. Teutscheu Reichs Kreyßen' (S. 390 der mir
vorliegenden /weiten, Nürnberg L690 erschienenen Ausgabe— die erste
kam 1660 heraus) :
"Wie ich neulich, durch Schreiben, berichtet worden, so solle man
allhie |d. h. in Erfurt] keinen zum Rathsmeister oder Burgermeister,
*) Vgl. B. Reber, V. Bemmerlin von Zürich, Zürich 1846, 8. 361 Bf.
**) Petrus de Prussia biet eigentlich Bigast und wai ausDanzig gebürtig, daher
der Beiname de Prussia. Er lebte in der zweiten Hälfte des l">. Jahrhunderts and
schrieb 'li'1 Vita Alberti zn Köln, wo Bie i486 »uerst in Druck erschien Vereint mit
des Albertus Büchlein De adhserendo Deo ist Bie anch 1621 zu Antwerpen herausge-
geben worden, welche Ausgabe mir irorlii ' Sighart, Albertus Magnu B
bürg 1857, B. IX.
428 ADALBERT JEITTELES
ja auch keinen in den Rath nehmen, der Peter heist: Wie dann auch,
im gedruckten Raths-Register, keiner zu finden, so Petrus geheissen
hätte: Die Ursach aber dessen seye unbewust.'
Derselbe M. Zeiller erwähnt diese Sage nochmals in seinen 'Mis-
cellanea, Nürnberg 1661, S. 240:
cDaß man zu Erfurt in Thüringen keinen in den Rath nehmen
solle, der Petrus heist, sihe den Tractat von den X. Reichs Craissen
tit. 5, p. 330. und deß Petri de Prussia Urtheil davon (wann anders
deme also, was man berichtet) in vit. Alberti Magni c. 52. p. 621 [lies:
321] deß Antorffischen Drucks de Anno 1621 in 12'.
Im Gothaischen Reichs-Anzeiger vom J. 1794, 2. Bd., Nr. 99, Sp.
950, erschien anonym folgende Anfrage:
cWar in Erfurt ehehin wirklich die Gewohnheit, daß keiner, der
Peter hieß, in den Rath aufgenommen wurde?'
Nachdem hierauf im folgenden Jahrgang, 1. Bd., Nr. 18, Sp. 166,
zunächst eine anonyme Antwort erschienen war, in welcher auf die
angeführte Stelle in Zeiller's Miscellanea hingewiesen und außerdem noch
bemerkt wurde: 'Viele Personen, worunter geborne Erfurter, hielten
diese Anfrage für Scherz5, folgte inMemselben Bande, Nr. 122, Sp. 1197,
noch eine Antwort, welche 'Erfurt. — b — s.' unterzeichnet ist und also
lautet :
'Allerdings muß es uns Erfurtern, wie es im 18. Stück heißt, mit
dieser Frage als ein Scherz vorkommen, da die Erfahrung, ohner-
achtet der Tractaten, die im obigen Stück angeführt werden, es hin-
länglich beweißt, daß in Erfurt bey Besetzung der Rathsstellen keines-
weges auf die Namen Rücksicht genommen wird; denn im vorjährigen
Rathstransitus war Hr. Peter Franz Dreger anderer Rathsmeister.'
Ich bemerke schließlich, daß ich auf die Stellen im Reichs-An-
zeiger von meinem Freunde Dr. Robert Boxbergcr in Erfurt aufmerk-
sam gemach tjworden bin. Ohne sie aber wären mir die Stellen aus Zeil ler
und Petrus de Prussia unbekannt geblieben.
WEIMAR REINHOLD KÖHLER.
DIENST AG—Z LNSTAG.
Die Auffassung, daß unser Dienstag in Analogie mit* dem dies
Martis der Römer seinen Namen von dem altheidnischen germanischen
Kriegsgott Tijr, hochd. Zio erhielt, muß sich frühzeitig aus dem Be-
wusstsein unserer Vorfahren verloren haben. Denn bekanntlich be-
gegnen schon seit dem 13. Jahrhundert, zumal in niederd. Quellen, die
DIENSTAG ZINSTAG. |-j«i
Formen dinstag [dinsedag . dingstag, dienstag, während die organische
Form ziestag in schriftlichen Denkmalen selten ist. Vgl. Grimm
DW. 11. L120. Lexer Handwörtb. 428. 436. Müller-Zarncke Wtb. III, 8.
I m das 14. Jhd. taucht daneben die Form zinstag auf (Birlinger, Ale-
mann. Sprache -41). die in Schriften des 16. Jahrhunderts vorherseht.
Von da ab gewinnt unser heutiges dienstag, dinstag allgemach die Ober
band. Ins es an der Schwelle des 18. Jhd. die l>is dahin bestandenen
Nebenformen völlig verdrängt.
Über die etymologische Deutung dieser Formen spricht sich das
deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm folgendermaßen ans: emag
nun die liquida a unorganisch eingeschoben sein oder liegt in dinges-
tag und zinstag eine misglückte erklärung, die aus dem nicht mehr
verstandenen ziestag einen dies judicii oder dies census macht, immer
ist gewis, daß der alte name das ursprüngliche enthielt1. Ks lässt also
«ffen, ob diese Auffassungen des Dienstags sowohl als dies judicii wie
als dies census jenen Bezeichnungen wirklich unterliegen. Dieß ist aber
thatsächlich der Fall. Als Beweis dafür mögen folgende Stellen dienen.
Keisersberg sagt in seinen 'Predigen' (Straßbg. 1510) Bl. 47*,
indem er von den sieben geistlichen Märkten handelt, auff denen sich
ain guter cristenmensch werben mag vnd grossen gewyn seiner seelen
überkommen, der ymmer öwig ist', von dem dritten Markt u. a. folgen-
des: Auff disen raarekt der güthait gotes soldtu faren an dem zinstag,
der von alter her darumb ist genenl gewesen der zinstag als ettlich
sagent i die weil die Römer alle weit vnder ynen hetten; do was der
von ynen dartzu verordnet, «las man yn den zinßs daran geben solt.
Die andere Deutung des Dienstags als dies judicii findet sieh in
Stielers Spaten Sp. -'517. wo darüber bemerkt wird: Dingstag, nobis
Dinstag, dies dicatus judicii'. Desgleichen bei Henisch p. 7 1 1 : 1 >ingfi
dienstag, zinßtäg, dies Marti-, quia dies litigiis dicata: litibus enim ei
bellis praeest Mars'. Nicht anders urtheilt Frisch, teutsch-lat. Wörtb.
I, 198, nur mit dem Unterschied > daß er die Herleitung von ding als
die bei den 'Meisten giltige Ansieht hinstellt.
Zwei weitere! Auslegungen unseres Woch redenkt das
deutsche Wörterbuch nicht. Die eine davon, zufolge welcher Zinstag
von Zinn hergeleitet wird, scheint überhaupt unsern Forschern unbe-
kannt geblieben zu sein. Sie begegnet in Melbers Vocabularius vari
loquuß is. I. et a. i Bl. "7': 'ilii. ono, quia Mar- habet de
minium super stannum'. hie andere Auslegung, die den Dienstag
430 SCHRÖER
Dienst-tag, somit als den Tag des Gehorsams, der Dienstleistung auf-
fasst, scheint zuerst im 17. Jahrhundert aufgekommen. Wenigstens findet
sie sich bereits bei Logau vor, dessen Epigramm, 'Dienstag überschrieben,
so lautet:
Welt und ihren Lüsten dienen ist die größte Sclaverei,
Deinem Willen, Gott, gehorchen ist das allersüßte Frei.
Und ebenso hält Adelung in seinem Wörterbuch I, 1368 diese
letztere Auffassung, obgleich er ihre Richtigkeit in Abrede stellt, für
ausgemacht, indem er bemerkt: 'Die Schreibart Dienstag gründet sich
bloß auf die unrichtige Ableitung von dem Worte Dienst'.
GRAZ. ADALBERT JEITTELES.
SONNENUNTERGANG, GEILATE, GUSTRÄTE
U. A. GOTT FOLGEN GEHN.
Hildebrand sagt Wtb. IV, 1132 zu: wenn die Sonne zu gaden ge-
gangen (aus Otho evang. Krankentrost 1671) „der schöne Ausdruck
so spät und vereinzelt bezeugt, sieht nach hohem Alter aus". Es wäre
hier eine schon von Gr. Mythol. 701 besprochene Stelle Mor. 15* an-
zuführen gewesen, wozu Gr. bemerkt „wenn nicht ze gnaden gelesen
werden muß". Es bedeutet natürlich nichts anderes als die Sonne gieng
in ihr Schlafgemach, sie gieng ze reste. — Wie ist aber das alemannische
und niederdeutsche: 'die Sonne geht vergoldet, zgold , to golde zu ver-
stehen? — Es erinnert mich dieser Ausdruck an ags. goldburg, vin-
burg als Aufenthaltsort wo die Helden mit dem Könige fröhlich sind,
zu vergleichen dem altnord. Vingolf. Vorrede zu Andr. und Elene
XXXVII f. Das altnord. gladheim ist wie goldburg ein prachtvoller Auf-
enthalt der Wonne. — Wenn nun ags. gesagt wird sun go to glade
die Sonne geht zu Glänze, unter, so entspricht das in mehr als einem
Sinne dem angeführten die Sonne geht zu Golde. Man möchte
fast vermuthen, daß das oft besprochene ze Geilät da diu sunne ir ge-
sedel hat Mor. 146 entstellt sei aus ags. sun go to glade.
Bartsch liest in der bekannten Stelle Gudr. 1164, 2:
ez was nu worden späte, der sunne schin gelac
verborgen hinder wölken ze Gulsträte verre.
Die Lesart Gulsträte für Gustrate der Hs. stützt sich auf das
besser beglaubigte Gylstram Parz. I, 252. Wenn ersteres entstellt ist aus
einem nicht mehr verstandenen altsächsischen gold (altnord. gull-) -strdta
SONNENUNTERGANG. 431
Goldstraße, so gäbe das den Sinn: die Sonne fahre beim Untergang
die Goldstraße, zur Goldburg, ze gokle. Gylstraru, als Gegend des
Sonnenuntergangs, könnte dann ebensogut aus Goldsträm Goldstrom
entstellt sein.
Ganz eigen ist der Ausdruck, der in Gottschce für das Unter-
teil n der Sonne gebraucht wird. Wie Aventin sagt, daß keiner sagen
durfte die Sonne gienge unter, sondern sie gienge ze röst und gnaden
(Myth. 702), so heißt es in Gottschee noch heute, es sei Sünde zu
sagen die Sonne gehe unter, man müsse sagen, sie gehe Gott folgen.
In einem Volksliede aus Gottschee verlangt die heilige Barbara, die
in den Thurm geworfen ist, man mache, ihr drei Giebelfenster, Vllinena
inilid. h'ne).
die erste line wo die sonn aufgeht
die zweite wo sie zu mittag steht
die dritte wo sie gott folgen geht.
S. mein Wtb. der Mundart von Gottschee S. 93. 229. Auch bei
den Serben ist es nicht erlaubt zu sagen die Sonne gehe unter: My-
thol. 702.
Tacitus sagt Germania cap. 11 von den Vorstellungen unserer
Vorfahren: nox ducere diem videtur. In dem Ausdrucke aus Gottschee
liegt die Vorstellung daß Gott der Sonne voraus zu reste geht. Sollte
diese Vorstellung denn ganz allein nur dort vorkommen? Ich mag mich
nicht einlassen aufVermuthungen, welcher heidnische Gott einer solchen
Vorstellung entspräche, doch scheint mir die Redensart merkwürdig
genug um hervorgehoben zu werden. Vielleicht daß unsere Mythen-
forscher weitere Analogien beizubringen wissen; vielleicht Bildebrand
im Wörterbuch, in dem wir hoffentlich bald den reichhaltigen Artikel
gott zu lesen bekommen.
Noch sehen diese Deutungen der fremdartig aussehenden Namen
für den Wohnort der Sonne, das gestehe ich selbst, verwegen genug
aus, iimsomehr, als ihr Zusammenhang mit der deutschen Mythologie
schon längsl abgelehnl ist. Mtillenhoff-Scherer S. 346. Dennoch will
ich den Versuch noch nicht aufgeben ihre Haltbarkeil in weitere Er
wägung zu ziehen, indem mir die Gründe, die dafür sprechen, doch
aoeh Btärker erscheinen, als die dort angeführte ags. Stelle, nach der
die Bürg, u der die Sonne am Morgen kommt, Jaiaca, und die Burg
in der sie schlafen geht Garita {Janita) heißt. Diese Stelle verbürgl
doch nur die Anschauung, nach der die Sonne eine Morgenburg und
eine Abendburg hat, und beeinträchtigt, wie mir scheint, einen Deutu
"versuch jener Namen auch nicht im Geringsten. Als Quelle für die
432 SCHRÖER, SONNENUNTERGANG.
fremdartigen Namen, die in deutschen Dichtungen vorkommen, brauchen
wir sie nicht gelten zu lassen , wenn sie anders gedeutet werden
können. Grimm hat Myth. 702 f. ags. und altn. Ausdrücke verzeichnet
ags. sun go to glade, altn. solar glaiti vestgötlandisch: solen gladas, glaas,
soleglanding , die er, gewiss mit Recht, mit den deutschen Ausdrücken
zusammenstellt: die Sonne geht zu Golde u. dgl.
Ob der Ausdruck Morolt 1354 ze Geilät da diu sunne ir gesedel
hat als ein unverstanden aus dem ags. herübergenommenes Wort an-
gesehen werden kann, wird vielleicht aus näheren Untersuchungen über
die Geschichte dieser Dichtung erhellen.
Die Anschauung liegt in obigen Ausdrücken gewiss, daß der Ort,
wo die Sonne untergeht, goldig und glänzend ist. Ein goldenes Schloß
auf einem Glasberg bewohnt die Jungfrau im Märchen, das aus dem
Sonnenmythus in verschiedenen Varianten sich entwickelt hat. In dem
altdänischen Liede, wo Bryniel (Brunhild) auf dem Glasberge sitzt,
welchen nur ein besonderes Pferd (Gräni) besteigen kann, hat sich
die Wafurlogi, der Flammensaal der nordischen Mythe, in einen gol-
digen Glasberg verwandelt, s. Anmerkung zu den Hausmärchen 3, 169 f.
Es könnte wohl auch an eine Anlehnung des Wortes glas an glaas f.
gladas (sol) occidit gedacht werden.
Zu diesem altdänischen Liede stimmt das Märchen die Rabe
(Hausmärchen 93). In einem goldenen Schlosse auf einem Glas-
berge sitzt die verzauberte Jungfrau. Der Erlöser kömmt geritten auf
einem Pferde, das die Gabe hat auf den Glasberg zu kommen ohne
zu gleiten u. s. w. Auffallender Weise hat in diesem deutschen Mär-
chen nun das Schloß ein ei) Namen, der wiederholt vorkommt. Es
heißt „das goldene Schloß von Stromberg". Der Name Strom-
berg ist nicht aus dem Märchen selbst zu erklären. Er ist demnach
überliefert aus einer älteren Fassung des Märchens. Die Sonnenjung-
frau wohnt also in einer Goldburg („das goldene Schloß") und
man gelangt dahin wol über einen Strom, der den Glasberg („Strom-
berg") umströmt. Auf dem Glasberge, dem „Stromberge", ist die
Goldburg, die Gold stromburg. Dahin geht die Sonne zu Golde,
to glade (ze Geilät"/), über den Goldstrom (Gylstram) und von da
aus fährt sie dann wol auch am Morgen die Goldstraße (Gusträte).
SCHRÖER.
ADALB. JETTTELES, LÜTBRECHIC. |:;:;
LÜTBRECHIC.
Lexer stellt im mhd. Handwörterbuch I, 1995 ein Adjectiv lüt-
briichic auf und fügt dazu ein Fragezeichen. Die Belegstelle, die er
zur Stütze dieser Form beibringt, ist aus den Chroniken der deutschen
Städte 1. -'lau, G und lautet: wann erpidem auf erden wurden vil und
-/., also das dorfer und starke slosz und vil steei gar lautpriichig
(wurden) und zu häufen vielen. Dazu gibt Lexer die Varianten: lani-
prechtig, lanibruchig und vergleicht lautbrüchig, ruchbar, bei Schmeller
1-. 1531.
Ich glaube, es kann nur lauibrechig oder lautbrechtig heißen, woraus
obiges lautpriichig eine Entstellung, vielleicht auch Umdeutung ist. Die
Formen lauibrechig, lautbrechtig gehen nämlich zurück auf lütbrehe, lüt-
breht, wofür allerdings unsere mhd. Wörterbücher nur sehr wenige Be-
lege ausweisen, und bedeuteten ursprünglich 'lärmend, laut, offenbar',
später im übertragenen Sinne 'ruhmredig. Auch der ruhmredige ist
laut, Qämlich in Beziehung auf sich selbst vorlaut. Jene ursprüngliche
Bedeutung stimmt auch vollends zu obiger Belegstelle : es gab so viele
und gewaltige Erdbeben, daß Dörfer und feste Schlösser und viele
Städte mächtig erdröhnten und in Trümmer fielen.
Dieselbe Form lauibrechig finde ich in derselben Verwendung in
dein d,r Grrazer Universitätsbibliothek gehörigen Codex ~ in 4., worin
auf der ersten Seite nach dem Vorsetzblatt vor einer Reihe geistlicher
Stücke in lateinischer Sprache folgende nicht uninteressante deutsche
Erbatiungsrede aus dem Anfang <\rs 15. Jahrh. steht*).
1 )itz seint die zweit' staffeln <\<-r demutigkeil und die beschreiben
B idictus und Bernhardus, die zwene lerern. Daz erste: Demutig saltu
in deinem herzen sein und alle/, dein euzer wandel. Daz ander: Deine
äugen saltu stetes nider slahen zu dem ertreich gerne. Daz dritte ist
also: Du scholt niemer lauibrechig**) und schallende sein mit deinem
froleichen lachen. Daz vierde: Du geholt dich gewenen, daztu gerne
so lange Bweigest, biz man «lieh freget, innen und auzen. Daz finfte
ts1 also zu sprechen: Dein reden schol sein churz, züchtig und
aunftig. Daz sechste: Du scholt dich dunkchen und auch des gelauben,
urie du seist aller böseste. Daz siehende ist: Daz scholtu auch von dir
offenleich auz sprechen, wenneez dir qoI tut. Daz achte: Deinen eigenen
Dil Berstelluii der barbarischen Orthographie rührt von mir bar.
igkcb II-.
QEBHANIi TU. (XIX. J 28
434 K. BARTSCH
willen saltu lernen alle tage ab brechen in allen werchen. Daz neunde:
Du seholt deinen geistreichen vetern gerne gehorsam leisten. Daz zehende:
Du seholt beleiben gedultig, ob sie dich heizen groze swere dinch zu
tuen. Daz eilfte: Du seholt deine beichte mit warer grozer reuwe*)
offenbar deinem beichtiger auf tun. Daz zwelfte: Du seholt keine
besunderleichkeit an dich nemen, die ergerleich mochte gesein.
Statt lautbrechig begegnet in Schriften des 16. Jahrhunderts
gewöhnlich die Form lautbrecht, z. B. u. a. bei Fischart 'Ein artliches
Lob der Lauten (Kurz, Deutsche Bibliothek Bd. X, S. 25). Die Stelle
lautet:
Ists nicht vil besser, das man dich
zu frewden brauch fein sicherlich,
dann daß man auß deim zarten holtz
mach schädlich pfeil vnd einen boltz
vnd brauch dich dann zur grewlichkeyt,
welchs mir für dich wer hertzlich leid,
daß du genetzet würst im blut,
so ietz dein klang vil bessers thüt
vnd würdst nun lautprecht vberall,
erklingst nun in des königs saal?
Auch hier hat lautbrecht die ursprüngliche Bedeutung 'laut, ver-
nehmbar.
GRAZ. ADALB. JEITTELES.
AHD. GLOSSEN AUS SCHEFTLARN UND
TEGERNSEE.
Die nachstehend gedruckten Glossen zweier Münchener Hand-
schriften verdanke ich der freundlichen Mittheilung W. Wattenbachs.
Die Handschriften sind, so viel ich ermitteln konnte, noch nicht be-
nutzt, wenn auch von Docen und Schmeller gekannt. K. B.
I.
Der Cod. lat. Monac. 17142, früher Scheftl. 142, aus Scheftlarn
stammend, im zwölften Jahrhundert geschrieben, enthält außer der
Trauslatio S. Dionysii (Bl. 1 — 69) vorzugsweise lateinische Gedichte,
dazwischen aber in buntem Durcheinander theologische und gramma-
tische Excerpte. An verschiedenen Stellen finden sich ahd. Glossen über
*) rewue Hs.
AHD. GLOSSEN AUS SCHEFTLARN UND TEGEKNSEE.
435
die lateinischen Worte geschrieben; vorn steht die Bemerkung: 'Glossas
theotiscas hinc inde in hoc cod. occurrentes exscripsit D.' d. h. docli
wohl Docen, der sie wohl zur Veröffentlichung bestimmt hatte.
f. 84 tanacetum reiuan.
usquiamum pilse.
bastinaca moi-he.
Jouis barba Jims torzc.
herba mercurialis striph.
84'' sine carie gerwt .
89 tricordium giga.
i'xacordum harpha.
scalprum scabisan.
90 concambium wessel.
bracium malz.
91 I'ila autem quatuor modis
intelliguntur. primum doz
quo os ca})tiuorum concludi-
tur. seeundum dicitur pal.
quo utuntur mulieres in ludo.
tercium stamph quo conte-
riturmilium. quartum mensa
sociorum. in quo reponeban-
tur libri venales.
100 spadones dicuntur surculi
arborum steriles scuzlinge.
1001' lupati. frena asperrima cham
prittil.
103 castor piber.
fiber oter.
ericius igil.
1 < »7 allium cloßoch.
rafanum merretihc.
appium i'phic
cepe ciphol.
porrum sectiuum dicitur sni
tiloch.
serpillum chonola.
sarmuna cheruil.
marubium saluia.
capudium. herbarum ortus.
in quo plantantur herbe.
inenta minz.
isopum isj).
pepo erdcvphl ').
Urtica nezzel ').
Cucurbita churbiz.
saliunca salch.
109 lens lendis nizz>. lens. tis.
numero linsf1).
109'' hie canalis nusc.
hecpapimo (1. papirio) pinice.
hec scirpea cenel.
HO1' cupa potege1).
emissorium zapfe1).
11 1 nux corili hasil3).
aran scotica lingua dicitur
panis.
116 uri agrestes sunt boues in
Germania habentes cornua
in tantum protensa. ut regiis
mensis ex eis gerule fiant.
119 caluicies chalue.
perpendiculum uel pintile uel
muschele in pellibus.
situla urna.
manubrium halb.
pes meus luxatus est erlenchet.
1 19b t'ormula leist.
Argentina strrazpurh.
126 accipiter habahc.
nisus sparwer
-%
Am Rande. Offenbar ein Hexameter; daher lens. lentis numero zu
hu oberen Bande. ') Heide Glossen neben einander, offenbar der
Anfang der bekannten lateinischen Verse mit deutschen Vögelnamen (s. Nr. 11).
28*
436 K. BARTSCH, AHD. GLOSSEN AUS SCHEFTLARN UND TEGERMSEE.
II.
Cod. lat. Monac. 19488, aus Tegernsee, im 12. Jahrhundert ge-
schrieben, enthält p. 118 und p. 121 die bekannten Hexameter 'Hie
volucres celi referam' u. s. w. mit deutschen Glossen, das^erste mal
mit weniger Glossen als das zweite mal. Die Handschrift ist von
Schmeller, Carm. Bur. p. 267 erwähnt, wo außerdem auf Clm. 614 und
3537 verwiesen ist, welche Hss. diese Glossen ebenfalls enthalten, so
wie sie auch in einer Straßburger (Altd. Blätter I, 348), Schlettstädter
(Zeitschrift f. d. Alterthum 5, 360), Wallersteiner (Germania 8, 47),
Wiener (altd. Blätter 2, 213), Admonter (Pertz' Archiv 6, 170), der
Hs. der Carmina Burana (p. 175) und sonst noch (vgl. Germania 8,47
Anm.) vorkommen. Das erste mal ist nur der erste Vers der Vögel-
namen glossiert, die Glossen lauten hauh, spareware. ualche. storche
speht ; von den Pflanzennamen nur der letzte Vers, mit gunter (iscam)
hieran schließen sich unmittelbar die Verse mit Fischnamen (= altd
Bl. 1, 350), welche hier deutsch lauten hehchet. slie. allnt. uorhe. asch
harinch. walr. lahs. al. lantfride,
Bl. 121 lauten die Namen der Vögel: habich. sparware. valche
störe9, speht. alster. grunspht. rausare. wehe, haiger. turtUtübe. hvfi. tahe
giger. are. chuigel. wiltuake. heitohe (über palubes). icitehofe. sneph. reb
hun, ula. vinke. nahtrabe, amerink. wie. wiaise. hortubil. heher. elbiz. stare
töchel. trosgel. bravogel. ivahtele. amsel. fashon. orrhun. wisgöm. ante, stok
are. isvogel. rotte, listera. wurgelhahe (Jiahe später durchstrichen), röche,
dorndral. haselhon. birkhön. haselgans. strnze. sitik. heimel (über cicada.
darunter von etwas jüngerer Hand grille), smirle. grasemuch (über
phil'm d. h. philomenam). lerche. glaim. nahtegal (über luciliis). distil-
uinche. Von Namen der Thiere sind folgende glossiert, vrhosse (st. v/r-
ohsse). ivisint. elho (etwas jünger), rc/ijiok (über capricornus). merkaze,
luhs. vuhcs. vohe. tahs. marder. härm, otter. piber. spiee (über sorex).
pilch, cismus (diese beiden über glis. gliris). dentis, wantlus. Namen
von Pflanzen: populus albar. fusarius spinelptfm. sauina seuinböm. per-
sicus phersichp. prinus (für prunus) phrurrip. (dazu am Rande von de1'
wenig jüngeren Hand chienpom d. h. mißverständlich für pinus). cera"
sus kersp. malus quoque cinus ehr ich ]> (steht über quoque). nux nvz />
pinus vuht. cum platano ahorn. uibex birke. cum buxo busp. fraxinus
aspi. fagus boche. lentiscus mezeböm. ulmus ulm. acer mazzelter. cornus
linbom. corilus hasel. carpinus hachenböche. ornus arlezböm. auellani
nespilböm. amigdala mandelbom. therebintum lerpöm (von zweiter Hand),
cum tremulo asp. tribulus hagen (am Rande von zweiter?Hand bwffoli);
LITTEHATIR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS. 437
spina dorn, taxus iwe. ulnus erla. riscus holnr. sambucus wilthohr. cum
iunipero craneurit. paliurus hagendom. vimia wich, salices salehe. uites
winrebe. cum cutino chutinböm. moros moTbom. Die beiden letzten Verse
lauten :
stock Yhaidah !)
Ista tenete loca storax turbisce mirica. smelehc.
hartrugel
heu sanguinarium non uersu ponere possum.
LITTERATÜR.
0. Erdmann, Untersuchungen über die Syntax der Sprache Otfrids. Erster
Theil: Die Formationen des Verbums in einfachen und zusammengesetzten
Sätzen. Halle 1874. Waisenhausbuchhandlung, gr. 8°. XVIII und 234 S.
Es ist nicht nöthig, auf die hohe Bedeutung eines Unternehmens, wie
des vorliegenden, aufmerksam zu machen. Oft genug und von den verschiedensten
Seiten ist ja darauf hingewiesen worden, daß, im Vergleich mit den übrigen Theilen
der deutschen Grammatik, die Syntax nur stiefmütterliche Behandlung gefunden
habe. Man werfe nur einen Blick in den syntaktischen Theil unserer nhd.
Grammatiken oder denke an den Unterricht in der deutschen Satzlehre an
unseren höheren Lehranstalten;, so wird man sich dem Eindrucke peinlicher
Dürftigkeit nicht entziehen können. Wenn man nun zugeben muß, daß, eben-
sowenig wie in der deutschen Metrik, in der deutschen Syntax ein Schritt für
die späteren Entwicklungsstufen der Sprache ohne Kenntniss der früheren mit
Sicherheit gethan werden könne, so kann nur der Blick auf die Schwierigkeit
Unternehmens erklären, warum die ahd. Syntax so lange hat auf einen
Bearbeiter warten müssen. Für Otfrid hat sich dieser Aufgabe nunmehr der
Verfasser obiger Schrift unterzogen, angeregt durch das Preisausschreiben der
k. k. Akademi" der Wissenschaften zu Wien. Ein solches Unternehmen ver-
dient schon im Voraus alle Anerkennung, aber schon ein flüchtiger Blick in
das Buch genügt, um auch den gewissenhaften Fleiß und den Scharfsinn des
auch sonst Bchon durch Arbeiten über Otfrid bekannten Verfassers erkennen
zu lassen. Es Bind demselben nur wenige Fälle entgangen, für welche mir
eine Beleuchtung wünschenswert!! erschienen wäre, doch kann dieß bei dem
Umfange des Stoffes nicht wunderbar erseheinen. Wünschenswerth wäre eB um-
gewesen, daß das Werk in noch grö erer I bersichtlichkeit die gewonnenen
Resultate gruppiert hätte. Die aufzählende Paragrapheneintheilung läßt eine
tnische Gliederung dee Ganzen vermissen, «reiche durch die Capitelüber-
schriften nicht bend bewirkt wird. Ks wären bei besserer Anordnung
Materials mancherlei Wiederholungen gewiß unnöthig geworden, die ja auch
der Verf. (vgl. 8. 78) nur ungern sieh gestattet bat I>aii eine und dieselbi
\ M vw eiter Hand.
438 LITTEBATUR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS.
Sache zweimal, auch dreimal erklärt wird, kommt öfter vor. So wird der
Conjunctiv gikusti I, 11, 39 auf S. 81. 134. 136 besprochen; aber zu arg ist
es doch, wenn derselbe Satz zu vier bis fünf Malen behandelt wird, und dar-
unter mehrere Male in derselben Beziehung, so I, 15, 32 auf S. 56. 116. 117.
129, an den beiden ersten Stellen wegen der Attraction so wemo; II, 3, 11
auf S. 26. 183. 81. 195; an den beiden letzten Stellen wird der Moduswechsel
erklärt. Der Satz mit oba I, 27, 33 wird auf S. 71. 179. 180. 182. 193,
wenn auch überall in verschiedener Beziehung, besprochen; die indirecte Rede
III, 22, 13 auf S. 100. 103. 104. 108. 179. 180. Die Stelle II, 6, 29 wird
auf S. 20 und 65 übersetzt und erklärt, doch in der Vorrede p. XII wird
dieselbe Stelle in etwas anderer Weise ausgelegt, nach Toblers Erklärung in
Germ. XVII, p. 258. Derartige gehäufte Wiederholungen, deren ich noch eine
ziemliche Anzahl nachweisen könnte, müssen offenbar der mangelhaften Anordnung
zur Last gelegt werden. Wenn der Verf. in seiner Recension von F. Burckhardt,
der gotische Conjunctiv, Zschopau 1872, in Höpfner und Zachers Zeitsch. IV,
p. 455, offenbar tadelnd, bemerkt, daß zum Schluß die vollständige Sammlung
der belegenden Citate ohne Text folge, so möchte ich im Gegensatz dazu be-
merken, daß unnöthige Breite der Behandlung und manche unangenehme Wieder-
holung durch passende Anordnung des Stoffes vermieden werden kann.
Wenn ich nun nach diesen kleinen Ausstellungen an der äußeren Ein
richtung des Buches auch noch einige Bemerkungen über die Art der Forschung
und ihre Resultate beifüge, so mögen dieselben als der Ausdruck freudigen
Mitarbeitens aufgenommen werden.
Der Verf. lehnt sich in der Methode der Forschung hauptsächlich an
G. Curtius und an die syntaktischen Forschungen von Delbrück und Windisch
an. Vielleicht wäre hier und da eine selbständigere Behandlung der Arbeit
dienlich gewesen. Namentlich wäre eine ausgedehntere Benutzung der ahd.
Uebersetzer dem Buche sicherlich an manchen Stellen zu Statten gekommen.
Die grundlegende Charakteristik der ahd. Tempusformen, mit welcher der Verf.
passender Weise beginnt, läßt manches vermissen, namentlich scheint mir die
Abgrenzung der Verwendungsgebiete des Präsens und Präteritum das Eigen-
tümliche des ahd. Gebrauchs zu wenig zu berücksichtigen. Der Verf. sagt
§. 2: „Der Gegensatz der beiden deutschen Tempusstämme liegt nur in den
Zeitstufen der Gegenwart und Vergangenheit, in dem Unterschiede zwischen
dem jetzt-stattfinden und dem früher-stattfinden, sowohl eines eintretenden Er-
eignisses {ih quimu — ih quam), als eines fortdauernden Zustandes {ih stdn —
ih stuo7it)" und in §. 5 ist vom Ind. Präs. in selbständigen Sätzen gesagt:
„Er drückt Ereignisse aus, die als in der Gegenwart des Sprechenden statt-
findend vorgestellt werden, und zwar sowohl eintretende Handlungen als auch
fortdauernde Zustände." Mit keinem Worte ist die merkwürdige Thatsache
erwähnt oder erklärt, welche schon von Grimm, Gr. IV, p. 140 angeführt wird,
daß das ahd. kein Praesens historicum kennt. Nicht nur die in der Vulgata
häufig vorkommenden Formen dicit, dieunt , aiunt werden im Isidor und auch
in dem sonst eng an sein Muster sich anschliessenden Tatian stets durch quad,
quädun wiedergegeben, sondern auch alle sonstigen Praesentia historica durch
das entsprechende Präteritum übersetzt; so Tatian assumit 15,45 ■= nam ;
ingreditur 60, 14 = gieng in; addueunt 86, 1 = brähtun, 120, 1 = leittun)
veniunt 148, 7 = quämun; surgit, ponit, mittit 155, 2 = erstuont, legita, santa;
LITTERATUR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS. 439
ir^duunt 200, 1 = giundtitun; vident 217, 2 = gisälmn; loquuntur 230, 1 =
s/ ml rinn). Abweichend scheint nur 82, 8 vimo quidit theser, thaz ih fon himile
nidursteigl quomodo ergo dicit hie: quia de coelo descendi? Docli liegt hier
wohl der Gedanke zu Grunde: mit welchem Rechte hält dieser die Behauptung
aufrecht, wie kann dieser behaupten? In dem freieren Isidor tritt eine Wieder-
gabe des lat. Präsens durch das deutsche Präteritum ungleich häufiger ein.
mittitur Is. ITT, 8 = uuard chisendit ; dicitur III, 2 = chiquhedan uuard ; testatur
III, 2. 9. IV, 10 = chundida\ subiungitur III, 4 = dhdr öfter ist chiguhedan; de-
monstratur III, 6 = ist araugit; mittit IV, 4 = sendida, significatur ebenda
activisch = bauhräda', mittunt IV, 7 = sendidon; vocat, testatur IV, 8 =
meinida, urchtmdida; proclamant IV, 11 = meinidon; praedicant V, 1 predi-
göndo quhad] nascitur V, 4 = uuard ehiboran; invenitur VI, I = uuardh fundan;
promittitur IX, 7 = uuardh chiheizssan ; delectatur, delectantur IX, 10 = uuas
geröndi, lustida sie. Sogar caverna enim reguli corda sunt infidelium wird IX, 10
übersetzt : dherä nädrün hol bauhnida chiuuisso dherö unchilaubono muotuuillun.
Umgekehrt aber kennt Isidor nicht jenes prophetische Näherrücken der Zukunft,
vermöge dessen dieselbe als bereits vollendet betrachtet wird, vgl. V, -1: parvolus
natus est nobis, filius datus est nobis et factus est prineipatus eius super
humerum eius et vocabitur nomen eius admirabilis etc. = chindh uuirdit uns
ehiboran, sunu uuirdit uns chigheban, endi uuirdit siin herduom oba smem sculdrom
endi uuirdit siin namo chinemnit uundarliih etc.; und V, 4 : ad Sion autem dicit
vir et vir natus est in ea et ipse fundavit eam excelsus = zi Sion quhad man,
endi man uuirdit in iru ehiboran endi dherselbo chmuorahta sia, ir hohisto. In
dem letzteren Heispiele ist der Wechsel der Tempora besonders instruetiv.
Auch bei Otfrid, obgleich derselbe mehr reflectierender als erzählender Dichter
ist, läßt sich das Zurückscheuen vor dem pracs. hist. an mehreren Stellen
deutlich nachweisen. III, *J, 25 Andreas sprah tho einer petruse gx 'lange r , vgl.
Joh, 6, 8 dicit ei unus ex diseipulis eius Andreas frater Simonis Petri ; III, 24, 21
../// läz /////■", quad er, „sir, irstentit flirr thvn bruaderu vgl. Joh. 11,23 dicit
illi Jesus: resurget frater tuus; und v. 23: „iz ist, druhtinu , quad si , „so,
giloubu ili thaz giuuisso" vgl. Joh. 11, 24 dicit ei Martha, scio etc.; v. 39: äfir-
:i si snello — — si sliumo zi imo giilta vgl. Joh. 11, 29 surgit cito et
venit ad eum; v. 62: „druhtfn", quddun se sär, „selbo mahtüz sehan thdr" vgl.
Joh. 11, 34: dieuntei: domine veni et vide; v. 83 „druhtin", quad thiu suester,
^ther lichamo ist iu föler" etc. vgl. Joh. 11, 39 dicit ei soror mortui Martha:
domine, iam foetet; v. 85 „tkih deta ih mithont", '/und er. „uuis, <>ha thü gi-
lo/i/)ia" etc. vgl. Joh, 11, 40 dicit ei Jesus, non dixi tibi, quoniam si credi-
deris etc. (vgl. Tat. 135. 7 ff.). Derartige Heispiele aus O. lassen sieh leicht
noch viele beibringen. In den angeführten Stellen ist der Text der Vulgata
fast wörtlich nachgebildet, nur das lat. Präteritum ist immer durch das Präsens
wiedergegeben.
Welches ist der Grund dieses consequeutcu Gebrauchs im ahd.? Im Lat.
Kriech. ) können beide, Perfectum (Aorist) and Präsens, eine eintretende Handlung
bezeichnen, jenes in der Vergangenheit, dieses in der Gegenwart. Hei diesen
gleichen Potenzen der Tempora int die psychologische Möglichkeit der Yer-
Qung beider darin zu suchen, daß sieh der Sprechende in lebhafter Rüok-
erinnerung an das Geschehene dasselbe al eben erst vor sich gehend vorstellen
kann. Was hindert nun eine ähnliche Ausdrucksweise im Deutschen? Otfrid
440 UTTERATUR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS.
vermochte doch auch ein vergangenes Ereigniss als gegenwärtig im Geiste zu
schauen. Das sehen wir erstens an dem häufigen Übergang der indir. Rede
in die directe. Derselbe bedeutet ja nichts Anderes, als daß der Erzählende
sich der Rede so lebhaft erinnert, daß er aus der berichtenden Form der in-
directen Rede fällt und die Worte gleichsam gegenwärtig hört. Zweitens kennt
0. die asyndetische Verbindung in lebhafter Schilderung, deren Erklärung ja
auch eine ähnliche ist. Man erinnert sich so lebhaft der Ereignisse, jedes
einzelne wirkt so überwältigend auf den Darstellenden, daß er den historischen
Standpunkt, welcher dieselben als sich gegenseitig bedingend oder als gemein-
schaftliche Bedingung für andere Ereignisse auffaßt und demgemäß verbindet,
aufgibt und sie kurz, Schlag auf Schlag, wie sie sich zutrugen, ausspricht. —
Der Grund, weshalb es im ahd. kein praes. hist. gibt, muß also darin gesucht
werden, daß das praes. im ahd. nicht die in der Gegenwart eintretende Handlung
bezeichnen kann, wie der Verf. an den oben angeführten Stellen behauptet.
Der Gegensatz der ahd. Zeitformen des Prät. und Präsens ist offenbar nicht
der zwischen dem früher-stattfinden und dem j etzt- stattfinden , sondern, wenn
von einem Gegensatze die Rede sein soll, zwischen dem bis jetzt eingetreten
sein und dem von jetzt ab eintreten sollen. Das ahd. Präteritum bezeichnet
in einfachen Sätzen erstens Zustände der Vergangenheit, zweitens Handlungen,
die in ihrem Resultat bis zur Gegenwart vollendet sind. Das Präsens bezeichnet:
erstens Zustände der Gegenwart (auch wiederholt in der Gegenwart sich zu-
tragende Handlungen, so daß also die Handlung nicht mehr als solche, sondern
als einen Zustand kennzeichnend aufgefaßt wird), zweitens Handlungen, die
eist in der Zukunft (gleichviel, ob in der nächsten oder in der ferneren) sich
vollenden. Die Gegenwart ist also nur als Grenze zwischen Vergangenheit und
Zukunft gedacht. Handlungen, welche von der jüngsten Vergangenheit bis zur
nächsten Zukunft in so regelmäßiger Wiederholung sich zutragen, daß dieselben
einen Zustand der Gegenwart charakterisieren, werden durch das Präsens
bezeichnet, weil ihre Bedeutung meist in der Zukunft liegt. (Soll die Bedeutung
einer solchen sich wiederholenden Handlung mehr in die Vergangenheit gelegt
werden, so steht auch das Präteritum; so L. 21. 22 oba iz uuard iouuanne
in not zi fehtanne, so uuas er io thero redino mit gotes kreftin oboro. S. 20
ungilöndt ni bileip ther gotes uuizzode kleip; vgl. V, 23, 4. Erdmann vergleicht
§. 24 dieses Präteritum nicht unpassend mit dem gnomischen Aorist.) Für diese
Gebietsabgrenzung zwischen Präsens und Präteritum sprechen noch mehrere
andere Erscheinungen bei 0. Erstens: in vielen Fällen, wo uns jetzt das
historische Präsens geläufig ist, gebraucht 0. noch stehend das Präteritum;
I, 27, 27 ther gomo, then ir zaltut, ioh namahafto nantut, der Mann, den ihr
nennt (cf. III, 22, 55); III, 10, 44 nu uuerden al thio ddti, so thü mih Mar
nü~ bäti, um welche du mich bittest; vgl. Matth. 15, 28 fiat tibi, sicut vis;
II, 9, 78 noh themo einigen ni leip, io so paulus giscreip, wie Paulus schreibt.
Auch in II, 10, 19 uuant er unsih freuuita, then guaton uum ims sparota liegt
uns das Präsens für die Übersetzung näher als das Präteritum; I, 22, 43 uuio
uuard, wie kommt es; I, 11, 40. V, 19, 41: utiola uuard, glücklich ist. Vgl.
noch I, 3, 29. 17, 22. II, 7, 12. 8, 21. III, 5, 3 etc. Die Formen des Verbum
quiman, das passender Weise vom Verf. p. 2 als Beispiel angeführt wird , be-
weisen ebenfalls für meine Abgrenzung der Tempora. Von den Präsensformen
dieses Verbs, die bei 0. so häufig vorkommen, scheinen nur zwei im Wider-
LITTERATÜR: O. ERDMANN, SYNTAX DEK SPRACBE OTPRIDS, 441
spruch zu stellen: III, 3, 2 noh ni quimit uns thiz guat in unser armiltchaz
muat; und III, 18, 10 noh ni quimit in in muat thaz stnaz managfalta guat.
In beiden Fällen ist der Satz durch noh vi an das Vorangehende geknüpft,
doch zeigt im zweiten Beispiel der Gegensatz von v. 7, 8, daß von einem
gewöhnlich geschehen die Rede ist, und auch die Mehrheit der in Betracht
kommenden Personen erheischt die Vorstellung einer mehrfach sich wieder-
holenden Thätigkeit des auf sie einwirkenden Verbs. Das letztere ist auch
beim ersten Beispiele der Fall. Wir übersetzen also noh ni quimit noch immer
kommt nicht. Dagegen steht häufig das Präteritum dieses Verbs, wo wir jetzt
das Präsens vorziehen, so II, 12, 8. III, 12, 26. V, 4, 38. III, 16, 63 (an dieser
Stelle hat freilich auch die Vulg. schon veni Job. 7, 28). Zweitens: jene
Scheidung der Tempp. ist so allgemein durchgeführt, daß sogar Formeln, die
wir im Präsens beizufügen pflegen, dieselbe aufweisen. So steht das Prät.
800 iz zam , gizam stets neben einem Präteritum , sds iz zimit stets (mit Aus-
nahme eines Falles III, 2, 15) neben einem Präsens. Drittens: höchst lehrreich
ist auch der Wechsel der Zeiten in T, 7, 13 — 20, wo das, was Jesus ein für
allemal gethan hat, durch das Präteritum, das was er immer noch thut und
stets thun wird, duich das Präsens bezeichnet wird, vgl. noch II, 3, 21. III,
16, 50 — 56. An der von Erdmann §. 6 citierten Stelle V, 20, 23 nist man,
ther noh io uuurti, odo ouh si nü in giburti, oelouh noh uuerde zeigt sich die
für die angeregte Frage interessante Thatsache, daß der Dichter nicht in Ver-
legenheit ist, wie er die eintretende Handlung der Zukunft, sondern wie er die
der Gegenwart bezeichnen soll; jene drückt er durch eine einfache Verbalform,
diese durch eine zusammengesetzte Redensart aus. — Es scheint also meine
obige Charakterisierung der Tempora gerecht fertigt, so gerechtfertigt, daß ich
nicht anstehe, lougnit IV, 18, 10 und folget I, 20, 35, welche der Regel wider-
sprechen, gegen Keiles Annahme für apocopierte Präterita zu erklären. Der
Regel zuwider läuft auch nicht, wenn heim Citieren , z. B. der Bibel, das
Präsens gebraucht wird, z. B. I, 8, 26. i:i. 1!» etc. Die Präsentia der Verben
singan, zelten, quedan, acriban, sagen bezeichnen dann eben, daß es noch da
steht, wir es noch nachlesen können. Man vgl. II, 10, 11 mit II, 19, 1 und
II. 18, 10; und Tat. 7 1, 4 sprdlihi mit 82, 8 </ni</it und 187, 3 frdgis. Auch
die bei 0. gebräuchliche Redeweise ih sagin thir widerspricht nicht, denn sie
geht stets auf «las, was er erst noch jagen will.
Ich liali.- hei dieser Untersuchung über den Gebrauch der Tempora bei
( >. länger verweilt, weil meine von der Meinung des Verf. abweichende An-
schauung über den Unterschied von Präsens und Präteritum natürlich auch
Einfluß hat auf die Erklärung verschiedener Nebensätze, namentlich unter den
Temporal- und Conditionalsätzen. So halte ich es beispielsweise nicht für
richtig, wenn der Verf. die Stelle III, 24, 51 (13) uudrfot thu Mar, ni thultin
Wir /'<"' theea quist dreimal 'S. 20. 27. 109) übersetzt: wärst du hier gewesen.
so würden wir jetzt nicht dieses Leid dulden. Richtiger ist: so hätten wir
jetzt nicht geduldet. Das nv hindert nicht, so zu übersetzen, denn es wird
i von der jüngsten Vergangi ebrauchl (vgl. I. 1">, IT1. Denselben
Einspruch erhebe ich gegen die Übersetzung ähnlicher Stellen, welche ^<^' Verf.
p. 109 anführt: IV, 20, 13. III, 20, I.V.». IV, 15, '.». 1, 51. Auch in V, 7. 39
oba iaman thoh giqudU sehrint es mir nicht richtig mit dem Verf. . 1 I keine
AndeutuiiL' der Vergangenheil zu finden. — Bei einer schärferen Scheidung
442 LITTER AT UR: O. ERDMANN, SYNTAX DER SPRACHE OTFRIDS.
der beiden Tempora wäre das Verhältniss derselben im abhängigen Satze vom
Verf. sicher auch genauer dargestellt worden. Die Consequenz der Anschauung,
welche sich im Tempuswecbsel in Sätzen wie III, 24, 85 thih deta ih mithont,
quad er, uuis, oba thü yiloubis, thaz thü gisihis gotes kraft; III, 15, 44 ff. quädun
er sie firleitti, oba sie mo wollent hören (vgl. §. 49) und ähnlichen Beispielen
zeigt , hätte ihn darin vielmehr die Regel , als die Ausnahme erkennen lassen
(vgl. I, 1, 11(5). Aus dem Präteritum 1, 1, 122 schließe ich unbedenklich, daß
die übrigen Stücke schon fertig waren, als I, 1 gedichtet wurde.
Richtiger in der Sache, wenn auch nicht präcis genug in der Fassung,
scheinen mir des Verfs. Regeln über den Gebrauch der Modi. Er hat manche
schöne Erklärung beigebracht, besonders glücklich erschienen mir in §. 35 die
von Keiles Auffassung meistens abweichenden Übersetzungen. Bei der Be-
sprechung, des Imperativ entscheidet er sich dafür, die adhortativen Formen
auf -emes mit kurzem e in der vorletzten Silbe zu schreiben. Die Quantität
dieser Silbe ist, wie der Verf. richtig bemerkt, mit Sicherheit nicht metrisch
festzustellen. Für die Quantität der letzten Silbe, die ich für kurz halte, Hesse
sich eher metrisch eine Wahrscheinlichkeit finden. In Bezug auf die Form
l&z in IV, 24, 6 thaz thti sus Idz in heilen hant thes heiseres flaut bin ich anderer
Ansicht, als der Verf., der sie in $. 18 als Imperativ erklärt, stimme aber
mit ihm überein in §. 109, wo er sie als eine Zusammenziehung aus läzis
a uffaßt.
Nachdem der Verf. eine Übersicht des Gebrauchs der Tempora und Modi
im einfachen Satze gegeben, bespricht er die Verwendung derselben im zu-
sammengesetzten Satze und alsdann die Mittel zur Bezeichnung der Satzver-
bindung. Er unterscheidet sechs Arten der Satzverbindung. Erstens: die beiden
gleichartigen Sätze treten entweder ohne Bezeichnung ihrer Verbindung neben-
( inander, oder zweitens: bestimmte Partikeln, wie j oh, ouh verbinden dieselben.
Drittens: die Verbindung des Nebensatzes mit dem Hauptsatze geschieht durch
Partikeln des einen Satzes, die auf den ganzen Inhalt des vorangehenden andern
Satzes so hinweisen, daß dadurch eine bestimmte Beziehung des Inhalts beider
Sätze angedeutet wird. Solche Partikeln sind nü, (höh, so, thanne, (ho, sld, er etc.,
und hierher gehören Causal-, Concessiv-, Conditioual- und Temporalsätze.
Viertens die relative Verbindung, welche der Verf. mit Windisch durch eine
anaphorische Hinweisung des zweiten Satzes auf den ersten erklärt. Fünftens
geschieht die Verbindung dadurch, daß flectierte Formen der demonstrativen Pro-
nomina auf den Gesammtinhalt des vorigen Satzes zurückweisen (Substantiv-,
Folge-, Absichtssätze). Sechstens durch Satzverbinduugsmittel, welche ursprünglich
dem Nebensätze angehören, und zwar kann der Nebensatz entweder nach seinem
Gesammtinhalt (durch ja, nü, uuanta, oba) oder durch Hervorhebung eines ein-
zelnen Bestandtheiles seiner Aussage (durch uuer, uuaz, uuär, uuanne, uuic,
uuelih) mit dem Hauptsätze in Verbindung gebracht werden. Dabei ist die sprach-
liche Bedeutung der Frage erwogen.
Mit großem Fleißc hat der Verf. die Übergänge bis zu den letzten Formen
der Nebensätze nachzuweisen und aus 0. zu belegen gesucht. Am meisten
scheint mir für den ahd. Relativsatz geleistet zu sein , für weniger gelungen
halte ich die Erklärung der fünften Verbindungsform durch das Curtius'sche
„innere Object'1, da man manche nothwendige Stütze der Theorie vermißt.
LITTERATUR: G. CEDERSCHIÖLD, BANDAMANNA SAGA. | |.;
Von S. 78 — 82 gibt der Verf. auf Grund der vorhergegangenen Aus-
einandersetzungen zunächst eine Besprechung der Anreihung gleichartiger Sätze,
dann bis S. 198 behandeil er in der oben angedeuteten Reihenfolge die ver-
schiedenen Arten der Nebensätze, zu denen er die Belege aus 0. fast voll-
ständig gibt. Zuletzt bespricht er uoch die Verwendung des Infinitiv und der
Participien.
Schließlieh führe ich noch einige Druckfehler an, die mir aufgefallen sind:
S. 2 Z. 9 bei dem Verbuin; S. 1 X. 39 IV, 3 1 . 24 del.; S. 12 Z. 23 HI, 15, 25;
S. 13 Z. 2 I, 1, 1 •_>:{; S. l:i Z. 15 II, 21, L5 wirft thaz; S. 14 Z. 23 Kelle II,
111; S. lf> Z. 22 I, 2, 21 ; Z. 23 I, 2, 22; S. 21 Z. 15 V, 7, 42 ; S. 18 Z. 41
wärme in P. ; S. 26 Z. 11,1, 1'.», 22; S. 26 Z. 15 IV, 12, 57; ni wäri (das spätere
nur ; S. 28 Z. 19 irsayeti; S. 29 Z. 12 I, 1, 21 ; S. 64 Z. 4 II, 2, 7 ; S. 85
Z. 20 II, 22, 37. 39 del.; — nü thie; S. 85 Z. 2 1 ginant-, S. 102 Z. 10 wir loola
iz ni bidrahton; S. 107 Z. 25 ioh brosmün maza in alawär\ S. 109 Z. 31 108
thesö; S. 114 Z. 1 IV, 20, 32; S. 123 Z. 22 IV, 25, 1; S. 129 Z. 12 wanta ;
S. 133 Z. 25 III, 12, 43; S. 140 Z. 38 quädun S. 142 Z. 38 III, 4, 1 ; S. 148
Z. 40 erin mag — willin; S. 155 Z. 10 Dkm. LX, 2, 26. 27; 8. 168 Z. I
bibrähta; S. 174 Z. 6 S. 47 paßt nicht; S. 214 Z. 2 II, 9, 73; S. 216 Z. 15
drürenta, 11; S. 218 Z. 121, 22, 51.
ALTONA, im September 1874. P. PIPEK.
Bandamanua saga, efter skinnboken No. -'845, 4to ä Kongl. biblioteket i
KÖpenhamn. Akademisk afhandling af Gustaf J. Chr. Cederschiöld;
Lund, Fr. Berlings boktryckeri och stilgjuteri, 1874; II, XIV und 26. S. 4to.
Zweimal war die Bandamanna saga bisher herausgegeben worden, nämlich
in der Quartsammlung des Lögmanns Björn Marküsson (1756) und dann nieder
von Haidorr Fridriksson für die nordische Litteraturgesellschaft (1850). Aber
beiden Ausgaben liegt, direel oder indirect, ganz gleichmäßig eine und dieselbe
IIs. zu Grunde, nämlich AM. 132 fol. , wogegen eine, /.weite, Cod. reg. 2845
in i' ". vcin den Heran ■reliein völlig unbeachtet gelassen wurde, obwohl Haidörr
Fridriksson wenigstens durch zwei von Asgeirr Jönssons Hand geschriebene
Copieen dieser letzteren Membrane auf deren Existenz hätte aufmerksam gemachl
weiden können. Gudbrandr VigfusBon, der gründliche Kenner isländischer Hss.,
hat bereits im Jahre 1858 auf diesen Umstand aufmerksam gemacht (Nj feiagsrit,
Bd. XVIII, S. 156 — 157) und zugleich hervorgehoben, daß der im Cod. reg. auf-
bewahrte Text der Sage ein von dem veröffentlichten vielfach abweichender
und älterer sei, so daß eine neue Ausgabe der Quelle auf seiner Grundlage
schlechterdings nöthig sei. Diese Mahnung hat sich nun Hr. Cederschiöld zu
ll'iv.en genommen, und durch sie hat er sich zu der sehr verdienstlichen Albeil
be tinimeii lassen, welche uns nunmehr als eine von der Universität Lund ap
probierte Abhandlung vorliegt.
In Beiner Vorrede gibl Hr. C. ziemlich den Bi cheid über die
\>>n ihm benutzten Hss., also über den Cod. reg. und Asgeirs bereits erwähnt.'
\t> chriften; ebenda aus erl er Bich ferner aber da bei der Herstellung seines
on ihm eingehaltene Verfahren, bei dessen Prüfung übrigens auch die
Anmerkungen, und theilwi ise überdieß die Zu ätze und Berichtigungen zu be-
444 LITTERATUR: G. CEDERSCI7IÖLD, BAND AMANNA SAGA.
rücksichtigen sind, welche er seinem Abdruck der Sage folgen lässt. Maßgebend
war aber für diesen Abdruck das Bestreben, die demselben zu Grunde gelegte
Membrane, und nur diese, möglichst genau wiederzugeben. Man kann darüber
streiten, ob dieses Verfahren im gegebenen Falle das richtige war. Der Cod.
reg. ißt erst im Anfange des 15. Jhdts. geschrieben, zu einer Zeit also, welche
von der Entstehungszeit der Saga selbst weit genug abliegt, um die Hs. für
die Übereinstimmung ihrer Schreibweise mit der ursprünglich vom Verfasser
beliebten keine Gewähr mehr bieten zu lassen, — zu einer Zeit ferner, aus
welcher Hss. in Hülle und Fülle erhalten sind, und deren inconsequente Ortho-
graphie eben darum bereits zur Genüge bekannt ist. Da überdieß S. Bugge
bereits nach derselben Hs. die Heidrekssaga herauszugeben begonnen hat (1873),
und in der Einleitung zu dieser seiner Ausgabe eine jedenfalls erschöpfende
Besprechung der Membrane zu geben beabsichtigt, hätte es sich vielleicht
empfohlen, die vorliegende Saga in einem normalisierten Texte herauszugeben.
Wenn man aber auch Hrn. C. daraus keinen Vorwurf machen will, daß er den
mühevolleren Weg vorgezogen, und damit einen, vielleicht unnöthigen, weiteren
Beitrag zur Kenntniss der späteren isländischen Orthographie geliefert hat, so
wird man doch immerhin noch an der Ängstlichkeit Anstoß nehmen dürfen,
mit welcher derselbe selbst in den unbedeutendsten Punkten seiner Membrane
folgt. Rein graphische Eigentümlichkeiten beizubehalten, wie z. B. den Gebrauch
von u statt v, oder von d statt d, den Nichtgebrauch großer Anfangsbuchstaben
bei Eigennamen, die Verwendung des Accentes über dem i ohne Rücksicht auf
seine Kürze oder Länge nur um den Buchstaben von folgendem to, ii u. dgl.
zu unterscheiden, den nahezu völligen Mangel aller Interpunktion, u. s. w., —
die Auflösung selbst der gewöhnlichsten, jede Möglichkeit eines Irrthums aus-
schließenden Abkürzungen durch cursiven Druck anzudeuten, u. dgl. m., möchte
denn doch ein Übermaß von Genauigkeit sein. Dergleichen Dinge erschweren
gewaltig das Lesen und Nachschlagen eines Textes, und haben doch genau
ebenso wenig Bedeutung, als etwa die Wiedergabe der Schriftzüge einer Mem-
brane oder der Farbe ihres Pergamentes. Hr. C. hat sich mit vollem Rechte
darauf beschränkt, ein kleines Facsimile des Cod. reg. mitzutheilen, statt diesen
seinem vollen Umfange nach photographisch zu reproducieren ; in gleicher Weise
hätte es aber auch vollständig genügt, wenn derselbe auf die eben erwähnten
und andere ähnliche Punkte in seiner Einleitung ein für allemal aufmerksam
gemacht, und im Übrigen die Wiedergabe seines Textes in der heutzutage
üblichen Schreibart besorgt hätte. So ist auch in den Anmerkungen meines
Erachtens des Guten etwas zu viel geschehen. Es ist denn doch unnöthig, die
Undeutlichkcit einzelner Buchstaben hervorzuheben in Fällen, in welchen über
die Lesung kein Zweifel bestehen kann (z. B. des / in Ofeigr, l2; des r in
ymsar, 511), oder das Übergeschriebensein anderer (z. B. des ersten r in Styi-
mir, 9°), die Versetzung eines die Verdoppelung andeutenden Accentes (z. B.
in bakka aufa statt &, ll10), u. dgl. m. ; kaum nöthig auch, offenbare Schreib-
fehler wie atan für utan, 25, tau für tvä, 2<J, eck für ecki, 623, im Texte stehen
zu lassen, und erst in den Anmerkungen zu berichtigen. Ich verkenne nicht
die treue Sorgfalt, welche sich in diesem ängstlichen Anklammern an die hand-
schriftliche Überlieferung zu erkennen gibt, und ziehe sie einem leichtfertigen
Abgehen von derselben weitaus vor; aber doch kann auch in dieser Richtung
das Maß überschritten werden , und im gegebenen Falle dürfte dieß in der
LITTERATUR: G. CEDERSCHIÖLD, BANDAMAWA SAGA. | J.,
That geschehen sein. Immerhin ist indessen zuzugestehen, daß derartige Mängel
die Benützung (kr Ausgabe nur etwas unbequemer machen, aber ihrer Ver-
lässigkeit keinen Abbruch tliun, und dankbar ist überdieß anzuerkennen, daß
der Herausgeber, zum Theil durch den Rath von Jon Sigurdsson und Gudbrandr
Vigfüsson unterstützt, an gar manchen Stellen für die Herstellung des Textes
durch glückliche Verbesserungen der handschriftlichen Überlieferung erfolgreich
gewirkt hat.
Wie verhält sich nun aber dieser neuerdings herausgegebene Text der
Saga zu dem schon früher veröffentlichten, und was lässt sich etwa aus dessen
Gestaltung in Bezug auf die Entstehungszeit der Quelle schließen? Daß der
Text unseres Cod. reg. der ältere und bessere ist, hat bereits Gudbrandr be-
merkt, und der Herausgeber desselben in seinem Vorworte des Näheren beleuchtet.
Der Letztere hat den Cod. Arnam. als eine „vermehrte und verbesserte" Auf-
lage des reg. bezeichnet, und diese Bezeichnung ist im Großen und Ganzen
vollkommen zutreffend, soferne die Umgestaltung des Textes in jenem ersteren
einerseits weit über das Maß bloßer abweichender Lesarten hinausgeht, anderer-
seits aber doch auch keineswegs bis zu einer vollständigen Neubildung reicht,
wie solche z. B. der neuere Text der rördar s. hredu gegenüber dem älteren
zeigt. In weitaus den meisten Fällen führt Cod. Arnam. nur die Darstellung
des reg. weiter aus, wie z. B. wenn der letztere 95, sieh auf die Worte be-
schränkt: „seger til sektarraarka a honum", während der erstere, 19, eine
ausführliche Personalbeschreibung des geächteten Mannes gibt, oder wenn Arnam.
23, 24 — 25, 35. und 39. Verse zum Schmucke der Erzählung einflicht, während
reg. deren nur an einer einzigen Stelle, 19"1' , hat, wo solche zur Geschichts-
erzählung selbst gehören. Hin und wieder ist die Verschiedenheit beider Texte
wohl nur eine zufällige, indem der ältere und der neuere Text verschiedenen
Lesarten folgten, wobei dann allenfalls sogar der letztere die bessere Lesarl
haben kann, wie denn z. B. der reg. 159, dann u und 15, und 1611 von 30
Unzen spricht, während der Arnam- 3G und 38 nur 13 nennt, und diese letztere
Ziffer ducli auch im reg. 15lG, sowie 16u in den 13 Beulen stehen geblieben
ist, oder im reg. 121G fälschlich „son Hallsteins frä Asgeirsä" steht, während
Arnam. 29 richtig „Hall Styrmisson" liest (vgl. Landnäma, 111. cap. <J. S. 189).
Nicht immer lassen sieh solche zufällige Abweichungen von denjenigen unter
scheiden, welche auf einer bewussten Änderung des überlieferten Textes in der
einen oder anderen Kecension der Sage beruhen, und zumal bezüglich einzelne)
genealogischer Funkte lassen sich solche Zweifel aufwerfen. Die Mutter ■/.. 1'..
des alten < M'eigs heißt im reg. I2 „Gunnlaug, döttir Ofeigs 6r Skördum" ; da-
gegen Arnam. 3 sagt: „mödir haus hei Gunnlaug 5 möötir hennar var J&rngerdr,
döttir [Jfeige Järngerdarsonar, nordan 6r Skördnm" \ mag sein, daß der neuere
I glaubte aus chronologischen Gründen ein weiteres Glied in den Stamm-
baum einschieben zu müssen, mag aber auch sein, daß derselbe wirklich die
richtige Überlieferung bewahrt hat. So nennt ferner 1. . :.' ' l'spaks niüüei
' liehen Großvater A mund sedikoll, während Arnam. 6 ihn als Asmund bsrnlang
bezeichnet; Hr. C. hat aber bereits bemerkt und belegt, daß nur «lie letzter«
ichnung mit den Angaben anderer Quellen übereinstimmt, während di<
stere wahrscheinlich am einer Verwechslang Asmnnds mit einem Vaterbruder
• irr BBdikollr, bervo isl I. i t doch wohl nur ein Zufall, dafl
Arnam. 3 den Vatei des Styrmh ?on Asgeirsa nicht nennt, während reg. 1'
446 LITTER ATUR: G. CEDERSCHIÖLD, BANDAMANNA SAGA.
ihn, mit Landn. a. a. 0. übereinstimmend, als porgeirr bezeichnet; ein Zufall
auch, wenn Arnam. 20 den bekannten Gellir porkelsson von Helgafell zum
pördarson macht, während reg. 915 das Richtige hat; ein Zufall endlich, daß
Arnam. 20 bei Nennung des porgeirr Halldöruson anzugeben unterlässt, daß
derselbe im Laugardale zu Hause war, wie dieß aus reg. 916 zu entnehmen
ist, wobei nicht zu übersehen ist, daß Arnam. 22 diesen Ort nennt, während
ihn reg. 107 umgekehrt hier ungenannt lässt. Bedenklicher ist die Art, wie
[>örarinn im reg. 48_1° besprochen wird. Die Membrane nennt ihn „pörarin
Laxdselago da hins spaka; hann var son Ospaks Höskuldssonar, Kolssonar, en
mödir hans var r orger dr, döttir Eigils Skallagrimssouar , Kveldulfssonar;" in
Arnam. 9 dagegen heißt es einfach „pörarinn L&ngselagodi hinn spaki", ohne
daß über seine Abkunft irgend etwas gesagt würde. Jon Sigurdsson sowohl
als Gudbrandr Vigfüsson haben längst die Haltlosigkeit der ersteren Lesart
hervorgehoben, und darauf aufmerksam gemacht, daß unser porarin Langdaela-
godi mit jenem pörarinn hinn spaki, porvaldsson identisch sein müsse, welchen
die Landnäma, III, cap. 5, S. 186 als einen directen Abkömmling des ersten
Ansiedlers im Längidale nennt; daß für Langdselagodi irrthümlich Laxdaelagodi
geschrieben werden konnte, hat auch nichts Auffälliges, wohl aber die An-
knüpfung der verkehrten genealogischen Notizen im regius. Möge man, mit Jon
Sigurdsson, in diesen eine spätere Interpolation sehen, oder mit Gudbrand sie
durch die Annahme einer Auslassung eines ganzen Satzes zu erklären suchen,
immer bleibt der Erklärungsversuch ein ziemlich gewaltthätiger. Beachtenswerth
scheint mir auch , daß bei der Aufzählung der angesehensten jungen Leute
beiderlei Geschlechts im Westlande der Arnam. 28 beidemal die Kinder des
porgils Araison unerwähnt lässt, welche reg. 127 und 10 beidemale nennt; daß
ferner Arnarm. 41 nur von einem ungenannten Priester von Sidumuli spricht,
wo reg. 1713-14 den pörd Sölvason von Reykjaholt nennt. Auffällig ist auch,
daß Arnam. 41 den Hof zu )>orgautsstadir nennt, wo reg. 17l'J den zu Högg-
vandastadir erwähnt, welcher letztere, auch in der Heidarviga s. genannt, nach
J. Johnsen, Jardatal, S. 124, Anm. 6, eine verödete Kote des Hofes zu Gils-
bakki bildete; daß Arnam. 38 den porgeir Halldöruson an der Rängärlcid auf-
treten lässt, während reg. 16 dafür die Arnessleid nennt; daß ferner Arnam. 5
die Fahrten Odds „eigi vestarr en i Hrütafjörd" sich erstrecken lässt, während
reg. 2n~ ,2 sagt: „alldri vestar enn i Hvitä, enn optast i Hrütafjörd". Man
kann in derartigen Abweichungen eine Nachlässigkeit des Bearbeiters des jün-
geren Textes sehen , dem es auf die volle Genauigkeit in persönlichen und
localen Beziehungen nicht mehr ankam; man kann aber auch an absichtliche
Änderungen denken, welche etwa dem Bestreben entstammen konnten, wirkliche
oder vermeintliche Verstöße in chronologischer, genealogischer oder topographi-
scher Richtung zu verbessern, und möchte man zumal bezüglich der zuletzt an-
geführten Stelle sich daran erinnern, daß die Mündung der Hvita zwar bis zum
Schluße des 13. Jhdts. ein vielbefahrener Handelshafen war, nach dem Jahre 1316
aber als solcher kaum noch genannt wird. — Alles in Allein genommen lässt
sich hiernach das Verhältniss der beiden Texte dahin bestimmen, daß der Cod.
reg. eine ältere Recension der Saga repräsentiert, aus welcher durch spätere
Überarbeitung erst jene jüngere Recension derselben hervorgieng, welche im Cod.
Arnam. enthalten ist. Das für die Überarbeitung bestimmende Motiv kann nur
in dein Bestreben gesucht weiden, die Saga unterhaltender, d. h. dein spätem
LITTERATUR: G. CEDERSCHIÖLD, IJANDAMANNA SAGA. 447
verdorbenen Geschmacke zusagender zu machen ; doch ist selbstverständlich
nicht ausgeschlossen, daß in einzelneu Fallen rein zufällig, nämlich durch bloße
Unachtsamkeit des Überarbeiters, in anderen Fällen auch wohl durch dessen
Bestreben, einzelne, wirkliche oder vermeintliche, Fehler der Überlieferung zu
verbessern , weitere Veränderungen an dieser letzteren vorgenommen wurden.
Da übrigens unser Cod. reg. selbst später Entstehung, und jedenfalls nur eine
directe oder indirecte Copie eines weit älteren Originales ist, erklärt sich leicht,
daß auch er keineswegs allerwärts den unverfälschten Text der ursprünglichen
Recension gibt, und daß Cod. Arnam., der ja keineswegs aus jener Membrane
geschöpft hat, aus einem ihm zu Grunde liegenden reineren Texte dieser letzteren
hin und wieder bessere Lesarten beibehalten haben kann als jene. Im Übrigen
hat unser Herausgeber bereits darauf aufmerksam gemacht, daß reg. I2 „nonlr
1 Midfirdi" und l7-8 von Styrmir zu Asgeirsä „er pä var meßte höfdingi nonlr
)>ar", geschrieben steht, wogegen Arnam. 3 „vestr i Midiirdi" und „vcstr jiar"
schreibt, und er hat daraus, mit Jon Sigurdsson, ganz richtig geschlossen, daß
erstere Recension im Westlande, die letztere dagegen im mittleren oder öst-
lichen Theile des Nordlandes geschrieben sein müsse; ich möchte indessen noch
darauf aufmerksam machen, daß in Arnam. 5, vgl. mit reg. 1 , einmal „nonlr
til Stranda" stehen geblieben ist, während doch unter den Strönd, wie zumal
die Vergleichung mit Grettla, cap. 25, S. 61, und allenfalls auch pördar s. hredu,
S. 10 und 25, zeigt, hier nur die Küste der Strandasysla und der nördlichen
Isarjardaisysla gemeint sein kann. Hinsichtlich der Entstehungszeit der Saga
hat Gudbraudr Vigfüsson aus der Art, wie au deren Schluß, und zwar in beiden
Recensionen, Snorri Kälfsson erwähnt wird, auf den Schluß des 12. Jhdts.
schließen wollen. Ich habe gegen diese Annahme, Bd. XII der Germania, S. 4SI
bis 482 geltend gemacht, daß wenn zwar ein Snorri Kälfsson zu Mel im Jahre
1175 starb, doch auch ein gleichnamiger Enkel desselben nachweisbar ist,
welcher recht wohl bis tief in das 13. Jhdt. hinein gelebt haben kann, und
daß überdieß die Art der Erwähnung des Mannes keineswegs zu der Annahme
zwinge, daß derselbe zur Zeit der Entstehung der Saga erst neuerdings ver-
storben gewesen sei; ich habe ferner darauf hinweisen zu sollen geglaubt, daß
die ganze Haltung der Quelle auf eine spätere Abfassungszeit zu deuten scheine,
und daß die Vorliebe für die Erzählung von Rechtshändeln, welche sich in
derselben ausspreche, die Vermuthuug nahe lege, daß sie gleich der Njäla und dem
Ölkofra p. am Schluße des 13. .Jhdts. oder doch wenig später entstanden sein
möge. Unsei Herausgeber erklärt sich nun mit dem negativen Theile dieser
meiner Äusserung einverstanden, während er gegen deren positiven Theil ein
wendet, daß im i re Saga doch ganz, anders als die Njäla alle. Juristische mehr
lieiwerk behandle, und in ihrer Schilderung der prozessualischen Vorgänge
'i. dgl. eine gewisse Unbestimmtheit und einen Mangel an Genauigkeit erkennen
■ -. Ich kann mich mit letzterer Bemerkung nicht völlig einverstanden ei
klaren, sofern ieh die Jurisprudenz der Saga im Wesentlichen richtig finde.
'Der formelle Verstoß, welcher Odds K 1 1 I pab hinfällig zu machen
droht, wird zwar in im eren Recht büchern nicht ausführlich 1h prochen, sieht
aber mit den Bestimmungen der Kgsbk. §. 13, S. 60 61, völlig in Einkla
und entspricht auch vortrefflich dem Formalismus des altisländischen Proci
Die Formel des Bichtereides , auf «reiche der alte Ofeigr Bezug nimmt, fällt
zwai nieht ganz mit der in der Kgsbk 11, S. 12 mitgetheilten zusammen,
448 LITTERATUR: G. CEDERSCHIÖLD, BANDAMANNA SAGA.
stimmt aber um so genauer mit jener anderen Formel für gerichtliche Eide
überein, welche die Hauksbök und ältere Melabök, die ältere pörctar s. hredu
und der porsteins p. uxaföts der älteren Recension der Islendingabok folgend
enthalten. Ofeigs Bemerkungen gegen Egill über das Maß des Gewinnes, welchen
die verbündeten Häuptlinge zu hoffen haben, und über die in ihrer Klage
dieserhalb gebrauchte Formel entsprechen genau den Vorschriften der Rechts-
bücher. Guttbrands Zweifel, ob die Verhandlung der Sache gegen Üspak nicht
am Frühlingsdinge statt am Alldinge stattgefunden haben werde , wird durch
die Nennung des lögbergs und des Nordlendingadoms in beiden Recensionen der
Saga zurückgewiesen; daß aber die Klage gegen Odd wegen Bestechung der
Mitglieder des Viertelsgerichtes nicht beim fünften Gerichte angebracht worden
sei, ist eine willkürliche Behauptung, da keiner unserer Texte das Gericht
nennt, an das die Sache gebracht werden wollte. Auch daran wird man nicht,
mit dem Herausgeber, Anstoß nehmen dürfen, daß die Quelle, und zwar wiederum
in ihren beiden Recensionen , die Errichtung neuer Godorde als eine um die
Mitte des 11. Jhdts. ganz übliche Sache bezeichnet; die Annahme, daß die im
Jahre 1004 ertheilte Erlaubniss zur Errichtung von solchen sich nur auf die
nächste Zeit und eine begrenzte Zahl von Godorden beschränkt habe, ist näm-
lich in den Quellen völlig unbegründet, so allgemein und zuversichtlich sie
auch ausgesprochen zu werden pflegt. Die Gehässigkeit aber, mit welcher die
angesehensten Häuptlinge des Landes gegen Odd auftreten, war sicherlich nicht
bloß in deren Habgier begründet, sondern weit, mehr noch eine Folge ihrer Eifer-
sucht auf das von ihm neu begründete Godord ganz wie der Njälsbrenna un-
gleich mehr die Erbitterung der alten regierenden Häuser über das Gesetz von
1004, als die bloße Rache für ein paar begangene Todschläge zu Grunde lag.
Mit vollem Recht hat denn auch Hr. C. daraus, daß reg. 220-21, von Arnam. 6
abweichend, das Vermögen Odds, um einen Begriff von dessen Größe zu geben,
mit dem der reichsten Kirchen im Lande vergleicht, einen Schluß darauf zu
ziehen versucht, daß unsere Sage nicht vor dem großen Präbendenstreite, 1270
bis 1300, entstanden sein möge; endlich harmoniert aber mit dieser Zeitbe-
stimmung auch noch die weitere Thatsache, daß in der Grettis s. (cap. 14, S. 22
der neuern, aber cap. 16, S. 90 der älteren Ausgabe, nach welcher P. E. Müller
citiert hatte) die Bandamauna s. angeführt werden konnte, soferne ja jene
erstere ihre derzeitige Gestalt erst zu Anfang des 14. Jhdts. erhalten haben
kann. Ganz richtig, daß alle diese Gründe nicht hinreichen, um einen streng-
stens unumstößlichen Beweis zu liefern; aber doch dürften sie gut genug inein-
andergreifen, um einen ganz leidlichen Grad von Wahrscheinlichkeit zu er-
bringen, und da bisher keine ihnen entgegenstehende Argumente geltend ge-
macht wurden, wird man wohl in diesem Falle wie in so manchen anderen
mit der bloßen Wahrscheinlichkeit sich genügen lassen müssen.
MÜNCHEN, den 10. October 1874. K. MAURER.
BIBLIOGRAPHISCHE ÜBERSICHT
DER
ERSCHEINUNGEN AUF DEM GEBIETE DER GERMANISCHEN
PHILOLOGIE IM JAHRE 1873.
VON
KARL BARTSCH.
I. Begriff und Geschichte der germanischen Philologie.
1. Gervinus. — Hillebrand, K., G. G. Gervinus.
Preußische Jahrbücher 1873, 32, 379 — 428. - Ein Verzeichniss von Aufsätzen
über Gervinus tindet man in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheius 25, 450 f.
2. Grimm, Jacob, an den Lehrer Ph. Wille zu Gülte bei Arolsen.
Wagners Archiv für die Geschichte deutscher Sprache und Dichtung 1873, S. 222.
2 Briefe, mitgetheilt von Hoffmann von Fallersleben.
3. Punkhänel, K. H., Vergleichung der Schriften Ciceros und J. Grimms
über das Alter. Vortrag. 8. (16 S.) Eisenach 1873. Bacmeister. 4 gr.
4. Hertz, Wilhelm.
Illustrirte Zeitung 1873, Nr. 1554.
5. Jacobi. — Wein hold, K, Zur Erinnerung au Theodor Jacobi.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 85 — 98.
6. Koch. — Witzschel, A., Dr. Fr. Koch.
Germania 18, 251—253.
7. Zacher, J., Fr. Koch. Nekrolog.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 98—104.
8. Kurz, Heinrich. Nekrolog.
Allgem. Zeitung 1873, Beilage 61.
8". Heinrich Kurz. Nekrolog.
Illustrirte Zeitung 1873, S '>'■'• f.
9. Kurz, Hermann.
Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 87, Auszug aus dei Grabrede von J. 6. Pischei
am L2. < tetober 1873.
l»i. Menzel, Wolfgang. Autobiographic.
Daheim 1872, October.
11. Beim Tode Wolfgang Menzels.
Die ßrenzboten 1878, Nr. 18,8. 198 200
12. Wolfgang Menzel. Von St.
Illustrirte Zeitang 1873, Nr. 1661.
13. Wolfgang Menzel.
N\ Evangel. Kirchenzeitung 1873, Nr. 21.
14. Schiller, Karl. Nekrolog. (Von Fr. Latendorf.)
Meklenbnrg. Zeitung 1873, 12. Angnst,
15. Schmeller. — Jo. Andr. Bobmelleri carmina et epistolae ad Samu-
elem Hoptium missae. Gratulationsschrift der Universität Bern zur lUOjährigen
Jubelfeier der Universität München. 18 8. L
&KBKANIA. Neu,. Reihe vn. ,\i\,, Jahrtf. 2lJ
450 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
II. Haudsehriftenkunde und Bibliographie,
16. Schultz, Alwin, Aus Handschriften der kgl. Universitäts-Bibliothek
zu Breslau.
Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Februar.
17. Catalogus codicum latinorum Bibliothecae regiae Monacensis. Tomi 1
pars III. 8. (251 p.) Monachii 1873.
Vgl. Literar. Centralbl. 1874, Nr. 5.
18. Tabulae codicum manu scriptorum praeter graecos et orientales in
Bibliotheca Palatina Vindobonensi asservatorum. Vol. VI. 8. (516 S.) Vindobonae
1873. Gerold. 3 '/2 Rthlr.
19. Bartsch, Karl, bibliographische Übersicht der Erscheinungen auf
dem Gebiete der germanischen Philologie im Jahre 1872.
Germania 18, 461 — 501. Vgl. Petzholds Anzeiger für Bibliographie 1874, Nr. 3.
20. Bibliotheca philologica, oder geordnete Übersicht aller auf dem
Gebiete der classischen Alterthumswissenschaft wie der älteren und neueren
Sprachwissenschaft in Deutschland und dem Ausland neu erschienenen Bücher.
Herausgegeben von Dr. W. Müldener. 25. Jahrg. 2. Heft und 26. Jahrg. 1. Heft.
8. Göttingen 1873. Vandenhoeck und Ruprecht.
III. Sprachwissenschaft und Sprachvergleichung.
21. Pipon, J., den allmänna spräkläraus grunder. 8. (65 S.) Haparanda
1873. 75 öre.
22. Bleek, W. H. J., on the origin of language. 8. New- York 1873.
L. W. Schmidt. 10 gr.
Vgl. Zeitschrift für Völkerpsychologie 8. Bd., 1. Heft (Steinthal).
23. Faucher, Jul., Gedanken über die Herkunft der Sprache.
Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft und Culturgeschichte 10. Jahrg. 2. Bd. (1873).
24. Müller, Dr. Friedr., Einheit oder Mehrheit des Ursprungs der mensch-
lichen Sprache.
Mittheilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien. 3. Bd. 1873.
25. Rösch, Prof. W., über das Wesen und die Geschichte der Sprache.
8. (30 S.) Berlin 1873. Lüderitz. 6 gr.
Sammlung gemeinverständlicher wissenschaftlicher Vorträge 172. Heft.
26. Schmidt, E. v., über den Ursprung der Sprache. 8. Moskau (Dor-
pat) 1872. 8.
27. Werber, W. J. A., die Entstehung der menschlichen Sprache und
ihre Fortbildung. 8. (IV, 45 S.) Heidelberg 1873. Winter. 12 gr.
Vgl. Heidelberger Jahrbücher 1872, November.
28. Der neueste Versuch über die Einheit des Ursprungs der mensch-
lichen Sprache.
Das Ausland 1873, Nr. 41 f.
29. Delitzsch, Friedr., Studien über indogermanisch-semitische Wurzel-
verwandtschaft. 8. (119 S.) Leipzig 1873. Hinrichs. 1 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 41 (Windisch); Allgem. Liter. Zeitung Nr.
47 ; das Ausland Nr. 49 ; Magazin f. d. Literatur des Auslandes Nr. 34.
30. Grill, J., über das Verhältniss der indogermanischen und semitischen
Sprachwurzeln. Ein Beitrag zur Physiologie der Sprache.
Zeitschrift der deutsch-morgenländischen Gesellschaft 1873, S. 425—460.
II. HANDSCHRIFTENTirNDF. etc. III. SPRACHWISSENSCHAFT etc. 451
31. Grotemeyer, II. J., über die Verwandtschaft der indogermanischen
und semitischen Sprachen. II. Theil: Die Nominal Flexionen. 4. (26 S.)
Programm des Gymnasiums zu Kempen 1S73.
32. Raumer, R. v., vierte Fortsetzung der Untersuchungen über die
Urverwandtschaft der semitischen und indoeuropäischen Sprachen. 8. (22 S.)
Frankfurt a. M. 1873. Heyder u. Zimmer. '/4 Rthlr.
33. Schultze, Dr. Martin, Indogermanisch, Semitisch und Hamitisch. 8.
(36 S.) Berlin 1873. Calvary.
Programm der höheren Töchterschule zu Cüstrin. Vgl. Litcrar. Centralblatt 1873,
Nr. 16, als „verunglückt" bezeichnet.
34. Fick, August, die ehemalige Spracheinheit der Indogermanen Europas.
Eine sprachgeschichtliche Untersuchung. 8. (VIII, 432 S.) Göttingen 1873. Van-
denhoeck u. Ruprecht. 2 Rhtlr. 24 gr.
Vgl. Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 354 ff. (Bezzenberger) ; Jenaer Liter. Zeitung
Nr. 14 (J. Schmidt); Literar. Centralblatt Nr. 4 (Brgm.); Revue critique Nr. 10; Zeit-
schrift f. d. österr. Gymnasien 24, 11; Zeitschrift f. Völkerpsychologie 8, 2; Academy
1874, 27. Juni.
35. Jolly, Dr. J., über den Stammbaum der indogermanischen Sprachen.
Zeitschrift für Völkerpsychologie 8, 15 — 39.
36. Wolzogen, Hans von, der Ursitz der Indogermanen.
Zeitschrift für Völkerpsychologie 8, 1 — 14.
37. Westphal, Rud., Vergleichende Grammatik der indogermanischen
Sprachen. 1. Theil. Das indogermanische Verbum. nebst einer Übersicht der
einzelnen indogermanischen Sprachen und ihrer Lautverhältnisse. 8. (XXXIX,
761 S.) Jena 1873. Costenoble. 6% Rthlr.
Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 7: Saturday Review 1873, 20. December;
Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 25, 2. 3. Heft.
38. Pott, Prof. Dr. Aug. Friedr., Etymologische Forschungen auf dem
Gebiete der indogermanischen .Sprachen unter Berücksichtigung ihrer Hauptformen,
Sanskrit. Zend-Persisch, Griechisch-Lateinisch etc. 2. Aufl. in völlig neuer Um-
arbeitung, 4. Bd. Detmold 1873. Meyer. 6 Rthlr.
Aach u. d. T. : Wurzel-Wörlerbuch der indogermanischen Sprachen. 4. Band.
Wurzeln auf stumme Consonanten. Nämlich: Wurzeln auf Cerebrale and Dentale, gr. 8.
Vgl. Literar. CentralbL 1873, Nr. 32.
39. Maas, Car., Vocales in stirpium terminationibus positae nominum
italicorum, graecorum, imprimis vero germanicorum post quas potissimum con-
Bonas in singularis nominativo perierini quaeritur, (Über den Vocalschwund.)
8 Leipzig 1873. Barth. Dissertation.)
40. Meyer, Gustav, Die mil Nasalen gebildeten Präsensstämme der grie-
chischen mit vergleichender Berücksichtigung der andern indogermanischen
Sprachen. B. VIII 120 B J< na L873. Mauke, l' :1 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt Nr. 19.
41. Meyer, Leo, über Vocalsteigerung insbesondere in der Verbalflexion,
ichrift für vergleichende Sprachforschung 21, 341 350.
42. 11 ry in a ii n . Wilh.. das 1 der indogermanischen Sprachen gehör! dei
indogermanischen Grundsprache an. 8. (71 1-73. Rente. /3 Rthlr.
Dissertation. Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. ii (J. Schmidt); GSttingcr
Gel Anseigen 1873, Nr. 14; Kulm- Beiträge VIII. 1 ; Zeitschr. f vergleich. Sprachfoi
schui i). Bezzenberger.
43. Bergaigne, A.. du pretendu changemenl de bh en m <'n paleo-
slave, en lithuanien el en gotbique.
M&noir< - de la jociete de linguistique II, 3 (187
29*
452 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
44. Culmann, F. W., das Geheimniss des spiritus asper. Eiue Mitthei-
lung aus der Schrift: Versuch eiuer Erklärung der Zahlwörter. 2. Auflage. 8.
Leipzig 1873. Fleischer.
Vgl. Revue de linguistique VI, 2.
45. Weber, H., litauisches aug = deutschem ang.
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung N. F. 2. Bd. 1. Heft (1873).
46. Fick, A., etymologische Beiträge.
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 21, 461 ff. 22, 97 — 111.
47. Kern, H., Miscellanea.
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 21, 237 ff. Darunter: gävl, Kuh.
48. Schmidt, Joh., Etymologien.
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 21, 314 ff. Von deutschen: salbön,
sparva, ahd. ethes und verwandte, fravali.
49. Schmidt, Joh., gothisch vopija ich rufe.
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 21, 283 ff.
50. Wolzogen, Hans v., Frosch-rana-batrachos. Etymologische Studie.
Deutscher Sprachwart 7. Bd. Nr. 24.
51. Pauli, C, die Benennung des Löwen bei den Indogermanen. Ein
Beitrag zur Lösung der Streitfrage über die Heimat des indogermanischen Ur-
volkes. 8. (VI, 21 S.) Münden 1873. Augustin. 1/i Rthlr.
Vgl. Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 353 ff. (Jolly) ; Zeitschrift f. Völker-
psychologie 8, 2; literar. Centralblatt 1873, Nr. 47; das Ausland Nr. 22.
52. Kerber, Dr. Arthur, Gedanken über die Entwickelung der Con-
jugation. 1. Heft. Einleitung. — Das Präsens. 4. (IV, 45 S.) Rathenow 1873.
Haase. 5/6 Rthlr.
53. Wilhelm, Eugen, de infinitivi linguarum sanscritae, bactricae, per-
sicae, graecae, oscae, umbricae, latinae, goticae forma et usu. 8. (VIII, 96 S.)
Eisenach 1873. Bacmeister. 1% Rthlr.
Vgl. Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 334 ff. ; Götting. Gel. Anzeigen Nr. 22
(Benfey) ; Literar. Centralblatt Nr. 19 ; Revue critique Nr. 22.
54. Jolly, Jul., Geschichte des Infinitivs im Indogermanischen. 8. (XV,
284 S.) München 1873. Ackermann. 2 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 46; Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 34
(Bezzenberger) ; Philol. Anzeiger VI, 1; Jahrbücher f. Piniol, u. Pädagogik 109. 110,
1. Heft (Schweizer-Sidler) ; Revue critique 1874, Nr. 22.
IV. Grammatik.
55. Kef er stein, A., drei antiquarische Vorträge gehalten in der Aka-
demie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. 8. (55 S.) Erfurt 1873. Villaret.
% Rthlr.
I. Die Sprache der alten Deutschen.
56. Schönborn, Th., kurze vergleichende deutsche Grammatik in ihren
Grundzügen für die mittleren Classen höherer Lehranstalten dargestellt. 1. Theil.
Laut- und Flexionslehre. 8. (IV, 58 S.) Breslau 1873. Kern. Y3 Rthlr.
57. Schade, 0., Paradigmen zur deutschen Grammatik. Gothisch, Alt-
hochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Neuhochdeutsch. 3. Auflage. 8. Halle 1873.
Waisenhaus.
58. Koberstein, Aug., Laut- und Flexionslehre der mittelhochdeutschen
und der neuhochdeutschen Sprache in ihren Grundzügen. Zum Gebrauch auf
IV. GRAMMATIK. 453
Gymnasien. 3. verbesserte Auflage von 0. Schade. 8. (VI, 83 S.) Halle 1873.
Waisenhaus. 12 gr.
Vgl. Wissenschaftl. Beilage der Leipziger Zeitung 1874, Nr. 77.
59. Paul, H., gab es eine mittelhochdeutsche Schriftsprache? 2. un-
veränderter Abdruck. 8. (37 S.) Halle 1873. Lippcrt. 10 gr.
60. Schacht, L., über Geschichte der deutschen Sprache vom Mittel-
hochdeutschen bis zur Entstehung des Neuhochdeutschen. 4. (22 S.)
Programm der Realschule I. Ordnung in Elberfeld^is73.
61. Heyne, Moriz, kleine altsächsische und altnicderfränkische Gramma-
tik. 8. (120 S.) Paderborn 1873. Schöningh. '/2 Rthlr.
Vgl. Germania 19, 217—227 (Paul); Literar. Centralblatt 1874, Nr. 29; Jenaer
Liter. Zeitung Nr. 8 (Braune) ; Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 4. Heft (Heinzel) ■
Academy 30. Mai.
62. Heinzel, Richard, Geschichte der niederfränkischen Geschäftssprache.
8. (468 S.) Paderborn 1873. Schöningh. 22/3 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 25; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 20 (Sievers);
Kölnische Zeitung Nr. 36.
63. Cosijn, P., de oud-nederlandsche psalmen. 8. (VIII, 76 S.) Haarlem
1873. Erven F. Bohn. 1 fl. 25 c.
Abdruck aus dem Taal- en Letterbode.
64. Mätzner, Ed., englische Grammatik. 1. Theil. Die Lehre vom
Worte. 2. Abth. 2. Aufl. 8. (VIII, S. 321—560). Berlin 1873. Weidmann.
l2/3 Rthlr.
Vgl. Academy 1874, 17. Januar.
65. Earle, J., the philology of the english tongue. 2d edition, revised
and enlarged. 12. (683 S.) London 1873. Macmillan.
65". March, George, Lectures on the english language. I. Series. 4th edi-
tion. New- York 1872.
Vgl. Saturday Review 1872, 30. Novemb.
66. Hare, H. C, fragments of two essays on english philology. 8. 3 s. 6 d.
67. Perreaz, E., des transformations du language en Angleterre. Les
origines. 8. Schaffhausen 1873. Brodtmann.
Vgl. Revue critique 1874, Nr. 4.
68. Iversen, C, kortfattet oldnordisk Formlau-e til Skolebrug. Anden
Udgave. 8. (40 S.) 36 sk.
69. Hvilka äro hufvudepocherna fordet svenska spräketa utbildning och
bvad har det vunnit eller fürlorat vid de atskilliga förändringar det undergätt.
(Prisämnes fräga, framställil af k. svenska akademien i Stockholm 1862 och
följ.) Vitterhetsforsök. Nr. 1 och Nr. 2 om Luthers kyrkoreformation. Af J. F.
B. Hernösand 1873. Johansson. 8. (27 S.) 75 öre.
70. Hoefer, A., zur Laut-, Wort- und Namenforschung.
Germania 18, 200—209. 301—309.
71. Schaltenbrand, 11. J., zui vergleichenden Lehre von Laut und
Wort in der deutschen Sprache. 4. (18 S.)
I'rcigramm des MarzeUen-Gymnasiumj co^Köln 1873.
72. Paul, H., zur Lautverschiebung.
Paul und Braune, Beiträge rar Geschichte der deutschen Sprache u. Literatur
I, 117—201.
73. Braune, W., zur Kenntnis der fränkischen und zur hochdeutschen
Lautverschiebung.
Paul und Braune, Beiträge I, 1 — 56
454 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
74. Amelung, A., Erwiderung.
Auf L. Meyers Recension von Amelungs Schrift über Vocalsteigerung. Zcitschr.
für vgl. Sprachforschung 22, 361 ff.
75. Koch, Fr., ags. io, eo; eo; iö, eö; iö, eö; io, eo.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 37 — 56.
76. Andresen, K. G., altdeutsches hl und hr als gl, kl und gr, kr in
Personennamen erhalten.
Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 21, 465 — 470.
77. Helten, W. L. van, über die Wurzel lu im Germanischen. 8. (55 S.)
Leipzig 1873. Richter u. Harrassowitz. 15 gr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 35.
78. Meyer, Leo, über einige deutsche Pronominalbildungen.
Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 65 — 68.
79. Begemann, W., das schwache Praeteritum der germanischen
Sprachen. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Sprache. 8. (XVI, 186 S.)
Berlin 1873. Weidmann. ll/3 Rthlr.
Vgl. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 471 ff. (Bezzenberger) ; literar. Cen-
tralblatt 1873, Nr. 52 (Braune); Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 2 (Sievers); Zeitschrift
f. d. Gymnasialwesen 1874, 5. Heft (Wilmanns).
80. Lindner, Fr., über das Präfix a im Englischen. 8. Jena 1873.
Frommann. 6 gr.
81. Schwann, Friedr., die gotischen Adjectiv-Adverbien. 8. (69 S.)
Bonn 1873. Dissertation.
82. Andresen, K. G., aus der deutschen Syntax.
Zeitschrift für das Gymnasialwesen 1872, October.
83. Tobler, L., über die scheinbare Verwechslung zwischen Nominativ
und Accusativ.
Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 375 — 400.
84. Lichtenheld, A., das schwache Adjectiv im Angelsächsischen.
Zeitschrift für deutsches Alterthum 16, 325 — 393.
85. Kölbing, E., Untersuchungen über den Ausfall des Relativ-Pro-
nomens in den germanischen Sprachen. 8. Straßburg 1872. Trübner.
Vgl. Germania 18, 243-248 (Tobler); Revue critique 1873, Nr. 40.
86. Gelbe, Th., Untersuchungen über den Ausfall des Relativ-Prono-
mens in den germanischen Sprachen.
Deutscher Sprachwart Bd. 7, Nr. 13 (1873).
87. Skladny, A., über das gotische Passiv. 4. (19 S.)
Programm des Gymnasiums zu Neisse 1873.
88. Albrecht, Carl, über den homerischen Acc. c. Inf. mit Vergleichung
des gothischen und ahd. Sprachgebrauchs.
In: Curtius, Studien zur griechischen und lateinischen Grammatik, Bd. 4.
89. Gering, Hugo, über den synthetischen Gebrauch der Participien
im Gotischen. I. IL 8. (30 S.) Halle 1873. (Dissertation.)
V. Lexicographie.
90. Grimm, Jacob, und Wilhelm Grimm, deutsches Wörterbuch. Fort-
gesetzt von Rud. Hildebrand und K. Weigand. 4. Bd. 2. Abth. 6. Liefg. Be-
arbeitet von M. Heyne. (Sp. 1201—1392.) 5. Bd. 12. Liefg. (Schluß). Be-
arbeitet von R. Hildebrand (LI, und Sp. 2641 — 2916). Leipzig 1873. Hirzel.
% und 1 Rthlr.
V. LEXICOGRAPHIE. 455
91. Schade, Oscar, altdeutsches Wörterbuch. 2. umgearb. und verm.
Auflage. l.Liefg. 8. (160 S.) Hallo 187:). Waisenhaus, 1 Rthlr.
Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1374, Nr. 15 (Braune); Entgegnung darauf in Schade's
wissenschaftl. Monatsblättern 1874, Nr. 9; Wissenschaft!. Beilage der Leipziger Zeitung
1873, Nr. 81; allgera. liter. Anzeiger f. d. evang. Deutschland Nr. 81.
92. Lexer, Prof. Dr. Matthias, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch.
Zugleich als Supplement und alphabetischer Index zum mittelhochdeutschen
Wörterbuche von Benecke-Müller -Zunicke. 9. Lief. Lex. 8. (2. Bd., Sp. 321
bis 640.) Leipzig 1874. Hirzel. l1/., Rthlr.
93. Weigand, Fr. K., deutsches Wörterbuch. 2. verb. und vermehrte
Aufl. (4. Aufl. von Fr. Schmitthcnner's kurzem deutschem Wörterbuch.) 1. Bd.
8. (XIX, 983 S.) Giessen 1873. Ricker. 473 Rthlr.
Vgl. Bonner Zeitung 1874, 5. Januar.
94. Mussafia, Ad., Beitrag zur Kunde der norditalienischen Mundarten
im 15. Jahrhundert. 4. (128 S.) Wien 1873. Gerold .in Comm. 2 Rthlr. 4 gr.
Aus den Denkschriften der Akademie. Gehört hierher, da ein ital.-deutsches
Glossar darin behandelt ist. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1874, Nr. 1 (Liebrecht).
95. Schiller, Karl, und Aug. Lübben, mittelniederdeutsches Wörter-
buch. 3. und 4. Heft. gr. 8. (S. 257—512.) Bremen 1873. Kühtmänn. a 5/6 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 4; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 35 (Sievers);
Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 48 (Rückert).
96. Hoefer, A., zum mittelniederdeutschen Wörterbuche von K. Schiller
und A. Lübben.
Germania 18, 35 — 41.
07. Oudemans, C. A., Bijdrage tot een Middel- en Oudnederlandsche
Woordenboek. Uit vele glossaria en andere bronnen bijeenverzameld. 4. deel.
L— N. 8. (4, 644 S.) Arnhein 1873. v. Marie. 5 fl.
98. Stratmann, Fi. II., a dictionary of the old English language. Com-
piled from writings of the XII., XIII., XIV. and XV. centuries. 2nd edi-
tion. 4. (560 S.) London 1873. Trübner. 34 sh.
99. Reprinted Glossaries. Edited by the Rev. W. W. Skeat. London 1873.
Bnglisb Dialect Society, Series B. Vgl. Academy 1874, 8. August.
100. Wright, Th., a volume of vocabularies. London 1873. Trübner.
Enthalt ags. Glossen des K) 11. Jlis., auch ahd. Glossen. Vgl. Athenaeum 1873,
24. Mai.
101. GMeasby, Richard, an icelandic-english dictionary, enlarged and
completed by Gudbrand Vigfusson. Part 3. 4. London 1873. Macrnillan. 25 sh.
Vgl. Germania 1!», 101 '.Maurer); Athenaeum 1874, 20. Juni; Kdinlmrgh Review
1874, Juli.
102. Aasen, Ivar, Norsk Ordbog med dansk Forklaring. Omarbeidede
og forögede üdgave. 8. (XVI, 976 S.) Christiania 1873. Mailing.
J03. Meyer, Leo, über Fremdwörter, insbesondere die slavischen Fremd-
wörter im Deutschen. Vortrag. 8. Dorpat 1873.
104. Über die Entstehung der Fremdwörter.
Das Ausland 1874, Nr. 13.
105. Bech, Fedor, Spenden zur Altersbestimmung neuhochdeutscher Wert-
formen.
Germania 18, 257—274.
L06. W'oeste, F., Bi dem Niederdeutschen.
Zeitschrift für deutsche Philologie 6, 76—81.
107. II i n t ii er , Val., Wortei'klärungen, Swttbel, gethören, geigern
ichrift für deutsche Philologie 5, 66—69.
45<i BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
108. Peters, J., zur Etymologie von althochd. ägalasträ, Elster. 8.
(42 S).
Programm des k. k. Obergymnasiums zu Leitmeritz 1873.
109. Hoefer, A., Nochmals altvile im Sachsenspiegel.
Germania 18, 29—34.
110. Bech, F., und W. Crecelius, anzeln.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 65.
111. Hoefer, A., über das angebliche Wort beiern.
Wagners Archiv I, 175 — 177, mit Nachtrag von Vernaleken I, 240.
112. Bech, F., zu brüsche (zu prüse, zu prüsen) gen.
Germania 18, 210—213.
113. d'Arbois de Jubainville, du mot franc chramnae ou hramne.
Memoires de la sociSte linguistique de Paris (1872) II, 1.
114. Crecelius, W., kierspe.
Germania 18, 114.
115. Burda, W., zur Etymologie des Wortes Thier.
Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 190 f.
116. Lambel, Übersticke.
Germania 18, 357.
117. Hoefer, A., Verehren.
Wagners Archiv I, 463 — 466.
118. Gelbe, Th., über Ortsnamen.
Deutscher Sprachwart 7. Bd., Nr. 14 ff.
119. Mi eck, Dr., die Wurzeln „snu" und „lag" in deutschen Fluß- und
Ortsnamen.
Annalen des histor. Vereins für den Niederrhein 25. Heft. Köln 1873. 8.
120. Heer, J. H., keltische Spuren in den Orts-, Berg- und Flußnamen
des Cantons Glarus.
Jahrbuch des histor. Vereins des Cantons Glarus. 9. Heft. Zürich 1873.
121. Peters, J., Ortsnamen auf -ikon und Familiennamen auf -kofer.
Deutscher Sprachwart 7. Bd., (1873), Nr. 11.
122. Stricker, W., Gassen- und Häusernamen zu Frankfurt und Straßburg.
Im neuen Reich 1873, Nr. 3, S. 52 ff.
123. Birlinger, A., Straßburger Gassen- und Häusernamen. IL
Alemannia I, 255 — 258.
124. Birlinger, A., die hohenzollerischen Orts-, Flur- und Walduamen.
Einleitung. Übersicht. Ortsnamen. I.
Alemannia I, 263—283.
125. Bück, über oberschwäbische Orts- und Familiennamen.
Verhandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm. N. R. 5. Heft.
Ulm 1873. 4.
126. Kugler, K., Erklärung von 1000 Ortsnamen der Altmülalp und
ihres Umkreises. 8. (VIII, 248 S.) Eichstätt 1873. Krüll.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874,<3Nr. 13; Theolog. Jahresbericht IX, 3; Beilage zur
Augsburger Postzeitung Nr. 16.
127. Lommer, orlamündische* Flurnamen.
Anzeiger 1873, Sp. 232—237.
128. Arnesen, M., norwegische Ortsnamen, die von Spielen im Alter-
thum zeugen.
Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 89 — 92.
129. Arnesen, M., Namen auf -bern im Friesischen und Nordgermanischen.
Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 93 — 94.
VI. MUNDARTEN. 457
130. Der Name Berlin.
Das Ausland 1873, Nr. 28. Anknüpfend an Killiscb, Bibliographie 1872, Nr. 142.
131. Bazing, Justizrath Hugo, über den Ortsnamen Hart.
Verbandlungen des Vereins für Kunst und Alterthum in Ulm. N. R. 5. Heft.
Ulm 1873.
132. Cassel, Paulus, Hobenzollern. Ursprung und Bedeutung dieses
Namens. Sprachwissenschaftlich erläutert. 8. (32 S.) Berlin 1873. Gülkcr
V3 Rthlr.
Vgl. National-Zeitung 1873, Nr. 436; Tribüne Nr. 104; N. Preußische Zeitung
Nr. 232 ;^Allgem.~Modenzeitung Nr. 48.
133. Bück, Dr., der Ortsname Lindau. Eine Erörterung.
Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees. 4. Heft. Lindau 1873. 8.
134. Bazing, H., über den Namen Ruhethal.
Verhandlungen des Vereins f. Kunst u. Alterthum in Ulm. N. R. 5. Heft.
Ulm 1873.
135. Andresen, K. G., die altdeutschen Personennamen in ihrer Ent-
wicklung und Erscheinung als heutige Geschlechtsnamen. 8. (VIII, 102 S.)
Mainz 1873. Kunze's Nachfolger. '/„ Rthlr.
Vgl. Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 120 f. (Weinhold); Zeitschrift f. vgl.
Sprachforschung 22, 340 ff. (Förstemann) ; Literar. Centralblatt 1874, Nr. 34; Jahr-
bücher f. Philol. u. Pädag. 108. Bd., 7. 8. Heft; Blätter f. d. bayer. Gymnasialschul-
wesen 9. Bd., 8.-9. Heft.
136. Andresen, K. G., zur deutschen Namenforschung.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 209—211.
137. Bauer, zur Namenforschung.
Germania 18, 214 f.
138. Meyer-Emden, H., die Namen der Frauen bei den Germanen.
Sonntagsblatt von Duncker 1873, Nr. 32.
139. Aue, K., Arminius.
Deutscher Sprachwart 1873, 7. Bd., Nr. 19.
140. Sachae, Dr., über den Namen Roland.
Archiv f. d. Studium der neueren Sprachen 52, 459 — 462.
141. Steub, L., zu den deutschen Familiennamen.
Allgem. Zeitung 1873, Beilage 241.
142. Bikkers, Dr. Alex. V. W., the status and significance of British
surnames in the english language.
Archiv für das Studium der neueren Sprachen 52, 467-473.
VI. Mundarten.
143. Groth, Klaus, über Mundarten uud mundartige Dichtungen. 8. (IV.
80 S.) Berlin 1873. Stilke. >/a Rthlr.
144. Krüger, E., Analectu.
Archiv für das Studium der neueren .Sprachen 52, 45—60. Namentlich zum Voca-
lismus der Mundarten.
145. Mieck, zu den deutschen Dialecten.
Deutscher Sprachwart 1873, 7. J5d. Nr. 24.
146. Tobler, L., die Aspiraten und TenU6B in schweizerischer Mundart.
Zeitschrift für vgl. Sprachforschung 22, 112—183.
147. Tobler, L., die Lautverbindung tscb in schweizerischer Mundart.
Ebenda 22, 133—141.
148. Die Tenues in Schweizer Mundart.
Zeitschrift für Stenographie und Orthographie l«7;-f, 6. Hoft.
458 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
149. Herrmann, A., die deutsche Sprache im Elsaß. 8. (28 S.)
Programm des Collegiums zu Mühlhausen i. E. 1873.
150. Muth, R. v., die bairisch-österreichische Mundart, dargestellt mit
Rücksicht auf den gegenwärtigen Stand der deutschen Dialectforschung. 8. (46 S.)
Wien 1873. Beck. 8 gr.
Separatabdruck aus dem 10. Jahresberichte der Landesoberrealschule in Krems
a. D. Vgl. Liter. Centralbl. 1874, Nr. 14.
151. Wolff, J., der Consonantismus des Siebenbürgisch- Sächsischen.
4. (71 S.)
Programm des evang. Untergymnasiums zu Mühlbach 1873. Vgl. Liter. Central-
blatt Nr. 45.
152. Roth, Joh., Laut- und Formenlehre der starken Verba im Sieben-
bürgisch-Sächsischen. Ein Beitrag zur Grammatik dieses Idioms.
Archiv des Vereins f. siebenbürg. Landeskunde N. F. 11. Bd.
153. Rückert, H., zur Charakteristik der deutschen Mundarten in
Schlesien. III.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 125 — 140.
154. Göpfert, E., Dialectisches aus dem Erzgebirge. (75 S.).
Programm des Gymnasiums zu Annaberg 1873.
155. Spieß, Balth., die fränkisch-hennebergische Mundart. Mit einer
lithogr. Karte in 4. 8. (X, 102 S.) Wien 1873. Braumüller. 24 gr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 29.
156. Gebert, W., zur Geschichte der niederdeutschen Mundarten (38 S.).
Programm des Gymnasiums zu Kreuznach 1873.
157. Sallmann, Carl, die deutsche Mundart in Estland. Ein Versuch.
8. (IV, 69 S.) Cassel 1873. Kay. l/3 Rthlr.
Vgl. Europa 1873, Nr. 43.
158. Jessen, E., Notitser om Dialecter i Herjedal og Jemtland 8. (57 S.)
Christiania 1872. Mailing.
159. Ferguson, R., the dialect of Cumberland: with a chapter on its
place-names. 8. (230 S.). London 1873. 5 sh.
160. Nodal, J. H., the dialect and archaisms of Lancashire. First report
of the Glossary Committee of the Manchester Literary Club 1873.
161. Murray, the dialect of the Southern counties of Scotland. 1873.
Vgl. Academy 1873, Nr. 77.
162. Hoffmann von F a llersleben, Volkswörter.
Wagners Archiv I, 241—290.
163. Willmann, Volkstümliches und Sprachliches aus der Baar.
Alemannia I, 298—303.
164. Schmeller,J. Andr., Bayerisches Wörterbuch. Zweite, mit des Ver-
fassers Nachträgen vermehrte Ausgabe im Auftrage der historischen Commission
bei der k. Akad. d. Wiss. bearbeitet von G. K. Frommann. 8. Lieferung.
München 1873. Oldenbourg.
165. Hintner, Val., Beiträge zur Tirolischen Dialektforschung I. 8.
(48 S.) Wien 1873. Beck. 8 gr.
Programm des akadem. Gymnasiums zu Wien.
166. Hügel, Dr. Fr. S., der Wiener Dialekt. Lexicon der Wiener Volks-
sprache. 8. Wien 187 3. Ilartleben. li/G Rthlr.
Vgl. Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 469 ff. f Hintner); Zeitschrift f. d. Öster-
reich. Gymnasien 24, 7. 8. Heft; Liter. Centralblatt 1873, Nr. 45 (Braune); Liter. Ver-
kehr Nr. 10; Allgem. Modenzeitung Nr. 32.
VI. MUNDAKTEN. 459
167. Rubehn, Beiträge zu einem Idiotikon des Oderbruchs und der an-
grenzenden Gegend.
Mittheilungen des historischen Vereins zu Frankfurt a. O. 1873.
168. Trachsel, C. F., Glossarium der Berlinischen Wörter und Redens-
arten. 8. (68 S.) Berlin 1873. Stargardt in Comm. 16 gr.
169. Fuß, M., zur Etymologie nordrheinfränkischer Provinzialismen (14 S.).
Programm der Ritterakademic zu Bedburg 1873.
170. Winkler, Job., Allgcmeen nederduitsch en friesch Dialecticon.
2 Bde. 8. Haag 1873. Nijhoff. 6 Rtblr.
171. Ordbok öfver almogeord i Helsingland. Utg. af Helsinglands forn-
minnesällskap. 4. (88 S.) Hudiskrall 1873. Hellström. 2% rd.
172. Deutsche Mundarten. Anthologie aus den Gebieten mundart-
licher Dichtung als ethnographisch-humoristischer Beitrag zur Kenntniss deut-
schen Volkslebens. Mit einer Einleitung von Fr. Giehne. 8. (XX, 232 S.) Wien
1873. Hartleben, l1/,-, Rtblr.
Vgl. Europa 1873, Nr. 44; Siebenbürg, deutsches Wochenblatt Nr. 44.
173. Stutz, J., Gemälde aus dem Volksleben. In Zürcherischer Mund-
art. 2 Bde. 3. Auflage. 8. (144, 207 S.) Zürich 1873—74. Schultheis. 1 Rtblr.
23 gr.
174. Siber, L., 's Liebes-Exame. E lustig Hirothsgeschichtli, wo der
Franz vo Kobell z Minchen ersunne und der Baslerbeppi am Rhisprung us
em Oberbairischen ins Baselditsch übersetzt hat. 16.(15 S.) Basel 1873. Schwig-
huserei.
175. Bergmann, F. W., Straßburger Volksgespräche in ihrer Mundart
vorgetragen und in sprachlicher, literarischer und sittengeschichtlicher Hinsicht
erläutert. 8. (174 S.) Straßburg 1873. Trübner. lV3Kthlr.
Vgl. Liter. Centralbl. 1874, Nr. 27; Götting. Gel. Anz. 1873, Nr. 40 (Liebrecht);
Magazin f. d. Literatur des Auslandes Nr. 31.
176. He bei 's, J. P., Werke. Mit einer Einleitung von G. Wendt. 2 Bde.
(XII, 303; VI, 285 S.) gr. 8. Berlin 1873. Grote. '/2 Rthlr-
177. Hebel 's, J. P., Werke. Neue revid. Auflage mit Hebels Bildniss
und Biographie. 1 — 15. Liefg. 8. München 1873. Homolatsch. ä 47, gr.
178. Hebel's, J. P., allemannische Gedichte. 8. (XXI, 108 S.) Berlin
1873. Grote. 6 gr.
179. Hebel's, J. P., allemannische Gedichte. Für Freunde ländlicher Natur
und Sitten. Neue revid. Volksausgabe. 2. Aufl. 16. (XIV, 176 S.) Aarau 1873.
Sauerländer. 1/3 Rthlr.
180. Hebel's, J. P., allemannische Gedichte. Herausgegeben und erläutert
von E. Götzinger. Mit einer Karte. 8. (XXIX, 204 S.) Aarau 1873. Sauer-
länder. 1 V5 Rthlr.
Vgl. Schweizer. Bibliographie Nr. 7; der Literaturfreund Nr. 11.
181. Keller, F., Doarasclileah von eigene und frende Hecka. Firn'
Sammlung von Gedichten in schwäbischer Mundart zur l'ntei 'haltung in Gesellen-
ond anderen Vereinen. 2. Aufl. 16. (100 S. Kempten 1873. Kösel. <s gr.
182. Eichrodt, Ludw., rheinschwäbische Gedichte in mittelbadischer
Sprechweise. 2. Aufl. 16. XIV, 212 S. Karlsruhe L873. Braun. IS gr.
183. Nadler, K. G., Fröhlich Palz, Gott erbalt'al Gedichte in Pfalzer
Mundart. 6. Aufl. 16. (X, 237 S.) Frankfurt a. M. 1873. Winter. 27 gr.
460 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
184. Dewils, Heinz, der Heedelberger Draguner-Wachtmeester. Ein
humoristisch-satyrisches Saldotebild. 2. Bd. 8. (254 S.) München 1873. Braun
und Schneider. 1 Rthlr.
185. Priem, J., Konrad Grübel und seine Nachfolger in der Nürnber-
gischen mundartlichen Dichtung. 8. Nürnberg 1873. Ebner. 2/3 Ethlr.
186. Jungmai r, Rud., Gmundener Blüemel'n oder nu a mal allerloa
Gedangä, Gsängl und Begebnuss'n in ob der enns'scher Volksmundart. 3. Aufl.
16. (225 S.) Salzburg 1873. Dirr. 16 gr.
187. Kiesheim, A. Frh. v., s' Schwarzblatl aus'n Weanerwald. Gedichte
in der österreichischen Volksmundart. 1. Bd. 5. Aufl. 16. (185 S.) Wien 1873.
Gerold. lV5 Rthlr.
188. Palm, H., Girgl und Hons. Gedicht in schlesischer Mundart vom
J. 1741. Mitgetheilt.
Rübezahl 1873, 8. Heft.
189. Misnan, R., Proben der niederschlesischen Mundart.
Deutscher Sprachwart 1873, 7. Bd., Nr. 17.
190. Lehfeld, mundartliche Proben im Oberlausitzer und im Glogau- Frei-
städter Dialekt.
Rübezahl 1873, 9.— 10. Heft.
191. Gedichte, humoristische, in obererzgebirgischem Dialekt. 8. Anna-
berg 1873. Lützendorf. 3 gr.
192. Spöttelkärmse, De. Dr griene Muhndag. In Erfurter Mundart.
16. (32 S.) Erfurt 1873. Körner. 1% gr.
193. Sommer, A., Bilder und Klänge aus Rudolstadt in Volksmundart.
5. Bdchen. 6. Aufl. Rudolstadt 1873. Fröbel. Va Rthlr.
194. Lentz, M., Späss en Ierscht. Liddercher a Gedichten. 8. (319 S.)
Luxemburg 1873. Bück. 1 Rthlr. 2 gr.
195. Rodange, M., Renert oder de Fuuss am Frack an a Ma'nsgresst.
8. (254 S.) Luxemburg 1872. Schaumburger in Comm. 12 gr.
196. H(offmann) v. F(allersleben) , zur Thierfabel.
Wagners Archiv I, 224. Niederd. Gedicht des 17. Jhs.
197. Verzällchen, dat, vam Fuß un vam Wolf. [Aus einer alten Hand-
schrift abgedruckt.] 8. (16 S.) Elberfeld 1873. Lucas in Comm. 3 gr.
198. Galantryi- Waar'. Schwanke und Gedichte in sauerläudischer
Mundart vom Verf. der: Sprickeln und Spöne, Grain Tuig u. s. w. 2. Aufl. 8.
(100 S.) Soest 1873. Nasse. '/3 Rthlr.
199. Biedenweg IL, Fr., Harten, Smarten un Begebenheiten. Bunte
Biller ut mine Lebenstid in dree Afdeelungen. 16. (VIII, 113 S.) Stade 1873.
Pockwitz in Comm. 8 gr.
200. Groth, Klaus, Vun den Lüttenheid.
Der Salon 1873, 7. Heft, S. 877 ff.
201. Blomen, en por, ut Annmarieke Schulten ehren Goren von A. W.
Herausgeg. vou Fritz^Reuter. 3. Aufl. 8. (VI, 194 S.) Greifswald 1874. Bin-
dewald. 1 '/3 Rthr.
202. Buckow, Fritz, Fritz de Dithmarscher Buerjung, oder de Angeische
Godsherr. Wohrheit un Dichdung. 8. (VII, 205 S.) Lübeck 1873. G. Schmidt
Wittwe. 1 Rthlr.
203. Dalmer, K., dre Rügensche Lööschens verteilt in Rügensch Platt -
dütsch. 2. Uplage. 8. (32 S.) Stralsund 1873. Hingst Nachfolger. 6 gr.
VII. MYTHOLOGIE. 4ßl
204. Palleske, 0., Kuddelmuddel. Plattdütsche Gedichte. 2. Auflage. 8. '
(Vni, 247 S.) Stralsund 1873. Hingst Nachfolger. % Rthlr.
205. Swann eblummen. Jierboekje for it jier 1873. 8. Herrenven
1873. Hingst.
206. De Bijekoer, frisk jierboekje for 1873. 28. Jiergong. 8. Frentsjer
1873. Teienga.
207. Forjit mi net, Tidskrift fen t selskip for Friske Tael end Schriften-
kennisse. 3. boek. 2 Hefte. Herrenven 1873. Hingst. 30 c.
208. Agrikler, Rhymes in the West of England Dialect. Bristol 1872.
209. Gibson, A. C, Folk speech of Cumberland and some Districts
adjacent: being short Stories and Rhymes in the Dialects of the West Border
Counties. 2nd edition. 8. 1873. 3 sh. 6 d.
VII. Mythologie.
210. Bratuschek, E., germanische Göttersage. 8. (VIII, 300 S.) Berlin
1873. Staude. V/3 Rthlr.
211. Wagner, W., Unsere Vorzeit. Nordisch-germanische Götter und
Helden. 2. Ausg. 8. Leipzig 1873. Spamer. 2l/z Rthlr.
Vgl. Unterhaltungsblatt z. Mannheimer Zeitung 1874, 75 f.
212. Arentzen, Kr., og St. Thorsteinsson, Nordisk Mythologi efter
Kilderne. 3. Opl. 8. (128 S.) Kjöbenhavn 1873.
213. Dorph, C, Omrids af den nordiske Mythologi. Til Skolebrug.
Sjette Oplag. 8. (40 S.) 1873. 40 sk.
214. Kroon, T. J., mythologisch woordenboek. Bewerkt naar aanleiding
van Terwen, handwoordenboek der mythologie. III. Germaansche en Noordsche
mythologie. 8. Arnhem 1873. Thieme.
215. Findeklee, Ch. W., Mythologie der Griechen und Römer, der
Ägypter und Nordländer. Für Töchter aus den gebildeten Ständen. 9. Aufl. 8.
(138 S.) Halle 1873. Schwabe. '/„ Rthlr.
216. G^ruzez, E., petit cours de mythologie, contenant la mythologie
des Grecs et des Romains, avec un precis des croyances fabuleuses des Indous,
des Perses, des Egyptiens, des Scandinaves et des Gaulois. 13e Edition. 18.
(144 S.) Paris 1873. Hachettr. 90 c.
217. Petiscus, A. H., Olympen eller Grekernas och Romarnes mytho-
logi jemte Egyptiernes, Indernes och de fornnordiska folkens gudalära. Bear-
betad öfversättning frän tyskan af S. G. Dahl. (8. 316 S.) Stockholm 1873.
Hiertas. 3 rd.
218. Vollmer, W., Wörterbuch der Mythologie aller Völker. In lOLiefrgn.
3. Aufl. 1 Liefg. 8. (48 S.) Stuttgart 1874. Hoffmann. '/., Rthlr.
219. Göler, v., die Uroffenbarung in der altnordischen Götterlehre
(Edda und Bibel). Eine mythologische Studie. I. Tl.
Deutsche Blätter von Püllner 1873, ■'*>. 5.
220. Bodin, Th., die Göttersagen unserer Altvordern. 1—5.
Sonutagsblatt von Dnncker 1873, Nr. 24 ff.
221. Dahn, F., altgermanisehes Heidenthum im süddeutschen Volksleben
der Gegenwart. I — III.
Im neuen Reich 1873, Nr. öu— y-J.
462 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
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1. Die „weißen Frauen" in der Mark. 2. Die Riesen.
Wochenblatt der Johanniter Ordens Balley Brandenburg 1873, Nr. 32. 36.
223. Wis^n, Th., Oden och Loke, tvä bilder ur fornnordiska gudaläran.
8. (IV, 109 S.) Stockholm 1873.
224. Sepp, die Schimmelkirchen der Holledau.
Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 56.
225. Sepp, Wodan als Roßdieb und die Schimmelcapellen der Holledau.
Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 63.
226. Tubino, le marteau de Thor.
Vgl. Revue de linguistique VII, 1.
227. Kern, H., Nehalennia.
Revue celtique 2. Bd. 1. Heft.
228. Reville, Albert, un autel de Nehalennia trouve" prös de Dombourg
(Zelande).
Ebenda; vgl. Bibliographie 1872, Nr. 213.
229. Eye, v., die heilige Walburg als deutsche Gaugöttin in der Kunst
des 16. Jahrhunderts. Mit Abbildung.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 65 — 70.
230. Bodin, Th., die Moosweibchen, Lohjungfern und Holzfräulein der
deutschen Volkssage.
Sonntagsblatt von Duncker 1873, Nr. 22.
231. Hasenkamp, R., die Mondflecken in Sage und Mythologie.
Globus von K. Andree 1873, 23. Bd.
232. Hasenkamp, R., die Eclipsen des Mondes in der Volkssage.
Das Ausland 1873, Nr. 27.
233. M(üllenhoff), K., Segen.
Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 429 f.
234. Czerny, A., Wundsegen von den drei Brüdern.
Germania 18, 234.
235. Frommann. Orakelfragen und Wassersegen.
Anzeiger f. Kunde A. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 262—264.
236. Hg, A., mittelalterliche Heil- und Segenssprüche.
Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 226—229.
237. Tobler, L., Mythologie und Moral.
Im neuen Reich 1873, Nr. 31.
238. Lang, A., Mythology and fairy tales.
The fortnightly Review 1873, Mai, S. 618 ff.
239. Fiske, John, Myths and myth-makers, old tales and superstitions,
interpreted by comparative mythology. 12. (VI, 252 S.) London 1873. Trübner.
10 s. 6 d.
Vgl. Revue critique 1873, Nr. 43; Academy Nr. 79; Revue de linguistique VII, 1.
240. Gubernatis, A. de, die Thiere in der indogermanischen Mytho-
logie. Aus dem Englischen übersetzt von M. Hartmann. 1. Hälfte. 8. (XXIV,
336 S.) Leipzig 1874. Grunow. 3% Rthlr.
Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1874, Nr. 20 (Wilken) ; Wisseuschaftl. Monatsblätter
II, 7; Lehmanns Magazin 1874, Nr. 19; Gienzboten Nr. 6; Europa Nr. 8; Illustiirte
Zeitung; Nr. 1607.
VIII. MÄRCHEN UND SAGEN. 4G3
VIII. Märchen und Sagen.
241. Treitschke, R., zur Poetik des Märchens.
Wissenschaft!. Beilage der Leipziger Zeitung 1873, Nr. 75 — 76.
242. Grimm, Brüder, Kinder- und Hausmärchen gesammelt. Große Aus-
gabe. 12. Aufl. 8. Berlin 1873. Besser. 2 Rthlr.
243. Grimm, Brüder, Kinder- und Ilausmärchen. Kleine Ausgabe. 18. Aufl.
16. Berlin 1873. Dümmler. */, Rthlr.
244. Bechstein, L., neues deutsches Märchenbuch. 24. 25. Auflage. 8.
Wien 1873. Hartleben. 12 gr.
245. Braut, G., deutsche Mythen- und Sagenmärchen für die jüngere
Jugend. 2. Aufl. 16. Wien 1873. Perles. 18 gr.
246. Sutermeister, 0., Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz.
2. mit Zusätzen, Erläuterungen und literarischen Nachweisen vermehrte Auflage.
16. (258 S.) Aarau 1873. Sauerländer. 1 Rthlr. 6 gr.
Vgl. Lehmanns Magazin 1873, Nr. 14; der Literaturfreund I, 7; Europa Nr. 39;
die illustrirte Schweiz Nr. 79; über Land und Meer 1874, Nr. 7.
247. Sehlesische Märchen und Sagen.
Rübezahl 1873, Heft 8.
248. Köhler, R., die Schwanke vom Bauer Einhirn und vom Bauer
Grillet.
Germania 18, 152—159.
249. Liebrecht, F., zur Chronik von Zimmern.
Germania 18, 175 — 185.
250. Hahn. Dr. J. G. vou, sagwissenschaftliche Studien. 4. — 7. Liefg.
8. Jena 1873. Mauke.
251. Birlinger, A., die deutsche Sage, Sitte und Literatur in Predigt
und Legendenbüchern.
Österreich. Vierteljahrsschrift für kathol. Theologie 1873, 3. Heft.
252. Wesendon ck. Mathilde, Gedichte, Volksweisen, Legenden und
Sagen. 16. (X, 262 S.) Leipzig 1874. Dürr. 1% Rthlr.
253. Herchenbach, W., der verzauberte Berg. Eine Sage aus dein
Munde des Volkes. 16. (61 S.) Mülheim a. d. R. 1873. Bagel. 2% gr.
254. Birlinger, A., Aus Schwaben. Sagen, Sitten und Gebräuche. Di
,, Volkstümlichen" Neue Sammlung.) 1. Bd. 8. Wiesbaden 1873. Killinger.
Vgl. Jahreszeiten 1873, Nr. 26; Allgem. Modenzeitung Nr. 26; Rheinischer Kurier
Nr. 292; Schweizer. Bibliographie III, 1l'.
255. Pasch, K., zur Kunde der Sagen, Mythen und Bräuche im Inn-
viertel. 1. Beitrag. 8. (22 S.) Programm des Real- und Obergymnasiums zu
Ried 1873.
256. Kärntnerische Vol kssagc n.
Carinthia. Zeitschrift tiir Vaterlandskunde, Belehrung and Unterhaltung. Herausg.
vom Geschichtsvereine in Kärnten. 63. Jahrg. Nr. 1. '_'. Klagenfurt 1*7."..
257. Fraucisci, J., Sagen vom Reißkofl im Gailthale.
Carinthia 1873, Nr. 9.
258. Waizer, 1.'.. Lavantthaler Sagen.
Carinthia 1873, Nr. L2.
259. Volks thüm lieh es vom und am Zobten aufgesammelt durch
R. Riedel. 1. 2.
Rübezahl 1873, Nr. 1.
464 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
260. Freund, J., Rübezahl. Sagen und Erzählungen von dem alten
Berggeiste. Aus dem Munde des Volkes gesammelt und poetisch bearbeitet. 16.
(68 S.) Warmbrunn 1873. Liedl. % Rthlr.
Vgl. Rübezahl 1873, 9. Heft.
261. Fuhrmann, Alois, Sagen aus der Frankensteiner Gegend.
Rübezahl 1873, 10. Heft.
262. Wolfram, R., sächsische Volkssagen. 3. Bdchen. 8. (110 S.)
Zwickau 1873. Döhner. 3 gr.
263. Lauckhard, C. F., Sagentypen aus Thüringen.
Aus allen Welttheilen von O. Deutsch. 4. Jahrg. (1873), August, September.
264. Werneburg, Oberforstmeister, die Sage vom zweibeweibten Grafen
von Gleichen.
Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde von «Erfurt
6. Heft (1873).
265. Thiele, R., aus dem Unterharze.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 152—155.
266. Bindewald, Tb.., Oberhessisches Sagenbuch. Aus dem Volksmunde
gesammelt. Neue vermehrte Ausgabe. 8. (242 S.) Frankfurt a. M. 1873. Heyder
und Zimmer. 1 Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 28; Theolog. Jahresbericht Nr. 7; National-
Zeitung Nr. 470; Neue evangel. Kirchenzeitung Nr. 33; Christi. Volksblatt Nr. 36 f.
267. Reuter, Dr., die Sagen von dem Altkönig. 8. (31 S.) Frankfurt
a. M. 1873. Keller. 6 gr.
268. Müller von Königswinter, Wolfg. , Dichtungen eines rheinischen
Poeten. 3. Bd. Lorelei. Rheinisches Sagenbuch. 4. Aufl. 8. (XII, 296 S). Leip-
zig 1873. Brockhaus. 1% Rthlr.
269. Grandjean, M. C, die sieben versteinerten Jungfrauen bei Ober-
wesel.
Westermanus illustrirte Monatshefte 1873, November, S. 227 f.
269". Wanderblöcke und Sagen aus Ostfriesland, Arenberg-Meppen,
Osnabrücksches Gebiet.
Für Schule und Haus, Hannoversches Zeitblatt 1873, Nr. 13—18. Ebendas. Nr.
•20 — 22: Sagen von Dorfte im Harz, Nr. 52: Weihnachtsgebräuche.
270. Crecelius, W-, die Herren von Hardenberg.
Abdruck aus der Zeitschrift des bergischen Geschichtsvereines.
271. Wedde, Joh., die Linde von Harvestehude. Hamburgische Volks-
sage (Gedicht).
Die Literatur von Riotte und Wislicenus 1873, Nr, 24.
272. White, J. P., Lays and legends of the Euglish lake country. With
copious notes. 8. (350 S.) London 1873. J. R. Smith. 6 sh.
273. Harland, John, and T. T. Wilkinson, Lancashire Legends,
Traditions, Pageants, Sports etc. With an appendix containing a rare tract on
the Lancashire Witches. London 1873.
274. Bottrell, William, Traditions and hearthside stories of West Com -
wall. Second Series. 8. (IV, 300 S.) London 1873. Trübner. 6 sh.
Vgl. Athenaeum 1873, Nr. 2390.
275. Sagen und Legenden aus Wales und Irland.
Das Ausland 1873, Nr. 27.
276. Kinkel, Gottfr., Simrocks Heldenbuch.
Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 344 f. Die Entwiekelung der Heldensage.
VIII. MÄRCHEN UND SAGEN. 465
277. Heldensagen. (Das Nibelungenlied. Rostein und Suhrab. Gudrun).
Für Jung und Alt bearbeitet, insbesondere den deutschen Jungfrauen und
Frauen gewidmet von Dr. J. Söltl. 8. (VI, 238 S.) Wien 1873. Hartleben.
1 Rthlr.
278. Meyer, C, die Nibelungensage. 4. (40 S.) Basel 1873. Schneider.
16 gr.
Vgl. Europa 1873, Nr. 36.
279. Steiger, Karl, die verschiedenen Gestaltungen der Siegfriedssage
in der germanischen Literatur. Übersicht ihrer Entwicklung und ihres Verhält-
nisses zu einander. 8. (124 S.) Hersfeld 1873. Höhl. 20 gr.
280. Crecelius, W., Nibelunc. Baselwint.
Zeitschrift für deutsche Philologie 4, 454.
281. Köhler, R., eine Sage von Theoderichs Ende in dem 'Libro de
los Enxemplos .
Germania 18, 147—152.
282. Klee, Gotthold Ludwig, zur Hildesage. 8. (58 S.) Leipzig 1873.
(Dissertation.)
283. Meyer, Joh., Flurnamen aus der deutschen Heldensage.
Alemannia I, 262 f.
284. Zur Geschichte der deutschen Thierfabel.
Deutsche Monatshefte 1873, 2. Bd. 6. Heft.
285. Wigger, Dr. Fr., Spuren der Thiersage auf mittelalterlichen Siegeln.
Jahrbücher des Vereins f. mecklenburg. Geschichte 38. Band (1873).
286. Schuchardt, H., Virgil im Mittelalter.
Im neuen Reich 1873, Nr. 9. Anknüpfend an Comparetti (Bibliogr. 1872, Nr. 263).
287. Virgil im Mittelalter.
Allgem. Zeitung 1873, Beilage 217 f.
288. Creizenach, W., Legenden und Sagen von Pilatus.
Paul und Braune, Beiträge I, 89 - 107.
289. Riese, A., zur Historia Apollonii regis Tyri.
Rheinisches Museum 27, 624—626.
290. Johannis de Alta Silva Dolopathos, sive de rege et septem sapien-
tibus. Herausgeg. von H. Oesterley. 8. Straßburg 1873. Trübner.
Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 42.
291. Studemund, W., zu Johannes de Alta Silva etc.
Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 415 — 425.
292. Lassalle, notice sur Saint-Graal d'apres la tradition, la legende
et le eulte. 12. (35 S.) Pau 1873. 25 c.
293. Böddeker, Dr. K., die Geschichte des Königs Arthur, nach einer
Chronik des Britischen Museums.
Archiv f. <1. Studium der neueren Sprachen 52, 1—32. Englische Prosa aus 1 1 * - 1
Zeit Heinrichs V.
294. Schwebe!, O., die deutschen Kaiser in der Volkssage.
Wochenblatt der Johanniter Ordens Balle; Brandenburg 1873, Nr. 24 f.
295. Schmidt, J., die Kaiser Friedrich- und KifFbäusersagen.
N. Mittheilungen aus dem Gebiel historisch-antiquarischer Forschungen 13. Bd.,
3. Hefl i
296. Dümmler, £., zur deutschen Kaisersage.
Historische Zeitschrift 1^7.; -j. Heft, S. 491 f.
297. Meyer — Knonau, <^., die Sage von der Befreiung der Waldstätte.
8. Basel 1873. Schweighauaer. '/3 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 5.
GERMANIA. Neue Keihe VH. (XIX. Jahrg.) 30
466 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
298. Rilliet, Albert, der Ursprung der schweizerischen Eidgenossenschaft.
Geschichte und Sage. 2. Aufl. Aus dem Französischen ins Deutsche übertragen
von C. Brunner. 8. Aarau 1873.
Vgl. Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, 27.
299,. Henne-am-Rhyn, Otto, die Wahrheit über Teil.
Die Gegenwart 1873, Nr. 19 f.
300. Leo, F. A., zum Abschluß der Frage vom Wilhelm Teil.
Magazin f. d. Literatur des Auslandes 1873, Nr. 11.
301. Vernaleken, Th., der ewige Jude.
Österreich. Wochenschrift 1872, Nr. 43. 44.
302. Moshamer, J. A., Geschichten vom Teufel mit Einschluß der
interessantesten Volks-Sagen, Geister- und Gespenster-Märchen , nationalen Ge-
bräuchen und Wahnwitz-Sprüchen. 16. (VI, 360 S.) Wien 1873. Wenedikt.
24 gr.
IX. Volks- und Kinderlieder, Sprichwörter, Sitten und Gebräuche.
303. Arnim, A. L. von, und Cl. Brentano, des Knaben Wunderhorn.
Alte deutsche Lieder gesammelt. 2 — 5. Liefg. 8. (S. 65 — 330). Wiesbaden 1873.
Killinger. ä 12 gr.
304. Arnim, A. L. von, und Cl. Brentano, des Knaben Wunderhorn.
Alte deutsche Lieder. Mit Holzschnitten nach Zeichnungen von Ad. Schmitz
und Alex. Zick und einer Einleitung von Gust. Wendt. 8. 1 — 7. Lief, (l Bd.
XVI, 512 S., 2. Bd. S. 1 — 304). Berlin 1873. Grote. ä */4 Rthlr.
Vgl. zu beiden Ausgaben Saturday Review 1874, 21. März; Kölnische Zeitung
1873, Nr. 347; Norddeutsche Allgem. Zeitung Nr. 288; Tribüne Nr. 144; Rheinischer
Kurier Nr. 292 ; Zeitschrift f. d. Gymnas. 28, 2 (Eichholz) ; Grenzboten 1873, Nr. 7 ; All-
gem. Liter. Zeitung Nr. 18; Lehmanns Magazin Nr. 28; Europa Nr. 26; Scholls päda-
gog. Anzeiger Nr. 3; Theolog. Literaturblatt Nr. 11; allgem. liter. Anzeiger XI, 1;
Volkszeitung Nr. 291.
305. Hoffmann von Fallersleben, Volkslieder.
Wagners Archiv I, 511 — 523.
306. Volksliederbucb, neues. Neue Auflage. 32. Reutlingen 1873. Enß-
lin u. Laiblin. 2 gr.
307. Kleissner, Dr. Otto, die Quellen zur Sempacher Schlacht und die
Winkelriedsage. 8. (VI, 68 S.) Göttingen 1873. Dieterich. 1jn Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 50.
308. Flugi, A. v., die Volkslieder des Engadin. Nebst einem Anhang
engadinischer Volkslieder im Original und in deutscher Übersetzung. 8. (IV,
85 S.) Straßburg 1873. Trübner. 24 gr.
309. Schnadahüpfln, 500, Oberlandler- und neueste Volksliadln,
Österreicher G'sangln und Walzer. 2. AuBage. 32. (126 S.) München 1873.
Höpfner u. Grammer. l3/4 gr.
310. Volkslieder aus Steiermark mit Melodien. Gesammelt und bear-
beitet von P. Rosegger und R. Heuberger. 8. Pest 1872. Heckenast. 24 gr.
Vgl. Österreich. Wochenschrift 1872, Nr. 46; Blätter f. liter. Unterhaltung 1873,
Nr. 33.
311. Palm, II., ein schlesisches Volkslied aus dem 14. Jahrhundert.
Wagners Archiv I, 354.
312. The Roxburghe ballads, reprinted from the unique copy in
the British Museum. Part I. (124 S.) London 1873. 2% sh.
IX. VOLKS- UND KINDERLIEDER, SPRICHWÖRTER etc. 467
313. Rauch, Chr., die skandinavischen Balladen des Mittelalters.
Programm des Friedrieh-Werder-Gymnasiums zu Berlin 1873.
314. Vernaleken, Th., und Fr. Branky, Spiele und Reime der
Kinder in Österreich. 8. (VI, 140 S.) Wien 1873. Sallmayer. 2/.< Rthlr.
315. Branky, Frz., Wetter- und Regenliedchen. Kinderüberlieferungen
aus Niederösterreich.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 155— 15(J.
316. Baker- en Kinder rijmen, Nederlandsche, verzameld en medege-
deeld door Dr. J. van Vloten. I. 2. druk. (64 S.) II. (67 S.) Leiden 1872.
Sijthoff. 30 cts.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 21 (Köhler).
317. Wander, K. F. W., Deutsches Sprichwörterlexicon. 42 — 45. Lief,
hoch 4. (Bd. 3, XXIII u. Sp. 1409 — 1870. Bd. 4, Sp. 1 — 128). Leipzig 1873.
Brockhaus, ä 2/3 Rthlr.
318. Wie das Volk spricht. Sprichwörtliche Redensarten. 7. neu durch-
gesehene und vermehrte Auflage. 16. (VIII, 220 S.) Stuttgart 1873. Kröner.
24 gr.
319. Binder, Dr. Wilh., Sprichwörterschatz der deutschen Nation. Aus
mündlichen und schriftlichen Quellen gesammelt, nebst sprachlichen, sachlichen
und geschichtlichen Erläuterungen. 8. (XIV, 224 S.) Stuttgart 1873. Schaber
in Comm. 1 Rthlr. 6 gr.
Vgl. BLätter für literar. Unterhaltung 1874, Nr. 27.
320. Schulze, Carl, die sprichwörtlichen Formeln der deutschen Sprache.
Archiv für das Studium der neueren Sprachen 51, 195 — 212. 52, 61 — 80.
321. Bartsch, Karl, Sprichwörter des XI. Jahrhunderts.
Germania 18, 310—353; vgl. S. 508.
322. Watten b ach, W., Sprichwörter.
Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 217—221.
323. Birlinger, A., alte gute Sprüche aus Geiler, Andern, der Zimme-
rischen Chronik.
Alemannia I, 303—407.
324. Latendorf, Fr., zur Sprichwörteikunde.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. .352 f.
325. Latendorf, Fr., L. v. Passavant gegen Agricola's Sprichwörter
in wortgetreuem Abdruck. 4. (34 S.) Berlin 1873. Calvary. Vo Rthlr.
Vgl. Lehmanns Magazin 1873, Nr. 33; Götting. Gel. Anzeigen L873, Nr. 49 (Geiger).
326. Schönwerth, Fr. X. v., Sprichwörter des Volkes der Oberpfalz
in der Mundart.
Verhandlungen des historischen Vereins von Oberpfalz und Regensbprg 2'.». Bd,
(1873.)
327. Wagner, J. M.. Waidsprüche und Jägerschreie.
Wagners Archiv I, 133—160.
328. Köhler, R., weinende Augen haben Büßen Mund.
Germania 18, 113 f.
329. Hoefer, A., die San in den Kessel treiben.
Wagners Archiv I. L67 182.
330. Saringar, W. II. 1>.. Erasmus over nederlandsche preekwoorden
en eprcekwoordenlijkc uitdrukkinpm van zijnen tijd, oit's mans Adagia op
30*
468 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
meld en uit andere, meest nieuw^re geschriften opgehelderd. 8. (4? CIV, 596 S.)
Utrecht 1873. Kernink. 12 f.
Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 50; Reusch, theolog. Literaturblatt 1874, Nr. 2;
Blätter f. liter. Unterhaltung Nr. 27.
331. Hall, H. C. v., spreekwoorden en voorschriften in spreuken, be-
treffende landbouw en weerkennis. 8. (VIII, 80 S.) Haarlem 1873. f. 0,75.
332. Muir, J. A., a handbook of proverbs, english, scottish, irish, ame-
rican, skakspearean and scriptural; and family mottoes, with the names of
the families by whom they are adopted. 12. (156 S.) London 1783. Rout-
ledge. 1 sh.
333. Muir, J. A., a handbook of proverbs, mottoes, quotations and phrases.
8. (506 S.) Ebend. 3 sh. 6 d.
334. Swainson, Rev. C, a handbook of weather folk-lore: being a
collection of proverbial sayings in various languages relating to the weather.
With explanatory and illustrative notes. London 1873. Blackwood.
Vgl. Athenaeum 1873, 29. Nov.
335. Heinemann, 0. v., drei lateinische Räthsel des Mittelalters.
Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873. Sp. 360. Aus einer Wolfenbüttler
Hs. des 13. Jahrhs.
336. Drohsin, Fr., 40 Volksräthsel aus Hinterpommern.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 146 — 151.
337. Köhler, R., die deutschen Volksbücher von der Pfalzgräfin Genoveva
und von der Herzogin Hirlanda.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 69 — 73.
338. Historie von der schönen Hirlanda. 8. Reutlingen 1873. Enßlin
und Laiblin. 1 gr.
Ebenda: die schöne Magelona. 2 gr. Die Sage vom ewigen Juden. 1 gr. Faust
2 gr. Tyll Eulenspiegel. 2 gr.
339. Müldener, Rud., Till Eulenspiegels lustige Fahrten und Schwanke.
Der lieben Jugend erzählt. Mit 12 Abbild. 4. (8 S.) Leipzig 1873. Opetz. 18 gr.
340. Hoefer, A., Von Sitten, Bräuchen, Namen und Ausdrucksweisen.
Germania 18, 1 — 28.
341. Lieb recht, F., Kleine Beiträge.
Germania 18, 453 — 458. 1. Heidenwerfen. 2. Das Brückenspiel. 3. Aschgeber-
straße. 4. Tpru, purt. 5. Fander, Fanner.
342. Seltsamkeiten des Aberglaubens.
Europa 1873, Nr. 43.
343. Baader, Joseph, Sitten und Gebräuche in Bayern.
Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 1873, S. 521-552. 585 — 630.
344. Gebräuche im Burggrafenamt.
Europa 1873, Nr. 50.
345. Reichel, R., kleine Beiträge zur Kenntniss des Volksglaubens und
Brauches in der wendischen Steiermark.
Mittheilungen des historischen Vereins f. Steiermark 20. Heft (1873), S. 18 ff.
346. Vocke, H., das Pflugfest in Hollstadt, ein altes Fest der Deutschen.
Illustrirte Zeitung Nr. 1547 (1873).
347. Blind, H., das Osterfest und die Verbrennung der Juden. Beitrag
zur germanischen Mythologie.
Nürnberger Presse 1873, Nr. 126.
X. ALTERTHÜMER UND CULT URGESCHICHTE. 469
348. Kluge, Hennann, über die ursprüngliche Bedeutung und Gestalt
der Johannisfeste und der damit verwandten Feiern. 4. (48 S.)
Programm des Gymnasiums zu Mühlhausen i. Th. 1873.
349. E (inert), M., unsere Weihnachtsgebräuche und ihr Ursprung.
Schwäbische Kronik 1873, Nr. 300. 306.
350. Alte Weihnachtssagen.
Deutsche Zeitung 1872, Nr. 354.
351. Düringsfeld, J. v., das nordische Julfest.
Illnstrirte Zeitung Nr. 1590 (1873).
352. Roth v. Schreckenstein, der Schappelhirsch. Ein Hochzeits-
gebrauch.
Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 24, 420 ff. (1873).
353. Schieiden, M. J., Ursprung des deutschen Volksaberglaubens, be-
sonders in Bezug auf Pflanzen.
Westermanns illustr. Monatshefte 1873, Juni S. 280-299.
354. Engel, C, das Volksschauspiel Doctor Johann Faust. Mit geschicht-
licher Einleitung und einem Anhang: Bibliotheca Faustina. Die Literatur der
Faustsage von 1510 bis Mitte 1873. Systematisch und chronologisch zusammen-
gestellt. 8. (IV, 47 und V, 95 S.) Oldenburg 1873. Schulze. 28 gr.
Deutsche Puppenkomödien, 1. Theil. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 52 ; Leh-
manns Magazin Nr. 20; Blätter f. liter. Unterhaltung Nr. 33 (Rückert); Spenersche
Zeitung Nr. 403; Nationalzeitung Nr. 123; Jahreszeiten 1873, Nr. 50.
355. Simrock, K., Faust. Das Volksbuch und das Puppenspiel. 8. (VIII
204 S.) Frankfurt a. M. 1873. Winter. % Rthlr.
Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 37 (Rückert) ; Europa Nr. 14; Deutsche
Blätter Nr. 17; Belletrist. Beilage zur Frankfurter Börsenzeitung Nr. 33.
356. Passionsspiel, das große, zu Brixlegg in Tirol. Geschildert von
J. P. v. II. 16. (137 S.) Innsbruck 1873. Wagner. 6 gr.
X. Alterthümer und Culturgeschichtc.
357. Holtzmann, Adolf, germanische Alterthümer mit Text, Übersetzung
und Erklärung von Tacitus' Germania. Herausgeg. von Alfr. Holder. 8. (IV,
313 S.) Leipzig 1873. Teubner. 2 Rthlr. 20 gr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 30 (Brandes); Revue critique Nr. 4ß; Philol.
Anzeiger VI, 1 (Kaufmann); Wiss. Beilage der Leipz. Zeitung Nr. ">•"»; Allgem. Liter.
Zeitung Nr. 24; Allgem. Zeitung Beilage 117.
358. Baumstark, Ant., urdeutsche Staatsalterthümer zur schützenden
Erläuterung der Germania des Tacitus. 8. (XIX, 977 S.) Berlin 1873. Weber.
71/, Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874, \i 21; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 19 (Meibom);
Histor. polit. Blätter 7:;. Bd., 8. Heft (1874).
359. Taciti, C, Germania antiqua. Libellum posl M. Hauptium cum
alioruin veterum auetorum locis de Germania praeeipuis ed. K. Muellenhoffius.
8. (169 S.) Berlin 1873. Weidmann. 1 Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874, NY 21; Revue critique Nr. 20; Jahrbücl
Philologie 109. Bd. 6 6. Befl Bchweizer-ßidler).
360. Taciti, C, Germania. Erklärt von C. Tuecking. 2. verb. Aufl. 8.
(64 8.) Paderborn 1873. Schöningh. 6 gr.
861. Tacitus, C, by W. \i. Donne. (Ancient claBsics.) 12. (194 S.J
1873. 2 sh. 6 d.
470 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
362. Taciti, C, quae exstant opera, juxta accuratissimam D. Lallemant
editionein. 18. (480 S.) Paris et Lyon 1873.
363. Zur Literatur über Tacitus' Germania.
Allgem. Zeitung 1873, Beilage 117.
364. Zur Germania des Tacitus.
Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 24. Bd. 11. Heft.
365. Kaufmann, G., über eine vielbestrittene Stelle von Tacitus Germania.
Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 326.
366. Kaufmann, G-, ein Mißverständniss des Tacitus. 8. (29 S.) Straß-
burg 1874. Schultz. V3 Rthlr.
367. Merkel, Dr. Friedr., Deutschlands Ureinwohner. Vortrag. 8. (28 S.)
Rostock 1873. Stiller. V4 Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 2.
368. Müllenhoff, K., von der Herkunft der Schwaben.
Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 57 — 71.
369. Steub, L., Kleinere Schriften. 2. Bd. Literarische Aufsätze. 8.
(IV, 271 S.) Stuttgart 1873. Cotta. 1 % Rthlr.
Enthält u. a. : Abstammung, Ursitz und älteste Geschichte der Baiwaren; die
heidnische Religion der Baiwaren; Meier Helmbrecht und seine Heimat etc.
370. Die Alterthümer unserer heidnischen Vorzeit. Nach den in öffent-
lichen und Privatsammlungen befindlichen Originalien zusammengestellt und heraus-
gegeben von dem römisch-germanischen Centralmuseum in Mainz durch dessen
Conservator L. Lindenschmit. 3. Bd. 3. Heft. gr. 4. (12 S. mit 6 Steintafeln.)
Mainz 1873. v. Zabern. 5/e Rthlr-
371. Meyer v. Knonau, Gerold, Alaiaannische Denkmäler in der Schweiz.
1. Abtheilung. 4. Zürich 1873. Höhr in Comm. 23 gr.
Mittheilungen der antiquar. Gesellschaft in Zürich 18. Bd. 3. Heft.
372. Oligschläger, F. W., Römische und germanische Alterthümer im
Bergischeu.
Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinland, 53. Heft. Bonn
1873. 8.
373. Evans, John, the ancient stone implements weapons and Ornaments
of Great Britain. London 1872. Longmans.
Vgl. dazu Andree in den Grenzboten 1872, Nr. 47.
374. Blell, Theod., Reconstruction eines germanischen Rundschildes aus
der Eisenzeit in der Sammlung der Alterthumsgesellschaft Prussia zu Königsberg.
Altpreußische Monatsschrift 10. Bd. (1873), Juli— Sept.
375. Friedel, E., über niederländische Alterthümer. Vortrag.
Zeitschrift für Ethnologie 5. Jahrgang (1873), 1, 33-42.
376. Hildebrand, Dr. Hans, das heidnische Zeitalter in Schweden.
Eine archäologisch-historische Studie. Nach der zweiten schwedischen Original-
ausgabe übersetzt von J. Mestorf. Mit 44 Holzschnitten und einer Karte. 8.
(XII, 228 S.) Hamburg 1873. Meissner. 2 Rthlr.
Vgl. Liter. Centralbl. 1874, Nr. 12; Deutsche Monatsblätter III, 2 ; Westminster
Review Januar; Saturday Review 17. Januar; Allgem. liter. Anzeiger Nr. 81; Lit. der
Grazer Tagespost 1873, Nr. 2ü6; Jahreszeiten Nr. 39.
377. Montelius, Oscar, Om Lifvet i Sverige under Hednatiden. 8.(114 S.
mit 95 Holzschn.) Stockholm 1873. Bonnier. 12 gr.
378. Bendixen, B. E., Runebjerget ved Veblungsnses.
Aarböger for Oldkyndighed 1872, 3. Heft.
379. Vedel, E., Undersögelser angaaende den aeldre Jernalder paa Born-
holm. 8. (62 S. u. 218 Tafeln.) Kopenhagen 1873.
X. ALTERTHÜMEK UND CULTURGESCHICHTE. 47 1
380. Worsaae, J. J. A., de Danskes Kultur i Vikingetiden. 8. (44 S.
mit 29 Abbild.) Kopenhagen 1873.
381. Secher, C. E., Danmark i «Idre og nyere Tid eller historiske,
topografiske og kulturhistoriske Skildringer af Daumarks Kjöbstaede, Herregaarde
m. m. 1 — 20. Heft. 8. Kopenhagen 1873.
381*. Scherr, Joh., deutsche Cultur- und Sittengeschichte. 5. Aufl. 8. (XVI,
629 S.) Leipzig 1873. Wigand. 2% Rthlr.
382. Arnold, Bernhard, Krieg und Poesie bei den Hellenen und Ger-
manen.
Illustrirte Monatshefte 1872, Januar.
383. Elgger, Carl von, Kriegswesen und Kriegskunst der schweizerischen
Eidgenossenschaft im 14., 15. und 16. Jahrh. mit 10 Figurentafeln. 8. (XIX,
438 S.) Luzern 1873. Doleschal. 2 Rthlr.
Vgl. Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, October.
384. Der Waffeneid der germanischen Stämme.
Beilage zum deutschen Reichs-Anzeiger 1873, Nr. 29.
285. M(üllenhoff), K., Eidring.
Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 428 f.
386. Carriere, M., die Kunst im Zusammenhang der Culturentwicklung
und die Ideale der Menschheit. 3. Bd. Das Mittelalter. 2. Auflage. 8. Leipzig
1873. Brockhaus. 4V3 Rthlr.
387. Schuler-Libloy, Altgermanische Bilder aus der Zeit Karls des
Großen. Drei Vorträge. 8. (63 S.) Berlin 1873. Heimann. 1/6 Rthlr.
Historisch-politische Bibliothek, 52. Liefg.
388. Ennen, L., aus dem Gedenkbuch des Hermann Weinsberg.
Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 1873.
389. Daniel, G., Merrie England in the olden times. With illustrations
by J. Leech and K. Cruikshand. New edition. 8. (428 S.) London 1873.
Warne.
390. Müller-Für st enwalde, C, die Tafelrunden des Mittelalters.
Sonntagsblatt von Duncker 1873, Nr. 16.
391. Hehn, Victor, Das Salz. Eine culturhistorische Studie. 8. (74 S.)
Berlin 1873. Bornträger. 1 2 gr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 26.
392. Friedländer, Ludw., über die Entstehung und Entwicklung des
Gefühls für das Romantische in der Natur. 8. (IV, 45 S.) Leipzig 1873. Hirzel..
12 gr.
Vgl. Revue critique 1873, II, 387 ff.
393. Lilien cron, Freiherr von, über das erste Auftreten selbständiger
Musik als Gegenstand der Unterhaltung in Deutschland.
Sitzungsberichte der k. bayer. Akademie der Wissenschaften 1873, 5. Heft.
394. Scherr, Job., Geschichte der deutschen Frauenwelt. In drei Büchern
nach den Quellen. 3. Aullage. 2 Bde. 8. (X, 320, 310 S.) Leipzig 1873.
Wigand. 3 Rthlr.
Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1874, Nr. 12; Hessische Morgenzeitung Nr.
616t; v. ■ /.«■itmig Nr. !)622; Kölnische Nachrichten 1873, Nr. 203; Mähr. Correspond.
Nr. 247; D. Wochenblatt Nr. 50; Grazei I Nr. 282; Dresdner Presse Nr. 342;
Buropa Nr. 17.
395. Strack, Karl, aus dem deutschen Frauenleben. 1. Theil. Alterthum
und Mittelalter. 8. (270 S.) Leipzig 1873. Schlicke. 1% Rthlr.
472 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
396. Vatke, Th., Frauen und Frauenschönheit in der Poesie des Mittel-
em neuen Reich 1873, Nr. 32, S. 211 ff.
397. Zingerle, J. V., das deutsche Kinderspiel im Mittelalter. 2. verm.
Auflage. 8. (VI, 76 S.) Innsbruck 1873. Wagner. 18 gr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 27; Wiss. Beilage zur Leipziger Zeitung Nr 78.
398. Schmitz, J. P., ein altdeutsches Frühlingsfest.
Programm des Gymnasiums zu Montabaur 1873.
399. Linde, A. van der, das Schachspiel des XV. Jahrhunderts. Nach
unedierten Quellen bearbeitet. Lex. 8. (VIII, 209 S. m. eingedr. Holzschn.) Berlin
1873. Springer. 2% Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 26. 32.
400. Barre, Ernst, über die Bruderschaft der Pfeifer im Elsaß. Ein
Vortrag. Nebst urkundlichen Beilagen. 8. (54 S.) Colmar 1873. Decker. 12 gr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 13.
401. Schultz, Alwin, über Bau und Einrichtung der Hofburgen des
XII. und XIII. Jahrhunderts. Ein kunstgeschichtlicher Versuch. 2. Ausgabe. 4.
(52 S.) Posen 1873.
402. Falke, Jac, die Kunst im Hause. Geschichtliche und kritisch-
ästhetische Studien über die Decoration und Ausstattung der Wohnung. 2. Aufl.
8. (374 S.) Wien 1873. Gerold. 2 Rthtr. 12 gr.
Vgl. Saturday Review 1873, 15. Nov. ; Academy 1874, 7. März ; Voßische Zeitung
1873, 23. December; Deutsche Warte VI, 11.
403. Schmitt, E., über das bürgerliche Wohnhaus im Alterthume, im
Mittelalter und in der Neuzeit. 8. (19 S.) Prag 1873. Hunger.
404. Kelchner, Dr. Ernst, und Dr. Rieh. Wülcker, Mess-Memorial
des Frankfurter Buchhändlers Michel Härder Fastenmesse 1569. 4. (XVI und
50 autograph. S.) Frankfurt a. M. 1873. Baer. 1 1/3 Rthlr.
405. Wattenbach, W.; der Gandersheimer Kirchenschatz.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 345 — 347. Enthält auch
deutsche Worte, pelleles, budil etc.
406. Gengier, H. G., Seelbäder.
Zeitschrift für deutsche Culturgeschichte 1873, 571 — 582.
407. Essenwein, A., die Sündenwäsche.
Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 350 f. Mit Abbildung.
XL Kunst.
408. Quellenschriften für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des
Mittelalters und der Renaissance, herausgeg. von R. Eitelberger v. Edelberg.
4 — 5. Bdchen. 8. Wien 1873. Braumüllcr.
Vgl. Academy 1874, 4. Juli ; Literar. Handweiser Nr. 149.
409. Lübke, W., Grundriß der Kunstgeschichte. 6. Auflage. 2 Bde.
8. (VIII, 391 und XXIV, 430 S. mit 464 eingedr. Holzschn.) Stuttgart 1873.
Ebner und Seubert. 41/., Rthlr.
410. Lübke, W., Vorschule zum Studium der kirchlichen Kunst des
deutschen Mittelalters. 6. Aufl. Mit 226 Illustr. 8. (VIII, 269 S.) Leipzig 1873.
Seemann. 2 Rthlr.
411. Rahn, Prof. J. R., Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz.
1. Bd. 1. Abth. Von den ältesten Zeiten bis zum Schluße des Mittelalters. 8.
(192 S.) Zürich 1873. Schabelitz. 2 % Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 21.
XII. RECHTSGESCHICHTE UND RECHTSALTERTHÜMER. 473
412. Gerard, Charles, les artistes de l'Alsace pendant le moyen-äge.
Tome IL 8. (491 S.) Colmar 1873. Barth. 2'/., Kthlr.
413. Ross und Reiter in der deutschen Kunst.
Beilage zum preußischen Staats-Anzeiger 1873, Nr. 1. 2. (Deutsche Monatshefte
I, 71-78.)
414. V loten, J. van, Nederlands scbilderkunst van de 14" tot de 18e
eeuw, voor het Nederlandsehe volk geschetst. 8. (4, 356 S.) Amsterdam 1873.
van Kampen. 3 f. 50 c.
415. Leemans, C, oude muurschilderingen van de kerk te Bathmen in
Oberijsel. 4. (2, 57 S.) Amsterdam 1873. v. d. Post. 3 f. 55 ff.
416. Bereitung und Behandlung der Malerfarben iin 15. Jahrhundert.
Aus dem literar. Nachlaß des Archivdir. Fr. J. Mone. Freilmrger Diöcesan-Archiv
7. Bd. (1873).
417. Kugler, Franz, Geschichte der Baukunst. 5. Bd. 3. und 4. Abth.
gr. 8. Stuttgart 1873. Ebner u. Seubert. 5 Rthlr. 16 gr.
418. Nordhoff, J. B., der Holz- und Steinbau Westfalens in seiner
culturgeschichtlichen und systematischen Entwicklung. Nach den Quellen und
erhaltenen Monumenten dargestellt. 2. verbess. Aufl. Mit 8 lithogr. Tafeln. 8.
(XIV, 451 S.) Münster 1873. Regensberg. 2 Rthlr.
Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 47.
419. Die Grabungen des Erzbischofs von Kalocsa Dr. Ludwig Hay-
nald. Geleitet, gezeichnet und erklärt von Dr. Emrich Henszlmann. fol. (222 S )
Leipzig 1873- Händel in Comm.
Vgl. Theolog. Literaturblatt 1874, Nr. 2 (Meßmer).
420. Dahlerup, V., H. J. Holm og H. Storck, Tegninger af addre
nordisk Architectur. 6. Heft. Kopenhagen 1874.
421. Danske Mindesmaarker. 2' Rekke. 1. Hfte. Roeskilde Domkirke,
beskreven af A. Kornerup. 4. Afdeling. Kopenhagen 1874.
422. Scriptorum de musica medii aevi novam seriem a Gerbertiana
alteram collegit. . . E. de Coussemaker. T. IV, f. 1. Paris 1873. Durand.
423. Eitner, R., ein Liedercodex aus dein Anfang des 16. Jahrhunderts.
Monatshefte für Musik-Geschichte 1873, 8. Heft.
XII. Rechtsgeschichte und Recht salterth ihn e r.
424. Schulte, Joh. Fr. R. v., Lehrbuch der deutschen Reichs- und Rechts-
geschichte. 3. verbess. Auflage. 8. (XII, 608 S.) Stuttgart 1873. Nitschke. 35/G Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 42.
425. Leuenberger, Prof. Dr. J., Studien über Bernische BechtsgeBchichte.
Gesammelt aus seinem Nachlaß. 8. (VIII, 348 S.) Bern 1873. Jent und Reinert.
22/3 Rthlr.
426. Sohm, R., la proeddure de la Les Salica. La fidejusaio dans le
droit franc. Les Sacebarons. La Glosse Malbergique. Traduit et annote* par
M. Thdvenin.
Bibliotheque de l'LYole des Ilautes Stades XIII lv7.;.i
427. Behrend, Jac, zum Proceß der Lex Sahen. In: Festgaben für
Aug. \V. Heffter zum 3. August IST.!. Lei Iin. Weidmann. 29 ., Rthlr.
428. Deatachmann, ('., über Klagengewere Dach den Bäcbaischen
Rechtsquellen des Mitttelalters. 8. (33 S.) Berlin L873. Puttkammer. s gr.
429. Wellmann, Tl.., <• De .'der Schöffen? 8. (147 S.) Berlin
1873. Springer. 28 gr.
474 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
430. Gengier, H. Gr., deutsche Gerichtsstätten im Mittelalter.
Zeitschrift f. deutsche Kulturgeschichte 1873, S. 649—673.
431. Meyer, Christian, der gerichtliche Zweikampf insbesondere zwischen
Mann und Frau.
Zeitschrift f. deutsche Culturgeschichte 1873, S. 49 — 58.
432. Baader, J., eine bayerische Verordnung gegen Zauberer, Hexen,
und Wahrsager vom J. 1611.
Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte 1873, 2. Heft.
433. Crecelius, VV., Bekenntniss einer als Hexe angeklagten Nonne
aus dem J. 1516.
Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereines 9, 103 — 111.
434. Riezler, Feuerprobe an einer Hexe 1485.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 77 f.
435. Gierke, 0., das deutsche Genossenschaftsrecht. 2. Bd. Geschichte
des deutschen Körperschaftsbegriffs. 8. (LVI, 976 S.) Berlin 1873. Weidmann.
436. Schroeder, Rieh., Geschichte des ehelichen Güterrechts in Deutsch-
land. 2. Theil, 3. Abth. Das eheliche Güterrecht Norddeutschlands und der
Niederlande im Mittelalter. 8. (XIV, 428 S.) Stettin 1873. Saunier. 3l/2Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 30; Jen. Liter. Zeitung Nr. 27 (Martitz); Götting.
Gel. Anzeigen Nr. 22 (Sohm) ; Allgemeine Zeitung Nr. 83.
437. Böttger, H., Bemerkungen über den Grenzpunkt Tigislege.
Zeitschrift des historischen Vereins f. Niedersachsen, Jahrg. 1872. Hannover 1873.
438. Finsen, V., om de islandske Love i Fristatstiden. 8. (150 S.)
Kopenhagen 1873.
439*. Amira, Dr. K. v., das altuorwegische Vollstreckungs-Verfahren.
Eine rechtsgeschichtliche Abhandlung. 8. (XVIII, 354 S.) München 1874. Acker-
mann. 2 Rthlr. 1 6 gr.
Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 19 (Maurer); Kritische Vierteljahrsschrift
16. Bd. 1. Heft; Liter. Centralblatt Nr. 48.
440. Ein Handschriftenfragment des sächsischen Lehenrechts.
Zeitschrift für Rechtsgeschichte 11, 321 f. In Weimar, Perg. Blatt des 13. Jhs.
441. Loersch, H., über die älteste datierte Handschrift des Sachsen-
spiegels.
Zeitschrift für Rechtsgeschichte 11, 267—296.
442. Steffenhagen, E., Joh. Kienkok wider den Sachsenspiegel.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 288 — 291.
443. Rockinger, Untersuchungen über die Handschriften des sogenannten
Schwabenspiegels. I — IV. 8. Wien 1873—74. Gerold in Comm.
Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 14. 28 (Steffenhagen).
444. Rockinger, über die Handschrift von Kaiser Ludwigs altem ober-
baierischem Landrechte in der fürstl. Starhembergischen Bibliothek, früher zu
Riedegg, jetzt zu Efferding.
Sitzungsberichte der k. bayer. Akademie der Wiss. 1873. 3. Heft, S. 399-452.
445. Das Hofrecht von Emmen vom J. 1537.
Der Geschichtsfreund 28. Bd. Einsiedeln 1873.
446. Birlinger, A., das Haigerlocher Statutarrecht im 15. Jahrhundert.
Mittheilungen des Geschichts-Vereines in Hohenzollern 6. Jahrg. (1873).
447. Schuster, H. M., das Wiener Stadtreehts- oder Weichbildbuch. 8.
Wien 1873. Manz. 1 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralbl. 1874, Nr. 24; kritische Vierteljahrsschrift 3. Heft; Götting.
Gel. Anzeigen Nr. 17 (Frensdorff) ; Jen. Liter. Zeitung Nr. 6 (Behrend); Anzeiger für
Kunde der deutschen Vorzeit Nr. 7.
XIII. LITERATURGESCHICHTE UND SPRACHDENKMÄLER. 475
448. Gengier, Prof. Dr., Wiener Stadtrecht.
Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 153 - 158. Beschreibung einer
Hs. des german. Museums.
449. Rossberg, K., die Willkür der Stadt Saatfeld vom J. 1560.
Altpreußische Monatsschrift 10. Bd. (1873), 5. 6. Heft.
450. Heidemann, Dr. J., die Statuten des Wullenampts zu Wesel aus
dem J. 1426.
Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereines 9, 77 — 98. Dazu sprach!. Bemer-
kungen von F. Woeste 98—100.
451. Homeyer, über eine Sammlung Magdeburger Schöffenurtheile.
Monatsbericht der Berliner Akademie 1873, März, April.
452. L am bei, H., Bericht über die im August und September ange-
stellten Weisthümer-Forschungen. 8. (30 S.) Wien 1873. Geiold in Coinm. 4 gr.
Aus den Sitzungsberichten der Akademie. Vgl. Literar. Centralbl. 1874, Nr. 24.
453. Weisthum des Dorfes Heerdt. Von C. F. Strauven.
Annalen des histor. Vereins f. d. Niederrhein 25. Bd. Köln 18.73.
454. Weisthümer. Von Rieh. Pick.
Ebenda.
455. Weisthümer. 1 — 4.
Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereines 9, 34 — 69.
456. Weisthum von Langenberg. Von W. Crecelius.
Ebenda 9, 221-233.
457. Keurboeken, de middeneeuwsehe, van de stad Leiden. Uitgegeven
door H. G. Hamaker. 8. (4, VIII, 615 S.) Leiden 1873. v. Doesburgh. 5 f.
458. Raemdonck, Dr. van, Keure, rechten, wetten ende liberteijten der
stede, poorte ende vrijheijt van Rupelmonde.
Annales du cercle archeologique du Pays de Waas, Tome V. Siut-Nicolaas 1873.
XIII. Literaturgeschichte und Sprachdenkmäler.
459. Koberstein, August, Grundriß der Geschichte der deutschen
Nationalliteratur. 5. umgearb. Auflage von K. Bartsch. 4. — 5. Band und General-
register. 8. XVI, 955 S.; XX, 595 S; 156 S) Leipzig 1873. F. C. W. Vogel.
52/3 und 45/6 Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 52; Jen. Liter. Zeitung 1871, Nr. 23 (Sievers);
Grenzboten Nr. 2 (Eückert); Bonner Zeitung, 5. Januar; Theolog. Literaturblatl Nr. I
(Birlinger); Im neuen Reich 1873, Nr. 52; Gegenwart Nr. 61 ; Schlesische Zeitung L874,
Nr. 39; National Zeitung Nr. 80; 1873, Nr. 519; Weser-Zeitung Nr. 9767; Revue cri
tique 1874, Nr. 21 (G. Paris); Daheim Nr. 40.
460. Gervinus, G. G., Geschichte der deutschen Dichtung. 4. Band.
5. Auflage. Herausgeg. von K. Bartsch. 8. (VIII, 670 S.) Leipzig 1873. Engel-
mann. 3 Rthlr.
461. Goedeke, K., Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung
aus den Quellen. 3. Bd. 4. Heft. 8. (S. 641—880). Dresden 1873. Ehlermann.
1 '/., Rthlr.
462. Kurz, Heinrich, Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten
Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller. Mit vielen Illustra-
tionen. 1. und 2. Bd. 6. unveränd. Auflage. Lex. s. Leipzig 1873. Teubner.
ä 4 Rthlr.
463. Hahn, Werner, Geschichte der poetischen Literatur der Deutschen.
6. verbess. Auflage. 8. ;Vlli. 388 S.) Berlin L873. Be er. l1 Rthlr.
464. Burkhardt, Emil, Leitfaden für den Unterrichl in der Literatur
schichte für Schulen. 8. (78 S.) Leipzig 1874. Klinkhardt. 8 gr.
47(3 BIBLIOGRAPHIE VON 1«73.
465. Kriebitsch, Th., Vorschule der Literaturgeschichte für Schulen,
vornehmlich höhere Töchterschulen und höhere Bürgerschulen. In 3 Stufen. 2. Aufl.
8. (XV, 262 S.) Berlin 1873. Stubenrauch. % Rthlr.
466. Noesselt, Friedrich, Lehrbuch der deutschen Literatur für das
weibliche Geschlecht, besonders für höhere Töchterschulen. 5. verbess. Aufl.
3 Bde. 8. Breslau 1873. Max u. Co. 3 Rthlr.
467. Pütz, Prof. Wilh., Übersicht der Geschichte der deutschen Lite-
ratur für höhere Lehranstalten. 5. umgearb. Auflage. 8. (IV, 104 S.) Coblenz
1873. Baedeker. 6 gr.
468. Seineke, Ferd., Lehrbuch der Geschichte der deutschen National-
Literatur. Nach dem Tode des Verf. herausgeg. von H. Dieckmann. 2. Aufl.
Hannover 1873. Schmorl u. Seefeld. 8. (VIII, 255 S.) 1 Rthlr.
469. Heinrich, G. A., histoire de la litterature allemande. T. 3. 8.
Paris 1874. Franck. 22/3 Rthlr.
470. Loise, Ferd., Histoire de la poe"sie. L'Allemagne dans sa littera-
ture nationale depuis les origines jusqu'aux temps modernes. Anvers 1873.
Kornicker. 1 Rthlr. 2 gr.
Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 51 (Rückert).
471. Omrids, kortfattet, af den tyske Litteraturs Historie. Naer mest
til Skolebrug. Udarbeidet af R. H. Bergen 1873. Giertsen. 12 sk.
472. Everts, W., Geschiedenis der Nederlandsche Letteren; een hand-
boek voor Gymnasien en Hoogere Burgerscholen. Met eene verklärende woor-
denlijßt. "8e druk. 8. (324 S.) Amsterdam 1873. v. Langenhuijsen. 1 f. 75 c.
473. Mulder, G. C, beknopte geschiedenis der Nederlandsche letter-
kunde. 4. druk. 8. (VIII, 283 S.) Zutphen 1872. v. Someren. 1 f. 60 c.
474. Taine, H. A., Histoire de la litterature anglaise. 3e edition, revue
et augmentde. T. 3. 8. (430 S.) Paris 1873. Hachette. 3 f. 50 c.
475. Taine 's, H., History of english literature, translated by H. van Laun.
With a preface by the author. 4th edition. 2 vols. 8. (1080 S.) Edinburgh 1873. 21 sh.
476. Taine, H. A., den engelske Literaturs Historie. Renaissancen i
England. Oversat af H. S. Vodskov. 1. 2. Heft. 8. (ä 80 S.) Kopenhagen 1873.
Gyldendal. ä 36 sk.
477. Laing s, F. A., History of English literature for junior classes. 12.
(250 S.) 1873. 1 s. 6 d.
478. Hart, J. S., a short course in literature, English and American.
8. (323 S.) Philadelphia 187 3. 7 s. 6 d.
479. Morley, Henry, a first sketch of English literature. 3 parts. 8.
(920 S.) London 1873. 9 sh.
480. Periods of the history of English literature in sketches. 1872.
481. Lund, G., den oldnordiska Literatur. En kort Udsigt. 8. (II, 83 S.)
Köbenhavn 1873. Reitzel. 48 sk.
482. Hoff, B., Hovedpunkter af den oldislandske litteraturhistorie. 12.
(27 S.) Köbenhavn 1873. Schwartz. 16 sk.
483. Ljunggren, G., Svenska vitterhetens häfder efter Gustafs III.
död. I. del. 8. (594 S.) Lund 1873. Gleerup.
484. Wollschl äger , C. S., Handbuch der allgemeinen Literaturgeschichte.
gr. 8. (VIII, 532 S.) Eisenach 1873. Bacmeister. 2 Rthlr.
Vgl. Lehmanns Magazin 1874, Nr. 6.
XIII. LITERATURGESCHICHTE UND SPRACHDENKMÄLER. J77
485. Uhlands Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage. 8. Eil.
8. (IV, 626 S.) Stuttgart 1873. Cotta. 5 Rthlr. 26 gr.
Vgl. Götting. Gel. Anzeigen 1873, Nr. 7 (Liebrecht); Blätter f. literar. Unterhal-
tung Nr. 37 (Rückert).
486. Wack ernage 1, W., kleinere Sclmften. 2. Bd. Abhandlungen zur
deutschen Literatur-Geschichte. 8. (503 S.) Leipzig 1873. Hirzel. 2% Rthlr.
Vgl. Theolog. Litcraturblatt 1874, Nr. 9 (Rudioff); Literar. 1 landweiser Nr. 149;
Schlesische Zeitung 1873, Nr. 267; 1874, Nr. 7; National-Zeitung 1874, Nr. 59; Da-
heim Nr. 6.
487. Wattenbach, Wilh., Deutschlands Geschichtsquellen im Mittel-
alter bis zur Mitte des 13. Jahrhs. 1. Bd. 3. Auflage. 8. (VIII, 315 S.) Berlin
1873. Hertz. 2 Rthlr.
488. E Ismer, C, die Beziehungen zwischen der deutschen und der
französischen Poesie im Mittelalter. Das Rittergedicht. 4. (33 S.) Zug 1873.
Programm der Industrieschule in Zug.
489. Scher er, W., das geistige Leben Österreichs im Mittelalter. Vor-
trag im wissenschaftlichen Verein zu Berlin gehalten.
Spenersche Zeitung 1873, Nr. 7. 9.
490. Nordhoff, J. B., altwestfälische Dichtungen.
Germania 18, 281—301.
491. Kroeger, H. E., the minnesinger of Germany. 8. (284 S.) London
1873. Trübner.
492. Richter, Dr. J. W. Otto, deutsche Dichter des Mittelalters im
Kampfe für den Kaiser wider den Pabst. 8. (38 S.) Cassel 1873. Kay. 8 gr.
Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 51; National-Zeitung Nr. 444; theo-
log. Jahresbericht VIII, 4; Europa Nr. 11.
493. Dietze, L., die lyrischen Kreuzgedichte des deutschen Mittelalters.
(20 S.).
Programm des Gymnasiuno in Wittenberg 1873
494. Schwebel, Oskar, der Minnegesang in Pommern.
Wochenblatt der Johanniter Ordens Balley Brandenburg 1873, Nr. 33.
495. Seh., A., die deutschen Tagelieder des Mittelalters.
Nürnberger Presse 1873, Nr. 320.
496. Blind, K., deutsche Meistersinger und Trinklieder.
Die Gegenwart 1873, Nr. 36 ff. = Nürnberger Presse 1873, Nr. 253 f.
497. Blind, K., Noch etwas über altdeutsche Trinklieder und Zech-
schwänke.
Die Gegenwart 1873, Nr. 48 (Weinschwelg, Wiener Meerfahrt).
498. Sehröer, K.J., Meistersinger in Osterreich.
Wiener Zeitung 1*7:;. April.
49:». Schnorr von Carolsfeld, Franz, zwei neue Meistersängerhand-
schritt, ii.
Archiv für Litteraturgeschichte 3, 1'-» - 62.
500. Wackernagel, Philipp, Das deutsche Kirchenlied von der ältesten
Zeit bis zum Anfang dee 17. Jahrhunderts. 42. Liefg. Bd. 1, S. 929—1040.)
Leipzig 1H73. Teubner. 2/3 iithU-
501. Crecelius, W., über <li»- Quellen von Leisentrita Gesangbuch.
Wagners Archiv I, 337 -364.
502. Freybe, A., das älteste Mecklenburger Charfreitagslied. 1. Leipzig
18?.",. Naumann.
Vgl. Theolog. Literaturblatl 1874, Nr. 12 (Birlinger) ; N. Preußische Zeitung I
Nr. 280.
478 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
503. Sehr (öd er), C, zur Geschichte der geistlichen Spiele in Deutschland.
Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 25 ff.
504. Peiper, R., zur Geschichte der lateinischen Komödie des 15. Jahrhs.
Neue Jahrbücher f. Philologie und Pädagogik 110. Bd. 3. Heft.
505. Seh er er, W., zur Geschichte des lateinischen Dramas im 16. und 17.
Jahrh. 1. Christophorus Brokhagius. 2. Hieron. Ziegler. 3. P. Dasypodius.
Wagners Archiv I, 1—12. 481—496.
506. Hellwald, F. v.? Geschichte des holländischen Theaters. 8. (VI,
150 S.) Rotterdam 1874. v. Baalen.' l2/3 Rthlr.
Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 39 (Oesterley) ; Athenaeum 5. September.
507. Gallee, J. H., Bijdrage tot de geschiedenis der dramatische ver-
tooningen in de Nederlanden gedurende de middeleeuwen. 8. (4, 122 S.) Haar-
lem 1873. Kruseman. I f. 25 c.
Vgl. Gott. Gel. Anzeigen 1874, Nr. 45 (Wilken).
508. Das mittelalterliche Drama in den Niederlanden.
Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 205.
509. Meyer, the infancy of the English drama.
Programm der Realschule in Hagen 1873.
510. Marbach, Dr. Joh., Oberpfarrer in Eisenach, Geschichte der
deutschen Predigt vor Luther. 1. 2. Liefg. 8. (192 S.) Berlin 1873. Henschel.
ä 72 Rthlr.
511. Wülcker, R., Übersicht der neuangelsächsischen Sprachdenkmäler.
Paul und Braune, Beiträge I, 57 — 88.
518. Hammerich, F., de episk-kristelige Oldkvad hos de gotiske Folk.
4. (II, 202 S.) Kopenhagen 1873. Gyldendal.
513. Gj essin g, A., Undersögelse af Kongesagaens Fremvsext. I. 8.
(115 S. und 2 Taf.) Christiania 1873. Brögger. 36 sk.
514. Wackernagel, W., Deutsches Lesebuch. I. Theil. Altdeutsches
Lesebuch. 5. Auflage, gr. 8. (VIII, 1528 Sp.) Basel 1873. Schweighauser.
4 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 21; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 35 (Sievers).
515. Muth, Rieh, v., mittelhochdeutsches Lesebuch. (Einleitung, Flexions-
iehre, Lehr- und Lesestoff, Anmerkungen.) 8. (IV, 156 S.) Wien 1873. Beck.
24 gr.
Vgl. Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 24, 9 — 10 (Schönbach).
516. Vieh off, H., Handbuch der deutschen Nationalliteratur. 1. und 2.
Theil. 9. Aufl. 8. (XIV, 280 S.) Braunschweig 1873. Westermann. ll/8 Rthlr.
517. Hansen, Karl, deutsches Lesebuch. 5. Theil. 2. Aufl. 8. (XIV,
679 S.) Harburg 1873. Elkan. ll/3 Rthlr.
Inhalt: Deutsche Dichter und Prosaiker. Auswahl deutscher Gedichte und Prosa-
stücke von 375—1871 nebst Metrik, Figurenlehre und Poetik.
518. Holczabek, J. W., das Nothwendigste aus der deutschen Literatur.
Eine durch zahlreiche Beispiele erläuterte Poetik in einer Sammlung prosaischer
und poetischer Lesestücke und einem Überblicke der Literaturgeschichte. 2. Aufl.
8. (IV, 280 S.) Wien 1873. Dirnböck. 16 gr.
519. Arnold, Thomas, A manual of English literature, historical and
eritieal. With an appendix on English metres. 3d edition. 8. (567 S.) London
1873. Longmans. 7 s. 6 d.
520. Mi not, L., Handbook voor de Engeische letterkunde tot op onzen
tijd. Poezie en prosa. Met ophelderende woordenlijsten, aanteekeningen, enz. door
XIII. A. GOTHISCH. I?. ALTHOCHDEUTSCH. 479
AI. Keizer. Nieuwe titeluitgave. 8. (14 u. ö6lJ S.) Leidon 1Ö73. Noothoven vun
Goor. 1 f. 90 c.
521. Underwood, Fr. II. A., a hand-book of English literature, in-
tended for the use of High Schools. 8. (XLVIII, 640 S.) Boston and New- York
1873. 12 sh.
522. Nygaard, M., Oldnorsk Laisebog for Begyndere. Til Brug paa
Skoler og ved Selvundervisning. Bergen 1873. 30 sk.
523. Wackernagel, W., Poetik, Rhetorik, Stilistik. Akademische Vor-
lesungen gehalten zu Basel. Herausgeg. von L. Sieber. 8. (XI, 452 S.) Halle
1873. Waisenhaus. 3 Rthlr.
Vgl. Blätter f. literar. Unterhaltung 1874, Nr. 37; Zeitschrift f. d. Gymnasial wesen
Nr. 5 (Wilmanns); Saturday Review 17. Januar; Allgemeine Zeitung Beilage Nr. 28;
National-Zeitung Nr. 59 ; N. Preuß. Zeitung 1873, Nr. 300.
524. Kräuter, J. F., über nhd. und antike Verskunst.
Programm des Collegiums zu Saargemünd 1873. 8. (28 S.)
525. Zum Kapitel der Alliterationen. Von O. F.
Deutscher Sprachwart 7. Bd. (1873), Nr. 22.
526. Sirker, Carl, der Stabreim bei den neuern deutschen Dichtern. 4.
(30 S.)
Programm der höhern Bürgerschule zu Saarlouis 1873.
527. Schuchardt, Hugo, Reim und Rhythmus im Deutschen und Ro-
manischen.
Im neuen Reich 1873, Nr. 5. Gegen Delbrück (Bibliogr. 1872, Nr. 481) gerichtet.
528. Wagner, J. M., zur Geschichte des deutschen Hexameters,
Wagners Archiv I, 222 f.
529. Hildebrand, K., die Verstheilung in den Eddaliedern. 8. (29 S.)
Halle 1873. (Habilit. Schrift.)
530. Moebius, Th., vom Stef.
Germania 18, 129—147.
A. Go th isch.
531. Auswah 1 aus Ulfilas gothischer Bibelübersetzung mit einem Wörter-
buch und Grundriß zur gothischen Buchstaben- und Flexionslehre von K. A.
Hahn. 3. Aufl. herausgeg. und bearbeitet von A. Jeitteles. 8. Heidelberg 1873.
Mohr. 20 gr.
Germania 19, 227 (Wilken).
532. Kisch, Alex., der Septuagintal codex des Ulfilas.
Monatsschrift f. Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. 22. Jahrg. Heft 1 fi.
(1873).
533. Bernhardt, E., die gotischen Bandschriften der Episteln.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 186 192.
B. Althoch de uts c b.
634. Müllenhoff, K, und W. Scherer, Denkmäler deutscher Poesie
und Prosa aus dem VIII — XII. Jahrh. 2. venu, und verb. Aufl. 8. (XXXV,
649 S.) Berlin 1873. Weidmann. 4% Ethlr.
Vgl. Zeitschrift f. d. Gymnas. 1874, l. Heft (Steinmeyer; ein Referat über die
Entwicklung der ahcL Litteratui Anzeiger i. Kunde d, d. Vorzeit 1878, Nr. 7; Allgem.
Zeitung, Beilage 247.
480 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
535. Bartsch, Karl, Alt- und Mittelhochdeutsches aus Engelberg.
Germania 18, 45—72. Mit Nachtrag S. 234.
53ü. Bruchstücke, die altdeutschen, des Tractats des Bischof Isidorus
von Sevilla de fide catholica contra Judaeos. Nach der Pariser und Wiener Hand-
schrift mit Abhandlung und Glossar herausgeg. von K. Wein hold. 8. (133 S.)
Paderborn 1874. Schöningh.
Bibliothek der ältesten deutschen Literaturdenkmäler VI. Bd. Vgl. Liter. Cen-
tralblatt 1874, Nr. 36; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 25 (Sievers); Kölnische Zeitung Nr. 119.
537. Erdmann, Dr., über Ötfrid. II. I, 1—38. 4. (8 S.)
Programm des Gymnasiums zu Graudenz 1873.
538. Sievers, E., Tatianfragmente.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 71 — 76.
539. Harczyk, Ignaz, einige Bemerkungen zum Tatian.
Ebenda 17, 76—84.
540. Suchier, H., zu den altdeutschen Gesprächen.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 390 f.
541. Hörmann, L. v., k. k. Universitäts-Bibliotheks-Scriptor in Graz,
der heber gät in litun. Ein Erklärungsversuch dieses ahd. Gedichtes. Mit einer
Beigabe Tirolischer Ackerbestellungs- und Ärntegebräuche. 8. (52 S.) Innsbruck
1873. Wagner.
Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 21; Jenaer Liter. Zeitung Nr. 13 (Sievers);
Blätter f. d. bayer. Gymnas. Schulwesen X, 3; N. Freie Presse Nr. 3450.
542. Diefenbach, aus der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M.
Germania 18, 76 — 80. Glossen.
543. Holder, A., ahd. Glossen zum Horaz.
Germania 18, 73—76.
544. Peiper, R., Glossen zu Boethius.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 76.
545. Peiper, R., Innsbrucker Glossen.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 211.
546. Schönbach, A-, ein Urbar des XI. Jahrhs.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 478—480.
C. Mittelhochdeutsch.
547. Meyer, K., Bruchstücke mittelhochdeutscher Dichtungen aus der
mittelalterlichen Sammlung zu Basel.
Germania 18, 80 — 96. Liederhs. und Wartburgkrieg.
548. Zupitza, J., Bruchstücke mittelhochdeutscher Dichtungen.
Zeitschrift für deutsches Alterthum 17, 391—414. 1. Iwein. 2. Parzival. 3. Wille-
lialm. 4. Tristan.
549. Paul, H., kritische Bemerkungen zu mhd. Gedichten.
Paul und Braune, Beiträge I, 202—208. 1. Zu Wolframs Liedern. 2. zu Hart-
manns erstem Büchlein. 3. zur guten Frau. 4. zum Pantaleon. 5. zu Pyramus und
Thisbe.
550. Albrecht von Halberstadt. — Irmisch, aus der Geschichte
Jechaburgs. Der Jcchaburger Chorherr Albrecht (von Halberstadt), ein Dichter
des Mittelalters.
Regierungs- und Nachrichtsblatt f. d. Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen
1*73, Nr. 61—83.
551. Anteloy und Alexander. Von J. V. Zingerle.
Germania 18, 220—233.
MM. C. MITTELHOCHDEUTSCH. 48]
552. Berthold von Regensburg, Missionspredigten. Mit unverändertem
Texte in jetziger Schriftsprache herausgeg. von Pastor Frz. Göbel. Mit einem
Vorwort von Alban Stolz. 3. Aufl. Mit einem alphab. Sachregister. 8. (XXXII,
696 S.) Regensburg IST,!. Manz. 2% Rthlr.
553. Buch von der heil. Dreifaltigkeit, das. Von H. Minzloff.
Wagners Airhiv I. 446—448. 15. Jahrh.
554. Buch der Rügen. — J Linie ke, 0., die Heimat des Bucbs der
Rügen.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 476-478.
555. Steinmeyer, Bedeutung der Buchstaben.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 84. 12. Jahrh. Prosa.
556. Christophorus, St. Von A. Schönbach.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 85 — 141.
557. Dorothea. St. Von E. Steinmeyer.
Wagners Archiv I. 332—334.
558. Ebernand, zu. Von E. Steinmeyer.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 474-476.
559. Eckhart. — Linsen mann, Frz. Xav., der ethische ' Charakter
der Lehre Meister Eckhart's. 4. (60 S.) Tübingen 1873. (Universität:; Programm.)
560. Eilhart. — Jacob, Georg, Bruchstücke aus Eilharts Tristan.
Germania 18, 274—281.
561. Erzählungen. — Bartsch, K., und R. Köhler, der Maler mit
der schönen Frau.
Germania 18, 41 — 45.
562. Fleck. — Sundmacher, H., die altfranzösische und mhd. Bear-
beitung der Sage von Flore und Blanscheflur. 8. (46 S.)
Göttinger Doctordissertation.
. Folz. — Lochner, G. W. K.. Urkunden Hans Folz betreffend
Archiv für Litteratnr-Geschichte 3, :;l'1-329.
564. Franziscanerregel, deutsche, des 13. Jahrhs. Von A. Birlinger.
Germania 18, 186—195.
565. Freidank's Bescheidenheit lateinisch und deutsch nach der Gör-
litzer Hs. veröffentlicht von R. Joacliim.
N. Lausitz. Magazin 50. Bd. 2. Heft (1873).
566. Gedichte, vier geistliehe. Von R. Ilcinzel.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 1 — 57.
567. Jacobs, von der Zauberkraft des Agnus Dei.
Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, 8p. I'.'1.» f. Gedichl in Reimpaaren
aus einer Hs. des 15. Jahrh. in Stolben.:.
568. Strobl, J., drei Gedichte von der Würdigkeit der Priester.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 167 17 1.
69. Suchier, H., Anspielung an ein unbekanntes Gedichl Segremors?)
Germania 18, 115 f.
57<t. Köhler, R., ein Gedicht von der Gerechtigkeit.
Germania 18, 460.
571. Mörath, A., ein dem Kaiser Maximilian I. gewidmetes Gedicht.
Anzeiget f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, 8p 130 f. Vom Jahre 1495.
572. Reiff erscheid, A, ein niederrhein. Cisiojanus di brhs.
Wagni rs Archiv I, 607—61 1 .
:"'7;. Bieling, A.. Tiirkenkalender auf das .Jahr 1455.
Wagners Archiv 1. -j'.tj -313. Gedicht, Nachträge 8. 4 1:; 146.
i\\[.\. Nene Rpihf VII (XIX Jahrg. .", |
482 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
574. Wagner, J. M., von den neun Eseln.
Wagners Archiv I, 526—539. 15. Jahrh.
575. Waltenbach, W., Klage über das Alter.
Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 131—133. Aus Cgm. 641.
576. Gottfrieds von Strassburg Tristan. Herausgeg. von R. Bechstein
2 Tbeile. 2. Auflage. 8. (XLIX, 328; 364 S.) Leipzig 1873. Brockhaus
ä 1 Rthlr.
Deutsche Classiker des Mittelalters 7. 8. Band,
577. Kölbing, E., Fragment einer Handschrift von Gottfrieds Tristan.
Germania 18, 235. In Straßburg.
578. Gregor. — Von sant Gregorio auf dem Stain und von Sand Ger-
draut. Aus dem Wintertheile des Lebens der Heiligen. Herausg. von J. V.
Zingerle. 16. (VIII, 40 S.) Innsbruck 1873. Wagner. 8 gr.
Vgl. Blätter f. literar. Unterhaltung 1873, Nr. 37.
579. Hagen. — Birlinger, A., zu Gottfried Hagens Chronik.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 428.
580. Hans. — Birlinger, A., zu Bruder Hansens Marienliedern.
Germania 18, 112—113.
581. Hartmann von Aue. Herausgeg. von F. Bech. 2. und 3. Theil.
2. Aufl. 8. (XII, 360; XVI, 303 S.) Leipzig 1873. Brockhaus, ä 1 Rthlr.
Deutsche Classiker des Mittelalters 5. 6. Bd. Vgl. Blätter f. liter. Unterhaltung
1873, Nr. 28.
582. Hartmann von Aue, Gregorius , mit vollständigem kritischem
Apparate herausgegeben von H. Paul. 8. (XVII, 166 S.) Halle 1873. Lippert.
l1/, Rthlr.
Vgl. Germania 1, 228— 235 (Bartsch) ; Literar. Centralhlatt 1874, Nr. ll(K.H);
Göttinger Gelehrte Anzeigen 1873, Nr. 49 (Wilken); Blätter f. literar. Unterhaltung
1874, Nr. 28 (Rückert).
583. Hartmann v. d. Aue, der arme Heinrich. Aus dem Mittelhochdeut-
schen übersetzt von Hans v. Wolzogen. 16. (51 S.) Leipzig 1873. Reclam. 2 gr.
Universal-Bibliothek Nr. 456.
584. Eggert, E., über die erzählenden Dichtungen Hartmanns von Aue.
4. (34 S.) Berlin 1874. Calvary. 12 gr.
Programm des Gymnasiums zu Schwerin 1873.
585. Settegast, Franz, Hartmann's Iwein verglichen mit seiner alt-
französischen Quelle. 8. (32 S.) Marburger Dissertation.
586. Samhaber, Ed., die innere Chronologie der Lieder Hartmanns
von Aue.
Programm des Realgymnasiums zu Freistadt 1873.
587. Heinrich der Teichner. — Strobl, J., Schreiberurtheil über den
Teichner.
Wagners Archiv I, 506 f.
588. Heinrich von Veldeke. — Braune, W., zur Kritik der Eneide.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 420 — 436.
589. Helbling. — Jänicke, O., Beiträge zur Kritik und Erklärung des
Seifrid Helbling.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 402—419.
590. Heldenbuch, deutsches. 4. Teil. 2. Bd. 8. (L, 351 S.) Berlin 1873.
Weidmann. 3V3 Rthlr.
Schluß der Wolfdietriche. Vgl. Zeitschrift f. d. Gymnas. 1874, S. 242-252 (Wil-
manns); Blätter f. liter. Unterhaltung 1873, Nr. 46.
XIII. ('. MITTELHOCHDEUTSCH. 483
591. Hermann von Fritzlar. — Haupt, J., Beiträge zur Litteratur
der deutschen Mystiker. I. Neue Handschriften zum Hermann von Fritzlar. 8.
(56 S.) Wien 1874. Gerold in Comm.
Aus den Sitzungsberichten der Akademie.
592. Herrant von Wildonie. — H oh enlohe- Waldburg, Fürst von,
noch einige Worte über die Siegel der Wildonev.
Mittheilungen der k. k. Central commission, 18. Jahrgang lST.'i. Mit Holzschnitten.
593. Johann von Frankenstein. — Wagner, J. M., über Lessings
Entdeckung einer altdeutschen Messiade in Klosterneuburg.
Wagners Archiv I, 82 — 86. Betrifft den Kreuziger.
594. Katharina. — Hu eher, Ad., von sand Katreinen. Legende ans
dem Wintertheil des Lebens der Heiligen. 8. (40 S.) Innsbruck 1873. Wagner.
Programm der Oberrealschule zu Innsbruck.
595. Kudrun. Ilerausgeg. von Karl Bartsch. 3. Aufl. 8. (XXVIII, 357 S.)
Leipzig 1873. Brockhaus.
Deutsche Classiker des Mittelalters 2. Bd.
596. Gudrun. Deutsches Heldenlied übersetzt von K. Simrock. 8. Aufl.
8. (370 S.) Stuttgart 1873. Cotta. l1/,, Rthlr.
Das Heldenbuch von K. Simrock. 1. Bd.
597. Gudrun. Ein mittelhochdeutsches Heldengedicht übersetzt von H. A.
Junghans. 16. (262 S.) Leipzig 1873. Reclam. 8 gr.
Universal-Bibliothek 4ß5. 466.
598. Schmidt, Ferd., Gudrun. Eine Erzählung aus der deutschen Helden-
zeit. 4. Aufl. 16. (146 S.) Berlin 1873. Kastner. '/4 Rthlr.
598a. Vgl. Nr. 27 7.
599. Wilmanns, W., die Entwicklung der Kudrundichtung untersucht.
8. (VIII. 276 S.) Halle 1873. Waisenhaus. 2 Rthlr.
Vgl. Blätter f. d. bayer. Gymnas. X. 7 (Gross); Allgem. liter. Anzeiger Nr. 83;
Norddeutsche Allgem. Zeitung 1874, Nr. 31.
600. Schmidt, L., das Gudrunlied, ästhetische Untersuchungen nebst
Frohe freier Umdichtung. (20 S.)
Programm des Gymnasiums zu Bromberg 1873.
601. Widmann, zur Kudrun. Mythisches und Historisches.
Programm des Gymnasiums zu Görz 187.').
602. Müller, P. L., det oldtydske Heltedigt Gudrun, efterladt Arbeide.
Skrevet i Tydskland 1851. 12. (50 S.) Kopenhagen IST.".. Wagner. 40 sk.
603. Birlinger, A., zur Kudrun.
Alemannia I, 285-287.
604. Legende. — Reber, eine poetische Legende des Schottenklosters
in Regensburg.
Verhandlungen des historischen Vereins f. Oberpfal/. und Regensburg "i'.', HC ff.
Nach Baechtold, Bibliographie 1872, Nr. 20.
605. Letanie. über die. Von F. Vogt.
Paul und Braune, Beiträge I. 108—146.
f.1"',. Liebesbrief, burlesker. Von K. Bartsch.
Anzeiger f. Kunde .1. deul chen Vorzeit 1873, Sp. L38f. aus Cgm. 379.
i'.nT. Lügenmärchen. Von J. M W tgner.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, t:;7 466
607*. Margarete s. Nr. 626.
Messegseang. Von Steinmeyer.
Zeitschrift für deutsches Alterthum IT, I2ü 1-7.
31 •
484 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
609. Minnesänger. — Schreiber, R., Übersetzungsversuche von mhd.
Dichtungen.
Blätter f. d bayerische Gymnasialschulvvesen 9, 41—47. Lieder von Heinrich
v. Breslau, Kirchberg, Otto v. Brandenburg, Christian v. Hamle, Rudolf v. Rotenburg,
Walther v. Metz, Heinrich v. Morungen.
610. Mystiker. — Bartsch, K., Sprüche und Verse deutscher Mystiker.
Germania 18, 195—200.
611. Nibelungenlied, das, übersetzt von K. Simrock. 25. Aufl. 8. Stutt-
gart 1873. Cotta. 1 Rthlr.
612. Schmidt, Ferd., die Nibelungen. Eine Heldendichtung. 4. Aufl.
16. (V, 208 S.) Berlin 1873. Kastner. '/4 Rthlr.
613. Vgl. Nr. 277.
614. Hofmann, K., zur Textkritik der Nibelungen. 4. (96 S.) München
1873. Franz in Comm. 1 Rthlr. 6 gr.
Aus den Abhandlungen der Münchener Akademie. Vgl. Revue critique 1873,
Nr. 12 (G. Paris); Liter. Ceutralblatt Nr. 17.
615. Erhardt, Prof., Grammatikalien zum Verständniss des Nibelungen-
liedes. II. Abtheilung. Syntaktisches enthaltend. 8. (26 S.) Tübingen 1873.
Fues. 62/3 gr-
616. Türk, M., zur Vergleichung der Iliade und des Nibelungenliedes.
8. (37 S.)
Programm des evangel. Gymnasiums zu Kronstadt 1873.
617*. Klapp, A., das Ethische im Nibelungenliede. 8. (80 S.) Parchim
1873. Wehdemann. l/3 Rthlr.
618. Wittstock, Dr. Albert, die französischen Wörter im Nibelungenliede.
Allgemeine Zeitung 1873, Beilage 180 ff. Vgl. Archiv f. d. Studium der neueren
Sprachen 52, 447 ff., wo der Inhalt im Wesentlichen wiederholt ist.
619. Birlinger, A., zu Nibelungen 270, 1. Lachm. 268, 1.
Alemannia I, 283 — 285.
620. Ortnit. — Lindner, F., über die Beziehungen des Ortnit zu Huon
von Bordeaux. 8.
Rostock er Dissertation von 1872.
621. Passional. — Hildebrand, K., Bruchstücke des Passionais.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 393—401.
622. Meltzer, O., zum Passional.
Germania 18, 355—356.
623. Philipp. — Silier, J. P., Bruder Philipps Marieuleben und die
Marienlegenden in „der Heiligen Leben".
Wagners Archiv I, 497—506.
624. Predigten, elsäßische. Von A. Birlinger.
Alemannia I, 225 — 250.
625. Scheibel berger, Predigtbruchstücke aus dem 13. Jahrhundert.
Osten eich. Vierteljahrsschrift f. kathol. Theologie 1873, S. 447-454.
626. Schum, W., mitteldeutsche Predigt- und Legeudenbruchstücke.
Germania 18, 96—109. Margaretenlegende.
627. Wagner, J. M., Nachtrag zu den Predigtentwürfen.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 16, 466.
628. Greiff, B., ein Predigtmärlein.
Germania 18, 353 — 354.
629. Reimchronik, zur livländischen. Von Leo Meyer.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 407 — 444.
XHI. C. MITTELHOCHDEUTSCH. 485
630. Reuaus. — Schönbach, A., Meister Rennaus (so!)
Wagners Archiv I, 13-37. Nachträgliches S. 95 f.
631. Zupitza, J., und II. L am bei, zu Meister Reuaus.
Ebenda 1, 221 — 240.
632. Rosenplüt. — Wendel er, C, Studien über Hans Rosenplüt. I. II.
Wagners Archiv I, 97—133. 385—430.
633. Lambel, H., der kluge Narr. Von Hans Rosenplüt.
Wagners Archiv I, 212—221.
634. Rother. — Edzardi, A., Untersuchungen über König Rother.
Germania 18, 385—4."):).
635. Rudolf von Fenis. — Brunn er, HL, Graf Rudolf von Fenis, der
Minnesänger am Bielersee. 8. (40 S. mit 2 Iith. Beilagen).
- laratabdruck aus dem Berner Taschenbuch f. 1873.
636. Pfaff, der Minnesänger Rudolf von Fenis und die Art, wie er
die Provenzalen benutzte. 8. (7 S.)
Programm des Collegs in Büschweiler i. E. 1873.
637. Schachbuch, mitteldeutsches. Von E. .Sievers.
Zeitschrift für deutsches Alterthuni 17, 161 — 389.
638. I lg, Albert, ein deutsches Schachzabelbuch des 14. Jahrhs. (Mit
einem Holzschnitt.)
Mittheilungen der k. k. Centralcommission 1873.
639. Schauspiel. — Haupt, J., Bruchstück eines Osterspieles aus dem
13. Jahrhundert.
Wagners Archiv I, 355 — 381.
640. Alsfelder Passionsspiel mit Wörterbuch herausg. von C.W.
M. Grein. 8. (XXVIII, 523 S.) Cassel 1873. Kay. 3 Rthlr.
Vgl. Jenaer Liter. Zeitung 1874, Nr. 14 (Steinmeyer); Götting. Gel. Anzeigen
Nr. 23 (Wilken).
641. Fastn ach t spiel e, vier ungedruckte, des 15. Jahrhs.
Archiv für Litteratur-Geschichte 3, 1 — 2;y.
642. Wilken, E.7 über die kritische Behandlung der geistlichen Spiele.
8. (3 7 S.) Halle 1873. Waisenhaus. 8 gr.
643. Servatius. — Frommann, Bruchstücke des Gedichts vom heil.
Servatius.
Germania 18, 458—459.
644. Steinhöwel's Asop. Herausgeg. von H. Oesterley. 8. (372 S.)
Stuttgart 1873.
117. Puhlication des litterar. Vereines.
645. Suso. — Denifle, P. F., Heinrich Suso, das geistliche Leben.
Eine Blumenlese aus den deutschen Mystikern des 14. Jahrhs. 8. (XXIV, 49»'. S.)
Graz IST.;. Moser. llJz Rthlr.
646. Ulrich von Liechtenstein. — !?'■ ckh-Widmannstetter, L., Nach,
trag zu „Ulrichs von Liechtenstein Grabmal".
Mittbeilungen des histor. Vereins für Steiermark 20. Ben* 1873), Sj 93.
647. Ulrich von dem Türlin. — Suchier, IL, über die Quelle Ulrichs
vpn dem Türlin und die älteste Gestalt der prise d Orenge. s- (44 S.) Pader-
born ls7:;. Schöningh. 6 gr.
Vgl. Romania II, 111; Liter. Centralis tfr. SO; Theolog. Literaturblatt
Nr. 24 Birlingi
648. Walther. — Schmidt, Perd., Walther und Hildegunde. DerRosen-
garten. 3. Aufl. 16. (120 S. Berlin 1873. Kastner. '/< Rthlr.
649. Walther von Breisach, Meister. Von Bauer.
Germania 18, 213 -21 t.
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650. Walther von Metz, zu. Von A. Schönbach.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 159 — 1G5.
651. Walther von der Vogelweide. Herausgegeben von Frz. Pfeiffer.
4. Auflage. Herausgeg. von K. Bartsch. 8. (LXIV, 344 S.) Leipzig 1873. Brock-
haus. 1 Rthlr.
652. Walthers von der Vogelweide Gedichte, übersetzt von K. Sim-
rock. 5. neugeordnete Auflage. 16. (XXXIX, 360 S.) Leipzig 1873. Hirzel.
l2/3 Rthlr.
Vgl. Sonntagsblatt 1873, Nr. 49.
653. Lex er, M., über Walther von der Vogelweide. Ein Vortrag. 8.
(33 S.) Würzburg 1873. Stahel. 1/4 Rthlr.
Vgl. Allgem. Liter. Zeitung 1873, Nr. 25; Allgem. liter. Anzeiger Nr. 74; Deutscher
Sprachwart Nr. 18; Der Literaturfreund 1. Jahrg. Nr. 8.
654. Hag, J. v., Walther von der Vogel weide.
Deutscher Sprachwart 7. Bd. Nr. 8.
655. Fiedler, K., zu Walther von der Vogelweide. (IL Ottenton). 4.
(16 S.) Colberg. (Programm.)
656. Heußner, Walther von der Vogelweide als politischer Dichter.
Deutsche Blätter 1873, 9. Heft.
657. Walthers von der Vogel weide Klagelieder gegen die Päpste
Innocenz III und Gregor IX.
Der Katholik, 15. Jahrg. (1873), Mai.
658. Ein Minnesänger wider den Pabst.
Europa 1873, Nr. 22.
659. Palm, H., Belege zum Vorkommen des Namens Vogelweide in älteren
Urkunden.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 203—206.
660. Wernher der Gartenaere. — Birlinger, A., zum Meier Helm-
brecht.
Germania 18, 110—111.
661. Wolfram von Eschenbach, Wilhelm von Orange. Heldengedicht.
Zum ersten Male aus dem Mhd. übersetzt von San-Marte (A. Schulz). 8. (XXII,
398 S.) Halle 1873. Waisenhaus. 2 Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1873, Nr. 41; Götting. Gel. Anzeigen 1874, Nr. 11;
Theolog. Literaturblatt Nr. 9 — 10; Blätter f. d. bayer. Gymnas. X, 3; National-Zeitung
1873, Nr. 379; Norddeutsche Allgem. Zeitung Nr. 182; Grazer Tagespost Nr. 194;
Über Land und Meer 1874, Nr. 33.
662. Bezzenberger , H. E., ein Parzivalfragment.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 192—199.
663. Kinzel, K., zur Charakteristik des Wolframschen Stiles.
Zeitschrift für deutsche Philologie 5, 1—36.
664. Betz, Hans. — Wagner, J. M., die faul schelmenzunft der
zwelf pfaffenknecht. Spruchgedicht.
Wagners Archiv I, 71 — 79. Dazu Nachträge von Wendeler. Steinmeyer u. Wagner
S. 436—442.
665. Brant, Sebastian, das Narrenschiff. Herausg. von K. Goedeke. 8.
(XXXVI, 265 S.) Leipzig 1873. Brockhaus. 1 Rthlr.
Deutsche Dichter des 16. Jahrhs. 7. Band; Vgl. Blätter f. literar. Unterhaltung
1873, Nr. 37 (Kückert); Lehmamis Magazin Nr. 17; National-Zeitung Nr. 498.
666. Simrock, K., zu Sebastian Brant.
Alemannia I, 307—320.
XIII. ('. MITTELHOCHDEUTSCH. 487
667. Scherer, W., zum Narrenschiff.
Wagners Archiv I, 190.
668. Fischart. — Müntz, le chroniqueur Beinard Bertzog et eon gendre
le poete Jean Fischart.
Revue d'Alsace X. S. T. II (1873); Vgl. Lehmanns Magazin 187 3, Nr. 50.
669. Crecelius, W., zur Fischartbibliographie.
Wagners Archiv I, 12 f. — Dazu: Steinmeyer, Scherer und J. Franck 8. 225 f.
670. Crecelius, W., ein Buch aus Fischarts Bibliothek.
Alemannia I, 250—254.
6 71. Franck. — Löwenberg, J., das Weltbuch Seb. Francks.
Im neuen Reich 1873, Nr. 37.
6 7 •>. Jaspar von Gennep, Ilomulus, der Bünden loin ist der Toid. Geist-
liches Schauspiel.
Bibliothek der niederrheinischen Literatur. Mit Einleitung, Anmerkungen und
Glossaren versehen. 1. Heft. 8. (54 S.) Viersen 1873 Baedeker. % Rthlr. Vgl. Blätter
f. liter. Unterhaltung 1874, Nr. 33 (Rückert); Theolog. Literaturblatt 1874, Nr. 16; Wagners
Archiv I, 554 ff.
673. Gedichte. — Koldewey, Oberlehrer, zwei Gedichte auf Herzog
Heinrich den Jüngern.
Zeitschrift des histor. Vereins f. Niedersachsen 1873.
6 74. Gedicht, ein, über die Reformation in Hörstgen. Von Pfarrer
Meyer.
Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 9 (1873), S. 234—236. Vom J. 1556.
675. Haupt, J., zwei zeitgenößische Gedichte von der Schlacht von Pavia
und vom König Franz I. von Frankreich.
Wagners Archiv I, 161 — 175.
676. Seidemann, J. K., Herzog Georg von Sachsen als Dichter.
Archiv f. Liter. Geschichte 3, 45 — 48.
677. Luther. — Köstlin, die geschichtlichen Zeugnisse über Luthers
Geburtsjahr.
Theologische Studien und Kritiken 1873, S. 135—151. Wahrscheinlich doch 1483.
678. Kade, Otto, ein feste burgk ist vnser got. Der neu aufgefund. sne
Luther-Codex vom J. 1530. Eine von dem großen Reformator eigenhändig be-
nutzte und ihm von dem kursächs. Kapellmeister Joh. Walther verehrte band-
schriftl. Sammlung geistlicher Lieder und Tonsätze. 1 — 6. Lief. cpu. 4. (183 S.)
Dresden 1873. Schräg, ä 9 gr.
679. Bechstein, R., die sprachliche Revision der Lutherischen Bibel-
übersetzung. Eine Antikritik.
Protestant. Kirchenzeitung 1873, Nr. 51.
680. Nas, Johannes, und die Jesuiten. Ein Beitrag zur Litteraturgeschichte
des 16. Jahrhs.
Wagners Archiv I, 49 — 66.
681. Rollenhagen, Georg, ein Brief. Von A. Kirchhoff.
/. • chrift für deutsche Philologie 5, 74-76.
682. Sachs, Bans. Berausgegeben von A. \. Keller. 7. Band. 8. (484 S.)
Stuttgart 1873.
115. Publication des litterar. Vereins.
683. Hans Sachsens Lobsprach der Stadl Rostock.
In Seliinnrielieis I zur meklenburg. Geschichte L872.
684. Lochner, <•. W. K., Urkunden Hans Bachs betreffend.
Archiv f. Littcr. Geschichte 3,26 ll.
685. Weller, E., Bans Sachs.
Wagners Archiv I, 162- 163.
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Die Gegenwart 1873, Nr. 3—4.
687. Blind, Karl, Hans Sachs als Streiter in Kirche und Staat.
Die Gegenwart 1872, Nr. 45 f.
688. Goedeke, K., die Lieder des Hans Sachs.
Wagners Arcli v I, 67—72.
689. Schauspiel. — Martin, E., Freiburger Passionsspiele des 1 ß. Jhs.
Zeitschrift der Gesellschaft zur Beförderung der Geschichtskunde in Freiburg.
3. Bd. 1. Heft (1873).
690. Lütolf, A., über ein Schauspiel von St. Wilhelm.
Wagners Archiv I, 80-82.
691. Treitzsaurwein. — Schönherr, Dr. J., über Marx Treytz-
Saurwein. 8. Wien 1873.
Aus dem Archiv f. österr. Geschichte 48. Bd. Vgl. Liter. Centralblatt 1874, Nr. 3.
692. Liliencron, R. v., der Weisskunig Maximilians I.
Historisches Taschenbuch 5. Folge, 3. Jahrgang (1873).
693. Tusch, H. E., Meisterlied. Von H. Lambel.
Wagners Archiv I, 442 f.
694. Wickram. — Bober tag, Dr. F., Analysen der Romane G. Wickrains
und Proben aus den ältesten Drucken. 4.
Aus den Schriften der Schlesischen Gesellschaft f. Vaterland. Cultur 1873.
* D. Altsächsisch.
695. Heliand. Mit ausführlichem Glossar herausgegeb. von M. Heyne.
2. verb. Auflage. 8. (VIII, 375 S.) Paderborn 1873. Schöningh. 2 Rthlr.
Bibliothek der ältesten deutschen Literatur-Denkmäler 2. Bd. Vgl. Liter. Central-
blatt 1873, Nr. 21 (Sievers); Wissenschaftl. Monatsblätter 1,3; Theolog. Literaturblutt
Nr. 14 (Birlinger); Blätter f. d. bayer. Gymnas. IX, 6; Allgem. Liter.-Zeitung Nr. 39.
696. Crecelius, W., altniederdeutsche Blocken.
Germania 18, 215—219.
697. Woeste, F., Bemerkungen zu Friedländers Codex Traditionum
Westfalicarum.
Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 9, 1 — 28.
E. Mitteinierde r deutsch.
698. Weiland, L., niederdeutsche Pilatuslegende.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 147-160.
699. Drosihn, Fi-., Bemerkungen zum Redentiner Osterspiele.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 400-406.
700. Lübben, Av Bemerkungen zu der Ausgabe des Reinke Vos
von K. Schröder.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 57 — 67.
701. Döring, über eine Stelle im Reineke Fuchs (V. 1511).
Jahrbücher f. Philologie u. Pädagogik 108, 86 — 88 (1873), Über die Bedeutung
von dac/t/e, das hier als 'drückte' erklärt wird.
702. Döring, noch einmal die Stelle im Reineke Fuchs.
Ebenda 7. llett.
703. Krause, Dir. K. E. H., über den 1. und 2. Theil der Rostocker
Chronik. Eine Kiuderlehre des 15. Jahrb. 4. (20 S.) Rostock 1873. Stiller
in Comm. 8 gr.
Programm des Gymnasiums.
KIII. F. MITTELNIEDERLÄNDISCH, G. ALTFRIESISCH, II. ANGELS. 489
704. Weiland, Dr. L., zur Quellenkritik der Sachsencbronik.
Forschungen zur deutschen Geschiclite 13, 157—198. Vorbereitung der Ausgabe
in den Monutn. Germaniae.
705. Holstein, Oberlehrer Dr., dat blicken im käkwien. Beitrag zur
Erklärung einer Stelle der Magdeburger Schöppencbronik.
Geschichtsblätter f. Stadt u. Land Magdeburg. 8. Jahrgang (1873).
706. BiRthke, Herrn., der Lübecker Todtentanz. Ein Versuch zur Her-
stellung des alten niederdeutschen Textes. 8. (80 S.) Berlin 1873.
Göttinger Dissertation. Vgl. Götting. Gel. Anzeigen Nr. 19.
707. Mantels, W. , der Lübecker Todtentanz vor seiner Erneuerung
im J. 1701.
Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 158—161.
F. Mittelniederländisch.
708. Jacob vnn Maerlant's Spieghel historiael. 29 Partie. Uitgegeven
door F. v. Ilellwald, onder medcwerking van Dr. M. de Vries en Dr. E.
Verwijs. 1. 2. Aflev. 4. Leiden 1873. van Doesburgh. a 22 gr.
709. Episodes uit Maerlant's historie van Troijen naar het te Wissen
gevonden handschrift, bewerkt en uitgegeven door Dr. J. Verdam. 8. (2 S. und
S. 1 — 224). Groningen 1873. Wolters. 1 f. 50 c.
Bibliotheek van middelnederlandsche letterkuude onder redaktie van II. E. Moltzer.
10, 11. Aflev.
710. Bartsch, K., Bruchstücke von Jacob von Maerlant's Rymbybel.
Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 196 f.
711. Verbalen, Karolingsche. Carel en Elegast, de vier Hecmskinderen,
Willem van Oranje, Floris en Blanceflor. In nieuwer form overgebracht door
J. A. Alberdingk Thijm. 2. uitgave. 8. (XI, 231 S.) Amsterdam 1873. Langen-
huysen. 1 f. 75 c.
712. Karl en Elegast. Deux fragments manuscrits (ensemble 128 vers)
du XIV7* siecle, conservees ä la Bibliotheque de la ville de Namurs, commuui-
cation de M. J. II. Bormans.
Bulletin de l'academie royale de Belgique 2e söne, T. 36, p. 220—226 (1873).
G. AI t f ri esi 8 eh.
713. Lübben, A., Altfriesiscbes.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 201—203.
H. Angelsächsisch.
714. Beowulf. Mit ausführlichem Glossar herausgegeben von M. Heyne.
3. Auflage. 8. (275 S.) Paderborn 1*7;;. Sehöningh. 1 Rthlr. 18 gr.
Bibliothek der ältesten deutschen Literatur-Denkmäler 3. Bd. v'gl. Liter. Central-
blatt 1*7:;, Nr. 21 (Sievers); WissenMchaftL Monatsblätter I, l; Blätter f. d. bayer.
Gymnas. I.\ 6; Allgem. Liter. Zeitung Nr. 12.
715. Beowulf (Bärweif). Das älteste deutsche Heldengedicht. Aus dem
Angelsächsischen von Elans v, Wolzogen. 16.(104 8.) Leipzig 1873. Reclam. 2 gr.
Universal-Bibliothek Nr. ISO. \ i. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 43.
716. Pacius, A., das heilige Kreuz, angelsächsisches Lied, stabreimend
übersetzt und erklärt. 4. 36 S. und 3 Taf<
Programm der Realschule in Gera 1873.
490 BIBLIOGRAPHIE VON 1873.
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717. Horstmann, C, die Sprüche des h. Bernhard und die Vision
des h. Paulus nach Ms. Laud 108.
Archiv f. d. Studium der neueren Sprachen 52, 33—38.
718. Generydes, a romance in seven-line stanzas (about 1440). Edited
by W. A. Wright. 8. London 1873. Trübner.
Early English Text Society.
719. Zupitza, J., zur Literaturgeschichte des Guy von Warwick. 8.
Wien 1873. Gerold in Comm.
Aus den Sitzungsberichten der Akademie. Vgl. Liter. Centralblatt 1873, Nr. 34.
720. Langland, Will., the Vision of William concerning Piers the
Plowman. Edited by W.W. Skeat. 8. London 1873. Trübner.
Early English Text Society.
721. Horstmann, C, Leben Jesu, ein Fragment, und Kindheit Jesu.
Zwei altenglische Gedichte aus Ms. Laud 108 zum erstenmal herausg. 1. Theil.
Leben Jesu. 8. (69 S.) Münster 1873. Regensberg. 2/3 Rthlr.
722. Myroure, the, of our Ladye. Edited by J. H. Bluut. 8. London
1873. Trübner.
Early English Text Society.
723. The hystorie of the moste noble knight Plasidas, and other rare
pieces, collected by Popys. Edited by Gibbs. 1873.
Vgl. Athenaeum 1873, Nr. 2390.
K. Altnordisch.
724. Edda. — Ettmüller, L., Beiträge zur Kritik der Eddalieder.
Germania 18, 160—175.
725. Zupitza, J., zur älteren Edda.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 4, 445 — 451.
726. Storm, Gustav, om Eufemiaviserue.
Tidskrift f. Filologi og Paedagogik N. E. I, 23—42.
727. Lönnberg, C. J. L., Fornnordiska sagor. II. Eyrbyggarnes saga.
Ofversat med förklarande anmärkningar. 8. (196 S.) Stockholm 1873. Norman.
1 rd. 50 öre.
728. Thorkelsson, Jon, Skyringar a Visum i Gi'sla sögu Sürsonar.
(24 S.) Reykjavik 1873.
729. Hervarar S aga okHeidreks.Udgiv. af S. Bugge. 8. Christianial873.
Norr. skrifter af sagnhistorisk Indhold 3, 204-370 (Norsk Oldskriftselsk. Nr. 17).
730. Konunga Sögur. Sagaer om Svere og hans Efterfölgere. Udgivne
(efter Eirspennill d. e. A M 47 fol.) af C. R. ünger. 8. (XII, 535 S.) Christiania
1873. Brögge.
Norsk Oldskriftselskab Nr. 13. 15. 18.
731. The Orkneyinga Saga, translated from the Ieehindic by John
Hjaltalin and Gilb. Goudie, edited with notes and introduetion by Jos. Anderson.
8. (CXXXVI, 227 S.) Edinburgh 1873. Douglas. (With mapes).
732. Kölbing, E., über die nordische Gestaltung der Partonopeussage.
8. (22 S.) Breslau 1873.
Habilitations-Schrift.
733. Über eine in Livland entdeckte Runeninschrift.
Verhandlungen der gelehrten estnischen Gesellschaft 7. Bd. Dorpat 1873.
XIII L. ALTDANISCH, M. MITTELLATEINISCHE POESIE. 4<)1
734. Storm, Gustav, Snorre Sturlassüns Historieskrivning , eu kritisk
undersögelse. 8. (X, 292 S. mit Tafeln). Kopenhagen 1873.
735. Mübiub, Tu., über die Heimskringla.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 141 — 146.
736. Sagaen om Vülsungerne, oversat efter det Islandske af V. Ulimann.
8. (112 S.) Kjöbenhavn 1873. Gyldendal. 64 sk.
L. A 1 1 d ä n i s c h.
737. Rimkrönike, den danske, trykt ved Gfr. af Gliomen i Kjübh.
1495, udgiv. i fotolithograph. Faesimile. Kjöbenh. 1873. 3 Rtklr.
M. Mittellateinische Poesie.
738. Pannenborg, A., Alcimus Avitus im Carmen de bello Saxonico.
Forschungen zur deutschen Geschichte 13, 413 — 114 (1873).
739. Peiper, R., Beitrage zur lateinischen Cato-Litteratur.
Zeitschrift f. deutsche Philologie 5, 165 — 186.
740. Schenkel, K., eine alte Handschrift der Disticha Catonis.
Zeitschrift f. d. Österreich. Gymnasien 1873, 7. Heft.
741. Ekkehardi primi Waltharius ed. Rud. Peiper. 8. (LXXYI, 128 S.)
Berlin 1873. Weidmann. 1 % Rthlr.
Vgl. Liter. Centralblatt 18f3, Nr. 25; Götting. Gel. Anzeigen Nr. 29 (l'annenborg).
742. Meyer, W., Philologische Bemerkungen zum Waltharius. S. München
1873.
Aus den Sitzungsberichten. Vgl. Revue critique 1874, Nr. 21.
743. Belle, Tr. v. , Gaudeamus igitur aus einem Bußlied entstanden.
Magazin f. d. Literatur des Auslandes 1873, S. 295 f.
744. Dumm ler, E., Gedichte vom Hofe Karls des Grossen.
Zeitschrift f. deutsches Alterthum 17, 141—146.
745. Simson, Dr. B., über das Gedicht von der Zusammenkunft Karls
des Gr. und Pabst Leos 111. in Paderborn.
Forschungen zur deutschen Geschichte 12 (1873), 567 — 592.
746. Dümmler, E., zu den Gesta Berengarii iinperatoris.
I drangen zur deutschen Geschichte 13 (1873), 415 — 117.
747. Pannenborg, A., Magister Guntherus und seine Schriften,
'hungen zur deutschen Geschichte 13 (1873), 227 — 381,
748. Joachim, R., 30 lateinische Hymnen, nach zwei in der Milich'schen
Bibliothek zu Görlitz aufgefundenen Pergamenthandschriften veröffentlicht.
N. Lausitz. Magazin 60. Bd. 1. Heft (1873).
749. Magistri Justini Lippiflorium hcrausgeg. von Dr. Georg Laub-
mann. 1872.
Vgl. Historische Zeitschrift Ist:;, •_>. Hefi
750. Fischer, Theobald, das satirische Gedicht des Nikolaus von Bibra
übersetzt im Versmaß des Originale von A. Rienäcker.
N. Mittheilungen aus dem Gebiete histor.-antiquar. Forschungen L3. Bd. 3. Heft
I-::;
751. Herquct, Magister Heinrich von Kirchberg und die samländi
Pfründenvertheilung des Carmen aatiricum.
Ebi adaselbst.
492 MISCELLEN.
752. Radewin's Gedicht über Theophilus. Nebst Untersuchungen über
•die Theophilussage und die Arten der gereimten Hexameter herausgeg. von Willi.
Meyer aus Speyer. 8. (72 S.) München 1873.
Aus den Sitzungsberichten. Vgl. Revue critique Nr. 27; Liter. Centralbl. Nr. 40.
753. P ei per, R., arithmetische Räthsel.
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 249 — 254. Lat. Distich.
von Acbrannus 9 — 10. Jahrh.
754. Friedländer, Ernst, lateinische Reime des Mittelalters.
Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 96 — 99.
755. The anglo-latin satirical poets and epigrammatists of the twelfth
Century. Now first collected and edited by Th. Wright. 2 vols. London 1873.
Longmans.
Vgl. Athenaeum Nr. 2389.
756. Sequenzen, lateinische, zusammengestellt und herausgegeben von
J. Kehrein. 8. Mainz 1873. Kupferberg. 2% Rthlr.
Vgl. Literar. Centralblatt 1874, Nr. 13; Academy Nr. 82 (Peacock); Theolog.
Literaturblatt Nr. 25; Liter. Handweiser Nr. 153; Allgem. Liter. Zeitung 1873, Nr. 30;
Schles. Kirchenblatt Nr. 27; Kathol. Literaturblatt der Sion, August; Kathol. Bewegung
VI, 10; Philotbea 38, 6; Katholik 1873, October.
757. Wattenbach, W., aus dem Briefbuch des Meister Simon von
Homburg.
Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Nr. 2 3.
758. Walafridi Strabonis picturae historiarum novi testamenti.
Organ für christliche Kunst 23. Jahrg. Nr. 10 (1873).
759. Wattenbach, W., Mittheilungen aus zwei Handschriften der Hof-
und Staatsbibliothek zu München.
Sitzungsberichte der k. bayer. Akademie 1873, 5. Heft, S. 685 — 747.
760. Wattenbach, W., kirchlich-politische Gedichte des 12. Jhs.
Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 1873, Sp. 99—103.
761. Wattenbach, W., Verse gegen die Weiber.
Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit 1873, Sp. 255 — 258.
MISCELLEN.
Bericht
über die Sitzungen der deutsch-romanischen und der Section für neuere Sprachen
auf der XXIX. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner zu Inns-
bruck, vom 28. Sept. bis 1. Oct. 1874.
1. Sitzung. Montag den 28. Sept. von 12 V2 — 1 V4 Uhr Vorm. Nach
Schluß der ersten allgemeinen Sitzung constituierte sich gegen 12% Uhr die
Section unter dem Vorsitze des in Leipzig erwählten Präsidenten Prof. Dr. J.
V. Zingerle, indem sich zugleich die Section für neuere Sprachen mit der
deutsch romanischen vereinigte. In seiner Begrüßungsrede hieß der Präsident die
Versammelten herzlich willkommen, gedachte in kurzer, aber treffender Aus-
führung der Bedeutung, die das Land Tirol im Mittelalter auf dem Gebiete
MISCELLEN. 493
der deutscheu Litteratur, insbesondere der Sage und Dichtung, hatte, und wid-
mete den in den verflossenen drei Jahren abgeschiedenen Fachgenossen mit
warmen Worten einen dankenden Nachruf.
Hierauf wurden auf den Vorschlug des Vorsitzenden Prof. Dr. Wein-
hold aus Kiel zum Vicepräsidenten und Dr. A. Hucber und Dr. J. Egg er
aus Innsbruck zu Secretiiren erwählt und die Tagesordnung für die nächsten
Sitzungen festgesetzt.
In das Album zeichneten sich folgende 42 Mitglieder: Karl Bartsch,
Professor aus Heidelberg; A. M. Benecke, Oberlehrer aus Berlin; Dr. F. Buek-
eisen, Realschulprofessor aus Innsbruck; Dr. J. Egger, Gytnnasialprofessor
aus Innsbruck; J. Egg er, Gymnasialprofessor aus Graz; E. Falkner, Real-
schulprofessor aus Innsbruck; F. Fiegl, Gymnasialprofessor aus Wien; Dr.
Frauer, Professor aus Stuttgart; Dr. F. F ri edersd or f f, Oberlehrer aus
Marienberg; V. Garbari, Gymnasialprofessor aus Trient; J. Grion, Gym-
nasialdirector aus Verona; Hin tri er, Gymnasialprofessor aus Wien; Dr. J.
Hirn, Gymnasialprofessor aus Krems; Dr. E. Hof mann, Professor aus Inns-
bruck; Dr. A. Holder, Hofbibliothekar aus Karlsruhe; Dr. Alf. Huber,
Professor aus Innsbruck; Dr. Ad. Hueber, Realschulprofessor aus Innsbruck;
Dr. v. Inama-Sternegg, Professor aus Innsbruck; Dr. A. Jeitteles, Bib-
liothekar aus Innsbruck; H. Jörg, Lehramtscandidat aus Innsbruck; Dr. F.
Keinz, Staatsbibliotheksecretär aus München; M. Lisch, Gymnasialprofessor
aus Innsbruck; H. Lorenzoni, Lehramtscandidat aus Trient; Dr. Mahn,
Professor aus Berlin; A. Maresch, Landesschulinspector von Troppau; A.
Michaeler, Gymnasialprofessor aus Bozen; Dr. G. R. v. Ohms, Hofsecretär
aus Wien; Dr. E. Pfandhelles, Gymnasiallehrer aus Stettin; Dr. G. Pullic,
Gymnasialdirector aus Trient ; Dr. Sachs, Professor aus Brandenburg a. d.U.;
Dr. J. Schmidt, Director aus Falkeuberg; Chr. Schneller, Landesschulin-
spector aus Innsbruck; Dr. F. Scholle aus Berlin; J. Solar, Landesschulin-
spector aus Laibach; Dr. L. Steub aus München; Dr. F. Strehlke, Gym-
nasialdirector aus Marienburg; Dr. A. Theobai d aus Hamburg; Dr. Walz,
nasialprofessor aus Linz; Dr. K. We in hold, Professor aus Kiel; V. Zambra,
Gymnasiallehrer aus Trient; S. Zehetmayv, Gymnasialprofessor aus Freising;
Dr. J. V. Zingerle, Professor aus Innsbruck.
2. Sitzung Montag den 28. September von 6 — 7% Uhr Abends. Der Vor-
sitzende ließ die eingelaufenen Begrüssungsschriften zur Verthcilung gelangen.
Es sind folgende:
Hintner: Zur tirolischen Dialektforschung, 2. Heft;
Hueber: Über Heribert von Salurn; Von S. Katreinen;
Jung: Zur Geschichte der Gegenreformation in Tirol.
Darauf erstattete Gymnasialdirector Dr. Strehlke aus Marienburg Bericht
über die Goethe-Ausgaben der Letzten sieben Jahre. Indem derselbe von einer
kurzen Charakteristik der seit Goethe'a Tode veranstalteten Drucke ausgit ng,
hob er besonders die dreißigbändigen Ausgaben von 1850 u. 1857, die zum
Theil unter der Leitung Düntzer's vorbereitet waren, als einen entschiedenen
Fortschritt bezeichnend hervor, erkannte aber auch an, dass die Verlagshandlung
auch bei einzelnen spatern Drucken, namentlich bei denen von den Jahren 1868
und 1869, das Streben gezeigt hätte, immer bessere Texte zu liefern; er mimste
ch hinzufügen, daß dieß Streben bis dahin noch zu keinem befriedigenden
geführt hätte. Dieß gab Veranlassung weiter auszuführen, welche Auf-
494 MISC ELLEN.
gaben sich die Herausgabe Goethe's auch noch außer der Herstellung eines
vollständig zuverlässigen Textes stellen müsse. Als solche bezeichnete Referent
vorzugsweise eine zweckmäßige Anordnung des gesammten Materials, Vollstän-
digkeit, die durch die Aufnahme sämmtlicher als echt anerkannten Dichtungen
und Aufsätze zu erreichen wäre, endlich Einleitungen, erläuternde Anmerkungen
und Indices zwar nicht für alle, aber für die zahlreichen Schriften, in
welchen das Verständniss solche nothwendig machte. Auf diese Weise war zu-
gleich der Maßstab bestimmt, nach welchem alle neuen Ausgaben geprüft werden
müssen. Diese Prüfung ergab indessen, daß keine derselben, weder die bei Karl
Prohaska (Leipzig, Wien und Teschen 1873) noch die bei Ph. Reclam (Leipzig),
noch die bei G. Grote (Berlin 1870 und 1873) erschienenen, irgend einen Fort-
schritt bekundeten , wobei allerdings die in letzteren gegebenen Einleitungen
nicht mit in Betracht gezogen wurden. Alle haben ihren Zweck und Nutzen
eben nur darin, daß Goethe's Werke durch sie eine weitere Verbreitung finden
können. Als eine Ausnahme hob indessen Referent die von Heinrich Kurz ver-
anstaltete Auswahl von Goethe's Werken (Hildburghausen) hervor, da für diese
wenigstens eine sorgfältige Vergleichung aller Drucke bis zu der Ausgabe letzter
Hand gemacht war; dagegen konnte er von der bei G. Hempel in der National-
bibliothek deutscher Classiker erscheinenden und nahezu beendigten Goethe-
Ausgabe nur hindeutungs weise sprechen, da er selbst bei der Herstellung der-
selben betheiligt gewesen ist.
Den zweiten Vortrag hielt Prof. Dr. Sachs aus Brandenburg: über
den heutigen Stand der romanischen Dialektforschung. In seiner Einleitung wies
er auf die Notwendigkeit die Dialekte zu fixieren hin. Dann gab er eine kurze
Überschau über die Leistungen der Deutschen auf dem Gebiete der romanischen
Sprach- und Dialektforschung. Dieselben haben auch hier Bahn gebrochen und
ihren Beruf für wissenschaftliche Forschung glänzend bewährt. Die Werke von
Diez, Fuchs, Wolf, Kellermann u. A. erschlossen die Kenntniss der romanischen
Sprachen und Litteraturen. Geibl, Schack, Gries und Klein machten die Deut-
schen mit den Schätzen der spanischen Poesie eingehender bekannt.
Nach diesen einleitenden Bemerkungen wandte sich der Referent zu den
einzelnen Dialekten und ihren Litteraturen. Er begann mit den spanischen.
Darunter erfreuen sich der katatonische und valencianische eingehenderer Be-
handlung; mit ihnen haben sich auch Wolf, Fuchs und Diez befasst. Noch
eifriger wurde aber bisher das Altprovenzalische studiert, dessen Überreste immer
kritischer herausgegeben werden, doch brachten diese Studien der Dialektfor-
schung keinen großen Gewinn.
Nach kurzer Erwähnung des Waldensischen, in das auch die Bibel über-
setzt ist, kam er auf die Dialekte des südlichen Frankreichs zu sprechen, wie
das Neuprovenzalische, den Dauphind'er Dialect, den Lyoner, den Roussilloner,
Auvergner, Gascogner u. a. Alle diese stellen dem Altprovenzalischen näher als
das Neuprovenzalische; ihnen schließen sich die Mundarten Savoyens und der
Schweiz an.
Von den südfranzösischen Dialekten bedeutend verschieden sind die jen-
seits der Loire, die das eigentliche Französisch ausmachen. Zu den wichtigsten
Zweigen dieses Stammes gehören das Bnrgundische, das Lothringische, das
Französische im engern Sinn, das Pikardische, Flandrische und Normannische.
Alle wurden von der französischen Akademie lauere vornehm verachtet und fanden
MISCELLEN. 495
erst lu neuerer Zeit die entsprechende Würdigung, die eine Reihe von interessanten
Werken üher sie aufzuweisen hat.
Von der Besprechung der französischen gieng Referent zu dem großen
italienischen Sprachstamm über und erwähnte dabei die Verdienste einzelner
Deutscher um die Sprache und Litteratur der Bewohner Italiens. Der italienische
Sprachstamm wird unterschieden in die Dialekte Süd-, Mittel- und Oberitaliens.
Zu den ersteren zählen die von Neapel, Calabrien, Sicilien und Sardinien, zu
den mittelitalienischen die von Toseana, Rom und Umgebung, Corsica, und zu
den oberitalienischen die gallisch-italischen Dialekte und die am meisten ent-
wickelten venetianischen.
Das Wallachische hat erst Diez als eine romanische Sprache anerkannt.
Zum Schluß verbreitete sich der Referent noch über die beiden roma-
nischen Sprachzweige, Avelche die geringste örtliche Ausdehnung haben: das
Ladinische und Churwälsche. Beide zerfallen wieder in zwei Zweige. Trotz ihrer
geringen Ausbreitung haben sie doch schon wissenschaftliche Bearbeiter gefunden,
so das Ladinische in Chr. Schneller.
Der Referent schloß seinen Vortrag mit dem Vorschlag, zum Behufe rich-
tiger Aussprache möchten alle nach dem von ihm befolgten Principe bei der
Bezeichnung der Laute vorgehen.
Den letzten Vortrag in dieser Sitzung hielt Dr. Mahn aus Berlin, über
die provenzalisehe Sprache und ihr Verhältniss zu den übrigen romanischen
Sprachen. Er stellte sich die Aufgabe, die Bedeutung der provenzalischen Sprache
für die neuere Sprachforschung, namentlich für die Etymologie der romanischen
Sprachen darzuthun. Er zeigte deßhalb an einer Reihe von Beispielen, wie durch
Zuhilfenahme des Provenzalischen viele falsche Ableitungen vermieden werden,
wie leicht und ungezwungen sich sonst räthselhafte Wörter erklären lassen.
Die gewählten Beispiele waren wohl meist nicht neu.
Keiner der gehaltenen Vorträge gab zu einer Debatte Veranlassung. Deß-
halb schloß der Vorsitzende nach Beendigung des letzten Vortrages die Sitzung,
indem er zugleich die Tagesordnung für die nächste Sitzung veröffentlichte.
3. Sitzung, Dienstag den 29. Sept. von 8 — 11 Uhr Vorm. Nach Eröffnung
der Sitzung durch den Präsidenten stellt der Vicepräsident Prof. Weinbold
folgenden Antrag. Die germanistische Section der 29. Versammlung deutscher
Philologen und Schulmänner wolle beschließen:
bei S. k. H. dem Großherzog von Oldenburg sich dringend zu verwenden,
1. daß der Oberlehrer Dr. August Lübben in Oldenburg zum Zwecke der er-
sprießlichen Fortsetzung und Vollendung seines wissenschaftlich hochwichtigen
Mittelniederdeutschen Wörterbuches für die Dauer dieser Arbeit unter Fort-
genuß Beines vollen Gehaltbezuges v<>n dem größten Theile seiner Lehrstunden
entbanden werde; 2. daß S. k. Hoheit dem durch einen Gelehrten seines Landes
ausgeführten, der angestammten Sprache seiner Fürstentümer gewidmeten Werke
«ine angemessene Unterstützung bis zum Seiduli des Druckes zuwende.
Nachdem der Antragsteller diesen Antrag eingehend begründet, wird
derselbe einstimmig angenommen und das Präsidium mit dessen Ausführung
betraut.
Den ersten Vortrag hieb Prof. Bartsch. Er las seine Übersetzun
1., 3. und ■". G ngee aus Haute's Hölle vor und knüpfte daran einige all-
ine Bemerkungen. Hierin wies er darauf hin, wie die Ansichten und die
49G MISCELLEN.
Praxis der Danteübersetzer getheilt seien. Die Einen, wie Schlegel, Kopisch,
Philalethes, Witte, Blank und Eitner, behalten zwar die Versform des Originals
bei, geben aber die kunstvolle Keimverschlingung der Terzine theilweise oder
ganz auf. Sie rechtfertigen diesen Vorgang mit der Schwierigkeit, treue Wieder-
gabe des Inhaltes mit der Strenge der Form zu vereinen. Aber sie verzichten
damit ohne Zweifel auf die volle Schönheit der Form und opfern gerade etwas
Wesentliches, da die kunstvolle Terzinenform in inniger Beziehung zum Inhalte
steht, und wahrscheinlich von Dante eigens für denselben geschaffen wurde. Die
andere Classe von Übersetzern gibt streng und genau die Form der Terzine
wieder, thut aber der Sprache und dem Inhalt Gewalt an und liefert statt der
wohlklingenden klaren Verse des Originals nur zu oft hölzerne dunkle deutsche
Verse. Der Referent gieng bei seiner Übersetzung von der Ansicht aus, daß
eine neue Danteübersetzung alle Leistungen der früheren gewissenhaft benutzen
und nur das bisher Ungenügende zu verbessern trachten müsse. Von diesem
Standpunkte aus wollte er seine Arbeit beurtheilt wissen. Nur auf solche Weise,
hofft er, werde sich das Ziel einer Übersetzung Dante's erreichen lassen, die
sich ebenso einbürgere, wie Vossens Homer und Schlegels Shakspeare.
Hierauf sprach Michael er aus Bozen über den Tiroler Dialekt mit
besonderer Berücksichtigung des Eisakthaies. Im Eingange bemerkte der
Referent, den Wortlaut seines Themas berichtigend, daß im strengen Sinne
von einem Tiroler Dialekte nicht die Rede sein könne, weil ja das gemeinsame
Band für die verschiedenen Mundarten der einzelnen Thäler fehle. Nachdem er
diese Behauptung durch eine Reihe von Beispielen erhärtet, schränkte er seinen
Vortrag auf den Dialekt des Eisakthaies ein. Zuerst behandelte er denVocalis-
mus. Er gieng dabei immer von den mittelhochdeutschen Vocalen aus und knüpfte
daran die entsprechenden Vöcale der Mundart. Aus dieser Zusammenstellung
gieng hervor, daß die alten Laute größtenteils anderen Platz gemacht haben
und nur wenige unverändert geblieben sind. Einige Beispiele weiden dieß hin-
länglich zeigen. Das hochdeutsche a kommt in der Mundart nicht vor, sondern
dafür steht a, o, und u. a findet sich vor Doppelconsonanz, o vor einfacher
und u vor der Liquida n: lachen, back] hos, wosen; bün, pltm, müne.
a steht für den Umlaut e {ä) in abgeleiteten Verben: tändeln (tändeln),
wassern (wässern); erscheint in Deminutivbildungen platzl (Plätzchen), hasl
(Häschen); dient selbst zu solchen: gatter {gotter großes Gitter) und erhält sich
im Conjunctiv des Präteritums : nam (nähme), kam (käme). Auch noch in andern
Fällen vertritt das reine a den Umlaut e (&'). — a erscheint weiter für mittel-
hochdeutsches ou oder neuhochdeutsches au: bam (Baum), tram (Traum), lab
(Laub). — Das e (sowohl kurz als lang) bleibt selten unverändert, das kurze
e ist meist in ö übergegangen, das lange e in ea: wollen (wellen); rearn
(weinen), kearn (kehren), seal (Seele). — / ist meist 1 geworden und l hat
sich zu ei verändert, u hat sich erhalten. 6 bleibt znweilen, geht meist aber
in eo über: heol (hol). — ü geht in oa über: froa (froh), broat (Brod). —
Ö bleibt oder wird lang, ö verwandelt sich in ea: beas , hearn; folgt n, wird
ie: schien {schön). — Der Umlaut ii hat sich erhalten, iu lautet oi: toir (theuer),
loigst (lügst), bisweilen auch ui: fruintschaft (Freundschaft). — ei wird durchaus
zu oa: oanlefe (eilf). — ou lautet ä: tramen. — öu wird ei: freide. — uo, ie
und üe bleiben.
MISCELLEN. 4«.)7
Kürzer ergieng sich der Referent über den Consonantismus. aber die kurze
Ausführung genügte, um zu zeigen, daß auch die Consonanten des Dialektes
gar vielfach von denen des Mittel- und Neuhochdeutschen abweichen, h wird
noch gesprochen: stochl (Stahl), fachen (fahen). Mit der Vorsilbe ge verhärtet
es sich zu kl Kalten (gehalten), mit der Vorsilbe be zu pf: pfiet (behüte). —
k stellt häufig nicht den starken aspirierten Kehllaut dar: brvgga (Brücke),
glogga (Glocke).
Verschiedene Consonanten am Ende der Silben und Wörter fallen ab:
au(f), a(b), fuder (ßirder), stumpf (Strumpf). — s wird zu ach : überseht, unterschi.
— tr geht in m über: mier (wir). — z kommt in Wortbildungen vor.- himelezen
(blitzen). — h tritt vor i: hinteresse. • — Romanisches seh wird zu gsch: gschlaf
(schiavo).
Den dritten Vortrag hielt Director Grion aus Verona: Über Anordnung
und die vom Verfasser besorgte Originalausgabe des Canzoniere des Petrarca.
Der Referent gieng von der Thatsache aus, daß einzelne Sonnette des Canzoniere
keinen oder keinen entsprechenden Sinn haben ; eine Thatsache, die selbst die
größten Verehrer des Dichters nicht leugnen könnten. Dann warf, er die Frage
auf, ob wohl unser Canzoniere authentisch sei? und verneinte sie: Zur Begründung
dieser Behauptung erzählte er kurz die Entstehungsgeschichte desselben. Daraus
geht hervor, daß vor dem Jahre 1373 eine vollständige Sammlung der Rime
nicht vorhanden war und daß die im genannten Jahr abgeschlossene ebenfalls
nicht den Anspruch auf Authentie machen dürfe. Denn der Dichter schrieb
die darin enthaltenen Gedichte nicht selbst ab, sondern ließ 6ie von seinen
Abschreibern aus den einzelnen losen Blättern zusammentragen, ja er unterzog
die Sammlung nicht einmal einer genauen Revision und begnügte sieh damit,
einen flüchtigen Blick hinein zu tliun. Nach des Dichters bald darauf erfolgtem
Tode wurde aber seine Bibliothek und damit auch die Handschriften der Rime
an seine Freunde verschenkt und dadurch zerstreut. So war es keinem der
späteren Herausgeber gegönnt, auf authentischen Quellen zu fussen ; selbst die
ältesten und besten Drucke, die von Wendelin de Spira, von Aldo Manuzzio
und Fano beruhen nicht auf solchen; alle anderen um so weniger, als ihnen
nur irgend eine der berühmteren Ausgaben zu Grunde liegt. Die meisten
Ausgaben richteten sich nach der von Aldo Manuzzio; in der Anordnung hielt
man sich gewöhnlich an die Ausgabe von Bembo. Aus diesen Thatsachen zop
der Referent den Schluß, daß einer neuen Ausgabe, die diu Anspruch auf
möglichste Correctheit erhebe, die noch erhaltenen Handschriften und die besten
Drucke zu Grunde gelegt werden müssen.
Zuletzt sprach in dieseT Sitzung Dr. S t e u b ans München über tirolische
Ethnologie. Er begann mit der Erzählung, wie er zu seinen Forschungen über
tirolisehe Ethnologie gekommen. Als er in den vierziger Jahren eine Heise
nach Tirol unternahm, um im Auftrage einer Buchhandlung dieß Land zu
schildern, da fielen ihm die seltsamen, von den bäuerischen häufig so abweichenden
Ortsnamen im Innthal auf und er Buchte hierüber Aufschluß bei dem Keltischen
und dann heim Etruskischen. Die Ergebnisse seiner Forschungen legte er in
seinem 1843 erschienenen Werke nieder: I)ie Urbewohner Rhätiens und ihr
Zusammenhang mit den Etruskern. Di«' Fehler, welche dieses enthielt, berichtigte
er in dem weitern Werke rom .1. 1852: Zur rhätiseben Ethnologie. Die darin
niedergelegten Ansichten erkenn) Dr. Steub auch heute noch im wesentlichen
'•I.k.ma.v ■ ie. Vll. (XII.) Jubrg I 32
498 MISC ELLEN.
als richtig an und darauf stützten sich seine weitern Ausführungen, deren Inhalt
sich in nachstehende Hauptsätze zusammenfassen läßt.
Tirol bietet dem Ethnologen eine ausserordentliche Mannigfaltigkeit der
Erscheinungen , wie kein Land Europas , etwa Sicilien ausgenommen. Seine
geringe Bevölkerung ist aus acht verschiedenen Völkern erwachsen: Rhätiern,
Romanen, Gothen, Langobarden, Bojoaren, Slaven, Alemannen und Waisen.
Die Rbätier bewohnten das heutige Tirol, Graubündten und den südlichen
Theil Vorarlbergs, an einige ihrer wichtigsten Stämme erinnern gegenwärtig
noch die Namen Brenner (Breuni), Eisack (Isarci), Vinschgau (Venosten) und
Fügen (Focunates) und für sie zeugen auch die Berichte der alten Classiker.
Dagegen wissen diese nichts von einer keltischen Bevölkerung Tirols und auch
Ortsnamen sprechen nicht für das einstige Vorhandensein einer solchen; die
kultische Hypothese haben erst neuere Forscher aufgestellt, namentlich Zeuß.
Nach Eroberung Rhätiens durch die Römer wurde es bis in die entlegensten
Thäler romanisiert; das beweisen die zahlreichen romanischen Namen, die in
allen Theilen des Landes noch jetzt sich vorfinden, wie Gleirschthal (glares),
Lafatschthal (l'avaza), Gepatsch (campazo), Rungatsch (runeazone). Der Herr-
schaft der Römer in diesen Thälern machten die Gothen für immer ein Ende.
Nach den Ausführungen des Historikers Dahn wären die Bewohner des Burg-
grafenamtes vorzüglich gothischer Abkunft und allerdings werden in den Regens-
burger Glossen des 13. Jahrhunderts die Meranee mit den Gothen identificiert.
Nach dem Sturze des Gothenreiches nahmen Südtirol bis Salurn die Langobarden,
Nordtirol die Bojoaren in Besitz. Die heutigen Ergebnisse der Forschungen
lassen nicht mehr zweifeln, daß die deutschen Enclaven in den wälschen Be-
zirken Tirols und Venetiens, wie die Sette und Tredeci communi, langobardischer
Abkunft seien.
Neben dieser deutschen Bevölkerung erhielt sich aber in allen Theilen
des Landes noch lange der Romanismus und abgesehen von dem jetzigen
Walschtirol, wo jetzt die letzten Reste der germanischen Bevölkerung nur mehr
mit Mühe sich behaupten, dauerte er in einigen Thälern bis in die neueste
Zeit fort; wie in Gröden, Eneberg, Abtei.
Slaven drangen um 600 in das Pusterthal ein und besetzten dessen öst-
lichen Theil, Alemannen und Waisen Hessen sich in den westlichen und nord-
westlichen Theilen nieder. Letztere werden nach den neuesten Ergebnissen der
Forschung für burgundische Einwanderer gehalten.
4. Sitzung den 1. October 1874. Von 9 — 10V2 Vorm. Schlußsitzung.
Den ersten Vortrag hielt Prof. Hintner aus Wien: Über tirolische Dialekt-
forschung. Er gieng hiebei von dem Gedanken aus, daß erst die vergleichende
Sprachforschung eine wissenschaftliche Erforschung der Dialekte begründet
habe; die vorher erschienenen Idiotiken, wie das schwäbische Wörterbuch von
Schinid mit etymologischen und historischen Anmerkungen (Stuttgart 1831) u. a.
hätten wohl noch jetzt brauchbares Material geliefert, seien aber in ihren
Erklärungen und Ableitungen oft ganz verfehlt. Er bezeichnete namentlich das
Wörterbuch Schmellers und die Frommann'sche Zeitschrift als jene Werke, die
am fruchtbarsten für Dialektforschung geworden. Da in letztere Schöpf, der
Verfasser des tirolischen Idiotikons, die ersten Ergebnisse seiner Forschung
niederlegte, so führte ihn dieser Umstand auf sein eigentliches Thema, die
tirolische Dialektforschung über. Er machte sich nnn zu seiner Hauptaufgabe,
die Schwierigkeiten tirolischer Dialektforschung gehörig ans Licht zu setzen.
MISCELLEN. 499
Die erste Hauptschwierigkeit fand er in der geographischen Lage des Landes,
in der unmittelbaren Nachbarschaft fremder Sprachgebiete, die theilweise seihst
ins Land sich hineinstrecken, wie namentlich des romanischen und slavischen.
Die Einflüsse dieser fremden Elemente auf den Wörterschatz der deutsch-
tirolischen Bevölkerung wurden bisher noch nie genügend berücksichtigt, indem
man bei den Worterklärungen die Fundstätte der Wörter ganz unberücksichtigt
ließ. Der Referent zeigte durch ein paar Beispiele, wie sehr man ohne solche
Rücksichtnahme fehl gehen könne, und hielt für noth wendig, daß das ganze
bisher gesammelte Material nach localen Gesichtspunkten revidiert werde.
In der weitern Ausführung verbreitete er sich über die Schwierigkeiten,
die der Sammlung des Materials entgegenstehen. Als solche erschienen ihm
vor allem das geringe Interesse und Verständniss der Gebildeten, die, im innigsten
Verkehr mit der Landbevölkerung, die Sache mächtig , fördern könnten, und
Scheu und absichtliche Täuschung, mit denen fremde Forscher beim Landvolke
zu kämpfen habin.
Für eine weitere grosse Schwierigkeit hielt er auch jene, welche die
wissenschaftliche Erforschung des Materials erfordere, da sie nicht bloß große
allgemeine Bildung, namentlich genaue Kenntniss der benachbarten Sprach-
gebiete, sondern auch eine gründliche Bekanntschaft mit den localen Verhältnissen,
mit den Sitten und Gebräuchen des Landes voraussetze.
Das grösste Hinderniss für das Gedeihen der Dialektstudien und For-
schungen sah er aber in dem Mangel eines Organes, einer Zeitschrift, worin
die gewonnenen Resultate, und seien sie auch noch so gering, veröffentlicht
werden könnten. Da unzureichende Geldmittel den Eingang der trefflichen
Frommann'schen Zeitschrift einst bewirkt und deren Wiedererscheinen bisher
trotz aller Anstrengungen unmöglich gemacht haben, so brachte der Referent
zum Schlüsse in Vorschlag: es solle ein allgemein deutscher Verein zur Er-
forschung deutscher Mundarten gegründet werden, dessen Mitglieder sich zu
einem bestimmten Beitrag verpflichten, damit davon ein Organ zur Erforschung
deutscher Dialekte unterhalten werden könnte.
Nach Schluß des Vortrags ergriff Vicepräsident Prof. Weinhold, der in
Abwesenheit des Präsidenten das Präsidium übernommen hatte, das Wort. Er
versicherte, daß die Frommanu'sche Zeitschrift nächstens wieder erscheinen werde
und kennzeichnete kurz seine persönliche Stellung zur germanischen Dialekt-
forschung. Seit 25 Jahren genau mit der Methode bekannt, wie diese Forschung
betrieben werden soll, glaubte er sich gegen die Gründung eines solchen all-
gemeinen Vereines aussprechen zu müssen, weil derselbe unpraktisch, und erklärte
sich für Provincialvereine. Er wünschte der Frommann'schen Zeitschrift das
beste. Gedeihen, konnte aber die Besorgniss nicht unterdrücken, daß ihr schwerlich
eine lange Dauer beschieden sein möchte. Auf diese Erklärungen hin zog Hr.
Hintuet seinen Antra- zurück und es folgte nun der letzte Vortrag der Section.
Diesen Hielt Director Immanuel Schmidt aus Falkenberg über
Thema: Die Perioden der englischen Litteratur im Zusammenhang mit der 1
schichte der Sprache. Nach einer entschuldigenden Einleitung erklärte Referent
sich für jene Eintheilung der Literaturgeschichte, welche den natürlichen Systemen
in den Naturwissenschaften entspricht, und verwarf die von i\rw Engländern
beliebte künstliche Eintheilung in so viele kleine Perioden. Diese natürliche
Eintheilung berücksichtigt alle wichtigen Momente, welche aul die Eutwick« lung
500 MISCELLEN.
der Litteratur großen Einfluß üben, als da sind: die politischen Ereignisse und
andere verwandte Einflüsse von aussen, die Entwickelung der Sprache und der
Einfluß fremder Litteraturen. Dabei bleibt aber immer der Entwickelungsgang
der Litteratur selbst Hauptgesichtspunkt. Als besonders charakteristisch für die
Geschichte der englischen Litteratur bezeichnet der Referent deren zeitweise
Abhängigkeit von der italienischen und französischen Litteratur.
Nach diesen allgemeinen Erörterungen gieng der Referent zur Charakteristik
der einzelnen Perioden über, die Kürze der Zeit erlaubte ihm aber nicht, alle
gleich ausführlich zu behandeln und seinen Vortrag zu vollenden. Nach seinen
Ausführungen reicht die erste Hauptperiode bis zum Schluße des Mittelalters
und zerfällt in mehrere Abschnitte. Die angelsächsische und anglonormannische
Zeit bildet gewissermaße. 1 die Einleitung. Für die nächste Zeit nach dem epoche-
machenden Einfalle der Normannen (1066) mangelt das Material. Die Jahre
von 1200 — 1250 werden die halbsächsische Periode genannt. Koch gebraucht
für sie den Ausdruck neuangelsächsisch, um dadurch den Zusammenhang mit
dem Altangelsächsischen anzudeuten. Zwischen den beiden Perioden 1250 — 1350
und 1350 — 1400 will Mätzner keinen Unterschied erkennen, aber es fehlt
weder an iunern noch äußern Verschiedenheiten. 1362 wurde die englische
Sprache als Parlamentssprache anerkannt und 1363 in derselben die Processe
zuführen geboten 5 gegen Ende des 14. Jahrh. begann der Kampf mit Rom.
1350 trat zuerst die Sonderung der Dialekte hervor. Die Periode 1250 — 1350
erscheint als eine Zeit der Decomposition der Sprache und die Periode 1350
bis 1400 als eine Zeit der Reconstruction. Das 15. Jahrh. ist nur ein Nach-
klang dieser Periode.
Die zweite Periode ließ der Referent bis zum Ende des 17. Jahrhs.
reichen. Deren Anfang bezeichnen die Entdeckung Amerikas, die Einführung
der Reformation, die Erneuerung der classischen Studien, der Einfluß des Lateins
auf die englische Sprache sowie der Einfluß der italienischen Litteratur. Das
sächsische Accentuationssystera überwältigt die französische Prosodie; die moderne
Schriftsprache gelangt ZUr vollen Geltung und erscheint zuerst ganz ausgebildet
in Tyndale's Bibelübersetzung. Der Referent theilte diese Hauptperiode in 4
Abschnitte, wovon der erste bis zum J. 1589 sich erstreckt, der zweite Shake-
speares Zeit, der dritte die Jahre von 1616 — 1642 (48) und der vierte die
übrigen bis zum Schluße der Hauptperiode umfasst.
Die dritte Hauptperiode., die sich größtenteils über das 18. Jahrh. aus-
dehnt, bezeichnete der Referent als Zeit der durchgebildeten Prosa und des
französischen Einflußes und nannte als Schriftsteller, die vorzüglich unter diesem
stehen , Cowley, Temple und Dryden. Sie führten den leichten natürlichen Satz-
bau ein, der nicht hoch genug angeschlagen werden kann.
Damit schloß der Referent, ohne die Grenzen und Abschnitte dieser
Periode näher bestimmen zu können. Gleichzeitig legte Dr. Keinz aus München
mehrere interessante Handschriften althochdeutscher Gedichte aus der Münchener
Staatsbibliothek vor. Nachdem diese besichtigt worden, ergriff der Vicepräsident
in Stellvertretung des abwesenden Präsidenten das Wort, sprach sein Bedauern
aus über die geringe Betheiligung an der Section, namentlich seitens der öster-
reichischen Gelehrten weit, wiederholte den Dank für die gehaltenen Vorträge
und erklärte hieinit die Sitzungen der Section für geschlossen.
INNSBRUCK. Dr. J. EGGER.
MISCELLEN .-,, i|
Übersicht
der germanistischen Vorlesungen an den Universitäten Deutschlands, Österreichs,
der Schweiz und Hollands im Wintersemester 1874 — 75.
Vergleichende Grammatik: Bonn-Gildemeister; Greifswald-Hoefer ;
Flexion und Wortbildung: Zürich-Schweizer - Sidler ; Syntax: Jena -Delbrück;
Würzburg- Jolly; ausgewählte Abschnitte: Königsberg-Nesselmann 5 Einleitung in
das Studium der vergleichenden Sprachwissenschaft : Heidelberg-Windisch; über
den indogermanischen Sprachstamm: Halle-Pott; Elemente der Sprachphysiologie:
Jena-Sievers; Phonetik: Breslau- Rumpelt.
Deutsche Grammatik: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Begomann ; Bonn-Bir-
linger; Breslau-Rückert (2. Theil); Erlangen-Kaumer; Freiburg-Paul ; Jena-Sievers;
Kiel- Weinhold; Leipzig-Zarncke; Marburg-Lucae; Tübingen-Keller; Würzburg-
Lexer; vgl. Grammatik der deutschen Sprache: Zürich- Vetter ; german. Gram-
matik vom sprachvgl. Standpunkt: München-Hofmann; Grammatik der altgerm.
Dialekte: Basel-Heyne; deutsche Grammatik, etymol. Theil: Bonn-Andresen.
Gothische Grammatik: Bonn-Diez; Göttingen - Bezzenberger; Gro-
ningen-Moltzer; Heidelberg-Bartsch; Leiden-de Vries ; Straßburg- Scherer.
Althochdeutsche Grammatik: Boun-Reifferscheid; Marburg - Grein ;
Straßburg-Scherer.
Mittelhochdeutsche u. neuhochd. Grammatik: Rostock-Bechstein.
Altsächsische Grammatik: Berlin (Ak. f. m. Ph.J-Zernial ; Halle-
Hildebrand.
Niederländische Grammatik: Grouingen-Moltzer; Leiden-de Vries ;
Utrecht- Brill.
Angelsächsische Grammatik: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Zernial; Gro-
niugen-Moltzer; Kiel-Möbius; Leiden-de Vries.
Englische Grammatik: Breslau- Kölbing; Wien-Zupitza; engl. Laut-
lehre: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Daleu; Wortbildung uud Syntax: Straßburg-ten
Briuk.
Alt friesische Grammatik: Leiden-de Vries.
Altnordische Grammatik: Bonn-Birlinger; Graz-Schönbach; Wien-
Zupitza.
Deutsche Mythologie: Göttingen- Wilken; Heidelberg- Bartsch ; Jena-
Klopfleisch; Zürich-Tobler.
Deutsche Alterthümer: Basel-Meyer; Privatalterthümer: Bonn-Reiffer-
scheid; Tacitus' Germania: Bern-Düby; Freiburg-Simson; Beidelberg-Scherrer ;
Leipzig-Brandes; Marburg-Nissen; Wien-Schuster.
Deutsche Rechtsquellen: Göttingen Frensdorff; der merovingisch-
karlingischen Zeit: Erlangen - Gengier ; Baifränkische: München- Amira; öster-
reichische: Graz-Luschin; Sachsenspiegel: Berlin-Lewis; Breslau- Uierk e ; Kiel-
Häuel.
Deutsche Literaturgeschichte: allgemeine Litteraturgeschichte 6eit
Karl dem Großen: Halle-Gosche; deutsche: Münster- Storck; ältere deutsche:
Gießen-Zimmermann ; Göttingen-Müller; Graz Schönbacb ; Greifswald- Wihnanns ;
Straßburg-Steinmeyer; Wien-Heinzel ; Würzburg-Lexer; 2. Theil : Breslau-Pfeiffer ;
Fortsetzung: [nnsbruck-Zingerle ; vom 11. 16. Jahrhundert: Halle-Hildebrand;
von Luther bis Opitz: Bern-Scböni; bi.-> Lessing: Berlin-Geiger; bis Klopstock:
Zürich- Uouegger; seit dem 17. Jahrb.: Göttingen-Tittmann ; Kiel*Groth; von
502 MISCELLEN.
1720 bis zur Gegenwart: Gießen-Weigand ; von 1740 — 1840: Leipzig-Minck-
witz; des 18. Jahrb..: Leipzig-Hildebrand; in der Zeit von Schiller und Goethe:
Wien-Tomaschek. — Deutsche Heldensage : Göttingen-Tittmann ; deutsche Lyrik
bis 1830: Zürich-Stiefel; Geschichte des geistlichen Schauspiels: Leipzig-Brock-
haus; Lessing: Basel-Heyne; Halle-Haym; Goethe: Berlin-Grimm; Müncken-
Bemays; Straßburg -Scherer; Zürich-Vetter; Goethes Faust: Berlin- Althaus ;
Heidelberg-Reichlin Meldegg; Innsbruck-Zingerle; Straßburg-Liebmanu ; Goethes
und Schillers philosoph. Dichtungen: Leipzig-Hildebraud; Schiller: Bonn-Birlinger;
Heidelberg-Fischer; Schillers Lyrik: Bern-Hirzel.
Niederländische Litte ratur: Leiden-de Vries; Utrecht- Brill; des
17. Jahrhs.: Groningen-Moltzer.
Englische Litteratur: Greifswald-Schmitz; 2. Theil: Berlin (Ak. f.
m. Ph.) Schmidt; 19. Jahrb.: Leipzig-Wülcker.
Deutsche Metrik: Göttingen- Wilken.
Sprachdenkmäler:
Gothische: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Begemann; Göttingen-Bezzenberger ;
Heidelberg-Bartsch; Innsbruck-Zingerle; Köuigsberg-Schade; Tübingen-Keller;
Marousevangelium : Bonn-Diez.
Althochdeutsche: Erlangen-Raumer ; Halle-Zacher; Jena-Sievers; Mar-
burg^-Lucae; nach Müllenhoff und Scherer: Leipzig-Zarncke; Otfrid: Berlin (Ak.
f. m. Ph )-Begemann ; Bonn-Reifferscheid ; Breslau -Kölbing; Leipzig-Zarncke;
Evangel. Matthaei: Gießen-Weigand.
Alt- und mittelhochdeutsche: Göttingen-Müller.
Altdeutsche: Bonn-Simrock; Königsberg Schade.
Mittelhochdeutsche: Graz-Schönbach; Greifswald- Vogt; Heidelberg-
Bartsch.
Freidank: Breslau-Pfeiffer.
Gottfrieds Tristan: Bonn-Reifferscheid.
Hartmanns Gregorius: Basel-Meyer.
Kudrun: Tübingen-Holland.
Minnesäuger: Freiburg-Paul; Jena- Sievers.
Nibelungenlied: Berlin-Müllenhoff; Greifswald-Wilmanns ; Innsbruck-
Zingerle; Leipzig-Zarncke; Münster-Storck; Zürich-Vetter.
Ulrichs von Liechtenstein Frauendienst: Rostock-Beckstein.
Walt h er vonderVo gelweide: Breslau-Rückert ; Köuigsberg-Schade.
Wolframs Parzival: Halle-Zacher.
Altsächsische: Heliand: Berlin (Ak. f. m. Ph.)-Zernial ; Halle -Hilde-
brand; Wien Ileinzel.
Mittelniedcrlä ndische: Leiden-de Vries; Floris , Ferguut, Renout:
Groningen-Moltzer.
Angelsächsische: nach Zupitza: Greifs wald-Hoefer; Heidelberg-Bartsch;
Beovulf: Kiel-Möbius ; Königsberg-Schipper; Leiden- de Vries; Marburg-Grein;
München-Hofmann; Ziirich-Ettmüller; Greins Bibliothek ags. Prosa: Berlin (Ak.
f. m. Ph.)-Zernial: neuangelsächsische: Marburg-Grein.
Altenglische: Breslau-Kölbing; Straßburg-ten Brink ; nach Zupitza:
Greifswald-Hoefer; nach Wülcker: Leipzig-Wülcker; Chaucer: Heidelberg-Ihne ;
Königsberg-Schipper.
Altnordische: Graz-Schönbach; Kiel-Möbius; Eddalieder : Berlin-Müllen-
hoff; Breslau-Kölbing; Gießen-Weigand; Göttingen- Wilken; Ilalle-Hildebrand ;
MISCELLEN. 503
München-Hofmann ; Wien-Zupitza ; Zürich-Ettmüller ; Volu Spä: Straßburg-Berg-
nianii.
Germanistische Übungen in Seminarien, Gesellschaften, Societäten, Kränz-
chen werden gehalten in Basel, Berlin, Bonn, Breslau, Freitmrg, Gießen,
Göttingen, Graz, Halle, Heidelberg, Kiel, Leipzig, Marburg, München, Rostock,
Straßburg, Tübingen, Wien und Würzburg.*)
Oscar Jänicke.
Wenn es ein langes, an Arbeit und Erfolgen reiches Leben war, dessen
Faden „eine dunkle Hand" zerschneidet, so mögen die Nachblickenden wohl
sich trösten, es war ja Abend geworden. Wenn es aber einem Leben in der
Mittagshöhe des Wirkens gilt, was dann? Und es war ein Leben in der Mittags-
höhe des Wirkens, dem der Tod am 6. Februar vorigen Jahres ein schnelles
Ende bereitete. Ich will es in Erfüllung einer theuren aber schweren Freuudes-
pflicht versuchen die Geschichte dieses Lebens noch einmal vorzuführen.
Am 21. Juni**) 1839 zu Pitschkau in der Unterlausitz als Sohn eines
Landwirthes geboren, bezog Oscar Paul Alexander Jänicke zu Ostern 1857,
nachdem er die Gymnasialstudien zu Guben zurückgelegt hatte, die Universität
Halle. Hier ist es vor allem Julius Zacher, dessen Einfluß bei dem jungen
Zuhörer bestimmend geworden ist. Er gewann ihn sicherlich der Wissenschaft,
deren Diensten er sich fortan treu und erfolgreich widmete. Das erste Interesse
Jänickes wandte sich hier Wolfram zu: er ward in der Folge einer der gründ-
lichsten Kenner dieses Dichters. Ostern 1859 finden wir Jänicke in Berlin.
Was in Halle begonnen ist, wird hier glücklich fortgesetzt. Der Einfluß Moriz
Haupts, des ihm kurz im Tode vorangegangenen letzten deutschen Humanisten
im edelsten Sinne des Wortes , läßt sich in allen Arbeiten Jänickes verfolgen.
Auch er konnte wie Haupt zum Zwecke der Ausgabe eines Denkmales die
gesammte gedruckte deutsche Litteratur des Mittelalters wieder lesen. Nur
auf diese Weise konnten die reichen {trächtigen Anmerkungen zu Biterolf u. s. w.
entstehen; wie er an diesem Fleiße auch andere theilnehmen läßt, davon wird
u. A.Le.xer zu erzählen wissen.
Der gelehrten Thätigkeit Jänickes in ihrer Gesammtheit aber gibt
K. Müllenhoff ihre Bestimmung.
Schon die Dissertaiion Jänickes De dicendi usu Wolframi de Eschenbach,
auf Grund deren er zu Halle Michaelis 18G0 promoviert, /.engt davon. Das
Zurückweichen der Sprache des Volksepos vor der eindringenden höfischen
Dichtungsart an einer Reihe von hervorragenden Wörtern und Constructionen
nachzuwei die — glücklich gelöste — Aufgabe dieses Schriftchens. \\ ie
glücklich die Zeit war, da Jänicke unter Müllenhofffl Leitung dieser Arbeit
, weil.; ich aus .seinem Munde. Vor der Hand war es ihm aber nielit
gegönnt in der fruchtbaren Nähe dieses verehrten Mannes zu bleiben. Wie
manchen andern trieb auch dm des Lebens bittersüße Pflicht hinaus, nach
•einem Nahrungszweiglein sich umzu ehen.
Das Lectionsrerzeichnisa von Prag fehlte.
i - Blittheilung vieler Einzelheiten au- dem Leben des Verstorbenen, die
• n-i entgangen wären, bin icb W. Wilmanns zu Dank verpflichtet, In dei Ztscbr,
f. '1. i. ii 1874, s- 17 1 leimt abei Wilmanns den 21. Januar als Geburts-
tag Jänicl "ii die Angabe der vita binter J . Dissertation, "■> Jun.
steht, am' einem Druckfehler beruhen nun'.'.
504 M1SCELLEN.
Als Probecnndidat kommt er im Jahre 1860 an die Realschule 1. Ordnung
nach Meseritsch, Ostern 1862 als Adjuuct an die Ritterakademie zu Branden-
burg, 1864 an die höhere Bürgerschule zu Wriezen. Hier legt er durch seine
Verheirathung den Grund zu seinem glücklichen Ehe- und Familienleben, das
Jänickes Haus jedem Freunde und Fremden so heimlich machte, und erst nach
neunjähriger Abwesenheit kehrte er in die Stadt, da er die glücklichsten Stunden
der ersten Gelehrtenthätigkeit verlebt hatte, zurück. Das Herbe in Städtchen
ohne hinreichende Hilfsmittel für seine litterarische Thätigkeit leben zu müssen,
hat Jäuicke somit lange genug empfunden. Doch feierte er hier nicht. Neben
manchen Studien, die seinen späteren Arbeiten zu Gute kommen mochten, ar-
beitete er in Brandenburg eine Deutsche Rechtschreibung und Formenlehre für
die unteren uud mittleren Klassen höherer Lehranstalten aus. Praktisch päda-
gogischer Sinn leuchtet aus dem Büchlein. Zu Wriezen entstand sein schöner
Aufsatz: Über die niederdeutschen Elemente in unserer Schriftsprache, der im
Programme der höheren Bürgerschule 1869 erschien. Die Ausgabe des Biterolf
endlich ist in den Jahren der Entfernung von Berlin vollendet worden. Sie
bildet mit Laurin und Walberan den ersten Band des Deutschen Heldenbuches.
Michaelis 1869 kommt Jänicke als Oberlehrer an die städtische höhere Bürger-
schule — jetzt Sophienrealschule — zu Berlin. Was er lange entbehrt hatte,
die Gelegenheit reichlicher Hilfsmittel, den anregenden Verkehr mit Freunden,
fand er wieder. Fleißiger als je arbeitet er an der Ausgabe der Wolfdietriche.
Im Osterprogramme der städtischen höheren Bürgerschule vom Jahre 1871 erscheinen
die Beiträge zur Kritik des großen Wolfdietrichs, im selben Jahre die Ausgabe
des Wolfdietrich B im dritten Theile des Heldenbuches, dem 1873 die des Wolf-
dietrich D folgt. Nebenher laufen in diesen Jahren die Vorbereitungen zu einer
Ausgabe des Tristan für Zachers Germanistische Handbibliothek. Im Jahre 1870
war Jäuicke in Florenz, um die Tristanhandschrift zu vergleichen.
Die Altdeutschen Studien, welche zu Müllenhoffs Geburtstage am 8. Sep-
tember 1871 erschienen, enthalten Jänickes Ausgabe des Ritters von Staufenberg,
voll der feinsten Bemerkungen über die Sprache der spätmittelhochdeutschen
Zeit. Ausser diesen größeren Arbeiten enthalten Aufsätze und Anzeigen: Zeit-
schrift für deutsches Alterthum, Zachers Zeitschrift für deutsche Philologie und
die Zeitschrift für das Gymnasialwesen.
Wie Gottfried von Straßburg die Dichtung, sollte Jänicke die Ausgabe
nicht vollenden.
Schon winkt dem mühevollen Leben der Kranz. Die Berufung nach
Freiburg erreicht ihn als Todten.
MÖDLING. JOSEPH STROBL.
Jacob Grimm an Adelbert von Keller.
Lieber freund, schnell durch alle Zeitungen flog die trauerbotschaft, doch
bin ich Ihnen herzlichen dank schuldig für das mir mitgetheilte nähere, ich
bin zwei, drei jähre älter als Unland, mithin schnittreifer, wozu kommt dasz
er fast immer, bis auf die letzte kraukheit gesund war, ich seit einigen jähren
vielfach kränkle, obschon die arbeit fortgeht, die lust daran unversiegt ist. so
lauge mir das leben anhält, soll hoffentlich die kraft zu wirken währen, wahr-
scheinlich erfreuen uns alle noch Untersuchungen, die Uhland über sage und
lied ausgeführt hinterläßt, wie verlautet auch ungedruckte gedichte; wenn er
MISCELLEN. 505
also vor den leuten schwieg, dichtete er für sich immer fort, melden Sie der
trauernden witwe mein beileid, woran sie nicht zweifeln wird, es zeugt vom
warmen schlag des volksgefühls, dasz man gleich nach dem tod die errichtung
eines Standbildes beschlossen hat, wie lauge musten Schiller und Göthe darauf
warten, mein beitrag soll nicht ausbleiben.
Dieser tage empfieug ich die neusten ausgaben des Vereins, von Miehe-
lants Zueignung war Uhlaud wol lange unterrichtet und hat wahrscheinlich scbon
die aushängbogen in bänden gehabt. Riegers Walther von der Vogelw. langte
aber nicht mehr zeitig au. der Renaus de M. ist die edelste bliite des französ.
epos und in vielem betracht, nach inhalt wie form, ein herliches werk, ich freue
mich der reinlichen ausg. , die alles übertrifft was an den alten dichtem jetzt
zu Paris geleistet wird. Mich ziehen zwar alle an, es besteht darin eine grosze
einförmigkeit, sie wird aber durch das einzelne vergütet. Sind noch eiu paar
fehlende Werke gedruckt erschienen, so wird sich über die Karlin^ischen ge-
diehte fruchtbar sehreiben lassen. Was davon zu uns über den Rhein draug
bedeutet weniger, manches bild, manchen zug mögen aber die Pranken iu
ihrer brüst schon aus der heimat hin nach Gallien getragen haben.
Sie werden froh sein, den Simplicissimus nun abschütteln zu können . Wo
haben Sie die beilage vom Simpl. arzt aufgetrieben; ich wüste gar nichts davon.
Aus der andern beilage sehe oder meine ich zu sehen, dasz die hülfe
zum schwäbischen wörterb. oft versagt hat. wer solchen arbeiten sich unter-
zieht, weisz dasz die hauptsache auf die eigne kraft gewiesen ist. endlich habe
ich zu München durchgesetzt, dasz Schmellers ergänzungen gedruckt werden.
Es fuhr mir wöl durch den köpf über Stuttgart und Tübingen heim zu
reisen, was ich aber von Stalin und andern mehr hörte, war, daß keiner zu
dem kranken gelassen werden solle, jetzt bereue ichs zu spät.
Hier füge ich meine Photographie bei.
Ganz der Ihrige
Berlin 29. nov. 1862. Jac. Grimm.
Denkmal für Walther von der Vogelweide.
Der nachstehende Aufruf ist mir zur Veröffentlichung in der Germania
mitgetheilt worden und sei allen Lesern dieser Zeitschrift warm empfohlen.
Aufruf!
I>.i- schöne Waltherfest auf der Vogelweide ist verklungen und ein schlichter
Denkstein dem Sänger gesetzt.
Die erhabene Peier ist Jedem anvergeßlich, der ihr beigewohnt.
Aber dir grüßte deutsche Lyriker des Mittelalters verdient ein würdigeres, ein
ehernes Denkmal.
I» geferti • • Oomitd hat deßhalb den Entschloß lt- i':i>st, dem ansterblichen
Sänger ein Brzdeukma] in Bozen, der letzten denl ichen Stadt, nahe au der Sprach-
grenze zu errichten.
Ea ich mm vertrauensvoll an Österreich, wo Walther Bingen und
:i gelernt, wonniglichen Bof and dessen edle Pursten er in seinen
eiert, an Österreich, wo er zuerst der Minne Lust und Leid er-
fahren und besungen.
506 MISCELLEN.
Herren und Frauen unseres herrlichen Kaiserstaates! Ehret das Andenken
des unsterblichen Dichters, der Österreichs Ehre gefeiert.
Allein Walther ist auch der edelste aller deutschen Sänger der früheren Zeit.
Er hat Deutschlands Größe und Lob in vollendeten Tonen verkündet,
dessen Ringen und Kämpfen verherrlicht und das Sinken und Zerfallen deutscher
Macht in erschütternder Weise betrauert.
Wir hoffen deshalb , daß das deutsche Volk die Errichtung eines Walther-
Denkmales in Bozen unterstützen und fördern werde.
Das deutsche Volk wird dadurch nur einer alten Ehrenschuld gegen seinen
größten deutschen Lyriker des Mittelalters gerecht werden.
Bozen, im Oktober 1874.
Dr. H. Desaler, Advocat, Dr. C. Knoflach, Notar,
Dr. G. v. Kofier, Gutsbesitzer, A. M i ch a eler , k. k. Gymnasialprof.,
Pli. Neeb, k. k. Forstmeister, G. Seelos, Landschaftsmaler,
Ch Schneller, Landesschulinspector, J. Sehueler, Bürgermeister,
A. Wachtier, Handelsmann, Dr. A. Zingerle, k. k Univ.-Piof,
Dr. J. Zingerle, k. k. Universitäts-Professor.
Im Anschluß daran theile ich das von mir für die am 3. üctober ge-
haltene Waltherfeier verfasste mittelhochdeutsche Lied mit.
Hern Walthers sanc.
Mir ist ein niuwez msere komen,
ichn hän so liebes niht vernomen
bi minen tagen ze deheinen ziten.
Ich vreische al umbe und über al
daz liut von berge und üzme tal
zer Vogelweide beide gän und riten.
Ja vröwet sie der liebe vunt,
daz in diu ßtat ist worden kunt,
der Vogelweider erbegrunt,
dar umb die wisen lange pflägen strtten.
Noch hoere ich guoter msere me,
daz ez in tiutschen landen ste
in disen ziten rehte al nach den ercn.
Daz riche deist berihtet wol,
der keiser waltet als er sol
und wil den tiutschen namen höhe ineren.
Er wert den pfaffen ungefuoc,
des riches vint er nid er sluoc,
der ger nach unsern landen truoc:
vrou Saelde müeze ir regen üf in reren.
Nu kumt uns rilich wider diu sät,
die ouch min haut geströwet hat,
do ich gesanc den pfaffen und den leien.
MISCELLEN. 507
So wol mich daz ich wart geborn !
min arebeit ist niht verlorn:
ein richer herbcst volget n&ch »lern meien.
Tr tiutschen wip, ir tiutschen man,
den got so höher sseldcn gan,
sit hohes muotes allez an
und lät uns vroelich tanzen unde reien.
[NNSBRUCK, 1. October 1874. K- B.
Bei diesem Anlaß mö^e auch, da der Raum es gerade gestattet, ein nach
J. Grimms Tode verfasstes Gedicht eine Mittheilung finden.
Jacob Grimm.
Sol aber ez ie noch meie sin
nach dirre winterkalten naht?
Uns hat den lichten sunneschin
ein trüebez wölken gar bedaht.
Mich dunkct daz nie inere üf erden
ein rehter meie künne werden :
so breit i*t nü des tödes mäht.
Uns ist ein schade gröz geschehen
an unsers meisters hinevart,
Dem al diu weilt des muose jehen,
daz nie deheiner bezzer wart.
Der wisheit hört, der künste kröne
truoc er uf sinem houbet schöne
und in dem herzen sin verspart.
Wer sol die wiselösen schar
nü leiten, sit er hinnen ist?
Ir gap so riche geistes nar
sin minneclichiu mitewiet.
Ir vater wsere du entriuwen;
si mac von herzen relite riuwen,
daz du von in genomen bist.
Ow§ daz also richer hört
sol jaemerlich zer erde Ligen!
Kunst unde 1 i st ßint an ein ort
mit einem töde gar gedigen.
Daz riche stäl du vogetes I
wer ist so wert der berre waere?
ir aller herre ist bin gesigen.
K. B.
Denkmal für Hoffmann von Fallersieben.
Eoffmann von Fallersleben wird gegenwärtig auf einem der schönsten
Plätze Corveys, in der Nähe der Bibliothek, ein Denkmal errichtet, bestehend
Büste in mehr als Lebensgröße auf einem mit Reliefs geschmückten
Postamente.
508 MISCELLKN.
Personalnotizen.
An der Universität München hat sich Dr. von Amira, ein Schüler K.
Maurers, für nordische Rechtsgeschichte habilitiert.
Der Privatdocent Dr. C. Gust. Andresen in Bonn ist zum außerordent-
lichen Professor in der philosophischen Facultät daselbst ernannt worden.
Dr. A. Bezzenberger hat sich an der Universität Göttingen für Lin-
guistik habilitiert.
An der Universität Breslau habilitierte sich am 14. Decemb. 1874 für
das Fach der deutschen Sprache und Litteratur Dr. Felix Bober tag mit
einer Abhandlung über Grimmeishausens simplicianische Schriften (8. 34 S.J.
Die von ihm vertheidigten Thesen sind: 1. Grimmeishausen war in der letzten
Zeit seines Lebens katholisch, früher wahrscheinlich Protestant. 2. Der Begriff
der Kunst ist von dem Begriffe der Poesie nicht zu trennen. 3. Deutsche
Grammatik als Anweisung, die deutsche Schriftsprache richtig zu gebrauchen,
ist nothwendig und wissenschaftlicher Begründung fähig und bedürftig. 4. Die
Erlernung der altdeutschen Sprache gehört nicht zu den Zwecken des Gym-
nasialunterrichtes.
An der Universität Leipzig hat sich am 30. October 1874 Dr. Wilhelm
Br»une für deutsche Sprache und Litteratur habilitiert; seine Habilitations-
schrift ist die "über die Quantität der althochdeutschen Endsilben in den von
ihm und H. Paul herausgegebenen Beiträgen II, 125 — 167.
Der Gymnasialprofessor Dr. Heinrich Hirzel ist zu Ostern 1874 als
ordentlicher Professor der deutschen Sprache an die Universität Bern berufen
worden.
Dr. Adalbert Jeitteles, Bibliotheksscriptor in Graz, hat Michaelis 1874
einen Ruf als Bibliothekar an die Universitätsbibliothek zu Innsbruck angenommen.
Der außerordentliche Professor E. Mall in Münster folgte Michaelis 1874
einem Rufe als ordentlicher Professor der neueren Sprachen (romanisch und
englisch) an die Universität Würzburg.
Am 3. September 1874 starb in Lemnitz (Altenburg) der bekannte Lin-
guist Geh. Rath Hans Conon v. d. Gabelentz im 67. Lebensjahre.
Am 20. September starb in Berlin der hochverdiente Senior deutscher
Germanisten, Gustav Homeyer, im 80. Lebensjahre.
Ein Katalog der von Moriz Haupt und Karl Schiller nachgelassenen
Bibliotheken ist bei Mayer und Müller in Berlin (Französische Straße 38) er-
schienen. Die erste Abtheilung: Deutsche Philologie, umfasst auf 78 Seiten
2626 Nummern, wozu noch ein Anhang von 4 Seiten kommt.
Berichtigungen.
S. 297 letzte Zeile am Anfang fehlt: nicht; S. 337 Z. 6 lies Oft
statt Ofl.
PF Germania
3003
G4
Jg. 19
PLEASE DO NOT REMOVE
CARDS OR SLIPS FROM THIS POCKET
UNIVERSITY OF TORONTO LIBRARY